Elfen der 7 Elemente - Max Johnson - E-Book

Elfen der 7 Elemente E-Book

Max Johnson

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Beschreibung

Fantasy Story - Wer Elfen oder Zwerge mag, gerne etwas über Drachen von fernen Ländern liest, der ist hier richtig! Viel Spaß beim Lesen! Lasst eurer Fantasie freien Lauf, während ihr in das Abenteuer eintaucht!

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Seitenzahl: 403

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Max Johnson

Elfen der 7 Elemente

Die Allianz

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Informationen zum Titelbild

Kapitel 1: Die erstaunliche Begegnung

Kapitel 2: Reo im Feenland

Kapitel 3: Bei den Erz- und Eiselfen

Kapitel 4: Kampf gegen die Hexe

Kapitel 5: Bei den Wasserelfen

Kapitel 6: Arien und Reo im Mittelland

Kapitel 7: Der Feind

Kapitel 8: Arien in Not

Kapitel 9: Eldariel, Waldelfenfürst der Anfangszeit

Kapitel 10: Reo und Arien auf der Reise

Kapitel 11: Thorgrim Eisenfaust

Kapitel 12: Zeit zum Feiern

Kapitel 13: Viele Wege

Kapitel 14: Die Prüfung der Drachenreiter

Kapitel 15: Gwindors Stunde

Kapitel 16: Olidir, Gott des Lichtes

Kapitel 17: Reo im Süden

Kapitel 18: Die Elfen der Lichts (Hochelfen)

Kapitel 19: Der Kampf in der Steppe

Anhang

Impressum neobooks

Informationen zum Titelbild

Jonas Jödicke ist ein Künstler, welcher mit vielen Autoren zusammenarbeitet. Er kommt aus Berlin, und hat einer der Hauptcharakteren, die Wasserelfe Arien, meiner Meinung nach in seinem Bild sehr gut dargestellt. Hier ein Link zu seinem Facebook-Profil als Künstler:

https://www.facebook.com/JojoesArt

Kapitel 1: Die erstaunliche Begegnung

Wir befinden uns auf offenem Meer, im 5. Jahr der Regierung des König Arthos, Herrscher über die Mittellande. Viele Jahre heftigen Krieges waren das Schicksal der Bewohner gewesen in den vergangenen Jahren.

Das Königreich Mittelland war eine Vereinigung von Fürstentümern, die entschlossen waren, den Orks des Nordens zu widerstehen. Einige überlebende Waldelfenkrieger leisteten den Orks im Westen des Ork-Reiches ebenfalls Widerstand, und schützten somit die Überbleibsel ihres einst so mächtigen Königreiches und zudem auch die Länder der Piratenstämme, die hinter ihren Waldfestungen, im Nordwesten von Ayulu lagen.

Der General der Mittellande galt als verschollen. Unsicherheit herrschte über eine Nachfolge, man würde sich in Kriegsräten von vielen Hauptleuten organisieren, bis zu dem Zeitpunkt, da der General zurückkehrte oder eben nicht.

Die Menschen waren bei weitem das mächtigste Volk auf Ayulu. Seien es die dunkelhäutigen Südländer, die barbarischen Stämme im Königreich Aldon, die Bewohner der freien Fürstentümer im Osten, die Piratenstämme oder die Mittelländer – wo auch immer die Menschen zu finden waren, da herrschten sie über das Land.

Über die Blütezeit der Elfen hörte man nur in Legenden. Doch das alles sollte sich bald ändern.

*****

Die Wolken waren düster. Blitze zuckten in der Ferne schon in die tiefblaue See. Die Wellen wälzten sich in dem stürmischen Meer, bedrohend hohe. - Es wirkte alles irgendwie unnatürlich, wie durch Magie verursacht.

„Alle Mann an Bord!“, schrie der gewaltige Seebär.

Unter den Piraten im hohen Norden von Ayulu gab es nur grosse Menschen. Sie waren das kräftigste Menschengeschlecht auf dem ganzen Kontinent. Dennoch der Kapitän - oder eben auch „Seebär“ genannt- war besonders gross gewachsen. Er ragte über alle seine Matrosen mit seinen guten 2.06 Meter Höhe. Doch das war nicht der Grund, weshalb er „DER SEEBÄR“ genannt wurde, nein. - Der Grund war seine breite Schultern, seine stämmige Brust, und seine dicken Oberarme. In jedem Gefecht war er an vorderster Front dabei. Er schwang einen langen Kriegshammer, über 20 Kilo schwer wog – für einen Piraten eher ungewohnte Waffe.

Schon viele Jahre segelten sie auf dem Delphin umher, im gesamten westlichen Meer des Kontinents. Der Delphin war ein prächtiges Schiff. Es hatte einmal dem Mittelland gehört, es wurde nur gebaut für Reisen von Prinzen und für den König selbst.

Kein anderer Pirat als Ulfert, der Seebär, hatte sich je gewagt sich dem geräumigen Schiff auch nur zu nähern.

Auf dem Delphin hatte er ein Duell gefochten gegen den General des Mittellandes. Dieser war ein gut trainierter Schwertkämpfer gewesen. Wahrscheinlich der Beste überhaupt. –

Edle Kampfkunst.

Viel Ausdauer.

Gut im Parieren und Ausweichen.

Doch der Seebär hatte ihn besiegt. Es war der Kampf seines Lebens gewesen, als er dem General begegnete. Er konnte sich noch in jedem Detail daran erinnern.

Es war an einem wolkenfreien Morgen gewesen. Eben hatten sie den Hafen von Sedir verlassen. Sie kurvten um die Palmeninseln ab ins offene Meer.

Ohne Angst und ohne Sorgen, laut singend und johlend liessen sich die satten zweihundert Piraten vom sanften Nordwestwind treiben.

Eine ruhige Fahrt. Zwei kleinere Bote wurden geplündert. Ein Segelschiff ausgeraubt und abgebrannt.

Weitere stille Stunden schlichen langsam dahin.

Ulfert dachte schon, dass sie geradesogut im Hafen hätten bleiben können bei der geringen Beute des Tages, als die Sonne gemütlich zum westlichen Horizont hinunterkroch. –

Dann rauschte das vergoldete Schiff vom Süden heran. Ulfert bekam sofort einen Adrenalinschub. Er liebte alles was glänzte, und gab sich nicht zufrieden mit blossem angucken. – Nein, er musste es selbst besitzen und konnte nicht ruhen bis es soweit war.

Geschickt kurvte er sein Segelschiff heran an das schwimmende Edelschiff. Sein Team schleuderte keine explosiven Geschosse auf ihre Feinde – schliesslich wollten sie das Schiff ganz und ohne Makel übernehmen.

Sie im Gegenzug wurden von den Mittelländern ganz schön unter Beschuss genommen. Sein halb brennendes Schiff krachte seitlich auf das königliche Schiff, während die Piraten an reissfesten Seilen das Ziel kenterten.

Seine Leute schlugen heftig zu gegen die geordnet formiert kämpfenden Soldaten des Reiches. Doch Ulfert bemerkte nicht zu viel vom Kampf seiner Freunde, da er pfeifengerade lossprintete, seine Feinde vor sich wegfegend, auf den kräftig gebauten Muskelberg in Metall, welcher offensichtlich eine wichtige Rolle innehaben musste auf diesem Schiff. Das war seine Arbeit – Eliminierung des stärksten Feindes.

Den zwei Wurfäxten ausweichend, welche der Seebär auf den Feind geschleudert hatte, bewegte sich der Metallbepackte erstaunlich flink nach links, zwei etwas über einen Meter lange Metallschwerter zuckend. Die Schwerter hatten Runen eingraviert, sie begannen beide gelblich zu leuchten. –

„MAGIE!“, hatte Ulfert geflucht. Er hasste die übernatürlichen Kräfte. – Seine Furcht schluckend wirbelte er seinen schweren Kriegshammer herum.

