Elanthia - Lena Grünbaum - E-Book

Elanthia E-Book

Lena Grünbaum

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Beschreibung

Elanthia ist verzweifelt. Gefangen in einer gewalttätigen Ehe, ohne Vergangenheit und ohne Hoffnung auf eine Zukunft, fristet sie ihr Dasein auf Epsylon, einem Planeten weit entfernt von allen bekannten Galaxien. Um zu überleben, unterwirft sie sich ihrem brutalen Mann und verliert sich dabei nach und nach selbst. Als sich jedoch die Möglichkeit eröffnet, ihren verlorenen Erinnerungen auf die Spur zu kommen, begibt sie sich auf eine gefährliche Reise, die sie zur Erde und zur Wahrheit über ihre Herkunft führt. Konfrontiert mit der Existenz von Dämonen und Engeln, fantastischen Welten jenseits der Vorstellungskraft, ihrem Ursprung und ihrer schmerzhaften Vergangenheit, ist Thia nicht vorbereitet auf den Feind, der im Dunklen lauert, und den Mann, den sie vor langer Zeit zurückgelassen hat.

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EPUB
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Seitenzahl: 484

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Impressum 2

Prolog 3

1 12

2 28

3 56

4 75

5 109

6 138

7 151

8 173

9 195

10 219

11 244

12 268

13 298

14 328

Danksagung 343

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2021 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99107-416-8

ISBN e-book: 978-3-99107-417-5

Lektorat: Mag. Katrine Hütterer

Umschlagfotos: Dml5050, Carlos Caetano, Olga Trifonova, Lekcej | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Prolog

Der Fremde

Er lachte leise, als er sie unerkannt beobachtete. Seine scharlachroten Flügel hielten ihn problemlos in der Luft, während er Kronos’ Methodik studierte und verinnerlichte. Die großen Palastfenster gestatteten ihm, einen Platz in der ersten Reihe einzunehmen, als der widerwärtige Mensch die Peitsche hob und auf ihren zarten Rücken zuschnellen ließ.

Nicht so umfassend wie das Ende einer Zivilisation, nicht so schmerzhaft wie der Verlust der großen Liebe und sicherlich nicht so wirkungsvoll wie der Diebstahl ganzer Erinnerungen. Dennoch …

Wer hätte gedacht, dass die große Elanthia durch die Hand eines Sterblichen fallen würde, durch eine solch … archaische Art und Weise brechen würde?

Keinerlei Finesse oder Ideenreichtum, doch durchaus effektiv.

Dieser kleine, wertlose König, dessen Machtgier die Seine noch bei Weitem übertraf, hatte sich als die perfekte Waffe erwiesen, um das Gör für eine Weile aus dem Weg zu räumen.

Nun konnte er sich endlich dem Rest seines Planes zuwenden und aus der Ferne verfolgen, wie seine größte Hürde ihrer Schwäche erlag. Und wenn sie einmal zu einem gebrochenen Nichts verkommen war, würde sie ihm gehören.

Mit einem kalten Lächeln auf den Lippen wandte er sich von dem befriedigenden Anblick ab und flog langsam Richtung Berge.

Die toxische Atmosphäre von Epsylon konnte ihm nicht schaden und ihn folglich auch nicht fernhalten. Immerhin existierte er schon weitaus länger in diesem Teil des weiten Universums als das Wesen, welches einst den abweisenden Schutzschild um den einsamen Planeten errichtet hatte.

Erneut lachte er leise auf. Es war beinahe schon zu leicht und dennoch gab es noch viel zu tun.

Seine Schachfiguren waren alle auf ihrem angedachten Platz und er war bereit für seinen nächsten Zug.

***

Der Gefallene

„Hast du etwas von unseren Männern auf Epsylon gehört?“ Er wusste, dass seine Stimme leicht zitterte, doch nach all dieser Zeit, hatte er sie endlich wiedergefunden. Die andere Hälfte seiner malträtierten Seele.

„Tatsächlich habe ich das, mein Freund. Es scheint Elanthia gut zu gehen, wenn es auch nicht so wirkt als würde sie in nächster Zeit in die Heiligen Gefilde zurückkehren.“ Sein General, einst Hauptmann der Heerscharen, klang gleichgültig, doch er wusste, dass dem nicht so war. Xorus war es lediglich gewohnt, seine wahren Gefühle zu verbergen.

Er war überzeugt, dass Xorus Elanthia fast so sehr vermisste wie er selbst. Die beiden Freunde hatten sich einst sehr nahegestanden.

Der General war sogar derjenige gewesen, der Elanthia ihren lieblichen Spitznamen geschenkt hatte. Er musste lächeln, als er sich daran erinnerte, wie sehr Thia ihren vollen Namen gehasst hatte. ‚Elanthia‘ ist so sperrig, ein echter Zungenbrecher. Schrecklich, beinahe niemand kann das Wortungetüm richtig aussprechen.

Der Bericht seines Generals traf ihn zutiefst und Traurigkeit ließ sein sanftes Lächeln verschwinden.

Er hatte so sehr gehofft, Thia nach all der Zeit endlich wieder in den Armen halten zu können. Ihr gemeinsames Band mochte zerschlissen sein, beinahe nicht greifbar nach all diesen Jahren, doch er konnte sie noch immer tief in sich spüren. Ein fast verlorener Teil seiner selbst.

„Ich wünschte, ich könnte sie erreichen. Die Atmosphäre von Epsylon ist so abweisend, dass ich gerade einmal fühlen kann, dass sie noch am Leben ist.“

Wäre dem nicht so, würde die Atmosphäre um Epsylon nicht beinahe jedwedes übernatürliche Wesen abwehren, so wäre er selbst dorthin gereist, statt seine Tremanen zu entsenden.

Er lachte bitter und strich mit seiner Hand über eine seiner weißen Schwingen. So nutzlos erschienen sie ihm in diesem Moment.

„Das ist alles seine Schuld.“ Zorn loderte in seinem Herzen wie eine glühend heiße Flamme.

Bald würde er sich am Allvater rächen und wenn es soweit war, würde er keinerlei Gnade walten lassen.

Bald. Bis dahin, jedoch …

„Ich erwarte wöchentlich einen Bericht zur Situation auf Epsylon.“ Vielleicht war Xorus‘ Prognose fehlerhaft und Thia würde doch zeitnah den Weg zu ihm zurückfinden.

„Natürlich, Lucifer.“

***

Der Vergessene

Er konnte es nicht ertragen, wie ihre qualvollen Schreie durch den ganzen Palast hallten und wie leer, wie gleichgültig, die Blicke des restlichen Personals waren. Kein Mitgefühl für ihre neue Königin, die nicht mehr war als eine Gefangene.

Raphael wollte weinen, toben, brüllen.

Doch was würde es bringen? Ihm waren die Hände gebunden und er konnte nur versuchen, ihr beizustehen, gefangen in dem Körper eines Jungen.

Er wollte nach Hause, Thia an der Hand nehmen und einfach verschwinden. Doch er hatte ihr etwas versprochen. Sie zu beschützen und zu verbergen, vor den Freunden und der Familie, die sie vor langer Zeit zurückgelassen hatten.

Und so würde er ihr weiter zur Seite stehen, auch wenn er ihren Schmerz kaum verkraftete.

Die Gewissheit, dass ihr jetziges Leid nichts im Vergleich zu dem war, was hinter ihnen lag, war kaum ein Trost.

Denn ohne Erinnerung an ihn, an ihre gemeinsame, schmerzvolle Vergangenheit, war das Trauma, welches sie in diesem Moment erlitt, so viel schlimmer als alles, was sie kannte.

Erneut ertönte ihre Stimme in leiderfüllter Sinfonie und Raphael war versucht, seine Hände schützend über seine Ohren zu legen, um diese grausamen Klänge auszublenden.

Doch wenn Thia die eigentlichen Peitschenhiebe ertragen konnte, so durfte er nicht davor zurückscheuen, ihr Leid zu teilen.

***

Die Leidende

Königin. Herrscherin. Privilegierte. Ich fragte mich oft, ob das Personal, ob das Volk in dieser Art und Weise an mich dachte, oder ob sie sahen, was hinter den Palastwänden wirklich geschah.

Es hatte begonnen wie ein Traum.

Der Tag war hell, warm und inspirierend gewesen. Natürlich hatte ich diese Chance genutzt, mich in eine meiner liebsten Parkanlagen ins Gras gesetzt, mein Notizbuch hervorgeholt und angefangen, an meinem neuen Roman zu schreiben. Mein mittlerweile viertes Werk im zarten Alter von achtzehn Jahren.

Alles war perfekt gewesen. Hela, eine kleine Stadt an der Grenze zwischen Hermelonien und Liona, und meine Heimat, hatte gesummt vor Leben im Lichte von Herezias Strahlen.

Auch wenn die allgegenwärtige Armut niemals in Vergessenheit geraten konnte. Sei es durch die Brüchigkeit der alten Fassaden, durch die Bettler an jeder zweiten Häuserecke oder durch die Umzäunung unserer einzigen Nahrungsquelle, dem Fluss ‚La vie‘, und der damit einhergehenden, kaum ausreichenden Rationierung des Wassers.

Dennoch hatte ich es geliebt, mich im Trubel der Menschen zu bewegen und mich hin und wieder mit Einheimischen sowie mit Touristen von der Erde auszutauschen.

