Engelswächter - M. Madelynn - E-Book

Engelswächter E-Book

M. Madelynn

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Beschreibung

Mikal hat fast alles verloren. Nur das weinende kleine Bündel, was er fest an sich gedrückt hält, ist ihm von seiner Frau geblieben. Ein Blick hinunter auf das was er verloren hat, lässt ihn schmerzlich die Augen schließen. Und er erkennt, dass er seinen Sohn Liam nur beschützen kann, in dem er ihn von seiner Welt, in der er lebt, fern hält. Denn sollte er es nicht tun, so würden sie ihn über kurz oder lang, finden. Was Mikal zu verhindern wusste. Seine weißen Flügel schlugen kaum hörbar, in einem schnellen Takt, als er sich stetig höher hinauf in den Himmel schraubte. Um das Schlachtfeld was die Dämonen angerichtet hatten, zu verlassen. Nur das leise Weinen seines Sohnes, sowie das Rauschen des Windes, der durch sein Gefieder strömte, waren zu vernehmen. So als würde um sie herum nichts existieren. In dem Moment wusste, Mikal wie er zu agieren hatte. Auch wenn es ihn innerlich schmerzen bereiten würde. Doch bis Liam das Alter der Wandlung, in einen Engel, erreichte, würde er ihn vor den Gefahren der Dämonen, die auf ihn lauerten, fernhalten und im Hintergrund auf ihn achten. So wie er es sich vorgenommen hatte, geschah es dann auch. Obwohl es ihm unfassbar schwerfiel. Und so verbrachte Liam sein Leben unter den Menschen. Bis vor den Tagen seiner Wandlung, die schleichend ins Rollen kam. Die alles verändern sollte.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Engelswächter

 

 

 

Fantasy Roman

>>Engelswächter<< Copyright© 2019 von M.Madelynn

Überarbeitete Version von 2022

Coverdesign:

M.Madelynn

Fotomaterial:

www.pixabay.de E-Mail:[email protected]

Stand: September 2019

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Inhaltsverzeichnis

 

 

Prolog

Siebzehn Jahre später

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Epilog

 

 

