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Irgendwo im Nirwana: Eine Seele überlegt dem monotonen Dasein ein Ende zu setzen und sich für eine neue Inkarnation auf irgendeinem Planeten zu entscheiden. Nach ihren schlechten Erfahrungen aus den vergangenen Reisen, soll diesmal nichts dem Zufall überlassen bleiben und sie sucht ein interstellares Reisebüro auf, um sich über alle möglichen Reiseziele und Optionen zu informieren. Schließlich fällt die Wahl auf den Planeten Erde. Während sie auf ihre "bestellte" Materie wartet, lernt sie eine leidenschaftliche Dauerbesucherin dieses Planeten kennen. Die alte, erfahrene Seele begeistert mit ihren Erzählungen und schildert ihre bedeutendsten Aufenthalte auf der Erde, samt ihrer Fehler und Missgeschicke. Tauchen auch Sie mit in die vergangenen Leben ein und lassen sich inspirieren von der Weisheit und Empfehlungen, die auch Ihr Dasein erleuchten können.
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2025
Radka van Bashuisen
ENSO
Der Kreis öffnet sich
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Beratung
Wartezeit
Impressum neobooks
Ensō
Der Kreis öffnet sich.
Teil 1
21 Gramm. Zu wenig? Zu viel? Gibt es nicht. Weder Gramm noch Fragen. Nirwana. Mein momentanes Zuhause – wie auch das der anderen milliarden Seelen, die in den vielen Universen immer wieder unterwegs sind und hierher zurückkehren. Es ist, wie es sein muss. Nichts und Alles vereint, harmonisch, es gibt keine Probleme, es gibt keine Lösungen, kein Hell oder Dunkel, Böse oder Gut. Es ist und ist nicht. Der Anfang und das Ende sind eins bzw. sind eben nicht. Ich? Ich bin und bin nicht. Es gibt kein Ich, Du, Uns.... Alles ist eins und existiert eigentlich gar nicht. Verwirrend? Nirwana eben. Der Kreis schließt sich. Ich will raus aus diesem Kreis, wiedermal, wie schon so oft. Irgendwann wird man dann eines Besseren belehrt und kehrt gerne wieder zurück. Aber auf Dauer? Ich weiß nicht. Die Erfahrung sagt: Lass es! Das Nirwana sagt: Geh, kannst wieder etwas lernen. Der Drang ist stark, die Wucht des Erfahrens so mächtig. Der Kreis öffnet sich und der Wahnsinn des „Ichs“, das Gestalt annehmen darf, fängt wieder von vorne an.
Der Andrang ist groß. Ich bin nicht die Einzige, die etwas Neues sucht. Man war schon oft da, aber trotzdem ist es immer wieder aufregend. Mal sehen, was es diesmal für Möglichkeiten gibt. Ich würde gerne all inclusive nehmen, aber dafür reichen meine Punkte wahrscheinlich nicht. Nun gut, man gibt sein Bestes und ich weiß, dass ich es diesmal besser machen kann und irgendwann komme auch ich in den „Bestprice“-Genuss ohne Abstriche. Ich weiß noch, was ich beim letzten Mal hätte alles besser machen können, daher kommt meine Erleichterung und vielleicht auch die naive Hoffnung, dass ich es diesmal mit links meistern kann.
Aber warum eigentlich das Ganze? Diese Frage stellt sich immer wieder. Man hat doch schon viel gesehen und erfahren. Einfach war es nicht. Keineswegs. Warum bleibt man dann nicht, wo man hingehört, wo alles eins ist? Warum sucht man immer wieder nach diesem Nervenkitzel der Verkörperung, der Verwirklichung? Des GetrenntSeins? Ja, das ist es, zu viel an Einheit führt zur Trennung. Es kippt ins unerträglich Einheitliche und man sehnt sich nur noch nach Trennung und Verschiedenheit. Das treibt die Seelen aus dem Nirwana.