Irdische Touristen kamen nicht oft in die Randgebiete von Hermelonien, doch wenn es sie dorthin trieb, hielt sie nichts davon ab, ihre Geschichten, ihre Kultur zu teilen. Nur von diesen Erzählungen wusste ich überhaupt, dass unser Planet Epsylon der Erde sehr ähnlich war.

Am erstaunlichsten war wohl, dass beide Planeten von Menschen bewohnt wurden, obwohl sie in unterschiedlichen Galaxien lagen.

Eine rätselhafte Entwicklung, die sich mir nie ganz erschlossen hatte.

An besagtem Tag waren keine Touristen zugegen, dennoch hatte ich verschiedenste Gespräche der Einheimischen wahrgenommen, die vergnügt über die Parkanlage spaziert waren und sich über den regen Handel mit der Erde unterhalten hatten.

Ja, alles war perfekt gewesen, bis ich seinen Blick auf mir gespürt hatte.

Neugierig hatte ich von meinem Notizbuch aufgeschaut, direkt in seine moosgrünen Augen.

Erschrocken war ich zurückgewichen, zu nah war er mir gekommen, ohne dass ich es gemerkt hatte.

„Entschuldigt bitte, ich wollte Euch nicht erschrecken.“ Seine Stimme hatte so warm und einladend geklungen.

„Ist schon in Ordnung. Kann ich Euch irgendwie behilflich sein, mein Herr?“

Ich konnte noch genau hören, wie sanft er darüber gelacht hatte und wie mein Herz einen leichten, entzückten Sprung gemacht hatte.

„Das könnt Ihr in der Tat, schönes Kind. Wie ist Euer Name, wenn ich so forsch sein darf?“ Immer noch freundlich, immer noch charmant.

„Elanthia, mein Herr. Und wer seid Ihr?“ Nur gerecht, hatte ich gedacht, wenn ich meinen Namen preisgeben musste.

„Ich bin Kronos.“ Natürlich kannte jeder Hermelonier diesen Namen und natürlich wusste niemand, welches Ungeheuer sich hinter diesem Namen verbarg.

Unbeholfen, beschämt war ich aufgesprungen. Geehrt hatte ich mich gefühlt.

„Eure Majestät“, hatte ich ihn begrüßt und einen tiefen Knicks vollführt.

„Nicht doch, Elanthia. Setzt Euch nur wieder hin. Wir haben einiges zu besprechen.“ Mit diesen Worten hatte er sich ins sanfte Gras fallen lassen. Er hatte nahbar, menschlich, bodenständig gewirkt.

Zögerlich war ich seinem Beispiel gefolgt.

„Also, Elanthia, mich treibt keineswegs der Zufall in diese abgelegene Gegend meines Reiches. Ich habe Euch gesucht.“ Ein leichtes Lächeln hatte um seine schönen Lippen gespielt.

„Mich?“ Ungläubig hatte ich mein Notizbuch geschlossen und die Hände im Schoß gefaltet.

„Euch. Denn Ihr, meine liebe Elanthia, werdet meine zukünftige Frau.“

Der Anfang vom Ende meiner freien Existenz.

Ich hatte gelacht, hatte gedacht, er hätte einen Witz gemacht. Erst als er mich nach Hause begleitet hatte, um meinen Eltern die Nachricht unserer Verlobung zu überbringen, hatte ich begonnen, meine neue Realität zu erkennen und schließlich zu protestieren.

Doch Kronos war nicht unvorbereitet zu mir gekommen.

Er hatte mich um fünf Tage gebeten, um mich zu überzeugen und mir vor einer endgültigen Absage die Hauptstadt Gera zeigen zu dürfen. Chronisch neugierig wie ich war, hatte ich zugesagt und damit mein eigenes Schicksal besiegelt.

Im Palast angekommen, war seine zivilisierte Maske gefallen und seine Bitte war zu einer Drohung geworden. Würde ich nicht in die Ehe mit ihm einwilligen, würden meine Eltern mit ihrem Leben bezahlen.

Als ich das Monster hinter seiner charmanten Fassade erkannt hatte, war es leider bereits zu spät gewesen, um zu fliehen und so hatte ich zugestimmt.

Sieben Jahre später blickte ich noch immer zurück auf diesen Tag und suchte den Moment, als alles schiefgelaufen war.

Doch welchen Sinn hatte es über das „Was wäre, wenn …“ nachzudenken?

Ändern würde sich dadurch nichts und so hoffte ich lediglich, dass eines Tages jemand kommen würde, um mich zu befreien.

Denn nach all den Jahren war ich nicht länger in der Lage dazu, meine Ketten aus eigener Kraft zu sprengen, und es auch nur zu versuchen, käme einem Todesurteil für meine Eltern gleich.

Und so verblieb ich Gefangene, Untergebene, Gebrochene.

***

Der Suchende

Mit klopfendem Herzen erwachte er aus seiner Vision.

Krieg würde seine Schwelle bald finden und er war allein im Angesicht dieses unbekannten Feindes, der bereits Chaos und Zwietracht gestreut hatte, wenn ihn seine Gabe nicht täuschte.

Eigentlich besaß er nicht die Fähigkeit, die nahe Zukunft zu sehen, war er doch schon mit dem Geschenk der Weitsicht beglückt worden.

Es musste sich um ein Entgegenkommen des Universums handeln. Ein Ausgleich für Thias Verschwinden und die große Lücke, die sie in seinen Reihen zurückgelassen hatte.

Ein Aufruf, seine engsten Freunde zu suchen, zu finden und an seine Seite zurückzuholen, sodass die Zukunft, die er gesehen hatte, niemals eintreten würde.

Nephariel, rief Primus die Generalin seiner Heerscharen im Geiste.

Ja, mein Herr?, Nephariels Antwort kam ohne Verzögerung. Primus’ Generalin war es gewohnt, auf diese Art und Weise mit dem Telepathen zu kommunizieren.

Entsende eine Einheit zu Lucifers Reich. Es wird Zeit, dass der gefallene Engel nach Hause kommt.Primus schmunzelte leicht. Vermutlich würde Lucifer seinem Ruf nicht folgen, doch es würde ihn durchaus wachrütteln und warnen, dass etwas im Argen lag.

Er wird Eurem Anliegen nicht gewogen sein, mein Herr.Ich habe jedoch kürzlich Wort von Xorus erhalten. Unser früherer Hauptmann mag mit Lucifer gefallen sein, doch er ist noch immer auf unserer Seite. Er weiß, dass Lucifer falsch liegt.Nephariels Worte waren von Hoffnung erfüllt. Lucifers Fall hatte jedem von ihnen so unendlich viel geraubt. Freunde, Familie, Frieden.

Was spricht Xorus?Primus konnte seine Neugier kaum bändigen.

Sie haben Thia gefunden, mein Herr.Sie befindet sich auf einem Planeten namens Epsylon, gelegen in einer weit entfernten Galaxie.Echte Freude drang durch die telepathische Verbindung und Primus erkannte, dass Thia sehr vermisst wurde. Er selbst konnte gar nicht in Worte fassen, wie sehr sie ihm fehlte.

Es ist wohl so, dass der Planet von einem Schutzfeld umgeben ist, der Wesen wie uns abweist. Ich denke nicht, dass Ihr sie erreichen könnt,fuhr Nephariel zerknirschter fort.

Nicht, ohne ihre Kraftsignatur orten zu können. Immerhin wissen wir nun, wo sie ist. Ich werde einen Weg finden, sie zu kontaktieren. Sie hat sich lange genug vor ihrer Vergangenheit versteckt. Bis dahin haben wir einiges zu klären. Du weißt, was du zu tun hast.Mit diesen abschließenden Worten kappte Primus die telepathische Verbindung und richtete seine Gedanken auf die Weiten des Universums.

Epsylon zu finden war leicht. Die abstoßende Atmosphäre des Planeten weckte in ihm das Bedürfnis, ein heißes Bad zu nehmen. So sehr er auch versuchte, weiter in den Planeten einzudringen, es war unmöglich. Er hatte nichts, woran er sich festhalten konnte, nichts, woran sich sein Geist orientieren konnte.

Solange Thia nicht gefunden werden wollte, konnte er sie keineswegs erreichen.

Also würde er warten und weiterhin nach einer Lücke in der Abwehr des Planeten suchen, bis er Thia endlich wieder nach Hause geholt hatte.

Er war unsterblich. Er hatte Zeit.

***

1

Ich lebe nicht für Liebe, nicht für Träume, nicht für Glück. Ich lebe für die Hoffnung, irgendwann geliebt zu werden, irgendwann zu träumen, irgendwann glücklich zu sein. Ich lebe in der Zukunft, doch nur so überlebe ich meine Gegenwart. Thia

Wie immer genoss ich die Aussicht aus dem obersten Palastfenster. Blauer Himmel, die Häuser lagen in vollkommener Stille zu dieser frühen Morgenstunde und die Singvögel sangen ihre fröhliche Melodie. Und wie immer bildete diese Idylle einen riesigen Kontrast zu meinem Leben, das nur ein paar Stockwerke unter mir seinen Lauf nahm.

Wie in Zeitlupe zog ich mein Notizbuch vom Tisch, nahm es unter den Arm und ließ den einzig friedvollen Ort in diesem Palast hinter mir.

