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In 10.000 Jahren beginnt diese Geschichte von Elias und seinen Freunden. In der Zukunft besteht die Gesellschaft zum einen Teil aus genetisch modifizierten Menschen und zum anderen Teil aus Androiden. Nachdem die Menschen, nach der fast völligen Zerstörung der Erde, andere Planeten besiedelt und die Erde rekonstruiert haben, leben sie nun endlich sehr gut mit der Natur im Einklang. Elias entdeckt mit seinen abenteuerlustiger Freunden eine verborgene Höhle im Wald. Als sie die Höhle betreten, werden sie jedoch unerwartet von der Außenwelt abgeschnitten. Ihre einzige Chance zu überleben besteht darin, alles aus ihrer Welt zurück zu lassen und eine geheimnisvolle Parallelwelt zu betreten. In dieser neuen Welt scheint die Natur noch völlig unberührt zu sein und die Jungen fühlen sich zunächst wie im Paradies. Aber schon bald stellen sie fest, dass hier auch tödliche Gefahren lauern. Eine außergewöhnliche Suche beginnt und Kämpfe gegen mörderische Kreaturen und die eigene Angst stellen die Gruppe auf eine harte Probe. Wird Elias den Schlüssel finden, den sie brauchen, um auf ihrer Suche in dieser schönen, neuen Welt fündig zu werden?
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Seitenzahl: 298
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für Dich!
Danksagung und ein kleines Vorwort
Prolog
Kapitel 1 - Frühlingserwachen
Kapitel 2 – Der Besuch
Kapitel 3 - Der Morgen
Kapitel 4 - Die Entdeckung
Kapitel 5 - Die Höhle
Kapitel 6 – Der Beginn der Suche
Kapitel 7 - Pig
Kapitel 8 – Der blaue Wald
Kapitel 9 – Fremde Fantasie
Kapitel 10 – Die geheime Waffe
Kapitel 11 – Agbo
Kapitel 12 – Der Turm der Spinnen
Kapitel 13 – Leonas
Kapitel 14 – Der See der Plagen
Kapitel 15 – Der Baum der Erkenntnis
Kapitel 16 – Der Sinn des Lebens
Kapitel 17 – Die Armee
Kapitel 18 - Die Schlacht
Kapitel 19 - Der Kristallpalast
Kapitel 20 – Die Rückkehr
Das größte Übel der heutigen Jugend besteht darin, dass man nicht mehr dazugehört. (Salvador Dali)
Ich danke all den Personen, die mich inspirieren, aber auch denen, die das nicht wirklich tun und die diese Geschichte vielleicht gar nicht mögen werden, weil auch sie mich auf die Idee gebracht haben, sie gerade so provokant zu schreiben!
Allen voran danke ich natürlich meinem ELP Jürgen, der niemals an mir zweifelt und definitiv zur ersten Gruppe gehört.
Dann wären da noch diejenigen, die mir beigebracht haben, wie man die Welt rettet:
Peter Pan, Michael Ende, S.R. Donaldson, Gon & Killua, J.K. Rowling, A. de Saint-Exupéry, J.C., Otto Lohmüller, Michael Jackson, Shigeru Miyamoto, Felix Finkbeiner, Michael Kiske, Billy Elliot und Mahatma Gandhi.
Mein Dank gilt den fiktiven und realen Individuen, die wissen, wo das Geheimnis der ewigen Jugend tatsächlich verborgen ist und ohne die ich vielleicht erst viel zu spät erkannt hätte, was beim Älterwerden auf dem Spiel steht:
Der Junge, ohne den mein Leben keinen Sinn hätte!
Es ist jener Teil von mir, der mir heute noch sagt, dass alles gut ist, selbst wenn es nicht so ist. Es ist der Teil, der mich alles Neue mit freudiger Erwartung untersuchen lässt. Es ist der Teil, der keinen Grund braucht um etwas zu tun. Es ist der Teil, der nur jetzt existiert und keinen Gedanken an das Später verliert. Es ist der Teil, der mich beim Spielen vergessen lässt, wer ich in Wirklichkeit bin und mich zugleich erkennen lässt, wer ich wirklich bin.
Möge der Mann in mir, dem Jungen immer die Freiheit lassen, sich an der ganzen Welt zu freuen, um sie im nächsten Moment zu verfluchen und ihn nur zurückhalten, wenn er in seinem kindlichen Leichtsinn ernsthafte Gefahr ignoriert.
...und mögen mir Mädchen und Jungen verzeihen, auf welche Art und Weise ich hier zeige, dass wir in unserem Alltag ständig Regeln befolgen, deren Sinn mir kein Mensch auf der Welt einleuchtend erklären kann. Und dass wir manchmal Geschmäcker und Vorlieben teilen, die uns von der Gesellschaft ins Bewusstsein gestanzt wurden, als wir noch zu jung waren, um uns zu wehren oder um unsere Entmündigung durch diese Manipulationen überhaupt zu erkennen.
Ach, wie selten wir doch aus lauter Bequemlichkeit unsere Großhirnrinde benutzen und wie oft wir doch lieber ein Sklave unseres Unterbewusstseins bleiben, eingesperrt, in einer Welt, an die wir glauben.
Dieses Buch ist ein Buch für echte Kinder und für diejenigen, die welche werden wollen. Ich habe es mit Blut geschrieben; mit meinem Herzblut!
And on the wings of a dream, so far beyond reality... (Dragonforce)
Vor exakt 8.571 Jahren war der letzte Mensch geboren worden. Genau 127 Jahre und zwölf Tage später starb er als greise, alte Frau.
Heute wurden Menschen und Androiden kreiert und hatten noch nicht einmal einen Bauchnabel. Geboren wurden nur noch Tiere in der Wildnis.
