Elbisches Wörterbuch - Wolfgang Krege - E-Book

Elbisches Wörterbuch E-Book

Wolfgang Krege

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Beschreibung

Das unverzichtbare Wörterbuch Nicht erst seit den Der Herr der Ringe-Filmen, in denen die Elben im vertraulichen Gespräch das Eldarin verwenden, sind die Tolkien-Leserinnen und -Leser fasziniert von den Sprachen, die Tolkien für seine Welt Mittelerde erfunden hat. Meist sind nur wenige Wörter oder Begriffe überliefert, doch für die beiden Elbensprachen Sindarin und Quenya hat Tolkien Wortlisten zusammengestellt, die die Rekonstruktion einer Grammatik möglich macht. Für alle Leserinnen und Leser, die ganz in Tolkiens Universum eintauchen wollen. »Die Welt, die erschaffen wird, braucht ihre eigene Sprache – oder richtiger, mehrere, denn einsprachig wäre sie zu eng.« »Pedo mellon a minno« / »Sprich 'Freund' und tritt ein«

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Dies ist der Umschlag des Buches »Elbisches Wörterbuch« von Wolfgang Krege

Eldarin parmaqettaron

Quenya ar Sindarin

Wolfgang Krege ócolanes et cariëllon Tolkieno

Elbisches Wörterbuch

Quenya und Sindarin

Nach J. R. R. Tolkiens Schriften zusammengestellt von Wolfgang Krege

Überarbeitet und erweitert von Judith Klinger

Klett-Cotta

Impressum

Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe zum Zeitpunkt des Erwerbs.

Hobbit Presse

www.hobbitpresse.de

J. G. Cotta‘sche Buchhandlung Nachfolger GmbH Rotebühlstraße 77, 70178 Stuttgart

Fragen zur Produktsicherheit: [email protected]

© 2003/2012/2025 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle Rechte inklusive der Nutzung des Werkes für Text und Data Mining i.S.v. § 44b UrhG vorbehalten

Cover: Brigit Gitschier, Augsburg

unter Verwendung einer Illustration von Mariarangs/shutterstock.com

Farbschnitt: Die Vorlage für den elbischen Schriftzug auf dem Farbschnitt stammt aus der Feder von Helmut W. Pesch

Gesetzt von Dörlemann Satz, Lemförde

Gedruckt und gebunden von C.H.Beck, Nördlingen

ISBN 978-3-608-98880-2

E-Book ISBN 978-3-608-12248-0

Vorbemerkungen

Am Anfang war das Wort. Ein Schöpfungsvorgang wird nachvollzogen, und die Kraft, die die Welt ins Sein hebt, ist Sprache. Aber weder die eigene, das Englische, noch Finnisch, Walisisch, Latein oder Altisländisch, so sehr diese alle dem Schöpfer auch gefallen mögen. Die Welt, die erschaffen wird, braucht ihre eigene Sprache – oder richtiger, mehrere, denn einsprachig wäre sie zu eng. (Nicht alle müssen breit ausgeführt sein; es genügt, wenn hier und da ein fremdes Wort aus dem Text hervorblinkt, von dem man weiß, dass es keine Attrappe ist.)

Wohlgemerkt, hier geht es nicht darum, beim Leser die geläufige Bereitschaft zum »literarischen Glauben« zu wecken. Was erzählt wird, ist durchaus unglaublich. Die Fiktion bleibt Fiktion. Aber sie wird vorangetrieben bis in einen Grenzbereich, wo sie die opake, widerständige Form einer Wirklichkeit annimmt.

Daher der nicht bloß literarische Reiz, der von Tolkiens Mittelerde ausgeht, der mächtige Sog, mit dem es viele Leser anzieht. Diese Welt, so fern sie uns ist, fordert zum Eintreten auf. Fremde Worte werden dem Leser zugerufen, und manche lernt er verstehen. Mae govannen! Schon die Kenntnis eines freundlichen Grußwortes ermächtigt zu den ersten Schritten.

Solche Kenntnisse soll dieses Buch vermehren.

