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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Es ging auf Mitternacht zu, als das Taxi vor dem Pfarrhaus hielt. Helene Träutlein, die Haushälterin von Pfarrer Zandler, stieg eilig aus und betrat das Pfarrhaus. Schnell stellte sie ihre Tasche im Flur ab. Pfarrer Zandler kam aus seinem Arbeitszimmer. »Herr Pfarrer, gut, dass Sie noch net schlafen sind, sonst hätte ich sie geweckt. Sie müssen sofort etwas unternehmen! Die Buben sind narrisch. Was suchen die nachts auf der Landstraße? Der Taxifahrer wollte net anhalten, sonst hätte ich sie zur Rede gestellt. Es ist gleich Mitternacht. Die Burschen gehören ins Bett. Und alle hatten Rucksäcke dabei«, stieß sie aufgeregt hervor. »Also, auf einer Nachtwanderung sind die net, des steht schon mal fest. Da geht man durch den Wald und net die Landstraße nach Kirchwalden entlang.« Helene Träutlein ging in die Küche und setzte sich auf einen Stuhl. »Mir zittern die Knie vor Aufregung. Es schaut aus, als wollten sie abhauen. Sie müssen sie aufhalten, Herr Pfarrer«, sagte sie.
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Es ging auf Mitternacht zu, als das Taxi vor dem Pfarrhaus hielt.
Helene Träutlein, die Haushälterin von Pfarrer Zandler, stieg eilig aus und betrat das Pfarrhaus. Schnell stellte sie ihre Tasche im Flur ab. Pfarrer Zandler kam aus seinem Arbeitszimmer.
»Herr Pfarrer, gut, dass Sie noch net schlafen sind, sonst hätte ich sie geweckt. Sie müssen sofort etwas unternehmen! Die Buben sind narrisch. Was suchen die nachts auf der Landstraße? Der Taxifahrer wollte net anhalten, sonst hätte ich sie zur Rede gestellt. Es ist gleich Mitternacht. Die Burschen gehören ins Bett. Und alle hatten Rucksäcke dabei«, stieß sie aufgeregt hervor. »Also, auf einer Nachtwanderung sind die net, des steht schon mal fest. Da geht man durch den Wald und net die Landstraße nach Kirchwalden entlang.«
Helene Träutlein ging in die Küche und setzte sich auf einen Stuhl.
»Mir zittern die Knie vor Aufregung. Es schaut aus, als wollten sie abhauen. Sie müssen sie aufhalten, Herr Pfarrer«, sagte sie.
Pfarrer Heiner Zandler stand in der Küchentür.
»Nun mal ganz langsam! Was hast du gesehen, Träutlein?«
Helen Träutlein holte tief Luft.
»Also, es ist ein bisserl später geworden, beim Landfrauentreffen. Deshalb habe ich mir ein Taxi genommen. Auf dem Heimweg habe ich die Buben gesehen. Es war ungefähr auf dem halben Weg zwischen Waldkogel und Kirchwalden. Sie gingen die Straße entlang. Als das Taxi näherkam, versteckten sie sich. Aber ich habe sie genau gesehen. Das sind doch noch Kinder. Da stimmt etwas nicht.«
»Wer war es?«
»Der Bacher-Simon, der Sonnthaler-Felix und der Markus Höfl. Die drei Buben hängen ohnehin immer zusammen.«
»Bist du sicher, Träutlein?«, fragte Zandler nach.
»Ja, Herr Pfarrer, ich bin mir absolut sicher. Des bilde ich mir net ein«, fügte sie leicht beleidigt hinzu. »Es war so! Ich weiß doch, was ich gesehen habe.«
Pfarrer Zandler rieb sich das Kinn.
»Sie sollten Wolfi oder Chris auf der Polizeistation anrufen. Die sollen ausrücken und die Ausreißer einsammeln«, forderte sie den Geistlichen auf.
»Du meinst, die Buben sind ausgerissen?«
»Sicher, was denn sonst? Sie hatten ihre Rucksäcke dabei. Da waren Isomatten und Schlafsäcke draufgeschnallt. Wo wollen die hin? Wenn sie nach Kirchwalden zu Freunden gewollt hätten, hätten sie den Bus nehmen können, oder ihre Eltern hätten sie mit dem Auto gefahren. Also, ich kenne ihre Mütter gut vom Kaffeekränzchen. Die würden es nie erlauben, dass die Buben nachts nach Kirchwalden laufen.«
Pfarrer Zandler überlegt. Helene Träutlein drängte ihn weiter, die Polizei anzurufen.
