Elternzeitreise 2 - Nadine Barte - E-Book

Elternzeitreise 2 E-Book

Nadine Barte

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Beschreibung

Eigene Kinder verändern den Blickwinkel auf das Leben grundlegend. Nadine und Robert wollen mehr vom Leben. Vage Träume in konkrete Taten umwandeln. Kurzerhand nehmen beide ein ganzes Jahr Elternzeit. Gemeinsam für längere Zeit verreisen. Sich treiben lassen. Ohne die alltäglichen Ablenkungen als Familie fest zusammenwachsen. Mit Lara, vier Jahre, und Noah, sechs Monate, wollen sie ihren Horizont erweitern. Costa Rica mit dem Geländewagen und USA mit dem Wohnmobil bieten genug Abwechslung für mindestens drei Monate. In zahlreichen Kurzgeschichten erzählen sie über ihre Reise. Amüsant, manchmal nachdenklich, aber immer kurzweilig bringen sie ihre Erlebnisse dem Leser näher. Die Autoren beschreiben das Reisen mit Kleinkind und Baby in all seinen Schattierungen. Persönliche Beobachtungen zu Babyprodukten, Sehenswürdigkeiten und Übernachtungen ergänzen die humorvolle Lektüre. Ergänzt wird es mit Empfehlungen zu Unterkünften. Dieses Buch soll Mut machen. Mut, seine Wünsche umzusetzen. Mut, auch mit Kindern zu reisen. Mut, eigene Erfahrungen zu sammeln.

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Seitenzahl: 258

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Erlebt von August bis Oktober 2017 Veröffentlicht im Februar 2018

Für Noah. Mögest du dieses Buch zur richtigen Zeit lesen.

Für Lara. Vielleicht kann diese Elternzeitreise minimal dazu beitragen, zu der Persönlichkeit zu reifen, die du werden

Inhaltsverzeichnis

Ausgewählte Etappenziele

Teil eins: Vor der Abreise

Ein Traum nimmt Formen an

Vorbereitungen

Wir haben (es) gepackt

„Wie bleiben wir in Kontakt?“

Es gibt kein Zurück mehr

Fotos: Erinnerungen strukturieren

Teil zwei: Florida, USA

Flug Frankfurt nach Orlando

Fröhliches Leihwagenwechseln

Man braucht doch Bargeld in den USA

Alltag in Kissimmee

Der viertgrößte Parkplatz der Welt

Reisen mit Kindern

Anekdote: Wie war das-Reisen ohne Kinder

Es sind diese kleinen Momente

Frühstück im IHOP

Teil drei: Costa Rica

Umpacken am Flughafencounter

Rotes Taxi

Babyartikel

„Mama, ist das da ein Drache?“

Gedanken zu Alajuela

Guápiles

Fahrt nach Tortuguero

Meeresschildkröten: Wunder der Eiablage

Tortuguero: Wir sind mehrere Jahre zu spät

Alltag bei der Familie Barte

Gedanken zum Leben

Besuch bei Alex

Irgendwann endet auch die Verlängerung

Der Bananengürtel

Laras vierter Geburtstag

Auto ganz, Zahnfüllungen locker

Noah aus Sicht von uns Eltern

Nun ist Noah an der Reihe

Zwischen Glück und Angst

Technik, die begeistert: Die Dusche

Wir haben uns getrennt

Schmetterlinge haben es gut

Die Nebelwälder von Monteverde

Durchatmen

Ein Fotobuch muss nach Montezuma

Der unqualifizierte Dosenbiertest

Anekdote: Wie war das-Reisen nur mit Lara

Umgebung mit Suchtfaktor

Laternenumzug am Unabhängigkeitstag

Fünfundfünfzig Tage unterwegs

Halsketten

Wie sitze ich richtig auf der Toilette?

E-Bike? Zwei Takt Motor-Bike!

Der Pazifik will mein iPhone haben

Whalewatching

Pizza, Pasta und viel Zuneigung in Uvita

Banken und Bargeld

Am dreißigsten September geht es weiter

Terminvereinbarung beim Arzt

San José

Wir haben ein Musikvideo gedreht

Kaminfeuer bei Rancho Amalia

Kaffeeplantage

Neunundvierzig Tage Costa Rica gehen zu Ende

Teil vier: Westerntrip, USA

Nachtschicht: Die Reiseroute ist ausgearbeitet

Wir fühlen uns als Hinterwäldler

Morro Bay

Eine Flasche Wein geschenkt

Der Highway 1 ist bei Big Sur gesperrt

Surf City USA

Zehn Wochen unterwegs

Whalewatching am Lighthouse

Falsches Hotel

Lara erstes Dim Sum

Warum ist die Golden Gate Bridge so berühmt?

Wohnmobil, Tag Eins

Lara: „Jetzt bin ich dran.“

Die kältesten Tage der gesamten Reise

Gewaltige Natur

Death Valley

Die letzten neun Tage brechen an

Valley of Fire

4750 Zimmer, 12000 Mitarbeiter, 4 Mal Barte

Route 66 oder die letzten Tage unserer Reise

Teil fünf: Nach der Reise

Packliste: Was war rückblickend unverzichtbar?

Packliste: Und was war unnötiger Ballast?

