Engelsblut - A. Schröder - E-Book

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A. Schröder

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Beschreibung

Die junge Lithoniel Ajasa soll sich einer Prüfung des geheimnisvollen Rates der Zwölf unterziehen. Ist sie die lang prophezeite Erlöserin, die den Krieg um die mächtige Prophezeiung zum Verstummen bringen kann, der seit tausend Jahren unter der Oberfläche dieser friedlichen Welt tobt? Oder ist sie eine weitere Hüterin dieses Geheimnisses? Hat der Tod ihrer Eltern mit dieser Bestimmung zu tun? Kann Aradon gerettet werden bevor der Krieg offen ausbricht und die Welt ins Verderben stürzt? Eine Reise ins Ungewisse beginnt. Und die Zeit läuft ab…

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Seitenzahl: 716

Veröffentlichungsjahr: 2014

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A. Schröder

Engelsblut

die Prophezeiung

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog Der Anfang von allem

1. Die Vergangenheit lebt

2. Der Anfang der Reise

3. Der Fluch des Drachen

4. Das erste Aufeinandertreffen

5. Verwicklungen

6. Das goldene Meer

7. Das zweite Ich

8. Iluthels Gesang

9. Die verrückte weiße Schönheit

10. Die Maskerade fällt

11. Iluthels Siegel

12. Die Wege trennen sich

Epilog

Danke

Impressum neobooks

Prolog Der Anfang von allem

Unsere Geschichte beginnt in einer längst vergessenen Zeit. Es ist nicht leicht sie zu erzählen, weil nicht mehr viele Dokumente aus dieser Zeit existieren. Nur Bruchstücke aus Aufzeichnungen der Lithoniel, einem sehr gelehrten Volk wurden gehütet und haben bis in unsere Zeit überlebt. Diese Dokumente, die die Lithoniel schützten, berichten zunächst einmal von der Welt Aradon. Eine Welt voller Schönheit und dem Wichtigsten von allen Dingen: Frieden. Aradon war eine friedliche Welt, die unter verschiedenen Völkern erblühte. Eines dieser Völker, waren die Lithoniel. Es schien, als sei dieses Volk in der Zeit gefangen, obgleich sie alt, erfahren und ein wenig traurig wirkten, schienen sie gleichzeitig jung und unbeschwert zu sein. Eine bessere Erklärung, kann kaum gefunden werden, da man es verstehen wird, wenn man dieses zeitlose Volk einmal mit eigenen Augen gesehen hat. Sie lebten einst in einer Kristallstadt, in einem Land mit duftenden Wiesen und Blumen, rauschenden Flüssen und klaren Seen. Das Höchste Gebot der Lithoniel, war ihre Freiheit. Die Stadt selbst kann man nicht beschreiben, denn wenn man sie sieht, so ist sie glaube ich, mit keiner bekannten Schönheit unserer Erde vergleichbar. Doch nicht nur die Lithoniel regierten Aradon, sondern auch die Aramer bzw. die Duneden. Die Duneden, sind ein Volk, das unter dem Wüstensand in tiefen Stollen lebt. Viele Tunnel sind mit Dörfern und kleineren Städten Aradons verbunden. Ihre Hauptstadt liegt mitten in der Wüste, allerdings oberirdisch, um den Handel mit anderen Völkern zu erleichtern. Die Aramer sind mit uns einfachen Menschen, am besten zu vergleichen. In ihrer Hauptstadt Ajanis, herrschte Frieden, Freiheit, Glück und das komplizierte Gefühl namens Liebe. Die Aramer lebten in einer Allianz mit den Lithoniel und den Duneden. Gemeinsam erschufen sie einen Rat, der seinen Sitz in Ajanis, im Zentrum der Stadt, dem Regenbogenturm hatte. Dieser Rat bestand in den frühen Zeiten, aus zwölf Mitgliedern, jeweils vier von jedem der drei Völker. Die Aramer machten sich ihren Namen mit den Lano-Spielen, einer Art sportlichen Wettkampfes, der alle einhundert Jahre in einer der Hauptstädte Aradons ausgerichtet wurde. Der Sieger gewann neben Ruhm und Ehre eine besondere Gabe. Doch einmal, als die Spiele ausgerichtet werden sollten, wurde ein besonderer Preis ausgesetzt. Es war ein Spiegel, gemacht aus den Tränen von Lithoniel, Aramern und Duneden, der magische Kräfte besaß. Dieser Spiegel barg eine Prophezeiung in sich, die von dem vierten Volk, den Ixion, aufs Äußerste begehrt worden war. Kurz vor Beschluss einer vierer Allianz, begannen die Ixion einen Krieg gegen alle freien Völker Aradons. Sie versuchten krampfhaft die Prophezeiung in ihren Besitz zu bringen, doch es misslang. Die Prophezeiung sollte eine Quelle unbeschreiblicher Macht sein und ihren Besitzer zum rechtmäßigen, alleinigen Herrscher von Aradon machen. Nach der letzten dokumentierten Ratssitzung, beschlossen die Vertreter jedes einzelnen Volkes, dass unbedingt schnell eine Lösung gefunden werden musste. Die Lithoniel machten einen Vorschlag. Warum sollte man nicht eine Erlösung erschaffen? Sie schlugen vor ein Wesen zu schaffen, dass die Ixion besiegen und Aradon seinen Frieden zurückbringen sollte. Natürlich war allen bewusst, dass dieses Wesen allein vielleicht nicht genügend Kraft aufbringen könnte. Darum beschlossen sie ihm Weggefährten zu senden. Auch einen Namen hatten sie bereits für ihre Erlöserin gefunden: Aja. Das ist alles, was von den Aufzeichnungen der Lithoniel geborgen worden konnte.