Prolog

Es war eine dieser Nächte, die so stockfinster waren, das die Schwärze, die von ihr ausging, einem bis in die eigene Seele drang und sich dort versuchte, massiv zu verankern. Seine hochschwangere Bessere Hälfte Lia hatte ihm am frühen Abend, bevor die Dämmerung einsetzte, angefleht, diese eine Nacht nicht auf die Jagd zugehen und andere die Aufgabe verrichten zu lassen. Tatsächlich hatte er nicht auf sie gehört, den es war seine ihm aufgelegte Mission, dass Böse zu suchen, sich ihm zu stellen und ebendies zu vernichten, soweit es ihm gelang. Aus diesem Grund war er seiner Pflicht nachgekommen, trotz aller Vorbehalte, ihrerseits, hatte er sich auf den Weg, in die heraufziehende Nacht gemacht. Aber eine erfolgreiche Jagd, vermochte er nicht vorzuweisen. Es war, als würde das Böse schlafen. Sich extra zurückhalten, was natürlich keinen Sinn ergab bis er die Lichtung, auf der ihr Haus stand, betrat. In dem Moment wo sein Fuß das grüne Gras berührte, was dort wuchs, hörte der Wind, abrupt auf zu wehen. Jegliche Geräusche, die die Nacht herauf beschwor, verstummten vollständig. Ausschließlich das kaum vernehmbare Klirren der Ketten, mit denen er die Schaukel an der Decke der Veranda, befestigt hatte, durchbrach die unheimliche Stille der Nacht, da der Wind sie zuvor in Bewegung versetzt hatte. Die Silhouette des Mondes verschwand hinter einer der schwarzen Wolken, die über den Himmel wanderten, und tauchte die Lichtung in völlige Dunkelheit. Starr stand er, mucksmäuschenstill, verharrte an der Stelle, an der er die Lichtung betreten hatte. Sein Blick huschte umher und sah die roten Augen seiner Gegner, die sich im umliegenden Wald vor ihm versteckt hielten und die das reine Böse verkörperten und dazu leuchtend die Dunkelheit durchbrachen. Aber, anstatt sich auf ihn zu stürzen, um ihn auszuschalten. Verharrten sie dort im Dickicht massenhaft, ohne sich zu bewegen. Das ungute Gefühl was sich seiner bemächtigte, verstärkte sich, als der Mond ein klein wenig hinter einer der Wolken hervorbrach und dessen Licht, die schemenhafte Gestalt seiner Frau, die vor der Veranda, im frisch gemähtem Gras, auf dem Erdreich lag, freigab. Seine Füße trugen ihn wie von selber auf die am Boden liegende zu, ohne das er die lebensbedrohlichen, gehässigen Blicke, die auf ihm lagen und ihm folgten, wahrnahm. Die sich an seinem Schmerz, den er in diesem Moment ausstrahlte, labten und sich im selbigen suhlten, da es nach ihrem Geschmack war. Da ruhte sie! Sein Sonnenschein! Sein Leben! Wie vermochten, sie ihm nur, dass wichtigste in seinem Dasein zu nehmen? Er fiel auf die Knie, sodass diese auf dem Blut durchtränktem Boden aufprallten und sich in den Untergrund gruben, sodass die helle Leinenhose, die er dieses Mal trug, sich mit ihrem Blut vollsog. Seine Hand strich zaghaft eine ihrer braunen Locken aus ihrem Gesicht, ehe er sie auf ihre Wange legte, die kühl war. Solch eine Berührung hatte sie immer dazu bewogen, sich an seine warme Handfläche zu schmiegen und ihre Augen zu schließen. Doch dieses Mal kam keine einzige Regung von ihr, da ihr Körper längst am Erkalten war. Wie auch, schalte er sich selber und seine Hände verkrampften sich zitternd, auf der Stelle zu Fäusten. Als Nächstes warf er seinen Kopf in den Nacken und schrie den Schmerz, dem kohlrabenschwarzen Himmel aus voller Kehle entgegen, sodass selbst die schlafende Nacht wieder zum Leben erwachte und die Tiere aufschreckte, die in näherer und weitläufiger Umgebung ihr Revier hatten, sodann fluchtartig das Weite suchten. Einzig und allein seine Lia nicht! Sie lag dort totenstill, in seinen Armen, als würde sie friedlich schlafen und nur die Wunden, das viele Blut, was ihren Körper verlassen und verunstaltete, zeugte davon, dass der erste Eindruck täuschte. Tränen des Schmerzes, der Trauer und der Wut rannen ihm unentwegt über die Wangen, jedoch verspürte er sie nicht physisch. Da er gefangen in der unendlichen Weite seiner Gefühle war, die ihn in ihren Bann zogen und die ihm nicht gestatteten, in die Realität zurückzukehren. Erst der Schrei eines Kauzes, der durch die Stille hallte, holte ihn zurück. Starr betrachtete er das liebste, was er hatte und zwang sich mit ihr auf seinen Armen, die durch das Gewicht Lias, Tonnen wogen, auf zustehen. Er wankte wie in Trance und schaffte es gerade noch mit einem Ausfallschritt, den er zur Veranda durchführte, sich vor einem Sturz zu retten, wobei sein Blick nicht eine Sekunde von ihrem Gesicht wich. In der Überzeugung, dass sie unter Umständen doch womöglich die Augen aufschlug. Der Schmerz, der in seinem Brustkorb wütete, ließ ihn schier verzweifeln und sein gebrochenes Herz raste in einem Tempo, dass er das Gefühl hatte, das es ihm jede Sekunde aus der Brust sprang. Weshalb er einen Moment innehielt, seine Hand an diese Stelle legte, um es davon abzuhalten, wobei er sie mit der anderen Hand weiterhin festhielt. Lia hätte nicht gewollt, dass er sich in seine Trauer, Wut und Hass hineinsteigerte, über diese abgrundtiefe, abscheuliche Untat. Doch er war, nicht imstande es zu verhindern, wofür auch? Er war sich im Klaren darüber, dass die elenden Wesen, deren Augen immerfort auf ihm lagen, erst verschwanden, wenn er Lia nach dem traditionellen Brauch, den seine Art bevorzugte, ihrem Schöpfer übergeben würde. Weshalb er mehrmals intensiv ein und aus atmete, wobei er den eisenhaltigen Geruch des Blutes, ausblendete und Lia vorsichtig zur Veranda trug. Auf der er sie kurz ablegte und von Liebe erfüllt über ihr Gesicht strich. Die Holzdielen gaben durch das Gewicht Lias knarzende Laute von sich, was er ungeachtet dessen nicht weiter wahrnahm. Er schaute unweigerlich an sich herunter und sah seine blutverschmierten Hände und Arme, sowie seine Kleidung, die von ihrem Blut durchtränkt war, ehe er sich umdrehte und in den angrenzenden Wald eilte. Zu der Stelle, an der sie das Holz für den Kamin stapelten, das er hernach zur Mitte der Lichtung brachte, um es dort so aufzuschichten, dass es wie ein Podest aussah. Auf das er seine geliebte Lia legen könnte, um ihre Seele, die in ihrem Körper gefangen war, von diesem loszulösen und ihr die Freiheit und den Frieden zu schenken, den sie verdiente. Der Wind hatte wieder, angefangen zu wehen, in einer leichten Brise, auf dass die Bäume sich kaum vernehmlich raschelnd bewegten und der Mond zwischen den Wolken hindurch lugte, sodass es aussah, als das sie wussten, was kommen würde. Außerdem hörte er wie der Kauz, der ihn vorher aus seiner Trance geholt hatte, sich leise gleitend durch die Luft bewegte, um sich seine Nahrung zu suchen. Als er kurz hochsah, sah er, dass die finsteren Wolkenberge sich im Schneckentempo verflüchtigten und der Mond mit seinem silberfarbenen Licht nicht nur die Lichtung erhellte, sondern die komplette Umgebung. Sein Herz verrichtete einen schmerzlichen Schlag und dann einen weiteren, als er sich wieder auf Lia zubewegte, ihren schlaffen Leib emporhob, um sie für das bevorstehende Ritual zu säubern und um sie zu kleiden. Er begab sich in die Hocke, presste ihren unbeweglichen Körper an sich und vermochte sich kaum, auf das sich nähernde zu konzentrieren, als eine kleine fast unscheinbare Regung ihn beinahe zum Taumeln brachte und er sich soeben wieder fing, ohne zu stürzen. Was war da passiert? Lag es im Bereich des möglichem? Nein, diesen Gedanken wollte er, nicht einmal ansatzweise zulassen, denn es würde ihm den Verstand rauben, für den Fall, dass es nicht so war, wie er es sich insgeheim wünschte. Er stieß die Tür mit voller Wucht auf, woraufhin diese mit einem unüberhörbaren Knall gegen die Wand schepperte, um dort schräg in den Angeln hängend zum Stillstand zu kommen. Es war egal, wenn er die ganze Einrichtung, die Lia mit solch einer Liebe und Wärme gestaltet hatte, dem Erdboden gleich machte, so würde es ihm sie nicht wieder bringen. Mit geräumigen Schritten betrat er die Küche, wobei das kaum vernehmliche Quietschen der Holzdielen, die anhaltende Stille die herrschte, unterbrach. Er fegte das stehen gelassene Geschirr, mit dem Schwung seines Armes vom Tisch, das laut scheppernd auf dem Holzfußboden zerschellte und die Splitter in alle Richtungen davon stoben. Liebevoll legte er Lia auf die Tafel, zündete mehrere Kerzen an, die überall in der Küche verteilt standen, und marschierte dann zum Fenster. Zog dann die dicken Vorhänge, die Lia dort gegen die Kälte aufgehangen hatte, mit einem unüberhörbarem ratschen zu, sodass diese zwar verhinderten, dass jemand hinein schaute, doch so windschief hingen, dass sie nicht mehr zu retten wären, falls er sie nochmalig aufzog. Er erstrebte zu verhindern, dass fernerhin einer der Dämonen, die kontinuierlich vor ihrem Haus herum lungerten, ihn bei seinem Vorhaben störte. Er sehnte sich herbei, mit ihr mutterseelenallein zu sein, weswegen er die Welt außerhalb, ausschloss und aussperrte. Mit all seiner Selbstbeherrschung, die er aufbrachte, kippte er lauwarmes Wasser, was über dem Kamin, der eine behagliche Wärme durch das Feuer, was in ihm brannte, abgab, und in einem Topf bislang vor sich hin gedampft hatte, in eine Waschschüssel und verschwand kurz im angrenzenden Zimmer. Holte dort Waschlappen und Handtücher, sowie eine Seife, die nach Rosen roch und die Lia gerne benutzt hatte. All das legte er auf den Stuhl, den er unter dem Tisch hervorzog, um dann, mit einer Schere, die er aus einer der Schubladen holte und die durch die Gewalt, mit der er an ihr gezerrt hatte, mittlerweile nur windschief an einer der Schienen im Schrank hing, sodass deren Inhalt sich aus diesem Grund, auf dem Boden verteilte. Daraufhin zerschnitt