Navigation

„Wie war es?“

Teil sechs: Fotos

Vorwort

Januar 2018. Drei Monate sind seit unserer Ankunft hier in Deutschland mittlerweile vergangen. Drei Monate Alltag. Drei Monate intensives Schreiben an diesem Buch. Und doch ist die Reise geistig noch nicht verarbeitet. Neben dem Tisch, an dem wir schreiben, befinden sich immer noch zahlreiche Erinnerungen in kleinen Kartons verpackt. Noch ist gefühlt nicht der richtige Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen. Noch hat der Geist genug Erlebnisse, die es zu verarbeiten gilt. Es ist unglaublich, wieviel Input drei Monate Reise liefern. Unglaublich und wunderschön.

Diese zweite Elternzeitreise hat uns alle nachhaltig geprägt. In diesem Buch möchten wir unsere Erlebnisse teilen. Und Mut machen. Mut, sich Träume zu erfüllen. Dieses Buch ist an all diejenigen gerichtet, die sich begeistern lassen oder die selbst mit dem Gedanken spielen, mit Kleinkindern auf längere Reise zu gehen.

Ausgewählte Etappenziele

Florida, USA

Kissimee: Reihenhaus und Pool | Orlando: Arielle in Disney World | Miami Beach: Einfach gut

Costa Rica

Alajuela: Ankommen | Guápiles: Dschungel hautnah | Tortuguero Village: Schildkröten | Manzanillo: Strand, Dschungel, Backpacker | Sarapiquí: Laras Geburtstag | Boca Tapada: Kurz vor Nicaragua | La Fortuna: Vulkan und Wellness | Monteverde: Der perfekte Kaffee | Nicoya-Halbinsel: Schlechte Straßen und einzigartige Unterkunft | Samara: Genau richtig | Bei Uvita: Hacienda Barú Lodge, ein Ökoprojekt | Uvita: Buckelwale und Papageien | Rancho Amalia: Kaffee und Kaminofen | San José: Deutlich besser als gedacht

Kalifornien und Nevada, USA

Los Angeles: The human zoo | Santa Barbara: Für die oberen Zehntausend | Morro Bay: Ein Favorit | Santa Cruz: Wellen und Seehunde | Weinland Paso Robles: Weintasting | Pigeon Point Lighthouse: Whalewatching vom Ufer aus | San Francisco: Sauteuer, sauschön, saugut | Yosemite National Park: spektakulärer Pass | Highway 395: Spielwiese für Naturliebhaber | Death Valley: Weit, ruhig, extrem | Red Rock Canyon: Naturcamping vor Las Vegas | Valley of Fire State Park: Diese Farben! | Las Vegas: Luxus zum Abschluss

Teil eins: Vor der Abreise

Anfang Mai bis neunundzwanzigster Juli 2017

Ein Traum nimmt Formen an

Seitdem wir uns kennen, sind wir gerne auf Reisen. Auch Lara, unsere erste Tochter, hat daran nichts geändert. Mit ihr waren wir 2014 sieben Wochen mit dem Wohnmobil in Spanien und Marokko. Acht Monate war sie damals alt. Eine unbeschreibliche Zeit. Zu kurz, wie wir damals fanden.

Nadine und ich haben uns nie abgestimmt. Bereits während der zweiten Schwangerschaft war für uns beide klar, dass wir wieder eine gemeinsame Auszeit nehmen werden. Zu wertvoll ist uns die Zeit mit kleinen Kindern, als dass wir diese hätten verstreichen lassen.

Die Grundidee war somit schon früh im Kopf fest verankert. Letztendlich haben sich viele Ereignisse und Entscheidungen wie Zahnräder ineinander gefügt: Nadine nimmt ein Jahr Elternzeit ab Geburt von Noah im Januar 2017. Ich nehme ebenfalls ein Jahr Elternzeit ab dem siebten Lebensmonat. Also ab Juli 2017. Somit haben wir sechs Monate gemeinsame Familienzeit und die Kinder achtzehn Monate ein Vollzeit-Elternteil zu Hause.

Die Frage ist nur, wie wir die gemeinsamen sechs Monate nutzen wollen? Verreisen, das steht fest. Aber wohin? Darüber haben wir sicher ein halbes

Jahr diskutiert. Bis Ende April 2017 war das Reiseziel nicht sicher.

Was trauen wir uns mit zwei Kindern zu? Was können wir uns leisten? Wobei die letzte Frage wochenlang falsch im Raum stand. Ein guter Freund hat uns darauf aufmerksam gemacht und die Augen geöffnet. Es muss vielmehr heißen: Wieviel Geld ist uns die Reise wert? Ein himmelweiter Unterschied.

Unabhängig von Dauer und Geld hatten sich fünf Wunschziele herauskristallisiert. Alle hätten wir uns mit Kindern vorstellen können:

Thailand mit dem Auto und anschließend Neuseeland oder Australien mit dem Miet-Wohnmobil

Mit dem Miet-Wohnmobil quer durch die USA und Kanada

Costa Rica mit Jeep gefolgt von Kuba oder USA mit dem Miet-Wohnmobil

Ein gemütliches Wohnmobil kaufen und einmal durch Deutschland

Ein Offroad-Wohnmobil kaufen und durch Marokko und Mauretanien reisen

Wir haben die Ziele sachlich abgewogen. Vor- und Nachteile gegenübergestellt. Wochenlang. Hier unsere Gedanken:

Neuseeland ist rausgefallen weil wir im Frühjahr dort wären. Zu kühl. Außerdem wurde uns bei dem Gedanken an den langen Flug mulmig.