1. Die Vergangenheit lebt

Es war eine stürmische Nacht, der Wind rüttelte an den Häusern. Nebel schlängelte sich wie eine träge Schlange durch die Straßen von Iede, einem kleinen Dorf, das ein paar Kilometer von Ajanis entfernt lag. Dort brachte gerade eine Frau ihr Kind zur Welt. Es gewitterte, der Donner hörte sich an, als ob der Himmel schrie. In dem nur schwach beleuchteten Raum, kümmerte sich eine Hebamme um die Mutter. „Schön ruhig. Gleich ist es vorbei.", sagte sie mit beruhigender Stimme. Etliche Stunden später hielt die Mutter ein Baby in den Armen, ein Mädchen. Sie weinte und küsste die Stirn ihres Kindes. Draußen hörte man Schreie. Beide Frauen sahen auf. Die Hebamme schaute beunruhigt aus dem Fenster. „Das Dorf brennt!", schrie sie erschrocken. „Oh nein, nicht hier. Sie können noch nicht hier sein!", rief die Mutter. Kurz danach erzitterte die Tür. „Hier nimm sie. Lauf mit ihr soweit du kannst!", befahl die völlig erschöpfte Mutter und gab der Hebamme ihr Kind. „Wie Ihr wünscht.", erwiderte sie, konnte die Tränen kaum zurück halten und eilte durch die Hintertür ins Freie. Die Haustür wurde krachend aufgestoßen. „Ihr kommt zu spät. Sie ist fort. Ihr werdet sie nie finden. Tut wozu ihr gekommen seid.“, sagte Lija und schloss ihre Augen. Die Eindringlinge zögerten nicht. Nach einem kurzen Moment war es vorbei, Liija war tot. Siebzehn Jahre später war dieses Ereignis bereits in Vergessenheit geraten. Ajasa lebte schon solange sie sich erinnern konnte in der Kristallstadt Aldan. Sie war von den Lithoniel aufgezogen worden. Im Zentrum der Stadt war ihr Zuhause, der Teju Palast. Sie schlief in ihrem Himmelbett und träumte. Draußen war es hell. Ein blasser Morgen kündigte den neuen Tag an. Es klopfte. Sie schreckte hoch, verwirrt, als müsse sie sich erst wieder daran erinnern wo sie war und stand auf, um die Tür zu öffnen. Ein freundliches Gesicht lächelte ihr entgegen. „Glorien!!! Du bist wieder zurück!!! Oh wie wunderbar!!!", rief sie und umarmte ihn. Die Müdigkeit war wie weggeblasen. „Nicht so hastig junge Freundin.", sagte er lachend und schob sie sanft zurück ins Zimmer. „Du musst mir erzählen was in der Welt geschieht Glorien.“ Sein Blick wurde ernst. „Nichts Gutes. Die Wolken werden dichter und der Schatten aus dem Osten rückt immer näher heran. Seit über tausend Jahren führen wir Krieg mit den Ixion und die Erlöserin ist noch immer nicht gekommen...Weißt du Ajasa, ich habe noch nie so viel Tod gesehen. Es zerreißt mir fast das Herz, wenn ich daran denke, wie schön unsere Welt einst war. Aber diese Zeit ist wohl vorüber. Aber genug davon. Was hast du getrieben als ich fort war?", fragte er lächelnd. „Ich habe Vorbereitungen getroffen. Du weißt doch, morgen ist mein Geburtstag. Heute Abend ist so ein komischer Ball. Sly hat gesagt ich muss hingehen... ", sagte sie mit wenig Begeisterung. Er warf sich auf ihr Bett. „Aaach, weißt du wie lange ich schon nicht mehr in so einem Bett gelegen habe? Und mit wem gehst du zu diesem Ball?", fragte er und streckte sich ausgiebig. Ihre Augen wurden groß. „Mmmh, gut das du fragst. Ich wusste bis vor einer Minute noch nicht mit wem, aber...wie wäre es mit dir? Hast du Lust? Ich langweile mich bei solchen Dingen doch so, bittee.", bat sie. Sein Blick wurde weich. Seit er sie als kleines Mädchen kennen gelernt hatte, waren sie gute Freunde. Ihre Neugierde und Tollpatschigkeit hatten ihn immer zum Lachen gebracht. Wie lange das wohl noch so sein würde?„Okay, okay. Es gibt unten Essen. Geh doch schon mal vor, ich komme gleich nach.", schlug er schmunzelnd vor. „Oh gut ich hab wahnsinnigen Hunger! Ich muss mich noch schnell umziehen, wir sehen uns unten.“, sagte sie lächelnd und eilte aus dem Raum. „Ich hoffe die Curio haben Unrecht, es ist nicht richtig sie zu schicken. Vielleicht wird sie ja nicht ausgewählt...Ich kann nur hoffen, dass es nicht soweit kommt. Naja, als ob mir auch anderes übrig bleiben würde.“, sagte Glorien leise, stand auf und trat zu einem riesigen Wandspiegel. Er betrachtete sein Spiegelbild. Sein Gesicht, das jung und zugleich alt wirkte, schaute ernst zurück. Seine dunklen Augen sahen aus als würden sie nun genug von der Welt wissen, um ihr zu misstrauen. Was hatte er nicht alles gesehen...Unheimliche Dinge, die er nicht immer sah, aber spüren konnte. Bald, würde die Schlacht um die Prophezeiung erneut aufflammen. Auch wenn er sich es anders wünschte. Vor ein paar Jahren, dachte er, diese Kriege würden aus Eroberungsgründen stattfinden. Denn es gab eine Zeit, in der das Böse zurückgetrieben wurde, zurück in die Schatten. Eine Zeit, in der die Prophezeiung nebensächlich geworden zu sein schien. Nun so fürchtete er, war das Böse wieder auf der Suche und seine kleine Ajasa würde eine wichtige Rolle in dieser Schlacht übernehmen. Wenn seine Untersuchungen stimmten, war die Prophezeiung nicht mehr das Hauptziel, sondern die Aja, die Erlöserin von Aradon… Am Abend fand der Ball der Regenbogentränen statt. Alles, was Rang und Namen hatte war erschienen. Dieses Fest wurde jedes Jahr zu Ehren des Rates gefeiert. Ajasa trug ein himmelblaues Kleid mit silbernem Staub darauf. Sie sah mit ihren langen schwarzen Haaren sehr hübsch aus und ihre grünen Augen leuchteten voller Vorfreude. „Da habe ich aber eine hübsche Tanzpartnerin erwischt. Du siehst toll aus, meine kleine Aja.“ Sie drehte sich schlagartig um. „Glorien? Danke. Aber meinst du nicht, dass der Vergleich mit mir und der Aja, vielleicht ein wenig übertrieben ist?", fragte sie spitz. „Nein ganz und gar nicht, aber ich denke wir sollten lieber tanzen, als hier den Weg zu versperren.“, entgegnete er lachend, denn sie blockierten den Eingang des Saals und eine große Menschenmenge hatte sich vor dem Teju Palast angesammelt. Gemeinsam betraten sie den großen, festlich geschmückten Saal. Als die Musik einsetzte, war es wie ein wirklich gewordener Traum. Die Zeit schien still zu stehen und es war kein Gesicht zu sehen, auf dem kein Lächeln spielte. Für Ajasa, war es ein besonderer Abend, an den sie sich noch lange erinnern sollte... Nach ein paar Tänzen, beschlossen sie in den Gärten spazieren zu gehen. Inmitten eines riesigen Gartens stand ein Springbrunnen. In der Nähe des Brunnens blieben sie stehen. Der Mond schien schon hell und der Himmel war voller Sterne. „Ajasa, ich muss dir etwas sehr Wichtiges erzählen. Ich will dir nichts vorspielen, da du mich zu gut kennst, also… wo soll ich anfangen? Lies erst mal das hier...", begann Glorien und reichte ihr einen Brief. „Was...?", wollte sie fragen, aber er nickte nur zu dem Brief in ihren Händen. Ajasa fragte sich, was das alles bedeuten sollte. Sie entfaltete ihn und las, dabei beobachtete sie hin und wieder Glorien, dessen Gesichtsausdruck mit jeder Zeile trauriger wirkte. Ajasa, wir bitten Euch, morgen um Mitternacht den Turm von Aldan aufzusuchen. Dort werdet Ihr Antworten auf Fragen finden, die mit Eurer Herkunft zusammen hängen. Und Eure Zukunft, wird sich offenbaren. Wir warteten voller Hoffnung eine lange Zeit auf Euch. Lasst uns nicht länger verweilen. Die Reise wird bald beginnen. Und eine neue Schlacht geschlagen werden. Ithandil, einer der Zwölf „Glorien...Was bedeutet das?", fragte Ajasa sichtlich verwirrt. „Ich kann dir nicht alles sagen, denn ich bin nur ein Bote. Dieser Brief, stammt von Ithandil, einem Mitglied der Zwölf. Du hast unsere Schriften gelesen und weißt einiges darüber. Was als längst verloren galt ist möglicherweise gefunden worden. Du kennst die Legenden, Ajasa. Du kennst mit Sicherheit die Geschichte, um die es sich handelt." Ajasa versuchte sich zu erinnern, welche Legende meinte er? Und wer sollte ihr sagen können, wo sie herkam? Sie war ohne Eltern aufgewachsen. Zwar liebevoll von den Lithoniel behandelt, aber ohne einen Schimmer ihrer Herkunft. Man konnte ihr ansehen, dass sie zur Hälfte eine Lithoniel war. Man erriet es aus ihrem Lachen, ihrem leichten Gang... Aber das half ihr nicht weiter. Man hatte ihr einfach nichts erzählt, aber sie glaubte nicht an Unwissenheit, was