er Lia, die Blut durchtränkte Alltagskleidung, die ohne jeden Zweifel in Fetzen an ihrem Körper hing, schmiss diese in seiner unendlichen Wut in eine der Ecken, wo sie liegen blieb. Da lag sein Sonnenschein, so friedlich, als wenn sie nichts aus der Ruhe brachte. In einem immer währenden Schlaf, der trotz der Wunden, die sie davon getragen hatte, nichts von ihrer Schönheit verbarg, die sie ihr eigen nannte. Vorsichtig tauchte er den Lappen, mit dem er sie waschen wollte, in das lauwarme Wasser, und schäumte sie dann in kreisenden Bewegungen ein, sodass der weiße Schaum, der sich bildete, alsbald Rosa verfärbte, als er das inzwischen eingetrocknete und verkrustete Blut sanft von ihrem Leib wusch. Sein Kiefer schmerzte, da er seine Zähne eisern aufeinanderpresste, um nicht vor Trauer schreiend und tobend aus der Küche zu rennen, um seinen Schmerz an den Dämonen auszulassen. Trotzdem säuberte er sie weiter, um sie ein letztes Mal in ihrer unübertroffen Schönheit zu betrachten. Mikal war so konzentriert, den Verlust, den er erlitten hatte, unter einer Fassade aus Gleichgültigkeit und Belanglosigkeit zu verstecken, um diese Arbeit überhaupt zu erledigen. Denn seine Seele zerriss es innerlich und er würde ihr nur zu gerne folgen, um den Schmerz, der sich in ihm festgesetzt hatte, ein Ende zu bereiten, sodass er beinahe die unbedeutende Beule, die sich auf ihrem gewölbten Leib hervorhob, übersah. Aber eben nur fast. Fahrig strich Mikal den Schaum beiseite, wischte nochmals mit einem der Handtücher über ihren Unterleib, weil er sich sicher sein musste, dass er sich nicht täuschte. Dann beobachtete Mikal ihren gewölbten Unterleib. Doch nichts geschah. Hatte, ihn seine Trauer und der Wunsch, dass wenigstens sein Kind leben würde, ihm etwas vorgegaukelt? Er schüttelte angesichts der Tatsache, dass dieses unmöglich sein durfte, den Kopf. Starrte aber unbeirrt, trotz alledem weiterhin auf ihren Bauch. Er gestattete sich die Hoffnung, die sich in ihm aufbaute, und lies sie zu einem kleinen Keim heranwachsen, so ausgeprägt war sein Wunsch. Mikal wagte kaum, einen Blick von ihrem Körper zu nehmen, als sich dezent eine winzige Wölbung an ihrer gespannten Bauchdecke ausprägte. Mit einem Mal war er schrecklich unkonzentriert und hielt sich zurück, um nicht laut loszulachen, denn die Delle die erschien und wieder verschwand, zeigte sich zum wiederholten Mal. Ihr Kind lebte, war sein einziger Gedanke, der seinen Geist beherrschte und der ihn wachrüttelte. Mikal schüttelte all die Nervosität, die sich seiner bemächtigte ab. Stürmte in den Keller, der ein winziges Loch im Boden und über eine Falltür zu erreichen war, um einen der Ritualdolche zu holen, da diese scharf genug waren, sodass er damit problemlos ihr Kind befreien könnte. Als Mikal die Küche wieder betrat. Sah er wie ihre Bauchdecke sich abermals unter dem Druck, der von innen auf ihn einwirkte, nach außen wölbte und das dieses Mal mit einer Intensität, die ihm sofort zeigte, dass er sich zu sputen hatte. Noch dazu wenn Mikal sich im Klaren darüber war, dass Lia nicht mehr unter den Lebenden weilte und ihr Körper nur noch eine leere Hülle war, so fiel es ihm trotzdem unsäglich schwer, Hand an diesen zu legen. Nur das er dadurch ihr und sein Kind retten würde, ließ ihn ohne zeitliche Verzögerung handeln, denn es war ein Teil von ihr, der leben würde, wenn er seine Befangenheit überwand. Mit dem Dolch in der Hand beugte Mikal sich zu ihrer Bauchdecke hinunter. Seine Hand zitterte, in der er den Dolch hielt und er versuchte, sich zu fokussieren, damit das Vibrieren aufhörte. Erst dann setzte Mikal den Dolch, über ihrem Schambein an. Schnitt dann einen halben Zentimeter tief in ihr Fleisch, sodass dieser sich automatisch verbreiterte, da die Haut unter Spannung stand. Das Geräusch des reißendes Fleisches, sei es kaum vernehmbar, zog ihm durch und durch, doch er erlaubte sich nicht aufhören, stattdessen machte unablässig weiter. So vergrößerte Mikal behutsam die offene Stelle immer mehr. Nicht nur in die Breite, sondern Stückchen für Stückchen ebenso in die Tiefe, sodass als er den Schnitt mit seiner Hand vorsichtig aufhielt, ihre Gedärme sah, die obwohl ihr Körper schon am Erkalten war, noch dampften. Ein Würgereiz überkam Mikal und er schluckte schnell die Magensäfte, die seine Kehle hinauf gekrochen, wieder hinunter. Er gestattete es sich nicht, sich ablenken zu lassen, so kurz vor dem Erfolg, obwohl ihm hundeelendig zu Mute war. Mit bebenden Fingern schob er, Lias Innereien so weit wie möglich zur Seite, sodass er die Fruchtblase deutlich erkannte, in denen ihrer Kind in einer trüben Flüssigkeit, nur geringfügig zappelte. Ohne Rücksicht auf den längst verstorbenen Körper zu nehmen, weitete er den Schnitt, dass er mühelos seiner habhaft werden könnte. Ihre Gedärme, die dieses Vorhaben behinderten, hob er rücksichtslos hinaus, bevor er die Fruchtblase mit dem Dolch einen behutsamen Stich verpasste, sodass diese aufplatzte, sodass die Flüssigkeit sich in ihrem Bauchraum, sowie auf dem Tisch verteilte und dort eine Pfütze hinterließ, die leise tropfend über die Tischplatte, auf den Boden plätscherte. Mikal legte den Dolch in Windeseile zur Seite und griff beherzt zu, um das Kind aus dieser misslichen Lage zu befreien, als er ihn, seinen Sohn, das erste Mal sah. Worüber ihm die Augen vor ungeweinten Tränen überquollen, doch er bewegte sich fast gar nicht, in seinen Händen, was Mikal Sorge bereitete. Die Augen seines Sohnes, waren geschlossen, sein Körper nicht nur mit Blut bedeckt, sondern gleichermaßen mit der Flüssigkeit der Fruchtblase. Sein Brustkorb hob sich nur schwach und seine Nase war mit Schleim verklebt. Sogleich als Mikal dieses bemerkte, band er ihm die Nabelschnur ab und durchschnitt sie auf der Stelle. Mit seinen warmen Händen befreite er dessen Nase von dem Sekret, ehe er anfing ihm, vorsichtig über den Rücken zu streichen, sodass das Kind seine Atmung beschleunigte. Erleichtert schaute Mikal sich den kleinen Mann, den er in seinen Händen hielt, an. Dessen Haut war durch die Flüssigkeit aufgequollen und runzlig. Seine Hautfarbe hingehen war rosig und es gab keine Anzeichen, wie blaue Lippen, zu sehen, dass er unter Sauerstoffmangel litt. Mikal trug ihn zur Waschschüssel, die er auf einer der Ablagen abgestellt hatte und schüttete dieses glatt auf den Fußboden aus, ehe er neues Wasser in die Schüssel gab. Dann wusch er ihn überaus sachte ab, wobei er so sanft wie möglich immer wieder über dessen Rücken und seine Brust strich, um seine Atmung zu regulieren. Als Mikal ihn mit einem Handtuch trocken rubbelte, öffnete sein Sohn die Augenlider und es war um ihn geschehen. Denn er hatte Lias strahlende Augen geerbt, auch wenn er bezweifelte, dass diese ihre Farbe behielten, so gab es Mikal doch einen gewissen Kick. Nie hatte er in seinem bisherigen Leben und das war nicht besonders kurz, so etwas tiefes und inniges gespürt und es verschlug ihm förmlich die Sprache. Seine extrem grasgrünen Augen fixierten ihn und Mikal war froh darüber, dass er keinen einzigen Ton von sich gab, denn das hätte die Aufmerksamkeit der Dämonen, die derzeit draußen um die Hütte herum schlichen, auf ihn gezogen. Was es unbedingt zu vermeiden galt. Er legte seinen Sohn behutsam auf eine der Ablage, neben der Waschschüssel, wobei er ihn feste in ein Handtuch eingewickelte und rannte eilends in ihre gemeinsame Schlafstube. Dort hin, wo Lia die Babykleidung aufbewahrte. In Windeseile suchte Mikal einiges der Ausstattung heraus, das er brauchen würde, und lief schnell wieder zu seinem Sohn zurück. Ohne Federlesen ließ dieser es sich gefallen, als er ihm eine Windel umband und ihn anzog, wobei er darauf achtete, seinen Kopf in eine Mütze zu hüllen, damit er sich keinen Zug wegholte. Dann packte Mikal seinen Sohn in eine Decke ein und schaute ihm dabei zu, wie er immer müder wurde, bis er letzten Endes die Augen schloss und friedlich einschlummerte. Lange hielt Mikal seinen Blick auf ihn gerichtet, ehe er sich der Aufgabe zuwandte, die ihm bevorstand. Mikal griff sich einige der dreckigen Handtücher und schritt auf seine Frau zu, wobei ihn ein schlechtes Gewissen plagte. < Verzeih mir bitte. >, entrannen sich ihm die Worte, die sich in seinem Herzen festgesetzt hatten und Tränen rannen über seine Wangen. Wäre er früher zurückzukommen, so wäre er höchstwahrscheinlich ebenso wenig, in der Lage gewesen ihren Tod zu verhindern, das war ihm inzwischen mehr als nur klar. Weshalb Mikal mit einer unsichtbaren, fahrigen Geste, all seine Emotionen beiseite wischte und sich an die Arbeit begab, auch wenn sie ihm schwerfiel. Die Handtücher, die er in der Hand gehalten hatte, stopfte Mikal in ihren offenen Leib, genauso wie ihre Gedärme, um die Wölbung wieder herzustellen, die eine Schwangerschaft normalerweise mit sich brachte, ehe er aus einer der vielen Schubladen sich das Kochgarn griff, was sie dort aufbewahrte und nähte die Wunde grob zusammen, die er ihr zugefügt hatte, sodass sie halten würde und nicht verriet, was vorgefallen war. Sobald das erledigt war, wusch Mikal sie den Regeln entsprechend weiter, kämmte ihr das lange braune Haar und steckte es etwas hoch. Zog ihr dann ein traditionelles Gewand über, was Lia schon bei ihrer Vermählung getragen hatte und in dem sie bildhübsch aussah. Erst dann gönnte er sich einen letzten Augenblick mit ihr, in dem er ihr alles sagte, was ihm auf dem Herzen lag und was er ihr nicht oft genug gesagt hatte, in der Annahme ausreichend Zeit mit ihr zu haben. Nach kurzer Zeit raffte Mikal sich letzten Endes hoch und nach einem raschen Blick auf seinen schlafenden