Enah - M. Kappher - E-Book

Enah E-Book

M. Kappher

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Beschreibung

Der König eines hochentwickelten, sehr friedlichen Volkes auf einem anderen Planeten wird zur Bestrafung für einen Fehler auf die Erde verbannt. Dort landet er um das Jahr 1770 in Nordamerika und muss schmerzlich erfahren, dass die Erdenmenschen ganz andere Moralvorstellungen haben. Als Gefangener und Sklave versucht er, dennoch seinen eigenen gewaltfreien Prinzipien treu zu bleiben, obwohl er sehr unter der körperlichen und seelischen Gewalt leidet, der er ausgesetzt ist. Er begegnet in 22 Erdenjahren den unterschiedlichsten Menschen, findet Hass und Geringschätzung, aber auch Barmherzigkeit und Liebe.

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EPUB

Seitenzahl: 1159

Veröffentlichungsjahr: 2018

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M. Kappher

Enah

Ein ungewöhnlicher Sklave

Der König eines hochentwickelten, sehr friedlichen Volkes auf einem anderen Planeten wird zur Bestrafung für einen Fehler auf die Erde verbannt. Dort landet er um das Jahr 1770 in Nordamerika und muss schmerzlich erfahren, dass die Erdenmenschen ganz andere Moralvorstellungen haben.

Als Gefangener und Sklave versucht er, dennoch seinen eigenen gewaltfreien Prinzipien treu zu bleiben, obwohl er sehr unter der körperlichen und seelischen Gewalt leidet, der er ausgesetzt ist.

Er begegnet in 22 Erdenjahren den unterschiedlichsten Menschen, findet Hass und Geringschätzung, aber auch Barmherzigkeit und Liebe.

M. Kappher, Jahrgang 1977, lebt mit einer kleinen Familie in der Wildeshauser Geest.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2018 by edition fischer GmbHOrber Str. 30, D-60386 Frankfurt/MainAlle Rechte vorbehaltenSchriftart: BaskervilleHerstellung: efISBN 978-3-86455-754-5 EPUB

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

1

In Gedanken verloren sitze ich inmitten dieses Ozeans aus trockenem Gras, das im leichten Wind leise rauscht. Das Land breitet sich in sanften Hügeln vor mir aus. Nur wenige windzerzauste Bäume stehen windgeschützt in Senken oder an Bachläufen.

Ich bewundere die Ähnlichkeit zu Orten in meiner Heimat.

Langsam geht die Sonne am Horizont unter und taucht das Land in ein orange-rot betontes Farbenmeer. Am Himmel tauchen immer mehr Sterne auf und funkeln in mir fremden Konstellationen.

Mein Name ist Enah.

Der Große Rat hat sich zu der drastischen Maßnahme entschieden, mich mit einer Zeit der Verbannung für eine große Unachtsamkeit zu bestrafen.

Ich bin als König unserer wunderbaren Welt dafür verantwortlich, dass Friede eingehalten wird und es der Bevölkerung gut geht.

Meine Aufgabe ist es, neue Gesetze zu bewilligen, bei Streitigkeiten zwischen den Völkern oder Arten zu schlichten, dafür zu sorgen, dass die Ausbreitung von Krankheiten durch geeignete Maßnahmen eingedämmt wird und dafür zu sorgen, dass Angriffe außerweltlicher Aggressoren abgewehrt werden. Außerdem bin ich in der Behandlung von Krankheiten und Verletzungen unterrichtet und kenne die Wirkungen der gesundheitsfördernden und heilenden Gewächse in fast allen Regionen der Welt.

Letztes Jahr habe ich schwer versagt, indem ich Hinweisen auf das Eindringen der Weltfremden nicht sofort nachgegangen bin, weil ich zu diesem Zeitpunkt mein persönliches Vergnügen für wichtiger hielt.

Die Nemudneschem, Menschen eines nahen Sonnensystems, haben auf meiner Welt geplündert. Durch mein Versäumnis ist es ihnen im letzten Frühling gelungen, die Wasservorräte einer ganzen, ohnehin sommertrockenen, Region mitzunehmen, woraufhin es eine Dürreperiode gab und viele Wesen verendeten.

Nun hat mich der Rat hierher, auf die Erde geschickt.

Dieser Planet ähnelt meiner Heimat ungemein. Die Flora und Fauna scheinen nahezu identisch. Auch das allgemeine Klima und die Auf- und Verteilung der Meeres- und Landmassen sollen weitgehend mit denen auf der Welt übereinstimmen, weshalb der Große Rat diesen Planeten für mich ausgewählt hat. Allerdings ist die Erde um einiges kleiner und somit die Tages- und Jahreszeiten kürzer. Ich hoffe nur, dass die mir zugedachte Verbannungszeit, die ich hier verbringen soll, nach der Erdenzeit gerechnet wird.

Man hat mir keine Informationen darüber gegeben, wo und wie weit die Erde von der Welt entfernt ist, doch habe ich vom Rat einige Wege erhalten, die mich in meine Heimat bringen können. Diese Wege sind allerdings an Bedingungen gebunden und geben mir nicht die Möglichkeit, meine Strafe abzubrechen. Einer dieser Wege ist vorgesehen, um einen Zwischenbericht abzugeben, einen kann ich für einen Notfall nutzen und zehn Wege kann ich an Erdenwesen abgeben, z. B., um sie zu belohnen oder einzuladen.

Nun lege ich mich eingehüllt in ein großes Bisonfell zur Ruhe und versuche gedanklich, meine Wehmut über den vorübergehenden Verlust meiner Heimat mit der Neugier auf diese Erde zu tauschen.

Als ich vor sechs Tagen hier ankam, musste ich mir erst einmal etwas zum Anziehen suchen, denn ich bin an einem warmen, frühsommerlichen Tag aufgebrochen und hatte meine Tuchkleidung auf dem »Weg« verloren. Hier bläst der Wind noch spätwinterlich kalt und nachts kriecht der Frost über den Boden. In einigen schattigen Senken taut es auch tagsüber nicht.

Zufällig sah ich einige Hügel entfernt mehrere Raben kreisen und begab mich dorthin.

Erfreut stellte ich fest, dass es sich beim Objekt der Begierde der Raben um einen vollständigen Kadaver eines alten Bisons handelte, der vermutlich im letzten Winter gestorben und danach so festgefroren ist, dass er noch von keinem Raubtier angefressen war. Die enzymatische Zersetzung hatte glücklicherweise noch nicht in vollem Umfang begonnen, sprich: der Gestank war noch gut auszuhalten.

Ich legte mich vor der Seele des Bisons darnieder, bat sie darum, mir ihre Haut zu überlassen, und bedankte mich mehrmals zutiefst. Was war das für ein Willkommensgeschenk der Natur der Erde, dass sie mir einen der Ihren gibt. Ich fühlte mich gleich gut aufgehoben.

Vorsichtig löste ich mit einem durchgebrochenen Stein das Fell von dem noch angefrorenen Körper. Ich teilte das Fell so, dass ich zwei gleich große Teile hatte, jedes von einer Körperhälfte des Bisons. Das eine Stück wickelte ich unbearbeitet mit der Fellseite nach innen um meinen Körper, das andere spannte ich auf dem Boden fest und bearbeitete es mit einem verbesserten Stein und der Rinde der vorhandenen Bäume.

Mittlerweile habe ich mir aus dem bearbeiteten Stück eine Oberbekleidung, eine Mütze und einen Lendenschurz angefertigt und das zweite Stück zur Verarbeitung vorbereitet. Dem verendeten Bison habe ich noch Knochensplitter und Sehnen abgebeten und so bin ich recht zufrieden mit meinem Werk, wenngleich sich die Schneiderleute meiner Völker darüber amüsiert zeigen würden. Aus dem zweiten Stück möchte ich Beinkleider und Schuhe herstellen sowie einige Bänder aus den Resten. Auf Ziererei an der Kleidung will ich erst noch verzichten und sie auf reine Funktionalität beschränken.

In der Morgendämmerung erwache ich. Ich gehe zu dem Bach, in dessen Nähe ich mein Lager unter drei windschiefen Büschen errichtet habe und verrichte meine Morgenwäsche. Ein Stück bachabwärts gibt es Beeren, die wie essbare Beeren meiner Heimat aussehen. Und tatsächlich, sie schmecken genauso gut. Vorsichtshalber esse ich aber nur einige, um zu prüfen, wie ich sie vertrage.

Danach mache ich mich daran, das Bisonfell weiter zu bearbeiten. Bis zum Mittag habe ich die Beinkleider ausgeschnitten und halb zusammengenäht oder zusammengeflochten, da ja nicht sehr viel brauchbare Sehne vom Kadaver abfiel. Den längsten Teil der Sehne werde ich mir allerdings für später, für den Bau eines Bogens aufheben, denn das hier vorhandene Holz eignet sich nicht dafür.

Es ist Nachmittag, genau zwischen Mittag und Sonnenuntergang, als ich in der Ferne einige Menschen auf Pferden angeritten kommen sehe. Ich stelle fest, dass diese Pferde bunt sind. Bei uns gibt es hin und wieder auch andere als falbfarbene Pferde, doch überwiegend bei den Völkern, die in enger Verbundenheit mit den Pferden leben und gemeinsam mit diesen saisonal die Weide- und Jagdgründe wechseln.