Menschen wurden von Firmen wie Genovation, Biopower oder Gen Technologies, in Laboren bis zur Blüte der Jugend herangezogen; jenem magischen Moment kurz vor der Pubertät. Dieser vernichtende Vorgang des hormonellen Chaos, der den körperlichen Verfall einleitete und die Gehirnstruktur irreversibel veränderte, wurde jedoch gänzlich verhindert und der körperliche Alterungsprozess gestoppt. Aus dem Begriff Erwachsene wurde Mündige, denn erwachsen war dank dieser Technik ja jeder. Die Mündigkeit erreichte man mit der Vollendung des zwanzigsten Lebensjahres.
Natürlich wurden Menschen genetisch modifiziert. Außerdem wurden ihnen Nanomaschinen injiziert, die unbemerkt viele gute Dienste in ihren Körpern verrichteten. Dadurch waren sie sehr viel belastbarer, stärker und gesünder als ihre Vorfahren. Es gab keine Erbkrankheiten mehr, keine Leberflecken, Warzen, Pickel oder Pigmentstörungen. Sie brauchten weniger Schlaf und weniger Nahrung. Verletzungen heilten sehr viel schneller. Eine einfache Fleischwunde verheilte in wenigen Minuten ohne eine Narbe zu hinterlassen; ein Knochenbruch in ein paar Stunden und Zähne wuchsen beliebig oft nach. Die Menschen hatten bis auf Augenbrauen, Wimpern und Kopfhaar keine Behaarung mehr. Es gab auch keine Fixierung mehr auf eine bestimmte Seite. Jeder konnte genau so gut mit links schreiben, werfen oder treten wie mit rechts.
Die Firmen hinterließen ihren Namen oder ihr Logo als sogenanntes Branding, je nach Wunsch der Eltern, an einer gut oder weniger gut sichtbaren Körperstelle des Kindes. Die meisten Menschen identifizierten sich mit ihrer Marke und wollten das Logo an einer gut erkennbaren Körperstelle haben.
Um solch einen circa 150 cm großen und 40 kg schweren Menschen zu erschaffen brauchten die Genetiker gerade einmal zwei Tage. Dann wurde das Kind der Obhut seiner Eltern übergeben und konnte sich geistig in jede mögliche Richtung entwickeln. Wenn ein Kind das Labor verließ, konnte es bereits laufen und verfügte auch sonst über die wichtigsten motorischen Fähigkeiten. Alles Andere musste es von den Eltern lernen. Es dauerte etwa drei Monate, bis ein Kind komplexe Sätze formulieren konnte. Mit einem Jahr kamen Kinder in die Schule und entwickelten sich dann sehr schnell weiter. Es gab 15 Schuljahre, die für alle Schüler fast gleich waren. Danach suchte sich der Schüler jede weitere Ausbildung aus rein intrinsischer Motivation selbst aus. Arbeiten, die niemand machen wollte, wurden von Robotern erledigt. So waren alle Menschen und Androiden optimal versorgt und konnten gleichzeitig ihrer tatsächlichen Berufung folgen.
Die Lebenserwartung eines genetisch modifizierten Menschen betrug circa 300 Jahre. In diesem Alter ließen die Funktionen der Organe eines nachts rapide nach und der Mensch starb schlafend innerhalb weniger Sekunden einen angenehmen, schmerzlosen Tod, während sein Körper noch immer aussah, wie der eines Zwölfjährigen.
Heutzutage verließen nur noch Jungen die Labore. Im Laufe der Zeit wurden Mädchen erst immer seltener und schließlich gar nicht mehr nachgefragt. Da Frauen Jahrhunderte lang in eine Rolle gepresst wurden, in der sie den Männern in jeder Beziehung unterlegen zu sein hatten und immer mehr zu reinen Sexobjekten degenerierten, wurden sie sehr schnell überflüssig, als es keinen Sex mehr gab. Frauen wollten in dieser Gesellschaft lieber Männer sein. Folglich wollten sie ihren Kindern ein Leben als Frau ersparen. Frauen und Mädchen fühlten sich in dieser Welt wie Menschen zweiter Klasse. So kam es, dass die natürliche und unnatürliche Überlegenheit der Männer, sie einfach hatte aussterben lassen. Die gute alte Eva ging zurück an den Absender und niemand sollte mehr unter schmerzen Kinder gebären.
Diese Entwicklung ging mit einer veränderten Auffassung der Sexualität einher. Da sexuelle Kontakte nicht mehr mit der Fortpflanzung in Verbindung standen, galten sie mehr und mehr als animalisch und primitiv. Schließlich wurde Sex sogar unter Strafe gestellt, was zur Folge hatte, dass viele Menschen psychische Schäden erlitten, wenn sie ihrem Trieb zum Opfer fielen. Diejenigen, deren Psyche davon unbeeindruckt blieb, wurden dann jedoch häufig Opfer eines guten Psychologen, der post fututio für einen angemessenen Schaden sorgte.
