Elbenbiss - Tonja Züllig - E-Book

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Tonja Züllig

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Beschreibung

Ein Vampir, der kein Blut sehen kann, eine nymphomanische Elbe und ein Werwolf mit Angst vor Katzen auf Verbrecherjagd… Der Psychiater Rafael Petermann hat ein Problem. Seine Kollegin Rose ist spurlos verschwunden, und drei Patienten, die bei ihr eine letzte Sitzung im therapeutischen Teamkochen absolvieren sollten, wollen sie unbedingt finden. Michael Mortenson, ein unter einer Schreibblockade leidender Fantasyautor und Freund Petermanns, scheint die geeignete Person zu sein, um den drei psychisch Angeschlagenen bei der Suche nach Rose behilflich zu sein und sie gleichzeitig im Auge zu behalten. Eine aufregende Verfolgungsjagd beginnt ...

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Seitenzahl: 62

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Tonja Züllig

Elbenbiss

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Ein Vampir, der kein Blut sehen kann, eine nymphomanische Elbe und ein Werwolf mit Angst vor Katzen auf Verbrecherjagd … Der Psychiater Rafael Petermann hat ein Problem. Seine Kollegin Rose ist spurlos verschwunden, und drei Patienten, die bei ihr eine letzte Sitzung im therapeutischen Teamkochen absolvieren sollten, wollen sie unbedingt finden. Michael Mortenson, ein unter einer Schreibblockade leidender Fantasyautor und Freund Petermanns, scheint die geeignete Person zu sein, um den drei psychisch Angeschlagenen bei der Suche nach Rose behilflich zu sein und sie gleichzeitig im Auge zu behalten. Eine aufregende Verfolgungsjagd beginnt …

Inhaltsübersicht

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 1

Wie bitte?« Ich hatte mich bestimmt verhört, alles andere wäre zu absurd gewesen.

»Du hast mich genau verstanden, Michael«, sagte der Professor.

Als wir noch zusammen im Sandkasten gespielt hatten, war er Rafael gerufen worden. Später machten wir als berüchtigte »Erzengel« die Schule unsicher. Heute, mit knapp Vierzig, war er Facharzt für Psychiatrie, was mich nicht davon abhielt, ihn Professor zu nennen. Er kümmerte sich um die seelisch Angeschlagenen unserer Welt. Ich füllte meine Zeit mit dem Schreiben von Fantasy-Geschichten aus und kümmerte mich sozusagen um die Seelen in anderen Welten. Momentan war ich jedoch in einer ziemlich frustrierenden Schaffenskrise, die sich bereits mehrere Monate hinzog.

Eine Zusammenarbeit zwischen uns stand nie zur Debatte. Das änderte sich mit dem heutigen Tag.

»Ist das nicht ein Fall für die Polizei?«, fragte ich.

Er schüttelte den Kopf und schürzte in der für ihn typischen Art die Lippen. »Nein, Michael, das müssen die drei zusammen durchstehen.«

»Also steckst du dahinter? Ist das eine neue Therapieform, und ich soll dein Spitzel sein?« Die Sache gefiel mir immer weniger. Unruhig rutschte ich auf dem Küchenstuhl herum und wischte mir mit dem Handtuch den Schweiß von der Stirn.

Der Professor hatte vor meiner Wohnungstür gestanden, als ich von meiner morgendlichen Joggingrunde zurückgekommen war. Einmal mehr war es sinnlos gewesen. Nicht der leiseste Einfall, nicht die winzigste Idee hatte sich durch die Rennerei in mein Hirn locken lassen. Es war zum Verzweifeln. Meine nächste Erzählung würde vom großen, weiten Nichts handeln.

Ich wollte unter die Dusche.

»Du hast doch während deiner Zeit in diesem Tolkien-Fan-Club Elbisch gelernt, oder?« Der Professor nestelte in der Innentasche seines Jacketts herum. »Hast du es noch drauf?«

»Natürlich«, antwortete ich pikiert. Er wusste genau, dass ich als Tolkien-Fanatiker fließend Elbisch lesen und schreiben konnte.

Vorsichtig, beinahe feierlich, reichte er mir ein postkartengroßes, schimmerndes Etwas. Als meine Fingerspitzen es berührten, durchströmte mich für einen Wimpernschlag ein erhebendes Gefühl, als ob ich mit einem Mal die Welt in ihrer Gesamtheit erfassen könnte. Meine Fingerspitzen strichen über das geheimnisvolle Material. Ich hatte keine Ahnung, was es war. Es fühlte sich an wie … der Flügel eines Schmetterlings, einen passenderen Vergleich fand ich beim besten Willen nicht. Vermutlich schaute ich ziemlich dämlich aus der Wäsche, denn der Professor grinste.

»Du hast es also auch gespürt. Faszinierend, nicht wahr?«, fragte er mit einem Funkeln im Blick. »Das ist nichts für die Polizei, Michael. Das ist eine Nachricht aus Mittelerde, nein, Valinor, hab ich mir sagen lassen, und fällt somit in dein Fachgebiet. Lies den Text.«

»Was ihr ersehnt, erlangt ihr nur im Einklang mit euch selbst«, stand da, geschrieben in Tengwar, elbischen Buchstaben.