»Des kommt nicht infrage, Träutlein. Es wäre nicht gut, die Pferde scheu zu machen. Ich suche sie, und bringe sie her. Decke den Tisch im Arbeitszimmer, und setz schon mal Teewasser auf!«
Pfarrer Zandler ging in die Garage und stieg in sein etwas altersschwaches Auto. Als der Motor gleich ansprang, schickte er ein kurzes Dankgebet zum Himmel.
Langsam fuhr er die Landstraße entlang. Auf der halben Strecke sah er im Lichtkegel die drei Buben. Sie warfen sich neben der Straße ins hohe Gras. Pfarrer Zandler fuhr weiter. Nach der nächsten Kurve bog er in einen Feldweg ein und parkte sein Auto. Er machte die Lichter aus und wartete hinter einem Busch. Es dauerte nicht lange, da kamen Simon, Felix und Markus im Gänsemarsch die Straße entlang.
Pfarrer Zandler stellt sich ihnen mit ausgebreiteten Armen in den Weg.
Wie angewurzelt bleiben die Buben stehen.
»Grüß Gott! Wo wollt ihr hin? Macht ihr eine Nachtwanderung? Warum geht ihr die Straße entlang? Der Weg durch die Felder und das Wäldchen ist schöner und nicht so gefährlich. Nicht dass ihr angefahren werdet.«
»Der ist aber weiter«, sagte Simon.
»Sag nix«, zischte ihn Felix an und stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen.
Pfarrer Zandler unterdrückte ein Schmunzeln.
»Kinder, Kinder, mir kommt da ein Verdacht. Sieht aus, als hättet ihr mächtig Ärger. Aber ich sage euch, Weglaufen ist keine Lösung.«
Sie schwiegen.
»Also, hört mal, ich war auch mal in eurem Alter, und ich kann mich noch gut daran erinnern. Ich bin auf eurer Seite. Als Geistlicher darf ich keinem weitersagen, was ihr mir anvertraut. Wollt ihr mir nicht sagen, was los ist?«
Sie wechselten Blicke und traten unruhig von einem Fuß auf den anderen. Pfarrer Zandler übte sich in Geduld und wartete.
Markus sah den Pfarrer an. »Sagen Sie, wie ist das mit der Beichte? Was passiert, wenn man etwas beichtet, was man gar nicht gemacht hat?«
»Das hat mich noch niemand gefragt, Markus. Darüber muss ich auch erst mal nachdenken. Hm! Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand etwas beichten will, was er nicht gemacht hat. Es sei denn, er will jemand schützen und dessen Schuld auf sich nehmen. Das wäre zwar sehr edel, aber auch sehr dumm.«
Die drei Buben warfen sich Blicke zu. Dann steckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten.
Pfarrer Zandler räusperte sich.
»Darf ich euch einen Vorschlag machen? Ich nehme euch mit ins Pfarrhaus. Dort reden wir, wie das Männer machen, wenn sie unter sich sind.«
Dass Pfarrer Zandler sie als Erwachsene betrachtete, gefiel ihnen. Sie nickten. Gemeinsam ging sie zum Auto des Geistlichen und stiegen ein.
Pfarrer Zandler wendete und fuhr zurück nach Waldkogel. Er parkte auf dem Marktplatz.
»Lasst die Rucksäcke im Auto! Wir müssen leise sein, damit wir meine Haushälterin nicht aufwecken. Geht durch die Gartenpforte in den Pfarrgarten. Ich schaue nach, ob sie schon schläft. Dann lasse ich euch über die Hintertür herein.«
Die Buben schlichen zur Gartenpforte und verschwanden in der Dunkelheit des großen Pfarrgartens, mit seinen schönen alten Bäumen.
Pfarrer Zandler betrat das Pfarrhaus durch die Haustür. Helene Träutlein war noch nicht zu Bett gegangen.
»Haben Sie sie nicht gefunden?«, fragte sie sofort.