Milliarden von 21 Gramm lösen sich und warten geduldig auf die Angebote der Materialisierung. Man will mehr. Die 21 Gramm reichen auf einmal nicht mehr. Es ist wie überall. Hat man etwas, will man mehr. Bis man wieder alles verliert.
Erstaunlich, dass man mehr haben will, obwohl doch von Anfang an klar ist, dass man wieder alles abgeben muss. Aber so ist der Kreislauf und nicht anders.
Ich bin immer noch am Überlegen, was besser ist. Es ist doch wahr: Das ganze Theater für nichts. Am Ende ist man genau wieder da, wo man gestartet ist. Obwohl... Doch, ich will es. Ja, ich will. Der Erlebnisse und der Erfahrungen wegen. Die bleiben. Man lässt also doch nicht alles zurück. Und Schmerzen zum Beispiel, die lässt man sogar gerne zurück. Das System ist eigentlich besser als gedacht. Würde man nämlich nicht auf die Nullposition zurückkehren, würde wahrscheinlich keiner den Kreislauf durchlaufen wollen. Und es wäre auch sehr verwirrend. Aber gerade, weil man weiß, dass alles außer Erinnerungen und Erfahrungen zurückbleiben muss, hat man auch die Sicherheit, dass man wieder frei wird. Und zwar in jedem Bereich des Seins. Und das fühlt sich wirklich befreiend und beruhigend an.
Wenn ich nur an die letzte Verkörperung im Nebel von Orion denke. Mein Gott. Keineswegs hätte ich diesen Zustand auf ewig beibehalten wollen.
Neues Spiel, neues Glück. Manchmal ist man zwar schon ein wenig traurig, wenn alles so schön läuft und klappt, wie damals auf Sirius. Dann verlässt man die Dimension doch etwas wehmütig in der Gewissheit, es geht weiter, aber leider ohne mich. Ein anderer übernimmt. So sind aber die Regeln und die müssen akzeptiert werden. Mit Verstößen gegen den Spielplan gehen einem eben wertvolle Punkte verloren, die man nur mit Mühe wiedergutmachen kann. Aber je öfter unterwegs, desto erfahrener wird man. Und je erfahrener, desto leichter spielt man. Das A und O bei den Inkarnationen ist der Spaß. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man weiterspielen muss, ohne dass man will. Eine Qual, kann ich nur sagen. Und je mehr Zwang stattfindet, desto mehr Missgeschicke passieren dann. Zum Verzweifeln. Habe ich auch schon erlebt. Danach mag man nie wieder losziehen und die nächste Herausforderung annehmen. Dann ist nur noch Nirwana angesagt. So als Ruhepol für zwischendurch allemal empfehlenswert.
Aber meine 21 Gramm erholen sich schnell und stehen voll auf Action und Neues, auf Aufregendes. Leider vergisst man manchmal während der Herausforderung, dass man diese freiwillig angenommen hat und es selbst so wollte, und fragt sich: Warum ich? Warum so kompliziert? Warum so langwierig? Dass es sich um die eigene Wahl handelt, sickert nur in Ausnahmefällen durch. Richtig ist der Nullzustand. Nichts ist bekannt, nichts ist bewusst. Man muss es selbst herausfinden, so ist es nach den Spielregeln korrekt. Und man bekommt es mit der Zeit auch langsam heraus, was und wieso man die vorgegebene Zeit in der jeweiligen Dimension verbringen soll. Und dann fängt es auch an, richtig Spaß zu machen. Die anfängliche Anstrengung, mitzukommen und mitzuhalten, wird mit der Zeit leichter und einfacher. Man wird sich seiner Selbst bewusster und verständlicher. Und die Daseinszustände lichten sich.
