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40 Meter stieg der Meeresspiegel während der größten Flutkatastrophe der Menschheitsgeschichte. Ein fehlgeschlagenes Wetterexperiment führte zu dem rasanten Abschmelzen der Polkappen und verwandelte die Küstenregionen der Erde in eine Unterwasserwelt. Die Überlebenden der Flut sind in den überschwemmten Weltmetropolen wie New York City, London und Berlin auf sich allein gestellt. Während in den betroffenen Ländern die Zivilisationsstrukturen allmählich in Anarchien verfallen, begeben sich zahlreiche Abenteurer auf der Suche nach Antworten und einer neuen Heimat auf eine gefährliche Reise. Wer steckt hinter der Wettermanipulation und war die Flut wirklich das Ende? Embervil ist ein postapokalyptischer Roman, der die Folgen einer weltweiten Klimakatastrophe auf die Weltbevölkerung und deren gesellschaftliche Strukturen aufzeigt.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Tag 52 in Berlin
Tag 65 in Berlin
Tag 66 in Berlin
Tag 67 in Berlin
Tag 73 in Berlin
Tag 1 auf der Nakat, 74 Tage nach der Katastrophe
Tag 2 auf der Nakat, 75 Tage nach der Katastrophe
Tag 4 auf der Nakat, 76 Tage nach der Katastrophe
Tag 5 auf der Nakat, 77 Tage nach der Katastrophe
Tag 6 auf der Nakat, 78 Tage nach der Katastrophe
Tag 7 auf der Nakat, 79 Tage nach der Katastrophe
Tag 2 in New York, 81 Tage nach der Katastrophe
Tag 5 in New York, 84 Tage nach der Katastrophe
Tag 7 in New York, 86 Tage nach der Katastrophe
Tag 9 in New York, 88 Tage nach der Katastrophe
Tag 10 in New York, 89 Tage nach der Katastrophe
Tag 11 in New York, 90 Tage nach der Katastrophe
Tag 12 in New York, 91 Tage nach der Katastrophe
Tag 13 in New York, 92 Tage nach der Katastrophe
Tag 1 in Washington, 93 Tage nach der Katastrophe
Tag ??, Unbekannter Ort, ?? Tage nach der Katastrophe
Tag 2 in der Villa, ?? Tage nach der Katastrophe
Tag 3 in der Villa, ?? Tage nach der Katastrophe
Tag 4 in der Villa, 97 Tage nach der Katastrophe
Tag 5 in der Villa, 98 Tage nach der Katastrophe
Tag 6 in der Villa, 99 Tage nach der Katastrophe
Tag 1 in der POLARIS, 100 Tage nach der Katastrophe
Tag 2 in der POLARIS, 101 Tage nach der Katastrophe
Tag 16 in der POLARIS, 115 Tage nach der Katastrophe
Tag 17 in der POLARIS, 116 Tage nach der Katastrophe
Tag 19 in der POLARIS, 118 Tage nach der Katastrophe
145 Tage nach der Katastrophe
233 Tage nach der Katastrophe
Epilog
Impressum
Embervil
Von Marcus R. Hoffmann
Das Wasser schwappt gegen den rissigen Beton unter meinen Füßen. Mit dem Splitter einer Fliese male ich einen weiteren Strich an die Wand. Ich habe sie heute gezählt. Dieser Strich ist Nummer 52.
52 Tage ist es nun her, das Ereignis, das die gesamte Welt in einen wahrhaftig blauen Planeten verwandelte. Mir kommt es so vor, als wäre bereits ein Jahr seit dem schweren Unglück vergangen. Das Wort Unglück fasst noch nicht einmal ansatzweise das Ausmaß der Katastrophe, die unseren geliebten Heimatplaneten in ein neues Gewand hüllte, in Worte, die den Geschehnissen Rechnung trügen. Dieses weltverändernde Naturschauspiel trägt einen Namen, der den verbliebenen Menschen dort draußen zwar ein unbekannter Begriff sein mag, mir hingegen umso vertrauter ist. Was sich vor knapp zwei Monaten ereignete, wird unter Expertenkreisen als HAARP-Angriff bezeichnet. Hinter diesem Akronym verbergen sich mehrere Radiostationen, die, verteilt auf der gesamten Erde, Unmengen von Energie in Form von Radiowellen an die Atmosphäre abgeben können. Bündelt man diese Energie, so kann man das Wetter verändern. Doch das Spiel mit den Naturgewalten ist auch gleichzeitig eines mit dem Feuer. Wenn man will, kann man es in der Wüste schneien oder einen Hurrikan über den tropischen Regenwald fegen lassen.
Die verhängnisvollen HAARP-Radiostationen waren stets in den Händen der jeweiligen Länder und deren Militärs. Bis zum 5. Mai 2016 – dem Tag, an dem das Desaster seinen Lauf nahm. Eine Gruppe von Hackern übernahm die Kontrolle über sämtliche HAARP-Stationen. Was in den folgenden Tagen passierte übertrifft jegliche Vorstellungskraft. Gebündelte Energiewellen ausgerichtet auf Nord- und Südpol ließen die Temperatur über Arktis und Antarktis erheblich ansteigen. Diese enorme Hitze verursachte das Abschmelzen der Polkappen innerhalb von nur wenigen Tagen.
Das Resultat kann ich erblicken, wenn ich aus dem Fenster sehe. Ich befinde mich gerade im 7. Stockwerk des Park Inn Hotels in Berlin. Stiege ich die zwei Stufen des Treppenhauses in den Gastronomiebereich hinunter, würde das Meerwasser an meinen Füßen kitzeln. Wenn ich durch die Wandaussparungen, die einst Fensterscheiben beherbergten, hinausschaue, sehe ich nichts als Wasser, aus dem an so mancher Stelle Inseln aus Beton und mancherorts der ein oder andere Hügel hinausragen.
Berlin hat also dasselbe Schicksal ereilt, wie New York, London und Tausende ihresgleichen. Vor genau 52 Tagen überrollten gigantische Flutwellen die Küsten dieser Welt und verschluckten teilweise ganze Länder. Der Meeresspiegel stieg binnen kürzester Zeit über 40 Meter. Wir in Berlin können im Gegensatz zu den Küstenstädten noch von Glück reden. Von der Flut wurden wir zwar nicht verschont, doch der Grad der Zerstörung ist nicht einmal ansatzweise mit anderen Orten vergleichbar. Die Kraft der Wassermassen war hier nicht mehr allzu stark, weshalb viele Hochhäuser der Flut standhalten konnten. Heutige Überlebende waren damals einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Was mich betrifft kann ich nur sagen, dass es fast einem Wunder gleicht, dass ich nun hier stehe. An jenem schwarzen Tag war ich vor Gericht vorgeladen, weshalb ich in der Bundeshauptstadt ein Hotelzimmer gebucht hatte. Aufgrund dieses erstaunlichen Zufalls führte mich mein Schicksal mit etwa 60 Überlebenden im Park Inn zusammen. Vom Rest Berlins habe ich keine Ahnung. Keiner von uns hat sich bisher von dem Hotel wegbewegt, das nun wie ein brüchiges Relikt alter Zeiten darauf wartet, eines Tages ebenfalls der Kraft der Wellen zum Opfer zu fallen. Die Furcht vor weiteren Anschlägen auf das Wetter ist längst verflogen. Es ist das Wasser selbst, das für uns die größte Gefahr darstellt.
Mit einem Stock fahre ich vorsichtig durch die matschbraune Suppe, die den Boden des Stockwerks etwa knietief überlagert. Es handelt sich dabei nicht um das Meer, so wie ich es aus früheren Sommerurlauben kenne. Auf der Wasseroberfläche treibt jede Menge Treibgut und Unrat durch die Stadt. Ich habe hier schon alles Erdenkliche vorbeischwimmen sehen. Meistens sind es Möbel, Plastiküberreste oder Äste. An den schauerlichen Anblick einer vorbeitreibenden Leiche musste ich mich bereits sehr früh gewöhnen. Die Oberfläche ist überzogen von einem öligen Schleim, in dem sich sämtlicher losgelöster Abfall und Schrott zu wandelnden Trümmerinseln zusammenfügt. Die Flutwellen wirbelten eine Menge Erde auf und transportierten all den Unrat tief in das Landesinnere. Der gesamte Schlamm setzte sich bereits nach wenigen Tagen ab. Die dunkelbraune Farbe des Wassers hat sich jedoch kaum verändert.
Ich erinnere mich noch genau an die Tage unmittelbar nach dem Unglück. Während bei den meisten Menschen hier im Park Inn die Panik ausbrach, standen wiederum einige hilfsbereit im vierten Stockwerk und halfen ertrinkenden Menschen aus dem Wasser. Bereits nach der dritten Welle nahm das Wasser einen bedrohlichen, dunklen Ton an. Ab diesem Zeitpunkt befand sich kein Lebender mehr in dieser verseuchten Pampe. Wer mit dem Wasser in Berührung kam, dem drohte ein fürchterlicher Hautausschlag, andere wurden krank. Das Meer ist nun zweifellos toxisch. Letztendlich ist das auch kein Wunder, wenn man nur mal darüber nachdenkt, wie viele chemischen Stoffe aus sämtlichen Fabriken und Kraftwerken mitgeschwemmt worden sein mussten. Doch nun hält uns das Wasser noch viel mehr in diesem Hotel gefangen, als wir zu Beginn vermutetet hatten. Und es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht Sorgen über die zur Neige gehenden Vorräte machen.