Ich verließ meine persönliche Bibliothek mit einem Gefühl der Ruhe und schlenderte langsam aus der Tür, das himmelblaue Seidenkleid elegant um mich drapiert, wie es sich für eine „Nicht-existente“ Herrscherin gehörte. Die Wendeltreppe aus schwarzem Marmor führte mich in den vierten Stock hinunter und direkt zu den königlichen Schlafgemächern. Ganz der Etikette folgend, begab ich mich auf den Weg zu meinen Räumlichkeiten, um mich auf die „Audienz“ bei Kronos, meinem Mann, meinem Peiniger, vorzubereiten. Ein Besuch am Tag war Pflicht, jeder weitere Besuch war optional und geschah lediglich auf seinen Befehl hin.

Gemächlich wanderte ich den dunklen Flur mit hoher Decke entlang und betrachtete zum gefühlt millionsten Mal die Bilder von Kronos’ Vorfahren und die mit Goldfäden verwobenen Intarsien an den burgunder-farbenen Wänden. Als ich zu einer Gabelung kam, wählte ich die linke Abzweigung, die mich zu meinen Gemächern führte. Auch in diesem Gang herrschte Dunkelheit und Stille. Nur wenig Licht drang durch die hochgelegenen Fenster, die so klein waren, dass man schon genau hinsehen musste, wenn man sie sehen wollte. Am Ende des Ganges empfing mich eine große Doppeltür aus massivem Eichenholz. Mit einem kräftigen Stoß öffnete ich sie. Die Türflügel schwangen auseinander und ich trat ein in meine persönliche Hölle. Trotz der mit Stuck verzierten Decke, trotz der makellosen Möbel und des riesigen Himmelbettes hasste ich es. Ich hasste alles, was dieser Luxus verkörperte: All die unerfüllten Träume, die mich heimsuchten; All den Schmerz, der in diesem Palast auf mich lauerte. Doch vor allem verabscheute ich es, in einem tristen, goldenen Käfig gefangen zu sein.

Mit einem schweren Seufzer ließ ich mich auf mein Bett sinken und legte das Notizbuch neben mich. Ich hatte noch eine knappe Viertelstunde, bevor ich meiner Pflicht nachgehen musste. Das bedeutete: Ich zog erst einmal etwas an, das Kronos auf keinen Fall gutheißen konnte. Wieso sollte ich einem Menschen, der mir nur Schmerz brachte, etwas Gutes tun?

Ich hielt mich für solche Gelegenheiten gerne an die Erdenmode. Die lässige Kleidung, wie Jeans und T-Shirt, ließ jegliche Eleganz verschwinden. Außerdem stellte sie klar, wie unzufrieden ich war. Wie schwer Kronos mich verletzte. Auch wenn es ihn letztlich nicht weiter kümmerte, wie ich mich fühlte. Er verabscheute es lediglich, wenn ich das Protokoll brach.

Das war vermutlich auch einer der vielen Gründe, weshalb ich so wenige Privilegien hatte. Die einzigen Räume, die ich betreten durfte, waren das Esszimmer, meine Räume, sowie meine Bibliothek und Kronos’ Räume. Es war mir untersagt, den Palast zu verlassen, selbst der Garten war für mich tabu. Jedes Vergehen, jede kleinste Abweichung von Kronos’ Regeln wurde hart bestraft.

Nur mit meinem Auftreten konnte ich meinem Mann zeigen, dass ich keine Kriminelle, sondern seine Frau war. Nicht, dass es ihn interessierte, denn Liebe gab es nicht. Sadistische, widerliche Lust war das Einzige, was er für mich empfand.

Es war mir ein Rätsel, weshalb er mich überhaupt geheiratet hatte. Vielleicht hatte es etwas mit meinem Beruf als Schriftstellerin zu tun gehabt. Vielleicht war ich ihm zu sehr aus der Reihe getanzt. Meine Unsicherheit quälte mich. Die Gründe, die Kronos mir für unsere Ehe genannt hatte, waren mir zutiefst suspekt. Ich glaubte ihm schlichtweg nicht, dass er mich nur wegen meiner früheren Tätigkeit immer an seiner grausamen Seite haben wollte. Doch ich konnte ihn nicht mit meinen Zweifeln konfrontieren. Selbst für meinen Trotz gab es Grenzen und ihn subtil als Lügner zu bezeichnen, wäre Selbstmord.

Was auch immer die Gründe für diese Ehe waren, letztlich war es irrelevant, denn ich konnte Kronos trotz allem keinesfalls verlassen. Nicht, dass ich etwas Anderes als Abscheu und Hass für ihn empfand. Vielmehr hatte er mich in eine Ecke gedrängt, der ich niemals entkommen konnte. Das Leben meiner Eltern war so viel wertvoller als mein eigenes Glück.

Mit wenig Eleganz ließ ich mich vom Bett sinken und verabschiedete mich von der roten Seidenbettwäsche. Ich ging auf meinen begehbaren Kleiderschrank zu und trat mit gemäßigten Schritten auf eine braune Holztruhe in der hinteren Ecke meiner Garderobe zu. Sie ließ sich nur schwer öffnen, ohne sie dauerhaft zu beschädigen und enthüllte von Jeanshosen bis Sweatshirts alles, was die Erdenmode zu bieten hatte. Wie gewöhnlich nahm ich mir ein graues T-Shirt mit V-Ausschnitt und schwarze Hot-Pants. Bei vierzig Grad im Schatten war es eine wahre Wohltat, für kurze Zeit das lange, elegante Kleid abzulegen.

Auf unserem Planeten herrschte das ganze Jahr eine unerträgliche Hitze. Die Menschen, die auf Epsylon lebten, waren im Gegensatz zu den Erdbewohnern nicht mit Jahreszeiten gesegnet, da der Planet einem Gasball namens Herezia, der doppelt so viel Wärme abstrahlte wie die Sonne, sehr nahe war.

Das war wohl auch sehr ausschlaggebend dafür, dass Schuhe keine Option für mich waren. Doch es war nicht der einzige Grund. Nein, ich liebte einfach das Gefühl von sich veränderndem Boden unter meinen nackten Fußsohlen und genoss die verschiedenen Empfindungen, die dabei auf mich einprasselten.

Aber, was noch dazu kam: Kronos hasste es am meisten, wenn ich barfuß vor ihm erschien.

Manche würden sich vermutlich fragen, weshalb ich mich so verhielt. Weshalb ich jemanden zusätzlich provozierte, der mir bereits so feindselig gesonnen war. Ich wusste es ehrlicherweise nicht, denn obwohl ich mich zumeist wie eine gebrochene Frau fühlte, hatte ich manchmal das Gefühl, dass ein kleiner, unverwüstlicher Funken Stärke in mir nicht sterben wollte und in eben solchen Momenten fand ich meinen Trotz.

Also machte ich auf dem Absatz kehrt, stolzierte auf meinen Spiegel zu und musterte meine Erscheinung: Goldblondes, welliges Haar, eisblaue Augen, kurvenreich und relativ klein. Dazu ein mausgraues Outfit und ein wenig schnell aufgetragene Wimperntusche und voilà, Kronos wurde zum Nervenbündel.

Mit einem selbstgefälligen Grinsen im Gesicht, wanderte ich zu meinem Nachttisch und läutete die Glocke, die sich stets darauf befand. Nach einigen Minuten erklang ein schüchternes Klopfen an der Schlafzimmertür. „Ja?“, antwortete ich laut. Leise öffnete sich die Tür und ein junger Mann betrat den Raum. Raphael. Er war so etwas wie mein Bote. Er war derjenige, den ich losschickte, wenn ich etwas brauchte oder eine Nachricht übermitteln wollte. Mit seinen achtzehn Jahren war er der jüngste Mitarbeiter an diesem Ort, aber auch der zuverlässigste. Er war mir sofort aufgefallen, mit seinen pechschwarzen Haaren und den saphirblauen Augen. Kronos war nicht begeistert gewesen, als ich so ein Interesse an Raphael gezeigt hatte. Nicht, dass ich mich irgendwelchen Illusionen von Eifersucht oder dergleichen hingeben würde. Letztendlich war ich nur sein Eigentum und eben diese Besitzgier zwang mich oft dazu, ihm meine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Mit Liebe oder jeglichen anderen warmen Gefühlen seinerseits hatte das überhaupt nichts zu tun.

Dennoch war Raphael mittlerweile mein engster Vertrauter und somit der Einzige in diesem grauenvollen Palast, dem ich mich öffnete. Vor ein paar Monaten erst hatte ich ihm eben jene Frage gestellt, die mich stets quälte: Wieso ich? Wieso hatte Kronos mich gewählt?

Doch auch er war angesichts meines Schicksals ratlos. Dennoch hatten seine unzureichenden Antworten in mir das Gefühl geweckt, dass er etwas vor mir verbarg. Wie ein nervtötender Juckreiz, der sich nicht bekämpfen ließ, rief sein Anblick jedes Mal eine bestimmte Emotion hervor. Misstrauen. Und obwohl ich diesen jungen Mann wahrhaftig mochte, so blieben mir leise Zweifel an seiner Aufrichtigkeit.

„Ihr habt geläutet, Eure Hoheit?“, fragte Raphael mit einem unterwürfigen Tonfall in der Stimme und verbeugte sich kurz.