Es geht aber auch einfacher. Man kann sich vor der Wahl beraten lassen, um es mit der Herausforderung nicht zu übertreiben. Das werde ich auch diesmal tun. Denn vollkommen unvorbereitet in die Inkarnation rein zu schlittern, ist wirklich hart. Manchmal so sehr, dass man doch die Escape-Taste drückt und aussteigt. Habe ich auch schon fertig gebracht. Ich war so erschrocken von dem, was da auf mich zukam, dass ich nicht mehr klar denken konnte und mir der Ausstieg gleich am Anfang die einzige vernünftige Lösung erschien. Hinterher schämt man sich fast, so schnell aufgegeben zu haben. Dafür gibt es auch reichlich Abzüge in der Gesamtwertung. So ist es nicht. Würde man das häufiger in Anspruch nehmen, gäbe es Sperrzeiten für die nächstmöglichen Verkörperungen. Over and out, wie man so schön sagt. Aber aller Anfang ist schwer.
Bevor man das interstellare Reisebüro aufsucht, sollte man schon so ungefähr wissen, wohin die Reise gehen soll. Es ist aber immer so schwer, sich zu entscheiden. Es gibt ja so viele Möglichkeiten. Manchmal hätte man Lust auf schon Bekanntes, mit dem man sich bereits auskennt und sich gleich ganz gut orientieren kann. Sirius war eine klasse Inkarnationsreise. Mein Gott, war es schön und angenehm. Die kristalline Form, geruchsfrei, immer sauber, keine Reinigungsvorgänge und Sprachkenntnisse notwendig. Kristalle sind schön glänzend, rein, werden von Bakterien und Viren kaum angegriffen, und selbst wenn, kann nicht viel passieren. Sind zwar zerbrechlich, aber wenn ein Stück abbricht, ist es einfach weg, es geht trotzdem ungestört weiter. Es kann sogar als eine Art der Abwechslung angesehen werden, da man ja sonst kaum die Form ändern kann. Manche können mit der Temperatur, andere nur unter Lichteinfluss die Farben wechseln. Neider gab es aber auch da genügend. Wie überall. Der eine ist klein und wenig glänzend, schaut dann natürlich voller Neid auf die größeren, hochglänzenden. Ein anderer ist ziemlich schwer und kommt kaum in Bewegung, dafür ist er aber sehr beeindruckend, fast unübersehbar trotz der vielleicht schwachen Farbgebung. Des nächsten Form ist kaum eine Beachtung wert, die Farben strahlen aber umso mehr.
Nie ist man so, wie man es gern hätte. Aber deswegen hat man sich ja eigentlich materialisiert und das Nirwana verlassen, weil man doch Lust auf die Verschiedenheit hatte. Man wollte sich absondern, anders sein, eine Zeit lang nicht zur Einheit gehören. Und wenn man dann verschieden ist, sehnt man sich nach den anderen und wäre gern wie sie. Wenigstens ein wenig ähnlich wie die anderen sein. Da spürt man auf einmal im Verborgenen den Ursprung, die einheitliche Abstammung.
Ich weiß, es ist zum Verzweifeln, aber so sind wir alle, egal in welcher Form oder Dimension wir gerade unterwegs sind. Nie kann es einem recht sein. Erst wenn man wieder aussteigt, versteht man auf einmal, dass es doch so, wie es eben war, passend war und dass man es eigentlich hätte gar nicht anders haben wollen.
Und das ist das Schönste daran, man ist zum Schluss fast immer zufrieden. Wenn der Film zurückläuft und man auf die Erfahrungsbilder zurückblickt, überwältigen einen die Gefühle doch. Und so muss es sein. Ende gut, alles gut.
Also wohin diesmal? Ich glaube, mehr Abwechslung und mehr Einfluss auf das ganze Geschehen hätte ich diesmal schon gerne. Nur so vor mich hin zu glänzen und eher nach Zufall die Form und Farbe zu wechseln, ist mir mittlerweile zu wenig. Ich werde mich im Reisebüro genau erkundigen, wo man richtig Action erleben kann. Bin so gespannt und freue mich schon sehr auf die nächste Herausforderung.
Endlich bin ich an der Reihe. Ich kann es kaum abwarten, wohin die Reise diesmal gehen kann, welche Angebote es gibt.
