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Mit ihrem Buch Entfesselte Leidenschaften wagt sich die Autorin an ein heißes Thema: Sie nimmt in dreizehn Kurzgeschichten die Leser mit in die Welt der Erotik und der ausschweifenden, entfesselten Leidenschaften. Die Themen führen Sie in die Fantasien von Zauber und Mystik. Tauchen Sie ein in das Reich der Träume, der Liebe und lustvollen Begegnungen. Entfesselte Leidenschaften, von devot bis dominant, aktivieren in diesem Buch das Kopfkino der versteckten Sehnsüchte. Von erotischer Romantik in der Walburgisnacht bis zu den Grenzen der Lust im Rausch der afrikanischen Trommeln, findet der Leser starke erotische Unterhaltung, die ihn fesselt. Sinnlich, lustig manchmal aber auch etwas derb.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 276
Veröffentlichungsjahr: 2020
Leni und die Walpurgisnacht – Hexe oder Heilige
Die aufblühende Rose
Die Brut des Dämonen
Die Vergangenheit kehrt zurück
Es zählte nur dieser Augenblick
Gefährliche Neugier
Gefesselte Leidenschaft
Nur aus Erfahrung wird man klug
Seinen Namen kannte sie nicht.
Südfrankreich hin und zurück
Verführerischer Buchladen
Zaubertropfen der Lust
Afrikanische Trommeln
Ich schreibe schon seit meiner Kindheit gerne und lasse dabei meiner Fantasie freien Lauf. Lustig und etwas frivol kann es sein. Aber auch der Ernst der Sache spiegelt sich in meinen Texten. Bis in die tiefsten Abgründe der Seele versetzt sich meine Persönlichkeit. Nichts Menschliches ist mir fremd und nichts gibt es, was nicht aus- oder angesprochen werden kann. Das gibt meiner Schreibfreude eine abwechslungsreiche Vielfalt.
In der Schule waren es fantasievolle Auf– sätze, die immer großes Lob fanden und in der Klasse vorgetragen wurden. In meiner Sturm- und Drangzeit waren es Hochzeitszeitungen, Gedichte zu verschiedenen Anlässen und eine Firmenchronik. Es folgten Trauerreden und Hochzeitsansprachen.
Menschen wurden auf mich aufmerksam und baten mich für sie zu schreiben, oder für sie zu sprechen. Daraus entstanden die unterschiedlichsten Möglichkeiten, meine Schreibfreude und meine Redegewandt–heit zu präsentieren.
Aus meiner Feder entstanden Geschich– ten und Erlebnisse, die das Leben schrieb. Gedichte in Rieser Mundart zeigen, wie vielfältig und lustig es in meiner Heimat, dem Ries, sein kann.
Laufe ich mit meiner Hündin Bella in der schönen Natur, so werde ich animiert da–rü-ber zu schreiben, was meine Augen sehen. Auch daraus entstanden die schönsten Kurzgeschichten.
Als ich vor über drei Jahren Mitglied im Autorenclub Donau-Ries wurde, durfte ich wunderbare, schreibfreudige Menschen kennenlernen. Jeder schreibt anders, eben auf seine Art. Ich durfte von ihnen lernen und uns alle verbindet Eines, die Liebe zum Schreiben. Diese Kolleginnen und Kollegen gaben und geben mir viele Impulse und ich wagte es, erotische Kurzgeschichten nicht nur zu schreiben, sondern jetzt in diesem Buch zu veröffentlichen. Allein hätte ich es nicht geschafft.
Ich sage ganz besonderen Dank meinem Kollegen Harald Metz, der mich immer unterstützt, wenn es um technische Dinge am PC geht. Durch seine Hilfe habe ich es geschafft, aus den geschriebenen ero–tischen Geschichten ein Buch zu erstellen und in Umlauf zu bringen.
Ich danke meiner lieben Kollegin Gabriele Walter für Korrektur, Tipps und Anregungen. Man lernt nie aus.
Jetzt wünsche ich allen Lesern, dass meine dreizehn erotischen Geschichten ihre Leidenschaften entfesseln.