Da ich gerade kein Feuer anhabe und sie etwa einen Hügel weiter seitlich an meinem Lagerplatz vorbeikommen werden, wenn sie die Richtung beibehalten, wähne ich mich von ihnen nicht entdeckt und verberge mich so, dass ich sie gut sehen kann.

Ich stelle fest, dass die vier Männer Lederbekleidung nach Art der nicht sesshaften jagenden Leute tragen, ganz so, wie die, die ich gerade für mich herzustellen versuche.

Obwohl sie gerade auf die Jagd oder Kundschaft zu gehen scheinen, ist ihre Kleidung doch verziert. Ihre Hautfarbe hat zwar genau so einen rötlichen Schimmer wie meine, ist jedoch etwas heller. Das Haar ist genau wie bei mir lang und schwarz, aber ziemlich glatt. Sie tragen es mit Lederbändern geschmückt. Ihre Statur und Größe gleicht ungefähr der meinen. Ich werde also nicht besonders auffällig aussehen, wenn ich mich irgendwann unter die Erdenmenschen begebe!

Da ich die Beeren heute Morgen offensichtlich gut vertragen habe, halte ich sie für ein irdisches Gegenstück zu den mir bekannten Beeren meiner Heimat. Zudem grummelt mein Magen mittlerweile rekordverdächtig laut. Ich begebe mich daher zum Beerenschmaus, bis ich satt bin. Meine erste Mahlzeit auf Erden! Dass ich mir erst solche Sorgen machte, die hiesigen Früchte könnten für mich giftig sein und deshalb tagelang auf Nahrung verzichtet habe, kommt mir jetzt fast lächerlich vor. Ich Narr! Froh und gestärkt sammele ich meine Sachen zusammen, denn ich möchte morgen weiterziehen.

Einige Tage streife ich nun schon umher und denke darüber nach, was sich wohl gerade auf der Welt ereignen könnte. Ich mache mir große Sorgen, dass der Große Rat mein Versäumnis als so schwerwiegend einschätzt, dass er erwägt, einen neuen König zu wählen. Einen, den ich nicht selbst ausgebildet habe! Bei diesem Gedanken zieht sich mein Magen gramvoll zusammen. Natürlich tut es mir unendlich leid, was geschehen ist und mein Gewissen sagt mir auch, dass ich eine große Strafe verdient habe. Aber mich aus der Königsreihe auszuschließen? Ich fühle mich bei diesen Gedanken wertlos und verstoßen.

In Gedanken versuche ich mir vorzustellen, wie meine Mutter, meine Ziehmutter Chii sich jetzt verhalten hätte. Meine geliebte und hochverehrte Chii. Ich hatte bei ihr immer das Gefühl, sie würde nie einen Fehler machen. Sie hatte immer einen passenden Rat und hatte die Gabe, selbst den grausamsten Verbrecher mit ihrer unglaublichen Güte und Freundlichkeit zu einem friedlicheren Lebensstil zu bekehren.

Und nun? Ich schäme mich gegenüber Chii. Ich stelle mir vor, wie sie mich vorwurfsvoll mit ihren großen Augen ansieht, der ich doch, als Mensch geboren, mit solchen geistigen wie anatomischen Vorteilen gesegnet bin, wie lange kein König oder eine Königin vor mir.

Ich bin dazu in der Lage, die kompliziertesten Hilfsmittel zu bedienen und kann ein umfangreiches Spektrum an Lauten erzeugen. Menschen sind eine der körperlich und geistig am weitesten entwickelten Spezies der Welt. Daher haben auch alle Menschen auf der Welt einen gewissen Sonderstatus. Das heißt, wir Menschen nehmen uns mehr als alle anderen den Vorteil heraus, andere Wesen zu unserem Vorteil einzusetzen und sogar eine gewisse Auslese zu treffen. Aber mehr Rechte bringen natürlich auch mehr Pflichten und so sind die Menschen ganz besonders für das Wohlergehen aller Lebewesen verantwortlich. Menschen sind die Beschützer der Welt, die Vermittler, die Übersetzer und noch einiges mehr. Keine andere Art hat die Verantwortungshoheit über so viele Aufgaben zu tragen, wie die Menschen. Mir hätte ein solcher Fehler also erst recht nicht passieren sollen! Ich hätte gleich auf erste Warnungen reagieren sollen! Ich habe die Opfer im Stich gelassen. Meine Aufgabe ist es, meine Bevölkerung zu beschützen und zu helfen, wo Hilfe benötigt wird. Der König ist Diener seines Volkes und der höchste Entscheidungsträger in einem. Ich schwelge in hilfloser Reuigkeit.

Wie gerne wäre ich jetzt wieder der kleine Junge und schwämme angestrengt Chii hinterher, um annähernd mit ihr mitzuhalten. Selbstverständlich war es schon aufgrund meiner Anatomie kaum möglich, ihr in ihrem normalen Tempo durch die Ozeane zu folgen, doch sie gab mir nie das Gefühl, dass es ihr lästig war, dass ich sie so aufhielt. Und wenn sie es sehr eilig hatte, lud sie mich ein, mich an ihrer Finne festzuhalten oder übergab mich der Obhut anderer Delphine.

Ich begleitete sie, sobald ich von meiner leiblichen Mutter entwöhnt war und selbst essen und laufen konnte, so wie es vom Rat bestimmt war. An meine leiblichen Eltern erinnere ich mich nicht mehr und ich weiß, dass es ihnen auch nicht erlaubt wäre, sich als diese zu erkennen zu geben, wenn ich ihnen irgendwann begegnen sollte. So wuchs ich bei meiner Ziehmutter und Amtsvorgängerin Chii auf, wurde von ihr unterrichtet und beobachtete sie bei politischen oder sozialen Ereignissen. Ich war hoch motiviert, alles zu lernen, was es zu lernen gab. Als ich älter wurde, wurde ich über die ganze Welt geschickt, um mich bei Kundigen aller Arten, aber vor allem bei den Menschen, weiterzubilden. Hier erhielt ich besonders darüber Unterricht, was man zur Gesunderhaltung benötigt und wie man die Gesundheit wieder herstellen kann. Außerdem wurde ich in Verteidigungstechniken unterwiesen, denn dafür war mir im Meer die Möglichkeit nicht gegeben.

Ich war und bin mit dem glücklichen Vorteil geboren, an Land und im Wasser zurechtzukommen, was vielen meiner Vorgänger nicht gegeben war. Deshalb hielt ich mich bisher immer für perfekt geeignet, der König meiner Welt zu sein, da ich fast uneingeschränkt die Möglichkeit habe, mit allen Bewohnern persönlich zu kommunizieren.

Chii hatte zwar, wie ich, die Gabe, die Gestalt zu wandeln, doch dies war wegen des enorm hohen Energieaufwandes nur für kurze Zeit möglich, d. h., es war ihr keinesfalls länger möglich, als einen halben Tag an Land zu gehen. Deshalb beschränkten sich ihre Audienzen mit Landbewohnern auf die Küstengebiete und Ufer der Flüsse.

Ich dagegen kann mich auch stundenlang unter Wasser aufhalten, wenn ich meinen Energieverbrauch sehr stark herunterfahre und meine Wasserform annehme. Ich habe es aber nach den Zeiten von Chii nicht mehr beansprucht. Außerdem fahre ich lieber auf einem Boot über das Wasser. Das ist nicht so kalt und kräftezehrend und ich kann Dinge, wie z. B. Kleidung, trocken mitnehmen.

Meine Aufmerksamkeit wird jäh von meinen Erinnerungen abgerissen, als ich hinter einem Hügel ein Bachbett entdecke, in dem ein hölzerner Wagen feststeckt, an den zwei braune Pferde gespannt sind. Ein Mensch, ein hellhäutiger Mann mit einem Bart auf der Oberlippe, in mittlerem bis fortgesetztem Lebensalter, wie ich es einschätze, springt verärgert und mit seinem großen Hut wedelnd um die beiden ängstlichen Pferde herum und zieht und zerrt an dem Wagen, dessen Räder über drei Viertel im Bachbett feststecken. Der Mann brüllt die Pferde an, die ihm aber verzweifelt entgegnen, dass sie nicht stärker ziehen können und dass diese Situation ihnen äußerste Angst verursacht. Ich sehe, wie der Mann anfängt, mit einem Stock auf die beiden einzuschlagen. Das kann ich nicht zulassen! Warum hört der Mann den beiden nicht zu? So bekommen sie den Wagen dort nicht weg!

Laut rufend renne ich den Hügel hinunter. Erfolgreich halte ich so den Mann davon ab, weiter auf die Pferde einzuschlagen, da er mir nun verdutzt entgegensieht. Als ich erkenne, dass der Mann eine verteidigungsbereite Körperstellung einnimmt, verringere ich mein Tempo, laufe nicht mehr frontal, sondern in einem kleinen Bogen auf ihn zu und spreche ihn in ruhigen Ton an. Der Mann richtet ein hohles Metallrohr auf mich, vermutlich eine Art Blasrohr. Besänftigend hebe ich die Hände und zeige ihm meine leeren Handflächen, wobei ich mich ihm langsam weiter im Halbprofil nähere.