Der Sexualtrieb wurde später schließlich durch genetische Manipulation einfach unterdrückt. So wurden erogene Zonen regelrecht entschärft. Das Geschlecht selbst hatte man auf die Größe einer Rosenknospe verkleinert, sodass eine Fortpflanzung auf natürlichem Wege absolut nicht mehr möglich gewesen wäre. Die Menschen nannten ihr Geschlechtsteil Schatz, weil es ihr intimstes Körperteil war. Die Entstehung von Brustwarzen und Hoden hatte man vollständig unterdrückt. Es war einem Menschen nicht mehr möglich einen Orgasmus zu bekommen. Die Hypophyse schüttete das Oxytocin nur in kleineren Dosen, aber dafür über einen längeren Zeitraum hinweg aus. So wurde der menschliche Sexualtrieb ohne einen Höhepunkt zum ersten Mal wirklich beherrschbar.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Sex dann jedoch langsam zu einer Ausdrucksweise sehr großer Zuneigung und konnte natürlich nur noch auf das eigene Geschlecht fixiert sein, da es ja nur noch ein Geschlecht gab. Sexuelle Kontakte wurden selbst zwischen Jugendlichen wieder zur Normalität, sobald sie diese Gefühle entdeckten und galten in dieser neuen Form nicht mehr als animalisch. Sexuelle Gefühle wurden meistens eher durch Zuneigung, aber auch durch visuelle Reize ausgelöst. Sex war etwas, das man nur mit einer ganz besonderen Person teilte; ein Zeichen tief empfundener, aufrichtiger Liebe. Das hatte nichts mehr mit dem tierischen Verhalten der Menschen in der alten Zeit zu tun, als es oft nur um reine Lustbefriedigung ging. Die Zeit dieser triebgesteuerten Barbaren, die sich Sex manchmal sogar mit Gewalt nahmen und bestenfalls von Liebe sprachen, um Zivilisation zu heucheln, war lange vorbei.
Was auch immer früher einmal als weiblich bezeichnet wurde, war nicht mit den Frauen ausgestorben, es wurde nur nicht mehr als weiblich bezeichnet. Wenn zum Beispiel ein Mann gerne Kleider trug, dann trug er gerne Kleider. Es war kein größerer Unterschied, als ob jemand lieber Hemden, statt Pullover trug. Ebenso war es bei Verhaltensweisen, die früher eher den Frauen vorbehalten waren. Es war einfach nicht mehr nötig, sich selbst und das andere Geschlecht in irgendwelche Schubladen zu stopfen, damit man sich seines Geschlechts sicher sein konnte. Das gesamte Gruppendenken hatte sich sehr verändert und all die primitiven Diskussionen darüber, was typisch weiblich oder männlich sei, waren Geschichte.
Manche Leute bezeichneten die Menschheit in dieser Form als vollendet, andere sahen sie als dem Untergang geweiht an. Wie in allen Zeitaltern jedoch, bahnte sich das Leben stets seinen Weg.
Die Firmen Andromeda, Fire Kinetics und Neo Body waren die führenden Hersteller von Androiden. Sie kreierten einen Androiden in weniger als einer Stunde. Wenn er die Fabrik verließ konnte er von einem Menschen rein äußerlich nicht unterschieden werden. Auch er konnte nicht viel mehr als laufen. Eine Modeerscheinung hatte jedoch dazu geführt, dass derzeit viele Androiden mit grell bunten Haaren bestellt wurden. Es gab sogar einen „Rainbow-Look“. Androiden hatten mittlerweile, im Gegensatz zu ihren Vorgängern Wünsche und Gefühle und dachten über den Sinn des Lebens nach. Sie waren den Menschen in praktisch jeder Hinsicht gleich. Sie waren weder stärker, noch intelligenter. Sie brauchten jedoch zum Leben nur Luft, welche sie atmeten wie Menschen und Wasser, das sie tranken. Ein kleines Kraftwerk in ihrem Brustkorb erzeugte Energie indem eine hellgrüne, halb transparente Flüssigkeit, die wie Blut durch ihren Körper gepumpt wurde, mit Sauerstoff reagierte. Dieses hellgrüne Androidenblut konnte per Infusion aufgefüllt werden, falls sich ein Androide verletzt und eine größere Menge Blut verloren hatte. Ihr Skelett bestand aus Teradom, einer Metalllegierung, die leichter war als Titan, nicht oxidierte und zu einem der stabilsten Metalle überhaupt zählte. Das Metall war nur wenig elastisch und gar nicht plastisch verformbar. Die vier verschiedenen Metalle, die in Teradom zusammengefügt wurden stammten alle von verschiedenen Planeten.
Muskeln, Sehnen, Haare, Nägel und Haut waren synthetisch hergestellt und konnten, falls nötig ersetzt werden. Das Kraftwerk eines Androiden war so konstruiert, dass er etwa die gleiche Lebensspanne erreichte, wie ein Mensch; also ebenfalls etwa 300 Jahre. Wie Menschen, starben Androiden auch, wenn ihre CPU über mehrere Minuten von der Energiezufuhr abgeschnitten war. Ein kleiner Akku in ihrem Kopf war für diesen Puffer verantwortlich. Ohne Energie wurden alle Informationen gelöscht, was natürlich bedeutete, dass der Geist des Androiden aufhörte zu existieren.
Die Kombination von CPU und Datenspeicher, die das Androidengehirn ausmachte, nannte man Soulcore. Die ersten Androiden, die über ein Bewusstsein verfügten, hatten es sehr schwer von den Menschen akzeptiert zu werden. Sie sahen noch nicht wie Menschen aus und die Robotertechnik war so weit vorangeschritten, dass es nicht sofort möglich war den Unterschied zwischen Androiden und Robotern zu erkennen. Roboter waren aber nun einmal nichts anderes als Maschinen, die geschaffen worden waren um den Menschen zu dienen. Androiden hatten jedoch die selben Rechte wie Menschen. Aufgrund der mangelnden Akzeptanz in der Gesellschaft waren früher die meisten von ihnen auf den Planeten Platinos ausgewichen und entwickelten sich seitdem dort weiter. Sie hatten nicht das Bedürfnis, die Menschen in irgendeiner Art und Weise zu übertreffen, da sie wussten, dass das bestenfalls Neid hervorbringen würde. Sie wollten ihnen einfach nur gleichen. So kam es, dass man sie schließlich kaum noch unterscheiden konnte. Mittlerweile war die gegenseitige Akzeptanz von Menschen und Androiden gar kein Thema mehr. Langsam vermischten sie sich auf den meisten bewohnten Planeten und es gab sogar schon viele Familien, die aus Androiden und Menschen bestanden.