Sohn, zog er sich ebenfalls um, nachdem er sich das Blut von seinem Körper gewaschen hatte, wobei er, aber auf die Wahl seiner Kleidung achtete, sodass unter seinem Gewand genug Platz war, um darin seinen Sohn vor den Dämonen, zu verstecken. Da dieser bislang friedlich schlummerte, bekam er nicht einmal mit, wie Mikal ihn in die Höhe nahm und mit einem Tuch an seinem Körper befestigte, sodass er nicht hinausfallen würde, ehe Mikal sich seine Waffen griff, diese an reichlich vorhandenen Schlaufen, seiner Kleidung, anbrachte, wobei er Lias Schwert an dem Gürtel festschnallte, da es einmal seinem Sohn gehören würde. Erst dann warf er sich den stattlichen Umhang über und zog die dazugehörige Kapuze über sein Haupt, sodass sie ihm tief ins Gesicht hing. Dann drehte Mikal sich zur Tür, griff nach einer der Fackeln, die sie dort aufbewahrten und entzündete diese an dem offenen Kamin in der Küche, der noch immer leicht am Schwelen war, an. Dann schritt Mikal entschlossen zur Haustür, die ausnehmend schräg in der Angel hing. Trat über die Veranda, auf das Holzpodest, was er mitten auf der Lichtung errichtet hatte, zu und rammte die Fackel mit voller Wucht dort in den Erdboden, ehe er wieder zum Haus zurückging, um Lia zu holen. Auch wenn Mikal schon einige Male an dieser Art des Rituals teilgenommen hatte, so war es was anderes, wenn man jemanden zu Grabe trug, den man von ganzem Herzen liebte und ohne den man nicht mehr auskam. Weswegen er seine Emotionen tief in sich vergrub, um sie zu einem späteren Zeitpunkt hervorzuholen, wenn er Zeit haben würde sich seiner Trauer hinzugeben. Mit Lia auf den Armen trat Mikal auf die Veranda und fühlte förmlich, wie sich die rotglühenden, toten Augen der Dämonen sie unbarmherzig beobachteten, aus sicherer Entfernung. Sogar die Nacht hielt ihren Atem an, denn es war kein einziges Geräusch wahrzunehmen, weder von Tieren oder der Natur. Nur der Wind wehte ihm warm ins Gesicht und es kam Mikal so vor, als würde sich eine tröstende Hand auf seine Wange legen, um ihm Kraft zu geben, für das, was ihm bevorstand. Weshalb er innerlich seufzte. Die Dämonen hielten sicheren Abstand, denn sich ihm zu stellen wagten sie nicht, da sie wussten, wie unberechenbar seine Art war, wenn sie das Liebste, was sie auf der Welt besaßen, verloren. Zu dem ersten Schritt auf das Podest zu, zwang Mikal sich regelrecht, doch mit jedem weiteren den er absolvierte, wurde es leichter, da er nur ein Ziel vor Augen hatte. Ihren Sohn, dass Letzte was ihm von ihr geblieben war, sicher von hier fortzubringen. Nachdem er sie unter seelischen Qualen auf dem Podest abgelegt und ihre Kleider arrangiert hatte. Strich Mikal ihr nochmals über ihre Wange, sprach ein Gebet und küsste sie ein aller letztes Mal innig, bevor er einen Schritt zurückwich, nach der Fackel griff, um dann schweren Herzens augenblicklich das Holz in Brand zu stecken, ehe er einen Rückzieher machen würde. Mikal trat mehrere Schritte zurück, da das Holz trocken war und dementsprechend rascher brannte, als er erwartet hatte. Wobei das knistern was es verursachte ihm, einen Schauer über den Rücken rieseln ließ, da es seine Frau war, die gleich in Flammen aufgehen würde. Mikal senkte den Kopf, schon alleine aus Respekt gegenüber Lia, wenngleich er nichtsdestotrotz die Umgebung stets im Blickfeld behielt, um auf einen Angriff der Dämonen vorbereitet zu sein. Mit der Fackel in der Hand stand er dort, verharrte an Ort und Stelle, ohne das seine Mimik eine Gefühlsregung zuließ. Es war ein schreckliches Bild und Mikal wusste, dass es sich tief in seine Seele brannte und er es nie wieder vergessen würde. Was er im Übrigen auch nicht wahrlich anstrebte, da er sie über alles liebte. Die Hitze war selber an der Stelle, an der er stand ohne Probleme, zu spüren, und eilig trat er einen großen Schritt zurück, da er seinen Sohn nicht leichtfertig Schaden zufügen wollte. Reflexartig streckte Mikal seine Hand nach dem Feuer aus, was jetzt lichterloh brannte und war innerlich zerrissen von dem Wunsch, ihren Körper aus den Flammen zu reißen, um sie so lange zu schütteln, bis sie ihre Augen aufschlug. Aber das setzte er nicht in die Tat um, sondern blieb stocksteif stehen, obwohl ihn alles zu ihr hinzog. Mikal beobachtete wie die Flammen von ihrem Körper Besitz ergriffen und ihn immer mehr verschlangen, sodass es bald unmöglich sein würde, diesen in der Feuerbrunft zu entdecken. Am liebsten hätte er sich abgewandt, um der Qual zu entgehen, doch sein Respekt für seine Frau war dermaßen bedeutend, dass er es nicht über sich brachte. Erst nachdem ihr Körper komplett von den Flammen verzehrt worden war, was für ihn wie eine Ewigkeit vorgekommen war, drehte er sich zu ihrem gemeinsamen Zuhause um, was sie, solange Zeit bewohnten und marschierte mit energischen Schritten auf dieses zu. Mit der Fackel entflammte Mikal es an mehreren Stellen, bevor er, die sich in seiner Hand befindliche Fackel durch die offene Tür, voller Wut ins innere des Hauses warf, um dabei zu zusehen, wie sich die Flammen ihren Weg suchten und ihr Zuhause in Brand setzte. Einen Moment gab er sich selber und verharrte still, wobei das Knistern und brutzeln des Feuers immer lauter wurde und er den Geruch des Zedernholzes, was sie für den Bau des Hauses benutzt hatte, roch. Letztendlich als er sich sicher war, dass von ihrem Zuhause nichts übrig bleiben würde, trat er zurück und wandte sich ab. Dann entfalteten sich seine Flügel, die vorher nicht zu sehen waren, zu ihrer vollen Größe und Mikal stieß sich vom Boden ab, sodass er schnell an Höhe gewann und sich außer Reichweite des Feuers begab, um nicht die sengende Hitze die, die Flammen immer noch verströmte, zu nahe zu kommen. Der Wind umspielte seine Federn, in dieser Höhe, der zuvor ein laues Lüftchen gewesen war und umso höher er flog, dieser stetig an Kraft zunahm. Mikal wusste, dass es ein natürlicher Vorgang war, dass der Wind in besagter Höhe frischer und böiger war. Weshalb er den Mantel, den er trug, etwas fester um sich wickelte, um seinen Sohn vor der Kälte zu schützen, die in dieser Höhe herrschte. Ein Schrei ließ Mikal ruckartig zurückblicken. Auf der Lichtung waren mindestens zwei Dutzend Dämonen versammelt und suchten in den leicht schwellenden Flammen, des Podestes, irgendetwas. Wobei sie teilweise in die heiße Glut griffen, ohne sich darum zu kümmern. Hektisch wühlten sie in Lias Gebeinen und ihrem Staub, der von ihr übrig geblieben war, und verteilten diese rund um das Podest. Sie schrien sich gegenseitig an und wurden dabei immer lauter, schriller bis sie plötzlich komplett verstummten. Mikal sah wie einer der Dämonen, mit seinem Arm auf ihn zeigte und sich daraufhin ein Meer von roten Facettenaugen auf ihn richtete. Was nicht nur gespenstisch aussah, sondern ihm ein in hohem Maße ungutes Gefühl übermittelte, da sie sonst weiter nichts taten, als ihn anzustarren. Genau diesen Moment suchte sich sein Sohn aus, um seinen aller ersten Schrei von sich zu geben, um die herrschende Totenstille zu durchbrechen. Was Mikals Aufmerksamkeit kurz ablenkte, da er seinen Sohn beruhigen musste. Allerdings als er wieder hinunter sah, vermochte er nicht glauben, was sich dort abspielte. Die Dämonen waren heftig miteinander am Diskutieren, was ungewöhnlich war und zerfleischten sich regelrecht dabei, da sie sich nicht einander beugten, ehe sie sich einig wurden und sich dann in die Richtung aufmachten, in die Mikal davon flog. Die Reaktion, die die Dämonen an den Tag legten, war nicht normal und ihm wurde bewusst, dass sie diesen Angriff seit Längerem geplant hatten, aber das war unmöglich? Sie waren Einzelgänger, nur auf ihr eigenes Wohlergehen bedacht. Nicht fähig sich in eine Hierarchie einzuordnen und doch hatten sie sich zu einer Horde zusammen gerauft, um ein Ziel zu verfolgen. Mikal drehte sich in eine andere Richtung und der Wind trug ihn leicht ein Stück in diese. Doch jedes Mal folgten die Dämonen ihm, egal was Mikal versuchte, sie waren immer zur Stelle und beobachteten, wie er reagierte. Infolgedessen blieb ihm nur ein Weg übrig, den sie ihm nicht folgen konnten, weshalb er diesen einschlug. Als ihm schlagartig klar wurde, dass ihr Ziel, was sie zu fassen begehrten und nicht erlangten, sich an seine Brust schmiegte und leise vor sich hin wimmerte. Vorsichtig streichelte er ihm über sein mit schwarzen Haaren bedecktes Köpfchen, das unter einer Mütze steckte, solange bis er sein leise weinen einstellte und friedlich einschlummerte. Sein Sohn war das Ziel und sein Beschützerinstinkt, den jedweder Elternteil in sich trug, schlug heftig Alarm. Um jeden Preis würde er ihn beschützen, obwohl Mikal ihn dafür erst einmal in Sicherheit bringen musste. Raus aus der Gefahr, der er ausgeliefert sein würde, wenn er ihn in seiner Nähe behielt. Mikal schluckte hart, hinsichtlich der Tatsache, dass er ihn hergeben musste, um für seinen Schutz zu sorgen. Denn wen Liam erst einmal alt genug sein würde, wäre seine Aufgabe die gleiche, die er selber schon seit Jahren mit Hingabe erfüllte. Doch dafür war es nötig Liam im Schutz einer Person aufwachsen zulassen, die nicht mit ihm in Verbindung gebracht wurde und die ihm zu einen gutmütigen Menschen erzog. Auch wenn es Mikal innerlich fast zerriss, so war es erforderlich, dass er handelte, den das Leben seines Sohnes stand auf dem Spiel und er beabsichtigte nicht das Letzte zu verlieren, was ihm von Lia geblieben war. Mit jeder Böe, die an seinen Flügeln zerrte und jedwedes Geräusch, was er vernahm, wurde er sich sicherer, was seine Entscheidung betraf. Ein letzter Blick zurück, dann stand sein Entschluss fest.