Marokko bekam Minuspunkte, weil wir schon oft dort waren. Das war uns zu wenig unbekanntes Neuland. Deutschland hätte den Charme, in Ruhe das eigene Land kennenzulernen. Eine Reise, die sicherlich auch die Einfachste für uns Eltern wäre. Aber irgendwie langweilig.

Costa Rica fanden wir vor Jahren schon spannend. Es stand auf unserer Reisewunschliste über Jahre ganz oben. Vom Klima würde es leider in die Regenzeit gehen. Auch kämen wir in die Hurrikansaison auf der Karibikseite.

Die USA haben wir gemeinsam noch nicht gesehen und sind sicher immer eine Reise wert.

Hier unser Rat: Bewertet die Argumente und streicht die sachlichen No-Go´s von der Wunschliste. Vergesst dann die Sachargumente bei der Entscheidungsfindung: Hört auf euer Bauchgefühl und entscheidet. Sonst werdet ihr nicht glücklich.

Eine Reise mit Fokus auf Costa Rica. Das hat uns unser Bauch unabhängig voneinander zugeflüstert. Den Rest würden wir drum herum planen. Vielleicht USA oder Hawaii. Das war zu diesem Zeitpunkt nicht so wichtig.

Der Knoten war damit geplatzt. Vier Monate hatten wir uns als maximale Reisedauer vorgenommen. Den ersten Monat der gemeinsamen Elternzeit im Juli wollten wir noch zu Hause verbringen und das schöne Wetter genießen. Die Abreise war für August geplant. Die Rückkehr war für Ende November oder Anfang Dezember anvisiert, um die schöne Advents- und Weihnachtszeit zu Hause mit Familie und Freunden zu verbringen.

Nun endlich konnte die eigentliche Planung beginnen. Drei Monate blieben uns dafür noch.

Vorbereitungen

Mai 2017. Im Internet wird einem angst und bange. Immer wieder steht auf einschlägigen Seiten geschrieben, wie aufwendig die Vorbereitung und Planung für eine Fernreise mit Kleinkindern ist. Wie schwierig alles sei. Wie zeitraubend. Was man alles unbedingt benötigt.

Wir haben einfach weggeklickt und sind mit einer großen Portion Gelassenheit an das Thema Vorbereitung herangegangen. Manchmal zu gelassen, wie Robert findet. Des Öfteren sitzt er mit Gedankenfalten auf der Stirn beim Abendessen und äußert sich skeptisch. „Wir müssen endlich mit den Planungen vorankommen.“ Nadine ist da lockerer. Komisch, normalerweise sind bei uns die Rollen genau anders herum verteilt.

Aber warum verrückt machen. Zum einen haben wir über die Jahre durchaus Reiseerfahrung in unterschiedlichsten Ländern sammeln können. Zum anderen gibt es auch in Mittelamerika und den USA Kinder. Und oh Wunder, die wachsen und gedeihen auch dort. Das sollte man sich immer vor Augen halten.

Nun aber Butter bei die Fische: Was haben wir im Vorfeld beachtet?

Thema Gesundheit:

Wir waren bei unserem Hausarzt zwecks Impfschutz und Empfehlung zu Arzneimitteln, die wir dabei haben sollten. Dieses Gespräch war eine Privatleistung, aber sehr hilfreich. In dem Gespräch haben wir Gegenden in Costa Rica definiert, die wir nicht bereisen sollten. Stichwort: Malaria und Consorten

Das gleiche Prozedere beim Kinderarzt.

Da wir länger als fünfundvierzig Tage unterwegs sein werden, haben wir über den ADAC eine Langzeitkrankenversicherung abgeschlossen.

Thema Bürokratie:

Nadine hat, bevor unser Reiseziel klar war, bereits einen internationalen Führerschein beantragt. Genaugenommen nicht einen, sondern zwei. Es gibt nämlich, je nach Land, zwei unterschiedliche Ausführungen. Nur zur Sicherheit. Robert hat keinen beantragt. Am Ende haben wir keinen gebraucht. Der deutsche, rosa Pappschein hat in beiden Ländern ausgereicht.

Wir haben für die Kinder richtige Reisepässe beantragt. Keine Kinderausweise. Damit hätte man mit dem ESTA in den USA ein Einreiseproblem gehabt.

Wir haben die Seite des Auswärtigen Amts bei der Auswahl des Reiselands als sehr hilfreich empfunden.

Thema Fixkostenreduzierung:

Wir haben alle Autos abgemeldet. Wichtig: Nummer des KFZ-Kennzeichens reservieren lassen, dann geht die Anmeldung danach zügiger. Im Zweifel Unterstellmöglichkeit suchen um Autos trocken abstellen zu können.

Ob man seine Wohnung untervermieten möchte, muss jeder selber wissen. Wir haben es nicht getan. Ist heutzutage aber recht einfach möglich.

Handyverträge kann man unterbrechen. Unterwegs nutzt man WLAN oder eine lokale SIM-Karte.