die Lithoniel betraf. Denn die Lithoniel wussten immer, was in ihrem Land vor sich ging. Und darüber hinaus, waren sie sehr mächtig. Plötzlich fiel es ihr ein, eine Geschichte über den Rat der Zwölf, seine Gründung und die letzte Ratssitzung, kurz gesagt: Aja. „Es hat etwas mit der Aja zu tun? Aber, wie kann ich da nützlich sein? Was ist so Besonderes an mir, dass ich von einem Mitglied der Zwölf gebeten werde in den Turm von Aldan zu kommen? Und warum gerade Mitternacht?", fragte sie verwirrt und schaute Glorien an. „Ich weiß nicht, vielleicht klingt es gut...", erwiderte er ausweichend. Sie musterte ihn. Er sah betreten zu Boden. „Glorien, du weißt mehr als du sagst. Was ist los?", fragte sie unnachgiebig. Er schaute ihr nur für einen kurzen Moment in die Augen, bevor er antwortete. „Nicht viel, aber genug um mir wegen dieser Sache Gedanken zu machen. Ich spüre, dass sich das Böse wieder rührt. Es wird bald einen neuen Krieg geben und sie werden versuchen, die Prophezeiung zu bekommen und die Aja zu vernichten. Es kann nur zwei Gründe für diese Aufforderung geben, obwohl ich nicht weiß, ob ich es dir sagen darf.", meinte er mit ernster Stimme. Sie staunte. „Die Aja ist also erwacht?", fragte sie. „Das ist ja wunderbar! Dann wird endlich wieder Frieden auf Aradon herrschen.", sagte sie aufgeregt. „Entweder ist die Aja bereits erwacht, oder sie ist kurz davor denke ich.“, antwortete Glorien. „Ich kann dir nicht mehr sagen. Tut mir leid. Du wirst morgen alles erfahren. Ich, ich muss los.“, sagte er kurz angebunden und verschwand hinter einer Rosenhecke. Ajasa starrte noch eine Weile auf die Hecke, bis ihr auffiel, was sie da tat. Sie wandte sich zum Palast und überlegte, warum Glorien so merkwürdig gewesen war. Weshalb hatte er Angst? Denn es war zweifellos Angst in seinen Augen gewesen. Sie musste sich damit abfinden, bis morgen mit ihren Fragen zu warten. In dieser Nacht schlief Ajasa, sehr unruhig. Nichts regte sich draußen. Im Mondschein sah es so aus, als ob ein Schatten durch Aldans Straßen schlich. Lautlos, wie die Nacht selbst. Ajasa träumte und in ihrem Traum war sie an einem dunklen Ort. Es war kalt, überall lag kniehoher Schnee und sie war allein. Kein Laut war zu hören. Vor ihr lagen dunkle Berge, die sich groß und grau schimmernd vor ihr erhoben. Sie hörte eine Stimme, aber sie verstand die Worte nicht. Es war die alte Sprache von Aradon. Die Stimme hörte sich an, wie ein Flüstern im Wind. Ohne Vorwarnung wachte Ajasa plötzlich auf. Sie konnte nicht sagen warum, aber sie wusste, dass sie diesen Weg gehen musste. Sie ante, dass sie ihre Zukunft gesehen hatte. Es war wie eine Eingebung, ein Gefühl, das einen einfach so plötzlich überkommt. Dieses Gefühl machte sie traurig, deshalb beschloss sie, nur eine kleine Feier zu machen. Sie wollte nur ihre besten Freunde um sich haben. Der folgende Tag, war wunderschön. Es war einer dieser Sommertage vor dem Herbst, mit warmem Sonnenschein und keiner Wolke am Himmel. Gratulationen, hatte sie schon viele erhalten. Glorien schenkte ihr ein Armband, das wie der helle Abendstern leuchtete. Der Abendstern wurde von den Lithoniel verehrt. Von Sly, der Lithoniel, die sie aufgezogen hatte, bekam sie einen Ring. „Herzlichen Glückwunsch, Ajasa. Mögest du lange und glückliche Tage durchleben. Los pack die Geschenke aus!", rief Ellen, eine Aramerin, die in Aldan lebte. Ellen, war Ajasas beste Freundin und begleitete sie überall hin. Sie waren unzertrennlich und sich vom Aussehen sehr ähnlich, sodass sie oft für Schwestern gehalten wurden. Von Ellen, bekam Ajasa eine Blume, die immer blühte und aus dem Tal Galdea stammte. Es lag hinter riesigen schneebedeckten Gebirgsketten. Weit hinter den Lavatälern und dem Reich Dunas, wo die Hauptstadt der Duneden lag. Man konnte also sagen, Galdea befand sich am Ende der bekannten Welt. Es gab viele Gebiete, wo andere Völker lebten, die sich nicht in die Geschäfte des Rates der Zwölf einmischten und so ließ man auch sie in Frieden leben. Der Tag neigte sich dem Ende zu und nach einem köstlichen Mahl, mit vielen lustigen Geschichten von Anis einer Lithoniel die im Palast arbeitete, gingen sie zu Bett. Allerdings hatte Ajasa nicht vor zu schlafen. Sie schlüpfte in ihren Kapuzenmantel und schlich sich aus dem Palast. Ungesehen betrat sie die Hauptstraße von Aldan. Es waren von hier aus knappe zwanzig Minuten bis zum Turm. Heute Nacht, war Athlon zu sehen, der zweite Mond neben Elendar. Die Straßen wurden nicht beleuchtet, aber die beiden Monde schienen hell genug und auch ohne sie, hätte Ajasa den Weg leicht gefunden. Sie bemerkte nicht, dass ihr jemand folgte. Wie ein Schatten, glitt er in einiger Entfernung lautlos durch die Straßen. Trotzdem konnte sie das Gefühl beobachtet zu werden, nicht ganz abschütteln. Als sie nur noch wenige Meter vom Turm entfernt stehen blieb, drehte sie sich um. Gerade noch rechtzeitig um einen dunklen Schatten zwischen den Häusern verschwinden zu sehen. „WER IST DA? ZEIGE DICH!", rief Ajasa, doch es passierte nichts. Leicht beunruhigt, setzte sie ihren Weg fort. Sie kam am Fuße des Turmes an und schaute zu seiner Spitze. Wie eine Nadel, schien er sich in den dunklen Himmel zu bohren. Es war ein komisches Gefühl, gleich den Turm von Aldan zu betreten und einem der Zwölf zu begegnen. Sie ergriff die Klinke und trat hinein. Eine dunkle Empfangshalle lag vor ihr. Suchend sah sich Ajasa nach jemandem um. Sie ging zu einer dunklen Doppeltür, dieser war aber abgeschlossen. Einen Augenblick später, erblickte Ajasa aber eine Wendeltreppe, die nach oben führte. Die Stufen waren sehr alt und an einigen Stellen gebrochen oder rissig und es schien ein endloser Gang in die Ungewissheit zu werden. Plötzlich hörten die Stufen auf. Ajasa stand in einem schmalen Korridor. Ein paar Meter von ihr entfernt, entdeckte sie eine Tür. Zögernd ging sie darauf zu. Nach einer kurzen Untersuchung der Tür, schüttelte Ajasa verwundert den Kopf. Sie hatte weder einen Griff, noch eine Klinke. Nach kurzem Zögern tat Ajasa das, was jeder getan hätte und drückte gegen sie. Dahinter lag ein kreisrunder Raum mit einem Marmortisch, an dem zwölf Stühle standen. Das Zimmer wurde nur von einer Fackel an der Wand und dem hinein scheinenden Mondlicht erhellt. „H-hallo?", fragte Ajasa zu ihrer Überraschung kaum hörbar. Sie gab sich mit der Erklärung zufrieden, dass die Zwölf eine Legende waren, unsterblich. Sie alterten nicht, sie waren schon immer da gewesen, aber es hatten noch nicht viele die Ehre bekommen sie persönlich zu sehen. „Willkommen Ajasa. Wir freuen uns, dass ihr gekommen seid. Es ist mir eine Ehre, dich im Namen der Zwölf willkommen zu heißen. Und auch dich Glorien begrüße ich." Ajasa drehte sich verwirrt um. Hinter ihr saß Glorien in einer Ecke und nickte ihr aufmunternd zu. Ajasa war fassungslos. „Es ist für mich eine Ehre Ithandil. Ihr sagtet, ich würde Antworten erhalten. Also sagt mir bitte, warum ich hier bin." Er bot ihr einen Stuhl an und setzte sich dann selbst. „Nun, du kennst zweifellos die Geschichte der letzten Sitzung dieses Rates, kurz nach Beginn des Krieges. Es geht um die Aja und einen Auftrag, von dem wir gleich wissen werden, ob er dein Schicksal ist. Denn in einer Minute ist es genau Mitternacht. Athlon und Elendar stehen gleichzeitig am Himmel und werfen ihr Licht in diesen Raum. Die Sterne werden die Zukunft erhellen.“, erklärte er. Ajasa fühlte sich sonderbar. So, als ob sie den Boden unter den Füßen verlor. „Es beginnt.“, flüsterte Ithandil ernst. Glorien sprang von seinem Platz auf und wollte zu Ajasa eilen, als er sich nicht mehr bewegen konnte. „Nein, Glorien. Ich habe deine Einwände angehört und mich gegen sie entschieden. Wir werden es nun testen.