 

Siebzehn Jahre später

 

 

Schockiert riss Liam die Augen auf. Sein Herz raste und der nasse Angstschweiß floss ihm den Rücken hinunter, sodass dieser das farblose Shirt, was er trug, durchtränkte und er sich noch erschöpfter fühlte, als ohnehin schon. Mit seiner Hand strich er sich die klebrigen Strähnen aus der Stirn, zog an dem Shirt, um es von seiner Haut zu ziehen, da es an dieser klebte. Als Folge dessen rappelte Liam sich etwas in die Höhe, um auf den Wecker zu schauen, der auf seiner Nachttischkonsole stand. Es war gerade mal drei Uhr nachts. Was an sich nicht weiter schmerzlich wäre. Würde Liam nicht, seit beinahe drei Monaten jede einzelne Nacht, von diesem Alptraum hochschrecken. Liam verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und ließ sich zurücksinken, in die Kissen. Er schaute zur Decke empor, die trotz der recht späten Stunde, immer wieder von den Scheinwerfern, der Autos, die vorbeifuhren, angestrahlt wurde und ein bizarres Muster an der Decke hinterließen, das sich je nach Winkel des einfallenden Lichtes, sich vom Vorherigen unterschied. Er musste es sich allen Ernstes angewöhnen, das Rollo hinunter zu ziehen, sinnierte Liam bei sich. Doch wenn er nach einem langen Schultag und den ganzen Hausaufgaben, die sie immer auf bekamen, in seine Domäne kam, vergaß er es problemlos und relaxte solange, bis er von dem schlechten Traum aus dem Schlaf gerissen wurde. Müde rieb Liam sich über die Augen, von denen er jetzt schon Kenntnis hatte, dass sie Morgen früh ausschauten, als hätte er die ganze Nacht durch gezecht. Er seufzte, bei dem Gedanken, den Gwen würde es nicht mehr lange hinnehmen, dass er so katastrophal schlief und dadurch aussah wie ein lebendiger Toter und das jeden Tag. Am Anfang hatte er sie davon überzeugen können, dass er nur ab und zu beschissen schlief. Doch inzwischen war es so verhängnisvoll, dass er schon einige Male laut, während seines Traumes, anfing zu schreien. Das Gwen bestürzt in sein Zimmer gestürmt war, um dann beruhigt festzustellen, dass er nur träumte. Sie nahm ihn dann immer in die Arme und streichelte ihm tröstend über den Rücken oder dem Kopf. Es war nicht so, dass er es hassen würde, wenn sie ihn in den Arm nahm. Nein, das war es nicht. Denn sie war die einzige Person, die er so nah an sich heranließ, dass dies überhaupt möglich war. Aber inzwischen empfand er sich für zu alt, um in den Arm genommen zu werden, wenngleich er es genoss ihre Wärme und Fürsorge zu spüren. Gwen hatte einmal zu ihm gesagt, dass es daran lag, dass er auf eine Art etwas nachtrauerte, was er als Kleinkind erlebt haben musste. Weswegen er die Menschen um sich herum, auf Abstand hielt. Gwen ausgenommen. Aber obwohl Liam sich sein Hirn zermarterte, fand er in keiner seiner Erinnerungen, dass ihm etwas furchtbares Widerfahren wäre, das zu diesem Resultat führte. Klar war sein Leben nicht leicht gewesen, bevor er zu Gwen kam. Denn wie ihm immer wieder alle beteuerten, die ihn aufgenommen hatten. Wäre er ein hoffnungsloser Fall, da er nicht die Bohne auf sie hörte, geschweige den nach ihrer Pfeife tanzte. Er war stur, und zwar richtig und da er keinen an sich heranließ, ahnten sie auch nicht, dass es sich dabei nur um Angst handelte, die er nach außen aber nicht zu zeigen wagte. Und dann kam Gwen, mit ihren kurzgeschorenen roten Haaren und ihrer kleinen quirligen Figur. Die sowohl sanftmütig, wie ebenfalls ein brodelnder Vulkan war, wenn sie es darauf absah. Sie war nicht wie die anderen Personen, die ihn sofort mit genommen hatten, in sein neues Zuhause und ihm dann fast in einem Befehlston erklärten, was von ihm erwartet wurde. Nein, sie war das komplette Gegenteil von dem, was er bis zu diesem Zeitpunkt kannte. Anstatt ihn mit zu nehmen, kam sie klugerweise jeden Tag zu ihm. Beschäftigte und spielte mit ihm gemeinsam. Unternahmen kleinere Ausflüge und schauten sich einen Film im Kino an und abends erzählte sie ihm zusätzlich eine Geschichte, ehe sie alleine nach Hause pilgerte. Bis Gwen ihn eines Tages fragte, nach Wochen wohlgemerkt, die sie ihn besuchte, ob er nicht Lust hätte, mit ihr nach Hause zu kommen, um dort gemeinsam Plätzchen zu backen. Da Liam schon immer eine gewisse Scheu an den Tag legte, ließ Gwen ihn alleine die Entscheidung treffen und nach mehreren Tagen, die sie auf eine Antwort wartete, wagte Liam es sich schlussendlich, mit ihr mitzugehen. Und wenn er aufrichtig zu sich selber war, so bereute er, seitdem keinen einzigen Tag, denn Gwen war ehrlich gesagt eine Wucht. Auch wenn sie in Anführungszeichen nur seine Pflegemutter war, so hätte er es nicht besser treffen können, als bei ihr. Man sah ihnen zwar an, dass sie nicht miteinander verwandt waren, aber was bedeutete das schon. Sie ist seine Familie, ohne die er nicht mehr auskam, obwohl Clärens ihm oft auf die Nerven ging und vieles, was er hörte, glatt aus dem Kontext heraus nach plapperte und dabei so manch lächerliche Behauptung aufstellte, so hatte er den Papagei in sein Herz geschlossen, obwohl er schon relativ alt war, für einen Ara und nicht mehr wirklich fliegen konnte, weil er dafür zu oft in der Mauser war und deswegen ständig seine Flugfedern verlor. Liam grinste, bei dem Gedanken, wie Gwen es geschafft hatte, nicht nur einen Papagei zu verziehen und dann aus einem scheuen, aufsässigen Jungen, der zurückhaltender Natur war und einen Starrsinn an den Tag legte, an dem sich so manch einer die Zähne abgewetzt hatte, zu einem selbstbewussten Teenager geformt hatte. Der zwar die Menschen trotz alledem auf gewisse Distanz hielt, aber nicht mehr so wie früher, als er ein Kind war. Inzwischen hatte er sogar einige Freunde, mit denen er am Wochenende abhing oder mit denen er was unternahm. Worüber Gwen sich wahrlich freute. Doch durch die schlechten Träume, die ihn jede Nacht heimsuchten, war seine Laune so auf dem Tiefpunkt, sodass er seine Freunde so langsam aber sicher damit vergraulte, da sie nicht verstanden, was mit ihm los war. Liam war auf Abstand zu ihnen gegangen und da sie diese Zurückhaltung, die er an den Tag legte, falsch interpretierten, war es so gekommen, dass sie ihn mit Reserviertheit begegneten und ihn nicht mehr so oft mit einbezogen. Liam schüttelte den Kopf über diese Gedanken, die ihm gekommen waren und sagte zu sich selber, dass er versuchen musste noch ein wenig Schlaf zu finden, denn der Morgen würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Weshalb Liam nochmals seine Augen schloss. Doch der Traum hatte ihn immer noch in seiner Gewalt, obwohl er schon einige Zeit wach lag. Hinter seinen Augenlidern erschienen Bilder die er nicht zuordnen konnte, aber so klar waren, als hätte er seine Augen geöffnet. Aus enormer Höhe sah Liam eine Lichtung, die ihm komischerweise vertraut erschien, obwohl er mit Bestimmtheit wusste, dass er sie nicht kannte. An zwei unterschiedlichen Stellen sah er meterhohen Flammen, die ein Gebäude und etwas anderes, was ein Stück abseits stand, lichterloh brennen ließen. Meterhoch schossen die Feuerzungen dem Himmel entgegen und tauchten den umliegenden Wald, seine Bäume in schaurige Schatten, die hin und her tanzten. Jeder Windstoß stachelte den Brand zusätzlich an, sodass die Flammen nicht an Nahrung verloren und das flackernde Licht, was sie aussandten, hin und her tanzte und einem den Eindruck vermittelte, dass die Schatten, um ihn herum, quicklebendig waren. Was nicht nur gruselig anzusehen war, sondern einem durch die Geräuschkulisse, die nicht nur das Knistern des Feuers, sondern auch dessen Fauchen und knacken, einem die Haare zu Berge stehen ließ. Liam meinte die Glut zu spüren, die von ihnen ausging, obwohl er in Wahrheit nicht an diesem Ort war und nichtsdestotrotz lief ihm der Schweiß in Bächen an seinem Körper hinunter. In der Mitte der Lichtung standen schemenhafte Wesen, die für Liam, keine genauen Konturen besaßen. Aber von denen er die Facettenaugen, die in einem unnatürlichen Rot glimmten, genau erfasste, da sie ihn aus immer gigantischer werdenden Augen anstarrten und Liam dadurch den Eindruck vermittelten, dass diese Facettenaugen kontinuierlich größer wurden. Dann öffneten sie ihre Münder zu einem stummen Schrei, den er aber nie zu hören bekam. Starr schaute Liam auf die zum Vorschein gekommenen spitzen Zahnreihen, die es ihm eiskalt über den Rücken rieseln ließ und ihm einen Schauer nach dem nächsten schenkte. Jedoch war es damit nicht getan, denn als sie ihre Münder weiter aufrissen und sich ihre endlosen Zahnreihen, die er nicht zu zählen in der Lage war, nach außen stülpten, sodass ein gähnender Schlund aus scharfen, spitzen Fängen und das gefährliche Rot ihrer inzwischen strahlend, glühenden Augen zu sehen war, wobei die Fänge den roten Schein einfingen, der durch das hellrote glühen, ihrer immer größer gewordenen Facettenaugen, nur noch mehr hervorstechen ließ. In diesem Moment riss Liam abrupt seine Augen auf. Er bebte am ganzen Körper und sein Mund war zu einem Schrei geöffnet, den er aber nicht entließ und mehrmals hart gegen das Gefühl schluckte, ihn in die Freiheit zu entlassen. Zermürbt durch die Bilder die er gesehen hatte, schmiss er die Bettdecke von seinem Körper und setzte sich auf die Bettkante, wobei er die Ellbogen auf den Knien abstützte und sein Gesicht in die Hände vergrubt. Warum konnte dieser elendige Traum ihn nicht endlich in Ruhe lassen? Was hatte er verbrochen, dass er von diesem heimgesucht wurde? Frustriert stand Liam auf und schlürfte benommen zum Schreibtisch. Wo er dann, in dem Durcheinander, nach seinem Musikplayer suchte, den er unter einem Stoß Schulhefte fand. Mit den Ohrstöpseln in den Ohren und dem Musikplayer in der Hand schlich er müde zurück zu seinem Bett und ließ sich darauf fallen, deckte sich zu und schaltete den Player ein. Er stellte ihn nicht all zu laut ein, aber doch so, dass er von allem anderen Abgelenkte. Nach einer kurzen Weile fielen ihm die Augen zu und er schlief erschöpft ein.