„Herzlich Willkommen in unserem interstellaren Reisebüro. Ich bin Ihre Beraterin und werde Ihnen helfen, Ihre nächste Reise auszusuchen. Haben Sie schon eine Vorstellung, welche Erfahrungen oder Erlebnisse Sie gerne machen möchten?“
„Ja und nein. Ich möchte mich erstmal informieren, was im Moment so der Trend ist und was Sie mir empfehlen können. Auf jeden Fall intensivere und beeindruckendere Erfahrungen, als ich zuletzt hatte. Ist zwar schon ein paar Lichtjahre her, aber im Nachhinein fand ich es zu wenig und zu schwach.“
„Wo sind Sie denn gewesen?“
„Auf Sirius.“
„Und aus welchem Grund hat Ihnen die Reise nicht zugesagt?“
„Na ja, wie man es nimmt. Die kristalline Form war schon sehr angenehm und praktisch, aber wenig veränderbar. Es gab für meine Vorstellung zu wenige Alternativen des Daseins.“
„Ich verstehe, Sie hätten also gerne eine mehr veränderbare Form. Da könnte ich Ihnen eine wunderbare Reise in den Nebel von Orion anbieten.“
„Oh nein, danke, da war ich auch schon. Diese Gaswolken-Form war für mich purer Stress. Man kann ja keine Sekunde ausruhen und sich entspannen, weil einem die Form sofort entgleist oder man anfängt, sich mit anderen unzertrennlich zu vermischen. Das war definitiv nichts für mich. Ich bin eher der Einzelgängertyp, mag mich schon gerne abgrenzen. Sonst hätte ich ja auch weiterhin hier bleiben können. Hier ist alles eins.“
„Ja, da haben Sie recht, aber doch ein wenig anders, meinen Sie nicht?“
„Schon, ich bin aber wirklich nicht der ‚Verschmelzerandlos-mit-allen-Typ‘. Ich brauche definitiv meine Grenzen. Es war für mich der Horror schlechthin, sich in der Gasform kaum abgesondert halten zu können. Ein einziger Kampf, das sage ich Ihnen. Jede Bewegung wird zur maximalen Herausforderung. Man ist so schnell formlos und so schnell aufgelöst, dass man sich fast schon wieder ach der sehr festen kristallinen Form sieht, bei der absolut kein Vermischen oder Verschmelzen möglich ist. Und wenn, dann nur unter Fremdeinwirkung. Also für mich, wenn ich so frei mein Wunsch formulieren darf, etwas mittendrin bitte. Weder Gasform noch Kristall. Die goldene Mitte eben.“
„Gut, dann schlage ich Ihnen die dritte Dimension vor. Da ist man nicht so leicht veränderbar, wie in der siebten und auch nicht so starr wie in der fünften.“
„Aber ist es da nicht zu schwer und noch unbeweglicher? 3D kling noch starrer als 5D.“
„Jein. Ich versuche, es Ihnen zu erklären. Die kristalline Form ist sehr fest und hart, rein und beständig, aber auch zerbrechlich. Mit maximaler Abgrenzung. In der dritten Dimension ist es zwar ebenso fest und mit starker Abgrenzung, aber trotzdem ziemlich formbar. Und vor allem, was der absolute Hit an dieser Dimension ist, die Form beeinflusst man selbst. Sie haben zwar die Möglichkeit, auch die Wirkung von Licht und anderen Energien in Anspruch zu nehmen, aber schon Ihr Wille alleine reicht aus, sich selbst zu formen. Teilweise natürlich. Man muss schon die 3D-Grenzen wahren, veränderbar wäre man aber trotzdem ziemlich.“