Kindergarten: Wir haben die Stundenzahl im Kindergarten stark reduziert, aber nicht ganz gekündigt: Wer weiß, ob man nach der Reise seinen Platz wiederbekommt.

Thema Sicherheit in der Wohnung:

Es gibt Licht, dass per WLAN über das Smartphone von überall gesteuert werden kann. Eine gute Lösung, um zu suggerieren, dass jemand zu Hause ist.

Jemanden beauftragen, der regelmäßig vorbeischaut. Und gerne auch mal zum Fernsehabend bleibt. Oder mal das Wasser laufen lässt. Auch ein Thema: Wer leert den Briefkasten. Wem vertraut man, alle Briefe öffnen zu dürfen?

Smartphone und sonstiges auf externer Festplatte sichern. PC sichern. Externe Festplatte bei Freunden lagern.

Thema Geld:

Man benötigt einen Ansprechpartner zu hausen, der alle Kontozugangsdaten besitzt. Wir haben dieser Person im Vorfeld auch „Puffergeld“ überwiesen. Briefvertrauter und Bankvertrauter sollten die gleiche Person sein. Die Geschäftswelt in Deutschland wartet nicht aufs Geld, bis man wieder zuhause ist.

Wir hatten zwei Kreditkarten von zwei Banken dabei. Wir haben das Überziehungslimit auf null Euro gesetzt und auf Direktabbuchen geändert. Wichtig: PIN ist essentiell, zwecks Bankomat. Mit den Kreditkarten haben wir Geld abgehoben. Ohne Kreditkarte geht sowieso NICHTS. Nicht in Costa Rica, schon gar nicht in den USA. Eine EC-Karte ist wertlos.

Wir hatten immer einen Notgroschen in Dollar dabei. Vor allem in Costa Rica regiert meist das Bargeld. Teilweise werfen die Bankomaten aber nur hundert Dollar pro Tag oder gar nichts aus. Richtig, US Dollar. Neben der nationalen Währung Colones ziehen viele Unternehmer bei größeren Beträgen US Dollar vor. Das war ein Rechenexempel, oft war die Leistung in Dollar günstiger. Mit Kreditkarten in den kleineren Unterkünften zu bezahlen war meist nicht möglich.

PayPal Account einrichten. Diese Zahlungsart war unser Plan B in Costa Rica. Es gab Tage, da hatten wir schlicht nicht genug Bargeld in der Tasche. Wenn der Ansprechpartner der Unterkunft aber nur Dollar annehmen wollte und unsere Kreditkarte nur mit Kopfschütteln bedachte, war PayPal durchaus ein Weg, ein Kopfnicken zu erhalten.

Thema Kinder:

Wir haben uns frühzeitig Gedanken gemacht, wo unsere Kinder schlafen werden. Denn: Ein gesunder Schlaf der Kinder bedeutet weniger Augenringe für die Eltern und somit gute Laune für alle. Uns war klar, dass es vor Ort zumeist keine Zustellbetten geben würde. Außerdem ist der Zimmerpreis oft günstiger, wenn man, falls doch vorhanden, kein Zustellbett einfordert. Unsere Lösung waren die Reisebetten von Deryan (

https://deryan.shop

). Darin haben die Kinder bereits zwei Wochen vor der Abreise geschlafen, um sich daran zu gewöhnen.

Thema Reiseplanung:

Wir wollten maximale Freiheit. Keine festen Buchungen, keine Einschränkungen.

Wir haben uns einen groben Reiseverlauf für Costa Rica über eine Agentur für wenig Geld ausarbeiten lassen. Nicht wegen der Unterkünfte oder Sehenswürdigkeiten. Sondern wegen des Wetters: Regenzeit! Hier haben wir die Hilfe eines Profis gebraucht. Die Regenzeit ist nicht im ganzen Land identisch, sondern verschiebt sich in den Regionen mehrmals in den Monaten August bis Oktober. USA haben wir nicht geplant. Wir haben im Vorfeld nicht mal einen Reiseführer gekauft.

Das war´s. Gepackt haben wir zwei Tage vor der Abreise. Ohne Packliste. Einfach mit gesundem Menschenverstand.

Vielleicht noch ein Tipp zum Schluss: Rucksäcke haben den Vorteil, dass man beim Tragen noch zwei Hände frei hat. Koffer sind schwierig, da sie sich schwer über nichtasphaltierte Wege schieben lassen.

Und der ultimative Rat zum Schluss: Leicht reisen. Wenig Gepäck. Kaum Wertsachen. Alte Klamotten. Im Zweifel vor Ort nachkaufen.

Wir haben (es) gepackt…

Wir haben Angst. Angst davor, dass am Flughafen nur noch Töne ähnlich eines überladenen Lastenesels unseren Mündern entweichen werden. Schwerbepackt werden wir dahintrotten. Wusstet ihr, dass auch Menschen eine maximale Zuladung haben? Übersteigt man die Belastungsgrenze, dann wird man zum Tier - zum Esel. Und ein Esel kann durchaus störrisch werden.

Der Grund übrigens, warum ein Esel unter Druck einfach stehen bleibt, ist ein evolutionäres Überbleibsel der Natur. Der Esel, wie wir ihn kennen, stammt vom afrikanischen Wildesel ab. Für diesen Wildesel war es in der steinigen Hügellandschaft einfach sicherer, bei Gefahr stehen zu bleiben und nicht zu flüchten. Dieses Verhalten wurde dem domestizierten Esel weitervererbt. Und das wirkt auf uns halt störrisch.