Ich schiebe mich ruhig redend an ihm vorbei zu den Pferden, die mir mitteilen, dass sie total am Ende sind und nur noch da raus möchten. Vorsichtig untersuche ich, wie das Geschirr, das ähnlich aussieht, wie die Geschirre, die wir benutzen, aufgemacht wird. Behutsam befreie ich die beiden Pferde, die sogleich ans Ufer gehen, um zu grasen. Ich drehe mich zu dem Mann um, der sofort wieder sein Eisenrohr auf mich richtet, das er zuvor abgesenkt hatte, während er mich misstrauisch beobachtete. In ruhigem Ton erkläre ich ihm nun, dass es so nicht möglich ist, sein Fuhrwerk da rauszuholen, und dass es keinen Vorteil bringt, mehr von den Pferden zu verlangen, als sie leisten können.

Ich schaue mir den vollgepackten Wagen genau an und erkläre dem Mann dann, dass wir das Gewicht des Wagens verringern könnten, indem wir ihn erst abladen und es dann nicht mehr schwer wäre, den Wagen, der mit beiden Achsen auf einem unter Wasser liegendem Baumstamm festhängt, erst zurück ans Ufer schieben und ihn dann ein Stückchen unterhalb des Baumstammes durch den Bach zu schieben. Meinen Vorschlag unterbreite ich ihm zusätzlich mit deutlichen Gesten, da er meine Sprache offensichtlich nicht versteht.

Der Mann nimmt nickend sein Rohr runter, was ich als Zustimmung auffasse.

Gemeinsam entladen wir den mit schweren Kisten beladenen Wagen, spannen die mittlerweile erholten Pferde hinter und dann vor den Wagen und schaffen es so, ihn auf die gewünschte Seite des Baches zu bringen. Dort werden die Pferde wieder ausgespannt und der Mann lädt mich zum Abendmahl ein, das ich dankend annehme. Während er sein Abendlager einrichtet, mache ich uns ein Feuer und denke dabei über diese Begegnung nach. Sicherlich steckte der Wagen schon eine ganze Weile in dem Bach fest und der Mann war so verzweifelt und ärgerlich darüber, dass er sein Hab und Gut nun hier lassen müsse, dass er die Pferde so geschlagen hat. Nach den mir bekannten Benimmregeln hätte er die Pferde jetzt wählen lassen sollen, ob sie bei ihm bleiben wollen oder ihren Dienst aufgeben wollen. Er hätte jetzt versuchen sollen, wieder ein gutes Verhältnis zu den beiden herzustellen, damit sie weiterhin für ihn den Wagen ziehen. Stattdessen hat er den Pferden Bänder zwischen die Vorderbeine gebunden, damit sie nicht entkommen können.

Nach dem Abendessen verabschiede ich mich, da es mich irgendwie irritiert, dass er, obwohl er mit mir lachte, irgendwie einen gierig anmutenden Ausdruck in seinen mich ständig anstarrenden Augen hatte. Außerdem fand ich es nicht so gut, wie er mit seinen Pferden umgeht. Nun ja, ich kenne die hier üblichen Sitten noch nicht, aber ich habe jedenfalls kein Bedürfnis, die nächste Nacht in seiner Gesellschaft zu verbringen.

Bis etwa Mitternacht wandere ich noch weiter und finde dann eine geeignete Stelle, an der ich mich ohne irgendeinen Aufwand einfach zur Ruhe legen kann.

In den folgenden Tagen wird die Gegend, durch die ich komme, immer steiniger und trockener, so dass ich mich entschließe, erstmal nach Nordosten weiter zu laufen. Meine Vermutung, dass es in dieser Richtung weniger verdörrt ist, bestätigt sich offensichtlich, denn die Gegend ähnelt hier mehr der, durch die ich anfangs kam.

Etwa alle fünf Tage kann ich mir mit meinem neuen Bogen ein Kaninchen oder anderes Niederwild schießen, von dem ich dann einige Tage essen kann und zusätzliche Felle gewinne.

Nach etwa zwei Wochen langsamen Herumstreichens stoße ich auf Spuren von von Pferden gezogenen Fuhrwerken. Offensichtlich wird diese Strecke hier öfters befahren. Die letzten Spuren sind etwa zwei Tage alt. Neugierig entschließe ich mich, dem Weg zu folgen.

Nach einigen Stunden auf dem Weg brennt die Mittagssonne schon mehr als behaglich warm auf meinen Kopf. Halb dösend schlendere ich weiter, anstatt mir eine Ruhepause zu gönnen, aber ich habe einfach noch nicht den passenden, halbwegs angenehm temperierten Platz in dieser baumlosen Ebene gefunden. Plötzlich trete ich mit meinem linken Fuß ins Leere, bleibe mit meinem rechten hinter einem Grasbüschel hängen und höre es ekelhaft krachen, während sich ein fürchterlicher Schmerz in meinem linken Bein breit macht. Ich habe mir das Bein gebrochen! Stöhnend ziehe ich es aus dem Loch und setzte mich vorsichtig hin. Schienbein und Wadenbein sind beide durch. Ich kann mich gar nicht entscheiden, ob ich jetzt wütender auf mich sein soll oder mich bedauern soll. Ich entscheide mich für wütend. Besonders, da mir immer klarer wird, dass ich nichts dabei habe, um meinen Bruch zu stützen, verbinden oder zu behandeln. Und wann habe ich die letzte Wasserstelle gesehen? Warum habe ich dort nicht meine Blase aufgefüllt? Ich könnte mich jetzt totärgern! Und die Sonne brennt so heiß!

Ich denke nach. Mein selbstgebauter Bogen oder die Pfeile sind nicht annähernd geeignet, sie zum Schienen zu benutzen. Zum Glück ist es wenigstens kein offener Bruch und es scheint auch ziemlich glatt durchbrochen zu sein. Trotzdem schmerzt jede kleine Bewegung unterhalb der Hüfte sehr.

In der Ferne sehe ich eine Staubwolke langsam auf mich zukommen. Bald erkenne ich, dass es ein Pferdefuhrwerk ist. Die scheinen hier echt sehr verbreitet zu sein. Ich hadere mit den Gedanken, mich weiter abseits des Weges zu verbergen, das müsste aber angesichts des kurzen Grases schon ziemlich weit sein, oder auf den Wagen zu warten. Ich entscheide mich für letzteres, denn sicher hatten der oder die Menschen, davon gehe ich mal aus, schon längst meine Spuren auf dem Weg entdeckt.

Als der Wagen in meiner Nähe hält, erkenne ich die beiden Pferde und den hellhäutigen Mann, denen ich aus dem Bach geholfen habe. Ich freue mich sehr, denn schließlich kann er mir jetzt für meine Hilfe eine Gegenleistung bringen.

Der Mann steigt grinsend ab, kommt zu mir und reicht mir seine Hand, um mir aufzuhelfen und stützt mich bis zum Wagen. Als ich an den Pferden vorbeikomme, halte ich kurz inne, weil mich die Pferde stumm grüßen und sie mir mitteilen, dass sie dankbar sind, dass ich ihnen wieder mal eine Pause verschaffe. Den hellhäutigen Mann beachte ich in diesem Moment nicht.

Im nächsten Moment verspüre ich einen wuchtigen Schlag auf meinen Kopf und versinke in schwarzer Bewusstlosigkeit.

2

Ich erwache mit rasenden Kopfschmerzen. Ich versuche, die Augen zu öffnen, doch die Sonne blendet auch so durch meine geschlossenen Lider, dass ich in völliges Rot gehüllt bin. Meine Lider fühlen sich verkrustet und ausgetrocknet an, wie meine ganze Gesichtshaut eigentlich. Ich möchte mit der Hand durchs Gesicht wischen, aber irgendetwas hindert mich daran, die Hand dorthin zu bekommen. Oh, diese Kopfschmerzen! Und mein Bein schmerzt. Kopf und Bein puckern und dröhnen. Ich sitze auf hartem, steinigem und staubigem Boden. Es ist so heiß. Wieder will ich mir mit der Hand durchs Gesicht wischen. Wie vom Blitz getroffen wird mir klar, dass ich mir deshalb nicht durchs Gesicht wischen kann, weil meine Hände über meinem Kopf angebunden sind! Ich reiße die Augen auf, was aber auch noch die Augen schmerzen lässt, weil die Sonne so stark blendet. Auch um meinen Hals ist etwas gelegt, das ihn an der Stelle fixiert. Es klimpert. Eiserne Ketten umschließen meine Handgelenke und meinen Hals.

Könnte ich mich darauf konzentrieren, wäre ich jetzt einfach nur fassungslos. Doch in diesem Moment tritt der Mann neben mich, jedenfalls glaube ich, dass er es ist, denn ich kann nur eine Silhouette erkennen. Seine Schuhe knirschen dabei auf dem Boden. Er stößt ein halblautes triumphierendes Lachen aus und tritt gegen mein gebrochenes Bein. Ich hätte geschrien vor Schmerz, doch meine Kehle ist so trocken, dass ich nur ein Stöhnen zustande bringe. Dann wird mir wieder schwarz vor Augen.

