Eli's Geschichten - ConEli . - E-Book

Eli's Geschichten E-Book

ConEli .

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Beschreibung

"Wer gerne eine Reise tut, braucht dafür Geld und manchmal Mut. Was dabei manche quälen - darüber können andere erzählen." Während ein Reisender sich in einen Urlaubsort begibt, um etwas zu erleben, haben viele Busfahrer schon an ihrem Arbeitsplatz diesen Genuss. Durch die Vielzahl der ständig wechselnden Fahrgäste können sie nach jeder Reise neue Anekdoten erzählen. Dieses Buch handelt von der Zeit zwischen 1978 und 1994, als noch sehr viele Omnibusse auf europäischen Straßen unterwegs waren. Billigflüge wurden damals noch nicht angeboten, weshalb sehr viele Deutsche mit den Bussen verreisten. Es werden lustige, sowie kuriose Erlebnisse und Missgeschicke erzählt, die alle tatsächlich so passiert sind. Auch die peinlichsten Momente werden schonungslos geschildert. Nehmen Sie teil an diesen Busreisen und amüsieren Sie sich über die absonderlichsten Vorfälle.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 163

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Zur Erinnerung

an meinen geliebten Ehemann Elias,

der im März 2016 unerwartet zu einerneuen Reise aufgebrochen ist

ConEli

Eli´s Geschichten

Die lustigen Abenteuerdes Busfahrers Elias

© 2016 ConEli

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7345-5629-6

Hardcover:

978-3-7345-5630-2

e-Book:

978-3-7345-5631-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Vorwort

Der Anfang

Schwimmen macht durstig

Unruhe im Schulbus

Aus der Vergangenheit

Schul-Uhr

Pausenhof

Bestrafung

Selbst bestraft

Bubenstreiche

Vorsicht Schokolade

Dusche im Bus

Betriebsbesichtigung

Treffen in der Grube

Verkehrserziehung

Hitzefrei

Was so alles verloren geht

Falsch geschaut

Koffer gekennzeichnet

Gestohlene Ski

Nicht vermisst

Unbedingt durchzählen

Trunkenheit, aber kein Steuer

Fußball

Unbekannte Technik

Vorsicht Kamera

Im Scheinwerferlicht

Falsche Stelle

Perfekte Technik - menschliche Bedienung

Schnelle Würstchen

Test-Esser

Volle Toilette

Heute geschlossen

Selbstversorger

Fremdsprachen

Eiszeit

Alles neu

Skirennen

Apres-Ski

Unordnung in den Zimmern

Ski wachsen

Selbstgebrannt

Polizei-Kontrolle –das Beste kommt zum Schluss

Rom

Diano Marina

Sizilien

Hotelzimmer

Ischia

Erlebnisse in Italien

Nebenbei mitbekommen

Vereinsreise nach Hamburg

Von allen Seiten

Schlußwort

Vorwort

Zur Erinnerung an meinen geliebten Ehemann Elias, der im März 2016 unerwartet zu einer neuen Reise aufgebrochen ist.

Elias hatte mir sehr oft von seinen Erlebnissen während der Busreisen erzählt, da ich nicht bei allen Reisen mitfahren konnte. Irgendwann fasste ich den Entschluss, diese schönen Erinnerungen aufzuschreiben. Der Einfachheit halber habe ich die Form gewählt, als hätte Elias selbst das Buch geschrieben.

Die nachstehenden Geschichten habe ich getreu den Erzählungen von Elias niedergeschrieben. Ich hoffe, dass ich seinen empfundenen Spaß in richtige Worte gefasst habe, um ihn so lustig weiterzugeben wie Elias es erlebt hatte.

Leider hatte ich es nicht geschafft, dieses Buch früher fertig zu stellen, sodass Elias sein Buch nicht mehr in Händen halten konnte.

Conny Nees

Der Anfang

Alles begann im Jahr 1978. Als junger Mann hatte ich meine Berufsausbildung abgeschlossen und geplant, weiter zu lernen um die Meisterprüfung im ausgeübten Beruf abzulegen. Das war mein Plan, aber Pläne ändern sich bekanntlicherweise manchmal. So auch bei mir. Ich ließ mich mehr oder weniger dazu überreden, einen ganz anderen Weg einzuschlagen und Busfahrer zu werden.