Die zügellose Nacht zum 1. Mai, man nennt sie die Walpurgisnacht, die an die heidnischen Bräuche der Vergangenheit anknüpft. An Beltane, das Fest der Kelten, das Fest des Lebens, der Fruchtbarkeit. Der Beginn des Sommerhalbjahres. Fröhlichkeit kommt auf, gespendet durch Wärme und Licht. Kräuterkränze zieren die Häupter der Frauen, der Duft der wachsenden Natur hält seinen Einzug.
Tausende von Menschen sind heute noch in der Walpurgisnacht unterwegs. Sie feiern und tanzen hinein in den Wonnemonat Mai. Die Nacht zum 1. Mai wird in Süddeutschland als "Freinacht" bezeichnet, weil junge Menschen dann allerhand unsinnige Streiche spielen.
Der Mythos der wilden Hexenschar in der unruhigen Nacht zum 1. Mai schwebt auch heute noch durch die Köpfe der Menschen. Und lange waren in den Dörfern die Kräuterweiber als nicht ganz geheuer verschrien. Jeder Makel bekam seinen Teufelsstempel aufgedrückt in dieser damaligen rauen, unaufgeklärten Welt.
Schnell wurde den Frauen ein Hexen mäßiges Aussehen unterstellt, wenn sie schön oder klug waren, mit Kräutern heilten, aus der Art schlugen und vielleicht sogar noch mit roten Haaren und einem katzenhaften Blick versehen waren. Dieser Makel, wie sie es damals nannten, ließen die Menschen hinter vorgehaltener Hand flüstern und die Frau verdammen. Noch lange vermutete man hinter den Frauen die Hexe. Ein Wahn, der immer wieder in den Köpfen spukte.
So ging es auch einst der schönen Leni, ein Teufelsweib mit roten Haaren, die wie ein Feuerband, wild und gelockt, weit über ihren Rücken hingen. Ihr katzenhafter Blick und ihre geschmeidige Figur machten sie zum Abbild einer Hexe. Und doch, sie war keine, auch wenn sie in ihrem Dorf von vielen so gesehen wurde, und jeder hinter der Hand Teufeleien über sie verbreitete. Auch die Burschen, die sich vergeblich bemühten, bei der bezaubernden, immer lustigen und doch auch verträumten Leni zu landen.
Ihr wunderschönes Haar hatte sie von ihrer Großmutter geerbt. Weit ging der Stammbaum der rothaarigen Frauen in dieser Familie zurück und leicht haben sie es nicht immer gehabt, die Frauen vom Branderhof, der eingebettet lag in die herrliche Landschaft des Bayerischen Waldes. Dort wo die Natur noch einen ganz besonderen Zauber spiegelte. Die Arbeit dort war hart und die junge Leni war voll eingespannt. Sollte sie doch mal den Hof übernehmen, denn einen männlichen Nachkommen gab es nicht. Sehr zum Leidwesen der Eltern. Obwohl, der Bauer war davon überzeugt, dass sein Mädel es schaffen wird. Schließlich war er ja auch noch da, stand fest in Saft und Kraft, und eines Tages wird sie schon den Richtigen bringen. Der Hof war zwar nicht sehr groß, aber eine kleine Familie würde er schon ernähren.
Die Burschen aber, sie interessierten Leni nicht. Sie waren ihr zu plump und keiner gefiel ihr so recht. Sie träumte von einem feinen Mann, der in ihr das weckt, wonach sie sich sehnte. Die wahre Liebe, Geborgenheit, schöne Dinge, aber auch Lust und Leidenschaft. Eigentlich konnte sie es gar nicht beschreiben, es war eben nur so eine Sehnsucht in ihr. Manchmal verschloss sie die Tür zu ihrem Zimmer, weil sie allein sein wollte, wenn sie sich nackt vor den Spiegel stellte um ihren Körper zu betrachten, und mit den Händen die Konturen ihres wohlgeformten Leibes abtastete. Dann warf sie ihr langes, wildes Haar nach hinten. Mit schmalen Augenschlitzen schaute sie in den Spiegel. Trotz umspielte ihren sinnlichen Mund. Manchmal, wenn die Sonne zum Fenster hereinschien, dann fingen sich die Strahlen in ihrem roten Haar und ließen es wie Feuerfunken sprühen. Ja, sie war verdammt schön und sie hatte das Gefühl, dass sie anders war als die Anderen. Sie war gut gebaut, ihre makellose weiße Haut war weich, und ihr runder Po wölbte sich verführerisch nach außen. Zartrosa Brustwarzen zierten ihre kräftigen, festen Brüste und ein Wust kleiner, roter Locken, auf ihrer leicht gewölbten Scham, unterstrichen ihre heranreifende Weiblichkeit.