Die meisten Menschen und Androiden sahen die Existenz der Androiden als Beweis dafür an, das es so etwas wie eine Seele nicht geben konnte.
Als die ersten erfolgreichen Versuche, Menschen und Androiden von einen Ort an einen anderen zu teleportieren, sie jedoch in völlig willenlose Körper verwandelte, sah man die Existenz einer Seele wieder bestätigt. Gläubige waren sich nun sicher, dass Jahwe, der Schöpfer des Universums, auch Androiden, aus Respekt vor der Schöpfung seiner Schöpfung, eine Seele geschenkt haben musste.
Nun, wenn das stimmte, dann waren Androiden wie Menschen auf gewisse Weise unsterblich.
Es war, als hätt' der Himmel Die Erde still geküsst... (J. v. Eichendorff)
Vor zwei Tagen war Frühlingsanfang und obwohl die Sonne bereits aus einem wolkenlosen, hellblauen Himmel auf den Fuchswald lachte, war es noch ziemlich kühl an diesem Morgen. Ein Junge mit goldgelbem Wuschelkopf kletterte splitternackt aus seinem Bett und öffnete die angelehnte Terrassentüre ganz. Er trat hinaus in das Sonnenlicht, schloss die Augen und streckte sich ausgiebig. Als er den Kopf in den Nacken legte, fielen seine zerzausten Haare nach hinten und berührten seinen Rücken. An seiner linken Halsseite konnte man jetzt zwei gekreuzte, neonblaue DNA-Stränge erkennen. Das war das Logo von Genovation, dem führenden Kreateur von Menschen.
Elias war stolz auf seinen hochentwickelten Körper und genoss es, seine eigene Präsenz zu spüren. Eine leichte Brise streichelte sanft über seine makellose Haut und zauberte ein breites Lächeln auf sein markantes Gesicht. Elias hatte spitze Eckzähne, die etwas länger waren als die Schneidezähne. So wirkte er immer ein Bisschen wie ein Vampir, wenn er lachte. Als er seine Augen öffnete schienen sie das Blau des Himmels zu spiegeln. Elias war, wie jeden Sonntag, einmal wieder lange vor seinen Eltern aufgewacht und konnte es nicht erwarten, sein Baumhaus im nahegelegenen Wald zu besuchen. Seine Väter Florian und Kintaro, hatten es im letzten Sommer mit ihm zusammen gebaut und alle drei waren am Ende mächtig stolz aufeinander gewesen. Es befand sich direkt am Rand einer Lichtung, auf der die drei schon viel Zeit miteinander verbracht hatten; vorzugsweise mit einer Frisbee-Scheibe oder einem Volleyball.
Elias genoss dieses Gefühl der Freiheit noch einen Augenblick und trat hinaus in den Garten auf die Wiese. Das Gras fühlte sich toll an unter seinen Füßen und Elias konnte sich nicht vorstellen, jemals glücklicher zu sein. Er winkte den ersten Krokussen im Vorbeigehen zu und strich mit der Hand durch die dichte Hecke, die den Garten begrenzte. Nach einer Weile ging er schließlich wieder ins Haus und begab sich ins Bad um zu duschen. Der Hauscomputer interagierte mit Elias' Nanomaschinen und passte die Temperatur per Individualklimatisierung seinen Empfindungen an. Als Elias das bemerkte schaltete er die Klimaanlage aus. Er mochte diese Automatik nicht. Er wollte frieren, wenn es kalt war und schwitzen, wenn es warm war. Als Nächstes schaltete er die Dusche ein. Er liebte diese Dusche. Sie befand sich mitten im kreisrunden Bad und rundherum hatte man vier Meter Platz. Keine Wand, kein Vorhang; nur ein kleines Podest aus weißem Marmor ragte in Reichweite aus dem Boden. Darauf lagen Seife und Shampoo bereit. An den Wänden gab es zwei Waschbecken und zwei zusätzliche Duschköpfe an transparenten Schläuchen.
Nach einer siegreichen Wasserschlacht gegen imaginäre Aliens trocknete sich Elias wieder ab. Er zog eine kurze Jeans und ein kurzärmeliges, khakifarbenes Hemd an und begab sich in die Küche. Der Bildschirm am Kühlschrank zeigte ihm seinen aktuellen Nährstoffbedarf an und gab eine Empfehlung für die bestmögliche Mahlzeit, die sich aus den im Haushalt befindlichen Lebensmitteln herstellen ließ. Elias las etwas von einem Müsli mit Orangen- und Apfelstückchen. Das war ihm zu viel Arbeit. Stattdessen verschlang er eine Orange, einen Apfel, eine Banane und zwei Kiwis. Dann goss er einen halben Liter Milch hinterher und fühlte sich rundum wohl. Der Kühlschrank aktualisierte die Anzeige zu „Elias: 75 Gramm Haferflocken oder 82 Gramm Vollkornbrot und 7 Gramm Fett. Empfehlung: Scheibe Vollkornbrot mit Butter bestrichen“. Elias lachte und stopfte als Reiseproviant ein paar Tuben Synfood mit Apfelgeschmack, einige Schokoriegel und eine Flasche Freelite in seinen nagelneuen IQ-Rucksack, den niemand außer ihm selbst anfassen durfte. Dieser Rucksack war etwas besonderes. Elias hatte ihn zum stolzen Preis von 80 GE's selbst bezahlt. GE stand für Geld Einheit, die universelle Währung und wurde einfach wie der Buchstabe G ausgesprochen.