Als ich wieder erwache, ist es dunkle Nacht. Es ist frostig kalt und ich friere sehr. Die mir umgelegten Eisenschellen scheinen noch zusätzliche Kälte abzugeben. Mein Versuch, mir mit meinem warmen Bisonfell eine wärmendere Isolierschicht aufzubauen, scheitert daran, dass das Fell weg ist. Bis auf meinen Schurz bin ich nackt. Durch die völlige Bewegungslosigkeit der letzten Stunden oder Tage bin ich völlig steif und durchgekühlt. Mein ganzer Körper fühlt sich jetzt unbeschreiblich unangenehm an. Fast bin ich amüsiert, als mir auffällt, dass der Schmerz des gebrochenen Beines nun ein weitaus kleinerer ist wie vorher , sicher nicht geringer, aber er fällt angesichts der Tatsache, dass mein gesamter Körper ein einziger Schmerzzustand zu sein scheint, weniger ins Gewicht. Irgendwie ist meine ganze Hautoberfläche mit von Steinchen gespickten Schürfwunden überdeckt und brennt fürchterlich. Abgesehen davon sind meine Lippen vor Trockenheit aufgesprungen und meine Sehnsucht nach einem Schluck Wasser ist gestiegen. Wenigstens haben meine Kopfschmerzen nachgelassen und ich kann mich wieder etwas konzentrieren.

Nun widme ich meine Aufmerksamkeit meiner Umgebung. Das sehr ausgetrocknete Gras wächst hier wesentlich spärlicher und es ist auch viel kürzer als an dem Ort, wo mir mein Missgeschick geschah.

Ich bin mit den Händen über meinen Kopf und mit meinem Hals an eine der Speichen eines großen Hinterrades des Wagens gebunden. Der Himmel über mir ist sternenklar, weshalb es wohl auch so durchdringend kalt ist. Ich schätze, dass es hier tagsüber aber schon sehr heiß ist. Vielleicht war ich bei meinem letzten Erwachen auch schon hier, aber das ist nur eine Vermutung. Ein leises Schnarchen tönt von der anderen Seite des Wagens herüber. Ich vermute, dass es von dem Mann kommt, dem ich am Bach geholfen habe. Wut steigt in mir hoch. Wie kann er nur so undankbar sein? Und was hat er denn davon, dass er mich derart festhält? Ich hatte doch nichts von Wert außer der Kleidung aus Bisonfell, meinem gut gelungenen Bogen und den vier Pfeilen. Das hätte er mir doch auch alles so rauben können, nachdem er mich niedergeschlagen hatte. Wozu nur diese Fesseln und diese Zurichtung? Hält er mich für einen Feind? Ich habe ihm doch mit meiner Hilfsbereitschaft deutlich gemacht, dass ich ihm nicht feindlich gesinnt bin. Ich bin empört! Ich möchte ihn jetzt unbedingt zur Rede stellen. Immer lauter rufe ich, reiße und ziehe an den Ketten, die sich leider trotzdem nicht lösen. Plötzlich steht er vor mir. Wütend fahre ich ihn an, was ihm einfiele, mich hier anzubinden. Der Mann, ja, es ist der Mann vom Bach, grinst höhnisch, aus seinen Augen blickt nur eiskalte, überhebliche Wut. Er nimmt eine lange, hartkantige Latte vom Wagen in die Hand und beginnt auf meinen Oberkörper einzuschlagen. Ich bin rasend wütend und versuche ihn mit meinem gesunden Bein zu treten, doch erreiche ihn nicht. Ich drehe und winde mich, doch das gebrochene Bein und die zahlreichen Prellungen und Verletzungen meiner Haut sowie natürlich die Fesselung vermindern meine Beweglichkeit sehr. Als ich merke, dass ich mich nicht wehren kann, schlägt meine Wut in Angst um, denn der Mann schlägt mit seiner Latte immer weiter auf mich ein. Ja, seine Wut scheint sogar zu steigen.

Mir wird bewusst, wie dumm die Idee war, den Menschen unter dieser Benachteiligung und aus dieser Wut heraus anzusprechen. Ich fordere ihn dazu auf nachzulassen, doch er reagiert nicht. Mein Bitten wird immer flehentlicher, bis ich, immer verzweifelter, Deckung für mein Gesicht suche und anfange zu weinen und um Einsicht zu flehen. Endlich hört er auf. Er ist genauso durchgeschwitzt und außer Atem wie ich, als er die Latte fortschmeißt. Er sieht mich verächtlich an und bespuckt mein Gesicht, bevor er sich umdreht und hinter dem Wagen verschwindet.

In einer Mischung aus Erleichterung darüber, dass ich ihm erstmal entkommen bin und Verzweiflung darüber, dass ich mich noch nie so ausgeliefert gefühlt habe, beruhigte ich mich wieder. Jetzt, durchgeschwitzt und stellenweise blutend, spüre ich die Kälte noch mehr. Dennoch schlafe ich bald darauf ein.

Den ganzen ereignislosen nächsten Tag dämmere ich immer wieder ein. Ich versuche, so weit wie möglich, meine Schmerzen zu vergessen, indem ich mich auf die wenigen Stellen meines Körpers konzentriere, die mir nicht wehtun. Auch mein Durst wird unerträglich, besonders weil ich wegen dem wandernden Schatten seit dem Vormittag schutzlos der brennenden Sonne ausgesetzt bin. Der Mann scheint unterdessen weggeritten zu sein, aber ich verzichte gerne auf ein weiteres Gespräch von der Art des gestrigen. Die folgende Nacht und der darauf folgende Tag laufen genau gleich ab.

Vermutlich einen weiteren Tag später tritt der Mann an mich heran und reißt mich aus meinem Dämmerzustand, indem er gegen mein kaputtes Bein tritt und meinen Kopf am Schopf hochreißt. Schemenhaft sehe ich seine Gestalt vor mir stehen, denn meine Augen sind ganz verklebt vor Staub und Trockenheit. Er spricht mich an. Ich verstehe nicht, was er von mir will.

Dann hält er mir ein Gefäß mit Wasser vor den Mund und ich kann daraus etwa fünf Mundvoll trinken, ehe er es wegnimmt. Dann löst er die Ketten von den Radspeichen, nicht aber die von meinem Körper, hängt sie so zusammen, dass ich meine Hände eine Handbreit auseinander nehmen kann, stützt mich hoch und leitet mich dann in den Wagen, der jetzt bis auf einige Säcke und eine größere Kiste leer ist. Die Wände bestehen aus einem Gitter aus massiven Balken, jeder etwa armdick. Über das Ganze ist eine Plane aus dichtgewebtem, dunklen Stoff gespannt, so dass es innen fast dunkel ist. Das alles war mir am Bach nicht weiter aufgefallen. Er bedeutet mir, mich an das vordere Gitter auf den Boden zu setzen und schließt die Ketten über meinen Kopf an das Gitter an. Dann geht er hinaus und ich höre Geräusche, die darauf schließen lassen, dass er sich zum Aufbruch fertig macht. Ich kann mir vorstellen, dass eine Fahrt auf diesem Gelände holperig wird und schaffe es, mir mit dem rechten Bein drei der Säcke heranzuziehen und sie so um mein linkes Bein zu drapieren, dass es recht ruhiggestellt ist. In den Säcken scheinen sich Ketten zu befinden, denn es klimpert dementsprechend. Jedenfalls bin ich gerade zufrieden mit der Lagerung meines Beines, als der Wagen losrumpelt.

In dem Wagen ist es zwar heiß und stickig, doch kann ich wenigstens ausruhend sitzen und dösen, was meinem Körper hoffentlich so gut tut, dass er sich erholt.

Gelegentlich erwache ich, wenn der Wagen durch Löcher fährt und muss ab und zu mal die Säcke wieder heranrücken. Ansonsten schaffe ich es tatsächlich, mich zu erholen.

Irgendwann bekomme ich mit, dass der Wagen an einem Ort hält, wo es viele Menschen gibt, denn ich höre verschiedene Stimmen. Nach einer Weile geht es weiter. Am Abend, mit dem Sonnenuntergang, hält der Wagen wieder, doch der Mann schaut auch jetzt nicht hinein. Mein Durst quält mich wieder sehr. Mein ganzer Körper sehnt sich nach Flüssigkeit. Ich höre, dass der Mann Wasser hat. Er gibt den Pferden Wasser und kocht sich … Bohnen. Dieser Duft! Ich bin hin- und hergerissen, ob ich den Mann nochmal auf mich aufmerksam machen soll, um ihn darauf hinzuweisen, dass auch ich hungrig und durstig bin, oder es besser sein lasse, um keine weiteren Schläge zu riskieren. Da höre ich den Mann zur Tür hinten am Wagen gehen. Er hängt den Vorhang zur Seite und schließt die Tür auf, die mit mehreren Riegeln versehen ist, die mit Splinten abschließbar sind. Von innen sind die Riegel nicht erreichbar. Er tritt ein und wirft mir, von einem einsilbigen Wort begleitet, ich nehme an es heißt iss, ein etwa fersengroßes Stück vor die Füße, lacht herablassend und verriegelt nach Verlassen des Wagens wieder die Tür.

Ich schaue mir das Stück einige Sekunden unentschlossen an. Es liegt etwa zwei Fußlängen vor meinen Füßen. Ich versuche, mich dann weiter zu strecken, um an das Stück heran zu kommen. Ich rieche, dass es sich um ein Stück Brot handelt, doch mir steigt auch der scharfe Geruch von Schimmel in die Nase. Egal, bei dem Geruch der Bohnen hat mein Magen fürchterlich angefangen zu knurren. Ich muss ihm jetzt etwas geben, und wenn es ein Stück Holz ist.