Manchmal glitt ihre Hand über ihre Brüste, kreiste mit der Handfläche über die hellen, zarten Nippel. Dann spürte sie, wie sich etwas in ihr regte, das sie so nicht kannte. Nur zaghaft und ganz selten glitt ihre Hand zwischen ihre Beine, berührte sie zitternd ihre Schamlippen und das, was sich dazwischen befand. Die starke Erregung, die dann entstand, machte sie unsicher. Sie wusste, dass dies verboten ist. Sie wusste nicht warum, eben nur, dass man das nicht tut. Und doch, sie spürte etwas, das sie nicht ruhen ließ. Immer wieder kam ihr dabei eine Geschichte in den Sinn, die schon viele Generationen zurücklag.
Damals, als in dieser ländlichen Gegend im Bayerischen Wald die Kräuterweiber heimgesucht wurden. Da war eine auf dem Branderhof, die war mit dem Teufel im Bund, so wird heute noch erzählt, denn ihre Heilungserfolge sprachen sich herum. Sie hatte rote Haare und war sehr schön. „Sie verhext die Männer“, keiften die Frauen. „Und sie treibt es mit ihnen. Ja sie treibt es sogar mit dem Leibhaftigen. Jeden lässt sie ran. Wahrscheinlich verbündet sie sich sogar mit dem Teufel.“ Die Frauen verfluchten sie und kaum einer im Dorf wollte etwas mit ihr zu tun haben. Und doch gingen sie heimlich zu ihr, um sich die heilenden Kräuter zu holen oder sich von ihr behandeln zu lassen. Die Männer kamen in der Hoffnung, von ihr verhext zu werden, damit sie es mit ihr treiben konnten. Doch daraus wurde nichts. Sie schickte sie mit einem bitteren Kräutersud heim zu ihren Frauen. Eines Tages kam ein Fremder in die Gegend. Keiner wusste, wer er war und woher er kam. Ihm gefiel diese außergewöhnliche Frau, die einen so schlechten Ruf hatte. Er traute oft seinen Ohren nicht, was da so in der Schankwirtschaft erzählt wurde. Die Frau interessierte ihn immer mehr, und so machte er sich die Mühe, sie kennenzulernen. Er gewann ihr Vertrauen und ihr Herz und als sie guter Hoffnung war, da nahm er sie zur Frau. Er blieb und baute den heruntergewirtschafteten Hof aus. Er wusste genau, dass nichts von dem stimmte, was da so im Dorf geredet wurde. Die Männer haben Gerüchte in die Welt gesetzt, weil sie bei ihr kein Gehör fanden und die Frauen waren eifersüchtig auf ihre Schönheit, ihre mystische Ausstrahlung, die sie nicht einschätzen konnten. Eine wilde, raue Gegend in der der Aberglaube lange Zeit Zuhause war und meistens auf Kosten der Frauen gelebt wurde.
Leni fühlte sich mit dieser alten Geschichte und mit dieser Urahnin verbunden. Sie wusste nicht warum, aber es war so. Auch ihr wurden schon Dinge nachgesagt, erfunden von den Burschen und auch von den Mädchen. Sie hielt sich seither von ihnen fern. Nur einmal war sie verliebt, doch seinen Eltern war sie nicht gut genug. So wurde es ihr zugetragen. Fast hätte sie sich an ihn verloren, an den Jungbauern aus der großen Mühle. Seine Eltern jedoch hatten ganz andere Pläne mit ihm. Er war schon längst vergeben, als er Leni den Hof machte. Und er wusste das ganz genau, wusste, dass Leni nie als seine Frau in die Mühle einziehen wird. Doch er wollte dieses unnahbare rothaarige Teufelsweib erobern. Er wollte seinen Freunden zeigen, was für ein toller Kerl er ist, und dass sie für ihn die Beine breitgemacht hat. Doch damals lebte ihre Großmutter noch und öffnete ihr die Augen gerade noch rechtzeitig, sonst hätte sie sich einem Mann geschenkt, der sie nicht Wert war. Seither lebte Leni für sich und ihre Arbeit auf dem Hof. Männer interessierten sie kaum noch. Aber eine Sehnsucht steckte in ihr, die sie nicht beschreiben konnte.