* * *

Aber muss man davon soviel Aufhebens machen? Natürlich nicht. Als ich vor über dreißig Jahren zum ersten Mal den Herrn der Ringe las, interessierten mich die elbischen Wörter und Namen nur flüchtig; aber immerhin wurde schon beim Lesen – und nicht erst aus den Anhängen – klar, dass es sich um »echte« Wörter aus durchgebildeten Sprachen und nicht um ein phantastisch-beliebiges Silbengeläut handelte. Später, als ich Tolkiens Werke zu übersetzen anfing, musste ich mich mit der Sache näher befassen. Der Übersetzer muss ziemlich genau wissen, was ein fremdes Wort, das er in seinen Text aufnimmt, bedeutet, schon damit er es nach Genus und Numerus richtig behandeln kann. Aber hier kam noch mehr hinzu. Im Silmarillion gewannen die vielen hundert elbischen Namen ein solches Eigengewicht, dass ein Spötter das Buch einmal ein »elbisches Telefonbuch« nennen konnte. War es vielleicht gar um die Erklärung dieser – zumeist schicksalsträchtigen – Namen herumgeschrieben? Auch war der englische Erzähltext in solchem Maße von seinen elbischen Hintergrundquellen bestimmt, dass manche auf moderne Erzählprosa eingeschworenen Kritiker ihn schlechterdings unlesbar fanden. Der Stil der deutschen Übersetzung musste sich ebenfalls an dem der – mutmaßlichen – elbischen Originaltexte orientieren. Im Herrn der Ringe traten die Elben als handelnde Personen wenig hervor, aber ihre Sprachen, aus denen nun auch einige wenige zusammenhängende Sätze zum Vorschein kommen, bleiben gegenwärtig in den Namen der Berge und Flüsse, Länder und Völker, Helden und Ungeheuer. Das Elbische, so wurde bald klar, war also mehr als ein fiktionaler Schnörkel oder eine an unwahrscheinlicher Stelle vorteilhaft zur Geltung gebrachte Linguistenschrulle; es war der goldene Faden, der den abenteuerlichen Vordergrund der Erzählung als eine späte Episode in die lange Geschichte von Mittelerde einbindet.

In Tolkiens nachgelassenen Schriften, die in den zwölf Bänden der History of Middle-earth (1983–96) publiziert wurden, wird vollends deutlich, dass es keine Übertreibung war, wenn er gelegentlich versicherte, zunächst die Sprachen und dann erst die Völker, die sie gebrauchten, erfunden oder »entdeckt« zu haben. Hier sieht man, wie die philologische Phantasie der erzählerischen vorauseilt (und ihr manchmal davonläuft). Wörter werden durch die Historie bis zu den mythischen Wurzelgründen zurückverfolgt, aus denen die Wörter mit den Dingen zugleich hervorwachsen; und ein kleines etymologisches Glossar wird angelegt, in dem sich auch viele Wörter finden, die in den erzählenden Texten nie auftreten. Dabei bleibt Tolkien immer in der Rolle des bescheidenen Gewährsmanns, der zwar vieles, aber nicht alles weiß: Auch seine Kenntnis der Elbensprachen ist unvollständig. Zum Beispiel scheint er über die Natur des Balrogs im Zweifel zu sein: Stammt das Wort von derselben Wurzel BAL- her wie Valar, die (göttlichen) »Mächte«, oder kommt es von NGWAL-, »Qual, Folter«? Ein Rätsel, das den Keim zu einer der vielen Geschichten bergen könnte, die er uns schuldig geblieben ist.

* * *

Hier sei kurz in Erinnerung gerufen, was aus Tolkiens Schriften über die Elbensprachen zu erfahren ist:

Nach manchen Berichten soll das erste Wort, das von den Elben gesprochen wurde, ela! gelautet haben, »sieh da!« – ein Ausruf des Entzückens beim Anblick der Sterne, als die Elben am See Cuiviénen zum Leben erwachten. Davon leitete sich êl oder elen, »Stern«, her, und davon wiederum die Selbstbezeichnung eldar, »Sternleute, Sternvolk«. Nach anderen Quellen hat erst der Vala Orome sie sprechen gelehrt, als er ihnen auf einem seiner Jagdritte in Mittelerde begegnete. Auf die Sprachfähigkeit, die von allen Wesen, die sie vorerst kannten, nur die Valar mit ihnen gemein hatten, müssen sie von Anfang an stolz gewesen sein, denn seit frühester Zeit bezeichneten sie sich auch als die Quendi, »die Sprechenden«.

Zu Beginn des Ersten Zeitalters unternahmen sie eine große Wanderung nach Westen, wo sie sich in kleineren oder größeren Sippenverbänden über Beleriand verteilten. Ein Teil von ihnen, die Vanyar, die Noldor und ein Vortrupp der Teleri (»die Letzten«), gelangte über das Westmeer nach Aman, ins Land der Valar, der »Götter«. Die ursprünglich allen gemeinsame Sprache, das Urelbische (Quendian), das nur durch Vergleich aus den späteren Formen rückerschlossen werden kann, wandelte sich zu einer Vielzahl von Stammes- oder Sippendialekten ab. (Die meisten dieser Gruppen blieben gern für sich und unterhielten wenig Kontakt mit Nachbarn.)