Auf dem Dach haben wir sämtliche Töpfe, Eimer und Krüge aufgestellt, die wir finden konnten. Das Regenwasser schmeckt zwar etwas sauer und verursacht hin und wieder Bauchschmerzen, doch mein Körper scheint sich mittlerweile daran zu gewöhnen. Das Essen war also unser größtes Problem. Aus den Restaurants und Lagerräumen retteten wir sämtliche auffindbare Nahrungsmittel und verwahren diese nun in einem der oberen Stockwerke. So war das Essen vor weiteren Wellen sicher.
Seit einigen Tagen ist allmählich Ruhe eingekehrt. Das wilde Meerwasser hat sich nach einem nicht enden wollenden Kampf gegen die Menschen und das, was von unseren Zivilisationen noch übergeblieben ist, nun endlich besänftigt. In dem Konflikt gegen die Naturgewalten geht die Menschheit eindeutig als Verlierer hervor. Bisher existieren lediglich grobe Schätzungen von dem Tribut, den diese weltweite Katastrophe forderte, doch die Zahlen müssen von unbegreiflichem Ausmaß sein. Heute treffen nur noch kleine Wellen im rhythmischen Takt auf die Fassade des Hochhauses. Nun ist es diese unangenehme Stille, die mir zu schaffen macht.
Allmählich habe ich die Hoffnung auf Hilfe aufgegeben. Wir warten nun schon seit über zwei Monaten auf unsere Rettung. Wir, die verbliebenen Einwohner einer einstigen Millionenstadt, wollen endlich wieder Erdboden unter unseren Füßen spüren, ein üppiges Abendessen genießen und nicht mehr diesen metallischen Geschmack im Mund haben, wenn wir einen Schluck Wasser trinken. Jeder von uns wünscht sich nichts inständiger, als endlich wieder zu normalen Umständen zurückzukehren. Doch wird es jemals wieder einen konventionellen Alltag geben? Dies ist jetzt unsere neue Welt, mit der wir uns abfinden müssen, unser neuer Alltag, unser neues Lebensumfeld. Durch die Flut haben sich nicht nur Küstengrenzen verschoben. Mit den Menschen, ihren Häusern und der über Jahrhunderte entwickelten Infrastruktur versank auch ein großes Stück Lebensraum, das in diesem hochentwickelten und globalisierten Netz aus Produktions- und Transportketten zur lebensnotwenigen Aufrechterhaltung dieser verlorengegangenen Zivilisationen beitrug. Energie-, Wasser- und Lebensmittelversorgung, ein länderumgreifendes Gewebe der Lebenshaltung, was im Wettbewerb der Standorte und im Zuge demografischer Veränderungen bis ins kleinste Detail ausgereift wurde, erlitt einen Schaden von derartigem Ausmaß, dass ein Wiederaufbau Dekaden überdauern würde. Dieses Streben zurück in die Normalität zu kehren wirkt dadurch so lächerlich utopisch, dass ich beschloss, es sei den Gedanken nicht wert. Außerdem müssen wir Überlebenden in Berlin uns angesichts unserer durchaus misslichen Lage eher die Frage stellen, ob wir rechtzeitig gerettet werden, um diesen Tag noch mitzuerleben.
Das Leben im Park Inn gestaltet sich ziemlich eintönig. Jeder lebt hier mehr oder weniger für den Moment. Was morgen kommt, weiß keiner. Ich habe in den letzten Wochen sehr viel über die anderen Überlebenden erfahren. Es ist sogar ein Arzt unter uns. Eigentlich haben wir gute Voraussetzungen, um uns noch ein paar weitere Tage durchzuschlagen. Doch was bringen uns schon ein paar Tage, wenn hier jeder früher oder später das Zeitliche segnen wird?
Wir sind nicht die Einzigen, die sich in dieser aussichtslosen Situation befinden. Nachts sieht man hin und wieder verzweifelte Seelen, die mit dem Schein von Taschenlampen in Morsecode um Hilfe bitten. Vor drei Wochen sah ich sogar eine grellrote Leuchtrakete im Nachthimmel. Manchmal hört man von Gebäuden aus der Umgebung Menschen nach Hilfe rufen. Doch die Lebenszeichen der „anderen“ werden mit jedem verstrichenen Tag weniger. Abgesehen davon ist es hier unheimlich still. Das Zwitschern der Vögel ist längst verstummt. Früher habe ich ihn immer gehasst – den Lärm von hupenden Autos im Stadtverkehr – doch was würde ich jetzt nur dafür geben, dieses Geräusch noch einmal zu hören? Es ist schon seltsam, wie sehr sich Berlin in eine Geisterstadt verwandelt hat. Werden wir auch eines Tages zu den zurückgelassenen Seelen gehören, die des Nachts mit dem Wind durch die verlassenen Betonskelette der Stadt spuken?
In diesem Moment sitze ich auf dem Teppichboden meiner Luxus-Suite, weit oben, in den höchsten Stockwerken des einstigen Wahrzeichens am Alexanderplatz. Ich habe ein Zimmer ganz für mich allein. Eigentlich sollte ich mich glücklich schätzen, über solch einen noblen Wohnort zu verfügen. Nun ist der Wert dieses Hotels sogar noch gestiegen. Jedes der Zimmer hat Meerblick und das trotz der zentralen Lage in einer Großstadt wie Berlin. Die Einrichtung ist modern und edel, doch ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen. Ich vermisse mein Apartment im Londoner Westen. Aufgrund seiner Hanglage unmittelbar am Richmond Park hatte man von dort einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Mit etwas Glück ist es nicht den Wassermassen zum Opfer gefallen. Doch wenn ich ehrlich bin, gibt es dort nichts Wertvolles mehr, wofür es sich lohnt, noch einmal an diesen Ort zurückzukehren.
Der Ausblick von meiner neuen Wohnung ist auch nicht gerade schlecht. Nur wenige Meter entfernt steht dort nach wie vor das beeindruckende Bauwerk des Fernsehturms. Er blieb weitestgehend unversehrt und markiert damals wie heute das Zentrum der Stadt. Weit dahinter ragen ein paar Bäume aus dem Wasser. Der Teufelsberg hat sich allem Anschein nach in eine kleine grüne Insel verwandelt. Ob sich dort vielleicht in diesem Moment auch Menschen aufhalten? Meine Hoffnung auf Überlebende ist nicht sonderlich groß, denn die Auswahl an Essen ist dort sicherlich nicht allzu üppig – quasi gleich null. Zwischen dem Fernsehturm und der Insel durchbrechen vereinzelt Kirchtürme und Hochhäuser die Wasseroberfläche.
Ich muss blinzeln, als ich in diese Richtung blicke. Die untergehende Sonne lässt das Wasser so sehr glitzern, dass man fast vermuten könnte, es sei sauber. Die Aussicht gleicht dem Panorama einer Postkarte – nur, dass 95 Prozent von Berlin darauf schlichtweg fehlen.
Die Leute im Hotel beginnen allmählich durchzudrehen. Manchmal fühle ich mich wie der einzige normal denkende Mensch auf der Welt. Doch selbst mir huscht ab und zu der ein oder andere merkwürdige Gedanke durch den Kopf. Der abwegigste davon war wohl meine Hoffnung, dass dort draußen irgendjemand ist, der nach uns sucht.
Ein alter Mann meinte heute beim Frühstück zu mir, dass niemand mehr kommen würde, um uns zu retten. „Sie haben die Stadt bereits aufgegeben. Es schweben Millionen von Menschen in Lebensgefahr. Also warum sollten sie ausgerechnet in einer Stadt nach Überlebenden suchen, die gar nicht mehr existiert?“ Das waren seine Worte. Ein aufmunternder Spruch wäre mir nach dem Aufstehen ehrlich gesagt lieber gewesen. Doch in dieser Situation fällt auch mir jeglicher Optimismus schwer. Freunde, die in solchen Zeiten mit aufmunternden Sprüchen versuchen würden, einander voranzutreiben, um nicht die Hoffnung aufzugeben, sucht man hier vergeblich. Nicht, dass die anderen im Park Inn ihre Zuversicht auf die ersehnte Erlösung aufgegeben hätten. Im Gegenteil, vielen von ihnen fehlt es sogar an rationalem Denkvermögen, um diese Ausnahmesituation einschätzen zu können. Das Thema unserer unsicheren Zukunft wird zwar nur selten angesprochen, doch die Hoffnung der Leute ist spürbar, wie ein unsichtbarer Begleiter, der jeden Tag an Kraft verliert, bis er eines Tages gänzlich verschwinden wird. Einige von ihnen sitzen stundenlang vor dem Fenster und schauen hinaus aufs Meer, auf der Suche nach einem Helikopter oder einem Boot, das uns hier rausholen würde.