Der Hof warf wenig ab, es war ein täglicher Kampf. Leni bat den Vater, doch zwei Zimmer unter dem Dach auszubauen, um sie an Wanderer zu vermieten, die in den letzten Jahren immer mehr in das abgeschiedene Tal kamen. Lange zierte sich der alte Bauer, doch dann gab er seiner Tochter recht. Schon bald war das Werk vollendet.. Gemütlich waren die Räume und sauber. Ohne großen Komfort, doch der war bei den Wanderern nicht so wichtig.
Es war so um die Osterzeit, als eine einsame Gestalt den Weg zum Branderhof ging. Mit kräftigen Schritten ging er über den schmalen, etwas holprigen Weg, der direkt zum Hof führen sollte. Auf den Anhöhen lagen noch Schneereste, doch hier im Tal brach schon langsam die Natur auf. Die ersten Frühlingsblumen spitzten hervor und vereinzelt zeigten sich zarte Blätter an den Bäumen und Büschen. Johannes blieb stehen und schaute sich um in der weitläufigen Natur. Die Landschaft gefiel ihm. Und der Hof, den er auf der Anhöhe erblickt hatte, wirkte einladend.
Auf der Suche nach einem Nachtlager hatte er seine Schritte zunächst in das vor ihm liegende Dorf gelenkt. Da hatte er sich am gestrigen Abend in die Dorfschänke gesetzt und als er so von sich erzählte, meinte einer: „Geh rauf zum Branderhof, die haben Zimmer und eine schöne Aussicht und wenn du Glück hast, dann kannst du die rote Hexe malen.“ Die anderen lachten und Johannes wurde neugierig. Er blieb also nur eine Nacht im Dorf. Und nun war er hier. Noch immer reckte er sein Gesicht in die warme Frühlingssonne und genoss die Ruhe.
Johannes ist Maler, und er möchte gerne hier, in dieser urigen Landschaft Bilder malen. Noch hat er keine genauen Vorstellungen, doch er will sich von diesem schönen Anblick inspirieren lassen und dann seinem Werk nachgehen. Johannes blieb stehen, strich mit seinem Handrücken über seine feuchte Stirn. Ganz schön anstrengend der Marsch, doch es schien sich zu lohnen. Es herrschte Ruhe hier auf dem Hof. Man hörte zwar die Geräusche der Kühe im Stall und anderer Tiere, doch sonst war es ruhig. Es war ja auch Sonntag, da arbeitete keiner. Johannes setzte sich auf die Bank vor dem Haus, streckte die Beine aus und genoss erneut den Rundblick. Tief atmete er die würzige Luft ein.
Er war in der Stadt aufgewachsen, hatte dort die Kunst der Malerei erlernt und beschäftigt sich seit längerer Zeit damit. Er war viel unterwegs, lernte Land und Leute kennen und malte. Das Großstadtleben reizte ihn nicht. Dort hat er seine Sturm- und Drangzeit verbracht und alles ausgekostet. Er führte ein lockeres Leben und auch in der Liebe ließ er nichts anbrennen. Nur keine Verpflichtungen eingehen, war schon immer seine Devise. Die Mädels haben es dem Bruder Leichtfuß einfach gemacht. Schnell konnte er ihre Herzen und auch ihre Körper erobern. Die eine oder andere brachte er auch dazu, ihm Modell zu stehen. So entstand manch schönes Bild, das die Frau in ihrer begehrlichen Nacktheit zeigte. Jetzt aber war er mehr dabei, sich auf Landschaften zu konzentrieren. Und da boten sich ihm hier verschiedene Möglichkeiten.