Zwei Sprachen erlangten im Lauf des Ersten Zeitalters eine gewisse Dominanz und wurden in ganz Beleriand in der einen oder anderen Form gesprochen, zum Teil auch von den dort zuwandernden Menschenvölkern: Quenya und Sindarin. Quenya oder Hochelbisch war die Sprache der aus Aman nach Mittelerde zurückgekehrten Noldor, des kulturell (und auch sonst) regsamsten Elbenvolkes. Die Noldor entwickelten das erste Schriftsystem, die Tengwar, und machten von ihm ausgiebig Gebrauch. Quenya wurde jedoch im Zweiten und Dritten Zeitalter mehr und mehr zu einer Gelehrten- und Zeremonialsprache; es entfernte sich auch von der Form, in der es ursprünglich in Aman gesprochen wurde. Dennoch steht es dem Urelbischen näher als Sindarin und ist die ältere der beiden Elbensprachen. Der bekannteste Quenya-Text ist Galadriels Lied Namárië beim »Abschied von Lórien«.

Als Verkehrssprache wurde auch von den Noldor in Mittelerde bald das Sindarin übernommen, die Sprache der Sindar oder Grauelben, des zahlreichsten Elbenvolkes, das im Ersten Zeitalter im Westen von Beleriand, vor allem im Königreich Doriath lebte. Im Dritten Zeitalter wurde Sindarin allmählich von der Menschensprache Westron verdrängt, blieb aber unter den kleinen Elbenvölkern, die Mittelerde noch nicht verlassen wollten, weiterhin geläufig, ebenso wie unter den Gebildeten der Menschenvölker von Gondor und Arnor. Sindarin hat viele Mundarten und ist als Schriftsprache weniger ausgebildet als Quenya; es ist uns hauptsächlich aus vielen Namensbedeutungen bekannt. Der bekannteste Sindarin-Text ist das Lied A Elbereth Gilthoniël, das Frodo in Elronds Kaminhalle hört (»Viele Begegnungen«).

Der Überblick über die Sprachgeschichte von Mittelerde wird nicht eben erleichtert durch den Umstand, dass zwei grundverschiedene Chronologien sich darin kreuzen: einmal die Entwicklung in der fast siebentausendjährigen Geschichte von Mittelerde, zum anderen die in der »Echtzeit«, nämlich den etwa fünfundfünfzig Jahren seines Lebens, in denen Tolkien dieses Gebiet erforschte. Obwohl die zweite Zeitspanne so viel kürzer ist, bringt sie doch mehr an Sprachwandel: Viele Wortformen und Wortbedeutungen sind in den späteren Stadien von den früheren so verschieden, dass kaum mehr eine Verwandtschaft zu erkennen ist. Um dem Benutzer (und mir selbst) Verwirrung zu ersparen, habe ich mich auf den Entwicklungsstand der späten Phasen (etwa ab 1937) beschränkt und zum Beispiel das frühe Buch der verschollenen Geschichten kaum berücksichtigt. Da auch in dieser späten Phase noch widersprüchliche Angaben genug auftreten, habe ich in Zweifelsfällen all dasjenige bevorzugt, was sich im Herrn der Ringe, im Silmarillion und in den Nachrichten aus Mittelerde niedergeschlagen hat. Die größten Wortbestände freilich fanden sich in den »Etymologies«, einem nach Wortstämmen geordneten Glossar, das sich handschriftlich in Tolkiens nachgelassenen Papieren fand und von Christopher Tolkien 1987 im Band V der History of Middle-earth (S. 341–400) herausgegeben wurde. Die ersten Eintragungen stammen offenbar aus der Zeit vor Beginn der Arbeit am Herrn der Ringe (1937), doch wurden sie später gelegentlich unsystematisch revidiert und ergänzt. Ich habe manches daraus nicht übernommen, weil es Angaben in den späteren Schriften krass widerspricht. Zum Beispiel wurde unterschlagen, dass das Quenya-Wort macar nach den »Etymologies« ein »Händler« sein soll, was zu komischen Missdeutungen des Namens Menelmacar (Orion) führen könnte, der nach dem Silmarillion ein »Schwertfechter am Himmel« ist.

Vielleicht ist dieses Wörterbuch daher allzu »synchronisch«, d. h. auf einen fiktiven Ist-Zustand der Sprachen hin abgerundet, während es Tolkien doch eher um ihren Wandel ging: Die Wörter treten versippt oder verschwägert auf; sie blicken auf lange Ahnenreihen zurück. Einen Widerspruch wie den eben erwähnten hätte er vielleicht nicht durch Ausradieren einer »falschen« Angabe beseitigt, sondern durch wortgeschichtliche Überlegungen, wie es zu der merkwürdigen Doppelung gekommen sein könnte. Dies kann meine Sache nicht sein. Aber vielleicht wirke ich dem Mangel ein wenig entgegen, indem ich die größeren etymologischen Gruppen unter einem zentralen Stichwort darstelle; außerdem wird in vielen Fällen zur reinen Bedeutungsangabe ein Hinweis auf die Wortverwandtschaften hinzugefügt.