Das hieß für mich: nochmal neu anfangen. In gewisser Weise reizte mich das aber auch, denn ich fuhr schon immer leidenschaftlich gerne, egal was. Angefangen wie fast jeder mit einer Seifenkiste, später Moped und heimlich mit dem Auto meines Vaters. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich 18 Jahre alt zu werden um ein Auto fahren zu dürfen. Wieso dann nicht auch Omnibus?

Wie jeder Berufsanfänger wurde ich zu den Anfangszeiten meiner Busfahrer-Laufbahn natürlich nicht sofort auf die großen Reisen eingesetzt, damit hatte ich auch gar nicht gerechnet. Ich sollte erst mal Routine mit dem Fahren eines Busses bekommen und nicht gleich überfordert werden. Deshalb fuhr ich zu Beginn nur Linie und Schule und wurde erst später zusätzlich auf Sonderfahrten eingesetzt. Das ist ja auch verständlich, denn man lernt zwar in der Fahrschule mit den größeren Ausmaßen eines Omnibusses umzugehen, aber mit Menschen umzugehen lernt man dort nicht. Und dies gehört nun einmal zum Busfahren dazu: die Fahrgäste.

Die Linienfahrten waren für mich sehr langweilig. Es war immer wieder die gleiche Strecke hin und zurück, da freute man sich dann schon mal über eine Baustelle die eine Umleitung erforderlich machte. Es ist vergleichbar mit der täglichen Fahrt zum Arbeitsplatz, da kennt man nach kurzer Zeit auch jedes Haus und jeden Baum an der Strecke. Die Fahrgäste wechselten auch nicht oft, zudem waren die Arbeiter und Schüler nach einem langen Tag müde und einsilbig.

Nur ein paar ältere Fahrgäste die mal eben zum Arztbesuch oder Einkaufsbummel in der Stadt waren, erzählten von ihren Erlebnissen.

So ergab es sich nach einiger Zeit, dass ich nur noch automatisch die Strecke abgefahren habe. Ich musste ja auch nicht besonders aufpassen, denn an den Haltestellen hat man die Fahrgäste gesehen und hat angehalten um diese einsteigen zu lassen. Und für den Ausstieg machten sich die Fahrgäste schon frühzeitig bemerkbar indem sie schon weit vor der Haltestelle vom Sitz aufgestanden sind und sich an die Tür begeben haben. Zudem kannte ich nach einiger Zeit sowieso die Fahrgäste und wusste schon auswendig wer wo aussteigen will.

Während der Sommermonate war es abends noch hell und unterwegs sah ich Kinder auf dem Gehsteig spielen oder Leute im Freien beim Bierchen sitzen, ich konnte Bekannte grüßen und in den Ortschaften doch einiges sehen. In den Wintermonaten, als es abends früh dunkel wurde, war es dann nur noch monoton. Alle waren schon zuhause in der warmen Stube, niemand hielt sich auf der Straße auf. Es begegneten mir auch nicht viele Autos. Und ich drehte einsam meine Runden.

Mittlerweile hatte ich auch schon Verständnis für meine müden Fahrgäste, es erging mir abends auch nicht anders. Man war einfach müde vom langen Arbeitstag und wollte nur noch seine Ruhe haben. Deshalb schaltete ich im Innenraum des Busses während der Fahrt nur die grüne Nachtbeleuchtung ein. Zum einen damit meine Fahrgäste schon ein wenig dösen konnten und zum anderen weil sich die helle Beleuchtung in der Frontscheibe spiegelt und blendet.

