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Syanne, eine kleine Elfe, gelangt als Findelkind zu den Elfen des magischen Waldes "Nur`d Alon". Dort erlernt sie alles um eine ausgezeichnete Kräuterfrau und Heilerin zu werden. Kaum ist sie erwachsen, unternimmt sie ihre erste Fahrt in die Welt der Menschen. Vieles was sie dort erlebt, ist ihr völlig suspekt und unbegreiflich. Nach diesem Abenteuer beginnt sie allein zu reisen um ihr Wissen zu erweitern und etwas über ihre Herkunft heraus zu finden. Später zettelt sie einen Massenaausbruch und eine Revolte an, verliert ihre erste große Liebe, befreundet sich mit Zwergen, Drachen und Menschen und gerät dabei immer wieder in kuriose Situationen.
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Seitenzahl: 596
Veröffentlichungsjahr: 2024
Elfenreise
Abenteuer einer kleinen Elfe
Autor: Marianne Wilde
Inhalt:
Prolog Ein Gruß an die Leser
Kapitel 2: Die Elfensiedlung am Nimrodel
Kapitel 3: Seltsame Magie erwacht
Kapitel 4: Die Fahrt beginnt
Kapitel 5: Aslan
Kapitel 6: Die Heimkehr
Kapitel 7: Gegen den Strom
Kapitel 8: Nur eine kurze Auszeit
Kapitel 9: Zwei in geheimer Mission
Kapitel 10: Die Krähen werden aufgescheucht
Kapitel 11: Manchmal wird das Nest zu eng
Kapitel 12: Am Herzschlag der Welt
Kapitel 13: Die Stadt der zwölf Türme
Kapitel 14: Wenn die bunten Fahnen wehen
Kapitel 15: Winter auf dem Land
Kapitel 16: Frühlingsduft
Kapitel 17: Sommerwind
Kapitel 18: Lügen haben kurze Beine
Prolog
Ich grüße dich, mein Freund
Magst du die Welt der Elfen und anderer Fabelwesen?
Hier bist du richtig, nimm Platz und entspanne dich.
Ich nehme dich mit in die magische Welt des Waldes „Nur`d Alon“. Lerne seine Bewohner und Pflanzen kennen, trinke von dem reinen Wasser des Flusses „ Nimrodel“ und lass dich von der heiteren Harmonie der dort lebenden Elfen anstecken. Lausche der Musik der uralten Bäume und lerne nach und nach Syanne kennen um sie später auf ihren abenteuerlichen Reisen zu begleiten.
Dieses Buch ist all jenen gewidmet, die ihr inneres Kind lebendig erhalten. Es soll als Tür dienen, um dem grauen Alltag, für ein paar Stunden, zu entkommen und einzutauchen in die fiktive Welt der Fantasy.
Silber funkelnd, schlängelte sich der Fluss „ Nimrodel“ durch den dichten Wald. An seinen Ufern wuchsen zahlreiche Kräuter, die gegen allerlei Leiden bei Mensch und Tier zur Anwendung kamen. Die Bäume des Waldes Nur`d Alon waren alt und hoch. Bei genauem Hinsehen sah der aufmerksame Beobachter, dass die Bäume durch Brücken aus Lianen, verbunden waren. In den hohen Ästen konnte man Plattformen ausmachen, auf denen sich Gebäude befanden. Im Wald konnte es geschehen, dass man unverhofft auf hochgewachsene Elfen traf, die diesen Wald bewohnten. Es war jedoch sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Mensch in diesen Teil des Waldes verirrte, denn er war durch mächtige Elfenmagie verborgen. Kam ein Mensch an die unsichtbare Grenze, zwang ihn seine innere Stimme, einen anderen Weg zu nehmen. Ihm fielen tausend Dinge ein, die er nun unverzüglich zu erledigen hatte und die keinen Aufschub duldeten.
Der Nur`d Alon war durch die hohen Bäume in beständiges Dämmerlicht getaucht. Die Blätter der alten Baumriesen gaben, im sanften Wind, ein leises Klingen von sich, so dass man immer eine leise, entfernte Melodie in den Ohren hatte, die von Frieden, Harmonie und Heiterkeit erzählte.
Das Unterholz des Waldes war nicht allzu dich gewachsen und wurde von zahllosen Blüten in allen Regenbogenfarben geziert. Lichtere Freiflächen wurden durch üppig blühende Blumen und Kräuter in ein wahres Farbenmeer verwandelt.
Die Luft des Waldes fühlte sich warm und fast lebendig an und sie war mit den wunderbaren Düften der blühenden Pracht durchzogen.
In diesem heimlichen Teil des Waldes lebten wundersame Tiere in großer Zahl. Nicht selten sah man Pegasus, das geflügelte Pferd, starten und landen, oder es lief einem unverhofft, ein strahlend- weißes Einhorn, auf dessen Stirn ein gedrehtes goldenes Horn wuchs, über den Weg. Man traf auf Naurib, eine hundeähnliche Kreatur die große, halbrunde Ohren hatte, sanfte braune Augen und eine spitze Schnauze, die irgendwie immer zu lächeln schien. Die Naurib lebten in Familienverbänden von bis zu zwölf Tieren. Sie waren wirklich leicht zu erkennen, dann sie hatten flauschiges hellblaues Fell.
Nahezu unter jedem Busch lebten Suulkan, eine Art Kaninchen die ein silber- Rot gesprenkeltes Federkleid trugen. Dann gab es noch Rehe, Hirsche und die Ziegenähnlichen Gruhup. Die Vogelwelt im Nur`d Alon war ebenso bunt wie die Pflanzenwelt. Unzählige Arten nisteten in den Zweigen der hohen Bäume und in den bodennahen Sträuchern des Waldes.
Der Nimrodel führte kristallklares Trinkwasser und beherbergte Fische und Krebslein, die munter in den Fluten schwammen und sprangen. An seinen Ufern gab es nicht nur die mannigfachen Kräuter, sondern auch schmale, hohe Sträucher die immer etwas zerrupft und angefressen waren, man nannte sie Duruda. Diese Sträucher gaben den Duruda Schmetterlingen ihr Zuhause, die sie nutzten um ihren Nachwuchs dort zu hüten. Die Durudaraupen produzierten hauchfeine Seidenfäden, die von den Elfen gesammelt wurden um daraus Wirkwaren her zu stellen. Durup Seide war unglaublich wärmend, absolut Wasserdicht und nahezu schwerelos, so wog ein ganzer Mantel aus dieser Seide, nicht mehr als ein Schmetterling. Die Seide schimmerte in verschiedenen Grüntönen über Türkis, bis hin zu einem dunklen Blau. Sie gab den Elfen ihre Kleidung und ihre Bettdecken. Sie war jedoch nicht geeignet um Handtücher zu fertigen, da sie, wie bereits beschrieben, kein Wasser aufnahm. Dafür verwendete man die Wolle der Naurib und der Gruhup, die von emsigen Händen von den Sträuchern gesammelt wurden.
Im Nur`d Alon gab es keine abgegrenzten Jahreszeiten. So traf man an den Pflanzen frische Frühlingsblüten, neben bunt gefärbtem Herbstlaub und es war ganzjährig frühsommerlich warm.
Um die Siedlung der Elfen zu betreten, gab es mehrere Möglichkeiten. Einige der uralten Bäume waren hohl und im inneren führte eine Wendeltreppe nach oben zu den verschiedenen Ebenen der Siedlung. Es gab an anderen Bäumen, herabhängende Lianen an denen man emporklettern konnte und an sieben Bäumen im Wald, gab es regelrechte Lastenaufzüge. Es waren Plattformen, die an festen Lianen aufgehängt waren und mittels einer Seilwinde bewegt wurden. An diesen Bäumen befand sich unten ein Horn, in das man blasen konnte um einen Aufzug zu rufen. In luftiger Höhe versahen ein paar ausgewählte Elfen die Funktion des „ Aufzugswärters“.
War man auf der unteren Ebene der Siedlung angelangt, konnte man den Versammlungsplatz finden. Dort gab es viele hölzerne Bänke und Schemel, die zur Rast einluden. Überall waren Körbe mit Früchten und Gebäck aufgestellt, so dass niemand Hunger leiden musste. Um den Versammlungsplatz herum gab es Vorratshäuser und Werkstätten. Dort wurde alles gefertigt, was zum Leben benötigt wurde und auch all jene Waren, die zum Handel mit den Menschen bestimmt waren. Eine Ebene höher waren dann die Wohnbauten der Elfen. Alle Gebäude waren aus verflochtenen Ästen und Zweigen erbaut und im Inneren mit Schlafstätten ausgerüstet. Die Elfen waren ein eher kollektives Volk, ihnen war es nicht angenehm allein zu sein. Man traf sie stets in Gruppen an.