Der Schmetterattacke ausweichend griff der Mann in Rüstung seinerseits an – in kombinierten Doppelschlägen zischten die Klingen durch die Luft.

Ulfert musste sich richtig anstrengen, nicht getroffen zu werden. Noch nie hatte er jemand so kämpfen gesehen.

Ein Schlagaustausch erfolgte. – Beide Kämpfer gingen nicht viel Risiko ein, um sich selbst zu schützen.

In Schweiss gebadet standen sie noch immer breitbeinig auf dem edlen Holz. Ulfert hätte den Kampf womöglich verloren. Aber seine Piraten hatten unterdessen die mittelländischen Soldaten ausgeschaltet.

Beflügelt vom Sieg seiner Truppe täuschte der Pirat einen harten Schlag von Links an, aber wendete sich plötzlich gekonnt, riss den Hammer herum und wuchtete seinen Hammer über seinen eigenen Kopf geschwungen auf seinen Feind.

Laut klirrend traf Metall auf Metall – der linke Schwertarm des Rüstungsmannes war innerlich mehrfach gebrochen, das schützende Metall stark verbogen.

Ein Schmerzensschrei erfolgte. Der Mann in Rüstung beugte sich nieder, sein zweites Schwert ebenfalls fallen lassend.

Ulfert riss den Helm von seinem Haupt, zog an den langen Haaren mit seiner Pranke und starrte den Feind an.

Trotz des Schmerzverzogenen Gesichtes konnte er doch erkennen, dass er diesen Mann schon einmal auf einem teuren Gemälde gesehen hatte. – Es war Terizar, der General des Mittellandes. Was machte er bewacht von so einer kleinen Armee auf dem Wasser? Wusste er denn nicht, dass dieser Teil des Meeres von Piraten unsicher gemacht wurde?

Viele Fragen hatten ihn bestürmt an jenem Tage.

Der General wurde seither gefangen gehalten. Im schrecklichsten Gefängnis der Piraten. Freiheit würde er wohl kaum wiedererlangen so lange er lebte.

Ulferts Ruf verbreitete sich umso schneller seit jenem Kampf.

Er war stolz.

Er war stark.

Er war unbesiegbar.

*****

Er merkte, seine Stimme war vom Wind verschluckt worden. Er hatte wohl zu leise geschrien. Nochmals schrie er, diesmal richtig laut:

„Alle Mann an Bord!!!!!“

Jetzt wurde der Seebär beachtet. – Innert Kürze trabte die ganze Mannschaft an Bord. Sie wiederholten sich ständig, alle riefen:

„Ei, ei, Captain!“

Es war eine gute Mannschaft. Tapfere Krieger. Tüchtige Matrosen. Und dann war da noch jemand an Bord: Seine Frau Tilge - Sie war eigentlich keine richtige Piratin, auch wenn man das hätte meinen können, wegen ihren lockigen roten Haare und ihrem kräftigem Körperbau. Na ja, zumindest war sie jetzt eine.

Es hatte lange gedauert, bis sie sich ihm endlich angeschossen hatte, um ihn auf seinen Reisen zu begleiten. Schon komisch, dass er, der Strassenjunge, und sie, die Fürstentochter sich gefunden hatten. Eines war in jedem Fall klar: Liebe hatte sie untrennbar miteinander verbunden, und nichts würde sie je voneinander trennen würden. -

Die Reisen waren extrem spannend. Tilge übte sich viele Stunden auf ihrer Harfe, die aufs Schiff mitgenommen hatte. -

Sie hatte dank Ulfert alles gesehen! - Es gab keine Hafenstadt, die sie nicht kannte. In jeder Bucht hatten sie schon den Anker gesetzt, ausgenommen natürlich nahe der Küste, wo gemäss Legenden die Hochelfen weilten.

Niemand hatte diese Art von Elfen je gesehen. Niemand kannte sie. Niemand kehrte jemals aus dem Land zurück, das diesen Hochelfen zugeschrieben wurde. Existierten sie überhaupt? – So mancher glaubte nicht daran.

Trotz seiner Abenteuerlust spielte Ulfert nie mit dem Leben der Mannschaft, die ihm so treu war. Er wusste, wann er die Reichsgaleeren des Mittellandes, das seine Arme bis in diese abgelegenen Gegenden ausreichte, angreifen konnte, und wann es zu gefährlich war.

Sein grösstes Geschäft war jedoch mit den südländischen Sklavenhändlern, denen er stets gefangene Piraten anderer Schiffe verkaufte.

Auf seinen Reisen in den Süden nahm er oft auch die Gelegenheit war, ein paar reiche Urlaubsboote zu attackieren, welche zwar gut bewacht waren, aber nicht gut genug für Ulfert und sein Team.

Neuerdings hatte er auch einige Magier aus Rodin, der grössten Stadt in den südlichen Fürstentümern, angeheuert, um seine Mannschaft zu begleiten.

Grundsätzlich verabscheute er alle Magier, doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass er einige von ihnen brauchen würde in Zukunft.

Die Magier forderten ein zehnfaches an Sold im Vergleich zu den Matrosen; zudem bestanden sie auf einen doppelten Gewinnanteil beim Übernehmen eines anderen Bootes, und zu guter Letzt wollten sie auch noch in der schönsten Kajüte übernachten.

Der Seebär war auf alle Forderungen der Magier eingegangen. Er brauchte sie. Er wusste es.

*****

Der Captain und die Mannschaft navigierten das Schiff geschickt gegen Süden. Sie hatten keine andere Wahl, sie mussten versuchen, in eine der Buchten nahe dem Lande der Hochelfen Zuflucht zu finden.

Der Sturm entpuppte sich als Windhose, dem übelsten aller Übel für Piraten und Seeleute: Ein Tornado auf dem Meer. – Dieser Wetterwirbel eilte ihnen nach, als ob er als einziges das Ziel hätte, die Piraten zu vernichten. –

Ulfert rief: „ABFALLEN AUF HART AM HALBWIND!!!“

Die Matrosen holten die Schoten des Vorsegels, um die Segelstellung der neuen Richtung zum Wind anzupassen

Das Manöver war gelungen, ein neuer Kurs lag an.

Weitere Segel wurden gezogen, gedreht und befestigt, um den ständig sich ändernden Wind bestens auszunutzen. -

Mitten in alle dem Tumult schrie seine Frau Tilge immer lauter. - Bei ihr hatten vor vielen Stunden die Wehen eingesetzt; sie würde in dieser Nacht noch gebären.

Land war noch keines in Sicht, der klatschende Regen verunmöglichte es ohnehin, weit zu sehen. Die Verfolgungsjagd hielt an.

Ulfert war sich sicher, dass ein erhabener Magier dieses Unwetter aus sie hetzte. – Doch auch er hatte Magier dabei, die sich mit aller Konzentration bemühten, durch Unterbrechungsgesteuerter die wachsende Windhose ihn eine andere Fortbewegungsrichtung zu lenken. – Ohne Erfolg. –

Nach seiner Erfahrung und Intuition musste das Land jederzeit vor ihnen auftauchen. – Ob sie jedoch dort tatsächlich sicher waren vor dem Unwetter, war eine andere Frage.

Der erhoffte Schrei erhalte dann doch noch: „LAND IN SICHT, gegen Osten!“

Der Seebär schrie: „KLAR ZU WENDE!“

Die Antwort der Vorschote kam wie geschossen: „KLAR!“

Der Seebär rief: „Ree!“, und legte das Luv-Ruder.

Es war ein Matrose ganz vorne auf dem Bug, der die Küste entdeckt hatte, und nicht der Mann auf dem Ausguck-Mast.

Ulfert atmete erleichtert tief aus. Es war doch noch einmal gut gegangen.

Leider hatte er sich zu früh gefreut. Ein übergrosser Riesenkrake schoss seine Fangarme aus den Tiefen des Wassers, umklammerte den Delphin. Es war ein Wächter der Lichtelfen, beherrscht und kontrolliert von dem edlen Elfenvolk. – Sein Auftrag bestand darin, niemals ein Schiff nahe an die Küste heran segeln zu lassen.