“, meinte Ithandil und seine grünen Augen schauten ernst zu Glorien, während er ihn mit einer Handbewegung in Schach hielt. Glorien, der durch ein magisches Band gefesselt war, musste hilflos mit ansehen, was passierte. „W-was passiert mit mir? Macht bitte, dass es aufhört, ich bitte euch. Neeiiin...", rief Ajasa panisch. Alles drehte sich, dann fiel sie in einen tiefen Schlaf, Ithandil trat sofort hinter sie und fing sie auf. Im selben Moment wachte Ajasa an einem fremden Ort auf. Sie öffnete die Augen. Alles um sie herum, war aus weißem Marmor. Und sie hörte wieder diese Stimme, die Stimme aus ihrem Traum. Es war auch die alte Sprache Aradons, die sie hörte, aber es waren andere Worte. Doch jetzt verstand sie ihre Bedeutung. Auf weißem Marmor wacht sie auf. Wie es bestimmt war. Folgt immerdar dem Wasserlauf. Komm nun zu mir, die Reise beginnt. Musste so lange auf diesen Augenblick warten. Nun komm zu mir. Sie folgte der Stimme und ging durch eine riesige Halle. Es hörte sich an wie ein Lied. Sie trat auf eine Lichtung, neben ihr floss leise ein Bach entlang. Sie folgte dem Flusslauf und sah einige Minuten später eine Gestalt im Gras sitzen. Sie war eine Lithoniel oder etwas anderes, auf jeden Fall war sie kein Mensch. Sie war groß, schlank und etwas blasser als Aramer. Ihr langes braunes Haar, glänzte im Licht. „Ich habe dich erwartet, Ajasa.“, sagte sie freundlich. „Lange hab ich gewartet, um dir zu sagen, dass es mit Leid tut… Um dir zu sagen, wie sehr ich dich liebe."Ajasa, hatte diese Frau noch nie gesehen, wusste aber sofort wer sie war. „Mama?", fragte sie vorsichtig. Die Frau nickte. „Bist du ein Geist?", fragte Ajasa und wurde ein wenig blasser. Die Frau schaute ihr traurig in die Augen und schüttelte den Kopf. „Ajasa, es tut mit wirklich leid. Andere werden dir die Geschichte erzählen. Aber es ist eine Erleichterung dich endlich zu sehen. Ich wusste nicht, ob Sly es geschafft hat, dich fort zu bringen. Und so konnte ich keine Ruhe finden. Dein Vater wäre so stolz auf dich. Du musst jetzt gehen, hier kannst du nicht bleiben. Erinnere dich immer daran, niemals aufzugeben ja? Versprich es mir." Bevor Ajasa ein weiteres Wort sagen konnte, begann alles zu verschwimmen. „Ithandil was ist mit ihr? Ithandil antworte doch!", verlangte Glorien verzweifelt. Ajasa lag auf dem Boden und hatte ihre Augen weiterhin geschlossen. „Sie ist auserwählt, es tut mir leid Glorien. Es ist ihre Bestimmung zu gehen. Sie hat gesehen.“, antwortete Ithandil leise, der sich über Ajasa gebeugt hatte. „Da sieh hin.“, flüsterte er und deutete auf Ajasas Körper. Er begann zu leuchten und ein blendendes Licht stieg aus ihrer Brust auf. Als das Licht schwächer zu werden schien, sah man eine Karte über ihr schweben. „Sie hat Liija gesehen.“, murmelte Ithandil. Glorien war fassungslos. „Aber Liija ist tot. Sie wurde ermordet, kurz nach Ajasas Geburt. In Iede. Ich habe Sly mit ihr fliehen sehen.", widersprach er. Ithandil nickte. „Das ist wahr. Auf der anderen Seite muss sie ihr begegnet sein. Sie hat die Zwischenwelt betreten. Diese Karte, gehörte Liija, die das Geheimnis der Aja hütete. Sie selbst, hat nach Aja gesucht.", meinte er. „Sag mir Ithandil, ist sie die Aja? Bitte, lass sie nicht gehen.“, erwiderte Glorien flehend. Ithandil, stand reglos im Raum und beobachtete Ajasa aufmerksam. Zunächst schwieg er und für Glorien war es unmöglich seine Gefühle zu erraten, die Ithandil sorgsam unter der Oberfläche hielt. „Ich weiß es nicht, Glorien. Versuche nicht dich gegen den Rat zu stellen! Wir werden einen Monat warten. In dieser Zeit, werde ich Boten zu den anderen Elf schicken und wenn das Ergebnis dieser Entscheidung bedeutet, dass sie gehen muss, wirst du sie nicht zurückhalten. Ajasa hat eine lange Zeit unter dem Schutz des Rates im Teju Palast verbracht, doch bald ist selbst Aldan gegen den Ansturm von Feinden machtlos. Du weißt genauso gut wie ich, dass die Schlacht bald beginnen wird." Glorien sagte kein Wort, aber nach einer Weile nickte er. „Also gut, ich werde sie ziehen lassen. Doch falls sie wirklich die Aja ist, braucht sie Menschen, auf die sie sich verlassen kann, denen sie vertraut. Wenn sie gehen muss, werde ich sie begleiten. Ob das nun der Wunsch des Rates ist, oder nicht.“, sagte er bestimmt. Ithandil machte eine halbe Verbeugung. „So wollen wir dann verfahren. Als ein Bote des Rates, darfst du sie begleiten. Gib Acht, sie wacht auf." Ajasa regte sich langsam und öffnete die Augen. „Was im Himmel war das?", fragte sie, nachdem sie sich aufgesetzt hatte. Ithandil musterte sie, sie schien ein wenig blasser geworden zu sein, aber ansonsten schien ihr nichts zu fehlen. „Das war die Antwort auf meine Frage. Es ist dein Schicksal. Nun zu deinen Fragen. Du wolltest Antworten, jetzt sollst du sie bekommen.“, sagte er und hielt die Karte von Liija in seiner Hand. Ajasa hatte sie jetzt erst bemerkt. „Was ist das?", fragte sie und deutete auf die Karte. Ithandil begann zu erzählen. Ajasas Mutter Liija, hatte zusammen mit Ajasas Vater, Sly und einigen anderen nach der Aja gesucht. Gekommen waren sie allerdings nur bis Galdea, wo sie von Attentätern und Spähern unbekannter Herkunft überfallen und getrennt wurden. Ajasas Vater starb in Galdea, um Sly und Liija die Flucht zu ermöglichen .Der Rest der Gemeinschaft war geflohen und ihr Schicksal ungeklärt. Als Ithandil geendet hatte, war es bereits hell draußen. „Du bist auserwählt die Aja zu finden, genau wie deine Mutter vor dir. Es liegt in deinem Blut. Glorien wird auf deiner Reise nicht von dir weichen, selbst wenn der Rat der Zwölf es wünscht. Obwohl wir schon lange vor seiner Geburt existierten, würde er sich uns in den Weg stellen wenn wir ihm verbieten würden mit dir zu gehen.“ Ajasa blickte zu Glorien. Ja sie wusste es, auf Glorien konnte sie sich immer verlassen. Noch nie, hatte sie einen solchen Ausdruck von Entschlossenheit in seinen Augen gesehen. „Was muss ich tun?", fragte sie. „Du musst zunächst erst einmal ausgebildet werden. Ich selbst Glorien und Sly werden das übernehmen. Weil noch nicht klar ist, in wie weit du mit der Aja zu tun hast, müsst ihr nach Ajanis zu Lianel, sie ist eine Curio und die Vorsitzende des Rates der Zwölf. Sie wird dich prüfen und mir dann berichten, ob du die Aja bist oder eine Hüterin.“, sagte Ithandil. „Was tut eine Hüterin? Und eins würde mich wirklich interessieren, wenn die Lage damals so ernst war, wieso ist die Aja dann nicht sofort aufgetaucht und hat Aradon den Frieden zurück gebracht? Das war doch ihr Zweck oder nicht?“, fragte Ajasa mit gerunzelter Stirn. Ithandil schaute sie etwas belustigt an. „Das ist eine gute Frage, dieselbe hat auch deine Mutter damals gestellt. Die Aja sollte die Erlösung von Aradon sein. Aber sieh die Aja nicht als Person, sondern als Kraft. Eine Kraft, die dazu bestimmt ist unsere Welt zu retten, aber selbst entscheidet, wann sie erwacht. Damals konnten wir die Ixion zurück drängen und die Prophezeiung in Sicherheit bringen. So schlief die Aja weiter, es war nicht nötig ihre Kraft freizusetzen. Das Schicksal der Aja ist eng an die Prophezeiung gebunden. Denn die Aja wurde nur aus der Bedrohung durch die Ixion, aufgrund der Prophezeiung geboren. Das heißt, wenn sie dem Bösen in die Hände fällt, wird die Aja dem dienen, der die Prophezeiung besitzt. Und glaube mir ihre Macht ist nahezu grenzenlos. Es ist möglich, dass wir die Prophezeiung zerstören müssen, wenn der Krieg erst seinen Höhepunkt erreicht hat und es zu riskant ist, das...", er hörte auf zu reden und schüttelte den Kopf. „Das alles ist noch nicht wichtig. Ich stehe oft schon in der Zukunft auf dem Schlachtfeld, wenn noch nicht mal ein Anzeichen von Krieg in der Luft liegt. Ein Fluch, den jeder aus dem Rat kennt. Geh und ruh dich aus, ich muss noch mit Glorien allein sprechen. Morgen werden wir mit deiner Ausbildung beginnen.", meinte Ithandil. „Natürlich auf Wiedersehen.