„Das kling sehr interessant. Und wohin ginge dann die Reise mit der 3D-Ausstattung?“
„Also, das am häufigsten gebuchtes 3D-Ziel wäre die Erde. Ein wunderschöner, blauer Planet.“
„Oh nein! Bloß nicht. Das ist doch das Zuhause der Echsen. Diesen Riesen, den sich gegenseitig fressenden Ungeheuern! Sie haben schon recht – die Form ist weder zu starr noch zu vergänglich, außer man wird verspeist, da ist man dann doch schnell Vergangenheit. Der Stress, nicht gefressen zu werden und damit die Form des anderen unfreiwillig zu gestalten, macht mich heute noch starr vor Angst. Dabei ist es schon sehr, sehr lange her, dass ich mit dabei war. Ich hatte damals noch wenig Erfahrungen und einen niedrigen Punktestand auf meinem Inkarnations-Konto, daher gehörte ich nicht zu den Prädatoren, sondern zu deren Leckerbissen.“
„Ah, jetzt verstehe ich Ihr Entsetzen. Nein, die Entwicklung des 3D-Sektors geht natürlich auch ständig weiter. Die Riesenechsen sind nicht mehr die Bewohner des Planeten Erde. Das Programm hat sich in der Tat nicht besonders gut bewährt und wurde von Grund auf geändert. Als Andenken an diese Zeit hat man noch ein paar kleine, wirklich kleine Exemplare vor Ort gelassen, diese sind aber keineswegs von Bedeutung. Sie haben recht, es war ein Survival-XXLPaket der besonderen Art, und so etwas ist in der Tat nicht jedermanns Sache. Wurde auch immer weniger gefragt, deswegen ist es komplett aus dem Programm genommen worden. Man konnte kaum Erfahrungen sammeln oder sich in irgendeiner Art weiterentwickeln vor lauter Überlebenskampf. Selbst wenn man es geschafft hat, sind diese Erfahrungen zu stark mit Negativem, wie Brutalität, Angst oder Hoffnungslosigkeit, aufgeladen gewesen. Anders gesagt: Es war die Reise nicht wert. Ich kann Sie aber beruhigen. Heute ist der Planet sehr beliebt, hoch im Kurs sozusagen. Teils schon so stark gebucht, dass man langsam am Überlegen ist, eine Besucherobergrenze zusetzen. Im Moment ist es aber noch nicht der Fall, also würde ich Ihnen empfehlen, sich schnell zu entscheiden, solange noch Plätze verfügbar sind, sofern Ihnen die Bedingungen zusagen.“
„Ich höre Ihnen gespannt zu und muss ehrlich sagen, es überrascht mich sehr. Besser formuliert: Es ist für mich kaum zu glauben. Und schon gar nicht vorstellbar, dass die Erde hoch im Kurs sein soll. Wie haben Sie es geschafft? Es war wirklich alles andere als angenehm, dort Erfahrungen zu sammeln.“
„Ja, Sie werden staunen. Ich würde Ihnen gerne das Angebot im Detail vorstellen, vielleicht erweckt es auch bei Ihnen Interesse.“
„Da sage ich nicht nein, vor lauter Neugier brenne ich regelrecht schon darauf. Ablehnen sollte man immer erst dann, wenn man das Angebot kennt. Und ich weiß nur, dass ich offensichtlich nicht auf dem aktuellen Stand der Erdentwicklung bin.“
„Prima. Dann fange ich also an.