Das grosse königliche Schiff wurde durch die Kraken arme tief ins Wasser gezogen, um gleich darauf in die Luft geschleudert zu werden. –

Mit einem lauten Platschen prallte das Schiff auf dem stürmenden Wasser abermals auf.

Noch mehr Fangarme schlossen das Schiff ein in eine unlösbare Umarmung. Holz zersplitterte, die Fangarme rissen tiefe Wunden in den hölzernen 'Delphin', besonders an der Backbordseite. Einer der drei baumstarken Masten brach ab.

Noch nie hatte Ulfert, der mit seinem grossen Kriegshammer vergebens gegen das Monstrum anzukämpfen versuchte, eine solche kolossale Bestie gesehen. Auch nicht hätte er gedacht, dass es so etwas gewaltig Monströses gibt. Der Krake schien ihn nicht einmal zu bemerken. Die Fangarme rissen noch tiefere Löcher in das hoffnungslos verlorene Schiff. Es war dem Untergang geweiht.

Nass vom Haupthaar bis zur Zehenspitze watschelte der Seebär zur Kajüte, wo seine Frau ein neugeborener Schönling in den Armen hielt. Sie hatte die Geburt überlebt, doch was nützte es noch?

Einer der drei Magier stolperte ebenfalls über die Türschwelle, fiel gleich zu Boden, als das Schiff knirschte durch weitere Einbrüche.

„Was tust du hier?“, brummte der Seebär, und fügte sogleich hinzu: „Reichen deine magischen Kräfte, um noch etwas zu bewirken zur Rettung von uns?

Der Magier murmelte: „Ich beherrsche einen Schutzzauber, bei dem man in den Wogen des Meeres ohne Atmen für einige Zeit überleben kann. Doch fürchte ich, dass meine magische Kraft nur knapp ein Kind retten könnte, so erschöpft bin ich.“

„Hör auf zu jammern!“, befahl Ulfert. Er nahm mit seiner Pranke einen Stuhl, schlug schleunigst alle vier Beine ab, fesselte seinen neugeborenen Piraten mit dickem Schiffsseil daran, und ordnete an:

„Magier, dann rette meinen Sohn!“

Der Magier klammerte sich an seinen Zauberstab mit der einen Hand, hielt den Eichenpfosten gleich neben der Tür mit der Anderen, und murmelte:

„Wertdon Xsyrit Tensabur!“, und ein blauer Energiestrahl zuckte aus dem Kristall, den er am vorderen Ende seines tiefschwarzen, glatt polierten rundlichen Magier-Stabs angebracht hatte.

Der Energiestrahl traf auf das Baby, umschloss es vollständig. Ulfert hob den Stuhl, streichelte mit einer seine wettergegerbten Hände über den Neuankömmling auf Ayulu: „Mögen die Götter dir ein ruhmreiches Leben beschaffen!“

Eine Flut von Wasser spülte in den Raum, zermalmte Möbel und Betten, schleuderten die vier Menschen gegen eine Holzwand. Alle verloren das Bewusstsein, ausser dem kleinen Baby, das in dem magischen Schutzkokon verwundert um sich blickte.

Die Wände krachten noch einmal laut, der Kraken hatte nun auch den letzten Überrest des Schiffes zu Kleinholz verarbeitet.

Die magische Blase, gefüllt von einem bläulichem luftähnlichem Gas, in der das Baby sich befand, wurde an die Wasseroberfläche gespült, und trieb auf den Wellen dahin.

*****

Ein älteres Paar, gekleidet in edlen Gewändern, blickte vom Land aus auf die stürmische See. Es tropfte bereits, und bald würden sie sich in einem Platzregen wieder finden, falls sie noch länger am Hafen verweilen würden.

„Wir haben die falsche Zeit gewählt, um Toron zu besichtigen, lass uns zur Taverne gehen“, meinte der Mann.

Toron war eine Hafenstadt im Nordwesten von Ayulu, die einzige Stadt in dieser Gegend, die unter dem Schutz der Mittellande stand. Sie war südlich gelegen zu Olkesr, nahe zum Lande der Hochelfen. Die ungünstige Lage war wohl der einzige Grund, weshalb die Piraten die Stadt verschonten. -Sie hatten zu viel Furcht vor den Hochelfen, die früher grosse Macht hatten über die See und das Land. In Legenden wurde erzählt, dass sie einst aus ihrem langen Exil zurückkommen würden. – Die Piraten waren voller Aberglauben, sie fürchteten die Götter, die Paladine, die Priester und die Magie.

Toron war ein äusserst beliebtes Reiseziel der reicheren mittelländischen Familien. - Eigentlich war es auch das einzige Reiseziel im Westen. Allerdings war Toron nur schwer zu erreichen, denn man musste entweder durch den unsicheren Süden reisen, oder das Königreich Aldon durchqueren, das von einem barbarischen Volk bewohnt war. Die Reisen waren daher immer durch Kriegsgaleeren begleitet, und die Passagiere gingen nur selten an Land, bis sie am gewünschten Ort ankamen.

Reisen in Richtung Osten waren wesentlich angenehmer, dort waren die freien Fürstentümer angesiedelt, dem Mittelreich freundlich gesonnene Herrscher regierten. Sie sandten auch oft Verstärkung für die mittelländische Armee, wenn die Orks ihre Angriffe auf die westliche Nordfront verlegten.

„Andolia, mein Schatz, lass uns nun endlich gehen!“, wiederholte der Mann.

Sie war wie in Trance gefallen, und konnte den Blick nicht mehr vom drohenden Unwetter abwenden: „Clen, warten wir noch kurz! Ich liebe den Sturm!“

Wieder einmal fügte sich der mittelländische Adlige seiner Frau.

Sie warteten, der Wind wurde sehr wuchtig, wie oft kurz vor dem richtigen Sturm.

Andolia war schliesslich bereit, doch zu gehen, dann vernahm sie das unschuldige Schreien eines Babys. -

„Hörst du es auch?“, fragte sie

„Was denn?“, meinte er etwas verdutzt.

„Das Baby.“

„Ach Schatz, du weisst doch, wir können keine Kinder bekommen. - Schon so lange warten wir, und nichts geschieht.“

„Nein, es ist wirklich da, unten, bei dem steinernen Strand.“, und schon eilte sie davon, auf den Sturm los.

Es blieb Clen nichts anderes übrig als ihr zu folgen.

Der Regen setzte ein. Wo war sie bloss?

Clen kämpfte sich Schritt für Schritt vorwärts, er wusste nicht, wie seine Frau es hinbekommen hatte, so schnell zu verschwinden.

Der neblige Dunst verhüllte ihm die Sicht. Die Regentropfen wurden immer grösser, begannen auf ihn nieder zu prasseln. Er hörte das Rauschen des Meeres immer lauter. Doch da war noch das andere Geräusch, das sich immer lauter mit dem Brausen der Wellen und dem Sausen des Windes vermischte: Das Weinen eines Babys.

Hinter einem Felsvorsprung angekommen sah er sie: Andolia stand aufrecht da, anmutig wie eine Königin. In ihren Armen trug sie ein Baby. Ein grosses Baby.

*****

Klatschnass erreichten sie die Taverne. - Neue Kleider wurde ihnen eilig von Bediensteten gebracht, dass Baby trocknete Andolia selber. „Es ist wunderschön!“

„Du hast recht!“, stimmte er ihr zu, obwohl er eigentlich alle Babys nicht sehr mochte. Er liebte Kinder. Mit ihnen konnte man spielen, lachen und etwas unternehmen. Doch mit Babys konnte er nicht viel anfangen.

„Wir behalten es, oder?“

Ohne nachzudenken sagte er schnell: „Ja, sicher, Schatz.“ - Er wollte nicht mit ihr diskutieren, besonders nicht auf ihrem Urlaub. Er hatte sich schon daran gewohnt an den Gedanken, einst sein Hab und Gut seinem Neffen zu vererben. Kinderlos zu sein und zu bleiben war nie sein Wunsch gewesen, aber irgendwann hatte er akzeptiert, dass dies sein Schicksal war.