Die meisten der Elfen waren hochgewachsene, schlanke Personen, mit Silbernem oder Goldblondem, seltener mit braunen oder gar schwarzem Haar, die eine heitere Gelassenheit ausstrahlten. Ihre Haare waren oft mit Beerenkränzen oder Blüten geschmückt die durch ihre langen und spitzen Ohren, zuverlässig am herunter rutschen gehindert wurden. Gekleidet war das Volk in Gewänder aus der schillernden Durupseide. Die ganze Gemeinschaft zählte nur zweihundertsieben Elfen. Attribute wie Neid, Habgier und Missgunst, waren diesen Wesen fremd. Sie achteten und schätzten Das Leben als das allerhöchste Gut. Niemand vermochte zu sagen wie lange ein Elfenleben dauerte, sie waren nah an der Unsterblichkeit. Die Natur hatte es so eingerichtet, dass ein neuer Elf erst dann geboren wurde, wenn ein anderer Elf starb. Somit waren Geburten und der Anblick von Kindern extrem selten. Diese Regelung stellte sicher, dass es niemals an etwas fehlen würde und das ganze Volk immer genug zu essen hatte. Die Leute ähnelten sich ziemlich stark, nur eine aus der Gemeinschaft, stach optisch sehr hervor. Es war ein rothaariges, zartes Elfenmädchen, die nur 124 cm groß war. Sie war lebhaft, fröhlich und quirlig und in der Gemeinschaft von allen geliebt. Ihr Name war Syanne.
Ilvana, die Kräuterkundige des Volks erzählt:
„ Es muss vor etwa 140 Jahren gewesen sein, als ich in aller Frühe am Nimrodel nach Heilkräutern suchte. Der Tag war hell und das Wasser des Flusses funkelte in aller Pracht. Plötzlich sah ich ein Gebilde im Wasser, welches sich im Ufergestrüpp verfangen hatte. Vorsichtig ging ich in die Fluten und barg das Ding. Es war ein dicht geflochtenes Weidenkörbchen, mit weichen Decken darin und aus den Decken heraus, leuchtete das friedlich Gesichtchen eines schlafenden Babys. Baby s sind ja in unserem Volk eine absolute Seltenheit also kannte meine Freude keine Grenzen. Vorsichtig nahm ich das Körbchen an mich und merkte nicht einmal, dass ich dabei alle meine gesammelten Kräuter verlor. Ich konnte einfach den Blick nicht von dem Winzling abwenden. Die Ohren des Wesens zeigt mir sogleich, dass es sich um ein Elfenkind handeln müsse, ihre, noch spärlichen Haare, waren von einem warmen Kupferrot und standen wie Igelborsten von ihrem Kopf ab. Ihr Gesichtchen war so winzig und entspannt, ihr Mund war wie zu einem Lächeln verzogen. Vom Schlaf waren ihre zarten Wangen leicht gerötet und plötzlich gab sie einen schmatzenden Laut von sich. In diesem Moment flog ihr mein ganzes Herz zu und ich war mir völlig bewusst, dass ich dieses kleine Wesen behalten würde. Behutsam nahm ich die Kleine aus dem Körbchen und bettete sie in meinen Armen. Sie schlief noch immer tief und fest, nur dann und wann gab sie ein Schmatzen oder ein kleines Glucksen von sich. Eilig begab ich mich zurück zur Siedlung und rief den Aufzug herab, da ich die Hände nicht frei genug, zum Klettern hatte. Alkum bediente heute den Aufzug und als er sah, was ich in den Armen hielt bekam er sofort einen weichen, warmen Blick. Er eilte zur Versammlungstrommel und schlug sie Dreimal. Das war das Zeichen für alle Elfen, sich auf dem Versammlungsplatz einzufinden, weil etwas Außergewöhnliches berichtet werden sollte. Aus allen Richtungen strömten meine Brüder und Schwestern herbei, alle wollten die Kleine sehen und halten. Die Elfen nahmen ihre Plätze ein und das kleine Elfchen wurde herum gereicht, so behutsam war ein jeder, dass die Kleine nicht einmal erwachte. Sakani, die Heilerin unseres Volkes öffnete behutsam die Wickeltücher und verkündete dann, dass es sich um ein Mädchen handelt. Sofort wurden Überlegungen laut, wie die Kleine denn heißen sollte. Ich hatte den ganzen Weg vom Fluss bis zur Siedlung schon einen Namen für sie erdacht. Ich wollte sie Syanne nennen, was ungefähr „der Segen des Flusses“ bedeutete. Als ich den Namen laut nannte, schlug das Kind die Augen auf und lächelte mit ihrem zahnlosen Mund strahlend. So war es also beschlossene Sache, der unverhoffte Zuwachs im Volk der Nur`d Alon Elfen, würde fortan Syanne gerufen werden.
Am Abend feierten wir ein großes Fest auf dem Versammlungsplatz, dazu luden wir natürlich auch die Naturgeister ein um deren Segnungen für die Kleine zu erbitten. Es gab zur Feier des Ereignisses sogar Sherangyl, das ist ein gar trefflicher Elfenwein, der nur zu den allerhöchsten Feiertagen ausgeschenkt wurde. Es wurde zum Tanz aufgespielt und bis zum Ende der Nacht gefeiert. Die Naturgeister gaben dem Kind ihre guten Wünsche und Tugenden und blieben bis zum Ende des Festes. Syanne verbrachte die Nacht entweder in den Armen eines Elfen oder in einem, extra für sie angefertigten Wiegekörbchen. Das Körbchen war mit dem weichen Fell der Naurib ausgepolstert und mit feinster Durupseide bedeckt.
Am Ende der Nacht erhielt Syanne ihr allererstes Kleid. Es wurde extra für sie gefertigt und es schimmerte in verschiedenen Grüntönen. So wurde sie offiziell in die Gemeinschaft der Nur`d Alon Elfen aufgenommen.
Die frühe Kindheit Syannes verlief ohne Drama, sie bekam verdünnten Nektar zum Essen, bis sie ein paar Zähne hatte mit denen sie Nahrung zerkauen konnte. Sie wurde bei allen Beschäftigungen des täglichen Lebens mitgenommen, zunächst in einem Tragetuch, später watschelte sie auf unsicheren Beinen selber hinterdrein. Meistens war sie bei mir, ihr Bett hing in meiner Hütte vom Dach herab, so dass sie darin geschaukelt werden konnte. Für uns alle war es selbstverständlich das Kind zu hegen und zu pflegen.
So wurden aus Tagen Wochen und aus Wochen Monate, Syanne entwickelte ihre Fähigkeiten im Laufen und sprechen und sie war sehr wissbegierig. Alles Neue schien sie wie ein Schwamm auf zu saugen und zu bedenken. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals unleidlich war oder gar geschrien hätte. Sie war ein fröhliches kleines Ding, das ihre Umwelt erkundete. So ging das Kleinkindalter in heiterer Unbeschwertheit dahin. Syanne lernte sehr schnell die Heilkräuter von den ungenießbaren zu unterscheiden und so war sie mir eine wertvolle Hilfe bei meinen Sammeltouren. Sie begleitete jedoch auch im Wechsel alle anderen Sammler unserer Gemeinschaft und half wo sie konnte bei der Verarbeitung des Gesammelten.“
Syanne lebte seit sechs Jahren bei den Nur`d Alon Elfen. Mittlerweile streifte sie oft schon allein durch den Wald und spielte am Fluss. Es gab dort eine Stelle, die sie ganz besonders liebte. Es war eine sandige Bucht mit einem Stein, auf dem man gut sitzen und die Fische im klaren Wasser beobachten konnte. Eines Tages saß sie dort und stellte sich vor wie eine Forelle wohl in rot aussehen würde. Nachdem sie, bei dem Gedanken daran; vor sich hin lächelte, sah sie plötzlich eine Forelle in funkelndem Rot im Wasser. Verdutzt rieb sie sich die Augen, doch das Ergebnis blieb. Sie richtete ihren Blick nun auf den Stein auf dem sie saß und malte sich lebhaft aus, dass diesem ein Streifendekor in blau und gelb gut stehen würde. Eine Weile dachte sie darüber nach bis sie realisierte, dass der Stein sich tatsächlich verändert hatte und nun in blau und gelb unter ihr lag. Vor Freude klatschte sie in die Hände und probierte diesen Farbenzauber noch an einem Baum, einer Muschel und ein paar Blättern aus. Es klappte jedes Mal. Jubelnd sprang sie vom Stein und sauste flink wie ein Wiesel zur Siedlung, schnappte sich eine der Lianen und war, behände wie ein Eichhörnchen, das Seil herauf geklettert. In vollem Lauf fegte sie direkt zur Kräuterhütte, in der sie Ilvana vermutete. „ Ilvana! Ilvana, sieh was ich heute gelernt habe!“ Rief Syanne und wuselte um die große Elfendame herum. Ilvana lachte gutmütig und fing das wirbelnde Kind ein. „ Nun setz dich erst mal und erzähle mir was passiert ist.“ Die Kleine setzte sich auf einen Schemel und ließ ein verschmitztes Lausbubengrinsen sehen. Sie nahm einen Tonkrug ins Visier und stellte sich vor, wie das braune Gefäß zu einem glitzernden, leuchtend blauen Gefäß wurde. Kurz darauf war es geschafft, der Krug hatte seine Farbe geändert und funkelte hübsch vor sich hin. Ilvana blieb vor Staunen der Mund offen stehen. „ Wie hast du das gemacht?“ Wollte sie wissen. Syanne versuchte es ihr zu erklären, dass sie die Farben ändern konnte, wenn sie es sich nur fest genug vorstellte. Die Kleine war erstaunt, dass Ilvana so etwas nicht konnte denn immerhin war die doch schon erwachsen. Ilvana schmunzelte und erklärte Syanne, dass jedes Wesen seine ganz eigenen Fähigkeiten und Vorzüge entwickelte. Die beiden verbrachten den Rest des Tages gemeinsam beim Zubereiten verschiedener Heilmittel. Wie von ungefähr, sah die Kleine nach einer Weile zu dem gefärbten Tonkrug hin und stellte fest, dass dieser nun wieder im langweiligen Erdbraun da stand. Nun wurde ihr klar, dass der Farbzauber nur eine begrenzte Zeit anhielt. Sie nahm es zur Kenntnis und beschloss, dass sie diesen Zauber rein zur Unterhaltung anwenden würde.