Ein Knarzen, und Johannes blickte auf. In der Haustüre stand eine junge Frau. Die rote Hexe, fuhr es ihm durch den Kopf, als er Leni erblickte. Sie schaute ihn etwas fragend an. Johannes stieß einen kurzen Pfiff aus, schaute Leni lächelnd an und erhob sich. „Ich bin der Johannes Faller, die vom Dorf haben mich geschickt, ich suche für längere Zeit ein Quartier. Einfach soll es sein und nicht so viel kosten. Ich bin Maler und als Künstler ist man nicht so rosig auf Geld gebettet“.
Leni lachte und reichte ihm die Hand. „Ich bin die Leni, die Jungbäuerin hier auf dem Hof meiner Eltern. Wenn Sie wollen, so zeige ich ihnen die Kammern. Einfach ist es wohl bei uns heroben, aber auch ruhig und schön. Und mit dem Geld, da werden wir uns schon einig werden. Sie können auch Verpflegung haben. Ist halt einfaches Landessen, aber dann müssen Sie nicht immer in die Schänke ins Dorf laufen.“ Noch immer stand Leni im Türrahmen. Die Sonne ließ ihr Haar in einem goldenen Rot glänzen, dass das künstlerische Auge des Malers sich nicht sattsehen konnte an dieser schönen Gestalt. Das Männerherz begann gleichzeitig hochzuschlagen, und als er die dargereichte Hand fest umschloss, da spürte er eine wohlige Wärme, die durch seinen Körper zog.
Wie alt sie wohl sein mochte? Anfang zwanzig? Johannes war dreißig und ihm waren in der Vergangenheit schon viele Frauen begegnet, und er hat sie genossen, war kein Kind von Traurigkeit. Doch so eine rothaarige Schönheit war ihm noch nicht begegnet. Ob sie weiß, wie sie auf Männer wirkt? Ich werde sie malen, nackt. Werde ihren herrlichen Leib auf Leinwand festhalten, ihre zarte Haut, ihr prachtvolles Haar und ihre Augen, die mit einem Blick jedes Männerherz in den Abgrund ziehen können. Johannes schwärmte innerlich und betrachtete sie immer wieder verstohlen.
Das Zimmer gefiel ihm. Es störte ihn nicht, dass sich Toilette und Dusche auf dem Flur befanden. Er wollte hierbleiben, wahrscheinlich den ganzen Sommer. Er hatte nichts vor, sich etwas erspart und so konnte er sich ganz seiner Malerei widmen.
Am Abend waren Lenis Eltern vom Sonntagsausflug zurück. Sie staunten nicht schlecht über den neuen Dauergast und nahmen ihn herzlich auf. Am andern Tag holte er im Dorf sein altes, klapperiges Auto ab, das er am Vortag dort hatte stehen lassen. Er konnte es auf dem Hof in einen Schuppen neben der Scheune stellen. Da deponierte er auch seine Malutensilien.
In der nächsten Zeit war er unterwegs und hielt nach geeigneten Malobjekten Ausschau. Das Wetter war noch zäh, eben April. Da wechselten nasse und sonnige Tage ab. Immer wieder ging er ins Dorf, plauderte am Stammtisch und erfuhr dadurch das eine und andere. „Und, wie gefällt dir die rothaarig Hex vom Branderhof“, wurde er gefragt. „Lässt sie sich malen von dir?“ „Hab sie noch nicht gefragt“, meinte Johannes. „Die doch nicht“, meinte einer, „die ist viel zu eingebildet, die gibt sich auch mit uns kaum ab. Einen Mann hat die bis heut noch nicht gehabt. Obwohl, der Mühlenbub, der hätte es fast mal geschafft.“ Die Männer lachten laut und schauten sich an. „Vielleicht verfällt sie einem Künstler, probier es doch einfach einmal, dann wirst du schon sehen.“ Wieder lachten sie. Johannes wurde nachdenklich. Warum die Feindschaft diesem Mädchen gegenüber? „Ach, die will doch keinen Künstler“, meinte ein anderer. „Die sucht wahrscheinlichen einen Prinzen mit Hörnern. Die sind doch bekannt, die rothaarigen Branderweiber. Keiner hat die je durchschaut.“ Johannes tat Leni fast etwas leid, so wie man hier über sie sprach. Doch er behielt das alles für sich.