Ganz anders war das für Andolia gewesen. - Sie konnte nicht aufhören von einem Baby zu träumen und sich eines zu erhoffen, und hier hatte sie nun tatsächlich eines in ihren Armen.

„Wie willst du es nennen?“, fragte er sie.

„Was meinst du?“

„Hm was mit Gwen oder Liu?“

„Dann wohl eher Beur oder Alwin“, meinte sie.

„Alwin wäre gut. - Oder wir könnten es auch nach dem Sturm benennen: Reo, was meinst du?“

„Reo“, sagte Andolia, so ausgesprochen, als wäre das Baby schon so benannt. Reo bedeutete das Sturmkind in der allgemeinen Sprache auf Ayulu.

Nach weiterem Diskutieren blieben sie bei dem Namen.

„Wie hat das Baby eigentlich das Land erreicht, bei diesem stürmischem Wetter?“, fragte Clen.

„Die Götter haben es beschützt. – Es war auf einen Stuhl gebunden, und zudem umhüllt von einem überirdischen Schutz. Ich konnte es erst in meine Arme nehmen, als der Schutz erloschen war.“

„Wahrlich, das war eine erstaunliche Begegnung. Es ist ein richtiges Wunderkind!“

Das Kind würde es gut haben bei der neu gefundenen Familie.

Clen Belor war ein Fürst des Mittellandes. Zwar konnte er nicht kämpfen wie die meisten anderen Fürsten, aber dafür konnte er gut und viel reden. Er diente am Hof des Königs. Er war geachtet, geschätzt und geliebt unter den Leuten.

*****

Reo ritt begleitet von seinem Vater Clen die Reichsstrasse in Richtung Süden. – Ein frischer Frühlingstag war es gewesen, und zudem: Der schönste Tag seines bisherigen Lebens.

„Reo, ich bin so stolz auf dich!“, sagte Clen bereits zum neunundneunzigsten Mal an diesem Tag.

„Ach, bei so guten Eltern muss ich ja etwas Grosses zustande bringen in meinem Leben.“, sagte Reo bescheiden.

„Du hast Andolia so glücklich gemacht in den vergangen Jahren.“, freute sich Clen sehr über die unglaublich positive Entwicklung seiner Familie, seit dem Zeitpunkt, wo Reo zu ihnen gefunden hatte.

Reo wusste nicht, was er darauf antworten sollte, und schwieg daher. Er genoss die zwitschernden Amseln, und atmete tief ein. Die untergehende Sonne verzauberte die Umgebung in eine Märchenlandschaft.

Reo war von einer tiefen Dankbarkeit erfüllt, dass er im freien Mittelland aufwachsen durfte. Hier blühte der Handel. Hier wurde viel Neues gebaut: Paläste, grosse Häuser mit Gartenanlagen, Tempel für die Götter, aber auch Bauernhöfe, Arbeiterhütten, neue Strassenverbindungen, und vieles mehr.

Die Arbeiter waren gut bezahlt, es war so manch armen Wanderer innert weniger Jahre, viel Hab und Gut anzuhäufen, Wagen zu kaufen, um die schwere Landwirtschaftliche Arbeit effektiver durchzuführen.

Reo wusste es zu schätzen, dass er eine strenge Schulbildung genossen hatte. – Denn in der Erntezeit, wo alle Kinder der armen Familien bei der Feldarbeit mithalfen, wurde auch von ihm erwartet, sich den angestellten Bauernkindern anzuschliessen, um die harte körperliche Arbeit zu verrichten.

In den letzten vier Jahren hatte er zudem das besondere Vorrecht gehabt, eine Kriegerakademie zu besuchen. – Er wurde schon als zwölfjähriger zugelassen, da sein Vater über Beziehungen und Geld verfügte. Normalerweise musste ein Kind mindestens vierzehn Jahre alt sein, um eine kriegerische oder magische Akademie zu besuchen. – Die Magier mussten zwei Jahre länger in der Ausbildungsstädte verweilen, und waren dann lebenslang ihrer Akademie gegenüber verpflichtet, während die Krieger nur dem König und dem Fürst die Treue zu schwören hatten, aber ansonsten ihr Leben frei planen konnten.

Nur in Kriegszeiten hatten alle ausgebildeten Soldaten die Pflicht, vollzeitlichen Dienst für das Königreich zu verrichten.

Auch Bauern und gewöhnliche Leute wurden zudem rekrutiert wenn ein Krieg besonders heftig Verheerung über die Bevölkerung brachte – was auf Ayulu häufig geschehen konnte. Zu solchen Zeiten musste praktisch jeder Mann ein Schwert ergreifen. Daher war es ein riesiger Vorteil, wenn man die Kampfkunst richtig gelernt hatte. – Wer es sich also leisten konnte, sandte seinen Sohn immer in eine Kriegsakademie. –

Still ritten die Beiden, der junge Krieger Reo mit seinem Vater, der seine Tage nutzte, um am Königshof zu richten und zu beraten, durch die vertraute Natur.

Der Tag war lange gewesen. Es war viel geredet worden am Hof des Fürsten. - Reo war heute zum Ritter ernannt worden. Äusserst ungewöhnlich für einen Krieger in seinem Alter von knapp sechzehn Jahren. – Dem ritterlichen Kodex stimmte er in allem zu, von dem Sichtpunkt her würde er an seinem Leben nichts ändern müssen. Aber Vorteile hatte er nun viele: Er hatte ein persönliches Schlachtross erhalten, eine schwere Plattenrüstung für Kriegszeiten und eine Harnisch-Rüstung für friedlichere Zeiten. Er war sehr froh, dass von den mittelländischen Rittern nicht erwartet wurde, ständig in der bleiernen Vollkörperrüstung unterwegs zu sein. – So eine falsche Planung gab es nur in den östlichen Fürstentümern, in bestimmten Regionen.

Ihre Ehrentitel hatten seine zwei Freunde und er erhalten, weil sie alle zusammen eine Schurkenbande nach der anderen aufgefunden und ausgelöscht hatten, viele Banditen und Strassenräuber gestellt hatten. – Eigentlich hätten nur Inuel und Quin den Titel erhalten dürfen, die beiden waren schon volljährig, das heisst über einundzwanzig Jahre alt.

Doch der amtierende Fürst hatte Reo erklärt, dass er aufgrund seiner Körpergrösse von den geladenen Gästen keine dummen Fragen gestellt bekommen würde. – Reo war bereits 1.96 Meter, über einen Kopf höher als Inuel, und viel höher als Quin. Würde er noch weiter wachsen? Aber sicher!

Zurück an den Kriegern vorbei, die strengstens die noch geöffneten Tore bewachten, betraten sie ihren weiten Rosengarten. Einige Pappeln säumten den Weg zu dem geräumigen Gebäude auf der höchsten Stelle des Hügels. Sie passierten die Badehäuser zur linken, die Häuser ihrer persönlichen Wachsoldaten.

Andolia hatte ihren Gemahl und ihren Sohn schon erwartet. Obwohl sie den ganzen Tag zusammen mit ihnen unterwegs gewesen war, hatte sie bereits wieder begonnen, die beiden zu vermissen, da sie in der Küche noch mithelfen ging. Besonders Reo vermisste sie immer sehr stark. Schliesslich war er ja auch vier Jahre lang nur an den Wochenenden bei ihnen zu Hause gewesen. – Doch jetzt war alles anders. – Reo verliess das Haus schon früh morgens, um sich mit Inuel und Quin zu treffen. – Dann ging das Abenteuer los. – Andolia rief ihm jedes Mal hinterher, dass er gut auf sich aufpassen solle, und dass sie ihn liebe.