Mit einiger Anstrengung kann ich das Brot mit dem rechten Fuß erreichen, schiebe es vorsichtig näher, kann es dann auf mein linkes Bein heben und darauf entlang, bis es auf dem Oberschenkel liegt. Doch dann komme ich nicht weiter. Ich kann das Brot bis zu meinem Unterbauch schieben. Von da aus möchte ich mich lang machen, um es mit den Bauchmuskeln weiter nach oben zu bringen. Doch sobald ich mein Becken bewege, schmerzt das linke Bein unerträglich und ich gebe nach einigen Versuchen enttäuscht auf. Ich bin dem Mann jetzt sehr böse. Natürlich zielt dieses scheinbare Entgegenkommen nur darauf ab, mich wieder zu quälen. Was hat er nur davon oder was habe ich bloß verbrochen, frage ich mich zum wiederholten Male. Ich kann nur noch an zwei Dinge denken: Durst! Hunger! Durst … Durst … Durst … Vielleicht kann ich etwas schlafen. Ja, schlafen ist gut. Dann falle ich in einen tiefen Schlaf.

Als ich erwache, steht die Sonne bereits hoch und der Wagen fährt gleichmäßig rumpelnd in langsamem Trabtempo dahin. Heute ist es windig. Die Plane flattert am Wagen und es ist nicht so heiß darin. Die Luft ist verheißungsvoll feucht. Nachmittags wird es auf einmal böiger und die Sonne verschwindet häufiger hinter Wolken. Ich nehme Gewitterdonnern wahr, das immer lauter wird. Kurz nachdem der Wagen anhält, höre ich die ersten Regentropfen auf die Plane fallen. Ich fasse sofort nach einem Stück der strammen Plane und versuche, eine Falte so zu ziehen, dass das Regenwasser von dieser äußeren Rinne durch die Plane in meine Hand laufen kann und von da aus meinen Arm hinunter, so dass ich es von dort ablecken kann. Nach ein paar kleinen Korrekturen gelingt mir das auch und ich empfange den ersten Tropfen, der meinen Mund erreicht, mit glücklichem Entzücken. Die ersten spärlichen Tropfen schmecken zwar nach Salz, Eisen und Staub, doch dann kommt mehr und ich kann etwa zwölf gefüllte Hände voll trinken. Dann höre ich den Mann fluchen und einige Sekunden später wird etwas Hartes von außen heftig gegen meine Hand geschlagen. Die Plane wird aus der Reichweite meiner Hände abgespannt. Aber ich habe mich erfolgreich mit dem Lebenselixier versorgt! Ich fühle, wie das Wasser durch mich rinnt und Wohltun verbreitet. Ich habe einen kleinen Gewinn gegenüber meinem Kontrahenten erzielt und fühle mich euphorisch, etwas mehr in die Lage gerückt, ihm weiter die Stirn zu bieten. Das triumphierende Lachen ist für einen Moment meines.

Schon kurz darauf lässt der Regen nach. Die Wagentür wird geöffnet. Der Mann hält ein Seil mit einer Schlaufe und einen längeren Stock, der am Ende zwillenförmig auseinandergeht, in der Hand. Misstrauisch setze ich mich stramm an die Wand. Mit dem Stock drückt er ruckartig mein linkes, gebrochenes Bein runter. Mit meinem rechten Bein versuche ich impulsiv den Stock wegzuschlagen und hebe es dafür vom Boden ab. Schon zieht sich die Seilschlaufe um mein rechtes Fußgelenk fest. Das andere Ende des Seiles führt er aus dem Wagen raus. Dann wird die Plane hinter meinem Rücken hochgezogen und meine Handketten aus der Verankerung am Wagen gelöst. Mit Schrecken kann ich jetzt sehen, dass er nun auf sein Pferd steigt, an dessen Sattel das Seil angebunden ist. Schon lässt er das Pferd anschreiten. Ruckartig werde ich aus dem Wagen rausgezogen und lande schmerzhaft mit dem Rücken auf dem staubig-steinigen Boden.

Voll Angst und Schmerz versuche ich mich so zu drehen und zu wenden, dass mein linkes Bein nicht gegen die Zugrichtung gezogen wird. Nach einigen Schritten schaffe ich es, mein linkes Bein auf mein rechtes zu legen und in Seitenlage hinterherzuschleifen. Er hält an und tritt neben mich. Ich bin gelähmt vor Angst und starre ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Da drückt er meinen Hals mit seinem Zwillenstab auf den Boden, löst das Seil von meinem Fuß und knotet es, auf meiner rechten Hand stehend, an die Kette meiner Hände. Nun werde ich mit den Händen voran gezogen. Ich ächze und stöhne, zu mehr bin ich nicht in der Lage, während ich immer wieder versuche, nicht nur auf einer Stelle zu liegen bzw. mich so hoch wie möglich am Seil zu ziehen, um den Abrieb meiner Haut zu minimieren. Als er nach einer Weile wendet, kann ich kurz erkennen, dass der Wagen nur etwa zweihundert Schritte entfernt steht. Mir kam es sehr viel länger vor. Ich bemerke, dass er mich ansieht. Als hätte er auf Blickkontakt gewartet, deutet er mir jetzt an, das Pferd in Galopp zu treiben. Ich zeigte meine Angst deutlich und bringe einige flehende Nihn zustande, woraufhin er »Nein!?« ruft und ich dies hektisch, aber ohne Kraft in der Stimme einige Male wiederhole. Er zieht mich im Zockeltrab zum Wagen zurück. Dort angekommen, bin ich nicht in der Lage, mich aufzurichten oder mich koordiniert zu bewegen. Also knotet er das Seil vom Pferd ab, führt es um die Gitter an der Vorderseite des Wagens und bindet es dann wieder ans Pferd, so dass er meinen schlappen Körper in den Wagen zieht. Ich fühle mich furchtbar. Ich spüre alles zwischen brennendem Schmerz und Taubheit. Zum Denken bin ich nicht imstande. Als er meine Hände wieder anbindet, diesmal an einen Ring am Wagenboden, bekomme ich das kaum mit. Er rückt jetzt mein linkes Bein in die richtige Stellung und fixiert es so, dass es während der Fahrt nicht bewegt wird.

Als ich wieder zu mir komme, befinde ich mich in einem dunklen, kleinen, rechteckigen Raum in einem aus Steinen gemauerten Gebäude. Ich liege auf einer dünnen Decke über einer fingerbreiten Schicht Stroh auf dem Boden. Zu meinen Füßen befindet sich ein zwei Hand großes, aber vergittertes Fenster und gegenüber eine dichte, schwere Holztür. Mein Bein ist geschient und fühlt sich viel besser an. Ich habe Kräutergeschmack im Mund und fühle mich nicht sehr durstig. Aber mein Kopf fühlt sich ganz dumpf an und ich schwitze stark, obwohl es hier nicht besonders warm sein kann, weshalb ich annehme, dass ich Fieber habe. Über dem Gedanken, wieviel Zeit wohl vergangen sein mag, schlafe ich wieder ein.

Zarte Hände streichen über meinen Körper und verteilen Kräuteröl auf meiner borkigen Haut. Dann wird ein mit Pflanzenessenzen getränktes Tuch um mein Bein gelegt und mein Gesicht gereinigt. Nein, das träume ich nicht, aber ich bin zu müde und zu schwach, um meine Augen zu öffnen. Einige Stunden später kommt wieder jemand in den Raum, nimmt das Tuch von meinem Bein und wäscht es in dem Essenzenwasser, wie ich rieche und höre. Ich kann die Augen öffnen und schaue einer älteren, sehr dunkelhäutigen Frau mit kurzkrausigen, schwarzsilbrigen Haaren dabei zu, wie sie mein Bein wieder einwickelt. Beim Aufstehen bemerkt sie, dass ich sie ansehe. Ich lächle sie freundlich und etwas verlegen an, sie erwidert mit einem mitleidigen und irgendwie vorwurfsvollen Lächeln, schüttelt leicht den Kopf, wendet sich eilig um und geht raus. Die Tür wird wieder verriegelt. Ich bin jetzt nicht mehr gefesselt, aber die Schellen liegen noch um meine Handgelenke und meinen Hals.

So liege ich etwa elf weitere Tage in diesem Raum und werde zweimal täglich von der älteren Frau besucht, die mein Bein und die Wunden versorgt. Einmal am Tag bringt sie mir einen Teller mit einem faustgroßen Stück Brot und einen Krug Wasser und leert den Eimer mit meiner Notdurft. Meine Versuche, sie zum Sprechen zu animieren, quittiert sie immer nur mit einem entschuldigenden Lächeln. Ich bin darüber etwas enttäuscht, aber vermute, dass sie von jemand anderem, vielleicht dem Mann vom Bach, beauftragt ist, mich zwar zu versorgen, aber nicht mit mir zu sprechen.

Vier Tage bin ich schon ohne Fieber. Die Frau bringt mir seit zwei Tagen nur noch das Essen rein. Ich fühle mich wieder stark genug, um aufzustehen und mein Bein leicht zu belasten. Ich drehe zwei Runden durch meine Zelle, das Gewicht auf mein rechtes Bein verlagert und mich an der Wand abstützend. Dann setzte ich mich wieder eine Weile und beginne das Schema erneut. Im Laufe der nächsten fünf Tage steigere ich die Anzahl der Runden und die Belastung meines Beines.