Umso mehr begeistert mich der Arbeitseinsatz dreier Männer, die, anstatt Löcher in die Luft zu starren, vor einer Weile beschlossen, ihre Rettung selbst in die Hand zu nehmen. Unermüdlich sind die schlaksigen Knaben damit beschäftigt, nach brauchbarem Treibgut Ausschau zu halten, um dies mit einer angelartigen Vorrichtung aus zwei Metallstangen und einem dazwischen gespannten Netz einzufangen. Vorgestern begannen sie sogar damit, das Holz aus Fußböden und Wänden zu reißen. Ihr Vorhaben, aus den gesammelten Materialien ein Floß zu bauen, ist zwar kein schlechter Einfall, stellt sich jedoch angesichts des Mangels an Werkzeug, Nägeln und Seilen als äußerst kompliziert heraus. Vorhin habe ich einen Blick auf das Konstrukt geworfen. Es ähnelt einem Haufen Sperrmüll, zusammengehalten von ein paar Bettlaken und verknoteten Plastiktüten. Nicht gerade ein vertrauenserweckendes Fortbewegungsmittel, mit dem man eine toxische Suppe überqueren möchte. Außerdem war mir sofort klar, dass die drei jungen Kerle dieses Floß nicht für jeden von uns bauen. Wir hätten niemals alle zusammen darauf Platz. Abgesehen davon würde ich lieber hier verhungern, als mich mit diesem Sperrholzhaufen und ein paar provisorischen Paddeln, bei denen es sich um nichts weiter als mit Eisenstangen versehene Satellitenschüsseln handelt, auf die Reise zum Festland zu begeben.
Wenn ich richtig gerechnet habe, dann ist heute mein Geburtstag. Leider gibt es heute keine Torte für mich. Um genau zu sein, habe ich an diesem Tag nichts anderes gegessen als ein Stück einer aufgetauten Tiefkühlpizza, die wir uns zu acht teilten. Gestern begannen wir damit, die Rationen zu kürzen. Die Vorräte aus den Kühlschränken und Lagerräumen des Restaurantbereiches sind nun aufgebraucht. Was bleibt, ist das tiefgefrorene Essen und ein kleiner Rest Champagner. Der Spruch des alten Mannes, den ich gestern beim Frühstück kennengelernt hatte, brachte mich heute zum Schmunzeln: In seinem ganzen Leben habe er noch nie einen Schluck Champagner getrunken. Doch nun, nachdem die Welt in einer Katastrophe versunken ist, habe er mehr davon, als er je bezahlen könnte.
In den letzten Wochen regnete es so viel, dass wir mit dem gesammelten Regenwasser bereits zwei Badewannen füllen konnten. Die graue Farbe des Wassers ist dort zwar noch deutlicher zu erkennen als in einem Trinkglas, doch das kann keinen von uns abschrecken. Das Brennen im Hals wird erstaunlicherweise immer unmerklicher, je mehr man davon trinkt.
Ich verbringe den heutigen Tag allein, so wie die meisten vergangenen Wochen und trete ausschließlich während den zwei Mahlzeiten mit den anderen Bewohnern des Hotels in Kontakt. Es haben sich kleine Gruppen von Leuten gebildet, doch ich habe mich bewusst gegen ausgiebige soziale Kontakte entschieden. Warum? Nun, ich war schon immer ein Einzelgänger. Und in kritischen Zeiten wie dieser ist es stets die beste Entscheidung, objektiv zu handeln und sich aus jeglichen Gruppenbewegungen rauszuhalten. Man möchte meinen, das unvermeidliche Resultat dieser kleinen sozialen Kreise liege auf der Hand und dennoch hinterfragt keiner die vorhersehbaren Verhaltensmuster. Es beginnt damit, dass im kleinen Kreis gegen andere gehetzt wird. Es gibt Gruppen, die es für nötig ersehen, einen Anführer zu ernennen. Dann gibt es wiederum Gegner dieser plötzlichen Machtübernahme, die sich ebenfalls in Scharen von Gleichgesinnten sammeln. Die Spannung zwischen den Bewohnern des Park Inn steigt spürbar weiter und die Lage ist kurz davor zu eskalieren. Die bittere Einsicht, dass wir schon bald ein weiteres Mal die Rationen verringern müssen, entfacht in einigen das innere Feuer des Zorns. Es wird der Tag kommen, an dem sich die Leute hier gegenseitig die Köpfe einschlagen. Und wenn es so weit kommt, werde ich in meinem Zimmer abwarten, bis der Sturm vorüber ist. Je aussichtsloser die Situation, desto weniger Empathie empfinden die Leute für einander. Ab einem gewissen Punkt ist ein Menschenleben nichts mehr wert und Begriffe, wie „Freund“ oder „Verbündeter“ werden bedeutungslos.
Tag 68 in Berlin
Es ist noch früh am Morgen, doch heute sind sämtliche Hotelgäste einschließlich mir früh auf. Es ist ein ganz besonderer Tag, vielleicht sogar der wichtigste, seitdem uns das Schicksal vor knapp zehn Wochen zusammenführte.
Vorsichtig legen die drei jungen Männer ihr fertiggestelltes Floß auf die Wasseroberfläche im Stockwerk Nummer 7. Beunruhigt und gleichzeitig hoffnungsvoll verfolgen etwa 60 Augenpaare, wie die selbsternannte Rettungsmannschaft des kaum schwimmenden Haufens Sperrmüll den wertvollen Proviant in ihre Rucksäcke packt. Kaum genug Essen für zwei Tage und eine große Wasserflasche pro Person – mehr wurde ihnen von unseren höchsten Entscheidungsträgern nicht zugesagt. Die eher mickrige Versorgung mit Lebensmitteln sehe ich als eher irrsinnig, bedenke man nur, dass diese drei mutigen Helden womöglich die Rettung aller Überlebenden in diesem Hochhaus darstellen könnten. Doch mich fragt ja niemand. Hätte ich hier das sagen, dann würden so einige Dinge anders laufen. Zugegebenermaßen hätten wir in diesem Fall bereits die letzte Dose im Vorrat verschlungen und würden nicht mehr ganz so zahlreich hier versammelt stehen.
Eine Frau mittleren Alters überreicht einem der Ruderer zu guter Letzt noch ein zusammengefaltetes Stück Papier. Es handelt sich dabei um eine Liste, die die Namen sämtlicher Überlebenden des Park Inns mit Geburtsdatum und -ort enthält. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass diese Abenteurer die Reise zur neuen Küste tatsächlich meistern würden, so würden unsere Freunde und Bekannten immerhin wissen, dass wir am Leben sind. Fragt sich nur, ob sich dort draußen noch irgendjemand für uns interessiert. Zwei Monate ohne jegliche Hilfeleistung ist auch eine Art, uns mitzuteilen, dass sich die Welt dort draußen einen Dreck um uns schert.
„Egoistisches Pack. Jetzt verpissen die sich mit unserem letzten Essen und lassen uns hier hungernd zurück“, murmelt ein breitschultriger Mann mit grauem Haaransatz.
Er fiel mir bereits einige Male zuvor auf, da er sich regelmäßig über die reduzierten Rationen beschwerte. Gab es irgendwo eine Streiterei, war er stets in der Mitte des Geschehens.
„Bis die mit ihren Rettungsbooten kommen, sind wir doch eh schon alle erledigt“, zischt er aufgewühlt durch seine gefletschten Zähne.
„Musst du Vielfraß dich jetzt schon wieder aufspielen, oder was?“, gibt einer der Ruderer mutig zurück. Bisher hielt er sich eigentlich immer bedeckt, doch nun, wo er kurz vor der Abreise steht, platzt ihm anscheinend der Kragen.
„Ja, hau nur ab mit deinen Jungs. Auf dem Ding kommt ihr keine zwei Meter weit. Wenn du auf dem Weg absäufst, muss ich wenigstens deine hässliche Visage nicht mehr ertragen.“
„Schluss jetzt!“, versucht die Dame mit der Namensliste den Streit zu schlichten, doch sie wird von beiden Seiten ignoriert.
Der Ruderer verliert die Fassung, schiebt seine Kumpanen zur Seite und springt wutentbrannt vom Floß. Erst jetzt, als er seinem Widersacher gegenübersteht, fällt mir auf, wie klein er neben dem Muskelpaket wirkt.