„Raphael, wie oft habe ich dich schon darum gebeten, mich einfach Thia zu nennen?“ Seine saphirblauen Augen sahen mich ein wenig spitzbübisch an und er lächelte kurz.

„Was kann ich für Euch tun,Thia?“, fragte er und seine Stimme triefte vor Sarkasmus. „Richte seiner Hoheit doch bitte aus, dass er mich in zehn Minuten in seinen Gemächern erwarten kann. Er befindet sich doch noch im Gespräch mit seinen Beratern, nicht wahr?“

„Gewiss. Seine Hoheit müsste in fünf Minuten fertig sein. Ich werde ihm Eure Nachricht überbringen, Thia“, antwortete er höflich. Mit einer weiteren Verbeugung verabschiedete er sich und verließ den Raum. Raphael war der einzige Mensch in diesem Palast, der mir Freundlichkeit und Wärme entgegenbrachte. Ein toller junger Mann.

Lächelnd nahm ich mein Notizbuch vom Bett und trug es zu dem kleinen Tischchen neben der Badezimmertür.

Diese Räumlichkeiten hatten alles: Einen begehbaren Kleiderschrank, ein Badezimmer, einen kleinen Salon zum Entspannen mit einer Couch und einem Bücherregal, sowie einen großen Schlafbereich. Das Einzige, was hier wirklich fehlte, waren Fenster. Das Licht, das die großen Kronleuchter erzeugten, konnte dieses wunderschöne Gefühl von hereinströmendem Tageslicht einfach nicht ersetzen.

Ein wenig melancholisch dachte ich an die Zeit zurück, als ich noch in dem Haus nahe Liona gelebt hatte. Es war wirklich ein süßes kleines Häuschen gewesen, mit seiner braunen Fassade und den roten Dachziegeln. Eine „Herzlich Willkommen“-Matte hatte jeden Gast an der Eingangstür empfangen und mit den Blumenkästen auf jedem Fensterbrett hatte das Haus richtig idyllisch gewirkt. Der Garten war eine Mischung aus „der geheime Garten“ und botanischem Garten gewesen, so unglaublich schön. Der Duft verschiedenster heimischer Blüten und Kräuter war den ganzen Tag durch mein Zimmer geströmt.

Es war mit seinen großen Fenstern und der Sicht auf den Fluss ‚La vie‘ mit Abstand der freundlichste Raum im ganzen Haus gewesen und ich hatte es über alles geliebt. Als ich zwölf Jahre alt geworden war, hatten meine Eltern und ich die Wände in einem schönen Lavendelton angestrichen und den Fußboden mit schwarzem Teppich ausgelegt. Zumindest war es mir so erzählt worden. Aufgrund eines tragischen Unfalls hatte ich im Alter von vierzehn Jahren mein Gedächtnis verloren und damit alle Erinnerungen an meine Kindheit. Doch trotz der Rastlosigkeit, die mich seit diesem Vorfall erfüllt hatte, war ich stets von Geborgenheit empfangen worden, sobald ich das Haus betreten hatte.

Dort zu leben war ein Traum gewesen und ich vermisste das Zusammensein mit meiner Familie unheimlich.

Meine Familie war immer ein Anker für mich gewesen, bis Kronos mir den Umgang mit dem „einfachen Volk“ untersagt und meinen Liebsten den Kontakt zu mir für immer verweigert hatte.

Es war kurz nach unserer Hochzeit gewesen, als Kronos meinen Eltern nur zu deutlich gezeigt hatte, wie unerwünscht sie waren. Sie waren lediglich gekommen, um dem „glücklichen Brautpaar“ zu gratulieren, nachdem Kronos sie von der Trauung ausgeschlossen hatte. Dort, auf der Türschwelle des Palastes, hatten sie voller Hoffnung gestanden und auf mich gewartet. Doch es hatte sie nur noch mehr Abweisung erwartet …

Jemand klopfte laut und fordernd an meine Tür und bat aufgeregt um Einlass. „Ja?“, fragte ich ein wenig unsicher. Als sich die Tür öffnete und ein kleiner pausbäckiger Junge eintrat, war ich erst einmal ein wenig geschockt von den saphirblauen Augen, den pechschwarzen Haaren und dem dominanten Muttermal in Form einer Sanduhr an der Seite seines zarten Halses. Doch dann besann ich mich eines Besseren und lächelte freundlich auf ihn herab.

„Wie kann ich dir helfen, mein Kleiner?“

Er sah mich stirnrunzelnd an und erwiderte ein wenig forsch: „Ich bin weder klein, noch bin ichEuerKleiner.“

Als ich selbst anfing, die Stirn zu runzeln, wurde er rot und fing an zu stottern:

„Eeeeeesss … tut mir wirklichhhh … leid … ähm … Eure Hoheit.“

Verständnisvoll nickte ich ihm zu.

„Nein, ist schon in Ordnung. Es ist schön, endlich einmal von jemandem normal behandelt zu werden und nenn mich doch bitte Thia.“ Ich machte eine kurze Pause und sah ihn eindringlich an. „Also, wie kann ich dir helfen?“

„Ich wurde zu Euch geschickt, um Euch mitzuteilen, dass Eure Eltern sich momentan vor dem Palasttor befinden und eine Audienz bei ihrer Tochter verlangen.“ Mehr brauchte es nicht. Noch bevor er den Satz beendet hatte, eilte ich aus meinen Gemächern, rannte zahlreiche Flure entlang und stolperte beinahe über mein bodenlanges, aufgebauschtes Tüllkleid, als ich die ersten Stufen der Treppe hinunterstieg. Mehrere Diener und Putzkräfte sahen mir verblüfft und ein wenig schockiert nach. Ich hörte noch, wie der kleine Junge meinen Namen rief, aber das Einzige, was gerade meine Aufmerksamkeit verdiente, war die Nachricht, dass meine Familie hier war.

Mit tränenverschleiertem Blick stürzte ich jeden einzelnen Treppenabsatz hinunter, bis ich im Erdgeschoss angelangte. Die großen Eingangstore ragten wie eine undurchdringliche Barriere vor mir auf.

„Elanthia!!!“, polterte eine laute Stimme hinter mir, noch bevor ich den ersten Schritt darauf zugehen konnte. Kalte Schauer liefen mir den Rücken hinunter bei diesem Klang. Kronos. Der einzige Mann, der mir solch eine angsterfüllte Reaktion abringen konnte. Mit zitternden Knien wandte ich mich um und starrte in sein wutverzerrtes Gesicht.

Wie üblich trug er nur schwarz. Schwarze Stoffhosen, schwarzes Seidenhemd, schwarze Lederschuhe und schwarzes Jackett. Selbst ich musste zugeben, dass das einzig Hässliche an ihm sein widerlicher Charakter war. Die moosgrünen Augen, das blonde Haar und die muskulöse Statur machten ihn zum schönsten Mann, den ich je gesehen hatte. Im Moment waren seine grünen Augen kalt wie Eis und sein Gesicht zu einer hässlichen Grimasse verzogen. Stocksteif stand er wenige Meter hinter mir und durchbohrte mich mit seinem Blick. Panik bahnte sich einen Weg von meinem Kopf zu meinen Knien und noch bevor ich ein Wort sagen konnte, gaben meine Beine unter mir nach. Gedemütigt von meiner Schwäche, lenkte ich meinen Blick zum schwarzen Marmorboden. Ich hörte Kronos kaum, als er ein paar Schritte auf mich zumachte und direkt vor mir stehen blieb. Seine auf Hochglanz polierten Schuhe waren das Einzige, was ich von ihm sehen konnte.

„Elanthia, sieh mich an!“, forderte er mit kaum verhohlener Wut.

Ich konnte nicht. Ich wollte nicht sehen, wie er mich praktisch mit seinem Blick aufspießte, wollte nicht sehen, wie er sich überlegte, auf welche Art und Weise er mich für nichts und wieder nichts bestrafen konnte. Wir waren frisch verheiratet und er hatte mir schon mehr Leid zugefügt, als ich in meinem ganzen bisherigen Leben je erfahren hatte. Selbst die Hochzeitsnacht hatte beinahe an Vergewaltigung gegrenzt. Nicht, dass es ihn kümmern würde, aber Feingefühl besaß dieses Monster nicht. Kronos beugte sich zu mir herunter und legte beinahe sanft seinen Finger unter mein Kinn. Mit einer herrischen Geste zog er meinen Kopf nach oben, bis es knackte und mir nichts Anderes übrigblieb, als ihm in seine wild funkelnden Augen zu schauen. Mit einem selbstzufriedenen Grinsen richtete er sich wieder auf. Doch es dauerte nicht lange, bis dieses Lächeln verschwand.

„Elanthia, was bildest du dir ein? Rennst durch den Palast wie ein unterbezahlter Dienstjunge. So etwas gehört sich nicht für eine Königin.“ Nachdenklich massierte er sich den Nasenrücken und schloss seine Augen. Sein ganzer Körper signalisierte Wut und Anspannung, aber die Grimasse war mittlerweile einem gleichgültigen Gesichtsausdruck gewichen.

Es vergingen nur wenige Sekunden, bevor er seine Augen mit einem tiefen Seufzer wieder öffnete und mich stirnrunzelnd ansah, doch es fühlte sich an wie Stunden.