Als ich an diesem Vormittag gerade dabei bin, das erste Mal eine Runde zu drehen, bei der ich mit jedem zweiten Schritt mein Bein voll belaste, geht die Tür auf. Vor mir stehen der Mann vom Bach und vier weitere große, kräftige Männer. Beim Anblick des Bachmannes steigt eine Mischung von Angst und mir bis dahin ungewohntem Hass hoch. Als die Männer hereindrängen, schlucke ich meine Gefühle herunter, wie ich es seit jeher gewohnt bin, um Streitigkeiten zu schlichten. Um entwaffnend und beruhigend zu wirken, strecke ich meine Hände schulterbreit auseinander, die Handflächen zu den Männern weisend. Ich gebe mir Mühe, ein neutrales Gesicht aufzusetzen. Ungeachtet dessen stürmen die vier Männer am Bachmann vorbei, drängen mich Richtung Fensterwand, während mir irgendetwas zwischen die Füße gehalten wird, so dass ich taumele, dabei an einem Arm herumgerissen werde und schließlich auf den Knien lande und mit dem Kopf gegen die Wand schlage. Ich spüre den Zwillenstock gegen meinen Hals gedrückt, während mir die Hände auf den Rücken gerissen werden und eine kurze Kette zwischen den Schellen befestigt wird, so dass ich die Hände nur noch etwa zwei Handbreit auseinanderbekomme. An die Halsschelle wird ein Seil geknotet. Trotz meiner Wut und Empörung erwäge ich noch einen Versuch, Gesprächsbereitschaft herzustellen, gebe dieses Vorhaben aber, nachdem ich mich umdrehe und in das höhnische und herablassende Gesicht des Bachmannes blicke, auf. In mir sind nur noch Wut und Hass. Ich weiß ganz genau, dass mir meine heimatliche Stellung die Unterdrückung solcher Gefühle gebietet, doch ich habe noch nie so einen Hass gefühlt. Ich will mir diese Behandlung nicht gefallen lassen. Auch ein Kriegsgefangener muss angehört werden! Zumal ich gar keiner bin, das ist alles ein Missverständnis!

Ich atme tief durch, springe auf und hinke auf ihn zu. Damit hat er nicht gerechnet. Ich sehe ein kurzes, unsicheres Flimmern in seinen Augen. Schon hat ihm einer der anderen Männer, die jetzt in die Handketten greifen, das Ende des Seiles zugeworfen. Indem die Männer mich zurückziehen, hat er Zeit gewonnen, das Seil straff zu ziehen und ein langes Messer zu ziehen, das er mir nun vor die Brust hält. Er ruft irgendetwas und zwei weitere Männer kommen mit vorgehaltenen Metallblasrohren in die Tür.

Mir wird bewusst, dass mir mein Wutausbruch jetzt nicht weiterhilft. Mit zusammengekniffenen Augen und vorgerecktem Unterkiefer starre ich den Bachmann an. Er erkennt genau wie ich, dass ich in dieser Situation unterlegen bin und blickt mich warnend an, noch irgendetwas zu unternehmen, das mit einem Angriff zu tun hat. Er lässt das Seil sinken und stellt ein Bein darauf. Langsam zieht er meinen Hals runter. Die anderen Männer drücken die Kette zwischen meinen Händen ebenfalls runter, so dass ich auf die Knie gehen muss. Ich starre ihm dabei die ganze Zeit fest in die Augen. Grimmig starrt er zurück, als wenn er etwas von mir erwartet. Er gibt einen Befehl und zieht mich mit Unterstützung der anderen Männer weiter runter, bis ich auf dem Bauch vor seinen Füßen liege. Meine Erwartung, dass er jetzt eigentlich zufrieden sein könnte, war falsch. Er sagt etwas zu den Männern an der Tür, einer von ihnen geht kurz weg und kommt gleich darauf wieder. Dann zischt etwas durch die Luft und ich werde von etwas auf dem Rücken und den Armen getroffen, das meine Haut aufzuschneiden scheint. Nach dem ersten Schlag, bei dem ich vor Schmerz und Schreck aufschreie, unterdrücke ich bei den neun folgenden Schlägen erfolgreich jede Schmerzensäußerung. Die Blöße will ich mir nicht auch noch geben. Schlimm genug, dass ich so auf ihn hereingefallen bin. Ich bin ärgerlich über meine Arglosigkeit.

Sie ziehen mich wieder hoch und leiten mich nach draußen. Ich werde auf einen grell von der Sonne beschienenen Hof gebracht, der von einer hohen Mauer umgeben ist. Dort werde ich mit dem Seil an der Halsschelle an einen Ring gebunden, der wiederum um einen Pfeiler gelegt ist, und allein gelassen. Kraftlos lasse ich mich auf den Boden nieder. Meine Wut von vorhin hat sich aufgelöst, ich bin einfach nur noch deprimiert. Wann hat das Ganze endlich ein Ende?

Nach minutenlangem Bejammern meiner jetzigen Lage reiße ich mich zusammen und grüble über mein weiteres Vorgehen. Plötzlich wird mir bewusst, dass im Schatten der Mauer noch weitere Menschen sitzen, die an den Füßen angekettet sind. Flüsternd scheinen sie sich über mich zu unterhalten, denn sie zeigen immer wieder vergleichend in meine Richtung. Ich vergleiche mich ebenfalls mit ihnen. Ich suche nach Hinweisen auf irgendwelche Stammes- oder Körpermerkmale, die offenbar zu dem Missverständnis geführt haben, dass der Bachmann mich für einen von ihnen hält.

Ich finde aber keine eindeutigen Merkmale. Selbst diese Leute, zehn Männer und zwei Frauen, sehen recht unterschiedlich aus. Bis auf die Haare. Die meisten haben kurze, ganz krause Haare, bis auf zwei Männer, die eine Glatze haben und eine Frau, deren Haare schulterlang, aber auch fein gelockt sind.

Das Schauen gegen das blendende Licht ist anstrengend. Ich unterbreche es eine Weile, um meine Augen mit geschlossenen Lidern auszuruhen. Dann betrachte ich mir ihre Kleidung. Fünf der Männer haben lange Beinkleider aus Stoff, die im Schrittbereich geschlossen sind und gleichmäßig am Bein anliegen. Die anderen fünf haben die gleiche Variante in unterschiedlich kürzeren Versionen an. Alle zehn haben ärmellose Oberbekleidung an in schmutzig-weiß bis dunkelbraun. Die Frauen tragen einteilige Kleider. Die Langhaarige eines aus grobem Stoff in abgetragenem Braun und die Kurzhaarige ein auch nicht mehr ganz sauberes Kleid in blau mit einzelnen roten Streifen.

Was sie wohl denken? Haben sie schon bemerkt, dass ich ihnen nicht ähnle? Über meine Kleidung können sie sich kein Urteil bilden, denn auch meinen Schurz habe ich bei der Rangelei in dem Raum verloren. Verlegen schaue ich weg. Zu Hause gilt es unter Menschen als unhöflich, den Bereich, aus dem die Ausscheidungen kommen, zu zeigen, wenn die anderen Kleidung anhaben.

Einer der Männer, die mich vorhin aus dem Raum geholt haben, kommt auf mich zu. Er hat bräunliche, wellige und schmutzige Haare. Außerdem trägt er einen Bart, der ihm zottelig im ganzen Gesicht rumhängt. Er hat eine helle Augenfarbe. Blasses Grau. Als er vor mir steht, zieht er ein Messer aus dem Tuch in seiner Hand. Erschrocken setze ich mich steif an den Pfahl. Der Mann stellt sich hinter den Pfahl und packt um diesen herum in meine Haare. Er beginnt, das stramm gezogene Büschel von meiner Kopfhaut abzuschaben. Ich werde wieder lockerer. Ich werde ihn doch nicht daran hindern können, mir die Kehle durchzuschneiden. Es bleibt bei den Haaren. Als er fertig ist, brennt meine Kopfhaut leicht. An zwei Stellen hat er die Haut etwas aufgeritzt, aber mehr ist nicht passiert. Etwas trauere ich meiner Haarpracht hinterher. Nun sehe ich wohl eher aus, wie die anderen Gefangenen. Meine Hautfarbe liegt jedenfalls ziemlich im Durchschnitt.

Als der Bachmann – wieso kenne ich überhaupt seinen richtigen Namen nicht? Irgendwie muss ich am Bach die Gelegenheit einer gegenseitigen Vorstellung verpasst haben! – das nächste Mal über den Hof geht, bleibt er zwei Schritte vor mir stehen und mustert mich kurz mit zufriedenem, abschätzendem Gesicht und geht in das Haus. Wenn ich bloß wüsste, was das Ganze soll!