Nun sollte man denken, Nacht ist Nacht und dunkel ist dunkel. Aber irgendwie gab es hellere Abende, wohl durch den Mond, und dunklere Abende, wenn der Himmel mit Wolken zugezogen war und es noch dazu regnete. Einen solchen Abend hatte ich auch erwischt, als ich mal wieder zur Linie eingeteilt war. Draußen war es stockfinster, der Regen prasselte auf die Windschutzscheibe und auf das Dach des Busses, die Scheibenwischer quälten sich, um dem Wasser Herr zu werden. Manche Fahrgäste stiegen durchnässt ein, nicht alle hatten einen schützenden Regenschirm dabei. Ich gebe zu, dass es auch ein wenig durch mich verursacht war. Denn durch den starken Regen war die Sicht sehr schlecht und ich musste deshalb langsamer fahren, wodurch die Linienrunde länger dauerte. Dafür hatte ich den Bus-Innenraum schön geheizt und die Fahrgäste konnten sich wieder aufwärmen und trocknen. Diese Regenfahrt war anstrengend und ich sehnte meinen Feierabend herbei. Nach 3 Stunden Linienrundfahrt war es endlich soweit. Ich fuhr von der letzten Haltestelle zurück zum Betriebshof. Das Tor der Omnibushalle war noch offen worüber ich mich freute, denn sonst wäre ich schon beim Öffnen des Tores total nass geworden. Aber so war es natürlich für mich ideal und ich konnte mit dem Bus direkt in die Halle reinfahren und den Bus dort abstellen. Und schon war es leise im Bus, jetzt wo der Regen nicht mehr auf das Busdach trommeln konnte.

Es war dunkel in der Omnibushalle, nur die Scheinwerfer des Busses strahlten ihr Licht nach vorne. Jetzt schnell alles fertigmachen und dann nichts wie nach Hause. Ich schaltete die grüne Innenbeleuchtung aus und dafür die helle Lampe über dem Fahrerplatz ein. Dann nahm ich die Tachoscheibe aus dem Tacho, um den End-Kilometerstand auf der Tachoscheibe einzutragen.

Als ich gerade die Zahlen aufschreiben wollte, tippte plötzlich von hinten aus dem Dunkel etwas auf meine Schulter. Ich kann gar nicht beschreiben wie sehr ich erschrocken war. Schließlich wähnte ich mich in einem leeren Bus. Vor Schreck schrie ich auf und ließ sofort alles fallen. Kugelschreiber und Tachoscheibe flogen durch die Luft und landeten auf dem Fußboden.

Ich schnellte herum als eine Stimme fragte: “wo sind wir denn“? Gleich darauf ging ein schallendes Gelächter los, wohl wegen meiner verschreckten Reaktion. Ich muss einen sehr interessanten Gesichtsausdruck gehabt haben.

Hinter mir stand ein junger Mann, den ich als Fahrgast kannte. Ich fragte ihn ganz verdutzt, wo er herkäme. Darauf erzählte er mir, er hatte sich nach dem Einsteigen in eine der hinteren Reihen gesetzt und war eingeschlafen. Anscheinend war er im Sitz auf die Seite gerutscht, sodass ich ihn im Spiegel nicht mehr sehen konnte. Als der Bus sich nicht mehr bewegte und die Geräusche des Motors und des Regens nicht mehr zu hören waren wurde er erst wieder wach. Seine Ausstiegs-Haltestelle hatte er total verschlafen.

Wir amüsierten uns noch eine Weile über diese lustige Situation. Dann einigten wir uns darauf, dass er mich nicht mehr so erschrecken würde und dafür wurde er von mir mit meinem Pkw nach Hause gefahren.

Schwimmen macht durstig

Nach und nach kamen dann auch kurze Ausflüge dazu, wie Vereine zu einem Fest fahren und ähnliches.

Besonders gerne fuhr ich immer zu einem etwa 30 km entfernten Thermalbad, denn ich schwimme gerne. Diese Fahrten wurden einmal in der Woche durchgeführt und es nahmen überwiegend ältere Personen teil, die etwas für ihre Gesundheit tun wollten. Wobei natürlich außer der Unterstützung für die Gesundheit noch vieles andere dort unternommen werden konnte. Denn es war ein schönes gemütliches Städtchen mit Kurpark, vielen Cafes, schönen Geschäften und Boutiquen, richtig nett zum Bummeln.

Die Fahrt begann erst am späten Nachmittag, damit viele Interessierte daran teilnehmen konnten. Trotzdem waren kaum Kinder oder Schüler dabei, vielleicht auch weil im Thermalbad nicht herumgetobt werden durfte. Das Bad gehörte zu einer Kurstadt und dort wurde auf Ruhe für die Kurgäste geachtet. Aber da ja in verschiedenen Ortschaften Zustieg möglich war, fanden sich immer genügend Interessierte zusammen.

So fuhr ich also überwiegend ältere Herrschaften zum Schwimmen, es waren fast immer die gleichen. Im Bus hatte ich dann schon mehr Unterhaltung als bei den eintönigen Linienfahrten.