Zurück zum Berg an Sachen, die wir unbedingt mitnehmen wollen. Obwohl wir mehrfach aussortieren und alles kritisch hinterfragen, will der Berg nicht zu einem Hügel werden. Es bleibt ein Berg. Werden wir mal sachlich:

Ein großer Rucksack mit achtzig Liter Volumen für Roberts Schultern

Ein etwas kleinerer Rucksack für Nadines Schultern mit fünfundvierzig Litern

Ein Tages-/Flugrucksack für Roberts vordere Seite

Ein Tagesrucksack für Nadines Vorderseite

Ein Minirucksack für Laras Schultern

Maxi Cosi für Noah

Kindersitz für Lara

Kinderwagen für Noah

Bauchgurt für Noah

Erkennt ihr das Problem? Uns gehen trotz Rucksäcken auf den Schultern die Hände aus, die noch etwas tragen könnten. Oder die Kinder festhalten, auch nicht unwichtig an hochfrequentierten Standorten wie etwa Flughäfen. Ich höre es bereits: Das Hufgetrappel und das Eselgeschrei. Das Tier in uns ruft. Was ist aus unserem guten Vorsatz geworden: Wir wollten doch leicht reisen.

Nun ist es nicht so, dass wir viele Klamotten dabei haben. Nadine und Robert haben je nur einen kleinen Haufen mit circa fünf Kilo dabei. Unsere Kleidung passt je in einen kleinen Beutel. Im Verhältnis dazu, sind Noahs Windeln bereits voluminöser. „Es ist doch warm“, versichert Robert zu Nadine gewandt. „Und in der Dusche kann man Klamotten super waschen. Außerdem wird Sauberkeit generell überbewertet.“

Nadine bleibt skeptisch und ist nicht sicher, ob sie über Monate mit so wenigen Klamotten überleben kann. Die Argumente scheinen nicht zu überzeugen. Was soll´s. Denken wir an die Kinder.

Der Rest des Gepäcks besteht aus Milchpulver, Erste Hilfe und weiteren Dingen für die beiden Kids. Dazu noch zwei kleine Bettchen mit Mückenschutzgitter. Sehr praktische, strandmuschelartige Übernachtungsvarianten. Eine wirkliche Alternative zu den schweren Reisebetten, die man üblicherweise kennt. Sie wiegen je nur drei Kilo. Wir erhoffen uns davon ruhigere Nächte, da die beiden Kinder in ihrer gewohnten Umgebung schlafen. Dafür tragen wir gerne sechs Kilo extra.

Neunzig Windeln: So ein Pack reicht bei sechs Windeln am Tag: fünfzehn Tage. Nicht viel, wenn man wochenlang weitab von größeren Städten in Costa Rica verbringen will. Also müssen zwei Pack mit. Nicht schwer, aber viel Volumen. Klar, in Costa Rica gibt es Windeln und Babynahrung. Ob es flächendeckend eine gute Baby-Versorgung gibt, konnte uns keiner beantworten. Wir gehen auf Nummer sicher.

Was genau benötigen die Kinder an Klamotten? Nadine und Robert führen darüber keine Diskussionen. Streitgespräche sind der treffendere Ausdruck für

diese Art der emotional aufgeladenen Kommunikationsform. Wir einigen uns auf folgende Grundformel: Jeder von uns hat genug Klamotten dabei, um ohne Waschen zu müssen vier Tage durchzukommen. Bedeutet vier Oberteile für Robert oder halt sechs Bodys für Noah.

Am Ende werden es in der Summe fünfundvierzig Kilo Gesamtgewicht ohne Kinderwagen und -Sitze. Mit dem Volumen, nicht mit dem Gewicht, stoßen wir an die Kapazitätsgrenzen der Rucksäcke. Wir sind stolz: geht doch.

Springen wir zeitlich hin zur Abfahrt. Das Auto liegt tief, als wir zum Flughafen fahren. Unser Volvo V70 ist voll. Sogar der Beifahrer hat noch einen Rucksack auf dem Schoß. Lara muss ihre Füße auf einer Tasche ablegen. Aber alles ist an Bord.

„Wie bleiben wir in Kontakt?“

Diese Frage haben wir die letzten Wochen vor der Abreise immer öfter gehört. Wir haben uns dazu schlicht keine Gedanken gemacht. Emails und WhatsApp haben all die Jahre ausgereicht. Und für die Eltern und nahen Bekannten gibt es FaceTime. So unsere Gedanken. Das es weitere interessierte Menschen gibt, haben wir nicht bedacht.

„Schreibt doch einen Blog“, kam die Antwort zur oben gestellten Frage direkt hinterher. Robert recherchiert einen Abend lang zu diesem Thema. Da wir sowieso regelmäßig Tagebuch und Erlebnisse niederschreiben wollen, sollte ein Blog mit abgespecktem Anspruch zu schaffen sein. Über wordpress.com kaufen wir ein Jahres Abo zu neunundneunzig Euro. Es würde auch kostenfrei gehen. Dann allerdings mit eingebetteter Werbung und begrenzten Möglichkeiten. Das wollen wir nicht.