Gegen Abend erscheinen der Bachmann und drei weitere Männer. Sie tragen Kleidung, die nicht sehr abgenutzt ist und vom Stoff her feiner gewebt ist. Zwei tragen reinweiße Hemden unter ihren Jacken. Sie haben sehr sorgfältig geschnittene Bärte. Ihre helle Haut wird von breitkrempigen Hüten beschirmt. Sie gehen auf die zwölf Leute an der Mauer zu und bleiben dann in der Mitte des Hofes stehen. Währenddessen fordert der Bachmann die Gefangenen mit Gesten zum Aufstehen auf. Einer der Männer, der heute Morgen auch bei mir in der Zelle war und ein Gehilfe des Bachmannes zu sein scheint, geht zu den Gefangenen, zieht ein klimperndes Bund aus einer Tasche in seiner Jacke und schließt damit die Schellen von acht der gefangenen Männer und den beiden Frauen auf. Sie gehen zu den Männern zur Hofmitte und stellen sich nebeneinander vor ihnen auf. Nun gehen die behuteten Männer langsam die Reihe der Gefangenen ab, wobei sie jeden von ihnen zu prüfen scheinen. Sie schauen in die Münder und befühlen ihre Bemuskelung.

Mir wird schlecht. Ich kann nicht mehr sitzen. Sind die Menschen auf diesem Planeten etwa Kannibalen? Bin auch ich ihre Beute? Ich sehe, wie die Behuteten die Reihe der Gefangenen erneut ablaufen und ihnen irgendwelche Fragen stellen. Warum sollten sie ihrer Beute Fragen stellen? Gibt es hier irgendwelche Opferkulte und die zu Opfernden müssen bestimmte Anforderungen erfüllen? Ich scheine direkt in eine der Gruselgeschichten geraten zu sein, die mir in meiner Heimat über die Nemudneschem erzählt wurden. Mir jagt ein Schauer über den Rücken, denn dies ist kein Märchen.

Bald ist die Befragung beendet. Zwei gefangene Männer werden vom Gehilfen wieder bei der Mauer angekettet, die anderen Leute bleiben im Hof stehen und werden einzeln in das geschlossene Gebäude gerufen, in dem die Behuteten verschwunden sind. Sie werden aber alle wieder hinaus gelassen. Dumpf höre ich die ganze Zeit die Stimmen der Leute aus dem Gebäude. Teilweise sind das blaffende Stimmen, wie eine alte Wölfin, die ein zu aufdringliches Junges zurechtweist, teils eher ein Singsang, der sich anbiedernd anhört wie der eines schlechten Händlers, der sein überjähriges Korn als neues verkaufen will. Sogar Gelächter dringt aus dem Gebäude hervor: belustigtes, gestelltes und zufriedenes. Als alle Gefangenen drin waren, kommen die Behuteten wieder raus, immer zwei Leute werden an den Handgelenken zusammengekettet und folgen den beiden Männern mit den weißen Hemden durch das breite Tor hinaus.

Bachmann beobachtet mich nachdenklich. Er ruft seinem Gehilfen etwas zu, der dann mit einer Kette und einem Blasrohr in der Hand erscheint. Der Gehilfe übergibt Bachmann das Blasrohr, der daran herumwerkelt, während sie auf mich zukommen. Bachmann bleibt zehn Schritte vor mir stehen und richtet wieder das Rohr auf mich, während der Gehilfe hinter mich tritt und das Seil durch eine Kette ersetzt, wobei er natürlich zuerst die Kette befestigt, bevor er das Seil losbindet. Das Seil hätte ich in der kommenden Nacht wohl durchscheuern können, aber wäre es mir auch gelungen, mit den hinterm Rücken gefesselten Händen aus diesem Hof zu entkommen? Und was befindet sich wohl hinter dem großen Tor in der Mauer? Von meinem Standort aus konnte ich leider keinen Blick hinaus werfen. Ich höre keine Geräusche von jenseits der Mauer, die auf menschliche Aktivität schließen lassen. Aber ich habe auch keine Ahnung, welche Gefahren sich sonst dahinter befinden können.

Wenig später geht die Sonne rot unter. Der Gehilfe gibt den vier übrigen Gefangenen noch etwas zu essen und sie bekommen einen Eimer hingestellt, aus dem sie sich mit einer Kelle Wasser schöpfen können. Ich bekomme nichts. Dabei habe ich schon wieder starken Durst. Da der Pfahl den ganzen Tag in der prallen Sonne stand, habe ich zusätzlich Feuchtigkeit verloren. Doch jetzt kommt wieder erstmal die Kälte der Nacht, die mein Verlangen nach frischem, kaltem Wasser etwas mindert.

Bis zum nächsten Vormittag passiert nichts weiter. Dann erscheint Bachmann mit einem in Schwarz und Grau gekleideten Mann mit einem buschigen Vollbart und schwarzem Hut. Sie gehen miteinander redend auf mich zu. Bachmann bedeutet mir aufzustehen. Nicht übertrieben schnell folge ich seiner Anweisung. Misstrauisch starre ich sie an und ich muss zugeben, dass mir etwas flau im Magen ist. Bachmann blafft mir irgendetwas zu und deutet dabei auf seinen Mund. Ich soll wohl meinen Mund öffnen, damit sie hineinsehen können. Das will ich nicht. Mir ist die Situation schon intim genug, da ich immer noch nackt bin, aber dass er auch noch in meinen Mundraum schauen will, geht mir zu weit. Ich presse meine Kiefer zusammen. Bachmann drückt mir seine Finger in die Wangen, um meinen Mund zu öffnen. Erfolglos bricht er sein Vorhaben nach einigen Sekunden ab. Nun präsentiert er dem Mann meinen Körper.

Ich hasse Bachmann.

Die beiden befühlen meine Arme und Schultern. Bachmann berührt meinen Geschlechtsbereich. Es reicht! »Fasst mich nicht an!«, zische ich sie an. »Lass mich los und fass mich nicht wieder an!«, knurre ich mit äußerst angespannten Muskeln und mich gegen die Kette werfend, Bachmann an. Ich höre die Kettenglieder knarren. Wenn ich jetzt nicht am Hals, sondern an den Händen am Pfahl festgebunden wäre, wäre die Haltbarkeit der Ketten ernsthaft in Gefahr gewesen. Bachmann, der bei meinem Ausbruch erschrocken zurückgewichen ist, lächelt nun triumphierend. Ich habe genau das getan, was er wollte, stelle ich gedemütigt fest. Auch der andere Mann scheint mit dem, was er eben präsentiert bekommen hat, zufrieden zu sein. Mir wird klar, dass ich der Gegenstand eines Handels zwischen den beiden Männern bin. Diese Erkenntnis bestätigt sich anschließend durch den einigenden Handschlag, der auch in meiner Heimat üblich ist. Dann wird ein Schriftstück unterschrieben und Zahlungsmittel ausgetauscht. Alles mir sehr vertraute Vorgänge bei einem Handel.

3

Bachmann ruft seinen Gehilfen: »Franco!« Inzwischen scheint dem Vollbärtigen etwas an meinem Unterleib aufgefallen zu sein, was ihm nicht gefällt. Bachmann ruft Franco etwas zu, der bereits aus der Tür gekommen ist. Franco kehrt um und kommt kurz darauf mit einem Stück Stoff zurück. »Hose anziehen!« Mit Fingerzeig auf das Beinkleid und einer folgenden aufziehenden Bewegung, parallel zu den beiden gesprochenen Wörtern lerne ich meine ersten Vokabeln ihrer Sprache. Franco hält mir die Hose mit geöffnetem Bund vor die Füße, so dass ich einsteigen kann. Er achtet dabei auf jede Bewegung von mir, da er wohl fürchtet, ich könnte nach ihm treten. Doch mir ist es ganz recht, nicht weiter so entblößt dazustehen. Die halblange Hose, genauer gesagt ist ein Bein lang und das andere kurz, ist schmutzig und lässt vermuten, dass sie schon mit vielen Körpern und Ausscheidungen in Kontakt gekommen ist. Ich schlucke meinen Ekel herunter. Nun soll ich mich wieder auf den Boden setzen. »Runter!« Mit einer entsprechenden Geste. Ich folge brav dem Befehl. Ich habe keine Lust darauf, eine Attacke zu starten, bei der ich wieder unterlegen bin. Dann werden mir Schellen um die Fußgelenke gelegt, die mit einem starken Seil verbunden werden, so dass ich meine Füße etwa eineinhalb Fußlängen auseinander bekommen kann. Franco bindet ein Seilende, das der Vollbärtige ihm rüberreicht, an meine Halsschelle und entfernt die Kette. »Komm, Nigger!«, sagt der Vollbärtige, leicht an dem Seil zupfend. Das »Komm« kann ich eindeutig als Aufforderung zum Mitkommen identifizieren, bei dem anderen Wort weiß ich nur, dass ich als solches bezeichnet werde. Wofür er mich hält, weiß ich nicht.

Ich tippele ihm nach zu einem offenen Wagen mit kniehohen Banden. Ich soll mich auf die Ladefläche legen, damit er das Seil am Wagenboden anknoten kann. Liegend fährt er mich etwa bis Mitte des Tages durch eine baumlose Gegend, die etwas hügeliger wird.

Dann fahren wir durch ein Tor, das einen hohen Lattenzaun unterbricht. Kurz dahinter hält der Wagen an einigen wild zusammengezimmerten Hütten und Unterständen und der Vollbärtige bindet mich vom Wagen los, so dass ich einen Überblick bekommen kann. Der Lattenzaun umgibt zur Hälfte eine große, von Menschen gemachte Kuhle im Boden, die etwa zehn bis vierzig Schritte tief und etwa vierhundert Schritte breit ist. Dort, wo der Zaun zu Ende ist, versperrt die Steilkante eines Hügels den Weg. In die Steilwand wurden Höhlen gegraben. Aus diesen Höhlen werden mit Steinen beladene Wagen auf wackeligen Schienen, wenn man sie als solche bezeichnen mag, zur Kuhle geschoben und gezogen.