Aus welchem Grund er nicht mitbekam, dass zwei Türen weiter, in Gwens Schlafzimmer, eine heftige Meinungsverschiedenheit zwischen ihr und seinem Vater entbrannte.

„Bist du wahnsinnig hier auf zu tauchen und mich so zu erschrecken!“, keuchte Gwen angriffslustig, nachdem sie aus ihrem ruhelosen Schlaf, den sie seit Liams Träumen innehatte, hochgeschreckt war und legte sich ihre rechte Hand auf ihr geschwind pochendes Herz, wobei die andere sich an einem schmalen Dolch klammerte, den sie schnell wieder unter dem Kissen verbarg und ihre Nachttischlampe anschaltete.

„Du weißt, das du hier nicht herkommen sollst! … Ohne das ich Schutzmaßnahmen ergriffen habe! Du gefährdest nicht nur dich und mich, sondern auch deinen Sohn! … Trachtest du danach, dass all die Jahre umsonst waren?“, wetterte sie ihm ihre Wut entgegen.

Erhob sich dann langsam aus ihrem Bett, wobei die Federn unter ihr, quietschend protestierten, und zog sich ihren Morgenmantel, der am unteren Ende des Bettes lag, über. Wenngleich sie ihren Blick auf ihn gerichtet hielt und ihn damit zu erdolchen versuchte.

„Es ist schwer genug für Liam. Ohne das du hier unangemeldet auftauchst und wer weiß, was von mir verlangst! … Das er katastrophal träumt, denke ich, weißt du ohne jeden Zweifel sowieso schon.“, versuchte Gwen ihren Schreck und ihre Wut zu unterdrücken.

Er nickte ihr zu ohne einen Kommentar abzugeben zu, was ihre Wut auf ihn nur mehr anstachelte und es schwer machte ihr nicht freien Lauf zu lassen.

„Er wird von Alpträumen heimgesucht und in so mancher Nacht wacht er schreiend und schweißgebadet auf.“, machte Gwen eine kurze Pause und sah ihn eindringlich an. „Wann wirst du es ihm endlich sagen? Andere seiner Art wissen es von klein auf, ohne das sie Träume quälen. … So darf … so darf es, auf keinen Fall weiter gehen, Mikal.“

„Meine Güte Gwen. Meinst du nicht, dass ich genug Schuldgefühle, gegenüber Liam habe? Musst du mir noch mehr aufbürden? Ich weiß was ich getan habe und was nicht! Und bin mir darüber im Klaren, dass Liam imstande wäre, mich dafür hassen! Ist das nicht genug …“, seufzte er mürrisch.

„… ich konnte mir doch nicht aussuchen, was geschehen würde.“

Gwen sah in sein Gesicht, was durch die gemeinsamen Jahre, die sie sich kannten, an reife gewonnen hatte. Dort wo er nach außen hin eine Fassade trug, in der man nichts las, außer das was er willentlich zuließ. Doch in diesem Moment spiegelten sich dort seine Gefühle, die er sonst hinter einer Maske versteckte, weshalb sie ihm sanft am Arm berührte und ihre Wut abflaute, da sie ahnte, wie es in ihm aussah.

„Das weiß ich, Mikal. Aber trotzdem bist du verpflichtet, mir Bescheid zugeben, wenn du aufkreuzt!“, antwortete sie ihm versöhnlich. „Nun komm. Ich schaue kurz nach ob Liam schläft und dann setze ich uns Wasser auf, für eine gute Tasse Tee, die nicht nur unsere Nerven beruhigt, sondern dich auch aufwärmt. Dann reden wir in Ruhe.“, gab sie ihm einen kaum spürbaren Stoß Richtung Tür.

„Er schläft tief und fest, Gwen.“

„Woher weißt du das schon wieder?“, doch dann winkte sie ab. „Lass mal. Ist garantiert so eine Sache, die ich nicht verstehe.“, damit drehte sie sich zur Tür und öffnete diese, ohne das die Tür ein Geräusch von sich gab, denn erst Gestern hatte Gwen sie geölt, aus einem Instinkt heraus, falls Mikal unangekündigt kommen sollte, was sich jetzt als Glückstreffer erwies.