Elias schlüpfte in seine knöchelhohen Lederboots und düste los. Er rannte die 200 Meter an der Straße entlang bis zum Waldrand, dann ging es rechts über eine kleine Holzbrücke. Der Bach rauschte stark, weil es in der letzten Woche viel geregnet hatte. Dann ging es ein ganzes Stück weit den Berg hinauf und schließlich noch etwa einen Kilometer durch den Wald bis zu der Lichtung, an deren Rand das Baumhaus im Geäst einer uralten Eiche steckte. Endlich stand er vor der Strickleiter, die zu der Bodenluke führte, durch die man in das Baumhaus gelangte. Er spähte hinauf und freute sich, seit einer Woche endlich wieder hier zu sein. Die ganze Woche hatte er so viele Hausaufgaben aufbekommen, dass er kaum noch Zeit übrig hatte; und wenn Kintaro keine Hilfe bei der Hausarbeit brauchte, suchte Florian garantiert gerade einen Packesel, der ihm beim Einkauf im nahegelegenen eweR Markt half. Dieser Name sollte natürlich „Immer“ suggerieren, auch wenn er mit W statt mit V geschrieben wurde. Das Markenzeichen war, dass das R groß geschrieben wurde.
Na wenigstens, dachte Elias, habe ich es jedes Mal geschafft eine ordentliche Bezahlung herauszuschlagen. Elias' Bezahlung bestand in aller Regel aus einem Besuch im Eiscafé „Marslandung“.
Das Café sah von außen aus, wie der rote Planet, bevor er besiedelt wurde; eine riesige Wüstenkugel mitten in der Stadt. Eine originalgetreue Nachbildung von Opportunity, der ersten Marssonde, fuhr außen auf ihr herum und untersuchte die Oberfläche. Von innen war das Café designt, wie ein typisches Restaurant auf dem Mars. Alles sah edel und teuer aus, man fühlte sich wie ein König. Die Bedienungsroboter waren die schönsten, die Elias je gesehen hatte. Einmal, am „World Gamers Day“, waren sie alle kostümiert, wie Figuren aus Videospielen. Sogar Elias' Lieblingsheld Nürge, ein Junge aus einem Fantasy Rollenspiel, kümmerte sich in seinem magentafarbenen Gewand, um die Kundschaft. Auf dem Rücken trug er ein echtes Schwert, das golden schimmerte, wenn er es herauszog, um seinen Kunden eine Freude zu machen.
Zurück aus der Traumwelt kletterte Elias flink wie ein Wiesel die drei Meter lange Strickleiter nach oben und stieß die Luke auf. Es erforderte ein wenig Geschick durch die Luke ins Innere der kleinen Hütte zu klettern. Aber für einen Zwölfjährigen war das kein Problem. Außerdem war Elias, dank des ausgewählten Genanteils seines Vaters Florian, den er auch Paps nannte, sehr sportlich. Im Innern der Baumhütte fand er sich in einer kleinen Wüste wieder, die darauf zu warten schien, dass sie eines Tages von irgendjemandem wieder in Ordnung verwandelt würde. Elias setzte seinen Rucksack auf dem Schaukelstuhl in der Ecke rechts neben der Luke ab und warf eine schimmelige Apfelkitsche aus dem Ostfenster. Es gab insgesamt vier Fenster, die man mit hölzernen Fensterläden verschließen konnte.
Jeweils eins nach Osten und Westen und zwei nach Süden, zur Lichtung. Da auf der Nordseite der Baumstamm war und dort sowieso nie die Sonne schien, beschlossen die drei Erbauer der Hütte, dort kein Fenster auszusparen. In der Süd-Ost-Ecke standen ein alter Tisch und zwei Stühle aus Kiefernholz, in der Ecke schräg gegenüber stand eine große Eichenholzkiste auf dem Boden. An der Decke hing eine rostige und stark verrußte Öllampe und auf dem Boden lagen jede Menge Spielsachen und Dinge, die aussahen als könnte man sie irgendwann noch einmal gebrauchen. Elias beschloss, dass heute der Tag gekommen sein sollte, an dem er wieder Ordnung in dieses Chaos bringen würde. Aber erst einmal würde er draußen nach einem Stock suchen, den man als Schwert benutzen konnte. Sein letztes Schwert hatte sich nämlich, während einer Schlacht gegen Baumriesen, auf eine beachtliche Fläche des Waldes verteilt.
Gerade als Elias auf der Suche nach einem brauchbaren Stock, am Rand der Lichtung entlangschlenderte, hörte er die aufgeregte Stimme seines besten Freundes Silas.
„Elias, Elias, weißt du schon das Neuste? Ich darf in den Frühlingsferien bei euch bleiben!“, rief er. Seine kurzen, mittelblonden Haare standen in alle Richtungen ab. Er war scheinbar aus dem Bett gesprungen und hier her gerannt. Silas hatte ebenfalls blaue Augen, nur waren seine etwas heller als die von Elias. Auf seinem linken Jochbein hatte sich sein Kreateur in dunkelroten Buchstaben verewigt. Die Buchstaben GT standen für Gen Technologies.
„Wahnsinn!“, antwortete Elias. „Dann fliegen deine Eltern also alleine nach Berlin?“
Silas hatte einen alten, pädophoben Onkel in Berlin. Sein Vater Tomek bestand darauf, ihn wenigstens einmal im Jahr zu besuchen. Meist im Frühjahr, wenn der Berlin-Marathon stattfand, denn Tomek lief selbst gerne. Dieses Jahr hieß der Favorit Adrian „The Machine“. Manche Leute waren der Ansicht, dass dieser Newcomer sogar in der Lage sei, den 121 Jahre alten Weltrekord von 1:47:42 zu brechen. Ender, der Rekordhalter, lief selbst nicht mehr. Er studierte eine seltsame, kugelförmige Lebensform auf Trambonit, einem erdähnlichen Planeten im Krebsnebel.
Silas interessierte sich nicht so sehr für Marathonläufe und diesmal hatte er es tatsächlich geschafft, seine Eltern zu überreden bei Elias bleiben zu dürfen.