Der Vollbärtige reißt mich wörtlich aus meinen Gedanken. Er zerrt mich so vom Wagen, dass ich nur mit Mühe nicht umgerissen werde und bringt mich tippelnd zu einem der Unterstände in der Nähe der Kuhlenkante. Ich kann jetzt erkennen, dass in der Kuhle dutzende gefangene Menschen sind, die die schweren Wagen den abschüssigen Schienenweg schieben oder ziehen müssen, das Gestein abbrechen und es zerkleinern müssen. Mir fällt jetzt auf, dass der entscheidende Unterschied zwischen dem Aussehen der Gefangenen und den Aufsehern wohl darin besteht, dass fast alle Gefangenen sehr krause Haare haben und etwas breitere, plattere Nasenflügel. Viele von ihnen sind auch stärker pigmentiert, doch das scheint Zufall zu sein, denn die meisten Aufseher unterscheiden sich von der Haut- und Haarfarbe her wenig von den Gefangenen. Ich schaue mich um. Einige der Aufseher scheinen gerade in dem Schatten des Unterstandes zu rasten. Es ist früher Nachmittag und heiß in der Sonne. Von den Gefangenen sehe ich niemanden rasten. Einige der pausierenden Aufseher tragen sehr breitkrempige, hohe Hüte. Sie haben glattes, schwarzes Haar oder sie sind leicht gelockt, so wie ich, aber nicht gerade kraus.

Plötzlich dringen entsetzliche, laute Schmerzensschreie von einem der mannshochbeladenen Wagen herüber. Ein Gefangener ist vor dem Wagen gestürzt, so dass dieser ihm über die Beine gerollt und dann aus den Schienen gesprungen ist. Der Gefangene wird unter Schmerzensschreien von zwei Aufsehern vor den Unterstand gebracht. Seine Beine sind zerschmettert und bluten stark. Der Vollbärtige fuchtelt zornig vor dem armen, am Boden liegenden Mann herum, der ihn weinend um Hilfe suchend anfleht. Nach einem Blick auf die Beine des Gefangenen gibt er einem der Aufseher einen Wink, der dann mit seinem Blasrohr auf den Gefangenen zielt. Ein ohrenbetäubender Knall erklingt und noch ehe sein Schall die Hügel verlassen hat, sinkt der Gefangene tot zusammen. Ich bin gelähmt vor Entsetzen! Wo bin ich hier gelandet? Die Menschen dieses Planeten sind genau so schrecklich wie die Nemudneschem!

Die Nemudneschem haben ihren ganzen Planeten geplündert und bekriegen sich gegenseitig, wenn sie nicht gerade auf Raubzug auf den Nachbarplaneten sind. Auch ihnen ist Mitgefühl und Rücksichtnahme fremd, auch Schwache und Wehrlose töten sie ohne Gnade.

Bevor ich wieder aus meiner Starre gelöst bin, werde ich schon an die Stelle des Getöteten gebracht. Meine Handketten werden fünf Handbreit lang vor meinen Bauch gelegt, eine lange Kette wird mit meiner Halsschelle und dem Wagen verbunden und schließlich werden meine Fußfesseln gelöst. Während zwei Aufseher auf mich und zwei weitere Gefangene mit dicken Lederriemen einschlagen, müssen wir drei den mit Steinen beladenen Wagen wieder auf die Schienen wuchten, ohne ihn entladen zu dürfen. Bis zum Dunkelwerden muss ich nun mit einem weiteren Gefangenen den Wagen in die Kuhle fahren, ihn dort entladen, den Schienenrundweg wieder hinauf schieben bis in eine der Höhlen. Dort werden die Steine, die andere Gefangene in der Höhle abbrechen mussten, auf den Wagen geladen und dann so den abfälligen Weg wieder zur Kuhle gebracht.

Auf diesen schiefen und wackeligen, provisorisch erscheinenden Schienen wundert es mich eigentlich, dass die Wagen nicht in jeder Runde entgleisen.

Auch wenn mir, wenn jedem der Gefangenen, keine Pause, kein Innehalten gegönnt wird, werden wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit von den Aufsehern geschlagen. Ausweichen ist unmöglich.

Den ganzen Tag habe ich keinen Versuch unternommen, mich zur Wehr zu setzen. Der Schock über das Geschehene lähmt meine Gedanken.

Nach Sonnenuntergang werden die meisten Gefangenen in der massivsten der Hütten eingesperrt, wo sie etwas zu essen und trinken bekommen. Die restlichen und ich bleiben an ihren Arbeitsplätzen angebunden und werden dort versorgt. Nach einigen Schlucken Wasser kann ich eine akzeptable Sitzposition finden und schlafe sofort ein.

Noch vor Sonnenaufgang, es dämmert kaum, werden alle geweckt und erhalten Wasser und Maisbrei. Bei Sonnenaufgang beginnt die Arbeit. Ich zähle zweiundfünfzig Gefangene und siebzehn Aufseher. Die Aufseher haben sich in ihren Schlafhütten offenbar noch betrunken, denn ich rieche starke Alkoholfahnen in ihrem Atem, wenn ich an ihnen vorbeikomme. Verächtlich rümpfe ich dabei die Nase. Ist unter Alkoholeinfluss das Quälen von Wesen etwa erträglicher? Würden sie das auch nüchtern machen? Wenn nicht, würde das bedeuten, dass sie doch ein Gewissen haben? Ertränkt in Alkohol?

In meiner Heimat werden auch vergorene Früchte oder Fruchtgetränke von vielen Wesen verzehrt. Das ist auch nicht verboten oder wird als Unsitte angesehen. Nur bei Menschen, die auch gezielt alkoholische Getränke herstellen und lagern können und nicht auf das saisonale Abreifen der Früchte angewiesen sind, gibt es manchmal Probleme. Der Alkoholkonsum kann bei ihnen unkontrolliertes, aggressives Verhalten auslösen und macht süchtig. Zum Glück kommt das sehr selten vor, denn es herrschen stabile soziale Gemeinschaften vor, bei denen der Einzelne mit seinen Problemen nicht allein gelassen wird. Es gibt auch einige menschliche Regionalschläge, die überhaupt gar keinen Alkohol vertragen. Dazu gehörten wohl auch meine leiblichen Eltern.

Unauffällig schaue ich mich immer wieder um, um meine Umgebung und die Verhaltensweisen der Menschen kennen zu lernen und meine Chancen für eine Flucht besser abwägen zu können.

Hinter dem Lattenzaun, auf der Seite hinter der Kuhle, kreisen viele Geier. Sicher liegt dort der Körper des erschossenen Mannes. In regelmäßigen Abständen entlang des Lattenzaunes stehen Aufseher mit den Rohren, die unsichtbare, tödliche Wunden verursachende Geschosse abgeben. Auch entlang des Hügels stehen Aufseher Wache. Sechs Aufseher entlang des Zaunes, vier am Hügel und fünf bei den Gefangenen. Mindestens zwei sehe ich nicht. Hinter dem Zaun scheint nur Halbwüste zu sein, da ich auf dem Weg hierher lag, hatte ich nicht viel davon sehen können.

Diesen Tag schiebe und ziehe ich unentwegt allein diesen Schienenwagen, be- und entlade ihn, Runde um Runde. Immer wieder bestmöglich an den peitschenschwingenden Aufsehern vorbeieilend, die in so regelmäßigen Abständen verteilt stehen, dass jeder Gefangene regelmäßig seine Portion Schläge abbekommt. Die an den Wagen arbeitenden genau wie die stationär eingesetzten. Die Peitschenhiebe sind zwar so stark, dass sie furchtbar zwiebeln und brennende geschwollene Spuren zurücklassen, aber wenigstens nicht die Haut aufreißen, falls sie nicht ständig die gleiche Stelle erwischen.

Am Mittag scheint mein Rücken wie betäubt zu sein, doch die Riemen finden gelegentlich auch den Weg auf empfindlichere Hautpartien, wie die Kniekehlen oder hinter die Ohren. Auch die unerbittlich auf meinen Kopf brennende Sonne macht mir zu schaffen. Meiner schützenden Haarpracht entledigt, ist meine Kopfhaut die Dauerbestrahlung nicht gewohnt, so wenig, wie meine Füße das schwere Ziehen auf dem Geröll ohne Schuhe gewöhnt sind.

Als die Sonne am höchsten steht, wird Maisbrei, das heißt, mit Wasser eingeweichtes Maismehl, in die offenen Hände der Gefangenen verteilt. Mit durstiger Kehle lässt er sich schwer schlucken. Erst anschließend bekommt jeder Wasser aus einer Kelle gereicht. Mehr als zwei Kellen voll werden mir nicht gestattet. Das reicht mir kaum den Durst zu stillen, doch ich habe den Eindruck, dass die anderen Gefangenen mit dem Wassermangel noch weniger zurechtkommen.

In der Hitze des Nachmittags sehe ich, dass zwei Gefangene weggetragen werden. Einer davon kommt bis zum Abend wieder an seinen Arbeitsplatz und gleichzeitig erscheinen draußen vor dem Zaun wieder mehr Geier am Himmel.