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Endstation Nirgendwo – Eine Kurzgeschichte über Stillstand und Aufbruch Alex war immer der, der Probleme löste. Der Werkzeugkasten für jede Reparatur. Heute sitzt er in einem Zug nach Sassnitz und beobachtet die Menschen um sich herum. Smartphones, Beschwerden, Gleichgültigkeit. Eine winterliche Hafenstadt. Eine lange Mole. Und ein Gedanke, der nicht mehr aus seinem Kopf will. Endstation Nirgendwo ist eine atmosphärisch dichte Kurzgeschichte über Erschöpfung, Selbstzweifel und den schmalen Grat zwischen Aufgeben und Weitergehen. Manchmal entscheidet sich alles in einem einzigen Moment. ________________________________________ Für welche Leser ist diese Kurzgeschichte? Diese Geschichte ist besonders geeignet für: • Leser psychologischer Kurzgeschichten • Menschen, die sich für Themen wie Burn-out, Sinnsuche und Selbstwert interessieren • Fans stiller, atmosphärischer Literatur • Leser moderner Gegenwartsliteratur • Menschen, die Geschichten mit offenem, aber bedeutungsvollem Ende schätzen • Berufstätige, die sich im Leistungsdruck unserer Gesellschaft wiederfinden • Menschen, die leise existenzielle Literatur mögen • Leser, die keine Action, sondern innere Spannung suchen
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Doreen Gehrke
Endstation Nirgendwo
Eine Kurzgeschichte
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttps://www.dnb.de/abrufbar.
https://www.doreen-gehrke-verlag.de/
Alle Rechte: © Doreen Gehrke Verlag, 2026
Illustrationen: © Doreen Gehrke Verlag, 2026
ISBN: 978-3-9827390-1-4
Alex war kein Genie. Doch seine Fähigkeit, schnell logische Zusammenhänge zu verstehen, neue Ideen zu entwickeln und unkonventionelle Methoden zu erdenken, hatte ihn bei seinen Kollegen beliebt gemacht. Er wurde geschätzt und respektiert. Er war ein Werkzeugkasten für jede Reparatur.
Eines Tages.
Auf der Fahrt von Rostock nach Sassnitz.
Alex hatte den Zug gerade noch so erreicht und fand eine freie Sitzreihe für sich allein. Heute ist der letzte Tag, bevor es wieder für eine längere Zeit den Schienenersatzverkehr gibt. Diesen Stress wollte er unbedingt vermeiden. Er setzte sich auf den Platz am Gang und legte seinen Rucksack auf den Fensterplatz. So konnte er besser sehen, was in den Gängen und Sitzreihen geschah. Der Zug war wie immer stark frequentiert. Alex musterte die anderen Passagiere.
Kaum jemand, der nicht auf sein Smartphone blickte. Gesenkte Köpfe. Gähnende Mäuler. Daumen, die mechanisch über das Display strichen. Kurze Pausen, liken oder nicht liken, dann weiter scrollen. So vertreiben sich Reisende heutzutage die Zeit. Die verschneite Landschaft draußen interessierte sie nicht.
Niemand sah aus dem Fenster. Nur Alex tat es. Er ließ den Blick wandern. Das half ihm, ruhig zu bleiben.
Er bemerkte eine ältere Frau, die offensichtlich nach einem Platz suchte. Manche Passagiere haben ja die Angewohnheit, erst einmal durch den ganzen Zug zu wandern, um sich dann den besten Sitzplatz auszusuchen.
Sie kam von vorne und bewegte sich langsam. Ihre Bewegungen erinnerten ihn an ein Faultier. Nur wisse man bei Menschen nie, ob sie nicht doch schneller könnten. Sie setzte sich auf einen Platz in einer Sitzreihe hinter einem Viererplatz mit Tisch, stand wieder auf, nahm ihre Tasche und ihren Stock, ging ein paar Schritte weiter und kehrte dann zurück. Ihre Bewegungen waren übertrieben bedächtig. Als hätte sie Angst, sich zu verletzen.
Alex spürte, wie sich Wut in ihm regte. Nicht laut, nicht heftig. Eher wie ein leiser Druck. Menschen, die Zeit hatten, konnten es sich leisten, langsam zu sein. Menschen wie sie. Er war sich sicher, dass sie beim Aussteigen plötzlich schneller sein würde. Der Zug würde nicht lange halten. Dann wären ihre vermeintlichen Einschränkungen vergessen.
Schließlich entschied sie sich für den Viererplatz mit Tisch. Sie stellte ihre Tasche ab, zog sich im Gang den Mantel aus und sah sich zufrieden um.
Dann kam aus der anderen Richtung ein älterer Mann dazu. Er war stark außer Atem, schob seinen Koffer zwischen Tisch und Sitzreihe, warf seine Reisetasche auf den Fenstersitz und den Rucksack noch oben drauf. Der Mann ließ sich fallen und schnappte nach Luft. Nun saßen sich beide gegenüber.
Er war wütend. Aufgebracht. Er schimpfte über Züge, über Anschlüsse, über das Personal. Früher, sagte er, wäre so etwas nicht passiert. Früher seien Züge immer pünktlich gewesen. Heute arbeite niemand mehr richtig. Alles Idioten.