* * *

Mancher wird fragen: Brauchen wir das? Ist eine Antwort überhaupt nötig? Ist nicht allein schon die Exklusivität dieser Sprachen, ihre sowohl literatur- als auch sprachgeschichtliche Einzigartigkeit faszinierend genug? Doch zugegeben, zum Verständnis des Herrn der Ringe brauchen wir so viel davon nicht. Tolkien wusste, was er tat, wenn er manchmal einem elbischen Ausdruck keine Übersetzung beigab. Es genügt, wenn der Leser merkt, dass er es mit ausgeformten Sprachen zu tun hat, und wenn ihm das eine oder andere Wort im Gedächtnis bleibt.

In einer anderen Hinsicht brauchen wir das vielleicht doch. Quenya und Sindarin sind »tote« Sprachen, d. h. sie befinden sich in einem Zustand, in dem viele heute noch lebendige Sprachen sich auch bald befinden werden, denn Jahr für Jahr sterben einige aus. Im Herrn der Ringe sind sie noch gegenwärtig, aber die Sprecher begeben sich schon zu den Grauen Anfurten, wo die Elbenschiffe warten, um in den Alten Westen zu fahren. Wörter, Verse, Namen und Geschichten beginnen schon, sich zu den fremden und wunderlichen Fundstücken einer künftigen Sprach-Archäologie zu entstellen.

Außerdem, ganz tot sind Tolkiens Sprachen nicht. Einige Linguisten in aller Welt, hauptsächlich Amerikaner, Engländer und Skandinavier, haben sich zusammengefunden, mit dem Ziel, sie wiederzubeleben. Die Schwierigkeiten sind gewaltig. Die Grammatik ist nur lückenhaft bekannt, es fehlen viele ganz gewöhnliche Funktionswörter, z. B. Konjunktionen, ganz zu schweigen von den Wörtern für aktuelle Dinge. Analogien und Neuschöpfungen – vinyacáriër: das Wort ist selbst eine solche, aus zwei bei Tolkien auftretenden Wörtern zusammengesetzt – könnten helfen, eine echte Verständigungssprache zu entwickeln. Ein verwegenes Unternehmen – aber wohin könnte es führen? Der Würde des Fragments wäre seine Aufblähung zum System eher abträglich. Und Tolkien würde die Völker der Quendi vermissen, die Sprecher der Sprachen, deren Entwicklung man an die Gegenwart heranführen müsste. Was fehlt, ist ein guter Schriftsteller, der die Geschichte von Mittelerde fortschriebe.

Aber wenn wir einmal in Mittelerde wären, wollten wir dann wieder zurück?

* * *

Die kleine grammatische Übersicht, die ich diesem Wörterbuch voranstellen kann, ist natürlich voller weißer Flecken und weit davon entfernt, das Elbische in einen gebrauchsfertigen Zustand zu bringen. Manche Angaben sind auf Analogien gegründet – ein unzuverlässiges, die Formenvielfalt oftmals nivellierendes Verfahren. Im Übrigen verzichte ich auf spekulative Erweiterungen und Begradigungen, obwohl es ärgerlich ist, manchmal nur eine exzentrische Personalform eines Verbs nennen zu können, dessen Stammformen sich nicht mit hinreichender Sicherheit angeben lassen. Wenn auch vieles im Dunkeln bleibt, sollten doch manche Wege gebahnt und manche einfachen Sätze durchsichtig werden.

Grammatik Q (Quenya)

Quenya ist die aus dem Urelbischen hervorgegangene Sprache der Noldor, so wie sie sich zuerst in Aman und später in Mittelerde entwickelt hatte. Es ist nicht identisch mit der Sprache der Valar, auch nicht mit denen der (ebenfalls in Aman lebenden) Vanyar und Teleri, hat jedoch von ihnen mancherlei Einflüsse erfahren. Es wird hier in der Form dargestellt, in der es im Herrn der Ringe und in einigen anderen, etwa um die gleiche Zeit entstandenen Schriften Tolkiens dokumentiert ist. (Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Schriften im Umkreis des Silmarillion einen viel früheren Zustand der Sprache wiedergeben, was manche Abweichungen erklärt.)