„Jawohl mein Freund, Gott sei Dank haben deine Eltern Ja gesagt!“, rief Silas und hopste herum wie ein Floh, bis er das Gleichgewicht verlor und ins Gras fiel. Er sah Elias mit seinen hellblauen Augen an und lächelte glücklich zu ihm auf. Elias hielt die Hand hoch und rief:
„Ist das steil! Check , Alter!“
Die beiden schlugen ein und Elias zog Silas wieder auf die Beine. Elias war der stärkere von beiden, auch wenn Silas drahtiger wirkte, weil seine Muskeln stärker hervortraten, wenn er sie anspannte. Seine schmalen Lippen ließen Silas noch härter wirken, wenn er lachte. Elias hatte die glattere Haut und wirkte, betont durch die längeren Haare, insgesamt weicher. Das täuschte jedoch, denn es war Silas noch nie gelungen, Elias in einem Zweikampf zu besiegen. Die beiden gingen in den gleichen Verein zum Kickboxing und hatten daher genügend Gelegenheiten sich zu messen.
Ihr zweites Vereinshobby war das Singen. Die beiden sangen bei Adam Voices, einem namenhaften Chor, der staatlich gefördert wurde, als Soprane. Hier war es Silas, der für seine glasklare Stimme mehr Aufmerksamkeit erntete und häufiger die Soli singen durfte.
„Mein Magen knurrt, hab' noch nicht gefrühstückt, weil ich es dir gleich erzählen musste. Hast du Proviant mitgenommen?“, wollte Silas wissen.
„Klar“, antwortete Elias und die beiden Jungs kletterten in das Baumhaus um sich eine Tube Synfood und einen Schokoriegel zu genehmigen. Synfood war eine synthetische Paste, die alles beinhaltete, was ein Mensch zu einer perfekt ausgewogenen Ernährung brauchte und war prima als Reiseproviant geeignet.
Bis zu den Frühlingsferien waren es zwei endlos lange Wochen, und jeden Tag viel den Jungs etwas Neues ein, das sie unbedingt in den Ferien unternehmen wollten. In der Schule tauschten sie sich aus und notierten ihre wichtigsten Pläne schließlich in ihren Universal Gates, um sie auf keinen Fall zu vergessen: Im Wald übernachten, eine Seifenkiste bauen, einen Film drehen und auf ihren Internetaccount hochladen und vor allem Elias' Eltern zu Tode erschrecken, weil sie letzten Sommer Silas und Elias furchtbare Angst eingejagt hatten, indem sie nachts als Zombies verkleidet in der Küche randalierten. Denn Rache war schließlich süß!
Endlich war der letzte Schultag gekommen. Es goss wie aus Eimern, aber der Wetterbericht versprach Besserung. Elias versuchte gerade sich vorzustellen, wie Tom, sein Englischlehrer, sich während seines Diktats bei seinem übertrieben demonstrierten „th“ auf die Zunge biss. Elias selbst konnte so gut Englisch, dass ihn der Unterricht meistens langweilte, denn seine Eltern hatten ihm von Anfang an Englisch, Japanisch und Deutsch beigebracht. Das waren die einzigen Sprachen, die auf der Erde noch gesprochen wurden. Alle anderen gab es nur noch in alten Aufzeichnungen zu hören.
„Kann ich mal auf die Toilette?“, fragte Vitus, der Klassenbeste.
„Oh, I'm sorry, but I don't speak German!“, antwortete Tom.
„Well, I asked you, if I can go to the toilet?“, sagte Vitus.
„No, I'm sorry. you can use the toilet in your pauses.“, erwiderte Tom.
„Na toll, verarschen kann ich mich alleine!“, maulte Vitus beleidigt.
„Was war das?“, wollte Tom wissen.
„Oh, I thought you don't speak German!“, antwortete Vitus und in der Klasse brach schallendes Gelächter aus.
„Treib es bloß nicht zu bunt mein Freund!“, mahnte Tom und setzte sein Diktat fort.
Genervt tippte Elias die diktierten Sätze in seinen Englischordner, während er hoffte, dass der Akku seines Rechners noch bis zum Schluss durchhalten würde. Er hatte zwar noch einen Reserveakku in der Hosentasche, welcher durch seine Körperwärme mittlerweile wieder aufgeladen war, hatte aber einfach keine Lust ihn zu tauschen.
„...and the insatiable greed of mankind caused finally there own doom. The only known force against sharing was war. Truly, war meant loosing for everyone, but they destroyed themselves for years anyway. After this final war mankind had to decide between reconstructing the earth, leaving the planet or waiting for there own death. Today we can see how they decided. I wish you happy school holidays, good bye!“, sagte Tom, eine Sekunde bevor der Gong den Unterricht beendete: „Ding dang dong dung!“
Eine Hundertschaft ausgelassener Jungen stürmte aus der Fuchswald-Schule, als würde sie brennen, hinaus in den Regen. Ferien! Es war so weit. Drei Wochen lang keine nervenden Lehrer sehen und hören.
Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Friedrich Schiller)
Am nächsten Tag war Silas bereits zum Frühstück bei Elias. Die beiden stopften sich mit Nougatcremebroten voll und tranken Milch dazu. Florian sagte ermahnend: „Ihr werdet noch fett und krank werden, wenn ihr nur Süßes esst.“ Die Jungs lachten und Silas blähte seine Backen auf, verdrehte die Augen und zitterte um zu demonstrieren, dass sich die Wirkung des abnormen Zuckerkonsums bei ihm schon zeigte. Elias spielte mit. Er hielt Silas fest und fühlte ob seine Stirn heiß war.
„Schnell, wir brauchen einen Biotechniker, seine Nanomaschinen versagen!“, rief er und fing an zu lachen. Auch Silas konnte jetzt nicht mehr ernst bleiben und hatte Mühe, nicht die Reste seines zerkauten Brotes über den Tisch zu spucken.