»Doch, ich habe sie gefunden. Ich rede jetzt mit ihnen, und du gehst schlafen. Und zu niemandem ein Wort, Träutlein!«, sagte der Geistliche streng.
»Bitte, dann gehe ich schlafen. Gute Nacht«, brummte Helene Träutlein.
Sie war neugierig und etwas beleidigt, weil sie es gewesen war, die die Buben gesehen hatte.
Pfarrer Zandler tat, als hätte er nicht gesehen, wie sie das Gesicht verzog.
Er wartete noch einige Minuten, nachdem sie gegangen war, dann holte er die Buben herein.
»Setzt euch! Hier ist Tee und Kuchen. Greift zu!«
Die Buben griffen zu.
»So, jetzt erzählt! Was ist los? Gerade ihr drei, ihr hattet doch nie Flausen im Kopf. Was hat euch geritten, mitten in der Nacht auf der Landstraße herumzulaufen?«
Simon, Felix und Markus warfen sich Blicke zu. Sie saßen mit hochroten Köpfen am Tisch.
»Ah, ich hab’s«, rief Pfarrer Zandler. »Eine Mutprobe? Richtig?«
Die Buben senkten die Köpfe und schwiegen. Sie sahen sehr unglücklich aus.
Pfarrer Zandler war voller Mitgefühl.
»Jetzt hört mir mal zu. Ihr müsst keine Angst haben. Alles im Leben ist zu regeln, auch wenn es noch so schlimm aussieht oder ist. Ich verspreche euch, dass ich euch helfe. Und ich schimpfe auch nicht. Mei, ich war auch mal ein Bub.«
»Der Simon ist zu Hause rausgeflogen. Er ist doch unser Freund. Da können wir ihn doch nicht in Stich lassen.«
»Wie bitte? Rausgeflogen?«, staunte Pfarrer Zandler. Er traute seinen Ohren nicht.
»Ja, es ist so«, sagte Felix. »Sein Vater hat gesagt, dass er ihm aus den Augen gehen soll. Er soll sehen, wie er zurechtkomme. Einen Dieb und Lügner wolle er nicht in seinem Haus haben.«
»Stimmt das, Simon?«, fragte Pfarrer Zandler.
Simons Mundwinkel zuckten verdächtig. Er nickte.
»Des ist schön, dass ihr dem Simon beistehen wollt. Freunde müssen zusammenhalten. Aber Weglaufen ist keine Lösung.«
»Wir sind net nur wegen dem Simon fortgelaufen. Meine Eltern reden seit einer Woche nix mehr mit mir. Ich muss auf meinem Zimmer essen«, sagte Felix und schaute dabei unter sich.
»Mein Vater hat mir für ein Jahr das Taschengeld gestrichen. Er sagt, einem Dieb gäbe er kein Taschengeld«, sagte Markus. »Aber ich habe des Geld net gestohlen. Niemand glaubt mir.«
»Ich glaube dir, Markus«, sagte Pfarrer Zandler.
Er schaute Simon und Felix an.
»Wird euch auch vorgeworfen, Geld gestohlen zu haben?«
Die beiden Buben nickten.
»Des ist ein Schmarrn!«, schimpfte Pfarrer Zandler.
Dann fragte er die Buben behutsam aus. Sie wurden zunehmend gesprächiger. Und schon bald wurde Zandler klar, dass alles zu den merkwürdigen Fällen passte, die Doktor Martin Engler beunruhigten. Die Gruppe von Patienten und Patientinnen, die seit Wochen den Hausarzt von Waldkogel aufsuchten und über Gedächtnisverlust klagten, wurde immer größer. Dabei war allen eines gemeinsam: Es ging um Geld, das sie verloren oder verlegt hatten. Jedenfalls waren immer kleinere Beträge in Münzen und kleinen Scheinen verschwunden. Wie es auf dem Land oft üblich war, stand in der Küche ein Gefäß mit Kleingeld. Daraus wurden kleine Rechnungen bezahlt, wenn etwas geliefert wurde. Viele, die keine Landwirtschaft mehr hatten, ließen sich regelmäßig mit Butter, Milch und Eier beliefern. Auch gab es einen Gemüsehändler, der einmal in der Woche durch Waldkogel und den Ortsteil Marktwasen fuhr und Obst und Gemüse anbot.