„Ich werde mit Hilfe zurückkommen und wenn du bis dahin kein verrotteter Haufen Knochen bist, dann will ich sehen, wie du jammernd auf dem Boden liegst und um Verzeihung bittest, während wir alle mit einem verdammten Helikopter in Sicherheit gebracht werden. Wer zuletzt lacht, Arschl–“
Er hat seinen Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da trifft ihn schon die Faust des vorlauten Riesen mitten ins Gesicht. Der Schlag war fest genug, um den Kerl für ein paar Sekunden aus dem Hier und Jetzt zu katapultieren. Er taumelt zurück und noch im selben Moment springen auch seine zwei Begleiter vom Floß und stürmen auf den Raufbold zu. Es dauert nicht lange, da befinden sich alle drei Ruderer im Gefecht, während die restlichen Leute nur feige dem Geschehnis folgen, ohne einzugreifen. Als einer der jungen Männer den Kraftprotz unerwartet von hinten angreift, gerät dieser ins Taumeln und verliert das Gleichgewicht. Schnurstraks ergreifen die drei Floßbauer die Chance und torpedieren den auf den zu Boden gezwungenen Provokateur mit weiteren Hieben. Aus meinem Blickwinkel entgeht mir nicht, wie der vorlaute Ruderer mit blutigem Gesicht dem nun hilflosen Riesen einen harten Tritt gegen den Schädel verpasst. Das Wasser färbt sich rot, als das Blut sich allmählich von dem Ort des Faustkampfes in alle Richtungen ausbreitet. Erst jetzt bemerken die gepeinigten Männer, dass ihr Angreifer regungslos im Wasser liegt, den Kopf im roten Schleier der Blutlache versunken. Sie richten sich auf. Einer von ihnen tastet seine Nase ab. Ein anderer wischt sich mit seinem schmutzigen Shirt das Blut aus dem Gesicht. Keiner der versammelten Leute spricht auch nur ein Wort. Keiner regt sich. Ich starre genauso dumm wie die anderen auf den reglosen Körper und beobachte, wie sich das Blut mit den eintreffenden Wellen vermischt und durch das überschwemmte Restaurant getrieben wird. Das erschreckendste an dieser Situation ist für mich jedoch nicht der Ausgang dieses Faustkampfes. Es ist die Tatsache, dass keiner dem bewusstlosen Mann am Boden hilft. Mein Blick wandert zum Arzt in der Menge, doch dieser schüttelt nur den Kopf, wendet sich ab und verlässt den Raum. Keiner dieser Menschen empfindet genug Mitleid, um einer Person das Leben zu retten, die früher oder später zu einem größeren Problem geworden wäre. Doch ihn hier liegen zu lassen ist weitaus mehr als nur unterlassene Hilfeleistung. Die im Raum versammelten Leute haben in diesem Moment einstimmig beschlossen, dass sie den Tod des Riesen in Kauf nehmen. Doch sind wir deswegen Monster? Haben wir unsere menschlichen Werte verloren, nur weil wir überleben wollen? Macht uns die aussichtlose Essenssituation möglicherweise zu Konkurrenten, die aufeinander losgehen, bis nur mehr die Stärksten oder Schlausten übrigbleiben, bis auch sie vom Hungertod heimgesucht werden? Was auch immer uns in Zukunft erwarten wird, die Geschehnisse des heutigen Tages sind der Beginn von etwas Schrecklichem, da bin ich mir sicher. Mit dem ersten Todesfall wurde ein Dämon in jedem von uns erweckt, der uns daran erinnert, dass es im Kampf ums Überleben kein Miteinander gibt. Und je länger ich darüber nachdenke, desto eher beneide ich unser kleines Rettungsbataillon. Sie verlassen die Höhle der Löwen bevor die Situation endgültig eskaliert. Wortlos geben sie dem Floß einen letzten Schubs und machen sich dann auf die gefährliche Reise zum Festland. Keiner der jungen Männer dreht sich noch einmal zu uns um, keiner winkt uns zum Abschied.
Seit dem ersten Tag meiner Gefangenschaft im Park Inn habe ich mir die Frage gestellt: Wie lange dauert es, bis eine Zivilisation zerfällt? Heute erhielt ich eine Antwort.
Ich lehne mich auf das Balkongeländer und blicke in den dunkelblauen Nachthimmel. Die Sonne ist vor nur wenigen Minuten untergegangen und mit ihr verließ auch das letzte bisschen Wärme das Land. Zitternd und mit verschränkten Armen stehe ich nun da und frage mich, weshalb ich noch nicht zurück ins Zimmer gegangen bin, um mich in meine warme Bettdecke einzuwickeln. Wie jeden Abend ist es das Fünkchen Hoffnung auf Rettung, das mich hier draußen hält. Ich halte nach einem Licht Ausschau, lausche aufgeregt, um möglicherweise unter dem Rauschen des Windes den Rotor eines Hubschraubers auszumachen. Doch wie immer werde ich enttäuscht. Die Stadt ist so finster wie nie zuvor. Das Hotel ist der einzige Ort weit und breit, an dem bis zum heutigen Tage noch der Schein einer Taschenlampe oder Kerze die Dunkelheit durchbricht. Doch wann wird auch dieser erlöschen?
Vor fünf Tagen sind die drei Ruderer aufgebrochen. Müsste uns nicht allmählich die ersehnte Rettung erreichen? Wir haben heute die letzten Konservendosen geöffnet und sie gerecht unter allen Überlebenden aufgeteilt. Ab jetzt ist jeder auf sich allein gestellt. Die bitteren Blätter meiner Zimmerpflanze könnten mir mit etwas Glück noch ein paar Nährwerte schenken. Ansonsten sehe ich keinen anderen Ausweg, als auf das nächstbeste Stück Treibholz zu springen und die Umgebung nach Nahrungsmitteln abzusuchen. Viel Auswahl bleibt da nicht, wenn man bedenkt, dass Berlin bis auf wenige Hochhäuser zur Unterwasserstadt geworden ist.
Als ich gedankenverloren die ungefähre Entfernung zum nächsten Gebäude abschätze, fällt mir dort hinten plötzlich ein dunkler Umriss auf. Das schwarze Etwas im tiefen Grau seiner Umgebung gewinnt an Größe. Wie ein scheues Monsterwesen tritt das dunkle Objekt hinter der Gebäudefassade hervor. Seine Gestalt ist bei dem schwachen Licht und der Entfernung nur schwer auszumachen, doch es treibt auf dem Wasser, da bin ich mir sicher. Ist das etwa ein Schiff? Das ist doch unmöglich! Ein Schiff besäße jede Menge Lichter und möglicherweise sogar Suchscheinwerfer. Doch was sollte es sonst sein? Für einen Moment zweifle ich an meiner eigenen Wahrnehmungskraft. Raubt mir etwa der Hunger schon so viel Energie, dass ich meinen eigenen Sinnen nicht mehr trauen kann? Nein, das Ding dort hinten ist echt und es bewegt sich. Es bewegt sich auf uns zu!
Ohne auch nur eine weitere Sekunde zu verschwenden, greife ich mir meine Taschenlampe und wedle wild mit dem Lichtkegel umher. Ich gebe Lichtzeichen in Richtung des unbekannten Objektes ab und rufe dabei so laut ich kann. Mittlerweile hege ich keinen Zweifel daran, dass es sich hierbei um ein Schiff handelt – ein sehr großes Schiff, um genau zu sein. Wie ein schwarzer Schwan gleitet es elegant über das Wasser, direkt auf das Park Inn zu. Aufgeregt springe ich hin und her und kann mein Glück kaum fassen. Dieses Schiff ist regelrecht die Rettung in letzter Sekunde. Obwohl mir bewusst ist, dass die Besatzung längst auf unsere Lebenszeichen aufmerksam geworden ist, schreie ich weiterhin vor Glückseligkeit von meinem Balkon. Vor Aufregung stolpere ich durch das Hotelzimmer, schließe die Zimmertüre auf, stürme hinaus auf den Flur und dann die Treppen hinunter.
Im siebten Stockwerk angelangt, brauche ich einen Moment, um nach Luft zu ringen. Als ich mich wieder gefangen habe, trete ich von den Stufen auf den improvisierten Steg aus Tischen, Stühlen und Getränkekisten. Gleichzeitig leuchte ich mit meiner Taschenlampe das gesamte Restaurant ab. Es scheint noch keiner von den Bewohnern hier zu sein. Die anderen verfolgen das Geschehen vermutlich von oben. Ich will der Erste sein, der unseren Rettern gegenübertritt. Ich will dem Kapitän die Hand schütteln und ihm von Herzen danken, dass er die Suche nach Überlebenden nicht aufgegeben hat. Neugierig passiere ich den Bartresen und nähere mich der lädierten Glasfassade, von der heute nur noch die massiven Rahmen aus Stahl übergeblieben sind. Und plötzlich fällt mir ein kleines Motorboot auf, das nur wenige Schritte von mir entfernt an einem Tisch befestigt wurde. Erneut lasse ich den Schein der Taschenlampe durch den Raum wandern, doch es ist keine Menschenseele zu sehen. Wo ist der Besitzer des Bootes nur hin? Im Treppenhaus ist mir doch keiner begegnet.
Etwas verdutzt nähere ich mich dem weißen Motorboot. Es weist entgegen meiner Erwartung keinerlei Aufschrift einer Rettungsorganisation auf und ist vollkommen leer. Kein Verbandszeug, kein Proviant, keine Rettungswesten. Mein Blick wandert über das Wasser nach draußen. Das große Schiff hat sich seit ich den Balkon verlassen habe kaum vorwärtsbewegt. Oder bilde ich mir das ein? Diese mysteriösen Umstände lassen tief in mir ein unwohles Gefühl aufkommen und allmählich wird aus meiner Freude Misstrauen. Mit wem haben wir es hier zu tun und weshalb versucht unser überraschender Besuch eine Konfrontation zu vermeiden?
Ein dumpfes Rumpeln lässt mich blitzschnell umherfahren, wie als hätte mich ein Blitz erfasst. Das Geräusch kam eindeutig aus der Richtung des Flurs. Vorsichtig gehe ich Schritt für Schritt den Steg zurück, die Taschenlampe fest umklammernd, als gäbe sie mir in diesem Moment den nötigen Mut. Mit panischen Blicken suche ich das Restaurant nach anderen Personen ab. Dieser Raum hat etwas Mystisches, ja fast schon Diabolisches an sich, seit hier vor fünf Tagen einer der Bewohner bei einem Faustkampf ums Leben kam. Am nächsten Tag war seine Leiche verschwunden und keiner verlor auch nur ein Wort darüber. Nun streife ich durch denselben Saal und spüre dieses unergründbare Gefühl, als würde mich jemand beobachten. Habe ich unterbewusst die lang ersehnte Rettung bereits zu einer möglichen Bedrohung erklärt?
Um einen klaren Kopf zu bewahren, verbanne ich solche negativen Gedanken im nächsten Moment und trete hinaus auf den weiten Flur. Im Augenwinkel kann ich eine Bewegung wahrnehmen. Ich drehe mich erschrocken zur Seite. Bevor ich mich auch nur irgendwie wehren kann, springt mir jemand aus einem dunklen Winkel entgegen und fällt mir um den Hals. Vor Schreck lasse ich die Taschenlampe fallen und stoße die unbekannte Person von mir weg. Fluchend taste ich nach dem Licht auf dem Boden und als ich es ergreife, leuchte ich damit in das Gesicht einer fremden, jungen Dame.