“, verabschiedete sich Ajasa und verließ das Turmzimmer. Nun standen Glorien und Ithandil alleine im Zimmer. „Wann willst du ihr sagen, dass wenn die Prophezeiung zerstört wird, die Aja stirbt?", fragte Glorien ernst. „Ich habe es ihr nicht gesagt, weil ich nicht weiß, ob sie die Aja ist. Und es hat mich erschrocken, wie ähnlich sie Liija ist. So ähnlich… Sie ist zwar auf einem guten Weg, aber noch weit davon entfernt erwachsen genug, für die Probleme von Aradon zu sein. Deswegen, hatte ich Bedenken. Ich habe mich entschlossen, mit euch bis zur Grenze zu reiten und dann einige Leute zusammen zu rufen, das geht schneller als wenn ich Boten schicken würde. Ich muss wissen, wie viel Zeit uns zum Handeln noch bleibt.", murmelte Ithandil nachdenklich. „Sagst du es ihr? Ich meine es ernst, du musst es ihr sagen." Ithandil nickte. „Ich sehe ein, dass es wichtig für Ajasa sein wird. Morgen wenn ich sie unterrichte, werde ich es ihr sagen. Glorien, wir kennen uns schon lange, sehr lange und ich kenne dich sehr gut. Eine große Schwäche von dir ist, dass du zu durchschaubar bist. Es verrät dich und das könnte dir eines Tages gefährlich werden. Sag mir, was ist Ajasa für dich? Eine Schwester, Freundin, Geliebte? Ich sehe, dass du an sie gebunden bist. Wie weit würdest du für ihr Leben gehen?", fragte er mit ernster Stimme. „Ich werde sie beschützen, egal wovor. Sie ist...ein Teil meines Lebens geworden. Ithandil, du weißt, aus welcher Lage du mich gerettet hast. Wie ich vor unserer Begegnung war. Und du weißt auch, dass ich mich verändert habe. Und als ich Ajasa kennenlernte, hatte ich eine Familie, dich als Lehrer und Freund und Ajasa, die immer da war, wenn ich hierher kam und mich zum Lachen brachte.", versuchte Glorien verunsichert zu erklären. „Schon gut, Glorien. Ich werde gegen Mittag im Palast sein.“, sagte Ithandil. Glorien nickte ihm zu und verließ den Raum. Ajasa fragte sich, was sie von Ithandil, Sly und Glorien lernen würde. Das alles sollte sie am nächsten Tag erfahren. Sie saßen in einem Turmzimmer und warteten. „Wann wollte Ithandil kommen Glorien?", fragte Ajasa. „Er müsste eigentlich schon im Palast sein.", entgegnete er. „Es tut mir Leid, dass ich mich verspätet habe.“, sagte Ithandil, der geräuschlos das Zimmer betreten hatte. „Sly muss sich für den Teil, den du von ihr erlernen wirst noch vorbereiten, deswegen kommt sie nach.“, informierte er sie. Ajasa nickte entschlossen. Sie wusste nicht, was genau sie erwartete, aber es war wichtig für den Frieden Aradons und das war alles, was zählte. Ithandil schaute nachdenklich aus dem Fenster und vermied es Ajasa allzu oft anzusehen. „Von mir lernst du deine höheren Fähigkeiten zu nutzen, also das, was du mit deinem Geist kontrollierst. Egal, ob du nun die Hüterin der versteckten Prophezeiung bist oder die Aja selbst in dir schläft. Glorien wird dir beibringen, wie du mit Schwert und Bogen umgehst und mit Sly wirst du lernen Magie einzusetzen.“, erklärte er. Ajasa war überrascht. Wie sollte sie das alles in einem Monat beherrschen? Aber sie äußerte ihre Zweifel nicht. Kurz darauf öffnete sich die Zimmertür und Sly kam herein. „Entschuldigt die Verspätung. Ich musste die Basiszauber von der fortgeschrittenen Magie trennen, das war nicht einfach, aber jetzt weiß ich, mit was für Zaubern wir beginnen können.“, sagte sie, immer noch leicht außer Atem. Im Gegensatz zu den meisten Lithoniel sah Sly anders aus. Ihre Haare schimmerten kastanienbraun und rot, außerdem waren sie mit blonden Strähnen durchzogen. Slys Augen hatten ein strahlendes silbernes blau. Ithandil sah auf und lächelte. „Hallo Sly, wir haben uns lange nicht gesehen nicht wahr? Sag, wie geht es dir?“, fragte er. Sly wollte sich gerade hinsetzen, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne. Abschätzend schaute sie ihn an. Ajasa hob verwundert eine Augenbraue. Warum schien Sly so verärgert? „Danke ich komme zurecht.“, sagte sie in ruhigem Ton, obwohl ihr Blick etwas anderes sagte. Als sie im Turmzimmer saßen, beobachtete sie ihn aufmerksam. Ob er wohl noch an Liija dachte? Sie nahm es an, schließlich war Aloran nicht der Einzige gewesen, der Liija geliebt hatte. Ihr fiel auf, dass er innerlich angespannt war, obwohl er gelassen auf seinem Platz saß. Was war er doch für ein talentierter Schauspieler. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Ajasa gegenüber zu sitzen, musste ihm das Herz zerreißen, weil sie sich doch so ähnlich sahen. Ihr Gesicht, ihre Augen, fast alles erinnerte an Liija. Nur ihre Haare nicht, die ein tiefes Schwarz hatten und bis zu Ajasas Schultern gingen. Sly fragte sich, ob Liija gewollt hätte, dass Ajasa den gleichen Weg gehen würde wie sie selbst. Sie konnte es nicht sagen. Allerdings verwirrte es sie, dass Ithandil und Glorien sich nicht sicher waren, ob Ajasa die Aja in sich trug. Sly war davon überzeugt und das machte sie traurig. Es war auf jeden Fall seltsam, dass eine einfache Priesterin wie sie, es sofort erkannte und jemand wie Ithandil, der viel mächtiger war, es nicht zu können schien. Ajasa stellte verwirrt fest, dass Sly Ithandil regelrecht mit ihren Blicken zu durchbohren schien. „Also meine werten Freunde, sind wir nach so langer Zeit wieder vereint, um eine Aufgabe zu erfüllen. Mit was sollen wir anfangen? Magie, Heilung oder den Kampftechniken?“, fragte Ithandil. Glorien verschränkte die Arme und zuckte mit den Schultern. „Mir ist es egal, lass Ajasa entscheiden. Schließlich geht es hier um sie.“, sagte er. „Nun Ajasa, was möchtest du zuerst lernen?“, fragte Sly freundlich und mit einem Lächeln, was Ajasa nur äußerst selten an ihr bemerkte. Ajasa dachte nach. Sly hatte immer gesagt, dass man seinem Herzen vertrauen müsste. Und das tat Ajasa dann auch, nachdem sie kurz überlegt hatte. „Heilen. Das ist auf einer Reise dieser Art wohl nötig.“, antwortete sie. Sly und Ithandil schauten sich im gleichen Moment in die Augen. Und auch Glorien hatte überrascht den Kopf gehoben. Das kam ihnen sehr bekannt vor, auch wenn es schon einige Zeit zurück lag. Es war erstaunlich und ein wenig unheimlich. Genau die gleichen Worte hatte Liija in der gleichen Situation gesprochen. „In Ordnung, dann folgt mir. Wir gehen in die Gärten, dort ist es schöner und die Sonne geht erst in ein paar Stunden unter.“, sagte Ithandil gut gelaunt. Er und Ajasa gingen voran, während Sly und Glorien ihnen folgten. „Er wird in den Rosengarten gehen, das hat er damals auch mit Liija getan. Erinnerst du dich?“, fragte Sly beunruhigt im Flüsterton. Glorien nickte. „Ja natürlich. Es ist alles genauso wie damals, nur dass Liija und Aloran nicht hier sind. Ich glaube er sieht Liijas Geist in ihr und will ihn irgendwie erreichen.“, erwiderte Glorien ebenso leise. Sly runzelte die Stirn. „Ich weiß, er ist einer der Zwölf und sehr mächtig, aber ich wusste nicht, dass er das könnte.“ Glorien ging etwas schneller. „Für uns liegen nun einmal viele Dinge im Verborgenen Sly. Wir beide sind gezeichnet für den Rest unseres Lebens. Ist es nicht so?“ Sly sah ihn ausweichend an. „Ich weiß nicht, was du da sagst Glorien.“ Glorien hielt sie an den Schultern fest. „Sly ich bitte dich. Du weißt ganz genau was ich meine.“, widersprach er ernst. Sie sah beschämt zu Boden. „Jaa, ich weiß. Aber Glorien, ist das nicht schon so lange her? Für mich war das schon vorbei kurz bevor ich Liija traf und nach Aldan zog.“ Glorien sah sie ernst an. „Für dich vielleicht. Aber ich war damals noch einer von ihnen. Und damals hätte ich nicht im Traum daran geglaubt, wer ich heute bin. Ich hätte mich für schwach und verachtungswürdig gehalten. Ich verdanke Ithandil all das, was ich heute habe. Ein reines Herz und euch.“ Damit beendeten sie das Gespräch und setzten sich zu Ajasa und Ithandil, die unter einer Weide Platz genommen hatten. „Die Fähigkeit zu heilen, kann nur von mächtigen Wesen erlernt werden, weil die Kraft schon in ihnen steckt. Und es ist am Anfang schwierig, sehr schwierig. Du musst mit deiner ganzen Kraft daran denken. Hast du das verstanden?“, fragte Ithandil und schaute sie ernst an. „Ich glaube schon. Ich werde mich bemühen.“, antwortete Ajasa zweifelnd. Sly ergriff ermutigend ihre Hand. „Du schaffst das, da bin ich mir sicher.“, sagte sie lächelnd. Ithandil griff in sein Gewand und zog einen verzierten Dolch hervor. Ajasa sah ihn beunruhigt an. „Keine Angst, es wird nicht sehr wehtun Aber du musst lernen, wie es sich anfühlt.