In fünf Minuten zum startklaren Blog wirbt die Website. Titel auswählen, eine Theme, also die optische Oberfläche, auswählen, personalisieren, fertig. Stimmt. Das ist theoretisch möglich. Bis man allerdings weiß, was man will, was möglich ist und wie man es umsetzt, vergehen zwei weitere Abende vor dem PC. Dafür ist das Ergebnis dann überaus sehenswert. Wir sind stolz.

Nach drei Monaten bloggen hier unsere wichtigste Erkenntnis: Unterschätzt den Zeitaufwand nicht. Für einen Blog in der Länge von einer DIN A4 Seite benötigt man eine knappe Stunde Schreibarbeit. Dann sollte es eine zweite Person zumindest überfliegen, bevor der Bericht in das nichts vergessene Universum des Internets gestellt wird. Schreibt man über Fakten, kommt weitere Recherche-Arbeit dazu. Fotos raussuchen dauert die nächste Viertelstunde. Um es kurz zu machen: Unter neunzig Minuten ist kein ausführlicher Blog online. So unsere Erfahrung. Was komplett fehlt, ist das verlinken mit anderen Seiten und Personen. Dieses Thema haben wir gänzlich ausgeklammert.

Erwähnten wir bereits, dass wir zwei Kleinkinder dabei haben? Bloggen ist somit eine Tätigkeit für die späten Abendstunden. Also in Randzeiten, an denen man nach dreizehn Stunden Wachsein noch so richtig kreativ und voller Elan ist. Oder auch nicht.

Das führt uns zur Erkenntnis Nummer zwei: Disziplin. Ein paar Tage nicht geschrieben und schon schiebt man einen Berg voller Erlebnisse vor sich her, den man nicht mehr abarbeiten kann. Und Teile alsbald vergisst. Darum: regelmäßig Fotos machen. Das hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge.

Nummer drei: Bloggen ist nicht Tagebuch schreiben. Anderer Schreibstil, andere Inhalte. Tagebuch schreibt man für sich, einen Blog für andere Personen. Sachlich über den Tag referieren ist nicht sehr spannend. Erlebnisse müssen her. Bloggen hat sicher auch etwas mit dem Austausch mit seinen Lesern zu tun. Wir haben keine Kommentare von Lesern beantwortet. Zeitlich keine Chance.

Nummer vier: Man benötigt flottes Internet. So ist das nun mal in unserer digitalen Welt. Ohne WLAN geht nichts. Wir haben alle Berichte auf dem Laptop in Word vorgeschrieben. Copy aus Word, Paste in die Blogvorlage, fertig. Wenn schon vorher klar war, dass wir tagelang kein Netz haben werden, haben wir den Bericht oder Fotos vorher hochgeladen und mit späterem Veröffentlichungsdatum versehen. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Es gibt kein Zurück mehr

Wir haben die erste nicht stornierbare Buchung vorgenommen. Nicht etwa ein Hotel oder einen Mietwagen. Nein, einen Flug - einen festgebuchten Flug. Festgebucht? Der zweieinhalb Stundenflug von Miami nach San José mit American Airlines sieht über Tage ausgebucht aus. Das Risiko stehenzubleiben ist uns zu hoch. Zumal der vierzig Kilometer östlich von San José gelegene Vulkan Irazú aktiv ist und es zeitweise zu Eruptionen mit Ascheregen kommt. Dann wird der Flughafen kurzerhand geschlossen. Ganz doof, für Standby-Fliegende. Standby? Robert arbeitet bei Lufthansa. Als Benefit kann man sehr günstig fliegen. Wenn ein Platz frei ist. Wenn nicht, bleibt man stehen. Das bedeutet Standby fliegen. In diesem Fall buchen wir also lieber einen Flug fest und gehen kein Risiko ein.

Der Mietwagen in Costa Rica ist ebenfalls eine nicht stornierbare Buchung, die wir vor Abflug vornehmen sollten. Wir buchen direkt und lokal über den Anbieter VAMOS. Nicht billiger als die gängigen Internetvermittler. Aber sehr transparent UND es gibt einen kompetenten Ansprechpartner, der auch erreichbar ist und mitdenkt. Nicht so einen neumodischen Chatbot.

Aufgrund der Auslastung planen wir nun Standby am Sonntag, den dreißigsten Juli von Frankfurt nach Orlando, Florida zu fliegen. Dort werden wir für fünf Tage bleiben und in einer tollen Airbnb Unterkunft unterkommen. Wir haben nämlich ein Reihenhäuschen mit Gemeinschaftspool reserviert. Am fünften August geht es die zweihundertfünfzig Meilen mit einem Mietwagen abends nach Miami South Beach. Wir haben auch dort eine Wohnung in der Nähe des Strandes via Airbnb gebucht.

Am neunten August geht es von Miami mit dem oben beschriebenen American Airlines Flug nach San José, Costa Rica weiter.

Nach zwei Tagen in Alajuela werden wir am elften August den Jeep in Richtung Tortuguero übernehmen.

Soweit der Plan. Mal sehen, was draus wird.