Einige Tage später war die Mainacht angesagt. Das Walpurgisfest, wie es hier genannt wurde. Schon lange wurde im Dorf darüber diskutiert. Vor allen Dingen die jungen Burschen und Mädchen hatten es wichtig. Freinacht wird sie hier auch genannt. Da trieben die jungen Burschen so manch schlechte Späße. Locker ging es zu in dieser Nacht. Man feierte, war ausgelassen und die eine oder andere Liebelei setzte sich in Gang.
Leni hatte sich von Johannes überreden lassen, abends mit ihm ins Dorf zu gehen. Früher war sie immer zur Walpurgisnacht mit dabei, aber die letzten Jahre nicht mehr. Die Erinnerung war immer noch schmerzhaft. Damals hatte sie sich als junges Mädchen verliebt. Sie erinnerte sich immer noch, wie der schmucke Bernd von der Mühle sie in dieser Nacht bedrängte, wie er hr alles versprach und sie in den Stadel vom Bürgermeister zog. Noch lange danach hat sie seine Küsse gespürt. Wie sie gezittert hat, als er ihr Mieder öffnete, ihre zarten Brüste berührte, mit seiner groben Hand. Immer wieder hat er sie geküsst, ihr schöne Worte gesagt. Als sie sein forsches Vorgehen abwehrte, hat er gar nicht reagiert. Er war wie von Sinnen. Aber auch Leni befand sich im Rausch starker Gefühle. Sie glaubte seinen schönen Worten, obwohl sie es anders wusste.
Vorher am Feuer stand nämlich Margit bei ihm, die Tochter eines reichen Bauern. Er spasste mit ihr, aber so richtig tat er sich nicht mit ihr zusammen. Und doch brachte er sie nach Hause. Kaum zurück flüsterte er Leni etwas ins Ohr. Und alles war für sie vergessen. Er war hier, und er wollte sie. Leni erkannte nicht, was sich hier abspielte und wenn, dann wollte sie es nicht sehen. Der Bursche hatte es ihr angetan. Nur eine hatte sie in den letzten Wochen immer wieder gewarnt. Ihre Großmutter. Und diese Worte saßen tief, kamen immer wieder hervor. So auch in dieser Walpurgisnacht, als der Bursche von der Mühle sie heftig bedrängte. Er weckte starke Gefühle in ihr. Weckte Träume nach dem Märchenprinzen, der sie nimmt, sie auf die Wolke der Lust führt und ihr die Liebe gibt, nach der sie sich immer sehnte.
Schon saugte er an ihren Brüsten. Sein Saugen erzeugte ein starkes Gefühl zwischen ihren Beinen. Ihre Scham reagierte, wurde feucht. Ihre Liebesperle zuckte, setzte ihren Verstand aus. Schon spürte sie die kräftige Hand des gierigen Burschen unter ihrem Rock, zwischen ihren Beinen, Sie spürte, wie er drängte, ihre Schenkel zu öffnen um ihre Scham zu berühren. „Überlege dir was du tust Leni“, hörte sie mit einem Mal die warnende Stimme der Großmutter. Und Leni erschrak vor sich selbst. Wurde mit einem Moment geweckt aus dem Rausch der Lust und Leidenschaft. Sie schob Bernd zur Seite, richtete ihre Kleidung. Sie verließ die Scheune und auf einem Nebenweg das Fest.
Tage später wurde im Dorf bekannt, dass der Mühlenbub mit der Margit versprochen ist. Leni hat sich zurückgezogen. Man hat über die rothaarige Hex gesprochen, die den Bernd verführen wollte. Leni schämte sich, doch die Zeit arbeitete und immer mehr geriet die Sache in weite Ferne. Die Gefühle aber, die der Mühlenbursche in ihr geweckt hat, als er ihren Körper berührte, ihr Mieder öffnete und auch ihre Schenkel streichelte, das Gefühl blieb tief in ihr verankert. Immer wieder spürte sie eine starke Sehnsucht nach einem Mann, der sie aus ihrem Mädchenschlaf erwecken und zur Frau machen würde.