Ein himmlischer Duft von frisch gebackenem Wild drang aus dem Speisesaal. – Reo umarmte seine Mutter, und setzte sich auf seinen vergoldeten gepolsterten Stuhl. Er sei von Wasserelfen geschnitzt worden, auf dem Markt in Gartum hatten sie gleich zehn solche Stühle gekauft. – Sie waren extrem teuer. –

Auf dem gedeckten Tisch fand Reo Bratkartoffeln, Speck, Wildschwein, grüner Salat, Nüsslisalat, neu gebackene Brötli. – Ein kurzer Blick in Richtung der Küche verriet ihm, dass der verdeckte Dessert-Tisch ebenfalls ziemlich voll sein musste.

Sechs der Wachsoldaten hatten sich ebenfalls in der Runde um den edel verzierten Eibenholztisch eingefunden, auch andere höher gestellte Bedienstete.

Es war jeden Abend ein Festmahl hier angerichtet.

Normalerweise wurde Reo gefragt, welche Heldentaten er denn am heutigen Tage vollbracht hatte. Heute erübrigte sich die Frage. –

Unruhen im Norden mit den Orks, das Verhalten der Zwerge, Geheimnisse über Wasserelfen und über viele weitere neue Themen wurde diskutiert, wobei es beinahe in einer richtigen Debatte eskalierte.

Reo klickte sich emotionell und gedanklich aus dem Gespräch aus, und blieb in seiner Phantasie hängen beim Thema der Wasserelfen.

Er war neugierig. Über Zwerge wusste er schon einiges, er traf sie immer wieder unterwegs, und hatte auch wesentlich mehr über sie gelesen als über die Elfen. Waren die Wasserelfen nicht auch ein Teil der Mittellande? Was war ihre Vergangenheit? Woher kamen sie? Warum leben sie so isoliert?

Reo musste es einfach wissen!

Gleich nach dem Essen verschanzte er sich in die Bibliothek. Er las alles, über Wasserelfen, was er nur finden konnte.

Sie waren ein Volk, das schon viele Tausend Jahre auf Ayulu lebte. Einst hatten sie Legionen von jeweils tausend bis dreitausend Soldaten, begleitet durch Reiter auf weissen Schlachtpferden und Einhörnern, ebenfalls von Dryaden, Nymphen, Baumhirten und Zentauren in die Schlacht geführt.

Sie waren gefürchtet, mächtig, stark, ja, sogar unschlagbar. Wie lange das Elfenvolk in der Hochblüte stand, konnte Reo jedoch nicht herausfinden.

In einem sehr alten Geschichtsbuch, das Reo nicht lesen konnte, fand er mithilfe eines älteren Hausangestellten heraus, dass die Waldelfen im mittleren Norden, neben dem Orkland, einst mit den Wasserelfen verbündet gewesen waren. – Es war auch berichtet vom siebten Orkkrieg, dem schrecklichsten Krieg aller Zeiten. Damals war das Mittelland an der Nordgrenze aufs äusserste gefordert. – Jeder Mann, der eine Waffe zu tragen vermochte, wurde rekrutiert, und nach einem kurzen Trainingslager an die Front gesandt. –

Hoffentlich würde er nie in solch grausame Kriege verwickelt werden. Reo liebte die Kampfkunst zwar schon, aber lieber war ihm, wenn die Probleme auf eine andere Art und Weise gelöst werden konnte. Er zuckte sein Schwert nie gegen einen unbewaffneten Gegner. Er griff schwächere Gegner nicht an, wenn sie die Flucht ergriffen, ausser dass er versuchte, sie gefangen zu nehmen.

Reo verliess die Bibliothek, lief in den Wohn-Saal, um den Eltern gute Nacht zu wünschen. Er stieg die östliche Wendeltreppe hoch, betrat sein immenses Gemach. Die Rüstung hatte er schon vor dem Essen ausgezogen. Er polierte sie, schliff sein Schwert, und legte es sorgfältig in den dafür vorgesehenen Ständer.

Kaum war er in seinem Schlafgewand geschlüpft, warf er sich auf das breite Federbett und fiel sogleich in einen tiefen traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen war sein erster Gedanke: Schon komisch, dass es überhaupt noch Schurken und Banditen und übles Gesindel gibt im Mittelland. – bei so vielen Kriegern und Rittern müssten die doch dann irgendwann mal ausgelöscht sein. –

Er erzählte den Gedanken seiner Mutter beim Frühstück.

„Ja, du hast recht, Reo!“, bekräftigte sie ihren Sohn. – „Schurken und Diebe sind bei uns ja auch in grossem Mass ausgelöscht.“

„Aber, können wir sie nicht gänzlich austilgen?“, insistierte Reo.

„Das ist ganz mein Sohn!“, strahlte Clen übers ganze Gesicht. „Wir diskutieren immer wieder über das Thema am königlichen Hof. – Eines unserer Hauptprobleme ist, dass die Südländer Spitzel der Diebesgilde senden, um lukrative Angriffsziele auszumachen. – Gegen Westen, hin zum Königreich Aldon, haben wir die Grenzen besser unter Kontrolle, da das wilde Volk auch wesentlich weniger Importe einführt als die Händler vom Süden.“

„Den Handel zu einem höheren Grad einzustellen würde bestimmt auch keinen Sinn machen?“

„Nein, Reo, nein. – Wir leben vom Handel. – Unsere Kultur, unsere Vielfalt, unsere Stärke ist direkt abhängig von unseren Nachbarn, auch wenn es neue Probleme aufwirft, so ist es doch der Beste Weg für die Bürger unseres Reiches.“

„Noch ein Gedanke beschäftigt mich: Ich habe gestern abends viele alte Geschichtsbücher gelesen. – Es gab so viele Helden, die den Verlauf unseres Daseins in Ayulu beträchtlich beeinflusst haben. – Warum hört man in unserer Zeit nicht mehr so viel von solchen Helden?“

„Gute Frage“, startete der Vater. – „Das liegt wohl einerseits daran, dass die Namen, die man in den Geschichtsbüchern findet, Personen waren, die eine wichtige Rolle in den Kriegen und gefährlichen Zeiten übernahmen. – Die Helden kamen dann ins Leben, wenn grosse Gefahren hereinbrachen – Heute haben wir meiner Meinung nach sehr viele Helden, die im Verborgenen grosse Opfer bringen, um unser Reich aufrechtzuerhalten. – Die meisten von ihnen werden nie verzeichnet werden in Büchern, dennoch werden sie unbedingt benötigt für uns alle.“

„Hm, du hast wohl Recht.“ – Reo konnte seinen Vater alles fragen, er hatte immer eine sehr gute und genaue Antwort sofort zu Hand.

„Ich wollte noch sagen“, Clen räusperte sich, „dass auch gewöhnliche Soldaten und Krieger extrem wichtig sind. Ein Krieg oder eine gefährliche politische Situation kann nie gewonnen werden durch Helden alleine. Nein, jeder Mann, jede Frau und jedes Kind hat irgendwo seinen Platz. - Nur zusammen sind wir stark!“

Reo bewunderte seinen Vater. - Clen war wirklich ein sehr begabter Sprecher. Er hatte seinen Platz gefunden am Königshof, und man spürte einen Feuer in seinem Herz glühen für das staatliche Amt, das er innehatte.

Das Frühstück war bereits mit so viel Manieren wie es gerade nötig war hastig verschlungen worden, und die beiden Männer, Vater und Sohn, ritten ein kurzes Stück ihres Weges gemeinsam, bis dass Clen weiter in Richtung Gartum ritt, während Reo sich abkapselte, um seine zwei Abenteurer Freunde zu treffen.

*****

„Hallo Inuel!“, rief Reo begeistert. Heute war er nicht der erste gewesen wie sonst immer.