Als der Tag zum Abend wurde, gingen die Beiden zum Versammlungsplatz um einen Happen zu essen. Einige Elfen waren bereits dort und schwatzten. Dünn klang der Ton des „ Aufzughorns“ an ihre Ohren, kurze Zeit später betrat Alkum den Versammlungsplatz, er schien aufgeregt zu sein und kam direkt zu der Gruppe plaudernder Elfen. „ihr mögt mich für verrückt halten“, begann er, “ aber mir sind heute am Fluss wundersame Dinge begegnet. Ihr alle wisst ja wie eine Forelle aussieht, doch sah ich heute eine, die leuchtend rot im Wasser funkelte. Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Ich ging ein Stück weit Flussaufwärts, dort wo der kleine Sandstrand ist. Der Große Stein, der dort liegt war blau und gelb gestreift. Ungläubig hörten die Leute ihm zu und Kommentare wie „hast du heimlich Elfenwein getrunken“ wurden laut. Silberhell erklang ein Kichern und die Köpfe wandten sich Syanne zu. „ Das war ich Alkum, bitte sei mir nicht böse, ich wollte weder dich, noch irgendwen anders narren. Ich entdeckte heute, dass ich mit meinen Gedanken Dinge einfärben kann. Das mag vielleicht nicht nützlich und wichtig sein, aber es ist allemal lustig und unterhaltsam“. Verblüfft sahen die Umstehenden zu der Kleinen runter und baten sie, ihnen ihr Talent zu zeigen. Syanne ließ sich nicht lange bitten und sie stellte sich vor, dass alle Früchte auf der großen Platte golden würden. Wenige Sekunden verstrichen und alle konnten es sehen. Sie applaudierten dem Kind und prüften ob die Früchte, trotz der anderen Farbe, noch essbar waren. Tatsächlich hatte sich, außer dem Erscheinungsbild, nichts geändert. Diese Fähigkeit war, für den Rest des Abends, Gesprächsthema Nummer eins. Alle wurden später Zeuge, wie das Gold verblasste und die Früchte so aussahen wie immer. Wie so oft verging die halbe Nacht mit plaudern und lachen, untermalt von der leisen Musik der Blätter in den Wipfeln der Bäume. Nach und nach verschwanden die Leute und legten sich zur Ruhe. Syanne hatte sich schon längst an Ilvana gekuschelt, die sie nun aufhob und ins Bett trug. Verschlafen murmelte die Kleine etwas von den Aufregungen des Tages und war in der nächsten Sekunde im Traumland.
Der neue Tag erwachte und mit ihm die Bewohner der Siedlung. Nachdem Syanne ihrer Ziehmutter, bei den täglichen Verrichtungen zur Hand gegangen war, stromerte sie wieder durch den Nur`d Alon. Sie hatte ein kleines Säckchen dabei um darin vielleicht ein bisschen Naurib- Wolle zu sammeln. An den Sträuchern fand sie einiges der flauschigen Wolle, die sie abzupfte und in ihr Säckchen stopfte, als sie plötzlich ein jämmerliches Wimmern hörte. Neugierig folgte sie den Geräuschen und fand im Unterholz ein junges Naurib, das in der Astgabel eines Strauches feststeckte. Das Kleine wirkte schon sehr müde und erschöpft. Leise sprach Syanne zu dem Tierchen und näherte sich dabei langsam. Das kleine Fellbündel, sah sie aus seinen großen, braunen Augen an und Sy hörte in ihrem Kopf seine Stimme „ Hilf mir bitte, befreie mich!“ Behutsam kniete sich die kleine Elfe neben das eingeklemmte Tier und fuhr fort, es mit leiser Stimme zu beruhigen, als sie die festen Zweige mit viel Kraftaufwand zur Seite bog, um den Welpen zu befreien. Nach einiger Mühe war es geschafft, das Tier war frei, doch sehr erschöpft. Syanne versuchte, den Welpen auf den Arm zu nehmen um ihn zum Fluss zu bringen damit er trinken könne. Das Tier war jedoch zu schwer für die kleine Elfe. So baute sie fix aus Zweigen und der Naurib-Wolle ein Travois und zog das Tier darauf mühevoll zum Fluss. Nachdem der junge Naurib etwas getrunken hatte, ging es ihm schnell besser. In Syannes Kopf erklang ein „ Danke, du hast mich gerettet“. Ohne darüber nach zu denken antwortete sie“ Oh kein Problem, Sei nur in Zukunft vorsichtiger im Busch“. Der Welpe sah sie an und nickte, dann kuschelte er seinen Kopf an ihre Seite und ließ sich von ihr ausgiebig streicheln. Er hob seinen Kopf und schleckte ihr einmal quer übers Gesicht, von Ohr zu Ohr. Kichernd ließ Sy sich nach hinten fallen und rangelte mit dem Welpen herum, solange bis beide vor Vergnügen japsten. Bald stand Syanne auf und machte sich auf den Weg zurück zur Siedlung. Sie wollte nicht, dass Ilvana sich um sie sorgte. Das junge Naurib folgte ihr und die beiden plauderten vergnügt ohne ein einziges Wort laut aus zu sprechen. Syanne nannte den Welpen „ Kami“, weil sie ihn aus den Zweigen eines Kami Busches befreit hatte. Am Fuße eines „Treppen Baumes“ trennten sich ihre Wege. Syanne kehrte zu Ilvana heim und Kami lief zu ihrem Rudel. Oben in der Kräuterhütte erzählte sie Ihrer Ziehmutter was sie so alles erlebt hatte an diesem Vormittag, dann brachte sie die gesammelte Wolle ins Woll- Lager. Der Abend verging mit heiterem Geplauder auf dem Versammlungsplatz und Syanne freute sich schon auf den kommenden Tag, denn sie war fest entschlossen mit Kami zu spielen.
Der Neue Tag brachte neue Aufgaben mit sich, so bat Sakani die Heilerin, Syanne sie zu begleiten. Sy ging gerne mit Sakani, denn die Heilerin strahlte eine mütterliche Ruhe aus, die der kleinen Elfe gut gefiel. Der Weg führt die beiden auf eine Lichtung im Wald und Sakani rief ein Einhorn herbei um Syanne etwas über die Anatomie bei zu bringen. Wie gebannt hörte die Kleine zu und konnte binnen kürzester Zeit, alle wichtigen Körperteile des Einhorns benennen. Sakani unterrichtet sie auch im Anlegen von Verbänden und zeigte ihr verschiedene Möglichkeiten eine Schiene zu fertigen und an zu legen. Das Einhorn hatte offensichtlich auch viel Spaß an seiner Rolle als“ Unfallopfer“. Was Sakani nicht wusste war, dass Syanne mit dem Einhorn telepathisch kommunizierte und die beiden sich jede Menge Blödsinn erzählten. Trotz des heiteren Aspektes war Syanne aufmerksam und lernte eifrig was die Erwachsene Elfe ihr beibrachte. Irgendwann war der Unterricht beendet und Syanne hatte den Namen des Einhorns herausgefunden. Es war eine Stute und ihr Name war Rashell. Der Abschied fiel Syanne nicht leicht, gern wäre sie noch länger bei dem wunderschönen Tier geblieben, doch Sakani wollte zurück zur Siedlung.