„Steh gefälligst auf und beantworte mir meine Fragen von Angesicht zu Angesicht.“

Immer noch auf wackeligen Beinen gehorchte ich seinem Befehl. Als ich ihm wieder direkt gegenüberstand, machte ich einen kurzen Knicks und erwiderte zitternd: „Es tut mir wirklich leid, Kronos, aber mir wurde zugetragen, dass meine Eltern mich erwarten. Meine Freude war so groß und ich …“

„Und du konntest nicht an dich halten und musstest unbedingt durch meinen Palast stürmen“, unterbrach er mich mit vor Sarkasmus triefender Stimme.

„Kronos, was erwartest du? Wann darf ich sie denn bitte sehen? Du hast nicht mal zugelassen, dass sie bei unserer Hochzeit zugegen waren.“ Ich wusste nicht, woher mein Trotz so plötzlich kam, doch mir war klar, dass meine Widerworte Konsequenzen haben würden.

Sein stürmischer Blick bohrte sich in meinen und ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und rief: „Wachen!“ Schneller als ein Mensch ihnen mit den Augen folgen konnte, waren wir von zahllosen Wachen umgeben. „Bringt die Königin in ihre Gemächer und bezieht davor Stellung. Sie wird ihre Räume heute nicht mehr verlassen. Und verscheucht dieses Bauernvolk gefälligst von meinem Grund und Boden! Ist das klar? Ich will sie hier nie wieder sehen.“ Mit einem scharfen Nicken bekundeten die Wachen ihr Verständnis. Mit einem zufriedenen Grinsen wandte sich Kronos wieder zu mir.

„Du wirst schon noch lernen, was es heißt, eine Königin zu sein, auch wenn es auf die harte Tour sein muss.“ Eine Königin? Eine Gefangene, meinte er wohl! Doch die Wut über diese Heuchelei hatte kaum Zeit, Fuß zu fassen, bevor mich das nackte Grauen packte. Er würde meine Eltern von dem Palastgrund verbannen und ich würde sie vermutlich nie wieder zu Gesicht bekommen.

Ich registrierte kaum, wie mich von hinten zwei Wachen packten. Meine ganze Aufmerksamkeit war auf das Geschehen vor mir gerichtet. Etwa zehn Wachen stürmten auf das Palasttor zu, rissen es auf und stürzten sich auf meine Eltern. Das Einzige, was ich von meinen Eltern sah, bevor ich umgedreht wurde, war ihr angsterfüllter Blick und dieser eine Blick brach mich letztendlich. In diesem Moment gab ich auf, denn ich hatte keine Kraft mehr, mich zu wehren: Ich war fertig, wollte nicht mehr, konnte nicht mehr. Er hatte mir meinen Anker und damit meine Stärke geraubt.

Bis heute hatte sich an meiner Einstellung nicht viel geändert. Ich ordnete mich unter, zeigte keinen sichtbaren Widerstand. Das Einzige, was von meiner früheren Stärke übrigblieb, war ein wenig Trotz. Und eines war mir schmerzlich bewusst: Der goldene Käfig, in dem ich hier saß, war kein Zuhause, er war ein Gefängnis, für eine Frau, die nicht mehr kämpfen konnte.

Traurig und niedergeschlagen verließ ich meineGemächer und machte mich auf den Weg zu Kronos. Ich musste mich wirklich beeilen. Ich war schon ziemlich spät dran, weil ich nicht gemerkt hatte, wie ich mich in meinen Erinnerungen verloren hatte. Kronos war wahrscheinlich schon fertig mit seinem Gespräch und wartete missgelaunt auf mich.

Eilig hastete ich den dunklen Flur entlang, bis ich wieder zu der Gabelung kam und wählte diesmal den rechten Gang, der mich zu den Gemächern meines Mannes bringen sollte. Außerdem befand sich in diesem Gang noch das Konferenzzimmer und Kronos’Arbeitszimmer.

Im Großen und Ganzen war dieser Flur noch finsterer als die anderen. Denn statt Fenstern gab es hier nur ein paar Fackeln, die den Weg zu Kronos Räumen säumten.

Als ich hier eingezogen war, war ich zunächst geschockt gewesen, dass der Palast so altertümlich gestaltet war. Mit seinen dicken Steinmauern, die nur selten in normale Wände übergingen, fackelgesäumten Gängen und zahlreichen Wachen, wirkte dieser Bau mehr wie eine Festung und weniger wie ein Palast. Es war dieses Ambiente, dass mir nach sieben Jahren immer noch einen Schauer über den Rücken jagte. Genauso wie der Mann, der diese Mauern beherrschte. Mit einem flauen Gefühl näherte ich mich den großen Eichentüren, die meinen bis auf die letzte Schattierung glichen. Zwei Wachen beschützten den Eingang zu Kronos’ Gemächern.

Kronos’ Wachen waren einzigartig unter den Bewohnern Hermeloniens. Sie weckten Angst und Schrecken in denjenigen, die sie nicht kannten und einschätzen konnten und Respekt in denen, die mit ihnen vertraut waren. Stärke, übernatürliche Schnelligkeit und die Fähigkeit, Gedanken zu lesen, sorgten dafür, dass diese Gestalten in pechschwarzer Rüstung immer einen klaren Vorteil gegenüber ihren Feinden hatten. Doch was waren sie für Kreaturen? Menschen hatte ich vor langer Zeit ausgeschlossen. Mit ihren Gaben passten sie nicht in diese sterblich-normale Spezies. Sie waren ein Rätsel. Ein Rätsel, das ich gerne lösen würde. Doch ich wollte mich keinesfalls mit diesen Wesen anlegen und dabei wahrscheinlich noch Kronos’ Zorn auf mich ziehen.

Als ich mich näherte, öffneten sie mir mit einer knappen Verbeugung die Tür und ließen mich eintreten. Mit einem dumpfen Geräusch schlossen sich die großen Türflügel hinter mir wieder und meine Nervosität wurde in Kronos Salon beinahe greifbar.

„Elanthia? Wo warst du denn so lange, meine Königin?“, fragte Kronos hörbar aufgebracht in seinem Schlafgemach. „Ich muss mich entschuldigen, mein König. Ich wurde ein wenig aufgehalten, doch nun bin ich hier und stehe dir voll und ganz zu Diensten“, rief ich kleinlaut und unterwürfig. Ich hatte mich nicht von der Stelle bewegt und das würde ich auch nicht, bis Kronos mich zu sich rief oder aus seinem Schlafgemach auf mich zutrat.

„Komm zu mir, Elanthia. Ich werde dich für dein Vergehen nicht bestrafen.“ Mein Vergehen? Er übertrieb maßlos. Ich fragte mich, ob er sich dieser Tatsache überhaupt bewusst war oder ob seine Ignoranz ihn vollkommen eingenommen hatte. Mit einem zaghaften Lächeln betrat ich seine privaten Räume, doch innerlich kochte ich vor Wut.

Bis ich ihn sah.

Ich spürte förmlich, wie alle Farbe mein Gesicht verließ.

„Kronos, was in Herezias Namen ist mit dir geschehen?“ Er saß auf der Bettkante des riesigen King-Size-Bettes und tat so, als wäre es alltäglich, dass sein ganzer Körper mit Blut befleckt war. Zahlreiche Schnitte, blaue Flecken und Ähnliches verunstalteten seinen Körper. Selbst sein blondes Haar war blutverkrustet und seine stürmisch dreinblickenden Augen verrieten ihn und seine lässige Körperhaltung.

„Du weißt doch. Ich liebe einen guten Kampf bei einer Exekution. Kein Grund sich so aufzuregen, meine Liebe.“ Exekution? Wer?Warum? Der Schock grub sich tief in meine Knochen. Sich dessen unbewusst, was in mir vorging, sprach Kronos weiter: „Weißt du, ich hatte doch diese Konferenz mit meinen Beratern und Informanten und wie ich unglücklicherweise erfahren musste, hattest du ein kleines Treffen mit einem Verleger aus Liona.“ Er spuckte diesen Namen förmlich aus. Kronos lag schon seit Jahren mit dem kleineren Teil von Epsylon im Krieg und hatte auch nicht vor, diesen Umstand in nächster Zeit zu ändern. Wie sagte er immer? „Lieber würde ich mich bei lebendigem Leib häuten lassen.“ Es brachte mich in eine unangenehme Position, dass Kronos von diesem Treffen erfahren hatte. „Kronos, ich …“, versuchte ich meine Ausrede zu beginnen, doch er ließ mich nicht zu Wort kommen.

„Und anscheinend hast du sogar ein Buch veröffentlicht. Ein Buch, welches jetzt schon ein Bestseller ist und − als ob das noch nicht genug wäre! − nein, in dem Buch geht es um eine ferne Dimension, die von Dämonen bevölkert wird. Du widersetzt dich meinem Verbot, den Palast zu verlassen und verbreitest Märchen unter meinem leicht beeinflussbaren Volk“, knurrte er zornig. „Du weißt, dass deine Zeit als Schriftstellerin in dem Moment vorbei war, als du mir dein Eheversprechen gegeben hast. Es ist mir unbegreiflich, wie ein so dummes Weibsstück wie du es überhaupt an den ganzen Wachen vorbei geschafft hat.“ Das war vermutlich nicht der richtige Moment, um ihm zu erklären, dass nicht ich bei dieser Verabredung gewesen war, sondern Raphael. Ich war überrascht, dass der Verleger den Jungen nicht verraten hatte.