Am Thermalbad angekommen vereinbarten wir die Rückfahrzeit für 2 Stunden später. Wer wollte konnte durch die noch offenen Geschäfte bummeln oder im Kurpark spazieren gehen. Dies wurde aber nur selten genutzt, meistens gingen die Fahrgäste direkt in das Thermalbad. Dort verteilte sich die Gruppe auf die verschiedenen Schwimmbecken. Denn außer dem normalen Schwimmbecken gab es noch 2 kleinere, in denen Kurse für Wasser-Gymnastik, usw. angeboten wurden.

2 Stunden später trafen sich dann wieder alle Fahrgäste am Bus für die Rückfahrt.

Das Thermalbad war nur auf den Kur-Betrieb ausgerichtet und verfügte nicht über eine Cafeteria oder ähnliches wie es in vielen normalen Schwimmbädern üblich ist. Es war nicht möglich, im Thermalbad ein Getränk zu erhalten, da es auch keinen Getränke-Automaten gab.

Gleich bei der ersten Rückfahrt fragten mich einige Fahrgäste, ob ich im Bus Getränke dabei hätte. Darauf war ich gar nicht eingestellt, ich war ja auch das erste mal dort und kannte das Bad vorher nicht. Aber das war kein Problem, ich kaufte Getränke und war ab der zweiten Fahrt gerüstet. Ich hatte ein paar Wasser, Cola und auch Bier dabei. Damit konnte ich die Fahrgäste versorgen, worüber sich diese freuten.

Nachdem es sich meistens um die gleichen Fahrgäste handelte kannten wir uns nach ein paar Fahrten schon und wir unterhielten uns dann auch ganz lustig unterwegs.

Bei einer dieser Fahrten kam während der Heimfahrt eine ältere Frau nach vorne zu mir und wollte gerne ein Bier haben. Ich gab ihr die Flasche Bier und fragte aus Spaß, ob sie einen Strohhalm dazu haben möchte, ich hätte keine Trinkbecher. Darauf sagte sie gleich: “ja, das ist eine gute Idee“.

Ich klärte es auf, dass ich nur einen Scherz gemacht hatte, dass man Bier ja nicht mit dem Strohhalm trinkt. Aber sie war von der Idee ganz begeistert und nahm sich einen Strohhalm mit.

Die Fahrt dauerte noch über eine halbe Stunde bis zum Heimatort, da ja vorher noch die Fahrgäste aus den Nachbarorten aussteigen wollten.

Mittlerweile war es auch dunkel geworden, es war in der Winterzeit.

Damit sich meine Fahrgäste nach der wahrscheinlich ungewohnten sportlichen Betätigung ein wenig ausruhen konnten schaltete ich nur die grüne Nachtbeleuchtung für den Fahrgastraum ein und drehte die Musik leise.

Als ich gerade in den ersten Wohnort der Fahrgäste fuhr gab es im Bus einen dumpfen Knall. Natürlich war ich sehr erschrocken weil ich dachte am Bus wäre etwas kaputt gegangen. Sofort schaltete ich die Warnblinker ein und hielt den Bus am Straßenrand an. Ich schaltete das helle Innen-Licht ein, drehte mich vom Fahrersitz um und wollte aufstehen, um nachzusehen was kaputt war.

Da sah ich, dass neben mir im Gang des Busses zwischen den Fahrgastsitzen jemand auf dem Boden lag.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass sich meine Gedanken schon mit technischen Defekten beschäftigt hatten, sonst hätte ich lauthals losgelacht.

Eine Hand ragte nach oben und hielt eine Bierflasche in die Luft.

Kurz darauf bewegte sich der Kopf nach oben zu mir und ich erkannte die ältere Frau die sich das Bier geholt hatte. Sie war der Länge nach in den Gang gefallen. Jetzt lag sie auf dem Bauch und hielt die leere Bierflasche in der Hand hoch. Diese wollte sie eigentlich neben dem Fahrersitz in den Abfallbehälter werfen, aber bis dahin hatte sie es nicht geschafft.

Nachdem ich mit Unterstützung anderer Fahrgäste der Frau wieder auf die Beine geholfen hatte gab sie mir die Flasche zurück mit der Bemerkung, dass sie das nächste Bier wohl lieber ohne Strohhalm trinken werde.