Fotos: Erinnerungen strukturieren

Jahrelang hatte Robert seine Spiegelreflexkamera (Nikon D300) bei jedem Ausflug als Standard mit dabei. Während längerer Urlaube oft noch drei weitere Kilo in Form von Blitz, Videokamera, Stativ und Wechselobjektiv. Der halbe Tagesrucksack war dadurch bereits voll. Die Freude an guten Fotos mit einer ordentlichen Kamera hat das Gewicht mehr als ausgeglichen.

Mit der Geburt von Lara wurde die Ausrüstung kleiner. Babyartikel haben Fotosachen zunehmend verdrängt. Die frei verfügbare Zeit wurde weniger.

Die Geburt von Noah hat dazu geführt, dass die Kamera immer öfter in der Ecke liegen blieb. Selbst bei Tagesausflügen war die Kamera einfach zu sperrig und schwer geworden. Vor diesem Hintergrund musste eine Alternative her. Denn nur mit dem iPhone Fotos zu machen, war uns dann doch zu wenig. Generell wollten wir aber unserem Grundsatz treu bleiben: mit möglichst wenig Gewicht und Wertsachen entspannt reisen.

Die Wahl fiel auf eine Panasonic Lumix LX-100.

Nein, sie macht keinen besonders großen Spaß beim Fotografieren. Aber sie ist robust und knipst ordentliche Fotos. Darüber hinaus hat man alle relevanten Bedienelemente im direkten Zugriff. Und sie ist immer griffbereit. Denn was nützt einem die beste Kamera gut verpackt auf dem Rücken wenn man im richtigen Moment keine Fotos damit machen kann. Außerdem kann Lara auch mal draufhalten. Mit ihren vier Jahren will sie bereits ihre eigenen Eindrücke festhalten.

Bleiben wir beim Thema. Über drei Dinge sollte man vor jeder Reise nachdenken. Erstens: Wie sichere ich regelmäßig, am besten täglich, meine Fotos zwecks Diebstahl oder Verlust? Zweitens: Wie weiß ich später, wo ich welches Fotos gemacht habe? Stichwort GPS. Und drittens: Wie binde ich Handy-Fotos mit ein, die in der Qualität auch nicht zu verachten sind und meist tolle Schnappschüsse sind?

Grundsätzlich gilt: Die Kamera an sich ist letztendlich austauschbar. Es sind die Fotos, die es zu schützen gilt, denn nur die Erinnerungen sind unbezahlbar.

Alle drei Punkte lassen sich mit dieser Kamera einfach umsetzen. Die Kamera hat nämlich WLAN. Darüber hinaus speichert die Kamera-App auf dem iPhone die Positionsdaten. Man verbindet also in einer ruhigen Minute die Kamera mit dem iPhone und lädt die GPS-Daten auf die Kamera in die Fotos. Dann schiebt man per WLAN alle Fotos auf das iPhone. Ohne Aufwand ist man in gefühlt zehn Klicks fertig. Das iPhone lädt dann beim nächsten kostenlosen Hotspot automatisch die Fotos in die iCloud hoch.

Wir haben jedes Foto als kleines jpg und als raw aufgenommen. Nur die jpgs und die Videos haben wir in die Cloud verarbeitet. Die raw-Dateien hätten wegen der Dateigröße bei der Übertragung zu lange gedauert. Die gesamte Speicherkarte mit den raw-Dateien haben wir zusätzlich alle paar Tage auf dem Laptop gesichert. Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit allen Fotos auf dem Handy kann man nun den Blog sehr einfach mit Bildern versorgen. Oder Fotos per Mail verschicken. Alle Fotos, ob vom iPhone oder von der Lumix sind chronologisch und nach Ortschaften sortiert. Durch die iCloud kann man Alben mit Benutzergruppen anlegen. Oder während der Reise mal eben ein paar Fotos auf dem iPad zeigen. Richtig, durch die iCloud hat man die Fotos auch auf dem iPad. Hört sich kompliziert an? Glaubt uns, ist es nicht. Wir sind beide keine Apple-Jünger oder Computerverrückte.

Belastet das GPS-Tracking auf dem iPhone den Akku? Nein, nicht wahrnehmbar. Was kosten fünfzig Gigabyte Speicherplatz in der iCloud? Neunundneunzig Cent im Monat. Also alles easy.

So haben wir das gemacht. Und sind mit dem Ergebnis zufrieden.

Teil zwei: Florida, USA

Neunundzwanzigster Juli bis achter August 2017

Flug Frankfurt nach Orlando

Mit Lara haben wir bereits einige Flugerfahrung sammeln können. Vier Stunden nach Marokko waren bis dato aber das Maximum. Sagen wir mal so: Erst beim Aussteigen am Zielflughafen haben sich unsere Gesichtszüge wieder entspannt und der Blutdruck normalisiert.

Bei diesem Flug wird der Schwierigkeitsgrad deutlich erhöht. Zehn Stunden Flug mit zwei Kindern. Das ist wie wenn man bei Tetris zwei Levels überspringt. Im Profilevel erkennt man plötzlich, dass man dem Tempo nicht gewachsen ist und eigentlich auch auf dem Level nichts zu suchen hat. Hektisch und unkoordiniert versucht man möglichst lange zu überleben. Wohl wissend, dass die Niederlage sehr bald kommt.

Wir haben Respekt vor dem Flug. Keine Angst, aber doch Respekt. Wobei, wie heißt es so schön:

You will never know, until you go.