“, sagte er ernst. Ajasa schluckte, ließ sich aber nichts anmerken. „Ich werde dir jetzt gleich in die Handfläche schneiden. Es wird kein tiefer Schnitt. Bitte gib mir jetzt deine Hand.“, forderte er sie auf. Ajasa atmete tief durch und reichte ihm ihre Hand. Er hob das Messer und fuhr mit der Klinge über ihre Haut. Ajasa zuckte zusammen und versuchte den kurzen durchdringenden Schmerz in ihrer Hand zu ignorieren, sie biss sich auf die Lippe, um einen Schmerzensschrei zu verhindern. Ein leises Keuchen, konnte sie nicht unterdrücken. „Es tut mir Leid, aber es muss sein Ajasa.“, sagte Ithandil hastig. „Ich weiß, tut mir Leid. Ich sollte mich mehr zusammen reißen.“, meinte sie lächelnd. „Jetzt musst du dich konzentrieren. Denke an nichts anderes außer an gute Dinge, Dinge die du liebst. Es kann auch so etwas Banales wie der Sonnenschein sein. Entscheidend ist, dass du nicht an dir zweifelst.“, ermahnte Ithandil sie erneut. Glorien und Sly beobachteten die beiden gespannt. Sly hatte Glorien am Arm greifen müssen, damit er nicht aufsprang und zu Ithandil stürzte, als er Ajasa mit der Klinge in die Hand schnitt. „Reiß dich zusammen!“, hatte sie ihm ins Ohr gezischt und er entspannte sich. Ajasa schloss die Augen und versuchte nicht an den Schmerz in ihrer Hand zu denken, sondern an Menschen, die sie liebte. Ihr wurde schwindelig und sie kniff die Augen fester zusammen, als sie bemerkte, wie sich ein eigenartiges Gefühl in ihrer Hand ausbreitete. Verwundert öffnete sie die Augen und sah gerade noch, wie sich die Wunde schloss. „Das ist wirklich…unglaublich!“, rief sie verblüfft. Sly lächelte und auch Glorien stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Gut gemacht. Aber bedenke auch, das war nur eine sehr kleine Wunde.“, sagte Ithandil sichtlich zufrieden. „Was muss ich tun, um andere zu heilen?“, fragte sie begierig. Ithandil überlegte einen Augenblick. Ajasa starrte immer noch ihre Hand an. Nicht einmal eine schwache Narbe würde zurück bleiben. Dann schien Ithandil zu einem Entschluss gelangt zu sein. Er steckte den kleinen Dolch wieder ein und schloss die Augen. „Warte einen Augenblick, wir reden von schweren Verletzungen. Du bekommst einen Schnellkurs.“, sagte er kichernd. Danach murmelte er Worte, die sie nicht verstehen konnte. Ein Schwert erschien auf seinen Knien. Ithandil sah sie scharf an. „Hört zu, das ist kein Scherz. Jemand von euch, muss es in mich hinein stoßen. Ich kann es nur an mir zeigen, denn ihr zwei könnt euch nicht selbst heilen wenn es notwendig ist.“, sagte Ithandil bestimmend an Sly und Glorien gewandt. „Nein! Nein du bist ein Idiot, weder ich noch Glorien werden dir dieses Schwert irgendwohin stoßen verstanden?“, fragte Sly aufgebracht. Glorien war unentschlossener, nickte dann aber, dass hieß er war Slys Meinung. Ajasa wusste nicht, was sie sagen sollte. Eigentlich sah sie es so wie Sly und Glorien. Was, wenn es ihr nicht gelang ihn zu heilen? Er war schon so lange nicht mehr schwer verletzt gewesen, vielleicht konnte er sich dann nicht selbst helfen, falls sie versagen sollte. Und dann wäre es ihre Schuld, wenn er starb. Ithandil seufzte. „Dann habe ich keine andere Wahl.“, sagte er etwas enttäuscht. Er hob seine Hand und im nächsten Moment konnten Sly und Glorien sich nicht mehr rühren. Auch Ajasa konnte nur bewegungsunfähig im Gras sitzen. Ithandil nahm das Schwert auf, holte tief Luft und stieß es sich in den Bauch. In diesem Augenblick, fiel der Bann, der die drei in Schach gehalten hatte von ihnen ab. „Nein! Oh, Ithandil was hast du gemacht?“, stieß Sly hervor. Glorien wirkte immer noch wie erstarrt. Ajasas Augen waren vor Schreck geweitet. „Was soll ich tun? Sagt mir, was ich tun muss!“, rief sie. Ithandil stöhnte vor Schmerz auf. „Du wirst es wissen.“, sagte er leise und mit gezwungenem Lächeln zog er sich das Schwert aus dem Bauch. Er sank zusammen und keuchte. Glorien wandte sich an Ajasa. „Du musst dich konzentrieren. Denke fest an das, was du tun willst. Vertrau mir, er hätte das nicht getan, wenn er Zweifel an dir hätte.“, sagte er ernst. Ajasa musste ein paar Mal tief durchatmen, um nicht die Kontrolle über sich zu verlieren. „Ich weiß nicht, ob mir das gelingt.“, flüsterte sie. Sly war immer noch bleich im Gesicht. „Bitte, du darfst keine Zeit verlieren! Ajasa du hast die Kraft in dir.“, meinte sie. Ajasa kniete sich vor Ithandil. Er hatte die Augen geöffnet und sein Atem ging schnell und unregelmäßig. Sie riss einen Teil des blutdurchtränkten Gewandes ab und suchte nach der Wunde und dann war es ihr, als wenn eine Kraft von ihr Besitz ergriff. „Ithandil et nysioler in melonbathêst et baja. Nairoitholat et masoilmenerai.”, sprach sie, aber ihre Stimme hatte einen fremden Klang. Aus ihren Händen trat ein Licht aus. Doch die Wunde schloss sich nicht. Das Licht flackerte für ein paar Sekunden, weil Ajasa angefangen hatte zu zweifeln. Aber dann blickte sie Ithandil an und sah seinen Schmerz, sie fühlte ihn auch, so als ob sie selbst verletzt wäre. Ihr Körper fühlte sich an, als würde er zerrissen. Sie hörte Schreie in ihrem Kopf, wusste aber nicht, ob es ihre eigenen waren oder nicht, dann verschwamm alles und wich einem hellen Licht. Sie musste kurz bewusstlos gewesen sein. Als sie aufwachte fühlte sie kalten Schweiß auf ihrer Stirn. Langsam nahm die Umgebung wieder klare Umrisse an. Sie machte sich gar nicht erst die Mühe zu fragen, was passiert war. Sie lag in den Armen von Glorien und Sly hatte sich prüfend über Ithandil gebeugt. „Nicht schlecht für das erste Mal.“, lobte Ithandil leise. Er sah erschöpft aus und Sly half ihm sich an einen Baum zu lehnen. „Elendar sei Dank es geht dir gut.“, sagte Glorien mit einem schwachen Lächeln. „Ich hoffe, das musst du auf dem Weg nach Ajanis nicht machen.“ Ithandil hatte sich innerhalb weniger Minuten erholt und schloss die Wunde endgültig, bis nicht mal mehr ein Kratzer zu sehen war. „Du hast es gemerkt nicht wahr? Um schwere Verletzungen zu heilen, braucht man seine ganze Konzentration.“ Mit einer Handbewegung erneuert er sein Gewand und schien zufrieden zu sein. Die erste Hürde hatte sie bestanden, aber bereit war sie noch lange nicht Aldan zu verlassen. Leider hatten sie nicht mehr so viel Zeit und mussten sich beeilen. Er sah Dinge klar und deutlich, die erst viel später in der Zukunft geschehen würden und so fühlte er jetzt, dass ihnen die Zeit bereits zwischen den Fingern zerrann. Glorien wandte sich ihm zu. „Was waren das für Worte, die Ajasa gerade sprach?“, fragte er. Ithandil überlegte. „Ich weiß es nicht. Die Bedeutung dieser Worte kenne ich auch nicht. Obwohl ich da gewesen bin, als die Sache mit der Aja beschlossen worden ist, kann ich mich nicht erinnern, ob sie eine wichtige Rolle spielen. Ich kann sie nur bruchstückhaft übersetzen, denn diese Worte sind alt, viel älter als selbst die alte Hauptsprache Aradons. Ungefähr so, wie die Anjelie sie benutzen.“ Ajasa meldete sich das erste Mal seit ihrer Bewusstlosigkeit zu Wort. „Ich weiß zwar nicht wieso, aber ich kann es übersetzen. Es bedeutet: Ithandil ist noch nicht erlaubt zu sterben, seine Zeit ist noch nicht gekommen. Und sie ist es. Was auch immer das heißen mag.“ Ithandil war in Gedanken versunken, falls er etwas mit dieser Botschaft anfangen konnte, zeigte er es nicht. Er schaute gen Himmel und fluchte kurz, als er eine dunkle Kreatur am Horizont verschwinden sah. „Uns läuft die Zeit davon. Schaut.“, sagte er. Die anderen sahen zum Himmel auf. „Was bei Iluthel war das?“, fragte Glorien beunruhigt. „Ein Späher. Die Nacht, in der Ajasa Liija sah, hat anscheinend mehr Aufsehen erregt, als ich dachte. Wir müssen gehen und so schnell wie möglich fortfahren.“ Die drei machten sich schnell zum Palast auf. Sly und Glorien waren bereits auf ihren Zimmern. Ajasa wollte gerade die Tür zu ihrem öffnen, als sie eine Hand auf der Schulter spürte. Sie drehte sich um und erblickte Ithandils ernstes Gesicht. „Ajasa warte bitte noch einen Moment.