Die Wirkung des Alkohols war durch den Strohhalm anscheinend so sehr verstärkt worden, dass die Frau einen Schwips bekommen hatte.

Aber es war ihr zum Glück nichts passiert und sie musste auch herzhaft lachen.

Unruhe im Schulbus

Die Schulkinder haben sich immer sehr gefreut wenn ich den Schulbus gefahren habe. Wir sind sehr gut miteinander zurechtgekommen, obwohl ich manchmal auch streng mit ihnen sein musste. Aber das war ich ohnehin nur aus Sicherheitsgründen, da wurde dann ab und zu ermahnt dass sie sich auf den Sitz setzen sollten und nicht im Gang rumspringen. Die Kinder haben das akzeptiert und mir nicht nachgetragen.

Durch unsere gute Stimmung im Schulbus kam es dann auch, dass die Kinder mir von der Schule erzählten und mich am Unterricht teilhaben ließen. Sie erzählten mir was sie gelernt hatten, zeigten mir ihre selbst gemalten Bilder oder ihre Noten und haben mir vorgesungen. Ich genoss auch eine Art Vertrauensstellung und wurde in Geheimnisse und Sorgen eingeweiht.

Eines Tages sollten die Kinder ihre Haustiere mitbringen in die Grundschule für den Unterricht. Sie waren alle ganz aufgeregt mit ihren Kartons unter dem Arm und schnatterten auf dem ganzen Weg zur Schule unentwegt über ihre Tiere. Morgens bei der Hinfahrt zur Schule war der Zeitplan allerdings zu eng, sodass sie mir ihre Haustiere nicht zeigen konnten. Dies holten wir dann mittags bei der Heimfahrt nach.

So wurden alle Gläser aus den Schultaschen gekramt und alle Schuhkartons geöffnet, weil ich jedes einzelne Tier begutachten sollte. Ich bekam viele verschiedene Tiere zu sehen: Ameisen, Fliegen, Frösche, Bienen, Würmer, usw.

Der zahmen Ratte “Schorschi” hatte es wohl gar nicht im Schuhkarton gefallen, denn sie nutzte sogleich den Moment, um sich aus dem Staub zu machen. Sie flitzte unter den Sitzen durch nach hinten im Bus. Da ging das Geschrei auch schon los.

Die Mädchen wollten mit der Ratte nicht in Berührung kommen und sprangen auf die Sitze. Dies machte die Suche unter den Sitzen ein bisschen übersichtlicher, denn nun blieben nur die Buben-Füße auf dem Boden.

Fleißig halfen die Buben mit und krochen unter den Sitzen durch, um “Schorschi” zu fangen.

Dass Ratten schlaue Tiere sind hätte ich in diesem Moment voll bestätigt. Denn kaum kam einer von uns der Ratte zu nahe, da änderte sie die Richtung und rannte wieder weg. Nur durch eine Einkreis-Taktik gelang es uns nach einiger Zeit, die Ratte zu erwischen.

Gemeinsam hatten wir es endlich geschafft und sperrten “Schorschi” wieder in seinen Schuhkarton. Nun konnte der Heimweg beginnen.

Was keiner der Schulkinder und auch ich nicht bemerkt hatte: die Aufregung um “Schorschi” hatte eines der Meerschweinchen ausgenutzt um aus seiner Kiste zu fliehen. Es hatte sich aber so gut im Bus versteckt dass es niemand von uns gesehen hat. Es befanden sich noch zwei weitere Meerschweinchen im Karton und dadurch ist es anscheinend dem Kind auch nicht aufgefallen, die Geräusche haben wohl gestimmt.

Nachdem alle Kinder an den verschiedenen Haltestellen ausgestiegen waren fuhr ich zurück zum Betriebshof und stellte den Bus in die Omnibushalle.

Kurze Zeit später rief eine Mutter im Büro an und gab die Vermisstenanzeige für das Meerschweinchen durch. Dieses hatte sich zum Glück noch nicht auf Entdeckungstour in die Omnibushalle begeben und konnte im Bus eingefangen werden. “Schwein” gehabt!

Aus der Vergangenheit

Die Geschichte mit den Tieren der Schulkinder erinnerte mich unweigerlich an meine eigene Schulzeit.

Als ich noch ein kleiner Bub war hatte ich auch an allem Interesse. So kam ich denn auch zu ein paar weißen Mäusen, denen ich immer ganz gebannt zuschaute was sie so in ihrer Kiste machten.