Pfarrer Zandler wusste, dass bei den Sonnthalers, den Bauers und bei den Höfls, Geld abhandengekommen war. Die Namen gehörten zu denen, die Doktor Martin Engler dem Geistlichen genannt hatte. Bei einigen der Betroffenen war es zuerst zu einem Familienstreit gekommen. Dann zweifelten die Betroffenen an ihrem Verstand. Alle hatten Angst, dass sie zunehmend ihr Gedächtnis verlieren.
Dass jetzt die Kinder beschuldigt wurden, das Geld genommen zu haben, schmerzte Pfarrer Zandler. Natürlich konnte er den Buben nicht sagen, dass er davon wusste.
»Einbrecher können es nicht gewesen sein, sagt mein Vater. Nix ist kaputt, nur das Geld ist weg«, sagte Felix.
»Bei uns war es genauso«, stimmte ihm Markus zu.
»Deshalb werden wir verdächtigt. Des ist ungerecht, Herr Pfarrer. Ich schwöre, ich habe nix genommen«, sagte Simon.
Der Bub hatte jetzt feuchte Augen.
»Beruhigt euch!«, sagte Pfarrer Zandler. »Weglaufen ist wirklich keine Lösung. Wo wolltet ihr denn hin?«
Markus erzählte, dass sie beschlossen hatten, zur See zu fahren. Sie wollten sich durchschlagen bis Rotterdam und dann auf einem Schiff anheuern, das unter ausländischer Flagge fuhr. So hofften sie, der Nachfrage nach Papieren zu entgehen.
Nur mühsam konnte Pfarrer Zandler ein Schmunzeln unterdrücken. »Dass ich strikt gegen diese hirnrissige Idee bin, das brauche ich euch nicht erst zu sagen.«
Die Buben nickten.
Pfarrer Zandler fragte sie weiter aus, wie sie sich von daheim fortgeschlichen hätten. Er erfuhr, dass die Buben die Sachen, die sie mitnehmen wollten, zusammengetragen und außerhalb des Hauses versteckt hatten, auf einer leerstehenden Almhütte. Dort hatten sie sich nach Einbruch der Dunkelheit getroffen und waren aufgebrochen.
Der Geistliche überlegte kurz.
»Gut, dann machen wir das so«, sagte Pfarrer Zandler. »Ich verstecke eure Rucksäcke im Pfarrhaus. Ihr geht heim und schleicht euch wieder ins Haus. Morgen tut ihr so, als sei nix gewesen. Dass ihr habt abhauen wollen, das bleibt unter uns. Ich werde Licht in diese Angelegenheit bringen. Danach werde ich einzeln mit euren Eltern reden.«
»Dann glauben Sie uns?«, fragte Simon. »Wirklich?«
Und zum ersten Mal an diesem Abend huschte ein zaghaftes Lächeln über das Gesicht des Jungen.
»Ja, ich glaube euch. Um noch einmal auf deine Frage zurückzukommen, ob man etwas beichten muss, was man gar nicht getan hat, dazu sage ich, dass das niemand verlangen kann. Hast du das gehört, Markus?«
»Mein Vater hat es verlangt«, sagte Markus.
»Deinem Vater werde ich ein bisserl Nachhilfeunterricht geben, das verspreche ich dir. Und jetzt geht ihr, damit ihr wenigstens noch ein bisserl Schlaf bekommt. Sollte etwas passieren, dann kommt ihr zu mir. Und kommt mir nicht auf weitere dumme Gedanken! Habt ihr das gehört?«
Die Buben nickten.
»Gut, dann sind wir uns einig. Jetzt nimmt jeder noch ein Stück Kuchen in die Hand, dann ist die Kuchenplatte leer. Auf dem Heimweg seid ihr leise. Klar?«
Simon, Felix und Markus nickten.
Pfarrer Zandler brachte die Buben zur Haustür. Dort stand er und sah ihnen nach, wie sie leise an den Häusern entlang davonschlichen.