Mittelerde, Valinor, echote es in meinem Kopf. Der Professor war zwar schon immer mystisch veranlagt gewesen. Eigentlich stärker als ich. Aber dass er dermaßen absurde Dinge behauptete, überraschte mich nun doch.

»Ha ha, sehr witzig. Du willst mich verarschen.« Ich schmiss den »Schmetterlingsflügel« auf den Küchentisch, stand auf und zog mir das verschwitzte T-Shirt über den Kopf. »Ich geh jetzt duschen. Lass dir was Besseres einfallen, um mich zu überzeugen, für deine Irren Kindermädchen zu spielen.«

Als ich zurückkam, saß die hochgewachsene Gestalt mit der runden Nickelbrille immer noch in meiner Küche und schlürfte einen Espresso.

»Ich zahl dir fünfhundert pro Tag plus Spesen. Ist das ein Argument?«

Hmmm. Ich brauchte Geld. Er wusste es. »Im Ernst?«

Sein Blick war Antwort genug. Ich setzte mich – mit einem großen Glas Wasser in der Hand – und schaute ihn erwartungsvoll an.

Rose Ducœur, eine Psychotherapeutin, mit der er zusammenarbeitete, wurde seit gestern Abend vermisst. Sie war nicht zur letzten Therapiesitzung im Teamkochen erschienen. Meinen Kommentar, dass es nichts gäbe, womit man verzweifelten Seelen das Geld nicht aus den Taschen ziehen könne, wischte er mit einer Handbewegung weg. Sie habe eine sensationell hohe Erfolgsquote vorzuweisen, meinte er nur.

Jedenfalls war sie verschwunden. Seine drei Patienten waren noch am selben Abend in seiner Wohnung aufgetaucht. Sie hatten ihm das Schmetterlingsflügelding gezeigt und ihn bekniet, sich sofort mit ihnen auf die Suche zu machen. Einer der Patienten habe ihm die Nachricht vorlesen können.

»Wer denn?« Das interessierte mich. Wer Elbisch lesen konnte, hatte definitiv einen Schaden. Ob er deshalb gleich in Behandlung gehörte, war fraglich. Tolkien-Fans gab es schließlich viele.

»Elanor. Sie ist wegen ihrer Hypersexualität in Behandlung.«

Elanor, natürlich. Ich verdrehte die Augen. Ein weiteres Beispiel dafür, was Eltern mit der Namensgebung anrichten konnten. Elanor hieß in der Sprache der Grau-Elben ›Sonnenstern‹. Kein Wunder, dass die Arme Elbisch lernte. Ich kannte mal ein Mädchen, das Swetlana hieß. Sie studierte später Russisch, obwohl ihre Familie so viel mit Russland zu tun hatte wie Vögel mit Pressluftbohrern.

»Und wie geht’s jetzt weiter?«, fragte ich skeptisch.

Der Professor leerte seine Espressotasse und legte fünf Hunderter auf den Küchentisch. »Die drei sind auf deinen Wagen angewiesen. Elanor meinte, Rose könne bereits weit weggebracht worden sein. Das ist für deine Auslagen. Kauf Verpflegung und Schlafsäcke. Meine Patienten sind etwas eigen. Ich glaube nicht, dass du sie dazu bringst, in Motels zu übernachten. Und wie lange es dauert, bis ihr Rose gefunden habt, weiß ich nicht. Die drei kommen heute Abend gegen neun her, und Elanor wird dir sagen, wohin du fahren sollst.«

Ich stutzte. Der Kerl hatte bereits alles arrangiert und war vom Erfolg seiner Mission überzeugt gewesen, bevor er mich gefragt hatte. Ich starrte ihn düster an. »Wieso erst so spät?«

»Wladimir, der Depressive, kann nicht früher«, antwortete er lapidar, tätschelte meinen Arm und verabschiedete sich mit einem, wie mir schien, sonderbaren Lächeln. Die Hand auf der Türklinke, wandte er sich noch einmal um. »Der dritte Patient heißt übrigens Wolf und ist Ailurophobiker. Und, Michael, ich fliege morgen Früh nach Neuseeland zu einer Konferenz, sonst hätte ich die drei selbst begleitet. Sei bitte nett zu ihnen, ja? Wenn ich die Nachricht aus Valinor richtig verstanden habe, müssen die drei auf der Reise erst zu sich finden, ihre wahre Natur akzeptieren und ihre Traumata überwinden. Glaube mir, da haben sie einiges zu bewältigen.«

Dann war er weg. Ich starrte die geschlossene Tür an und schüttelte den Kopf, während ich mir das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen ließ. War ja klar, was ich als Nächstes tat. Ailurophobie googlen. Fast wäre ich am darauffolgenden Lachkrampf erstickt. Der Typ hatte Schiss vor Katzen!