Auf leisen Sohlen schlich Gwen durch den Flur und betrat die Küche, schaltete das Licht an, in dem sie mit der rechten Hand nach dem Schalter griff und ihn drückte. Trat an die Spüle und füllte den Heißwasserkocher, der ein Stück neben dem Geschirrspülbecken stand, mit Wasser auf und stellte ihn an. Während der Wasserkocher vor sich hin kochte. Holte sie Tassen aus dem Schrank schräg gegenüber und den Tee aus dem über der Spüle heraus, sodass sie die Tassen nur noch mit dem heißen Wasser zu befüllen brauchte.

Mikal war ihr nachgegangen und stand im Türrahmen und sah ihr dabei zu, wie sie hin und her huschte, um den angekündigten Tee zu zubereiten. Unhörbar zog Mikal die Tür hinter sich zu, sodass diese nur noch einen Spalt offen stand und zog dann einen der Stühle unter dem Tisch hervor und setzte sich an den einladenden Küchentisch. Wehmütig dachte er dabei an Lia. Sie war Gwen nicht ganz unähnlich, auch wenn sie nicht ihr aussehen hatte, sondern vielmehr den Charakter, den sie besaß. Mikal hatte sie nach all den fehlgeschlagenen Versuchen, seinem Sohn eine richtige Familie zu organisieren, per Zufall gefunden und sie dann dazu überredet ihm diesen Gefallen zu tun. Sie war nur sehr zögerlich auf seine Bitte eingegangen und so war er nicht umhingekommen, ihr den wahren Grund seines Handelns zu erläutern, den sie seiner Meinung nach ziemlich gefasst aufgenommen hatte. Zwar erläuterte er ihr nur das Nötigste, doch das reichte aus, um sie dazu zu bewegen seinen Ersuchen zu entsprechen. Was nicht hieß, dass sie alles, was er ihr sagte, sang und klanglos hinnahm. Nein, dazu besaß sie eine viel zu starke Persönlichkeit, um sich von jemanden Vorschriften machen zu lassen. Auch wurde sie mit den Jahren, die sie sich kannten, immer wissbegieriger und hinterfragte jedwede Sache, die er ihr erzählte. Weshalb er nach geraumer Zeit mehr von sich und seinem Leben preisgab, als er es gewollt hatte. Doch das Vertrauen, was er ihr inzwischen entgegenbrachte, beruhte auf Gegenseitigkeit und so fand er in ihr eine wahre Freundin, die ihm so manches Mal schon eine andere Sicht auf Geschehnisse gewährte, die ihm halfen besser eine heikle Situation, zu verstehen.

Gwen stellte eine dampfende Tasse vor ihm auf den Tisch und er legte seine Hände, um das warme Porzellan, ehe er sie an seine Lippen setzte und genüsslich einen Schluck des geschmackvollen Getränkes nahm. Gwen setzte sich zu ihm an den Tisch, nachdem sie ebenfalls einen Stuhl unter diesem hervorholte.

„Wie immer schaffst du es, mich mit einem anständigen Tee glücklich zu machen.“, grinste Mikal sie schelmisch an.

„Ach du mit deinem Süßholzraspeln.“, schmunzelte Gwen, bevor sie wieder ernst wurde. „Komm, für einen Tee hast du garantiert nicht den Weg auf dich genommen?“

Mikal seufzte leise und rührte gedankenverloren, mit dem Teelöffel seinem Tee um.

„Wie stets hast du Recht, Gwen und ich mag es wahrhaftig, dass du nicht um den heißen Brei herum redest, sondern sofort auf den Punkt kommst. Also …“, holte er tief Luft. „… es geht um Liam.“

Gwen entwich ein glucksender Laut.

„Ne.“, spottete sie. „… als wenn ich das nicht wüsste.“

Mikal verzog das Gesicht und räusperte sich leise.

„Es ist erforderlich, ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren. Er hat in zwei Monaten Geburtstag und spätestens an diesem Tag wird er es, ob wir wollen oder nicht, erfahren.“, ließ er die Bombe platzen, die Gwen schon lange erwartet hatte.

„Pah, als wenn er das nicht schon wüsste! Ich kenne ihn gut genug, um behaupten zu können, dass er in seinem Inneren schon lange weiß, dass er anders ist als andere. Was er aber nicht weiß ist, dass er zu einer anderen Spezies gehört. … Du und ich, wir hätten es ihm längst sagen müssen, damit er Zeit hätte, das alles zu verdauen, um ihn nicht ins kalte Wasser zu schmeißen. Auch wenn ich hinter deinem Rücken versucht habe ihn darauf vorzubereiten, konnte ich ihm nicht alles erklären, ohne es mit dir abzusprechen.“, hob sie ihre Tasse an ihren Mund und trank einen kräftigen Schluck.

„Ich weiß Gwen. Es war viel von dir verlangt und es tut mir leid, dass ich dich in eine solche Lage gebracht habe. Doch die Zeit rinnt uns davon.“, räusperte er sich, als Gwen ihn fragend ansah. „Die Dämonen sind auf dem Vormarsch. Sie werden immer aktiver und im Umkreis eures Zuhauses, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, die für gewöhnlich ungeklärt bleiben!“

„Was verschweigst du mir, Mikal? Und vor alledem, was hat das Ganze zu bedeuten?“

„Nun ja. Erst waren es Belanglosigkeiten, wie verbrannte Erde, Pentagramme, die an verlassenen oder verfallenen Ruinen gesichtet wurden. Dann verschwanden Wachhunde mir nichts, dir nichts und man sah vermummte Gestalten, die sich zu merkwürdigen Ritualen zusammen fanden, von denen man berichtet, dass sie diese mit Opfergaben untermauerten. Ebenso ist nicht nur mir aufgefallen, dass es viel mehr Anhängerinnen und Anhänger des Bösen gibt und sie immer mehr rekrutieren, die sich dann ihrem Meister unterwerfen müssen.“, wartete Mikal einen Moment, um Gwen das Gesagte verdauen zu lassen. „Wie sie das anstellen, ohne größeres Aufsehen dabei zu erlangen, das vermag ich dir nicht zu sagen Gwen, den ich weiß es schlicht und einfach nicht. Fakt ist, dass sich einige Getreue, sich gegen diese Unterwerfung gewehrt haben und das ist es, was uns Sorgen macht, denn nicht nur diese verschwinden Knall auf Fall spurlos, sondern des Weiteren viele andere, die sich im selben Alter wie Liam befinden.“

„Aber …“, schlug sich, Gwen erschüttert die Hand auf den Mund, um ein Schluchzen zu unterdrücken.

„Ja, ich kann mir vorstellen, was jetzt in deinem Kopf vorgeht. Weshalb du garantiert ahnst, warum wir augenblicklich gezwungen sind, es ihm zu sagen. Denn wenn man bedenkt, wie weit sie bis jetzt gegangen sind. So sieht es demnach aus, dass es zu einem Kampf kommt und dafür ist es erforderlich, dass wir nicht nur ihn vorbereiten, sondern auch uns.“

„Du darfst ihn nicht direkt damit konfrontieren! Das geht nicht! Das ist viel zu viel auf einmal für ihn. Selbst ich habe gebraucht, um all das zu begreifen, was du mir von alldem erzählt hast.“, entrüstete sich Gwen und knetete ihre Hände, in dem verzweifelten Versuch sich zu beruhigen.

Mikals Augenbraue wanderte in die Höhe, als er seinen Blick auf Gwen richtete.

„Normalerweise würde ich dir Recht geben. Aber du vergisst dabei einen entscheidenden Umstand! Liam ist nicht wie andere in seinem Alter. Er ist mein Sohn und fähig einiges zu verkraften.“, holte er mehrmals tief Luft, um sich wieder zu beruhigen. „Es ist vorher bestimmt, was geschieht, und wir haben nur teilweise das Recht, unser Schicksal mit zu bestimmen. Ich verrichte diese Aufgabe schon so lange, Gwen. Weshalb ich sie nicht hinterfragen brauche, da ich keinen Grund dazu habe. Ich vertraue darauf, dass er weiß was er bewirkt und sich alles zum Guten wendet. Das musst du, meine liebe Gwen, noch verinnerlichen. Ich bin mir bewusst, dass deine Überzeugung kraftvoll ist. Doch du musst es mit anderen Augen sehen. Glaube kommt von hier drin.“, dabei legte sich Mikal die Hand aus Herz und sah sie eindringlich an. „Es gibt einen Weg, obwohl dieser viele Gabelungen hat. So führt er zu allen Zeiten an ein konkretes Ziel. Dem wir uns in unserem Leben stetig nähern. Das ist der Pfad, den man einschlägt und nimmt man eine verkehrte Abzweigung, gibt es eine Reihe von ihnen, die einen wieder auf den richtigen Weg zurückführen. Man muss sie nur nutzen, um sein Ziel zu erreichen.“

„Aber …“, unterbrach ihn Gwen.