“, sagte er leise. Verwundert schaute sie ihn an. „Es gibt da eine Sache, die ich dir verschwiegen habe. Wenn du die Aja bist, dann hängt dein Schicksal von der Prophezeiung ab. Eine große Gefahr schwebt über dir. Wie ich dir bereits gesagt habe, dient die Aja demjenigen, der die Prophezeiung besitzt. Im Augenblick, wird sie geschützt, daher besteht momentan keine Gefahr. Aber wenn die große Schlacht ausbricht und wir verhindern müssen, dass die Ixion in ihren Besitz gelangen, haben wir keine andere Wahl als sie zu vernichten. Sollte die Prophezeiung vernichtet werden, dann stirbt die Aja. Ich musste Glorien mein Wort geben, dass ich es dir sage.“, erklärte er mit leiser Stimme. Ajasa schwieg einen Augenblick, dann neigte sie den Kopf. „Ich danke dir, dass du es mir gesagt hast Ithandil. Ich weiß nicht, ob ich wirklich die Aja in mir trage, aber sollte das so sein, dann verstehe ich die Konsequenzen, die sich dadurch ergeben. Es macht nichts. Ich werde meinen Weg gehen und bin zuversichtlich, dass es kein Weg in den Tod sein wird. Gute Nacht Ithandil.“, erwiderte sie mit einem leichten Lächeln. Ithandil sah sie erstaunt an, mit so einer Reaktion, hatte er nicht gerechnet. „Ich bin wirklich erleichtert, dass du so denkst Ajasa. Morgen werden wir weitermachen und in drei Wochen brechen wir auf. Auch dir eine gute Nacht.“, sagte er erleichtert. Mit diesen Worten verneigte er sich und ging. Ajasa sah ihm nach, bis er verschwunden war. „Er trägt eine Bürde, die schwerer scheint als meine. Ich werde nicht aufgeben und mein Bestes tun, damit ich auf einen guten Ausgang dieser Sache hoffen kann.“, dachte sie kurz bevor sie einschlief. In den nächsten Wochen, arbeitete Ajasa sehr hart. An einem Morgen, trainierte sie mit Schwert und Bogen. „Gut Ajasa, gleich noch mal. Und jetzt abwehren. In Ordnung. Angriff. Abwehren und ja, jetzt ausweichen. Denk an deine Deckung!“, ermahnte Glorien sie. In einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit, gelang es Ajasa einen Schlag auf Gloriens Schwerthand zu führen. „Aaah. Gut Ajasa…Machen wir eine Pause. Würde es dir etwas ausmachen, meine Hand ausheilen zu lassen?“, fragte er. In den vergangenen Tagen, hatte sie unermüdlich daran gearbeitet, seine Deckung zu durchbrechen. Dreimal hatte sie es bis jetzt geschafft. Aber jedes Mal, hatte er sich geweigert, sich von ihr heilen zu lassen. Ithandil und Sly vermuteten, es war leicht gekränkter Stolz und hatten ihn damit aufgezogen. Doch nun hatte er es sich anscheinend anders überlegt. „Einen Augenblick.“, sagte Ajasa. Sie ging zu einem Brunnen und bespritzte ihr Gesicht mit Wasser. „Viel besser. Gut zeig mir deine Hand und Schulter.“ Inzwischen verlor Ajasa nicht mehr das Bewusstsein, wenn sie jemanden heilte. Binnen weniger Sekunden heilte sie Gloriens Stichwunde und setzte sich danach ins Gras. Sie hatte sich innerhalb der letzten zweieinhalb Wochen sehr verändert. Das Training hatte sich gelohnt. Sie wehrte beinahe jeden Schwerthieb von Glorien ab und ihre Bewegungen gingen fließend in einander über. Sie war an Armen und Beinen kräftiger und hatte einen entschlossenen, sicheren Gesichtsausdruck gewonnen. Es wurde langsam kälter in Aldan. „Nun zum Bogen.“, sagte Glorien. Ajasa verzog das Gesicht. „Kann ich nicht noch ein bisschen ausruhen?“, fragte sie mit vorgeschobener Lippe. „Na komm schon.“, ermunterte er sie. Seufzend stand sie auf. Er reichte ihr einen Bogen aus weißem Holz mit schwarzen Verzierungen. Ajasa nahm ihre Position ein und fixierte einen Punkt in den nahen Bäumen, dann legte sie den Pfeil auf die Sehne, konzentrierte sich und schoss. Ein Apfel fiel hinunter. Sie hob ihn auf und kam grinsend zurück. „Also, was sagst du? Lust auf einen Apfel?“ Der erste Schuss war unglaublich gut, die anderen weniger, aber sie machte Fortschritte. Glorien war ziemlich stolz darauf, wie schnell Ajasa lernte. In den beiden Tagen darauf, durfte sich Ajasa ausruhen. Slys Übungen erwiesen sich als sehr schwierig und unheimlich frustrierend. Sie kamen Ajasa so schwer vor, dass sie mehr als einmal die Geduld verlor. „Ich krieg das nicht hin Sly. Es geht nicht.“ Sly hatte viel Geduld und ermutigte sie immer und immer wieder. „Elementzauber sind nicht einfach, aber unglaublich nützlich, wenn du mal nicht an Schwert und Bogen kommst.“, sagte sie. „Du hast recht. Ich versuch es ja schon weiter…“, seufzte Ajasa. Nach etlichen Versuchen, hatte sie die Zauber im Griff. Vollkommen erschöpft fiel sie an jenem Abend in ihr Bett. Sie träumte und hörte eine leise fremde Stimme. „Ethilion nar e tbeka iom nildys wautra regnur yoar thali onna. Komm zu mir. Komm...” Sie schlug die Augen auf, ohne jedoch wirklich aufzuwachen. Sie zog sich an und verließ den Palast. Sie war wie in Trance. Ihre Augen waren weit geöffnet, aber ihr Blick war irgendwie leer. Bei den Ruinen eines alten Tempels, der nicht weit vom Turm in Aldan entfernt lag, blieb sie stehen. „Athet nirwa.“, flüsterte jemand hinter einem Baum. Ajasa gehorchte und trat wie befohlen näher an den Baum heran. „Es gibt dich also wirklich.“, sagte eine skeptische Stimme, dann änderte sich ihr Tonfall. „Was habe ich doch für ein Glück. Die Energie, die du beschaffen kannst, wird mich stark genug machen. Sie wird mich mächtig genug machen, um meinen Plan in die Tat umsetzen zu können. Tut mir Leid, dass du herkommen musstest, aber erstens musste ich wissen, ob mein Zauber gewirkt hat und zweitens ist der Palast zu nahe am Turm… Da du so bereitwillig hier her kommst, muss er vollends gewirkt haben. Nicht mehr lange und Ithandil ist in meiner Hand. Nimm diesen Ring, aber lasse ihn niemandes anderen Hand zieren. Wenn du meine Stimme hörst, dann musst du mir gehorchen. Verstanden?“, fragte die Gestalt. „Antworte!“, forderte sie ungeduldig. „Ja Meister, ich werde Euch gehorchen.“, hauchte sie, doch ihre Stimme klang nicht wie ihre eigene. „Du wirst dich sobald du aufwachst, nicht mehr an diese Nacht erinnern. Hast du das verstanden?“ Ajasa kniete sich vor die Gestalt und neigte unterwürfig den Kopf. Die ganze Szene wirkte grotesk. „Ja Herr.“, flüsterte sie bestätigend. „Gut. Jetzt geh und komm morgen Nacht wieder her.“ Ajasa erhob sich langsam. „Ja Meister ich werde morgen wieder herkommen, wenn Ihr mich ruft.“, flüsterte sie ergeben und ging fort. Als Ajasa am nächsten Morgen aufwachte, erinnerte sie sich nicht an die vergangene Nacht. Sie bemerkte verwundert, dass sie einen neuen Ring am Finger trug, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. Sie würde niemanden den Ring anrühren lassen. Eher würde sie denjenigen mit einem Pfeil durchbohren. Es war ihr Ring und kein anderer durfte ihn jemals tragen. Ajasa war gereizt an diesem Tag und keiner kam an sie heran. Ithandil, Sly und Glorien besonders, beobachteten dies mit großer Sorge. „Was ist bloß mit ihr los? Ich erkenne sie gar nicht wieder.“, sagte Glorien zu Sly. „Ich weiß es nicht, aber wenn man sie nur anspricht fährt sie einem über den Mund.“ Glorien überlegte. „Mach dir nicht so viele Gedanken, sie ist wahrscheinlich nur wegen der Reise aufgeregt. Schließlich war sie noch nie fort aus Aldan und Ajanis ist weit entfernt.“, versuchte Sly ihn zu beruhigen. Nach einem kurzen Zögern nickte er. „Und trotzdem habe ich dieses komische Gefühl…Aber wahrscheinlich hast du Recht. Ich mache mir wohl zu viele Sorgen.“ Ithandil sah die beiden skeptisch an. „Dennoch ist es merkwürdig.“, sagte er leise. Ajasa ging wie in der Vornacht erneut zu den Ruinen. Dies wiederholte sich die nächsten Nächte. Niemand bemerkte ihr Gehen. Auch in dieser Nacht, ging Ajasa auf Befehl des Fremden zu den Ruinen. „Das machst du sehr gut. Die Energie, die du jede Nacht von den Bewohnern Aldans stiehlst, ist sehr nützlich. Sie macht mich stärker. Du bringst mir die Macht von Ithandil verstanden? Er wird wehrlos sein…Und dann kann ich endlich eine Rechnung mit ihm begleichen. Nun geh und bringe mir seine Macht, wenn ich es dir befehle.“ Sie neigte den Kopf und küsste seine Hand, die er allerdings wegzog. Ajasa befand sich nun seit ein paar Nächten in der Hand des Fremden und mit jeder weiteren Nacht, schien der Zauber sie stärker an ihn zu binden. „Wenn ich es wünsche, wirst du mich in deine Seele einlassen und mich zu ihm bringen oder ihn zu mir. Ganz wie ich es will nicht wahr?