„Ich … Das tut mir leid“, stammelt sie. Und als ich ihre freundliche Stimme höre, verflüchtigt sich meine Todesangst von einer Sekunde auf die andere. Oder ist es etwa ihr unschuldiges Gesicht, dieser Blick, mit dem mich dieses Mädchen ansieht, als beschere ihr die Begegnung mit mir die allergrößte Freude.
„Verdammte Scheiße. Hast du mir ‘nen Schrecken eingejagt“, platzt es aus mir raus.
„Es ist nur die Tatsache, dass ich wochenlang auf der Suche nach Menschen war und jetzt … Und jetzt treffe ich dich. Ach, ich bin ja so froh, dass es hier noch jemanden gibt.“ Dem Klang ihrer Stimme zu urteilen möchten man fast schon meinen, sie würde mich kennen. Sie spricht zwar Englisch aber an dem russischen Dialekt erkenne ich ihre Herkunft.
Die junge Frau tritt nahe an mich heran, diesmal etwas vorsichtiger. Im grellen Schein der Taschenlampe sieht ihre Haut so blass aus. Und dann diese hellblauen Augen, so leuchtend, ja fast schon silberfarben. Ich male mir aus, was diese Augen schon gesehen haben. Irgendetwas Gespenstisches umgibt diese Person.
„Ich dachte schon, es wäre zu spät“, haucht sie mit zittriger Stimme und greift nach meiner Hand. Ihre Finger sind eiskalt und ich bilde mir ein zu spüren, wie die Kälte durch die Venen meines Armes hinauf wandert, als würde sie mich sämtlicher Energie berauben. Es wirkt plötzlich alles so surreal, als wäre ich in einem Traum. Passiert das alles gerade wirklich? Steht dort draußen tatsächlich ein Schiff, die Rettung, auf die ich 73 lange Tage gewartet habe? Hunderte Male habe ich mir in meinem Kopf ausgemalt, wie sich dieser Moment wohl anfühlen würde. Und nun wo er endlich hier ist, verliere ich den Sinn für Realität.
„Wer bist du?“ Die einzige Frage, die mir in diesem Moment als sinnvoll erscheint.
„Siehst du die Fregatte da draußen? Auf ihr wartet eine ganzes Einsatzteam und ich bin Teil der Mannschaft. Wir holen dich hier raus, aber erstmal müssen wir ein paar Dinge abklären.“ Ihre Stimme hat auf einmal einen selbstbewussteren, ernsteren Ton angenommen. „Bist du allein hier?“
„Nein.“ Ich spüre beim Sprechen ein Kratzen im Hals. Wie lang es wohl her sein mag, dass ich ein Gespräch mit einer anderen Person geführt habe? „Oben sind noch andere.“
„Wie viele Leute leben hier?“
„Ich weiß nicht genau. Vielleicht so um die 60 Leute.“
„Habt ihr Waffen bei euch?“ Jetzt ist ihre Stimme eindeutig strenger geworden. Mit jedem ihrer Worte wird das dunkelhaarige Mädchen etwas rätselhafter. Diese Situation gefällt mir ganz und gar nicht.
„Was genau willst du mit der Frage herausfinden? Willst du wissen, ob wir gefährlich sind? Ob wir uns wehren könnten, falls uns jemand überfallen sollte?“
„Ich habe dich gefragt, ob ihr bewaffnet seid.“ Diese Worte spricht sie langsam und deutlich aus, als wäre ich schwerhörig. Dabei macht sie einen Schritt auf mich zu. Mit ihren hypnotisierenden Augen schaut sie jetzt direkt in meine. Vielleicht will sie mit ihrem finsteren Blick einschüchternd wirken. Doch sie ist etwa einen Kopf kleiner und außerdem dürfte sie kaum älter sein als ich – vielleicht Ende 20?
„Wer seid ihr eigentlich? Wenn ihr uns nicht helfen wollt, warum seid ihr dann hier? Es gibt hier nichts außer ein paar verhungernde Menschen.“
Sie streicht mir mit ihrer Hand sanft über den Bauch, doch ich mache keinen Schritt zurück. Als sie lächelt, kann ich ihren Atem an meinem Hals spüren.
„Du willst mir also damit sagen, dass sich in deinem Magen kein Essen befindet? Ihr habt absolut keine Nahrungsvorräte in diesem gigantischen Hotel? Warum lügst du mich an?“
Und erst jetzt dämmert es mir. Plünderer! Wie konnte ich nur so naiv sein und denken, das fremde Schiff würde uns hier rausholen? Haben wir es hier mit einer Bande Krimineller zu tun, die die letzten Überlebenden aus diesem Gebiet berauben wollen? Das hat uns gerade noch gefehlt!
„Also, was ist nun? Wenn du das auf die friedliche Weise enden lassen willst, dann beantworte mir nur diese eine Frage: Habt ihr Waffen oder nicht?“
Ich hasse es mir eingestehen zu müssen, dass diese Lage aussichtslos ist. Diese freche Einbrecherin und ihre Crew besitzen nun doch tatsächlich die Macht, über das zukünftige Leben jedes Park Inn-Bewohners zu entscheiden. Dabei ist es noch nicht einmal sie, die hier die Zügel in der Hand hält. Nein, sie könnte uns niemals etwas antun, denn dafür wäre ein kleines, unschuldiges Mädchen wie sie viel zu schwach. Die eigentliche Gefahr ist die Horde von Plünderern dort draußen, die hier jeden Moment eintreffen könnte, um das gesamte Gebäude zu übernehmen. Dabei hätten sie sich keinen schlechteren Tag aussuchen können, denn hier gibt es mittlerweile keinen Krümel mehr zu holen.
„Wenn du wissen willst ob wir uns hier verteidigen können, dann geh doch nach oben und sieh nach. Oder schick ein paar von deinen starken Kerlen hoch. Die anderen werden sich bestimmt freuen, endlich ein paar neue Gesichter zu sehen. Das Schiff da draußen ist ihnen genauso wenig wie mir entgangen.“
Wäre es vor ein paar Wochen zu diesem Aufeinandertreffen gekommen, dann hätte ich andere Worte gewählt. Doch heute spricht die reinste Verzweiflung aus mir. Es ist die Aussichtlosigkeit, die mir den Mut gibt, der bevorstehenden Gefahr so entgegenzutreten, wie ich es hier und jetzt tue. Denn egal, was die anderen Überlebenden und mich in den nächsten Stunden erwartet, es könnte kaum schlimmer werden als die aktuelle Lage, in der wir uns hier befinden. Verzweiflung ist ein gefährlicher Geselle, der uns in manchen Situationen zu unerschrockenen Kämpfern macht, die nichts zu verlieren haben.
Mit dieser Reaktion hat die Unbekannte sicher nicht gerechnet. Doch schlaue Sprüche würden mir nun auch nicht weiterhelfen. Als sie ihren Kopf auf die Seite legt und mich anlächelt, wirkt sie eigentlich ganz friedlich. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, um mir schließlich die folgenden Worte im Flüsterton in mein Ohr zu hauchen: „Ist schon okay. Du hast mir schon mehr geholfen, als du denkst.“
Und noch bevor sie ihren Satz beendet, spüre ich einen Stich in meinem Hals. Ich versuche nach hinten auszuweichen, doch ich prelle nur gegen eine Wand. Das Mädchen benötigt nur eine einzige Sekunde, um die feine Nadel in meinen Hals zu stechen und eine unbekannte Flüssigkeit aus einer Spritze meinem Blutkreislauf zuzuführen. Als ich das Geschehen begreife, ist es bereits zu spät und ich spüre, wie die Energie meine Arme und Beine verlässt. Hilflos sehe ich dabei zu, wie meine Knie einknicken.
„Was …“, versuche ich zu fragen, doch meine Stimme versagt, bevor ich den Satz zu Ende sprechen kann.
Ich fühle mich auf einmal so schwach. Am Ende des Flurs bildet sich ein verschwommener Nebel, der sich allmählich auf mich zubewegt. Meine Sicht wird schwächer und ich verliere die Kontrolle über meinen Körper. Im Knien falle ich nach vorne, doch ich kann meine Arme nicht dazu bringen, den Sturz aufzufangen. Gerade rechtzeitig kommt die junge Plünderin zur Hilfe, meine Schultern mit ihren Händen stützend, um mich anschließend sanft auf dem Boden abzulegen.
„Vorsicht. Wäre doch schade um dein hübsches Gesicht“, sagt sie dabei kichernd.
Was hat sie getan? Ich will sie anschreien, doch es bleibt mir verwehrt. Der Nebel hat mich längst in eine graue Decke eingehüllt. Verschwommen kann ich erkennen, wie sich das Mädchen zufrieden neben mich auf die Getränkekisten setzt. Sie greift nach meiner Hand und dreht die Innenseite nach oben. Mit einer sanften Bewegung streift sie über das Tattoo auf meiner Handfläche, doch ich spüre ihre Berührung nicht.