„Kein aber, Gwen. Glaube schlicht und einfach daran. Öffne dein Herz und du wirst klarsehen.“, schenkte er ihr ein verhaltenes Lächeln.

Schweigend saßen sie sich gegenüber und Gwen grübelte, über das was er ihr gesagt hatte nach, während das Ticken der Küchenuhr, die Stille, die herrschte, unterbrach.

„Wenn es so ist, dass alles später einmal einen Sinn ergibt. Verstehe ich es in diesem Fall nicht. Warum manche des Weiteren Leiden, obwohl sie nichts dafür können.“, flüsterte sie.

Mikal schaute sie an und erkannte, dass es der Schmerz war, der sie diese Frage stellen ließ. Doch bevor er ihr eine Antwort geben würde, musste er darüber nachsinnen, denn es war nötig, wage in seinen Andeutungen bleiben.

„Jede Seele, die in ihrem neuen Leben erwacht. Hat einen Platz im Himmel, das weißt du hoffentlich.“

Gwen nickte ihm zu.

„Warum es manche härter trifft als andere, das kann ich dir nicht sagen. Es gibt ein Ansinnen, das nur er kennt und das er niemanden preisgibt. Auch uns nicht, denen wir ihm am nächsten stehen. Allerdings brauchst du dich damit, nicht auseinanderzusetzen. Es geschieht, wie er es für passend hält und im Zuge dessen solltest du dich damit abfinden.“

„Willst du mir allen Ernstes sagen, das du nicht einmal, nach dem Tod deiner Frau, an ihm gezweifelt hast.“, griff Gwen sich an dem Hals, an dem ihr goldenes Kreuz, an einer Kette hing und schaute Mikal an.

Mikal seufzte innerlich, den ihm war klar, dass sie es nicht verstehen würde.

„Nein, noch nicht einmal dann, habe ich mich von ihm abgewendet, obwohl mich meine Trauer fast zerrissen hat und ich nicht mehr Herr meiner Sinne, für einen langen Zeitraum, war. So habe ich meinen Glauben nie ernsthaft verloren.“, sprach Mikal flüsternd vor sich hin, zu tief in seine eigenen Gedanken versunken, dass noch nicht einmal sein natürlicher Instinkt, den er besaß, ihn merken ließ, dass sie einen Zuhörer hatten.

 

 

Kapitel 2

 

 

Was Liam weckte, war ihm nicht bewusst. Aber sein Instinkt wies ihn an, auf dem schnellsten Weg aufzustehen und sich in Richtung Küche zu schleichen, wobei er seinen Musikplayer abstellte und ihn auf die Nachttischkonsole legte und auf seine Zimmertür zuging. Diese öffnete er einen Spalt breit, um sich durch diesen zu zwängen, da er wusste, dass wenn er sie weiter aufschob, sie einen quietschenden Ton von sich geben würde, den er vermeiden wollte. Mit zögerlichen Schritten näherte er sich Stimmen, die aus der Küche gedämpft zu ihm drangen, sodass er die Worte die gesprochen wurden, im ersten Moment nicht verstand. Weshalb er näher an die Küchentür heranschlich. So behutsam wie machbar setzte Liam jeden seiner Schritte an die Stellen des Fußbodens, von denen er wusste, dass diese ihn nicht verrieten und die ihn näher an die Küche brachten. Da der Fußboden im Flur aus alten Holzdielen bestand, die mit jedem falschen Schritt, den er setzte, anfangen würden zu knarzen und ihn dadurch ans Messer lieferten. Was er tunlichst vermied, da er die Personen, die dort miteinander sprachen, nicht auf sich aufmerksam machen wollte. Im fahlen Schein der Küchenlampe, die durch den schmalen offenen Spalt der Tür drang, fand Liam den Weg zügiger, als er zu hoffen, wähnte, obwohl er ihn auch so auswendig kannte, da er im Endeffekt hier wohnte und sich somit mit den Begebenheiten der Wohnung auskannte. Aber so war es ihm lieber, da er keine Geräusche dabei verursachte und sich auf die Gesprächsfetzen konzentrieren konnte, die er vernahm. Liam lehnte sich an die Wand, direkt neben der Küche und lauschte Gwen und dem Fremden, dessen Stimme er nie zuvor gehört hatte. Sein Herz klopfte heftig und er riss sich zusammen, um sich wieder zu beruhigen. Für Liam war es nicht alltäglich, des Nachts seiner Ziehmutter und einem ihm Fremden zu belauschen, was ihm ein schlechtes Gewissen bereitete, da er eigentlich nicht so war. Aber seit wann bekam Gwen um diese Uhrzeit Besuch? Und von wem? Liam konnte das Gefühl, was ihn befallen hatte, nicht näher konkretisieren, aber irgendetwas war faul, an der Sache. Aufmerksam lauschte er dem Gespräch und überlegte dabei wer der Fremde wohl war. Weshalb er das, was sie sprachen, teilweise nicht mitbekam. Aus welchem Grund Liam seine Überlegungen einstellte und sich auf die Worte die sie redeten konzentrierte.

„Und was ist mit Liam? Er musste genauso wie du unter den Umständen leiden. Darf ich mindestens deswegen ungehalten sein und ihm Vorwürfe machen, das er das hat geschehen lassen?“, hörte Liam, Gwen sich im Flüsterton äußern.

Ihm war sofort klar, dass sie über eine dritte Person redeten, aber welche das war, erschloss sich ihm aus dem Gespräch nicht.

„Das musst du mit dir alleine ausmachen, Gwen. Ich will dich nicht beeinflussen, in dem ich dir sage was richtig und was falsch ist. Persönlich ist es für mich völlig normal und macht keinen Unterschied für mich. Er weiß, was er macht und hat einen all umfassenden Plan, den mancher nicht begreift. So bin ich nun Mal gestrickt und die anderen ebenso, da er, uns zum Anbeginn, der Zeit erschaffen hat, um ihm nicht nur zu dienen, sondern ebenfalls seine Augen und Ohren zu sein. Um sein Wort weiter zu geben und die Mächte der Finsternis von der Welt zu tilgen. Und das weißt du auch inzwischen! … Ich kann gar nicht anders als ihm zu vertrauen und an ihn zu glauben, weil ich mir nicht mal ein Bild davon machen könnte, was es für mich bedeuten würde, wenn ich meinen Glauben verlieren würde!“, erwiderte der Fremde und Liam ahnte mehr, als das er es sah, dass derjenige sich just in diesem Moment an seinem Platz bewegte, da der Tisch kaum vernehmbar knarzte, als würde sich jemand auf ihn abstützen.

„Wann beabsichtigst du, es ihm sagen?“, gab Gwen kleinlaut nach.

Liam lehnte sich weiter zur Tür, um sie besser verstehen zu können, als ein leises Lachen dem Fremden entwich, was Liam verwunderte.

„Ich denke, dass diese Frage sich erübrigt.“, machte er eine kurze Pause. „Wenn man bedenkt, was für ein wissbegieriger, junger Mann er inzwischen geworden ist.“, entrann sich dem Fremden ein glucksender Laut. „Weshalb ich es bevorzugen würde, wenn wir es ihm sofort sagen!“, murmelte dieser und Liam hörte, wie der Stuhl auf dem er gesessen hatte, über den Boden schabte.

Liam ging instinktiv mehrere Schritte zurück, um schnellstmöglich den Rückweg, in sein Zimmer antreten zu können. Als Gwen den Fremden erbost attackierte und er stehen blieb.

„Was jetzt sofort?“, hörte er sie schockiert rufen.

Der Tisch ächzte und knarzte gefährlich, als sich jemand mit vollem Gewicht auf diesem abstützte und ein Stuhl erneut über die Fliesen des Küchenbodens schabte. Liam vernahm leise Schritte, die auf den Boden gesetzt wurden und die er nur registrierte, weil er ein gutes Gehör hatte. Jedoch kamen sie nicht auf ihn zu, weswegen er sich wieder weiter zur Tür vor wagte. Während ein langer Schatten den Spalt verdunkelte und Liam sah, wie dieser sich bewegte, ehe er verharrte.

„Du weißt, das das alles ändern wird?“, hörte er Gwen zurückhaltend flüstern, wobei die Worte die sie gesprochen hatte, wie abgeschirmt zu ihm durchdrangen.