„Hallo Reo! - Was gibt’s Neues?“

„Ach ja, nicht viel. Ich habe gestern über die Wasserelfen recherchiert, und bin dabei auch auf alte Berichte über die Waldelfen in den nördlicheren Gegenden gestossen.“

„Ein äusserst interessantes Thema. - Ich wünschte mir, dass ich schneller lesen könnte, dann würde ich auch öfters mich in den Büchern verstecken. - Aber ja, geschickt im Kampf zu sein ist mir immer noch erheblich wichtiger, als alle Bücher der Welt gelesen zu haben.“

„Hast Recht“, bejahte Reo.

„Und, was hast du Neues herausgefunden?“, fragte Inuel.

Reo erzählte alles, an was er sich noch erinnern konnte. Unterdessen kam auch Quin hinzu, der sofort auch ins Thema einsprang: „Wisst ihr, die Wasserelfen sind immer noch eine Hochkultur, sagt mein Vater immer. Ihre Magie ist sehr mächtig. - Ich bin fest davon überzeugt, dass im Mittelland generell eine viel zu geringfügige Meinung über diese Elfen herrscht.“

„Wie kommt denn dein Vater darauf?“, wollten Reo und Inuel wissen.

Quin fuhr fort: „Er ist ja selber ein Magier, und hat früher einige Male mit Wasserelfen zu tun gehabt. Ihre Magie faszinierte ihn völlig. - Die Elfen haben mächtige Kampfzauber über die Jahrtausende an ihre Kinder überliefert. - Wir müssen aufpassen, obwohl die Wasserelfen meist harmlos aussehen, mit ihrem unschuldigen kindlichen, lebensfreundlichen Blicken den sie aufsetzen. - Mein Vater weiss unterdessen, dass Wasserelfen nicht nur ihr Element umformen, sondern sie können mit vielen Elementen sehr gut umgehen.“

*****

Reo hatte Inuel und Quin am Vortag überreden können, mit ihm in die Regionen um Zendrion zu reisen. Diese Stadt war eine der drei ausgedehnten Zentralstädten des Reiches. In ihr lag das Handelszentrum von ganz Ayulu. Öfters waren die drei dort unterwegs, da in den Wäldern um die Handelsstadt so mancher Schurke auf Beute aus war.

In der Stadt selber waren auch immer Diebe unterwegs, denen wurde das Leben allerdings schwer gemacht durch die Stadtgardisten.

Die drei Krieger ritten lange. Sie benutzten eigentlich immer verschieden Wege, da sie möglichst vielen Banditen begegnen wollten. Irgendjemand musste ja im Reich für Ordnung sorgen, und irgendjemand war am besten sie selbst.

Alle drei Krieger waren mit Bogen, Langschwert, Kurzschwert, drei Dolchen und einem Anderthalbhänder ausgerüstet. - Ein ausgewogenes Waffenarsenal, das man vom Gewicht her gerade noch knapp an sich tragen konnte, auch wenn der etwas schwerere Anderthalbhänder während längeren Reisen oft vom Rücken gelöst wurde, und hinter dem Sattel an einer dafür vorgefertigten Öse befestigt wurde.

Reo hatte an jenem Tag ganz stark das Gefühl, dass es für ihn an der Zeit war, weiter auszuschreiten, länger von zu Hause weg zu sein, um seinem Schicksal entgegen zu reiten.

Es gab einfach zu wenig Arbeit, an dem Ort, wo er wohnte. – Sie waren ja nicht die einzigen, welche das Land säuberten von üblem Gesindel.

Mittags wurde eine schäbige Taverne ausgewählt. Eintopf war das einzige Menü, das angeboten war.

Reo schlürfte seine Schüssel leer, bezahlte, und entfernte sich von seinen beiden Freunden, um mit einem betagten Herrn zu reden, den er vor einigen Tagen an jenem Ort kennengelernt hatte.

Reo fragte höflich: „Guten Tag Herr Sedur. Wie geht es Ihnen?“

Der Alte schaute von seiner Eintopfschüssel auf, und stotterte: „Sssehr gut, junger Krieger, sssehr gut!“

Reo fragte weiter: „Was gibt es Neues im Mittelland?“

Zuerst schaute der Alte nur mit schwirrendem Blick im Gasthaus umher, als ob er etwas oder jemand suchen würde. Nach einer geraumen Weile Stille bekam Reo dann doch noch eine Antwort.

„Mein Junge, mein Junge, ich sehe grosses Verlangen nach Abenteuer in dir. - Du wirst genügend haben, ja, das sehe ich.“

Ein glasiges Augenpaar musterte Reo von Kopf bis Bauchnabel-Höhe, wo der Tisch den restlichen Teil seiner Harnisch-Rüstung und Beine verbarg.

„Weisst du, mein Junge, ich habe gerade hier vor sehr kurzem eine Abenteurer-Gruppe getroffen, die daran ist, eine Diebesgilde weit im Nordosten des Reiches auszulöschen. -“

Reos dunkle Augen glänzten auf. - Er setzte sich aufrecht ganz vorne auf seinem Stuhl hin.

Der Alte sagte weiter: „Ein Wasserelf, ein Zwerg und zwei Menschen. - Einer ist Krieger, so wie du. - Sie können noch nicht weit von hier sein, da sie zu Fuss unterwegs sind. – Die Oststrasse haben sie genommen. Sie suchten Verstärkung, denn sie werden sie Banditen in ihrer eigenen Höhle auslöschen.“

Reo konnte nicht mehr sitzen. – Ob der Alte Recht hatte oder nicht, wusste er nicht, doch er musste sofort losreiten, damit er die Heldengruppe noch erreichte, bevor sie an einer Verzweigung abbogen in Richtung Norden.

Mit grossen Schritten eilte er vom Tisch des Alten zu seinen Freunden Inuel und Quin, die gerade erst ihre Schüssel leer gelöffelt hatten.

„Kommt Jungs!“, sagte Reo in gebieterischem Ton.

Reo beeilte sich so sehr, dass er schon auf seinem Pferd sass, als Inuel und Quin die Taverne verliessen.

Eilends ritten sie gegen Osten. Durch tiefgrüne Wälder. Durch offene Felder. An mächtigen Burgen vorbei, welche hoch auf der östlichen Hügelkette an bombensicheren Stellen unverrückbar das schöne Land veredelten.

Sie passierten einen Zoll.

Gleich darauf trafen sie eine patrouillierte Truppe von Händlern und Geschäftsleuten an. Schwer bewaffnete Soldaten und Söldner spähten ständig in die Ferne, jederzeit erwartend, dass berittene Diebe sich von den etwas weiter entfernten Grenzen der Wälder lösten, um ihre Wagen-Karawane anzugreifen.

„Ist es hier echt so gefährlich? Wir sind doch im Mittelreich?“, fragte Inuel.

„Das habe ich auch gerade gedacht“, brummte Reo.

Quin leuchtete auf. – Er war von den 3 Abenteurern am meisten belesen: „Ja, ist es all zumal – Die Diebesgilde, welche wir jagen, verschanzt sich in den Wäldern. Das Mittelland schweigt die Existenz der Gilde Tod. Das ist besser so für das Allgemeine Volk. Wir wollen ja nicht, dass unsere Bürger in Angst und Panik leben. Zudem sind jene Diebe ja gut eingegrenzt – sie werden kaum ihre Wälder verlassen – nur dort finden sie genügend Schutz, den schwer gepanzerten Rittern der Armee auf hohem Ross mit ihren langen Lanzen zu entgehen.“

„Die Diebe sind so zahlreich, dass die grosse Gruppe an Händlern sich fürchtet?“ – ein mächtiges Gefühl von Panik und Angst stieg in Inuel hoch. Sein Herz pochte stark.

„Wenn sie alle vereint wären, wohl schon. – Meist jedoch trifft man sie nur in kleineren Gruppen an.“

Sie hatten die Händler hinter sich gelassen. Reo unterbrach das Gespräch seiner Freunde:

„Seht, ich glaube wir haben sie gefunden!“

Inuel und Quin strengten sich an, doch nur Reo konnte mit seinen scharfen Adleraugen in der Ferne sechs Personen ausmachen.