„Jackpot!“, ruft sie feierlich aus und wendet sich mir zu. „Ich täusche mich nie in Gesichtern.“
Ich bin vollkommen wehrlos. Alles, was ich tun kann, ist still dazuliegen und versuchen meinen Verstand wach zu halten. Achte auf deine Sinne! Komm schon, verlier jetzt nicht das Bewusstsein! Das blasse Mädchen verlässt mein Sichtfeld, doch ich höre noch ihre Stimme. Sie spricht auf Russisch. Doch da ist nicht nur sie, ich höre noch andere Personen sprechen.
Allmählich verliert die Umgebung an Farbe. Die Stimmen um mich herum werden leiser und mein gesamter Körper fühlt sich auf einmal so federleicht an. Schließlich falle ich in ein tiefes Loch und verlasse das Hier und Jetzt endgültig.
Still liege ich da, meine Augen geschlossen. Wahrscheinlich sind es die höllischen Kopfschmerzen, die mich aufgeweckt haben. Unter mir befindet sich nicht mehr der harte Boden im Flur des 7. Stockwerks. Es fehlt das trübe Wasser und der Steg aus Plastikkisten. Bin ich etwa wieder zurück in meinem Bett? War das fremde Schiff vielleicht doch nur eine Einbildung? Was ist das letzte, an das ich mich erinnere? Leuchtende Augen, hellblau wie der Himmel an einem lauen Sommertag. Ein unschuldiges, blasses Gesicht. Und dann dieser Tonfall, freundlich und hinterlistig zugleich. Allmählich rekonstruiere ich ein verschwommenes Bild des unbekannten Mädchens. Als ich die fremde Gestalt vor meinem inneren Auge sehe, löst sich allmählich der Nebel meiner Erinnerung.
Es ist Zeit, die Augen zu öffnen. Doch was ich sehe gleicht der Luxussuite im Park Inn nicht im Geringsten. Ich blicke zunächst auf die graue Stahlwand gegenüber von mir. Davor befindet sich eine winzige Kommode, an die ein Holzschrank angrenzt, der optisch nicht zum Rest des kleinen Raumes passt. Die Einrichtung besteht aus unterschiedlichstem Kram, der ohne jegliches Stilbewusstsein aneinandergereiht wurde. Fenster suche ich hier vergeblich. Stattdessen starre ich auf metallene Wände, die mit bunten Symbolen und kyrillischen Schriftzügen übermalt wurden. Das grelle Licht der Leuchtstoffröhre lässt den Raum in einem kalten Weiß erstrahlen. Es erscheint mir alles so, als hätte jemand vergeblich versucht, aus einer Gefängniszelle einen gemütlichen Ort zu schaffen.
Ich drehe mich um und finde mich auf einer breiten Matratze wieder. Neben mir hat dem Anschein nach eine zweite Person geschlafen. Der Abdruck ist klar auf dem Kopfkissen zu erkennen, unterhalb davon liegt eine zerknitterte Stoffdecke. Wo bin ich hier und was geht hier vor sich?
Während mir die absurdesten Erklärungsversuche noch stärkere Kopfschmerzen bereiten, höre ich auf einmal Schritte. Als die Stahltür sich zu öffnen beginnt, schließe ich sofort die Augen. Ich bin noch nicht bereit für eine Konfrontation jeglicher Art – nicht, bevor ich mir ein Bild von der Gesamtsituation gemacht habe.
Ich höre Schritte an mir vorbeischreiten. Meine Neugier siegt über meinen Verstand und zwingt mich dazu, vorsichtig zu blinzeln, um etwas erkennen zu können. Ich sehe eine Frau mit dunklen, nassen Haaren. Ihr Gesicht erkenne ich nicht. Sie öffnet gerade den Schrank auf der anderen Zimmerseite und wühlt in einer bunten Auswahl an Kleidungsstücken. Um ihren Körper hat sie ein Handtuch gewickelt, als wäre sie soeben aus der Dusche gestiegen.
Die Lücken meiner Erinnerung beginnen sich allmählich zu füllen und verhelfen mir dazu, mir den Augenblick ins Gedächtnis zu rufen, an dem ich auf die Unbekannte traf. Sie stellte mir diese eigenartigen Fragen. Und da waren noch andere. Wurden wir überfallen?
Ich versuche mich langsam aufzurichten und bewege mich in Richtung Bettkante. Als das Bett zu knarzen beginnt, halte ich sofort inne und schaue hinüber zum Schrank. Das Mädchen scheint wohl nichts bemerkt zu haben. Apathisch durchstöbert sie ihren Fundus an Klamotten.
Ich spüre meine nackten Füße auf dem kalten Boden. Was ist mit meinen Schuhen passiert? Es ist eindeutig Zeit, dass die Unbekannte mir ein paar Fragen beantwortet. Ich gehe also auf sie zu und setze lautlos einen Fuß hinter den anderen, ohne auch nur einen Gedanken darüber zu verlieren, wie ich sie zur Rede stellen würde.
„Du lebst also noch. Es wurde aber auch langsam Zeit, dass du wieder aufwachst. Ich hab schon gedacht, das Zeug hat dich ganz aus dieser Welt befördert.“
Mit offenem Mund bleibe ich stehen, überrascht und vollkommen sprachlos über die plötzliche Bemerkung. Das Mädchen dreht sich um und beginnt zu lachen. Lacht sie mich gerade aus? Sehe ich so schlimm aus?
„Was guckst du denn so komisch? Du hast keine Ahnung was passiert ist, oder?“
Ihre silbernen Augen ähneln denen einer giftigen Schlange. An ihrem arglistigen Blick erkenne ich, dass ich dieser Person nicht vertrauen kann. Und dennoch trägt sie etwas Unbeschreibliches an sich, etwas, das mich wie eine magische Kraft anzieht.
„Wie wäre es damit: Du erzählst mir einfach was ich hier mache. Und wenn möglich, bitte ohne mich ungefragt mit irgendetwas zu betäuben“, poltere ich gereizt.
Zugleich reibe ich mir die Augen und versuche meine Haare einigermaßen zu bändigen.
„Oh nein, hätte ich dich etwa nett fragen sollen, ob du mit an Bord kommst?“
Damit hat sich auch der letzte Zweifel verflüchtigt, dass ich mich hier in einer Kajüte innerhalb dieses fremden Schiffes befinde.
„Erst plündert ihr unschuldige Menschen aus und dann entführt ihr sie auch noch“, fahre ich sie wütend an. Ihr verständnisloser Gesichtsausdruck macht mich rasend. „Hat die Flutwelle auch eure Gehirne aus den Köpfen geschwemmt, oder was?“
„Erstaunlich. Anscheinend ist dir gar nicht bewusst, wie sehr ich dir gestern geholfen habe. Also ein Dankeschön wäre an dieser Stelle etwas passender.“
Gespannt auf meine Reaktion, zieht sie die Augenbrauen nach oben. Doch ich schüttle nur meinen Kopf und lasse mich verzweifelt zurück aufs Bett fallen. Das hier führt zu nichts. Ich muss irgendwie hier rauskommen. Ich muss mit jemandem sprechen, der mir wirklich weiterhelfen kann.
„Du sitzt auf meinem Bett.“
Frech verschränkt sie ihre Arme, während ich vor Wut hochfahre und durch das Zimmer tobe.
„Lass den Scheiß! Du weißt ganz genau, dass ich keine Ahnung habe, was hier abgeht. Du wirst mir jetzt sofort alles erklären, ist das klar?“
Mit meinem plötzlichen Ausbruch des Zorns hat sie nicht gerechnet.
„Ist ja gut. Kein Grund gleich auszurasten. Bleib ruhig sitzen. Die letzten 24 Stunden hat es mir auch nichts ausgemacht, dass du in meinem Bett geschlafen hast. Ehrlichgesagt war es auch ganz nett, mal wieder etwas normale Gesellschaft zu haben.“
„Ich war so lange im Koma?“
Das Mädchen schmunzelt und nickt.
„So ungefähr. Die Medikamente hauen richtig rein, was? Mit der Dosierung habe ich mich vielleicht etwas vertan. Du warst dann doch etwas länger weg, als ich dachte. Aber das ist ja egal, denn jetzt scheint es dir ja wieder besser zu gehen – also das nehme ich an.“
„Sag mal, geht's noch? Was gibt dir das Recht so mit fremden Leuten umzugehen? Für die ganze Aktion kommt ihr alle in den Knast, das schwör ich euch.“
Meine Worte bringen sie zum Lachen. Ich hasse es unbeschreiblich, nicht ernstgenommen zu werden. Und diese Frau treibt dieses Spiel auf die Spitze.
„Und wer soll uns bitte aufhalten? Du hast keine Ahnung, was gerade auf dem Festland abgeht, hab ich recht?“
„Nein verdammt, ich weiß nicht was mit dem Rest der Welt passiert. Zufälligerweise ist mein Fernseher auf meinem Hotelzimmer ausgefallen.“
„Dort draußen herrscht nichts als Chaos. Du hast die Welt nach der Flut nicht gesehen. Es gibt keinen mehr, der uns verhaften könnte. Keinen, der sich um Zurückgelassene wie dich schert. Ich meine, hast du ernsthaft geglaubt, es würde irgendwann noch jemand kommen, um euch da rauszuholen? Nach den vielen Wochen? Mach dich nicht lächerlich. Keiner außer uns hat nach dir gesucht. Wären wir nicht gewesen, wärst du jetzt immer noch dort mit deinem traurigen Haufen. Mein Gott, du hättest auch einfach sagen können, dass ihr unbewaffnet seid. Nicht mal was zu essen habt ihr uns übriggelassen.“
Bei dem ersten Gedanken an Essen, meldet sich mein Magen. Es ist schon länger her, dass ich eine ordentliche Mahlzeit zu mir genommen habe.