Die Form der Materialisierung wurde radikal verkleinert, was natürlich den Vorteil hat, dass wesentlich mehr teilnehmen können. Und die Form ist nicht nur kleiner, sondern es gibt auch noch viel vielfältigere Möglichkeiten der Materialisierung. Wir haben in der 3. Dimension eine sehr große Auswahl geschaffen, damit eben auch ein hoher Spaß- und Abwechslungsfaktor gegeben ist. Nach unseren Erfahrungen wissen wir, dass nur Kenntnisse zu sammeln, ohne Spaß dabei zu haben, auf Dauer selten jemanden begeistert. Ich kann Ihnen eine Übersicht aller momentan verfügbaren Lebensformen in der 3. Dimension anbieten. Sie ist allerdings wirklich sehr lang. Einfacher wäre das Ganze, wenn Sie es nach Ihrer ungefähren Vorstellung ein wenig von vorneherein eingrenzen könnten. Wie z. B. Länge des gewünschten Aufenthaltes, Anzahl der Inkarnationen bis zur Erreichung der angestrebten oder benötigten Erfahrungen, ungefähre Größe, Gewicht, Artund Aussehen des dortigen Daseins. Dann wären wir der ganzen Sache schon viel näher und ich könnte mir besser vorstellen, in welche Richtung die optimale Form für Sie geht, und kann mit der Suche beginnen.“
„Also eins weiß ich ganz sicher. Eine Echse soll es nicht sein, ob riesig oder klein. Obwohl sie in diesem neuen Format sogar ganz nett aussehen mögen. Ich wähle die goldene Mitte. Wie bei der Formbarkeit. Weder zu starr noch zu sehr veränderbar. Und so auch mit der Größe. Nicht zu klein – wer will schon übersehen werden? –, aber auch nicht zu sperrig.“
„Wünschen Sie viel Eigenständigkeit oder überlassen Sie die Abläufe den planetaren Gegebenheiten?“
„Was muss man sich darunter vorstellen? Ich verstehe Ihre Frage nicht ganz.“
„Hätten Sie gerne viel Einfluss auf Ihr Dasein oder lassen Sie sich lieber führen?“
„Auf jeden Fall viel Einfluss, sehr viel. Ich bin doch eher der Bestimmer. Alleine das Gespräch über dieses Thema heizt schon mein Temperament auf. Das fühlt sich super an, selbst zu bestimmen. Ich werde diesmal entscheiden, wer gefressen wird.“
„Also, wenn ich es richtig interpretiere, tendieren Sie eher zu einer tierischen Gestalt.“
„Ja, warum nicht? Etwas anderes außer tierische und pflanzliche Formen gibt es doch auf der Erde nicht. Und ein Baum oder Busch bestimmt kaum etwas. Der wird angepinkelt oder abgefressen, ohne sich widersetzen zu können. Das wäre für mich noch schlimmer, als eine Mahlzeit der Mitstreiter darzustellen.“
„Oh, seien Sie nicht zu voreilig mit Ihren Schlüssen. Ich sagte Ihnen bereits, wir haben das Angebot ziemlich erweitert.“
„Entschuldigung. Ich habe mich durch meine Emotionen etwas irreführen lassen. Sie haben ja recht. Ich vergaß. Also, welche Alternativen zu den beiden Arten gibt es noch?“
„Wir können Ihnen noch die Spezies Mensch anbieten.“
„Mensch? Ist mir kein Begriff und ich bin doch schon des Öfteren interstellar unterwegs gewesen.“
„Richtig, ist auch speziell für diesen Planeten konstruiert worden. Kann man woanders in der Form und Beschaffenheit in der Tat nicht antreffen. Ich sage Ihnen, das ist der Renner, deswegen ist die Erde so gefragt. Damit haben wir den Volltreffer gelandet. Auf diese Art fahren in letzter Zeit viele Seelen ab. Wir sind auch sehr stolz auf diese Variation der Materialisierung. Ist zwar noch nicht hundertprozentig ausgereift und ganz optimal auf die planetaren Gegebenheiten angepasst, aber wir konnten sie doch ziemlich gut integrieren. Und mittlerweile läuft die Optimierung fast von alleine. Von Jahrhundert zu Jahrhundert wurden die Prototyp-Anfälligkeiten immer weniger und man könnte meinen, diese Art habe es auf diesem Planeten schon immer gegeben.“
„Klingt wirklich interessant. Da sage ich nicht nein. Ich bin schon immer der Neuentdecker gewesen. Wie sieht der Mensch, wie Sie ihn nennen, denn aus?“
„Sehr hübsch. Sie werden ihn lieben. Alle lieben ihn, die ihn schon mal für ihre Reise gewählt haben.“
„Hört sich sehr sympathisch an. Ich glaube, ich bin dabei, wenn mein Punktekonto diese Inkarnation zulässt.“
„Das werden wir gleich sehen. Ich halte kurze Rücksprache, wie Ihr aktueller Stand ist.“
„Es ist spannend, aber ich hoffe, es wird reichen, jetzt, da Sie mich schon so neugierig gemacht haben.“
„Sie können sich freuen. Ich habe gute Nachrichten für Sie.