Bei der Entwicklung des Quenya hat Tolkien einige ästhetische Eigenschaften des Finnischen zum Vorbild genommen: den außerordentlichen Reichtum an Vokalen und Diphthongen; die sogenannte Vokalharmonie (Verhältnis zwischen gerundeten und ungerundeten Vokalen in mehrsilbigen Wörtern); und das Deklinationssystem (Finnisch hat 15 Kasus), das viele Präpositionen überflüssig macht. Elendils Satz, Et Earello Endorenna utúliën (»Aus dem Großen Meer bin ich nach Mittelerde gekommen«), weist gleich zwei solcher »Lokalkasus« auf: einen Ablativ (auf die Frage »woher?« antwortend), Earello, und den Allativ (»wohin?«) Endorenna.

Substantive

Es gibt im Elbischen kein Genus, d. h. ein vom natürlichen Geschlecht der Lebewesen möglicherweise abweichendes Wortgeschlecht, aber mancherlei geschlechtsbestimmende Abwandlungen wie Gatte/Gattin, Elb/Elbin usw. Diese sind nur in relativ wenigen Fällen bekannt (z. B. meldir/meldis, Freund/Freundin; Ainu/Aini, »heiliges Wesen«). Sicherlich gab es auch zu rocco, Pferd, besondere Formen für Hengst, Stute, Fohlen, aber nichts davon steht in den Quellen.

Die weitaus meisten Substantive deklinieren sich nach einem von zwei Mustern: 1. Die auf -a, -i, -o, -u und -ië endenden; dies zeigen wir am Beispiel cirya, Schiff (R-Deklination: Pluralbildung auf -r). 2. die auf -e oder einen Konsonanten endenden; dafür als Beispiel lasse, Blatt (I-Deklination: Pluralbildung auf -i).

In der folgenden Deklinations-Tabelle (nach Tolkiens Brief an Dick Plotz, 1967) sind nur die Pluralformen des possessiven Genitiv nicht bei Tolkien belegt (und daher mit Sternchen markiert), können jedoch auf der Grundlage der Partitiv-Formen erschlossen werden. Die angegebenen Endungen werden dem Nominativ hinzugefügt. Folgende Ausnahmen sind jeweils in Klammern aufgeführt: (1) R-Deklination. Bei Worten auf -e, die jedoch einen I-Stamm haben, tritt unter Wegfall des -e jeweils ein -i- vor die Kasus-Endung (z. B. líre, Lied, Pl. lír-i-r, Genitiv lír-i-o usw.). (2) I-Deklination. Bei Worten, die mit einem Konsonanten enden, wird bei verschiedenen Kasus-Endungen ein Vokal eingefügt (z. B. elen, Stern, Dativ elen-e-n, Ablativ elen-i-llon usw.).

Sg.

Pl.

Sg.

Pl.

Nominativ u.

Akkusativ

cirya

ciryar

lasse

lassi

  Endung

-a (-o, -i, -u, -ië)

-r (-ir)

-e (-n u.a.)

-i

Genitiv

  partitiv

ciryo

ciryaron

lasseo

lassion

  Endung

-o

-ron (-iron)

-o

-ion

  possessiv

ciryava

*ciryaiva

lasseva

*lassiva

  Endung

-va (-iva)

-iva

-va

-iva

Dativ

ciryan

ciryain

lassen

lassin

  Endung

-n (-in)

-in

-n (-en)

-in

Lokativ

(wo?)

ciryasse

ciryassen

lassesse

lassessen

  Endung

-sse (-isse)

-ssen (-issen)

-sse (-esse)

-ssen(-issen)

Ablativ

(woher?)

ciryallo

ciryallon

lassello

lassellon

  Endung

-llo (-illo)

-llon (-illon)

-llo (-illo)

-llon (-illon)

Allativ

(wohin?)

ciryanna

ciryannar

lassenna

lassennar

  Endung

-nna (-inna)

-nnar (-innar)

-nna

-nnar (-innar)

Instrumental

(womit?)

ciryanen

ciryainen

lassenen

lassínen

  Endung

-nen (-inen)

-inen

-nen

-ínen

Respektiv

(was betreffend?)

ciryais

ciryalis

lasses

lassis

  Endung

-is (-s)

-lis (-is)

-s (-es)

-is

Zum Nominativ. Bei den Substantiven auf -e tritt die Pluralendung -i nicht zur Stammendung hinzu, sondern ersetzt sie, also lasse, Blatt, Pl. lassi. Hier kommen vereinzelt auch Pluralformen auf -er vor, z. B. tyelle, Stufe, pl. tyeller.