„Macht ihr nur eure Scherze. Ihr werdet schon sehen was passiert, wenn man nicht auf die Mündigen hört!“, sagte Florian, musste aber selbst über die beiden Spaßvögel lachen.
Als das Frühstück beendet war fragte Elias: „Spielen wir noch eine Runde Think Square?“
„Unbedingt!“, sagte Florian.
„Ja, Männer gegen Jungs!“, bestimmte Kintaro.
Elias holte die Kiste mit dem Spiel aus dem Wohnzimmerschrank und begann mit dem Aufbau der Spielflächen auf dem Couchtisch. Silas half natürlich mit. Florian und Kintaro räumten den Frühstückstisch ab und gesellten sich danach mit einer Flasche Freelite zu den Jungen auf die Couch.
Think Square war ein sprachgesteuertes Brettspiel mit vier quadratischen Spielflächen aus Glas, die zusammen ein großes Quadrat bildeten, aber treppenförmig angeordnet in der Luft schwebten. Der Magnetfeldgenerator ermöglichte dies ebenso, wie die berührungslose Steuerung der Figuren. Wenn man zu viert spielte, konnte jeder Spieler eine eigene Ebene für sich beanspruchen, auf der er das Spiel begann. In jede Spielfläche waren 100 gleichgroße Quadrate graviert, auf die die gläsernen Spielfiguren gestellt wurden. Die Quadrate schimmerten in verschiedene Farben. Es gab zehn verschiedene: Rot, Grün, Blau, Gelb, Orange, Violett, Braun, Rosa, Weiß und Schwarz. Jeder Spieler musste sich 20 Figuren aussuchen und sie auf seiner Ebene möglichst auf die vorteilhaftesten Farben stellen. Von diesen Figuren gab es zehn verschiedene Arten. Es gab Barbaren, Elfen, Magier, Hexer, Zwerge, Orks, Trolle, Roboter, Drachen und Cyborgs. Alle verfügten über unterschiedliche Fähigkeiten. Die Farben auf den Spielfeldern verstärkten jeweils bestimmte Fähigkeiten. So war es zum Beispiel von Vorteil, einen Barbaren auf ein braunes Feld zu stellen, denn Braun verstärkte körperliche Kraft. Ein rosa Feld verstärkte magische Fähigkeiten. Da der Barbar gar keine magischen Fähigkeiten besaß, wäre es natürlich unklug gewesen ihn auf einem rosa Feld zu platzieren. Auch hatte jede Rasse eine andere Schwäche. Die Trolle waren zum Beispiel sehr Anfällig für Magie. Die Elfen verfügten im Gegensatz zu den Trollen zwar über eine angeborene Magieresistenz, waren aber gegenüber Elektrizität, der Waffe der Cyborgs und Roboter, praktisch machtlos.
Man konnte die Figuren beliebig auswählen. Es war also möglich 20 Elfen zu nehmen; ganz nach Belieben des Spielers. Je mehr gleiche Figuren man jedoch besaß, desto schwieriger wurde es sie auf die entsprechenden Farben zu stellen, die ihre Fähigkeiten verstärkten. Die besten Chancen hatte man meistens mit einer ausgewogenen Mischung aus allen. Jeder Spieler wählte seine Figuren verdeckt aus, damit sich niemand im Vorfeld auf die Gegner einstellen konnte. Dann wurden die Figuren aufgestellt. Ziel des Spiels war es die anderen Spieler zu bezwingen. Man konnte im Team zwei gegen zwei spielen oder alle gegen alle.
Silas hatte sich eine Armee aus Orks, Barbaren und Trollen zusammengestellt, die er auf der zweiten Ebene platzierte um den Nahkampf zu suchen. Elias hatte Elfen, Magier, Hexen, Drachen und Cyborgs in seiner Armee, mit denen er Silas von der unteren Ebene aus unterstützte. Florian und Kintaro setzten beide auf eine gesunde Mischung aus allem. Florian beanspruchte jedoch die oberste Ebene für sich. Als alle Figuren aufgestellt waren ging es los. Die unterste Ebene durfte beginnen.
„Magier Ebene 1 auf 3/7, wirkt Kraftzauber auf Barbar Ebene 2 auf 10/4.“, war Elias' erster Befehl. Der Magier leuchtete kurz rosa auf, dann leuchtete der Barbar aus Silas' Armee braun. Das bedeutete, dass der Barbar jetzt über gesteigerte Kraft verfügte und seine Angriffe mehr Schaden anrichteten.
„Barbar Ebene 2 auf 10/4, bewegen auf Ebene 3 2/5.“, befahl Silas und nahm einen Schluck Freelite aus der Flasche. Die Spielfigur schwebte auf das entsprechende braune Feld auf Ebene 3.
Langsam aber sicher entwickelte sich das Spiel zu einer Schlacht. Nach einer Stunde waren Elias und Silas deutlich in der Überzahl. Nach einer weiteren Stunde stand ihrem Sieg nichts mehr im Weg, außer einem einsamen Troll auf Ebene 4. Elias sprach den letzten Befehl aus: „Hexer Ebene 4 auf 3/9, wirkt Todesfluch gegen Troll Ebene 4 auf 4/9!“
Der Troll schwebte rot blinkend vom Spielfeld. Alle Ebenen leuchteten jetzt hellblau und die übrigen Figuren grün auf. Die Männer waren bezwungen und lautes Jubelgeschrei schallte durch das Wohnzimmer. Elias und Silas vielen sich vor Freude in die Arme. Sie hatten schon lange kein Spiel mehr gegen Elias' Eltern gewonnen.
„Die Verlierer packen das Spiel weg!“, bestimmte Elias.