Als sie näher heran ritten erkannten dann auch Inuel und Quin die unverkennbare Heldengruppe der drei gemischten Völker, welche sie suchten. Zwar suchten sie eine Gruppe von 4 Personen, doch bestimmt waren einfach nur zwei mehr bereits hinzugestossen zu den Abenteurern.

Reo musterte die Gruppe nun genauer. Einer von ihnen war hoch gebaut und zudem sehr schlank. Er trug einen blauen Mantel, in dem er eine ungewöhnliche Bewegung feststellte. Der Mantel bewegte sich wellenförmig um die hohe Person. Er glitzerte leicht in der brennenden Hitze der Sonne. Reos Blick war gefangen. Wie fliessendes Wasser strömte durch den Umhang.

Doch da war noch mehr. Reo konnte etwas im Inneren des Wassermantels erkennen. Ein Gesicht. Blasse Haut. Schwarze flammende Augen. Dünne kantige Augenbrauen. Lange spitze Ohren. Dichtes dickes Haar, wie gebündelt, schoss ihr aus dem Kopf hervor. Ob es eine Frau oder ein Mann war, hatte er nicht erkennen können. – Bei den Elfen war das nicht immer so einfach, den Unterschied nur anhand des Gesichtes zu bemerken.

Reo erschauderte. Er hoffte sehr, dass er dieser Person niemals begegnen würde.

Wieder seine Umgebung wahrnehmend, musterte Reo nun auch die anderen Leute. Vier von ihnen waren gross und kräftig.

Der Eine hatte ein nordländisches Breitschwert an seinen Rücken gebunden. Er war sehr muskulös, und lief leicht hin und her wankend – seine schweren Arme schienen ihn beständig an den Boden zu ziehen. Sein Haar war dunkelbraun, hinten zu einem grossen Zopf zusammengeflochten.

Zwei weitere sahen beinahe wie Zwillinge aus. Zumindest was ihre Rüstung und Bewaffnung betraf. – Das Langschwert griffbereit um die Hüfte gegürtet, ein ovaler Schild am linken Unterarm befestigt und mit hölzernen Platten von Kopf bis Fuss gepanzert Reo musste sich ein Lachen verkneifen, als er sich vorstellte, wie gut die beiden doch brennen würden, wenn ein Feind bloss einen Feuerpfeil auf sie lossausen lassen würde.

Der Vierte war in einer leichten Metallrüstung eingekleidet, gleichwie Reo. Ideal für längere Einsätze geplant und entwickelt wurde dieses kombinierte Kettenhemd mit dünnen gehärteten Stahlplatten bei der Schulter, Brust und am Bauch. Am Rücken schützten nur die sorgfältig zusammengeschweissten Ringe des Kettenhemdes. Am Unterarm bis hin zum Ellbogen waren weitere Stahlplatten befestigt, mit welcher man Schwerthiebe gut parieren konnte. Ein lederner Lendenschurz schützte die wichtigsten Teile des Mannes. An der lockeren bunten Hose über dem Schienbein waren drei weitere längliche Metallplatten sorgfältig angebracht durch eiserne Ketten, welche das Bein umgaben. – Guter Schutz bot die Rüstung jedenfalls nicht gegen gut gezielte Pfeilbogenschüsse oder gegen nahe abgefeuerte rüstungsbrechende Armbrustbolzen, doch vor einigen Axthieben oder Dolchstichen würde sie den Träger wohl schützen.

Dann schaute sich Reo noch nach dem Zwerg um. Lange musste er nicht suchen, denn obwohl der kleine Zwerg mit seiner Körperhöhe von 1 Meter 35 wesentlich weniger in die Höhe gewachsen war als seine menschlichen Gefährten, so konnte er doch an Masse und Gewicht gut mithalten. Ein grosser Eisenklumpen von Helm versteckte einen Teil seines buschigen roten Haares. Eine übergrosse Axt war locker an seinen Rücken gebunden. Drei etwas kleinere Modelle der zwergischen Lieblingswaffe, also Äxte, waren links an seinem Gürtel befestigt. Es waren Wurfäxte, das war Reo sich sicher.

Der kleinste drehte sich als erster um, um die annähernden Reiter zu mustern. Mit lauter Stimme – um das Klirren der Hufeisen auf der steinernen Strasse an Lautstärke zu übertreffen - brüllte er:

„Halt, Krieger des Mittellandes!“

Reo, Inuel und Quin, welche auf ihren grossen Pferden gemütlich trabten, hielten vollständig an. Die sechs Reisenden drehten sich nun allesamt um.

Der Mann in dem blauen flussähnlichen Gewand übernahm die Wortführung:

„Wer seid ihr, woher kommt ihr?“

„Wir sind Ritter des Mittellandes. Ständig unterwegs Frieden und Ruhe im Land aufzurichten.“

„Interessant“, sagte der Mann, der gerade seine Kapuze zurückstreifte, wodurch seine Spitze Ohren nun jeden Zweifel vollständig auslöschten, dass er tatsächlich ein Elf war. Er fuhr fort: „Und wie können wir euch helfen?“

Reo musterte den Elfen noch einmal. In seinen Händen hielt er ein gezogenes Schwert und ein blauer Zauberstab mit zwei gelb glühenden Diamanten, auf beiden Seiten des Stabes jeweils ein Diamant.

„Wir suchen euch. Wir wollen uns euch anschliessen.“

Bevor der Elf etwas sagen konnte, brummte der Zwerg:

„Sehr gut. Das dürft ihr gerne. – Ihr seht aus, als könntet ihr Kämpfen. – Wir rekrutieren jeden, der uns über den Weg läuft, sofern wir ein gutes Gefühl in unserem Bauch haben.“ – Der etwas festere Zwerg trommelte auf seinem Bierranzen eine Melodie, mit welcher er das Zwitschern der Vögel nachzuahmen versuchte.

„Zurak, genug!“, befahl der Elf. Mit leiser Stimme beklagte er sich: „Wie konnte ich mich je auf die Begleitung von einem Zwerg einlassen. Ich wäre lieber alleine gegen die Diebesgilde vorgegangen, anstatt den ganzen Tag dieses Theater miterleben zu müssen.“

„Ich bin Bernd“, stellte sich der grösste der Menschen vor, indem er seine Pranke den absteigenden Reitern anbot.

„Und ich bin Quin.“ Reos Freund schlug ein, seine Hand wurde unsanft herum geschüttelt, und dann etwas zerquetscht wieder freigegeben.

Inuel erging es nicht besser, nur Reo konnte der explodierenden Kraft seines Gegenübers standhalten, indem er dessen Hand genauso kräftig packte. Reo war zwar nicht ganz so muskelbepackt wie Bernd, doch überraschte er ihn durch die überwältigende Kraft seines stählernen Körpers, so dass er Bernd sogar in die Knie zwang durch eine geschickte Verdrehung des Handgelenkes.

Die Krieger in derselben Rüstung stellten sich als Lin und Rex vor. Der letzte Krieger, welche dir gleiche Rüstung trug wie Reo, war Glurek. Auch er hatte eine Kriegerakademie besucht, besass jedoch im Gegensatz zu Reo kein eigenes Pferd, da er aus der armen Schicht der Gesellschaft stammte. – Der Zwerg posaunte seinen Namen Zurak, Sohn des Werdok lautstark durch die Gegend und der Wasserelf mit seiner schuppigen silbern schimmernden Plattenrüstung, welche auf seiner Brust über seinem blauen Gewand gegürtet war, hiess Glorfindel.

„Was warten wir noch hier?“, brüllte der Zwerg. „Arbeit wartet, los vorwärts Marsch!“

Nicht wegen der stolzen Aussage des Zwerges, sondern wegen der brennenden Hitze der starken Sonne, welche allen zu schaffen machte, bewegte sich die Gruppe auf dem Reichsweg vorwärts, in die einzige Richtung, in welche der Weg sie führte: Gegen Osten.

