Endlich – Aus der Welt eines Depressiven - Xaver T. - E-Book

Endlich – Aus der Welt eines Depressiven E-Book

Xaver T.

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Beschreibung

Seit Jahren leidet Xaver T. an einer schweren Depression, fühlt sich leblos, blockiert. Nacht für Nacht peinigen ihn Panikattacken. Die Gedanken hämmern. Es gibt keinen Lebensgrund mehr für ihn. Auf die Diagnose beim Psychiater folgen Gesprächstherapie, Medikamente, geschlossene Abteilung. Als Xaver zur Tat schreitet, versagt er beim Suizidversuch. Da macht er die Bekanntschaft einer Frau, fühlt sich wie neugeboren. Glücksmomente inmitten der Krankheit tun sich auf. Alles erhält Struktur, läuft im Eiltempo. Jäh aber bricht die Welt zusammen, als er sitzen gelassen wird. Aus der Traum. Was nun? Ist Xavers Stunde jetzt doch gekommen? Ein seltsamer Moment ... Stille herrscht ...

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Seitenzahl: 45

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Impressum 2

Einleitung 3

1 5

Das Leben kann grausam sein 5

2 6

Einer dieser Tage 6

3 8

Wie alles begann 8

4 9

Praxis 9

5 11

Im Therapiesessel 11

6 13

Mein Leben 13

7 14

Der Tod 14

8 15

Die Diagnose 15

9 17

Erster Versuch 17

10 22

Geschlossene Abteilung 22

11 24

Eine Bekanntschaft 24

12 25

Neugeboren 25

13 26

Aus der Traum 26

14 28

Wie weiter? 28

15 30

Es geht nicht mehr weiter 30

16 33

Panik 33

17 36

Zurück in die Klinik 36

18 38

Am Tag danach 38

19 40

Die Pflegerin 40

20 43

Ausgang à la clinique 43

21 44

Lachs-Carpaccio 44

22 46

Unbeschwerte Momente 46

23 47

Rein damit 47

24 49

Besucher 49

25 51

Alter Hase 51

26 54

Die lieben Verwandten 54

27 55

Maschine Mensch 55

28 57

Ein Hoffnungsschimmer 57

29 58

Alles nützt nichts 58

30 59

„Goodbye cruel world“ 59

31 63

Verloren und gewonnen 63

Suizidgedanken? 65

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2020 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99064-818-6

ISBN e-book: 978-3-99064-819-3

Lektorat: Dr. Annette Debold

Umschlagfoto: Ocusfocus | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Ocusfocus | Dreamstime.com

www.novumverlag.com

Einleitung

„Wir leben in einer gnadenlosen Gesellschaft,

die nur Sieger sehen möchte

und letzten Endes keine Schwächen duldet.“

Giovanni Maio,

Professor für Medizinethik, Universität Freiburg

1

Das Leben kann grausam sein

Ich leide an einer Krankheit, wie viele andere auch. Viele andere? Viele Tausend andere! Diese Krankheit hat mich so geprägt, dass ich mich entschieden habe, einige Zeilen darüber zu schreiben. Für mich selber. Und für alle anderen.

Im Jahr, in welchem meine Krankheit so richtig ausbrach, haben sich über 4000 Menschen in der Schweiz das Leben genommen. Wegen dieser Krankheit. Weil sie keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben.

Der Gedanke, mich aus dem Leben zu verabschieden, hat mich nicht verschont. Davon werde ich erzählen.

Meine Geschichte habe ich leicht verändert. Denn ich will nie­manden in Verruf bringen. Erfunden ist aber nichts – außer das Ende. Das Leben kann grausam sein.

2

Einer dieser Tage

Es ist kurz nach vier Uhr, als ich die Haustüre hinter mir ins Schloss ziehe. „Hallo?“, frage ich in den Raum hinein. Keine Antwort. Vorsichtig trete ich in die Wohnung. Behutsam lasse ich den Mantel von meinen Schultern gleiten und hänge ihn über den Stuhl, der am Küchentisch steht. Die heutige Post liegt auf dem Tisch, rechtwinklig zur Tischkante. Ich kenne nur eine Person, die auch Kleinigkeiten so große Sorgfalt schenkt: meine Freundin.

Ich werfe einen Blick auf ein Foto, das neben einer geschmacklosen Vase steht. In der Vase stecken künstliche Blumen. Die Mutter meiner Freundin hatte sie uns geschenkt. Das Foto zeigt meine Freundin und mich an einem kalten Wintertag. Wir schmiegen uns eng aneinander. Mein Blick fällt zurück auf die gestapelte Post. Eine Ansichtskarte eines früheren Schulkollegen. Nach einem mäßig erfolgreichen Studium hat er eine Anstellung bei einer Bank gefunden. Dort arbeitet er nun erfolgreich.

Ich muss lachen. Mein Schulkollege kennt meine Adresse noch immer nicht genau. Die Hausnummer ist falsch, und die Postleitzahl auch.

In der Post finde ich keine wichtigen Dokumente. Rechnungen. Werbung. Ein Magazin, abonniert zwar, aber kaum gelesen. Keine Zeit dafür, oder keine Lust. Ich weiß es nicht.

Ich setze mich auf einen Stuhl am Küchentisch, verschränke meine Arme auf dem Tisch und lege meinen Kopf in die Arme. Dann versuche ich zu weinen. Aber es geht nicht. Ich kann nicht weinen, auch wenn mir zum Weinen zumute ist. Seit Jahren leide ich unter einer schweren Depression. Nur wenige Patienten mit schweren Depressionen können noch weinen. Auch mir gelingt es nur noch selten.

Weshalb soll ich weinen? Meine Freundin hat mich verlassen. Sie muss noch hier gewesen sein, um ihre Sachen abzuholen. Sie hat mir die Post auf den Küchentisch gelegt. Rechtwinklig zur Tischkante. Ich hatte gehofft, sie nach meiner Arbeit noch zu sehen. Doch damit war nun nichts. Sie war weg.

Im Flur steht noch das Foto neben der geschmacklosen Vase mit den künstlichen Blumen.

Meine Tränen fließen nicht. Ich kann nicht weinen. Meine Gefühle wollen mich zerreißen. Täglich kämpfe ich gegen meine Trauer, die mir meine Krankheit auferlegt. Und jetzt ist auch meine Freundin weg.

3

Wie alles begann

Viereinhalb Jahre früher: Ich fahre mit der Bahn zur Arbeit. Wie jeden Tag. Zusammen mit drei Kollegen sitze ich in einem Viererabteil. Zwischen unseren Füßen liegen unsere Regenschirme. Wasser läuft über den Boden, hin zu unseren Schuhen. Regentropfen rinnen über die Fensterscheiben. Der Fahrtwind drückt sie nach unten. Morgendämmerung.Eine seltsame Stimmung,denke ich.

Keiner meiner Kollegen weiß, dass ich heute eine Psychiaterin aufsuchen werde. Das ist mir recht so. Ich will nicht als „Psycho“ gelten. Würden sie mich aus ihrer Gruppe ausschließen? Also spiele ich den Clown, reiße Witze. Die anderen lachen.

Bereits seit Jahren leide ich unter Depressionen. Diese verdammte Krankheit! Endlich konnte ich mir eingestehen:Du bist krank.