Es wäre möglich. Zwar keine 1.Klasse-Ausführung mit TopAusstattung, aber für den Standard ist Ihre Anzahl an Reinkarnationspunkten allemal ausreichend.“
„Fabelhaft. Bin wirklich erleichtert, ich habe mit all inclusive sowieso nicht gerechnet. Aber eins muss ich ehrlich zugeben, ich kann mir immer noch nichts Konkretes darunter vorstellen.“
„Nur mit der Geduld. Wir gehen gleich alle machbaren Ausführungen durch, die zur Zeit verfügbar sind. Und dann muss ich noch wissen, wann ungefähr Sie ankommen möchten.“
„Also, wenn Sie mich fragen, bin ich fast schon dort. Solche Lust und Neugier breitet sich in mir aus.“
„Ich freue mich sehr, Sie so begeistert zu haben. Sie stecken mich mit Ihre Inkarnationslust fast schon an.
Die gängigsten Ausführungen wären zwischen 160-180 cm groß nach Beendigung des Reifeprozesses, je nach Art. Sie entscheiden, ob Sie eine gebärfähige, kleinere Ausführung möchten oder eher die größere, ohne diese Funktion.“
„Pardon, dass ich Sie unterbreche. Könnten Sie mir das bitte etwas genauer erklären?“
„Aber natürlich. Dafür bin ich ja schließlich da. Es gibt zwei Grundtypen der Materie Mensch. Der eine besitzt die Möglichkeit, in sich ein neues Menschenwesen entstehen zu lassen und damit so jemandem wie Ihnen die Materialisierung und Erfahrung auf dem Planeten Erde zu ermöglichen. Da es mit gewissen Erschwernissen verbunden sein kann, wird diese Wahl mit einer höheren Punktzahl für Positives am Ende Ihrer Reinkarnationsreise bewertet. Der andere Grundtyp besitzt diese Eigenschaft nicht. Er trägt zwar dazu bei, dass die Bausteine der beiden Typen zusammen kommen, um eine neue Verbindung entstehen zu lassen, es geschieht aber außerhalb seiner materiellen Anhäufung der Zellbausteine, auch Körper genannt. So bezeichnet man auf Erde die Masse, die Ihnen den Kontakt zur Außenwelt ermöglichen wird.“
„Gut, ich glaube, Sie verstanden zu haben, und würde mich eher für den ersten, gebärfähigen Typ entscheiden. Ich möchte dazu beitragen, etwas Neues zu kreieren. Ich bin nämlich wahnsinnig gerne kreativ. Und gerade das kommt im Nirwana zu kurz. Hier kann man noch so kreativ sein, das Nichts bleibt Nichts oder Alles, aber damit hat es sich auch schon.“
„Ja, da gebe ich Ihnen recht, Abwechslung ist hier kaum möglich. Ihre schnelle Entscheidung überrascht mich ein wenig und deswegen noch ein paar Erklärungen dazu. Nicht, dass Sie falsche Vorstellungen bekommen. Sie tragen zwar das neue Wesen in sich aus, besonders kreativ können Sie aber nur bei dem allerersten Einsatz zur Herstellung der neuen Materie sein. Weiter überlassen wir die Bauweise aus Sicherheitsgründen einem standardisierten, automatisch ablaufenden Prozess. Zu viel Kreativität ist nicht immer und überall angebracht. Es würde zum heillosen Durcheinander führen, wenn sich jeder selbst nach seinen Vorlieben und Launen was kreativ zusammenbastelt.“
„Und wie kann ich mir den ersten Akt der Bauweise der neuen Materie vorstellen, bei dem ich so grenzenlos kreativ sein kann?“
„Sie gehen aber auch sehr ins Detail. Wir wollten eigentlich nur die Grundausstattung festlegen. Alles Weitere wird