Kronos würde Raphael ohne zu zögern ebenfalls exekutieren, wenn er die Wahrheit wüsste.

Und was seine Beleidigungen anging … Die berührten mich schon lange nicht mehr. Sie waren vergleichsweise harmlos, wenn man bedachte, was er vermutlich als Strafe im Sinn hatte.

Mit einer abgehackten Bewegung richtete Kronos seinen funkelnden Blick auf mein Gesicht. Von dort wanderten seine Augen weiter über meinen Körper. Eine Gänsehaut wuchs dort, wo seine Blicke meinen Körper berührten und tiefer Abscheu verzerrte meine Gesichtszüge zu einer Grimasse. Doch er ignorierte meinen Widerwillen und wiederholte diesen Vorgang dreimal, bevor er langsam aufstand und auf seinen begehbaren Kleiderschrank zutrat. Ein fürchterliches Grauen erfüllte mich, als er es herausholte: Das Richtungskleid. Ein rückenfreies, weißes Kleid mit einigen kleinen roten Flecken hier und da. Es war eigens für mich entworfen worden und diente nur einem Zweck: Bestrafung.

Plötzlich waren meine Beine substanzlos und ich glitt schluchzend zu Boden, als die Wahrheit über die unmittelbare Zukunft mich erreichte. Die Panik hatte mich in ihrem unbarmherzigen Griff und ein grausamer Phantomschmerz wanderte meinen gezeichneten Rücken hinab.

Fünf Jahre waren vergangen, seit ich dieses Kleid zuletzt getragen hatte und die Narben waren noch lange nicht verheilt. Dennoch würde ich Raphael niemals verraten, auch wenn es meine Strafe vermutlich erheblich mildern würde. Was waren ein paar Wundmale mehr, wenn ich damit sein Leben retten konnte. Er war mir ans Herz gewachsen, dieser tolle junge Mann und ihn verletzt oder gar sterben zu sehen für etwas, das ich ihm befohlen hatte, würde mir eben jenes brechen …

„Elanthia, du wusstest, was geschehen würde, wenn du dich mir widersetzt und trotzdem hast du es getan. Du hast kein Recht heulend vor mir auf dem Boden zu knien.“ Langsam hob ich mein tränenüberströmtes Gesicht und funkelte ihn wutentbrannt an.

„Du Monster! Wofür willst du mich bestrafen? Dafür, dass ich leben möchte?“ Ich sah es nicht kommen, doch im nächsten Moment hielt ich meine brennende Wange. Schmerz ersetzte erneut meinen kurz aufgeflammten Zorn und Resignation erfüllte jede Zelle meines Körpers. Warum konnte ich nicht einmal in einer so verfahrenen Situation wie dieser hier meinen kümmerlichen Rest Trotz hinunterschlucken? Ich verdiente das, was jetzt folgen würde, beinahe schon. Es war Zeit, mich meinem Schicksal zu fügen. Also wartete ich, während Kronos sich allmählich von seinem Gewaltausbruch erholte. Er sah mich mit gekünstelter Enttäuschung an. „Es ist eine Schande, dass du nicht lernen willst. Du sollst wissen, dass es mir keineswegs Freude macht, dich zu bestrafen. Ich möchte doch, dass wir friedlich zusammenleben können, du nicht auch?“ Es machte ihm keine Freude mich zu verletzen? Mich zu bestrafen? Das Glitzern in seinen Augen und sein erwartungsvolles Lächeln erzählten mir eine andere Geschichte. Doch ich schwieg.

Er nahm meine Hand und zog mich unsanft auf meine nach wie vor wackeligen Beine. Mit einer herrischen Geste deutete er auf das Kleid. Meine Hände zitterten, als ich es vom Boden auflas. Er hatte es kurz vor der Ohrfeige fallen lassen, um all seine Kraft in diesen einen Schlag legen zu können.

Wortlos schlurfte ich in Richtung Bad, doch Kronos packte mich brutal an meinen Armen und brachte mich so zum Stehen. Ich wusste nicht, was dieser Widerling jetzt noch von mir wollte, doch ich hatte gelernt immer mit dem Schlimmsten zu rechnen und wie sonst auch, wurde ich nicht enttäuscht.

„Wo willst du denn hin, Täubchen? Du hast nichts, was ich noch nicht gesehen habe. Zier dich doch nicht so vor deinem Mann.“ Erst drohte er mir, dann schlug er mich und nun sollte ich vor ihm dieses Foltergewand anziehen, während er seinen gierigen Blick über mich wandern ließ. Wie viel Demütigung wollte ich, konnte ich, musste ich noch ertragen?

Mit geübten, routinierten Handgriffen zog ich mich aus, bis ich in weißer Spitzenunterwäsche vor ihm stand. Mit jedem Kleidungsstück verschwand mehr von meiner Würde und er weidete sich an meiner Angst und Scham. Ich wollte ihm nicht mehr Anlass zur Freude geben als nötig, deshalb zog ich so schnell ich konnte das Richtungskleid über meinen Kopf und riss es an meinem Körper herunter, bis es meine Knöchel berührte.

Kronos schaute mich ein wenig ernüchtert an. Doch er sagte nur: „Du weißt, was du zu tun hast.“

Mit einer fließenden Bewegung ließ ich mich auf die Knie sinken. Langsam beugte ich meinen Oberkörper nach vorne, bis mein Gesicht den schwarzen Marmorboden berührte. Meine Arme drückte ich eng an meinen Körper, bevor ich endgültig in dieser Position verharrte. Nun war mein Rücken Kronos schutzlos ausgeliefert und nur die Kühle des Bodens, der meine schmerzende Wange etwas betäubte, spendete mir ein wenig Trost. Ich brauchte gar nicht hinzusehen, um zu wissen, was Kronos als Nächstes tat. Erneut war der begehbare Kleiderschrank sein Ziel. Ich fühlte nichts, als ich hörte, wie er die Türen aufriss, in den hintersten Teil lief, die verborgene Schublade in seiner Kommode öffnete und das Folterinstrument herausholte, die Peitsche. Die Unausweichlichkeit der Situation ließ mich innerlich taub zurück.

„Vierundzwanzig Hiebe“, sagte er in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Doch ich konnte nicht anders. Trotz der Taubheit verspürte ich einen Funken Wut.

„Vierundzwanzig? Das war so nicht abgemacht, mein König“, sagte ich in frostigem Tonfall.

„Ich weiß, dass für jedes Vergehen zwölf Hiebe angesetzt sind, Elanthia. So habe ich es vor sieben Jahren beschlossen und so wird es immer sein. Ich lasse es mir nicht gefallen, dass du mich anschreist und beleidigst. Vierundzwanzig und darüber diskutiere ich nun auch nicht mehr“, sagte er ebenso frostig, als er auf mich zutrat. Nur mühsam unterdrückte ich das Inferno, das nach seinen Worten in mir tobte, und erinnerte mich an meine erste Bestrafung dieser Art, kurz nach unserer Vermählung.

Die Peitsche war eine Reliquie seiner Vorfahren, hatte mir Kronos damals erzählt. Ich glaube, seine genauen Worte lauteten: „Damals, als Bestrafung noch kein Verbrechen war, benutzten meine Vorväter dieses Stück aus feinstem Leder, um ihre Untertanen auf deren Platz zu verweisen. Gute Zeiten waren das damals. Gute Zeiten.“ Sein wehmütiges Lächeln, als er das sagte, hatte sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt. Nur ein Monster, wie er es war, konnte einer solch brutalen und blutigen Zeit hinterhertrauern. Noch heute wurde mir bei der Erinnerung an seine Worte schlecht. Doch diese Waffe gehörte in die Hände eines Tyrannen und genau dort lag sie jetzt.

Der Lederriemen, der aus dem eisernen Griff führte, war mit getrocknetem Blut befleckt. Das Eisen selbst trug die Inschrift: „La punition soit loué“. Wörtlich übersetzt bedeutete dies: „Hoch gepriesen sei die Bestrafung“, die Sprache war mir jedoch unbekannt. Kronos war der Meinung, es sei eine Erdensprache und er wüsste nicht, weshalb seine Vorfahren sie genutzt hatten. Ich glaubte ihm nicht.

Im Moment interessierte ich mich jedoch herzlich wenig für die Geschichte, die sich hinter diesem Folterinstrument verbarg. Diese Reise in die Vergangenheit sollte mich lediglich von dem Wissen ablenken, dass ich kaum mehr als zwölf Peitschenhiebe überleben würde.

Früher hatte ich wochenlang im Bett gelegen und hatte rund um die Uhr ärztliche Betreuung nötig gehabt, bis es mir auch nur annähernd bessergegangen war. Die meisten Schnitte waren so tief gewesen, dass sie genäht werden mussten.

Und dennoch hatte sich die Überzeugung in mir manifestiert, dass meine Heilung reibungsloser und schneller erfolgt war, als von meinen Ärzten prognostiziert.

Die Ärzte hatten damals zu Kronos gesagt, er solle mit den Peitschenhieben nicht übertreiben. Mehr, und ich würde entweder verbluten oder durch Schäden an der Wirbelsäule gelähmt sein.

Und nun verdoppelte er die Anzahl. Ich war nicht so naiv zu glauben, dass er mich liebte, doch er musste meinem Leben doch irgendeinen Wert beimessen.