„Geschieht euch dreckigen Plünderern recht. Die Vorräte standen uns zu.“
„Uns? Meinst du damit dich und deine abgemagerte Gefolgschaft? In dieser Welt gibt es kein uns. Hier ist jeder auf sich allein gestellt. Ihr hättet vielleicht noch zwei Tage länger durchgemacht, bis ihr angefangen hättet, an den Teppichen zu nagen. Und was dann in den Köpfen der Leute abgeht, willst du nicht wissen. Menschen, die dem Tod ins Auge sehen, kennen kein uns. Sei froh, dass dir die Überfälle erspart geblieben sind. Das, was seit ein paar Wochen da draußen los ist, kannst du dir nicht vorstellen.“
Ich verachte dieses Mädchen so sehr, dass ich ihr nicht mehr ins Gesicht schauen kann. Und so sehr ich es auch bestreiten will, in gewisser Weise hat sie vermutlich recht. Es gab niemals eine Rettungsmannschaft auf der Suche nach Überlebenden. Nicht mehr lange und die hungernden Menschen im Park Inn wären aufeinander losgegangen. Ich atme tief durch und versuche mich zu beruhigen. Ich muss hier raus, brauche frische Luft zum Atmen.
Ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren, verlasse ich die Kajüte und gehe einen engen Gang entlang. Links und rechts von mir sind weitere Räume, jeder davon abgeschlossen. Ich steige eine Stahltreppe hinauf und dann noch eine weitere. Oben angelangt öffne ich eine Türe, woraufhin mir eine salzige Brise ins Gesicht weht. Ein paar Schritte nach vorne gehend, schaue ich mich erstaunt um. Ich stehe auf dem Deck eines russischen Kriegsschiffes. Die Umrisse waren mir bereits bekannt, doch bei Tags wirkt der schwimmende Koloss deutlich spektakulärer. Von hier oben sieht das Schiff mit seinen mächtigen Geschützen genauso beeindruckend wie auch angsteinflößend aus. Ein Großteil der Stahlwände ist mit schwarzen Kunststoffplanen umhüllt. Sie sind mit unzähligen Malereien, Symbolen und Texten übersät. Ein Goldener Adler zusammen mit dem sinnbildlichen Symbol von Hammer und Sichel sticht mir dabei besonders ins Auge. Hinter mir befindet sich die Kommandobrücke, behängt mit einem wehenden Bettlaken, auf dem „Admiral Nakat“ geschrieben steht. Damit wäre dann wenigstens geklärt, wo ich mich hier aufhalte. Doch wo genau befindet sich dieses Kriegsschiff gerade? Der Blick über die Reling zeigt mir immer dasselbe Bild, egal wo ich hinsehe: Glitzerndes Meer bis zum Ende des Horizonts. Sonst nichts. Keine Schiffe, keine Küste, keine Häuser, nichts als Blau. Mir wird sofort klar, dass „Admiral Nakat“ nicht das sichere Festland ansteuert, denn dann hätten wir es schon längst erreicht.
Ich werde von dem Rauschen der Wellen geweckt, die gegen den Bug des Schiffes prallen. Eigentlich verbinde ich dieses Geräusch mit etwas Schönem, zum Beispiel einem Urlaub auf einem Segelschiff. Der große Unterschied ist jedoch, dass ich nicht weiß, wohin mich dieses Schiff bringen wird. Aber um ehrlich zu sein, ist in diesem Moment alles besser als das überschwemmte Berlin, das lange genug mein Zuhause war. Und das behaupte ich, ohne den Rest der Welt nach dieser Katastrophe zu Gesicht bekommen zu haben.
Gestern Abend bin ich hier draußen eingeschlafen. Ich versuche meine Gedanken zu sammeln. Es fällt mir schwerer als früher, mich an Dinge zu erinnern. Ich habe hierfür die mir verabreichten Medikamente schwer im Verdacht. Doch in dieser düsteren Zeit ist es auch ganz gut, das ein oder andere Detail zu vergessen.
Ich habe gestern etwas Zeit gebraucht, um mein Schicksal zu akzeptieren. Doch allmählich beginne ich, mich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Ich durfte endlich eine Dusche benutzen. Nach wochenlangem Hungern konnte ich endlich wieder so viel essen, bis ich satt wurde. Keiner hier an Bord fühlt sich für die Küche zuständig, aber das Dosenessen ist nicht wirklich schwer zuzubereiten. Das Mädchen mit den dunklen Haaren brachte mir am Abend zwei Portionen Nudeln mit Bohnen vorbei. Sie bat mir sogar an, das Bett mit ihr zu teilen, doch ich bin lieber für mich allein. Die Decke, auf der ich gerade liege, ist zwar nicht so bequem wie eine Matratze, doch hier fühle ich mich sicher. Seit der Katastrophe fällt es mir zunehmend schwerer, anderen Menschen Vertrauen zu schenken.
Ich habe bisher noch kein einziges Wort mit den Soldaten auf der Fregatte gewechselt. Wahrscheinlich würden sie ohnehin kein Englisch verstehen. Die Kajüten der Nakat – so wie die Fregatte von ihrer Besatzung genannt wird – sind voll besetzt. Wie sich herausstellte, wurde nur mir die Ehre zuteil, an Bord des russischen Kriegsschiffes zu kommen. Nicht, dass ich die Leute im Park Inn vermissen würde, doch ihr Schicksal scheint damit wohl besiegelt zu sein. Wer auch immer hier die Entscheidungen trifft scheint das nicht im Geringsten zu stören. Doch wieso wurde von all den Überlebenden ausgerechnet ich mitgenommen? Was habe ich hier zu suchen? Fragen, die mir noch nicht einmal meine Entführerin beantworten konnte.
Als ich mich aufsetze, mit dem Rücken an das Geländer gelehnt, fällt mir in unmittelbarer Nähe zu meiner Decke eine im Wind flatternde Plastiktüte auf. Jemand hat etwas darin eingewickelt und auf ein paar Worte die Verpackung geschrieben. Bei dem unerwarteten Geschenk handelt es sich um eine vollständige Militärration an Frühstück. Darin befinden sich feine Schinkenstreifen, Käse und Vollkornbrot. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, doch ich gedulde mich noch für eine Weile und lese den Text.
Hey du Schlafmütze! Es wird Zeit, dass du wieder ein paar Kilos auf die Waage bringst. Pass aber auf, dass keiner von den anderen das sieht, sonst bringt mich der Kapitän um. Ich bin unten in den Lagerräumen, falls du mich brauchst.
Tess
Hastig verschlinge ich das Essen und lasse dabei keinen Krümel übrig. Es ist nun an der Zeit, Antworten zu finden. Antworten, die mich mehr über dieses mysteriöse Schiff und seine Route herausfinden lassen.
Entschlossenen Schrittes steige ich in die unteren Räumlichkeiten des Schiffes hinab. Jeglichen Blicken von entgegenkommenden Soldaten weiche ich so gut es geht aus. Erst jetzt fällt mir der niedrige Altersdurchschnitt der russischen Männer auf. Ich schätze keinen von ihnen älter als 35.
Auf der Suche nach den Lagerräumen gelange ich immer tiefer in den Bauch des Schiffes. Etwa zwei Stockwerke unter den Schlafkabinen befindet sich der Maschinenraum. Er ist nicht sonderlich groß. Eine Fregatte, wie die Admiral Nakat, zählt wohl eher zu den kleineren Kriegsschiffen der russischen Flotte. Nun ist es wahrscheinlich eines der wenigen, das die Flutwelle unbeschadet überstanden hat. Möglicherweise befinde ich mich sogar gerade auf dem letzten verbleibenden Schiff der baltischen Flotte.
Am anderen Ende des Maschinenraums folge ich einer Wendeltreppe wieder nach oben. Auf den letzten Stufen wird das Licht immer schwacher. Ein gedämpfter Schein zeichnet sich zusammen mit meinem Schatten auf der ansonsten dunklen Oberseite des Lagerraums ab. Alles, was ich in diesem Raum höre, sind meine vorsichtigen Schritte und das Rauschen der Motoren unter mir. Hinter vollgepackten Regalen befinden sich einige Kleiderständer, bestückt mit militärischer Einsatzkleidung. Vollständige Taucheranzüge hängen dort nach Größe sortiert nebeneinander. In einer großen Kiste daneben befinden sich alle Variationen von Gasmasken. Hinter einem weiteren Kleidungsständer mit brandsicherer Schutzkleidung finde ich dann mehrere Regale, die bis unter die Decke reichen. Durch das letzte in der Reihe, erkenne ich das Licht einer Schreibtischlampe. Sie erleuchtet einen großen Tisch inmitten von gestapelten Kisten, gefüllt mit Gerümpel jeglicher Art. Weit über dem Schreibtisch gebeugt, sitzt ein Mädchen.
„Tess?“
Als sie meine Stimme hört, schreckt sie hoch. Mit ihrer linken Hand greift sie nach einem Messer, steckt es aber sofort wieder weg, als sie mich erkennt.