Neben dem gewöhnlichen Plural gibt es den Dual, der Dinge paarweise bezeichnet: im Fall von cirya also »ein Paar Schiffe« (ciryat, Gen. ciryato, Dat. ciryant). Ein weiterer Plural des Quenya, der zwar keine Entsprechung im Deutschen hat, im Finnischen aber auftritt, ist der Partitiv Plural, womit eine Teilmenge von etwas bezeichnet wird: z. B. lasseli, »einige Blätter« aus einer Laubmenge (Gen. lasselion, Dat. lasselin).

Zum Akkusativ. Dass er mit dem Nominativ gleich lautet, ist überraschend, weil es manche der bei den Elben beliebten Inversionen, z. B. Stellung des Objekts vor dem Subjekt, erschwert. Tolkien erklärte einmal, im altertümlichen »Buch-Quenya« sei der Endvokal im Akkusativ gedehnt worden, also ciryá, pl. ciryai usw. Im Dritten Zeitalter war dies anscheinend nicht mehr gebräuchlich.

Zum Genitiv. Üblicherweise beschreibt der Genitiv Ursprung oder Herkunft eines Gegenstandes (partitiver Gebrauch), während der possessive Genitiv ein Besitzverhältnis bezeichnet. Den Unterschied zwischen beiden Genitiven erklärte Tolkien folgendermaßen: róma Oromeo – ein von Orome stammendes (etwa von ihm verschenktes) Horn (partitiv); róma Oroméva – ein Horn in Oromes Besitz (possessiv).

Substantive auf -o verfügen im Singular über keine gesonderte Genitiv-Markierung und sind nur durch den Kontext vom Nominativ zu unterscheiden (Bsp. Indis i Ciryamo, »Frau des Seefahrers«; vgl. ciryamo, Seefahrer). Wörter auf -ië haben -io, um den Genitiv auszuweisen.

Zum Dativ. Dativformen enden im Singular und Plural mit -n und werden häufig für das indirekte Objekt im Satz verwendet (z. B. »Der Mann gab dem Hund einen Knochen«: »Knochen« ist das direkte Objekt, »Hund« das indirekte). Diese Konstruktion findet sich in Galadriels Lied Namárië wieder: Sí man i yulma ni-n enquantuva? Wer wird mir nun den Kelch wieder füllen?

Lokativ. Antwortet auf die Frage »wo?« Also: ciryasse, auf dem Schiff; Lóriendesse, in Lórien; lassesse, auf oder bei einem Blatt.

Ablativ. Frage »woher?« Also: ciryallo, von dem Schiff; Endorello, aus oder von Mittelerde; lassellon, von (den) Blättern (jeweils in räumlichem Sinne).

Allativ. Frage »wohin?« Also: ciryannar, zu den (auf die) Schiffe(n); Endorenna, nach Mittelerde; gelegentlich auch im Sinne von »gegen«: Morgath ohtacáre valannar, Morgath führte Krieg gegen die Mächte.

Instrumental. Frage »womit, wodurch?« Also: ciryainen, mit den Schiffen; súrinen, mit dem Wind (im Wind).

Respektiv. Frage »was betreffend?«. Tolkien hat diesen Kasus selbst nicht benannt, sondern nur die dazu gehörigen Formen angegeben. Er wird meist als Variante des Lokativ aufgefasst, die nicht eine konkret örtliche, sondern eine abstrakte Beziehung beschreibt. Also: ciryalis, mit Bezug auf die Schiffe (über die Schiffe).

Artikel

Quenya verfügt über einen bestimmten Artikel i (z. B. i eleni, die Sterne), aber keinen unbestimmten Artikel. Daher zeigt die Auslassung des bestimmten Artikels zumeist an, dass das Substantiv unbestimmt ist.

Adjektive

Die Adjektive werden in der Regel mit den zugehörigen Substantiven flektiert, doch sind nur die Pluralformen (Nominativ und Akkusativ) hinreichend bekannt. Die meisten enden auf -a, -e oder -ea, wenige auf einen Konsonanten (zumeist -n).

Sg.

Pl.

vanwa, verschwunden

vanwe

luine, blau

luini

laurea, golden

laurië

alcarin, ruhmreich

alcarini

Die Adjektive auf -ea und -in sind oft von Substantiven abgeleitet, z. B. laure, Goldglanz – laurea; alcare, Ruhm – alcarin. Viele auf -a sind auch Partizipien Perfekt passiv, auf -la Präsens aktiv.