Auf dem Rückweg kam Kami aus dem Gebüsch gepurzelt und wirbelte japsend und hüpfend um Sy herum. Die kleine Elfe versicherte Kami, dass sie später zu ihr kommen würde um mit ihr zu spielen und das blaue Fellbündel stob zurück ins Gestrüpp. Verwundert legte Sakani den Kopf schief und sagte:“ Irgendwie scheint es mir so, als würden die Tiere dich tatsächlich verstehen“. Syanne kicherte fröhlich und erzählte der Heilerin dann, dass sie mit den Tieren ohne Worte sprechen konnte. Bisher habe sie es allerdings erst an Kami, dem blauen Naurib Welpen und an Rashell, der Einhorn Stute erprobt. Überrascht zog Sakani die linke Braue hoch und sagte der Kleinen: „Das ist eine nützliche und gute Fähigkeit, trainiere sie so oft du kannst, wer weiß wann sich diese Fähigkeit mal als Lebensrettend erweisen kann. Für heute sind wir mit dem Unterricht fertig, du kannst etwas essen gehen und danach magst du tun was dir beliebt, “ Ihre Wege trennten sich dann auf dem Versammlungsplatz. Syanne schnappte sich im Vorbeigehen ein paar Früchte und ging kauend zu Ilvana um ihr zu erzählen, was sie heute gelernt hatte. Nachdem sie eine ganze Weile mit der Kräuterfrau geplaudert hatte und ihr ein wenig zur Hand gegangen war, hängte sie sich ihr kleines Wollsäckchen um und ging runter in den Wald. Es dauerte keine fünf Minuten, bis Kami sich zu ihr gesellte. Die beiden machten sich auf den Weg zum Fluss und plauderten dabei ausgelassen. Am Ufer angekommen, sah Sy sich nach hängen gebliebener Wolle in den Sträuchern um, die sie dann eifrig abzupfte und sammelte. Kami wich ihr nicht von der Seite. Nach einer kurzen Weile kamen die beiden an der seichten Sandbucht an und beschlossen ein Bad zu nehmen. Syanne legte ihre Kleider und das Säckchen ab und hinein ging es ins kühle Nass. Natürlich artete der Spaß fast unmittelbar in eine Wasserschlacht aus. Kami war begeistert und tobte ausgelassen mit der kleinen Elfe herum. Nach einer Weile hatten sie sich müde getobt und legten sich am Ufer zum Trocknen in die Sonne. Kami streckte sich neben Sy aus und legte ihren nassen Kopf auf ihren Bauch. Beide dösten ein wenig und die Elfe kraulte die ganze Zeit das weiche blaue Fell der Naurib. Entspannt blickte Sy in den Himmel an dem sich zwei große Greifvögel zeigten, die träge ihre Kreise zogen und dabei die gute Thermik nutzten um sich in Spiralen von der Luft tragen zu lassen. Wie großartig muss es sein, so schwerelos durch die Luft gleiten zu können, dachte Syanne und beobachtete weiter die beiden majestätischen Vögel. Einer der beiden schlug zwei- dreimal mit den Schwingen und gewann wieder an Höhe, nur um sich dann pfeilschnell, mit angelegten Flügeln ins Wasser zu stürzen und kurz darauf, mit einem silbernen, zappelnden Fisch im Schnabel, wieder in die Höhe zu steigen und in einem der alten Bäume zu langen um seinen Fang zu verspeisen. Unterdessen zog der andere Greif weiter seine trägen Runden am Himmel. Nachdem sich Kami und Sy gründlich ausgeruht hatte, zog sich der kleine Rotschopf wieder an und beide suchten weiter nach Wolle an den Büschen. Später, als das Säckchen wohl gefüllt war, schlenderten sie zurück zur Elfensiedlung und trennten sich dort. Syanne brachte die Ausbeute ins Wolllager und ging wieder zu Ilvana. Bis Abend auf dem Versammlungsplatz war noch ein wenig Zeit, und so half Syanne der älteren Elfe beim Herstellen verschiedener Tinkturen. Ilvana erzählte ihr, dass heute Abend, der Musikus Thyrell, seine neu gefertigte Harfe spielen würde und zum Tanz aufspielen wollte. Da Syanne Musik und Tanz liebte, freute sie sich schon darauf. Bald schwand das Tageslicht und die beiden hielten inne mit der Arbeit. Sie gingen zum Versammlungsplatz und bedienten sich eifrig an den Speisen. Der Platz füllte sich schnell und auch Thyrell erschien. Die Anwesenden Elfen suchten sich Sitzplätze und dann wurde es so still auf dem Platz, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Thyrell nahm etwa in der Mitte der Elfen Platz und stimmte leise seine Harfe. Die Töne schwangen rein und klar empor und begannen das ganze Volk zu verzaubern. Der Barde begann ein Lied über die Liebe zum Leben und beim Publikum rann so manche verstohlene Träne der Rührung. Nicht nur die Harfe klang ausgezeichnet, der Musikus selbst hatte eine Stimme, die weich und schwer, volltönend und doch zart war. Es war Genuss pur, solch einem Meister zu lauschen.
Nach diesem, etwas melancholischem Auftakt, schwenkte Thyrell auf heitere Klänge um und lud mit seiner Musik, die Elfen zum Tanz ein. Das Elfenvolk ließ sich nicht lang bitten und schon wimmelte es von Tanzenden auf der gesamten Plattform. Alkum kam und bat Syanne um einen Tanz. Da sich der große Elf gewiss ein Rückenleiden zugezogen hätte, wenn er auf klassische Weise mit dem zarten Elfenkind getanzt hätte, nahm er sie einfach auf den Arm und Syanne juchzte vor Freude. Beide hatten ihren Spaß am Tanz. Er setzte sie, nachdem das Lied beendet war, sehr behutsam neben Ilvana ab und bat eine andere Elfe auf die Fläche.
Irgendwann wurden Syanne die Augen schwer und sie ging unbemerkt in ihre Hütte um zu schlafen. In ihrem Kopf klangen noch die weichen Töne der Harfe wider und trugen sie rasch ins Traumland.
Die nächsten Tage waren für Syanne wieder angefüllt mit Lernen und Vergnügen. Sie half bei der Verarbeitung der gesammelten Wolle und lernte wie man die Wolle für verschiedene Webwaren vorbereitete. Sie lernte das Karden, das Spinnen und das Weben. Es faszinierte sie, wie aus den Wollflocken, die sie und alle anderen unterwegs sammelten, wunderbare Teppiche, Decken, Handtücher und vieles mehr wurden. Kein Tuch glich dem Anderen, da die Wolle immer wieder verschiedene Farbnuancen aufwies. Trotz aller Tätigkeiten im Elfenvolk, blieb ihr genügend Zeit, sich um ihre beiden Freunde zu kümmern und mit ihnen zu spielen. Kami erwartete sie jeden Tag am Fuße der Siedlung und sehr oft besuchten die beiden Rashell, das Einhorn. Syanne lernte, auf Rashell zu reiten und sie durchstreiften alle drei, den geschützten Wald Nur`d Alon, von einem Ende zum anderen. Die Tage, Wochen und Monate flogen nur so dahin. Aus dem kleinen Elfenmädchen wurde so langsam eine, zwar immer noch kleine, aber immerhin erwachsene Elfe. Sie konnte mittlerweile alles, was man zum Leben benötigt. Sie hatte gelernt die Harfe zu spielen, zu nähen, Speisen zu bereiten. Sie kannte die Pflanzen und ihre Wirkung, wusste wie man sie zubereitete, war geschickt und umsichtig in der Heilkunst und nutzte ihre seltsame Magie der Farben und der Tierkommunikation, mittlerweile ohne groß darüber nach zu denken. Eines Morgens sagte Ilvana zu ihr:“ Nun wird es Zeit, dass du die große Sprache lernst. Denn vielleicht möchtest du nicht immer hier im Wald bleiben und dann ist es von Vorteil, sich überall im Land verständigen zu können.“