Ein plötzlicher Schmerz riss mich aus meinen Gedanken. Todesangst erfüllte mich, als ich realisierte, was geschah. Es hatte begonnen.

***

2

Unsere Vergangenheit prägt unsere Persönlichkeit, unsere Werte, unser ganzes Sein. Wenn sie fehlt, was bleibt dann noch? Wer bin ich, ohne meine Erinnerungen? Wer bin ich, außer ein Schatten meiner selbst? Thia

Plötzlich ergriff ihn schreckliche Pein. Mit einem schmerzerfüllten Schrei öffnete Killian seine müden Augen. Wo war er? Was war geschehen? Woher kam dieser Schmerz? Diese Fragen jagten durch seine Gedanken, bis seine Augen sich an das schwache Licht der Morgendämmerung gewöhnt hatten und er sein eigenes Schlafzimmer mit seinen dunkelblauen Wänden, hohen Panoramafenstern und schwarzen Kommoden, erkennen konnte. Der vertraute Anblick beruhigte ihn ein wenig, doch der schreckliche Schmerz wurde mit jeder Sekunde, die verging, immer intensiver. Es war beinahe unerträglich, wie sich diese Pein durch seinen ganzen Körper zog. Ein Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung erfüllte ihn, welches er seit Jahrtausenden nicht mehr empfunden hatte. Der Schmerz vernebelte ihm die Sinne und es wurde immer schwieriger, einen klaren Gedanken zu fassen. Deshalb dauerte es eine Weile, bis er bemerkte, dass er zusammengekrümmt auf dem Boden lag. Was geschah nur mit ihm?

***

Nur mit größter Mühe konnte ich meine Schreie unterdrücken. Diesen Triumph wollte ich Kronos nicht geben. Verzweifelt versuchte ich, meine Lebenskraft festzuhalten, doch mit jedem Hieb floss sie mehr aus mir heraus. Ich spürte, wie mein Bewusstsein mit jeder stechenden Berührung der Peitsche mehr und mehr schwand und wie eine sanfte Dunkelheit nach mir griff. Es war so verlockend, einfach loszulassen, nachzugeben, aber die Überlebenskünstlerin in mir wollte weiterkämpfen und so begann ich stattdessen, jeden einzelnen Hieb zu zählen. Neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn …

***

„Killian!“ Cara kam mit schreckgeweiteten Augen in den Raum gestürzt. Killian lag mittlerweile regungslos auf dem Boden und atmete nur noch flach.

„Verdammt, Killian! Du bist zwölftausend Jahre alt, du stirbst mir jetzt bestimmt nicht einfach weg!“ Aggressiv und mit tränenüberströmtem Gesicht schlug sie mit ihrer Faust gegen seinen gekrümmten Rücken.

„Killian!“, kreischte sie aufgeregt.

Panisch schlug Killian die Augen auf und versuchte, sich zu orientieren. Es war hell, doch gleichzeitig herrschte in ihm tiefste Finsternis. Was war geschehen? Nach einer kurzen Bestandsaufnahme wurde ihm eins bewusst: Es fehlte ihm rein körperlich nichts, doch Angst und Verwirrtheit machten sich in ihm breit.

Plötzlich legte sich eine Hand auf seine Schulter. Er lag immer noch auf dem Bauch und konnte das Gesicht zu dieser Hand nicht sehen. Er reagierte rein instinktiv.

Killian sprang auf, schlug die Hand beiseite und ging in Angriffsstellung. „Killian?“, fragte eine zögerliche, leise Stimme. Er erkannte sie sofort. „Cara“, flüsterte er und gab seine Offensivstellung augenblicklich auf. „Cara“, flüsterte er erneut und schloss sie erleichtert in die Arme.

Ausnahmsweise machte ihm seine offene Gefühlsbekundung nichts aus. „Ich dachte, ich muss sterben. Die Schmerzen waren so grauenvoll. Ich habe mich so unglaublich machtlos gefühlt, wie noch nie zuvor. Cara, was stimmt nicht mit mir?“ Sie sah ihn ratlos an und fing plötzlich an, hemmungslos zu weinen. Schluchzend ließ sie ihren Kopf in die Hände sinken und verbarg ihr schönes Gesicht.

„Liebes, nicht weinen. Das war nicht meine Absicht. Es gibt bestimmt eine Erklärung für alles.“ Killian wusste, dass etwas nicht in Ordnung war und leise Dankbarkeit für Caras Sorge weckte in ihm den Wunsch, sie irgendwie zu trösten, auch wenn es nur leere Floskeln waren, die er ihr anbieten konnte.

Cara war noch so jung, gerade einmal zweihundert Lebensjahre zählte sie.

Für Killian war sie trotz ihrer Reife in körperlicher und geistiger Hinsicht nach wie vor ein Kind.

Dennoch würde er niemals vergessen, dass sie seine loyalste und treueste Gefährtin war. Umso mehr bekümmerte es ihn also, wenn er der Grund für ihre Tränen war.

„Cara, beruhige dich bitte. Mir geht es gut.“ Doch Cara schien ihn nicht zu hören.

In dem verzweifelten Versuch, ihre Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, wechselte Killian hastig das Thema.

„Sag mir, wie sieht es aus? Sind wir unserem Ziel schon nähergekommen?“ Angesichts seines plötzlichen Themenumschwungs verstummten Caras Schluchzer allmählich.

Langsam hob sie ihren Kopf und sah ihn erst verwirrt, dann wütend und schließlich geschockt an.

Es schien, als habe die Ablenkung gewirkt. Auch wenn Killian Caras schnelle Gefühlssprünge nicht recht nachvollziehen konnte, so war er doch froh, ihren Blick frei von Verzweiflung und Kummer zu sehen.

„Nein, sind wir nicht. Wir treten auf der Stelle, Killian. Wir forschen und forschen und forschen. Wir ziehen die ältesten Bücher beider Welten zu Rate, doch wir finden keine Lösung für diese Misere. Ich kann nicht sagen, ob es daran liegt, dass wir so gnadenlos unterbesetzt sind oder unsere Quellen unzureichend sind. Vielleicht liegt die Lösung auch direkt vor uns und wir sehen sie schlichtweg nicht. Was auch immer der Grund sein mag, wenn wir nicht bald ein paar Antworten finden, wird sich auch der Rest unserer Anhänger auf die Jagd begeben. Auf die Jagd nach derjenigen, die es bereits vermag, zwischen den Dimensionen zu wandeln. Und du weißt, was das bedeuten würde. Wenn die Forschung versagt, werden sie es mit Gewalt versuchen“, erwiderte sie mit resignierter Stimme.

„Cara, sag so etwas nicht. Wir dürfen die Hoffnung noch nicht aufgeben. Wir werden eine Erklärung dafür finden, warum sie durch die Dimensionen wandeln kann und wir nicht. Auch ohne sie. Sie hat genug durchgemacht. Ich werde keine weiteren Opfer von ihr verlangen und ich werde sie mit allem beschützen, was ich habe.“ Entschlossenheit machte Killians Stimme rau und er merkte, wie sich seine alte Freundin, die Sehnsucht, einen Weg nach außen bahnte. Cara durfte Killian keinesfalls so weich und verletzlich erleben.

Er brauchte nun etwas Zeit für sich allein.

„Bitte, gehe jetzt. Ich lasse später nach dir schicken.“ Cara schenkte Killian ein schwaches Lächeln und begab sich langsam auf den Weg zur Tür. Mit der Hand am Türknauf hielt sie inne.

„Fast hätte ich es vergessen. Es gibt einen Grund, weshalb ich dich sehen wollte. Unser Kontaktmann hat mich vor wenigen Minuten aufgesucht.“ Caras Stimme klang seltsam hohl.

„Was wollte er? Gibt es Grund zur Besorgnis?“

Cara wandte ihm weiter den Rücken zu und ließ lange auf eine Antwort warten.

„Wie es aussieht, ist es dort nicht länger sicher für sie. Er möchte sie zurückbringen.“

Killian runzelte angesichts dieser Nachricht verwirrt die Stirn. Die letzten Berichte hatten keinerlei Gefahr erahnen lassen.

„Wurde er konkreter?“ Das würde eine Einschätzung der Lage einfacher machen.

„Leider nicht, doch die Dringlichkeit seiner Bitte war nicht zu überhören.“

Killian seufzte unschlüssig. Er wünschte sich nichts sehnlicher als ihre Rückkehr, doch auch hier war ihre Sicherheit nicht garantiert.

„Was denkst du? Du sagtest, unsere Anhänger werden allmählich unruhig. Können wir es wagen, sie zurückzuholen, ohne sie womöglich in noch größere Gefahr zu manövrieren?“

Mit durchgestrecktem Rückgrat ließ Cara den Türknauf los und drehte sich zu Killian um. Ihr entschlossener Blick verriet bereits ihre Antwort.

„ER schien so zu denken, Killian. Du weißt so gut wie ich, dass er sie niemals leichtfertig einem Risiko aussetzen würde. So wie ich das sehe, haben wir keine Wahl. Wenigstens ist die Gefahr hier kalkulierbar. Wir wissen nicht, was dort drüben mit ihr geschieht. Die Berichte sind zu oberflächlich, um das einschätzen zu können. Wenn er sagt, sie muss zurückkehren, dann sollten wir dem Folge leisten. Immerhin gehört sie zur Familie.“

Killian nickte nur. Sie hatte natürlich recht und auch wenn ihm Sorge die Eingeweide zerfraß, gab er nur zu gerne den Befehl.