Er erzählte, er sei um 4:30 Uhr morgens in den ersten Zug in Hannover eingestiegen und habe bereits eine Odyssee hinter sich. Während er auf die Weiterfahrt wartete, erfuhr er zehn Minuten vor Abfahrt, dass der Zug seine Fahrt nicht fortsetzen würde. Es gäbe zu wenig Personal. Wahrscheinlich hätten die einen Feierabend gemacht und die anderen seien einfach nicht erschienen. So seine Logik. Man könne diesen oder jenen Zug nehmen, wenn man in diese oder jene Richtung wolle. Alles unklar. Alles chaotisch.
Er hoffe, sagte er, dass er noch bei Tageslicht zu Hause ankomme. Er müsse auf die Insel Rügen.
Die Frau grinste und meinte, dass dieser Zug bis nach Sassnitz durchfahre. Er müsse also nicht mehr umsteigen. „Ja, das ist richtig”, meinte er. Eigentlich wäre er in Stralsund umgestiegen, das bräuchte er jetzt aber nicht mehr. Dennoch musste er in wenigen Minuten seine Zeitschrift, Brille usw. in den Rucksack verstauen und wurde bei der Kälte von Pontius zu Pilatus geschickt. Und das in seinem Alter. Das sei völlig unverantwortlich.
Die Frau nickte. Sie erzählte von früher. Von Zeiten, in denen man sich auf Fahrpläne verlassen konnte. Heute spare man alles kaputt. Trotzdem sei das Deutschlandticket eine gute Sache, sagte sie. Auch wenn es jetzt 63 Euro koste.
Der Mann lachte kurz. Er bräuchte gar kein Deutschlandticket, meinte er. Er habe nur 18 Euro gezahlt. Er ist schwerbehindert. Für ihn lohne es sich. Trotzdem ärgere ihn das alles. Die ständigen Ausfälle. Die Verspätungen.
Alex hörte jedes Wort. Er hörte zu, obwohl er es nicht wollte. Gespräche in Zügen waren wie Geräusche. Man konnte sie nicht ausblenden. Sie drangen durch alles hindurch.
Sein Herzschlag nahm an Tempo zu und er dachte, dass man sich nicht beschweren sollte, wenn man für fast nichts durchs ganze Land fahren konnte. Und dass man sich außerdem vorab informieren konnte. Die App der Bahn meldete Änderungen frühzeitig. Man musste sie nur nutzen. Aber er wusste auch, dass es sinnlos war, darüber nachzudenken. Die Menschen wollten sich aufregen. Das gab ihnen Struktur.
Plötzlich machte sein Herz einen Satz. Die Schaffnerin kam, um die Fahrscheine zu kontrollieren, und scannte die Tickets. Die Frau bewegte sich ruhig und routiniert. Sie ging von einer Person zur nächsten.
Vor Alex saß ein Mann, der beim letzten Haltepunkt eingestiegen war. Er erklärte der Schaffnerin, dass er sein Ticket im Zug bezahlen wollte. Der Automat am Bahnsteig sei kaputt gewesen. Die Schaffnerin nickte. So etwas komme öfter vor. Kein Problem. Die Zeit wurde wie Gummi. Bis das Ticket ausgedruckt war, der Mann ausreichend Kleingeld zusammengezählt und endlich bezahlt hatte, vergingen Minuten.
Alex Herz begann zu rasen. Er wollte es hinter sich haben. Doch die Schaffnerin ging erst zu der Sitzreihe neben ihm. Alex musste weitere Sekunden warten. Er wusste, dass er ein gültiges Ticket hatte. Trotzdem wurde sein Mund trocken. Als er endlich an der Reihe war, zeigte er ihr das Deutschlandticket auf seinem Smartphone. Er grüßte und sagte danke.
Dennoch vermied er den Blickkontakt. Nicht aus Unhöflichkeit. Er konnte es einfach nicht. Er hielt den Blick gesenkt, bis die Schaffnerin weiterging. Geschafft. Sein Puls beruhigte sich.
Alex schaute aus dem Fenster. Er sah schneebedeckte Felder, Winterwälder und vereiste Orte.
In Ribnitz-Damgarten wurde der Zug voll. Passagiere, die keinen Sitzplatz mehr gefunden hatten, standen vor den Türen.
Dann plötzlich wieder ein Schreck. Alex sah, wie Bundespolizisten auf ihn zukamen. Sein Herz begann erneut zu rasen. Er bekam ein flaues Gefühl im Magen und seine Hände wurden feucht. Er zwang sich, ruhig zu bleiben. Er sagte sich, dass er nichts zu befürchten habe. Dass alles in Ordnung sei. Verhalte dich ruhig und unverdächtig. Sieh jetzt bloß nicht verdächtig aus!
Die Polizisten gingen den Gang entlang. Sie sahen sich um. Sie musterten die Passagiere. Im letzten Eingangsbereich blieben sie stehen und baten zwei junge Männer, ihnen ihre Tickets und Ausweise zu zeigen. Warum wollten die Polizisten die Fahrscheine sehen? Alex wunderte sich, hatte aber beides dabei. Alles okay. Keine Panik.
Die Beamten sahen sich die Ausweise und Tickets an. Sie schienen zufrieden, bedankten sich bei den Männern und gingen weiter. In Richtung Alex.
Sekunden später ...