Von diesem Tage an besuchte Syanne, jeden Morgen für ein paar Stunden, den Ältesten Marhib. Marhib war in seinem Leben viel gereist und beherrschte die große Sprache so gut, dass er andere darin unterrichten konnte. Syanne war eine sehr aufmerksame Schülerin und es fiel ihr nicht schwer die seltsamen Worte über die Zunge zu bringen und deren Sinn zu verstehen. Nach einem guten Jahr, meisterte der kleine Rotschopf die neue Sprache fließend. Nun bist du soweit Syanne. Du kannst in ein paar Tagen, mit Alkum zusammen, den Wald verlassen um unsere gefertigten Waren beim Handelsposten gegen Güter, die wir selbst nicht herstellen können, ein zu tauschen.“ Syanne strahlte den Ältesten freudig an. Nachdem sie sich verabschiedet hatte, sauste sie runter in den Wald, um ihren Freunden Kami und Rashell, diese unglaubliche Neuigkeit zu überbringen. Kami, die mittlerweile auch kein Welpe mehr war, wirkte besorgt und redete in einem fort von den großen Gefahren einer Reise, die aus dem Wald herausführte. Rashell nahm die Neuigkeiten eher gelassen auf und meinte nur:“ Du wirst mir fehlen Sy. Die Zeit ohne dein fröhliches Geplauder wird mir gewiss lang werden.“ Nachdem sie ihre besten Freunde informiert hatte, ging sie zu Ilvana zurück um ihr ebenfalls die Neuigkeiten zu verkünden. Ilvana wusste es natürlich schon und schmunzelte mal wieder über die Aufregung der Kleinen. Sie versprach Syanne, ihr beim Packen für die Reise zu helfen damit es ihr an nichts fehlen möge. Jetzt suchte Syanne nach Alkum. Er versah heute wieder den Dienst am Aufzug und da nicht viel zu tun war, schnitzte er an einem kleinen hölzernen Einhorn. Der Ärmste wusste gar nicht wie ihm geschah, als Syanne ihn mit tausend Fragen löcherte und alles ganz genau wissen wollte, was sie auf der Reise wohl sehen würde, was sie an Kleidung einpacken sollte, wie sie überhaupt reisen würden und Hunderterlei mehr bis Alkum sie endlich lachend unterbrach:“ Sy“, sagte er, „wir ziehen nicht ans andere Ende der Welt. Diese Reise wird nur etwa einen Monat dauern. Lass dich doch einfach überraschen, du wirst alles erleben, was es auf der Fahrt zu erleben gibt. Ich bitte dich nur darum, dass du dich von Sakani beraten lässt und einen Korb mit Verbandszeug und Heilpasten zusammenstellst. Jede Reise birgt natürlich gewisse Verletzungsgefahren, da ist es gut, vorbereitet zu sein.“ Syanne wollte sofort lospreschen um mit Sakani die Heilmittel zu packen, sie war voller Ungeduld und Vorfreude doch Alkum hielt sie zurück.“ Es reicht wenn du in den nächsten Tagen zu Sakani gehst. Wir werden erst in etwa zwei Wochen aufbrechen. So lange wird es dauern, bis alle Waren sicher auf dem Karren verstaut sind. Tu mir also den Gefallen und mach uns nicht alle verrückt bis dahin“ sagte er lachend. Syanne wurde rot bis an die Ohrenspitzen und erwiderte, nun etwas gemäßigter:“ Entschuldige bitte Alkum, dass ich so aufgeregt bin aber ich will doch auch alles zur rechten Zeit erledigt haben.“ Gutmütig lachend drückte Alkum sie kurz an sich, gab ihr einen Kuss auf den Scheitel und ließ sie dann gehen. Er rief ihr noch hinterher:“ Wir beiden werden das schon alles hinbekommen, sei unbesorgt Sy! “
In der Zeit bis zur Abreise packte Syanne bestimmt einhundertmal ihre Habe ein und wieder aus, sortierte sie neu, fügte noch etwas hinzu nur um es dann später doch wieder raus zu nehmen. Ilvana ließ sie bis kurz vor den Beginn der Reise gewähren, dann half sie ihr gutmütig alles Notwendige in die Reisetruhe zu legen und alles überflüssige wieder heraus zu nehmen.
Endlich war der letzte Abend angebrochen. Syanne ließ es sich nicht nehmen, sich gründlich, und vermutlich auch zum einhundertsten Mal, von ihren vierbeinigen Freunden zu verabschieden. Kami und Rashell zwinkerten sich gegenseitig zu und fast schien es, als machten sie sich ein wenig über die aufgeregte Elfe lustig.
Später, als Sy wieder in die Siedlung zurückgekehrt war, herrschte schon reges Treiben auf dem Versammlungsplatz. Thyrell hatte bereits die Harfe aufgestellt und die Schüsseln und Platten quollen schier über vor Köstlichkeiten. Natürlich nahmen die Elfen die bevorstehende Reise als Anlass zum Feiern. Zwischen den einzelnen Liedern flogen gute Wünsche und Ratschläge, kreuz und quer über den Platz. Fast schien es, als hätte jeder Einzelne noch einen guten Rat für Syanne. Sie floh regelrecht, als die Musik wieder erklang, in ihre Hütte. Schon im Eingang sah sie, dass irgendjemand ihre Reisetruhe bereits fortgeschafft hatte. Ihre Bleibe wirkte sehr leer und irgendwie überkam den kleinen Rotschopf ein Anflug von Abschiedsschmerz, der jedoch nicht lange gegen die Vorfreude auf das Erste Abenteuer standhalten konnte. Trotz aller Aufregung, gelang es Syanne bald einzuschlafen. Sie schlief tief und fest, was vielleicht ein ganz klein wenig mit dem Getränk, welches ihr Sakani am Abend gab, zu tun hatte.
Syanne erwachte, noch ehe es richtig hell wurde, der Mond war noch blass am Himmel zu sehen und noch dösten die vielen Vögel in ihren Nestern.
Sie wusch sich flink und zog ihre, eigens für die Reise bereit gelegten, Kleider an. Ihre lange und dichte rote Mähne, flocht sie sich zu einem Zopf damit ihr die Haare nicht ständig in die Augen wehten. Nun war sie soweit und flitzte, so rasch sie ihre Füße trugen, nach Unten. Wie erstaunt war sie, Alkum zu sehen, der bereits vier Ochsen vor einen riesigen Wagen spannte und ihr ein fröhliches „Guten Morgen“ zurief. Er bat Sy, weitere vier Ochsen vom Weideplatz zu holen und ihnen Kopfgeschirre anzulegen. Sie würden die Ochsen täglich wechseln, damit sich ein Gespann jeweils vom Ziehen erholen konnte. Im Nu war die Efe am Weideplatz angelangt und rief vier Ochsen mittels Gedanken herbei. Die Kopfgeschirre würde sie auf dem Weg zum Karren aus dem Viehlager holen. Brav und willig folgten die mächtigen Tiere dem zarten Wesen vor ihnen und machten keine Anstalten sich vor der Arbeit zu drücken. Rasch waren die Halfter aus dem Viehlager geholt und den Tieren übergestreift. Einen Führstrick benötigte Sy nicht. In der Zwischenzeit war Alkum fertig mit dem Einspannen der Ochsen und nahm das Tier links vorne am Halfter. Sie würden den Weg überwiegend neben dem Gefährt hergehen um den Ochsen so wenig Gewicht wie möglich auf zu bürden. Syanne nahm den „Reservetieren“ das Versprechen ab dem Wagen zu folgen und begab sich an Alkum`s Seite. Sie wandten sich westwärts und begannen die Fahrt. Nach etwa einer halben Stunde fühlt Syanne sich beobachtet und verfolgt. Sie strengte ihre Augen und Ohren mächtig an, um die Ursache für dieses Gefühl heraus zu finden. Immer wieder warf sie einen Blick über die Schulter um mit den Augen den Wegesrand ab zu suchen. Das ging für eine Weile so weiter, bis sie in ihrem Kopf ein Kichern vernahm. Sie Erkannte die Stimmer Kami`s und sandte die Botschaft“ Ha Kami! Du bist entlarvt!“ Ein kurzes Rascheln und ein Knacken im nahen Unterholz ertönten und Kami kam, gefolgt von Rashell, an Sy`s Seite. „ Wir haben beschlossen, dich bis zur Grenze zu begleiten, damit dir nicht langweilig wird!“ Fröhlich grinste Kami sie an und Rashell stupste ihr zart in die Seite. Nun gab es natürlich kein Halten mehr. Sy kraulte ihre beiden besten Freunde ausgiebig und mit einem Satz sprang sie auf den Rücken des Einhorns. In wildem Ritt ging es nun eine große Runde um Alkum und das Gespann herum und der große Elf lachte ihnen fröhlich zu „ Du könntest ja eine Handvoll frischer Nüsse besorgen für die erste Rast. Solange wir im Nur`d Alon sind, wird ohnehin nicht viel Aufregendes passieren, “ rief er ihnen zu und Sy ließ sich so etwas natürlich nicht zweimal sagen. Wenige Augenblicke später war sie mit ihren beiden Freunden im Gehölz verschwunden. Die drei kannten jeden Pfad und fast jedes Blatt im Nur`d Alon von ihren gemeinsamen Streifzügen. Innerhalb weniger Minuten erreichten sie den lichten Haselhain und Nüsse sammeln war kein Problem. Die Haselsträucher waren voll von ihnen. Syanne sammelte ihr Wollsäckchen randvoll und kehrte dann zu Alkum zurück. Der strahlte sie an und verriet ihr, dass sie in etwa zwei Stunden eine Rast einlegen würden, damit die Tiere fressen und saufen könnten. Er fragt Sy ob sie Lust hätte sich auf den Karren zu setzen und schon mal die Nüsse zu knacken, dann würde die Zeit schneller vergehen und am Rastplatz könnten sie entspannt etwas länger ruhen. Syanne willigte natürlich sofort ein und machte es sich zwischen Stoffbahnen und Wollsäcken bequem. Eine Zange diente als Nussknacker und schon war sie eifrig dabei, die köstlichen Früchte aus ihrer Schale zu holen. Da sie viele Nüsslein gesammelt hatte, gab es nun eine große Schale voll von den leckeren Happen. Während der Arbeit blödelte sie mit Rashell und Kami herum und tatsächlich verging die Zeit wie im Fluge. Bald war sie fertig und hüpfte wieder vom Wagen herab um eine Weile an Alkums Seite zu Fuß zu gehen.