Pronomen

Die Quenya-Pronomen sind schwer zu erkennen, weil sie zumeist nicht als selbständige Wörter, sondern – oft in verkürzter Form – als Affixe an anderen, durch sie bestimmten Wörtern auftreten. Z. B. Aragorns Ausruf, als er den Sämling des Weißen Baums findet: utúviënyes setzt sich zusammen aus den Elementen utúvië-nye-s, »gefunden haben-ich-es«. Ähnlich: tiruva-nte-s, »bewachen werden-sie-es«; hildi-nya-r, »Erben-mein-(Plural-Suffix)«; oma-ryo, »Stimme-ihre«; omentië-lv(a)-o, »Begegnung-unsere-(Genitiv-Suffix). In Galadriels Lied in Lórien treten die selbständige Form eines Pronomens und das Pronominalsuffix unmittelbar benachbart an der gleichen Verbform auf: hir-uva-lye / elye hir-uva – beides heißt, »du wirst finden«, aber as vorangestellte Pronomen ist emphatischer, und wird daher von Tolkien mit »even thou« (»sogar du«) übersetzt.

Die Pronomen verfügen über drei Zahlformen: Singular, Dual und Plural. Zusätzlich kann im Dual und im Plural noch zwischen einer inklusiven und einer exklusiven Form unterschieden werden, je nachdem, ob mit »wir« die angesprochene Person eingeschlossen (inklusiv) oder ausgeschlossen (exklusiv) ist. Bei der zweiten Person Sg. wird zwischen einer formellen Höflichkeitsform (entsprechend dem deutschen »Sie«) und einer familären Anrede (»du«) unterschieden.1

Singular

Dual

Plural

1. Ps.

ich

-nye, Kurzform -n

inklusiv

wir

-ngwe(-inque)

-lwe (-lve)

exklusiv

wir

-mme

-lme

2. Ps.

duihr

familiär: -tyeformell: -lye, Kurzform -l

-ste

-lde

3. Ps.

er, sie, essie

-s (selten -se)

-ste (-tte)

-lte (-nte)

Bei der unpersönlichen Form der 3. Ps. wird im Singular keine Endung angefügt, im Dual wird -t, im Plural -r verwendet (siehe auch die Verbtabellen). Diese Pronomen geben jeweils das Subjekt an. Auch ein Objekt-Pronomen kann angefügt werden (wie das »es« im Beispiel utúvië-nye-s, »gefunden haben-ich-es«). Bekannt sind allerdings nur die Formen -s (Singular: »ihn/sie/es«) und -t (Dual: »sie«). Letzteres ist in der Form laituvalmet, aus der Lobpreisung der Ringträger, enthalten: laituva-lme-t, »preisen werden-wir-sie«.

Bei den selbständigen Pronomen ist eine ganze Reihe von Varianten bekannt, die unten angegebenen Formen sind daher nicht die einzig möglichen. Gleiches gilt für die Possessivpronomen (»mein, dein«), die als Affixe verwendet werden.

selbständig

possessiv

1. Ps. Sg.

ich

ni

mein

-nya

1. Ps. Pl. inklusiv

wir

ve

unser

-lwa (-lva)

1. Ps. Pl. exklusiv

wir

me

unser

-lma

2. Ps. Sg.

du

tye (familiär)lye(formell)

dein

-tya(familiär)-lya(formell)

2. Ps. Pl.

ihr

le

euer

-lda

3. Ps. Sg.

er, sie, es

se (belebt)sa (unbelebt)

sein/ihr

-ya(poet. -rya)

3. Ps. Pl.

sie

te (belebt)ta/sa (unbelebt)

ihr

-rya (-ya)(poet. -ntya)

Demonstrativpronomen: werden nach der jeweiligen Entfernung abgestuft: sina, diese(r/s) hier; tana, der/die/das da; enta, jene(r/s) dort.

Relativpronomen: Im Plural (»die/welche«) wird der bestimmte Artikel i verwendet (unflektiert), z. B. Nai tiruvantes i hárar mahalmassen mi Númen …, wachen mögen jene, die auf den Thronen des Westens sitzen. Der Singular (»der/welcher, die/welche«) ist in der persönlichen Form ye, die unpersönliche Form (»das/welches«) ya. Beide Pronomen nehmen die verschiedenen Kasus-Endungen an (z. B. yeo, deren/dessen; yan, wem/dem).

Verben

Im Wörterbuchteil werden Verben zumeist unter der Stammform angegeben, z. B. lanta-, fallen, oder mer-, wünschen. Dies ist jedoch nicht der Infinitiv, der vielmehr lantië hieße und ein substantiviertes Verb (Gerundium) ist, das dekliniert werden kann.

Alle Verben ordnen sich prinzipiell in zwei Gruppen: (1) Stammverben, bei denen die Konjugationsendungen direkt an die Stammsilbe treten; (2) abgeleitete Verben, bei denen bereits zusätzliche Silben (z. B. -ya, -ta) an die Stammsilbe angefügt sind und die zumeist auf -a enden (daher A-Stämme).