Sie waren alle schon fünfzehn Jahre alt und somit bald erwachsen. Aber heute Abend waren sie kleine verschüchterte und tief verletzte Kinder gewesen. Die Vorhaltungen ihrer Eltern, die Bestrafungen für einen nicht begangenen Diebstahl und der Vertrauensentzug hatten sie schwer gekränkt. Pfarrer Zandler war bewusst, dass sie das Ereignis nie vergessen würden, ein ganzes Leben lang. Er musste der Sache nachgehen und sie aufklären. Außerdem musste er die Familien versöhnen und versuchen, die seelischen Wunden der drei Buben zu heilen. Das war keine leichte Aufgabe!
Pfarrer Heiner Zandler seufzte, als er zurück in die Studierstube ging.
*
Die drei Freundinnen Patty, Chloe und Biggi trafen sich regelmäßig.
An diesem Abend war Patty die Gastgeberin. Sie hatte Pizza gemacht und in der Küche den Tisch gedeckt. Die Küche der kleinen Münchner Dachwohnung war zugleich auch Wohnzimmer. Das größere Zimmer, ursprünglich als Wohnzimmer gedacht, hatte Patty ihrer zwölfjährigen Tochter überlassen. Sie selbst gab sich mit dem kleineren Zimmer zufrieden.
»Da seid ihr ja. Kommt herein!«, begrüßte sie die Freundinnen an der Wohnungstür.
Sie umarmten sich und begrüßten sich mit Küsschen auf die Wangen.
»Wie das wieder duftet«, rief Biggi. »Wie bekommst du das hin? Das ist mir immer noch ein Rätsel.«
»Jetzt übertreibst du, Biggi«, lachte Patty.
Sie hieß Patrizia, aber alle ihre Freundinnen nannten sie Patty.
Sie setzten sich. Patty holte die Pizza aus dem Ofen und teilte sie in drei Teile. Dazu schenkte sie Rotwein ein.
Die Freundinnen prosteten sich zu, dann griffen sie schnell zu ihrer Pizza.
»Schläft Wiebke schon?«, fragte Chloe.
»Nein, Wiebke ist bei meinen Eltern. Sie übernachtet dort. Morgen will meine Mutter mit ihr einkaufen gehen.«
»Das ist gut«, sagte Chloe.
»Wieso ist das gut?«, fragte Patty.
Chloe warf Biggi einen Blick zu. Dann schob sie sich schnell einen weiteren Bissen in den Mund.
»Was ist? Du hast doch etwas auf dem Herzen, das sehe ich. Raus damit!«
Chloe schluckte und nippte an ihrem Wein. Dann legte sie das Besteck zur Seite und richtete sich auf. »Biggi und ich haben beschlossen, dass es jetzt genug ist mit dem Singledasein und den flüchtigen Freundschaften. Wir sind Anfang dreißig, beruflich sehr erfolgreich und planen jetzt den nächsten Schritt, Ehe, Familie und Kinder.«
Patty brach in lautes Lachen aus. »Chloe, wie sich das anhört!«
»Also, es hört sich gut an, finde ich. Wir haben es beschlossen und ziehen es durch«, pflichtete Biggi der Freundin bei. »Außerdem tickt unsere biologische Uhr. Es muss etwas geschehen.«
»Genau«, sagte Chloe und nickte Biggi zu.
»Und wie ist das mit eurer vielgeliebten Freiheit?«
»Patty, die haben wir genug ausgelebt. Biggi und ich haben das gestern beschlossen. Wir werden auf die Jagd gehen. Außerdem ist es doch so, der Markt der Traummänner schrumpft, je länger wir warten.«
»Genau und wir verzichten dankbar auf Ramsch-Ware«, lachte Biggi, die Geschäftsführerin eines großen Modehauses war.
»Dann wisst ihr genau, was ihr wollt?«
»Sicher, wir haben einen Steckbrief erstellt. Der Traummann muss gut aussehen, Charme haben, erfolgreich und begütert sein und aus gutem Elternhaus kommen. Er muss absolut treu sein. Er muss sich zwei Kinder wünschen, am besten gleich hintereinander, ohne großen Abstand. Dann soll er noch sportlich sein, gesellig und kultiviert«, zählte Chloe auf.
Biggi nickte ihr zustimmend zu.
Patty aß weiter.
»Jetzt sag doch etwas!«, forderte sie Chloe auf.
»Ich wünsche euch viel Glück. Ich frage mich, wie ihr an diese Traummänner kommen wollt?«