“ Wie lange werden wir denn im Nur`d Alon bleiben?“ Wollte sie von ihm wissen. Alkum erzählte ihr, dass sie vermutlich am Abend des kommenden Tages die Grenze erreichen würden und erst dann würde die Reise etwas anstrengender und schwieriger werden. Hier im Wald war der „große Weg“ der eigens für die Händlerkarren angelegt war und ständig gewartet wurde, eben und ohne Schlaglöcher. Die Ochsen hatten keine Mühe den Wagen zu ziehen, es ging kaum mal bergan, und schon gar nicht steil bergab. Der Handelsweg verlief parallel zum Nimrodel, so war es einfach an Trinkwasser zu kommen. Plaudernd gingen sie vor dem Karren her und das Gespann folgte ihnen ohne weiteres. Bald war der Rastplatz erreicht. Alkum schirrte die Ochsen aus und alle acht Ochsen stapften in den Fluss zum Trinken. Anschließend verteilten sie sich um den Wagen herum und fraßen sich am Gras satt. Alkum errichtete eine Feuerstelle und wies Sy an eine Pfanne vom Karren zu holen. Während Syanne die Trinkflaschen auffüllte und sich das kühle Wasser des Flusses ins Gesicht spritzte, röstete Alkum die Nüsse in der Pfanne, zerhackte sie und bereitete aus ihnen leckere Nusskränze zu. Sy und er ließen es sich schmecken und hielten nach dem Mahl ein paar Minuten Elfenruhe. Die Elfenruhe ist so etwas wie ein „komprimierter Schlaf“ Innerhalb kurzer Zeit regeneriert sich der gesamte Körper und der Elf fühlt sich frisch und ausgeruht wie nach einer gesamten Nachtruhe. Während der Elfenruhe sind die Sinne der Elfen jedoch hellwach, so würde es möglichen Angreifern schwer fallen, einen Elfen während des vermeintlichen Schlafes zu überfallen. Nach knapp zwei Stunden ging es weiter. Die Reserve Ochsen wurden nun eingespannt und das Gespann vom Ersten Teil des Weges durfte frei hinterhertrotten. Gemächlich nahmen sie nun die Strecke bis zum Nachplatz in Angriff. Mal plauderte Sy mit Alkum, mal ritt sie auf Rashell oder tobte und spielte mit Kami. Ganz nebenbei sammelte sie viele Köstlichkeiten die der Wald zu bieten hatte. Für das Nachtlager wählte Alkum eine seichte Bucht am Fluss, die rings herum mit hohen Binsen bestanden war und von vielen, samtigen Pompesen geziert wurde. Die Tiere durften sich wieder völlig frei bewegen und sich selbst versorgen, was ihnen sichtlich gefiel. Die beiden Elfen aßen sich satt und Alkum holte eine Okarina hervor und spielte einige wunderschöne Melodien. Syanne sang leise dazu, während Kami neben ihr lag und sich kraulen ließ. Rashell suchte sich einen angenehmen Schlafplatz und war schnell den Blicken entschwunden. Noch ehe die ersten Sterne am Himmel zu sehen waren, lag Sy in tiefstem Schlummer. Alkum deckte sie noch zu und legte sich dann ebenfalls hin. Der Neue Morgen dämmerte herauf und die beiden Elfen wurden munter, Sy bereitete Frühstück zu und Alkum füllte die Wasserflaschen für unterwegs auf. Das Lager wurde schnell abgebrochen und weiter ging die Reise. Dieser zweite Tag verlief nahezu genauso wie der vorangegangene. Erst am Nachmittag, wies Alkum Die kleine Elfe an, sich von ihren Freunden zu verabschieden und sich auf den Karren zu setzen. Es war also soweit, sie hatten die Grenze erreicht. Alkum band Syanne am Karren fest, verwundert wollte sie wissen warum er das tat und er erklärte. „ Das Geheimnis der magischen Grenze ist: Niemand kann sie überqueren, der nicht schon einmal draußen gewesen ist. Du musst etwas von Außerhalb gut kennen und es dir in allen Einzelheiten vorstellen können. Du musst genau dieses Ziel unbedingt erreichen wollen, sonst wirst du immer wieder abbiegen ehe du die Barriere durchquerst.“ Sy sah ihn überrascht an:“ Dann war ich quasi mein Leben lang im Nur`d Alon gefangen?“ Alkum lächelte:“ Streng genommen ja, allerdings hättest du nur sagen müssen, dass du den Wald verlassen möchtest. Für den Fall wäre ein anderer Elf mit dir gegangen um dir den Übertritt zu ermöglichen.“ Sy dachte eine Weile über das Gehörte nach und entschied, dass es gut und richtig war, so wie es war. Alkum setzte das Gespann wieder in Bewegung und der kleinen Elfe gingen tausend Dinge durch den Kopf, warum sie vom Wagen springen sollte und umkehren müsste. Es war wie ein ganz heftiges Ziehen und Zerren in ihrem Inneren. Noch während sie ihr kleines Kräutermesser suchte um ihre Fesseln zu durchschneiden, ließ dieses Gefühl plötzlich nach und sie fühlte sich wieder völlig normal und frei. Der große Elf drehte sich zu ihr um und löste die Fesseln. „ So wir sind durch, Such dir nun etwas, was dir gut in Erinnerung bleiben wird, präge dir den Ort oder Gegenstand genauestens ein. Verankere das Bild ganz fest in deiner Erinnerung, damit du ab heute den Wald auch aus eigener Kraft verlassen kannst. Für die Rückkehr funktioniert es genauso doch da mache ich mir keine Sorgen, immerhin bist du ja bei uns aufgewachsen.“ Syanne sah sich gründlich um, Ihr fiel eine alte, knorrige Eiche ins Auge, die fast aussah wie ein Waldgeist. Die krüppeligen Äste wirkten wie lange Arme mit Klauen daran und am Stamm waren zwei Knubbel, die wie Augen aussahen, darunter befand sich ein Loch im Stamm, welches dem Baum einen staunenden Ausdruck verlieh. Sie prägte sich jeden Millimeter des Baumes ein und speicherte das Bild in ihren Erinnerungen.
Ehe sie nun weiterzogen, gab Alkum ihr ein dicht gewebtes Netz, welches sie sich über die Augen binden sollte. Er erklärte ihr, dass sie in wenigen Minuten den Wald verlassen würden und sie mit dem Netz ihre Augen vor den grellen Strahlen der Sonne schützen müsse. Sie könne dann später die Augenbinde abnehmen, sobald sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hätten. Alkum selbst setzte sich einen breitkrempigen Hut auf und zog ihn tief in die Stirn. Ein Anblick, der Sy zum Lachen brachte denn Seine Ohren wurden von dem Hut runter gedrückt und standen nun waagerecht vom Kopf ab.
Dann gab Alkum den Ochsen das Zeichen und es ging weiter. Der Wald lichtete sich, die Bäume waren nicht mehr so hoch und standen weiter auseinander. Das Unterholz trat zurück und die Landschaft wechselte nach und nach zu offenem Feld. Sy taten, trotz der Augenbinde erst einmal die Augen weh, sie musste sie oft zusammenkneifen um dem grellen Licht zu begegnen. Langsam wurde es erträglicher, zum einen, neigte sich der Tag dem Ende zu und zum anderen gewöhnten sich ihre Augen an die anderen Lichtverhältnisse. „ Siehst du dort vorne die Felsen, Sy? Dort werden wir heute das Nachtlager aufschlagen. Wir werden in der „ Glitzerhöhle nächtigen, sie bietet Schutz vor Unwetter und Raubgesindel.“ Beide Begriffe waren Syanne fremd, was mochte wohl „Unwetter“ sein, und „ Raubgesindel“ klang auch irgendwie völlig fremd. Sie ließ sich von Alkum erklären, was sich hinter diesen Begriffen verbarg und das Gehörte beruhigte sie keinesfalls.
Zum Einbruch der Nacht erreichten sie ein großes Loch in den Felsen und Alkum lenkte den Wagen dort hinein. Sie befanden sich in einer geräumigen Höhle, die ungefähr einen Durchmesser von 10 Metern hatte. Der Große Elf stellte den Wagen so ab, dass sie am kommenden Tag vorwärts herausfahren konnten. Er bat Sy die Tiere anzuweisen, sich rings um die Höhle Futter und Wasser zu suchen, sich jedoch nicht zu weit zu entfernen und nachdem sie sich versorgt hatten, sollten sie wieder in die Höhle kommen. Die Ochsen zogen ihres Weges und Alkum baute an der Hinterwand ein Tischchen auf, legte ein Stück Durupseide als Decke darüber und tischte süßes Früchtebrot und ein Krüglein verdünnten Elfenwein auf, dann sagte er in die Höhle hinein“ Zum Gruße , Volk der Unterirdischen, wir erbitten ein Nachtlager von Euch und bringen Köstlichkeiten unserer Heimat, für Euch zum Dank.“ Eine Weile tat sich nichts, dann vermeinte Sy, hastig tippelnde Schritte und ein leises Scharren zu hören. Im Schein des entzündeten Feuers, sah sie dann kleine Gestalten, die sich schüchtern näherten und den Blick fest auf den Tisch richteten.