„Oh Mann. Musstest du dich so anschleichen?“
Anstatt auf sie einzugehen, werfe ich lieber einen Blick auf den Tisch. Er ist übersäht von verschiedenen Weltkarten. Auf einer großen Karte in der Mitte sind Zahlen und farbige Striche eingezeichnet. Die Fläche zwischen einer schwarzen Umrisslinie und dem Ozean ist auf jedem Kontinent blau eingefärbt. Eigentlich kann ich mir denken, womit sie gerade beschäftigt ist, doch ich bin so erstaunt, dass ich nachfragen muss: „Was genau wird das, wenn’s fertig ist?“
„Ich zeichne die neue Küstenlinie ein. So kann man erkennen, welche Gebiete seit der Flut zum Ozean gehören. Schau dir das mal an. Wir waren gestern genau hier.“ Sie deutet mit dem Finger auf eine Stelle unmittelbar neben der südwestlichen Spitze Englands. „Ab Berlin sind wir einfach nur der Küste gefolgt und irgendwann bei Brüssel gelandet. Die Flut hat Dänemark und die Niederlande verschwinden lassen. Es gibt dort nichts als Wasser. Ist das nicht unglaublich?“
Auf der neuen Karte wird mir erst klar, wie sehr Europa durch die Flut geschrumpft ist. Auch Südamerika scheint einiges an Fläche eingebüßt zu haben. Mein Blick wandert über die Namen von Städten, die durchgestrichen wurden: Stockholm, Hamburg, Amsterdam, London.
Was ich auf den überarbeiteten Karten sehe, ist ein erschreckendes Bild einer neuen Welt, so wie ich sie noch nicht kenne. Doch Tess scheint das alles vollkommen entspannt hinzunehmen. Ich glaube sogar, das Wort „unglaublich“ benutzt sie in einem positiven Sinne.
„Wieso fahren wir nach Westen?“, frage ich, ohne meinen Blick von den Markierungen abzuwenden. Tess zuckt nur mit den Schultern und starrt zurück auf die Karte. „Ich schätze den Kapitän schlau genug ein, dass ihm bewusst ist, dass sich dort keine Städte mehr befinden, die man ausrauben kann. Also wo fahren wir hin?“
„Die Klippen von Cornwall waren das letzte Stück Land, das ich gesehen habe. Jenkov wird schon einen Grund haben“, meint sie beiläufig, während sie damit beschäftigt ist, einen weiteren Punkt einzuzeichnen, der wohl die aktuelle Position des Schiffes darstellen soll.
„Dein großartiger Kapitän Jenkov steuert das Schiff geradewegs in den großen, weiten Atlantik. Aber keine Sorge Tess, ich habe gehört es soll dort ganz besonders schön sein – hauptsächlich Wasser, erzählt man sich. Aber Wasser wäre ja mal eine schöne Abwechslung, findest du nicht?“
Plötzlich gewinne ich ihre Aufmerksamkeit. Es war wahrscheinlich ihr Name, den ich so übertrieben ironisch ausgesprochen habe, als würde ich mich darüber lustig machen. Ein dunkler Schatten zieht sich über ihre linke Gesichtshälfte. Ich frage mich, ob ich wohl in diesem Moment ähnlich aussehe. Ich kann schemenhaft erkennen, wie sich Falten zwischen ihren Augenbrauen abbilden.
„Jetzt hör mal zu. Du befindest dich hier in einem Kriegsschiff der baltischen Flotte mit der modernsten Technik. In zwei Tagen haben wir es von Berlin bis hierhergeschafft und in ein paar Tagen könnten wir sonst wo auf dem Globus sein. Außerdem solltest du nicht die Autorität von unserem General infrage stellen. Jenkov ist ein Genie und hat so einiges erlebt. Er weiß immer, was zu tun ist. Und du bist hier sein Gast.“
„Ist ja gut. Dann lege ich eben mein eigenes Leben in die Hände irgendeines russischen Kapitäns, der auf seiner Rundreise fremde Menschen überfällt.“
Tess geht einen Schritt auf mich zu und neigt ihren Kopf leicht zur Seite. Mit einem genervten Blick schaut sie zu mir hinauf.
„Warum musst du alles immer so negativ sehen? Ihr Deutschen seid solche Pessimisten.“
„Fällt mir einfach ein bisschen schwer, nach all dem was passiert ist einen positiven Gedanken zu fassen.“
„Bleibt uns was anderes übrig? Wie lange willst du denn noch der Vergangenheit hinterherjammern? Nutzt doch eh nichts. Die Welt ist am Arsch, also sollten wir so viel Spaß haben wie möglich, bevor es uns auch erwischt, oder nicht? Komm schon“, sagt sie mit fröhlicher Miene und stupst mich mit dem Ellbogen in die Seite, „sei nicht so verkrampft. Genieß das Leben.“
„Du hast mich also auf diese Expedition mitgenommen, weil du jemanden zum Reden und Spaßhaben gebraucht hast, verstehe. Aber glaub mir, da bin ich der Falsche. Und du bist wahrscheinlich der letzte Mensch, mit dem ich mir meine Zeit vertreiben möchte.“
Meine Worte bringen sie zum Lachen. Es ist aber eine freundliche Art von Lachen – es passt nicht zu ihr.
„Deswegen bist du nicht hier, glaub mir.“
„Und weshalb bin ich dann hier?“
„Ich dachte mir einfach in dem Moment, als du so hilflos am Boden lagst, dass es doch jammerschade wäre, dich dort zurückzulassen. Du hättest dort nicht lange überlebt.“
Egal, wie sehr ich es auch versuche, ich kriege keine Antworten aus dieser Göre. Mein Geduldsfaden ist nach nur wenigen Worten ihrer Heimlichtuerei zum Reißen gespannt.
„Du glaubst ja gar nicht, wie sehr ich diese Lügen hasse. Du weißt nichts über mich und meine Vergangenheit. Du weißt rein gar nichts von meinem Leben – noch nicht einmal meinen Namen.“
„Dann lass uns das ändern. Erzähl mir etwas von dir. Ich will mehr über dich erfahren.“
Noch eine Lüge. Warum sollte sie sich dafür interessieren, wer ich bin und was ich getan habe? Sie verschränkt die Arme und wirft mir einen erwartungsvollen Blick zu.
„Meine Geschichte wirst du niemals erfahren. Alle Menschen, die mich bisher kannten, sind nun wahrscheinlich tot. Das heißt, ich könnte dir nun alles über mich erzählen, was ich will. Ich könnte mir einen fiktiven Namen geben, könnte mich als den Menschen darstellen, der ich schon immer sein wollte. Nichts von dem, was ich dir erzähle, müsste der Wahrheit entsprechen und dennoch würdest du mir glauben. Denn es wäre das Einzige, was du über mich wissen würdest.“
Stille. Tess verzieht ihren Mund. Das Grinsen ist nun verschwunden.
„Was für ein Rebell“, meint sie ironisch und mustert mich, als stünde eine ganz neue Person vor ihr. „So hätte ich dich gar nicht eingeschätzt. Du kannst ja richtig hinterlistig sein. Allmählich hab ich sogar das Gefühl, du passt hier rein. Trotzdem brauche ich einen Namen für dich, außer du willst für mich immer 'Deutscher Kerl, dem ich das Leben gerettet habe und von dem ich bisher noch kein Dankeschön gehört habe' bleiben.“
„Ein bisschen lang, findest du nicht?“
Als sie zu lachen beginnt muss ich es auch – ein wenig zumindest. Ihr Lachen ist so ansteckend, dass ich meine ernste Rolle aufgeben muss. Es tut so gut, endlich wieder einen Funken Freude zu empfinden. Erst jetzt wird mir klar, dass es Monate her sein muss, dass ich gelacht habe. Ich habe vergessen, wie schön dieses Gefühl sein kann. Seit dem Moment, als ich auf dem Schiff aufgewacht bin, habe ich mir eingeredet, alles sei jetzt noch schlimmer als zuvor. Aber vielleicht ist es das gar nicht. Vielleicht ist diese ganze Situation eine Chance, von all dem Unheil zu entkommen, das der Katastrophe gefolgt ist. Von Tess und dem Rest der Mannschaft habe ich aber nach wie vor ein schlechtes Bild. Mein Misstrauen können auch ein paar freundliche Gesten und Begegnungen nicht davonwehen. Die Frauen und Männer an Bord der Nakat zählen nicht zu den Guten. Aber vielleicht gibt es in dieser Welt keine Guten mehr.
Die nächsten Stunden verbringen wir damit, über die „Neue Welt“ zu reden. Tess nennt sie so, da der Planet Erde nach der Katastrophe kaum wiederzuerkennen ist. Ihren Worten zufolge kennt sie auch nicht unseren genauen Aufenthaltsort. Seit wir gestern das letzte Stück Küste hinter uns gelassen haben, fehlt ihr jeglicher Anhaltspunkt. Das GPS sollte aber auch nach der Katastrophe noch einwandfrei funktionieren. Sie vermutet, dass die Geräte auf dem Schiff weiterhin Daten liefern, solange den Dieselgeneratoren nicht der Saft ausgeht. Das ist im Moment die größte Sorge der Mannschaft, denn ist der Tank einmal leer, wird es so gut wie unmöglich sein, ihn wieder aufzufüllen. Fast jeder Hafen der Erde müsste nach dem Anstieg des Meeresspiegels Unterwasser liegen. Den General dort oben scheint das angeblich kalt zu lassen. Manchmal kommt er hier runter und betrachtet die Karten. Dabei verliert er aber nie ein Wort über den aktuellen Kurs. Tess hat zwar versucht, mehr herauszufinden, doch nicht einmal seine Mannschaft weiß Genaueres.