Natürlich wollte ich auch meinen Schulkameraden die Tierchen zeigen. Deshalb setzte ich sie eines Morgens in einen Vogelkäfig und lief damit zur Schule. Hier zeigte ich ganz stolz meinen Freunden die weißen Mäuse und erschreckte die Mädchen.

Als der Unterricht begann versteckte ich den Vogelkäfig, denn zu den früheren Zeiten waren die Lehrer noch nicht so aufgeschlossen wie in den achtziger Jahren. Es herrschte noch Strenge und Ordnung. Was ich damals noch nicht wusste: die Mäuse können sich ganz klein machen wenn sie irgendwo durchkriechen wollen.

Und obwohl mir der Vogelkäfig als sicherer Aufbewahrungsort erschienen war, waren nach dem Unterricht alle Mäuse weg. Sie hatten sich auf den Weg gemacht um ihre Umgebung zu erkunden.

Leider habe ich nicht mitbekommen, wen meine Mäuse damals alle erschreckt hatten, denn ich habe keine einzige davon wiedergefunden.

Vergangenheit und Gegenwart hatten vieles gemeinsam. Aber verraten habe ich den Schülern nie von meinen Streichen, ich wollte sie ja nicht noch auf neue Ideen bringen.

Schul-Uhr

Zu meiner Schulzeit gab es noch nicht so viel Autoverkehr und damit Geräusche um das Schulhaus. Die Schule lag zudem auf einer Anhöhe in unserem kleinen Ort, sodass wir in den Klassenzimmern die Kirchturm-Uhr hören konnten wenn sie schlug.

Deshalb merkten wir sehr schnell, dass in unserer Schule die Uhr nicht richtig funktionierte. Unsere Schul-Uhr ging nach! Dadurch wurden die Pausen später eingeläutet und der Unterrichts-Schluss auch. Aber da der Unterricht auch später begonnen hatte nach der Schul-Uhr glich sich die Zeit ja logischerweise wieder aus.

Es hätte eigentlich niemanden stören müssen! Aber ich war ein Lausbub, ich dachte damals ganz anders.

Aus einem mir heute nicht mehr nachvollziehbaren Grund nahm ich damals einen Wecker von zuhause mit in die Schule. Dieser Wecker war genau auf die Kirchturm-Uhr und das Radio eingestellt, ging also ganz genau. Ich stellte die Weck-Zeit ein auf die Zeit des Unterrichts-Endes.

Die letzte Stunde sollte uns eine Lehrerin unterrichten vor der wir Kinder keine Angst hatten. Da sollte der Wecker dann pünktlich klingeln. Aber es kam alles anders!

Denn vor Schulschluss hatten wir die letzte Unterrichts-Stunde bei unserem sehr strengen Schul-Rektor. Dieser kam als Vertretung für die kranke Lehrerin. Er machte es sich leicht und las uns aus der Bibel vor. Die Bibel interessierte uns Kinder überhaupt nicht. Aber wir durften nichts sagen und deshalb war es im Klassenzimmer mucksmäuschenstill. Als der Rektor beim Vorlesen eine kurze Pause einlegte, da tickte mein Wecker ganz laut (die alten Aufzieh-Wecker konnte man noch genau ticken hören).

(Foto: Micheal Mertes / PIXELIO)

Der Rektor ortete das Geräusch und ließ mich den Wecker unter der Bank hervorholen.

Natürlich durchschaute der Rektor gleich meinen Plan. Die ganze Klasse lachte darüber. Das hat ihm gar nicht gefallen und ich bekam drei Seiten Strafarbeit auf.

Naja, ich war nicht der bravste und habe auch nicht immer gefolgt. Ich ging mittags lieber spielen. Wahrscheinlich hatte ich beim Spielen doch tatsächlich vergessen, die Strafarbeit zu schreiben. Natürlich hatte ich sie am nächsten Tag in der Schule nicht dabei. Und auch an den Tagen darauf hatte ich sie nicht dabei.

Aber der Rektor forderte mich jeden Tag erneut auf, die Strafarbeit abzugeben. Und weil ich sie nicht geschrieben hatte verdoppelte der Rektor jeden Tag die Strafe.

Ich schrieb sie trotzdem nicht.