“ Ajasa hatte sich auf den Boden gekniet und den Kopf tief zur Erde geneigt. Sie hob ihren Kopf und stand auf. „Ja Meister, was immer ihr verlangt. Ich werde es tun.“, flüsterte sie untertänig. Ein leises Lachen kam von ihrem Gegenüber. Am Morgen danach, stand Ajasa vor ihrem Spiegel. Irgendwas war falsch. Sie konnte nicht sagen, was es war. Was mit ihr passierte, was mit ihr passiert war. Der neue Ring, den sie nie ablegte, funkelte verführerisch. Sie sah sich in ihrem Zimmer um. In zwei Tagen würden sie die Reise nach Ajanis antreten, um Lianel die Vorsitzende des Rates der Zwölf aufzusuchen. Durch die offenen Fenster wehte der Wind hinein. Dieser Tag war eiskalt. Sie zog ihren Winterumhang an und ging in die Stadt. Bevor sie aufbrach, wollte sie noch einmal durch Aldan gehen und ihre Lieblingsplätze aufsuchen. Sie war den ganzen Tag lang durch Aldan gewandert und wollte sich gerade auf den Rückweg machen, als sie eine vertraute, aber gleichzeitig vollkommen fremde Stimme in ihrem Kopf hörte. Zuerst nur schwach und leise, aber dann so laut wie ein Dröhnen. Wie erstarrt blieb sie stehen und stützte sich an einer Hauswand ab. Ihr Atem ging schnell, als wäre sie die ganze Zeit gerannt. Sie ging in die Knie, die Hände auf ihre Ohren gepresst. „Aaargh, …was ist hier los?“, schoss es ihr durch den Kopf. Alles schien sich zu drehen, sie schwankte für einen Moment und fiel dann auf alle Viere. Etwas schien sie mit aller Macht auf den Boden zu drücken. Was auch immer sie gerade angriff, presste sie ohne Unterlass weiter zur Erde. Ihre Arme knickten ein und Ajasa fiel vornüber, endgültig auf die kalte Erde. Es war schon spät und niemand mehr auf den Straßen. Keiner der die Szene hätte beobachten können. Nach ein paar Sekunden,zuckten ihre Finger und sie regte sich langsam. Ajasa stand auf und klopfte sich teilnahmslos den Dreck von den Kleidern.Erneut war sie in den Fängen des Fremden. Ihr Blick war leer und glühte in der Dunkelheit. Der Ring an ihrem Finger schimmerte und es schien, als sei sie von einem schwachen grünen Leuchten umgeben. Sie wusste, was sie zu tun hatte. Sie musste dem Befehl in ihrem Kopf gehorchen. Nichts anderes hatte noch Bedeutung in ihrem Bewusstsein. Ajasa wandte den Kopf und ging auf eines der Häuser zu. Die Türen öffneten sich vollkommen lautlos, wie von Zauberei. Langsam betrat sie eines der Zimmer. Zwei Lithoniel lagen darin, ein Mann und eine Frau. Beide wirkten außergewöhnlich anmutig und friedlich. Ajasa sah sie ausdruckslos an. Sie hielt ihre Hand über das Bett und entzog ihnen ihre Energie. Nach einigen weiteren Häusern, wandte sie sich zum Turm von Aldan. Denn sie hatte einen neuen Befehl erhalten. Die kalte Stimme in ihrem Kopf sprach: „Et ny was tijas areth ail nu manor Ithandil!“ Das bedeutete: „Dienerin mein, gehe zum Turm und bringe mir Ithandil!“ Sie öffnete die Tür und trat hinein. Ajasa ging durch die Halle und öffnete eine der Flügeltüren. Ithandil stand im Zimmer vor einem Feuer im Kamin und dachte nach. Als er sie hörte, drehte er sich um. „Ajasa? Was…machst du hier?“, fragte er überrascht. Er musterte sie wenige Sekunden. Sah diese leeren Augen, das Schimmern und den verräterischen Ring, der mit seinem grünen Licht den Raum ausfüllte, innerhalb eines Augenblicks. „Ajasa, was tust du hier?“, wiederholte er, diesmal lauter. Ein seltsames Lächeln umspielte ihren Mund. „Mein Meister hat mir befohlen und ich gehorche ihm. Nun gib mir, was ich verlange.“, sagte sie tonlos. Ithandil wich zurück. „Wer wagt es, eine solche unschuldige Seele zu besetzen?!“, rief er. „Zeige dich schon!“ Ajasa trat einen Schritt vor. „Meister was soll ich jetzt tun? Soll ich ihn zu dir bringen? Oder seine Macht nehmen und ihn töten?“, flüsterte sie. Ithandil wurde bei diesen Worten blass. Das Lächeln war nicht aus ihrem Gesicht gewichen. „Gut Meister. Wie Ihr wünscht.“, sagte sie nach ein paar Sekunden. „Mein Herr wünscht, dass ich dich zu ihm bringe, weg vom Turm, wo du mehr geschützt bist als irgendwo anders.“ Ithandil war wie erstarrt. Er war unfähig sich zu bewegen, da er nicht verstand, was hier passierte. „Ajasa! Komm zu dir!“, rief er. Ein Flackern zeigte sich in ihren Augen, nur um kurz danach wieder zu erlöschen. Sie hob eine Hand. Ithandil konnte nun die Macht um sich herum spüren. Er konnte sich nur mit Mühe regen. „Wag es nicht. Du wirst es be…“, begann er. Ithandil konnte nicht weiter sprechen. Seine Stimme versagte und er ging langsam zu Ajasa, die immer noch mit erhobener Hand an der Tür stand. Es war, als würde er an unsichtbaren Fäden hängen, die ihn zu ihr zogen. Ein innerer Kampf war entfesselt worden. Ithandil mühte sich dem Zauber nicht zu unterliegen, doch als er die Schwelle des Turmes verlassen hatte, konnte er nichts mehr tun. Ajasa hielt ihn weiter in ihrem Bann und er folgte ihr willenlos. Sie kamen an der Ruine an. „Meister hier ist er. Ich habe Euren Willen erfüllt.“, sagte sie und verneigte sich. Dann kniete sie sich auf die Erde. „Dann brauche ich dich nicht mehr.“, sagte eine Stimme. Ajasas Kopf sank auf ihre Brust und der Ring rutschte ihr vom Finger und zersprang. Ithandil, der sich wieder bewegen konnte, sprang auf und fing Ajasa ab, bevor sie zu Boden fiel. Er legte sie behutsam auf den Boden und musterte sie. „Ihr fehlt nichts, sie ist nur erschöpft. So ist es einfacher für sie. Wen sonst als die möglicherweise zukünftige Aja hätte ich benutzen können? Es ist also wirklich wahr. Ich war überrascht, es war sehr einfach.“, sagte die Gestalt leise, die nun hinter einem Baum hervor trat. Ithandil schaute zu ihr. Es war ein junger Mann. „Du?!“, stieß Ithandil hervor. „Wie kann das sein…? Ich, das glaube ich nicht.“, rief er. Der Mann lächelte. Es war ein kaltes Lächeln. „Du kannst deinen Augen ruhig trauen Mörder. Du hast meine Schwester umgebracht und jetzt bin ich hier um Vergeltung zu üben!“, sagte er mit kalter Stimme und Verachtung in jeder Silbe. „Kamst du nicht in jener Nacht und sprachst von einer Vorhersage? Hieß es nicht, sie wäre vom Rat auserwählt worden? Sollte sie etwa nicht, die Prophezeiung an einen anderen Ort bringen? Wegen dir wurde sie ermordet. Es war deine verdammte Schuld! Sie war nur ein paar Tage von Ajanis entfernt! Du hast sie in den Tod geschickt!“ Ithandil stand auf und stellte sich dem jungen Mann gegenüber. „Das ist nicht wahr. Wie konnte ich wissen, dass ihr jemand auf ihrem Weg auflauerte? Niemand wusste davon! Sie hat ihre Aufgabe erfüllt. Sie war bereit für Aradon zu sterben! Ehre wofür sie starb. Und widme dich nicht dem Hass.“, sagte Ithandil. Keiner der beiden hatte bemerkt, dass Ajasa zu sich gekommen war. Blitzschnell schossen Bilder durch ihren Kopf. Es waren die Erinnerungen der vergangenen Nächte. „Dieses Mädchen dort! Sie sammelte Energie für mich. Sie entzog sie den Bewohnern und brachte sie mir. Ich brauchte sie, um dir gegenüberstehen zu können. Sieh wozu du mich getrieben hast Ithandil! Und nun werde ich Vergeltung üben!“ Ithandil hatte sich darauf vorbereitet. Ein Licht umgab ihn. Auch der junge Mann war von einem Schimmern umgeben. „Ich wünschte, du wärst nicht gekommen…“, sagte Ithandil tonlos. „Tu wozu du hergekommen bist, aber erwarte keine Rücksicht von mir.“ Der junge Mann kochte vor Wut. „Du wirst dir wünschen nie nach Islar gekommen zu sein!“, rief er und machte sich zum Angriff bereit. Ithandil schickte einen gewaltigen Lichtstrom in seine Richtung. Sein Gegner sprang zur Seite und erwiderte den Angriff. „Nein!!!“ Ajasa war aufgesprungen und hatte sich zwischen die beiden geworfen. Beide Lichtströme trafen sie in der Mitte. „Ajasa, nicht!!!“, schrie Ithandil. Aber Ajasa schien nicht verletzt zu sein. Sie sank langsam zu Boden und blieb dort reglos liegen. „Das ist alles nur deine Schuld!“, rief Ithandil und wollte seinen Angriff wiederholen, als Ajasa in die Höhe schwebte, bis sie wieder aufrecht stand. „Ithandil narre patny quo sowa nitthor etg