„Hol‘ sie mir zurück, Cara. Hol‘ sie nach Hause.“

Cara salutierte ironisch und Killian verdrehte angesichts ihrer gespielten Leichtigkeit die Augen. Dennoch stahl sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen.

Mit einem frechen Grinsen im Gesicht verließ Cara den Raum und überließ Killian seinen aufgewühlten Emotionen. Sorge und Angst lieferten sich mit Freude und Sehnsucht einen erbitterten Kampf. Er wollte, dass sie zurückkam. Das stand außer Frage. Doch er wollte sie auch in Sicherheit wissen.

Er wusste, er konnte sich auf Cara verlassen. Er wusste auch, dass er nicht selbst gehen konnte. Dafür vertrauten zu viele Leben darauf, dass er seine ganze Kraft auf eine Aufgabe konzentrierte. Den Schutz dieser Dimension. Allein dieser Tag hatte ihm fast die komplette Energie geraubt. In diesem Zustand hätte er sowieso nicht von Nutzen sein können. Da war es besser, sich für einige Stunden hinzulegen.

Als er sich zum Bett hinbewegte, geschah es. Mit einem beinahe greifbaren Geräusch rissen auf seinem Rücken vierundzwanzig längliche, tiefe Wunden auf und Blut lief an ihm hinunter. Schockiert riss er die Augen auf. Was passierte nun schon wieder? …

***

… einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig. Beim letzten Hieb verließen mich meine Kräfte. Das Letzte, was ich hörte, bevor mich bodenlose Schwärze umfing, war Kronos’ schadenfrohes, widerwärtiges Lachen und seine tiefe Stimme, die nur sagte: „Ein Sterblicher hätte das nicht überlebt, meine Liebe.“

Ich wachte orientierungslos und voller Angst auf. Wo war ich? Wieso konnte ich mich nicht bewegen? Was bedeuteten diese Schmerzen?

Und dann durchlebte ich im Geiste den Horror der letzten Stunden erneut. Kronos, blutbefleckt. Vierundzwanzig brutale Peitschenhiebe. Kronos’ hämische Stimme, die verwirrende Dinge von sich gab.

Ich wollte in diesem Moment einfach nur wieder von der ruhigen, warmen Finsternis der Bewusstlosigkeit umhüllt werden, doch ich wusste, dass Wunschdenken mir nicht helfen würde. Wenn ich diese Schmerzen nicht ertrug und mich dem Tod überließ oder schwach wurde, würde er sich jemanden anderen, jemanden Schwächeren suchen, den er quälen konnte. Wie meine Eltern.

„Sie ist stark, Eure Hoheit. Es ist ein Wunder, dass sie noch lebt und in so guter Verfassung ist. Dennoch wird sie die nächsten Tage noch das Bett hüten müssen. Trotz ihrer Stärke ist es momentan nicht ratsam, ihr jegliche Art von Bewegung zuzumuten“, stellte eine ältere, sanfte Stimme nüchtern fest. Dr. Weihland, Kronos’ Mann für alle medizinischen Notfälle. Ein kleiner, dicklicher Brillenträger mit Herz, der sich leider viel zu leicht von Kronos unterwerfen ließ.

Man musste Dr. Weihland zugutehalten, dass er derjenige gewesen war, der Kronos damals davor gewarnt hatte, es zu übertreiben. Es mochte nicht gewirkt haben, aber ich rechnete es ihm hoch an, dass er in diesem kurzen Augenblick seine eigene Angst vergessen hatte.

In meinen Gedanken ließ ich seine Diagnose noch einmal Revue passieren. Ich war in „guter Verfassung“ und würde nicht sterben. Ich konnte jedoch nicht einmal meinen kleinen Finger anheben und ich hätte schon längst in die sanfte Umarmung des Todes fallen müssen.

Was stimmte nicht mit mir?

Vierundzwanzig Peitschenhiebe, ausgeführt mit Präzision und ohne Rücksicht, doch ich hatte überlebt. Und Kronos … Kronos schien das geahnt zu haben.

„Danke, Dr. Weihland, für diese ausführliche Erläuterung. Ich freue mich, dass meine Frau dies in so guter Manier überstanden hat, allerdings frage ich mich, wie das möglich ist? Diese Situation erscheint mir recht unglaublich. Ich habe erwachsene, starke Männer schon nach zehn kräftigen Hieben sterben sehen.“ Kronos’ Neugier und Unwissenheit klangen zumindest teilweise aufrichtig, dennoch meinte ich einen merkwürdigen Unterton wahrzunehmen. Reine Genugtuung.

„Leider weiß ich auf diese Fragen keine Antworten, mein Herr. Ich werde jedoch eine gründliche Blutanalyse veranlassen. Vielleicht bringt dies Licht ins Dunkel.“ Mit diesen Worten verließ der Arzt den Raum. Ich hörte, wie sich seine schnellen Schritte entfernten und ein Teil der Anspannung, die sich unbemerkt aufgebaut hatte, verließ meinen Körper wieder.

Ich versuchte, mich weiterhin schlafend zu stellen, die Konfrontation fürchtend, die mich erwartete. Kronos, wenn auch auf der meinem Gesicht abgewandten Seite, war jedoch nicht dumm.

„Bemühe dich nicht, mein Liebling. Ich weiß, dass du wach bist.“ Es war unmöglich, seine Stimmung zu erahnen.

„Und, was denkst du? Hexe, Engel oder Dämon? Was sagt die Fantasy-Autorin in dir zu diesem Wunder? Ich persönlich denke, dass du einfach nur eine Missgeburt bist.“ Seine Worte waren erfüllt von tiefem Abscheu und bodenlosem Ekel.

Als er jedoch weitersprach, gesellte sich eine viel gefährlichere Emotion hinzu. Tatendrang.

„Nichtsdestotrotz könntest du mir vielleicht noch von Nutzen sein.“

Leisen Schrittes trat er näher und brachte seinen Mund an mein Ohr. Ich lag oberkörperfrei und bäuchlings auf einem Krankenbett im isolierten Krankenflügel des Palastes. Nur das medizinische und wachhabende Personal hatte hier Zutritt.

„Weißt du“, drang Kronos’ tiefe Stimme nun an mein Ohr, „irgendwie bin ich plötzlich sehr froh, dich geheiratet zu haben. Das erste Mal nicht nur ausschließlich wegen deines so … ausdauernden Körpers. Nein, jetzt brauche ich deinen scheinbar vorhandenen Intellekt. Ich möchte, dass du dieses Mysterium löst, wenn du dich wieder erholt hast und mich über etwaige Entwicklungen bezüglich deiner Andersartigkeit unverzüglich informierst. Hast du verstanden, Schatz?“ Das „Schatz“ betonte er besonders und zeigte mir damit seine grenzenlose Überheblichkeit.

„Wieso erledigst du das nicht selbst oder setzt deine Gelehrten daran?“ Erleichtert registrierte ich, dass meine körperliche Schwäche den Widerworten nicht die Stärke raubte.

Ein leises Lachen, bevor Kronos seine langen Finger in die Wunden bohrte. Schreiend vor Schmerz versuchte ich, zurückzuweichen, doch ich konnte mich noch immer nicht bewegen. Hilflos spürte ich, wie Blut die frischen Verbände durchnässte.

Allmählich bildeten sich schwarze Flecken vor meinen Augen und meine Stimme verlor an Kraft, bis ich nur noch leise wimmern konnte. Bevor ich endgültig der Ohnmacht erliegen konnte, zog Kronos seine Hand zurück und richtete sich hörbar auf.

„Ts, ts, ts. Wie unhöflich du bist.“ Viel schlimmer als seine Finger, die sich in mein Fleisch gepresst hatten, war die Gewissheit, dass ihn die ganze Situation im höchsten Maße amüsierte.

„Um deine Frage zu beantworten: Weil ich dich dafür habe und du mich niemals belügen würdest.“ Am Ende lachte er hämisch.

„Du scheinst davon sehr überzeugt zu sein“, flüsterte ich mit rauer Stimme.

Mit falscher Sanftheit legte er mir seine Hand in den Nacken.

„Weshalb sollte ich auch daran zweifeln? Es mag nicht viele geben, aber ich weiß von den Menschen, die dir wichtig sind.“ Er hielt kurz inne und streichelte mit seiner freien Hand leicht über meinen schmerzenden Rücken. „Vergiss also nicht, meine Liebe: Ich bin Herrscher über dieses Land und mit meinen Gefolgsleuten kann ich tun, was ich möchte.“ Mit diesen Worten nahm er seine Hände von meinem Körper, lief um das Kopfende des Bettes und beugte sich zu mir herab, bis ich in seine vor Zufriedenheit funkelnden Augen blicken konnte.

„Hast du das nun endlich verstanden, mein Herz?“, fragte er mit leisem Spott.

„Ja, Schatz!“, antwortete ich spitz und zeigte meinerseits reine Verachtung gegenüber seiner Person. Kronos bedachte mich nur mit einem höhnischen Grinsen, drehte sich um und verließ den von Betten übersäten großen Saal. Auch noch die letzte Anspannung löste sich nun von meinem geschundenen Körper.