Neben den auch im Deutschen gebräuchlichen Zeitformen – Präsens, Präteritum, Perfekt, Futur – verfügt Quenya über den Aorist, der gegenwärtige, kontinuierliche Handlungen beschreibt und auch dazu verwendet werden kann, Allgemeingültiges auszusagen.

Die 3. Ps. Plural wird in der unpersönlichen Form immer mit dem Suffix -r gebildet. In der 3. Ps. Sg. fällt bei der unpersönlichen Form das Pronomen (angehängtes -s) weg. Die übrigen Personalformen werden mit Pronominalsuffixen gebildet, sofern nicht das Pronomen als selbständiges Wort dem Verb vorangeht, also z. B. die 1. Ps. Sg. auf -in, -nye oder -n.

Der Aorist ist bei den A-Stämmen nur im Plural durch ein angehängtes -r markiert (Sg. lanta, Pl. lantar). Bei den Stammverben tritt im Aorist Sg. -in, im Pl. -ir auf (z. B. carin, tue; carir, tun). Das Präsens wird durch ein angehängtes -a gebildet, was bei bereits auf -a endenden Verben jedoch zur Endung -ea führt, also: lantea, fällt (Sg.), lantear, fallen (Pl.).

Die Vergangenheit (Präteritum) wird bei den A-Stämmen zumeist durch Anfügung von -ne (manchmal auch -e) an den Präsens-Stamm gebildet; also lantane, fiel. Dies gilt ebenso für die Stammverben, nur Verben auf -p, -t und -c verändern sich durch Einfügung eines Nasals (m/n): top-, bedecken, wird zu tompe, tac-, befestigen, zu tance usw. Das Perfekt kennzeichnet sich durch das Affix -ië, Längung des Vokals der vorangehenden Stammsilbe und Voranstellung desselben (kurzen) Vokals: z. B. tul-in, ich komme / u-túl-ië-n, ich bin gekommen. Bei den A-Stämmen kommt es anscheinend zum Wegfall des Schlussvokals (-a, genauso -ya): also hanya-, verstehen, Perfekt ahánië.

Das Futur wird mit der Endung -uva gebildet (bei den A-Stämmen ebenfalls unter Wegfall des Schlussvokals). Beim Optativ (Wunschform) tritt nai (»möge es sein«) zum Futur hinzu, wie z. B. in Galadriels Lied: nai hir-uva-lyë Valimar. Möge es sein, dass du Valimar finden wirst (mögest du Valimar finden). Manchmal wird das Futur auch in konjunktivischem Sinne gebraucht.

Der Imperativ kann durch ein der Stammform vorangestelltes a ausgedrückt werden, wie im Lob der Ringträger: a laita te! Preist sie! In der Negation tritt ein vorangestelltes áva auf. Vereinzelt wird der Imperativ durch ein angehängtes -a gebildet: ela! Sieh! (von el-, sehen). Belegt ist dies aber nur bei den Stammverben.

Das Partizip Präsens aktiv endet bei den A-Stämmen auf -la (z. B. lantala, fallend), bei den Stammverben anscheinend auf -ala. Das Partizip Perfekt passiv endet auf -na oder -ina (bei den A-Stämmen entsteht so der Diphtong -aina: lantaina, gefallen). Bei Stammverben auf -l wird -na allerdings zu -da: z. B. mel-, lieben, melda, geliebt.

Die folgende Übersicht enthält Formen von car- und lanta-, die nicht im Einzelnen belegt sind, sich aber aus Tolkiens Beispielen und Erörterungen ableiten lassen. Die Personalpronomen sind jeweils angehängt (wobei als Variante zu -lte, 3. Ps. Pl., auch -nte möglich ist).

I. Stammverben

Präsens

Präteritum

ich tue

cára-n(ye)

ich tat

carne-n(ye)

du tust

cára-l(ye), -tye

du tatest

carne-l(ye), -tye

er tut

cára(-s)

er tat

carne(-s)

wir tun

cára-lme, -lwe

wir taten

carne-lme, -lwe

ihr tut

cára-lde

ihr tatet

carne-lde

sie tun

cára-r (unpers.)cára-lte (pers.)

sie taten

carne-r (unpers.)carne-lte (pers.)

Perfekt

Futur

ich habe getan

acárië-n(ye)

ich werde tun

caruva-n(ye)

du hast getan

acárië-l(ye), -tye

du wirst tun

caruva-l(ye), -tye

er hat getan

acárië(-s)

er wird tun

caruva(-s)

wir haben getan

acárië-lme, -lve

wir werden tun

caruva-lme, -lve

ihr habt getan

acárië-lde

ihr werdet tun

caruva-lde