So stehen wir gut vorbereitet am Gate. Wir hätten lieber einen Nachtflug gewählt. Dies war leider nicht möglich. Daher haben wir einiges an Bespaßung für die Kinder dabei: Spielzeug, Bücher, Stofftiere. Dazu kommt eine neuer Kinderkopfhörer mit Affenohren samt iPod voller Hörbücher. Lara kann es kaum erwarten loszufliegen. Noah schläft im Kinderwagen. Kleine Anekdote: Lara hat auf der Reise ihren Kopfhörer lieben gelernt. Bis Noah eines Tages kurzerhand das Kabel mit seinen zwei Zähnen durchgebissen hat. Einfach so. Nicht lustig. Nicht für Lara, und damit auch nicht für uns. Noah hat nur gegrinst. Der Kopfhörer ist defekt. Falsch, nicht defekt. Er ist Schrott.

Wir hoffen, dass wir mitkommen werden. Als Lufthanseat kann man recht günstig Business Class fliegen. Aber nur, wenn Plätze im Flieger frei sein. Das finale Ok mitsamt Sitzplatz erhält man ungefähr eine halbe Stunde vor Abflug direkt am Gate. Hört sich wie ein Lotteriespiel an, ist es aber nicht. Eine Prognose ist Tage vorher im Intranet einsehbar. Die letzten Jahre sind wir fast ausschließlich Stand-by geflogen und haben Erfahrung mit diesem Prozess. Eine gewisse Anspannung bleibt trotzdem. Ohne Kinder fanden wir diese Portion Ungewissheit immer ganz spannend. Mit Kindern erhöht es den eh schon vorhandenen Anspannungspegel unnötig.

Wir kommen mit. Durchatmen. Schuhe aus. Wir sitzen zusammen. Noah schläft. Lara schaut Bücher an. Alles gut. Ein Glas Sekt für uns. Das Abenteuer Elternzeitreise kann beginnen.

Wir haben Glück. Noah schläft viel. Lara hört ihre Hörbücher und schaut zum erstem Mal in ihrem Leben Fernsehen: Disney Channel. Die Flugbereiterin ist nett. Wir genießen unser Essen. Lara bekommt extra eine Bockwurst gebracht. Sie strahlt. Der Purser macht noch ein Erinnerungsfoto mit einer Sofortbildkamera. Am Ende sind wir aber doch glücklich, wieder am Boden zu sein. Es ist wie ein Drahtseilakt in schwindelerregender Höhe. Die umliegenden Passagiere beobachten genau, wie sich die Kinder verhalten. Jeder Schritt wird beobachtet. Kommt man heil am anderen Ende des Seils (sprich mit ruhigen Kindern) an, gibt es Beifall in Form von wohlwollenden Blicken. Die Passagiere und der Purser atmen erleichtert aus.

Man kann aber auch verlieren und vom sprichwörtlichen Seil fallen. Die Situation mit den Kindern kann sich ganz schnell ändern. Damit dies nicht passiert, muss mal als Eltern am Ball bleiben und kann den Flug nur sehr begrenzt genießen.

Fröhliches Leihwagenwechseln

„Hi, how are you? How was your flight? Thanks for choosing Hertz Car Rental at Orlando Airport.“ Freudestrahlend werden wir am Schalter der Auto-Vermietstation empfangen. Der junge Herr scheint gerade zum Nachtdienst gekommen zu sein. Seine Haare sitzen perfekt. Gebügeltes Hemd. Voller Elan und ausgeruht begrüßt er uns. Die Fragen sind bewusst und ehrlich gestellt. Wir schauen an uns herunter: Zerknittertes Hemd. Essensflecken von Noah im Schulterbereich. Kaffeeflecken von der eigenen Schusseligkeit an der Hose. Die Haare wirr.

Möchte er eine ehrliche Antwort hören? Nach zweieinhalb Stunden Wartezeit vor Abflug am Flughafen in Frankfurt, zehn Stunden Flug nach Orlando, dreißig Minuten Wartezeit an der Passkontrolle, eine Stunde Wartezeit beim Zoll, ellenlangen Laufwegen bis zum Ausgang. Wir sind froh, hier am Counter angekommen zu sein. Zwei Treppen (Aufzug defekt) und einen Skytrain mussten wir überwinden. Eigentlich nicht schlimm. Wir hatten alles Gepäck auf zwei Wägen. Dummerweise sind die Gepäckwägen im vollautomatischen Skytrain nicht erlaubt. Sehr doof. Und da war es wieder. Dieses Gefühl ein Lastenesel zu sein. Nadine schaute nach den Kindern und verkeilte die Wagon Tür, Robert schleppte die Sachen.

Wir sind, gelinde gesagt, etwas verknautscht und würden den Tag gerne bald beenden.

Wir entscheiden uns für eine liebenswürdige Kommunikation und strahlen zurück. „Perfect. It is so nice tobe in Orlando.“

Gott sei Dank sind in Orlando die Mietautos direkt am Flughafen und nicht meilenweit mit dem Shuttlebus entfernt. Nach einem kurzen Spaziergang stehen wir im Parkhaus. Es heiß und schwül. Wir dürfen uns ein Auto im Bereich A aussuchen. Hier stehen alle Autos der Buchungsklasse Fullsize car