Reo unterhielt sich mit dem Wasserelfen. Dieser war extrem Neugierig und durchbohrte den Ritter mit seinen Fragen über ihn selbst und das Mittelland. Der Elf schien extrem viel zu Wissen über die Kriege und Machenschaften des menschlichen Reiches.

Nachdem Reo Glorfindel alles über seine Vergangenheit erzählt hatte, konnte er dann endlich fragen:

„Erzähl mir mehr über dein Volk.“

„Was weisst du den bereits?“, fragte der Elf.

„Ich habe von der grossen Stadt Ceraldur gehört. Sowie von den Städten und Siedlungen um die grosse Hauptstadt herum. Doch ich war noch nie dort. Ich weiss beinahe nichts über euch.“

„Ich sehe, ich muss wohl beim Nullpunkt beginnen. – Wir sind ein Uraltes Volk. Uns gibt es schon unzählige Jahre auf Ayulu. Wir bewohnen Städte oberhalb des Wassers, doch vielmehr noch unterhalb des Wassers. Nicht immer haben wir separiert gelebt von anderen Rassen, einst gab es eine mächtige Allianz: Die Wasserelfen und Waldelfen.

Doch alles endete wegen der Torheit der Waldelfen. Sie wussten nicht, wann sie ihre Schwäche zugeben mussten. Nun gut, auch uns wäre es nicht leicht gefallen, unsere kostbarsten Reichtümer den Feinden preiszugeben.“

„Ich verstehe nicht. Was genau meinst du?“

„Ach so, - ich habe ganz vergessen dass du nicht so genau informiert bist über die Kriege, welche in den letzten 20‘000 Jahren auf Ayulu gewütet haben. – Es gab einen gewaltigen Ansturm der Orks. Die grosse Hauptstadt der Waldelfen namens Golgadar wurde belagert. Es war aussichtslos Doch die Waldelfen wollten nicht in ihre sicheren Festungen fliehen, die seit Anbeginn der Zeiten im Westen ihres Reiches erbaut waren. Dort hätten sie Zuflucht finden können. Dort hätten wir weiter Seite an Seite mit ihnen gekämpft. Deshalb hat sich unsere Allianz aufgelöst, mit all den besonderen magischen Vorteilen, die wir durch die Vereinigung genossen haben.“

Das Gespräch drehte sich sodann über die magischen Kräfte der Wasserelfen, worüber Glorfindel gerne einiges berichtete. Der Elf fragte Reo sodann auch:

„Du hast in den Mantel geblickt, stimmt es?“

Reo wollte lieber nichts sagen, zu sehr bedrängte ihn sogleich wieder das düstere halbtote Bild, welches er versucht hatte aus seinem Gedächtnis zu verbannen.

Ohne eine Antwort erhalten zu haben, fragte Glorfindel: „Was hast du gesehen?“

Reo merkte, er würde nicht darum hinwegkommen, eine Antwort zu geben, somit begann er eine möglichst genaue Beschreibung der Person wiederzugeben, welche er im Mantel gesehen hatte. Dann wollte er wissen:

„Was hat das zu bedeuten?“

Der Elf erklärte: „Mein Mantel ist noch älter als ich. Ich habe ihn von meinem Vater erhalten. Woher er ihn erlangte, weiss ich nicht. Er wollte es mir nie sagen. – Durch Nachforschungen konnte ich jedoch erfahren, dass solche Mäntel nur in der Feenwelt hergestellt werden können, wo die Magie mächtiger ist als hier. Ich war schon einige Male in der Feenwelt, einer Koexistierenden Welt zu unserer, um noch mehr von diesen mächtigen Artefakten in die unsere Welt zu holen. Manchmal gelang es mir. Manchmal nicht. Weisst du, es ist nicht einfach, dorthin zu reisen. Eigentlich genau gesagt ist es unmöglich. Es wird dir nur gewährt, Zutritt zu jener Welt erhalten, wenn es dein Schicksal ist, dorthin zu gelangen.“

Reo hörte bei allen Ausführungen des Elfen genau zu. Der Elf fuhr fort, indem er die irrsinnigsten Welten beschrieb. Reo war sich nicht sicher, ob er dem Elfen wirklich glauben sollte, oder ob er vielleicht ein bisschen verrückt war.

Nach einer langen Zeit bogen sie dann endlich nach Norden ab. Der neue Weg bestand nicht mehr aus glatten Steinen, sondern er war eher was übrig bleibt, wenn viele Leute immer den gleichen Weg über eine Wiese laufen: Staub und Dreck. An jenem heissen Tag war das allerdings weder für Mann noch für Pferd ein Hindernis für schnelles vorwärtskommen. Bei Strömen von Regen hingegen würde es bestimmt äusserst unangenehm sein, sich hier vorwärts zu kämpfen mit dem Pferd, dachte Reo. Da bleibt nur eines übrig: Auf gutes Wetter hoffen auch für den Rückweg.

*****

Zwei Tage waren sie nun schon unterwegs. Kleinere Dörfer hatten sie Durchquert, deren Namen nicht einmal Quin jemals gehört hatte. Ob sie überhaupt auf den Karten des Mittellandes aufgezeichnet waren? Reo schaute nach, und fand sie tatsächlich. Querum und Durum hiessen die letzten zwei Ortschaften. Zuvor waren sie in Stezion gewesen.

Reo schaute die Karte noch einmal genau an. Wenn er sich nicht sehr täuschte, dann ging ihre Reise durch eine weitere Ortschaft namens Seriont, und danach erwartete sie ein ungewöhnlich grosser Wald. Auf der Karte stand klein geschrieben über der grünen Fläche: Unbekannter Wald. Nach dem Schriftzug war ein Totenkopf skizziert. Der Weg, auf dem sie sich befanden, endete auf der Karte abrupt nach schätzungsweise in der Realität einigen hundert Metern.

Reo wollte es nicht glauben. Dort sollte die Diebesgilde versteckt sein? Am Ende der Welt?

„Glorfindel, bist du dir sicher, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden?“, fragte Reo den Elfen.

„Sehr wohl.“

„Du weisst, es gibt keinen Weg, keine Strasse, welche durch den Wald führt, auf welchen wir zumarschieren?“ – Reo deutete mit seinem rechten Zeigefinger auf die Karte, welche er genauso zusammen gefaltet hatte, dass man den unbekannten Wald sehen konnte.

Der Elf drückte sich weiterhin sehr knapp aus: „Richtig.“

„Weshalb in aller Welt sollte die Diebesgilde genau dort eine Zuflucht aufgebaut haben?“

„Genau das ist der Grund. – Niemand würde es erwarten.“

Reo dachte kurz nach. Das machte Sinn.

„Ich habe auch Beweise, die ich dir zeigen könnte. Glurek und Bernd kenne ich schon lange, sie brauchten keine Überredungskünste um sich mir anzuschliessen. – Zurak hat es gereicht, dass ich ihm sagte, es habe Schätze von unvorstellbarem Wert an dem Ort, wo ich ihn hinführe. Lin und Rex kämpfen für die Ehre, alles andere ist ihnen egal. Du wärst also der Erste, dem ich dies zeige.“

„Sehr gerne“, bat Reo.

„Also gut.“ Glorfindel hielt an, wartete kurz, bis die anderen ihn überholt hatten. Er bat Quin, mit den 3 Pferden bei ihm und Reo zu bleiben, und rief den anderen nach: „Wir kommen später nach, zuerst machen wir ein wenig Magie.“

„Magie?“, fragte Reo leise stotternd.

„Jawohl, Magie. Setze dich lieber hin, das erste Mal kann das ein bisschen überwältigend sein. – Vielleicht noch besser wäre es, wenn du dich ganz hinlegst. Ihr Menschen seid euch nicht so sehr daran gewohnt, eure Lebenskraft auf 2 Sphären aufzuteilen.“

Reo tat wie ihm geraten wurde.

Dann wirbelte Glorfindel seinen Zauberstab umher, und murmelte dabei folgende Worte:

„Wevaya dendura!“