„Oha, das wüsste ich aber!“, konterte Kintaro. „Noch haben deine Eltern hier das Sagen. Und sie sagen: Die Gewinner packen das Spiel weg, und zwar bevor die Andromedagalaxie die Milchstraße erreicht!“
„Mann, das schluckt voll, du bist nur sauer, weil ihr verloren habt!“, rief Elias, fing aber trotzdem an das Spiel einzupacken. Silas half natürlich wieder mit. Kintaro überhörte den letzten Satz absichtlich und machte sich auf den Weg in die Küche. Elias machte eine schwungvolle Bewegung mit den Händen in Richtung Kintaro und rief: „Todesfluch!“
Kintaro drehte sich um, fuchtelte mit den Händen in der Luft und rief. „Geblockt, Kugelblitz!“
Elias spielte den Getroffenen und ließ sich auf den Boden fallen.
Kintaro war professioneller Tänzer und Schauspieler. Außerdem konnte er auch recht passabel singen. Momentan spielte er die Hauptrolle in einem international beliebten Musical mit dem Namen Carry Me. Elias tanzte ebenfalls gerne, aber er nahm keinen Unterricht. Er liebte es Tänze mit Elementen aus dem Kampfsport zu kombinieren.
Gegen Mittag klingelte es an der Tür und Kintaro öffnete. Draußen standen vier Personen, scheinbar eine Familie. Elias hatte diese Leute noch nie gesehen. Einer der beiden vorderen streckte seine Hand aus und sagte freundlich: „Guten Morgen Kin. Tut mir leid so unangekündigt zu stören, aber wir haben ein Problem. Kann ich mit dir und Flo sprechen?“ „Klar doch, kommt bitte rein.“, antwortete Kintaro und begrüßte alle der Reihe nach.
Elias staunte. Seine Eltern schienen diese seltsamen Leute zu kennen. Etwas war an ihnen sonderbar. Sie sahen so extrem glatt aus. Irgendwie sonderbar perfekt; fast wie Figuren aus einem Videospiel. Elias konnte zuerst nicht einmal genau erkennen wer die Söhne und wer die Väter waren. Da war der, der gesprochen hatte. Er hatte kurze schwarze Haare zu einem Scheitel frisiert, braune Augen und seine Haut war karamell. Der zweite hatte schulterlanges blondes Haar, blaue Augen und helle Haut. Diese beiden trugen weiße Anzüge aus irgendeinem synthetischen Material. Sie waren so perfekt geschnitten, dass sie sich wie eine zweite Haut um ihre Körper schmiegte. Dazu trugen sie weiße Schuhe, die sogar eine weiße Sohle hatten. Der dritte hatte strubbelige, dunkelgrüne Haare, die ihm über das rechte Auge hingen, eine braune Hautfarbe und leuchtende hellgrüne Augen. Er trug ein weißes Trägershirt, das rechts mit einem verchromten Brace Clip etwas hochgehalten wurde, sodass man den neongrün leuchtenden Andromedaschriftzug auf seiner Hüfte sehen konnte. Es handelt sich also um Androiden, erkannte Elias. Der vierte hatte fast die selbe Frisur in Blau, nur dass sein Pony sein linkes Auge verdeckte. Seine Augen waren so blau, wie seine Haare und auch er war braungebrannt. Die letzten beiden mussten die Söhne sein. Ihr Verhalten verriet sie schließlich. Die Bewegungen der Jungen waren unsicherer, verspielter und weicher. Außerdem sahen sie sich neugierig um.
Florian kam aus der Küche und rief: „Viko, alter Freund, wie schön dich zu sehen!“ Die beiden nahmen sich herzlich in die Arme. „Wie geht es euch?“, fragte Florian, wartete aber keine Antwort ab und sagte: „Kinder, das ist Viko mit seiner Familie. Ich habe mit Viko letzten Winter das Benny Landa Druckerei Museum auf Platinos aufgebaut, von dem ich euch erzählt habe. Das hier“, er wies auf den Mann mit den langen blonden Haaren, „ist Vikos Partner Elox, der Erfinder der Grünen Luci und das sind ihre Söhne Tekotay“, der Grünhaarige, „und Yaro.“, der Junge mit den blauen Haaren. Florian wandte sich der fremden Familie zu und erklärte: „Das hier ist Elias, unser Sohn“, Elias gab allen die Hand zur Begrüßung. „und das hier ist sein bester Freund Silas.“. Silas winkte schüchtern in die Runde.
Elias nahm seinen ganzen Mut zusammen und fragte „Entschuldigung, aber seid ihr wirklich Roboter?“
„Nein,“, antwortete Elox. „wir sind Androiden.“
„Ja, das meinte ich ja, Mensch-Roboter.“
„Da gibt es einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied. Roboter haben kein Bewusstsein, sie können nur rechnen und Befehle ausführen. Man kann Roboter beamen, ohne dass es ihnen schadet. Menschen und Androiden hingegen, verwandeln sich durch das Beamen in willenlose Zombies.“, erklärte Elox freundlich.
„Oh, das wusste ich nicht! Bei uns im Dorf gibt es keine Androiden. Ihr seid die ersten die ich sehe.“, sagte Elias, lachte verunsichert und starrte die Gäste weiter an. Bisher kannte er Androiden fast nur aus Filmen und von Bildern, da nur sehr wenige in Deutschland lebten. Er wusste natürlich aus dem Schulunterricht, dass Androiden ein Bewusstsein hatten, aber nicht, dass man sie so von Robotern unterschied. Darüber hatte er einfach noch nie nachgedacht.
„Das macht doch nichts. Du wirst merken, dass wir auch nicht viel anders sind als ihr.“, sagte Elox.
„Was ist eigentlich diese Grüne Luci?“, wollte Silas jetzt wissen.
„Die Grüne Luci