Alkum lud, mit leiser Stimme, die Wesen ein, sich zu bedienen. Es dauerte nicht lang und Sy konnte die kleinen Gestalten genauer betrachten. Sie waren etwa 35 cm groß, hatten schwarze Haut, riesig wirkende weiße Augen mit großen dunklen Pupillen, ihre Haare erinnerten an Igel, wirr standen sie den kleinen Leuten um den Kopf herum. Sie hatten spitze Ohren und erstaunlich große Hände. Ihre Finger waren lang und kräftig und endeten in harten, scharfen Krallen. Die meisten von ihnen trugen nur einen Lendenschurz, ein paar wenige hatten so etwas wie einen Kittel an. Einer von ihnen war sogar in Hemd und Hose gekleidet und Sy meinte, den Stoff als Durupseide identifizieren zu können. Das Essen half, die Scheu zu überwinden. Nach kurzer Zeit plapperten die Erdkobolde ungeniert mit den beiden großen Spitzohren. Irgendwann frage Sy warum diese Höhle „Glitzerhöhle“ genannt wurde und der Kobold in Hemd und Hose winkte einem anderen Wesen, es ihr zu zeigen. Syanne folgte dem kleinen Wicht und trug einen brennenden Kienspan mit sich, um in der Dunkelheit nicht zu stolpern. Ihr kleiner Führer bog in einen Gang ein, der von der großen Höhle abging und führte Sy in eine andere Höhlung, tiefer im Felsen. Die Elfe keuchte überrascht auf, Das flackernde Licht des Kienspans wurde bunt schillernd und glitzernd von den Höhlenwänden zurück geworfen. Die Wände bestanden aus ungeschliffenen, natürlich gewachsenen Edelsteinen. Der funkelnde Farbzauber war schier überwältigend und unglaublich. Sie setzte sich vor Staunen hin und betrachtete das Farbenspiel. Ein leises Kichern ließ sie wieder ins hier und jetzt zurück finden. Ihr kleiner Führer meinte nur „ Hübsch nä“?
Er brach ein Stück aus der Wand und reichte es Sy als Andenken. Sie verstaute den Kristallsplitter sorgsam in ihrem Beutel und dankte ihrem Begleiter. Sie kehrten zu den anderen zurück und es wurde ein gemütlicher und lustiger Abend am Lagerfeuer. An diesem Abend dauerte es lange, ehe Syanne zur Ruhe, all das Erlebte ging ihr wieder und wieder durch den Kopf doch irgendwann kam der Schlaf. Am Morgen räumten beide den Lagerplatz auf, so als wäre nie jemand dort gewesen, Alkum legte noch ein Bündel mit Leckereien an die hintere Höhlenwand, dann wurde die Fahrt fortgesetzt. Der Himmel zeigte sich in einem dunklen Grau und es wehte ein kräftiger Wind. Die beiden unterhielten sich eine Weile über die Unterirdischen und Sy erfuhr, dass ihre Krallen so hart und scharf sind, dass sie damit die Edelsteine aus der Höhlenwand kratzen konnten, um diese zu wunderbarem Schmuck zu verarbeiten. Die kleine Elfe war erstaunt. Plötzlich bemerkte sie in der Ferne ein tiefes Grollen und stellte fest, dass der Himmel eine seltsam gelbgraue Färbung angenommen hatte. Sie machte Alkum darauf aufmerksam und er nickte nur. „ Ja da werden wir wohl in ein handfestes Unwetter kommen. Der Himmel sieht nicht gut aus, gar nicht gut.“ Weit und breit lag das Land flach und eben vor ihnen, es schien nirgendwo die Möglichkeit zu geben sich unter zu stellen um das Wetter abzuwarten. Alkum ließ die Zugtiere halten und zusammen mit Syanne deckte er den Karren sehr sorgfältig mit einer großen Bahn Durupseide ab. Er vergewisserte sich, dass der Stoff gut festgebunden war und nirgendwo mehr flatterte. Dann empfahl er der kleinen Elfe, ihren Umhang über zu ziehen und sich gut darin einzuwickeln. Vorsichtshalber band er noch die freilaufenden Reserveochsen am Karren fest ehe sie die Fahrt fortsetzten. Syanne meine einen seltsamen Geschmack auf der Zunge zu spüren, eine Mischung aus Elektrizität und Ozon, dann begann es schon zu regnen. Zwei drei vereinzelte Tropfen klatschten ihr auf die Kapuze ehe die Wolken richtig aufrissen. Der Regen fiel in einem dichten Schleier, der Wind frischte auf zu einem Sturm und immer wieder durchtrennten Blitze des Himmels grau. Nach jedem Blitz krachte der Donner laut in ihren Ohren. Das Gespann wurde unruhig und Alkum brauchte alle Kraft und Erfahrung, die Tiere zu dirigieren. Langsam zogen sie weiter, der Weg wurde immer schlechter, denn der Regen weichte den Lehmboden zusehends auf. Nach einigen Meilen gab es einen Ruck und der Wagen steckte im Schlamm fest. Da standen sie nun mitten auf einer weitläufigen Ebene, den Kapriolen des Wetters nahezu Schutzlos ausgesetzt und mit immer unruhiger werdenden Tieren. Sy wandte all ihre Fähigkeiten auf, um die Ochsen zu beruhigen und sie am durch brennen zu hindern. Das einzig Gute war, dass die Umhänge wirklich Wasserdicht waren und die Elfen somit trocken blieben.
Alkum sah keine andere Möglichkeit, als das Unwetter ab zu warten, ehe sie ihre Fahrt fortsetzten. Ihnen stand noch die Aufgabe bevor, den festsitzenden Karren wieder flott zu kriegen, wenn das Gröbste vorbei wäre. Der Wind jaulte ihnen um die Ohren und der Regen peitschte ihnen ins Gesicht. Die Blitze kamen nun so rasch hintereinander, dass der Himmel zu brennen schien. Der Donner dröhnte nahezu unausgesetzt in den Ohren. Syanne verspürte zum ersten Mal im Leben Angst. Sie klammerte sich krampfhaft am Karren fest und zitterte dabei am ganzen Leib. Ihr gingen Gedanken durch den Kopf, wie sie vom Sturm hinweg gerissen würde und irgendwo gegenkrachte. Sie sah sich mitten auf dem Feldweg gnadenlos ertrinken.
Urplötzlich gab es noch ein richtig lautes Krachen, dann klang das Unwetter ebenso rasch ab, wie es zu vor aufgezogen war. Der kleinen Elfe dröhnten die Ohren und es dauerte eine Weile, bis sie realisierte, dass es überstanden war. Kaum war der letzte Regen vorbei, riss der Himmel wieder auf und die Sonne schob sich durch die Wolken. Die Ochsen begannen zu dampfen und vom Boden stieg Dunst auf. Erleichtert atmeten die beiden Elfen auf. Alkum überlegte, wie er den Wagen aus dem Schlammloch herausbringen sollte und Sy schlug vor, die Reservetiere mit vor den Wagen zu spannen. Gesagt getan, alle acht Ochsen waren nun angespannt und auf Sy s Bitte zogen sie aus Leibeskräften. Alkum und Sy schoben von hinten nach und mit einem satten Schmatzen kamen die Räder frei.
Der kleine Rotschopf fühlte sich ausgelaugt und erschöpft und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Alkum verfrachtete sie auf den Wagen, brachte das Gespann wieder in Ordnung und setzte den Weg fort. Kaum lag Sy auf dem Karren, war sie schon tief und fest eingeschlafen. Erst Stunden später erwachte sie weil der Wagen nicht mehr rüttelte und schaukelte. Ihr Begleiter hatte schon einen Platz zur Mittagsrast aufgesucht und alles für die Stärkung von Elf und Tier vorbereitet. Völlig verschlafen tauchte Sy aus den Warenpacken des Wagens auf und sah verwundert, dass sie nicht mehr auf der Ebene waren, sondern in einem lichten Buchenwald lagerten. Sie beeilte sich nun vollends wach zu werden um ihren Teil der anfallenden Arbeit zu verrichten. Es gab jedoch nicht mehr viel zu tun also hockte sie sich zu Alkum ans Feuer und sie sprachen über die Schrecken des Unwetters. Ehe es nun weiterging bat Alkum sie, ihren Farbzauber auf die Plane des Wagens an zu wenden, und den Anschein zu erwecken, dass sie nur Heu oder Stroh transportierten. Er erklärte dass sie bald in eine Menschensiedlung gelangen würden, deren Bewohner zwar nicht gerade kriegerisch, aber ziemlich habgierig sein würden und um Übergriffe zu vermeiden wäre es natürlich gut, die Fracht als uninteressant erscheinen zu lassen. Sy nickte und meinte er solle ihr einfach sagen wann sie die Ansiedlung der Menschen erreichen würden, dann wolle sie schon die Fracht wie einen Heuhaufen aussehen lassen.
Vorerst ging die Reise durch den Buchenwald, die Luft roch frisch und sauber nach dem Regen und der Weg war nur stellenweise matschig, Das Regenwasser war bereits gut weg gesickert bzw. seitlich abgelaufen. Sie kamen gut voran und es war hier im Wald niemand zu sehen. Bald näherten sie sich dem Waldrand und Alkum gab Sy ein Zeichen, die Fracht zu tarnen, was sie unverzüglich tat. Als sie die letzte Baumreihe hinter sich gelassen hatten, fiel Syanne auf, dass die Pflanzen, sie nahm an dass es sich um Getreide handelte, in sehr geraden Reihen wuchsen. Etwas verwundert fragte sie ihren Begleiter was es damit auf sich hätte und der Elf erklärte ihr, dass die Menschen das Getreide dicht an dicht in Reihen pflanzten, um möglichst viel Ertrag zu bekommen. Denn anders als es beim Elfenvolk üblich war, mussten die Menschen sogenannte Steuern auf alles zahlen und die Ernten mussten dennoch für das ganze Dorf reichen. Er erklärte ihr noch was der sogenannte Zehnt war, den die Bauern an den Adel und die Kirche zahlen mussten, nur damit sie die Felder bestellen konnten. Syanne schüttelte ungläubig den Kopf „ Die Menschen bezahlen dafür dass sie arbeiten müssen und dann wird ihnen noch ein Teil ihrer Arbeit weg genommen von anderen Menschen die nichts dafür tun?“ Ein leises kichern kam aus ihrer Kehle. Irgendwie fand sie die Vorstellung sehr seltsam. Inzwischen kamen ein paar Häuser in Sicht. Es waren feste Wohnhäuser aus Holz und Stein, die Dächer waren mit Reet, oder auch Ried genannt, gedeckt und aus ihnen lugte ein gemauertes Viereck hervor aus dem es qualmte. Sy war gespannt darauf, ob sie wohl so ein Haus mal von innen sehen würde. Die Häuser erschienen ihr riesig groß und im Gegensatz zu den Schlafhütten ihres Volkes, waren sie es auch. Mitten durch die Ansammlung der Bauernhäuser führte eine ausgetretene Straße die dem Wagen ausreichend Platz bot. Alkum führte die Tiere zu einem Haus welches etwas von der Straße abgerückt war. Rings um das Haus gab es einen eingezäunten Grasplatz von dem Syanne annahm, dass er eigens für Reisende angelegt war, damit sich deren Trag und Zugtiere dort erholen konnten. Ihr Begleiter ließ die Tiere halten und ging dann kurz in das Gebäude um Bescheid zu sagen, dass sie ihre Ochsen ein wenig auf der Wiese rasten lassen würden. Sy vergewisserte sich, dass die Plane immer noch wie ein Heuhaufen aussah und stellte fest, dass der Farbzauber noch aktiv war. Alkum kehrte mit einem Mann zurück, der einen gewaltigen Umfang aufwies. Sein Gesicht war rot und schwabbelte bei jeder Bewegung, seine Augen lagen tief im Speck versteckt aber sie blickten freundlich. Sein Kopf wies kaum Haare auf und ein Hals war nicht erkennbar. Syanne musste sich beherrschen, um dieses Wesen nicht mit offenem Mund an zu starren. Der Mann nickte ihr grüßend zu und sie erwiderte den Gruß. Alkum ließ die Tiere wieder antreten und der runde Mann öffnete das Gatter der Wiese, scheinbar kannten sich die beiden Männer recht gut, denn sie plauderten wie alte Freunde. Nachdem die Ochsen ausgeschirrt waren und sich am grünen Gras gütlich taten, schoben Alkum und der andere Mann, den Karren unter ein Dach nah am Haus.
„ Komm Sy, du darfst gleich mal Speisen kosten, die du noch nicht kennst“, sagte Alkum und lud Sy mit einer Handbewegung ein, ihm ins Innere des Hauses zu folgen. Neugierig sah sie sich um, Alkum hatte ihr zuvor gesagt, dass es sich um eine Schenke handelte, also ein Haus, in dem ein Reisender Essen und, wenn gewünscht, ein Nachtlager erhalten konnte. Sie empfand den Schankraum als riesig aber duster. Die Luft roch abgestanden und der verschüttete Alkohol, der in den Lehmboden eingesickert war, machte es nicht besser. Ihr Begleiter führte sie zu einem Tisch und hieß sie, Platz zu nehmen. Es bestellte Leichtbier und eine Brotzeitplatte mit Käse. Die kleine Elfe betrachtete sich alles ganz genau, nicht sicher, ob es ihr gefiel was sie sah, als der Wirt schon mit einem Krug und zwei Tonbechern herbei gewatschelt kam und die Getränke mit fröhlichem Zwinkern servierte. Skeptisch nippte Sy an dem Bier und schüttelte sich unweigerlich. Es war sehr säuerlich und herb und wies einen Geschmack auf, der mit nichts vergleichbar war, was sie kannte. Alkum beobachtete sie schmunzelnd, hob dann seinen Becher und prostete ihr zu. Schon kam die Wirtsfrau an ihren Tisch. Sie war ein krasser Gegensatz zu ihrem Mann. Die Wirtin hatte ein verhärmtes Gesicht, sie war hochgewachsen und hager, ihre Haare waren unordentlich aufgetürmt und lösten sich nach und nach aus den Befestigungsnadeln. Sie hatte schiefe und gammelige Zähne und verströmte einen heftigen Mundgeruch. Die Wirtin stellte eine Platte mit Brot und gelbem Dingsda auf den Tisch und wünschte den Beiden einen Guten Appetit. Ihre Stimme klang, als würde man mit den Fingernägeln über eine Tafel kratzen. Selbst als sie sprach, trat in ihre Augen kein freundlicher Schimmer. Sie wirkte kalt, gierig und berechnend. Die kleine Elfe überlief ein eisiger Schauer, doch sie sagte nichts. Vorsichtig brach sie sich ein Stückchen Brot ab und probierte es. Ihre aufleuchtenden Augen sprachen, ehe ihr Mund es tat. „ Das ist köstlich Alkum, es duftet herrlich und der Geschmack ist viel würziger als bei unserem Brot Zuhause.“ Zufrieden knabberte sie an dem Kanten Brot als Alkum ihr ein Stück des „gelben Dingsda`s“ hinhielt. „ Hier Sy, probiere mal den Käse, so etwas hast du auch noch nie gekostet“, meinte er kauend und reichte ihr ein Stück Käse zu. Sie nahm ihn und biss eine Winzigkeit ab, zwei-dreimal gekaut und dann strahlte sie. „ Lecker.“ Woraus ist der gemacht?“ Wollte sie wissen. Alkum erzählte ihr, dass die Menschen Kühe, Ziegen und Schafe hielten um sie zu melken. Aus der Milch wurde dann der Käse gemacht. Er erwähnte noch, dass es viele verschiedene Arten und Geschmacksrichtungen beim Käse gab, doch über die Herstellung wusste er ihr nichts zu berichten. Nach dem ersten Probehappen, langte Sy nun tüchtig zu. Es schmeckte ihr großartig und sie schmauste bis ihr Magen voll war. Aufseufzend lehnte sie sich zurück, als es vor dem Haus laut wurde. Eine Frau schrie auf der Straße um Hilfe. Alkum und Sy sprangen auf und liefen zur Quelle des Aufruhrs. Mitten auf der Straße hockte ein Frau, die ein leblos wirkendes Kind im Arm hielt und wimmerte „ Hilfe, zu Hilfe, wer kann ihm helfen.“ Entschlossen bahnte sich Syanne ihren Weg durch einige Gaffer und kniete sich zu der Frau. Freundlich stellte sie sich vor und bat, das Kind rasch untersuchen zu dürfen, dabei ließ sie sich von der Frau erzählen, was passiert war. Die Frau berichtete ihr, dass ihr Sohn aus der oberen Luke des Hauses gefallen war und mit dem Kopf aufgeschlagen ist. Dann hob sie wieder an zu jammern und zu zetern und raufte sich die Haare. Syanne untersuchte den Jungen rasch und stellte fest, dass er noch atmete, sie prüfte seine Pupillenreflexe und tastete vorsichtig seinen Hals ab. „Gute Frau, legt euer Kind ins Bett und lasst ihn ein paar Tage nicht aufstehen und herum tollen. Er wird bald wieder erwachen und durch den Sturz ist sein Gehirn kräftig geschüttelt worden, aber Ruhe, leichte Speisen und viel trinken, sollten ihn in wenigen Tagen wieder herumspringen lassen.“ Freundlich klopfte sie der Frau auf den Arm und Alkum nahm das Kind vorsichtig