Leni blickte zu Johannes, der einfach ihre Hand ergriffen hatte. Es tat gut, diese warme, fast schützende Hand zu spüren. Leni fühlte sich auf einmal so richtig wohl. Die Blicke einiger Dörfler interessierten Sie nicht. Von vielen wurde sie sogar freundlich begrüßt. Auch Johannes war inzwischen bekannt und so konnte man diese mystische Walpurgisnacht richtig fröhlich beginnen. Hell loderte das Feuer und die Funken sprühten in die klare, kühle Nacht hinaus. Es wurde gegessen und getrunken. Ein paar Burschen machten Musik. Man war gut gelaunt und erzählte sich schaurige Geschichten von alten Zeiten. Da, wo sie noch lebendig waren die Hexen, die wilde Brut, die das Tal unsicher machte. Da fiel dann doch der eine oder andere Blick auf Leni, die stolz und aufrecht um sich schaute.
Ihr war kalt geworden und sie stellte sich an das wärmende Feuer, das noch immer einen hellen Schein verbreitete. Ihre schlanke Gestalt mit den feuerroten Haaren bildete mit den züngelnden Flammen fast eine Einheit. Es war, als würden sie verschmelzen. Ihr Gesicht bekam einen ganz besonderen Schein, ihr Haar funkelte mit dem Feuer um die Wette. Johannes saß da und betrachtete sich das prachtvolle Bild mit den Augen des Künstlers. Am liebsten hätte er zu einem Block gegriffen, um eine Skizze zu zeichnen. Sie war so schön, die Leni vom Branderhof. Sie verstand es, in diesem Moment und mit diesem Anblick alles zu verhexen, zu verzaubern. Alles in eine Welt zu versetzen, die es heute so nicht mehr gab.
Leni war glücklich und zufrieden in dieser Walpurgisnacht. Sie genoss die Blicke, die auf sie gerichtet waren. Stolz hob sie ihren Kopf, warf die roten Haare in den Nacken und hob die Arme zur Seite, als wolle sie die Welt umarmen. Ein Raunen war zu hören, die Musiker spielten auf. Laut und schnell. Leni fing an, sich nach dem Rhythmus im Kreis zu drehen. Sie tanzte mit den züngelnden Feuerstrahlen um die Wette. Die Nacht war klar und dunkel und der rote Feuerschein hüllte die Gestalt in ein glutrotes Licht, das mit ihren roten Haaren um die Wette funkelte.
Johannes beobachtete das schöne Mädchen, das sich so beschwingt dem Tanz hingab. Und plötzlich sah er sie mit anderen Augen, nicht eingepackt in eine wärmende Jacke. Er sah sie umhüllt mit einem Hauch von durchsichtiger grüner Seide, die ihren biegsamen Körper bedeckte und doch durchblicken ließ, was sich darunter befand. Die Farbe bildete einen verführerischen Kontrast zu ihren roten Haaren, die wie ein breiter Mantel den ganzen Rücken bedeckten. Die zarten Schleier und auch die Haare begannen zu wehen, sobald sie anfing zu tanzen. Sie bauschten sich auf, gaben Teile ihres nackten Körpers frei, um sie dann wieder behutsam einzuhüllen.
Johannes sah ihr Strahlen, dieses entrückte Strahlen auf ihrem Gesicht Er sah aber auch die Ernsthaftigkeit des Gesichtes, das sich ganz dem hier und jetzt hingab. Jemand klopfte ihm auf die Schulter und mit einem Mal wurde er aus seinen sinnlichen Träumen gerissen. „Gfallt dir wohl die Hex!“ Johannes drehte sich um. Hinter ihm stand ein kräftiger Kerl, so groß wie er. „Hat sie dich auch schon verhext, so wie mich damals. Ich hätte sie haben können, die rothaarige Hex vom Branderhof. Im Heu war sie gelegen, in der Scheune. Wir haben uns geküsst, aber wie. Gezittert hat sie, wie ich ihr das Mieder geöffnet habe. Schöne Brüste hat sie und Schenkel sag ich dir, da muss man sich dazwischen legen. Fast hätte ich sie so weit gehabt in dieser Walpurgisnacht vor drei Jahren. Und dann hat sie mich plötzlich weggestoßen. Wie vom Teufel besessen ist sie aus der Scheune gelaufen und war verschwunden. Seither hab ich sie kaum mehr gesehen. Hab eine andere zum Weib genommen, doch die rothaarige Hex, die geht mir nicht aus dem Kopf. Sie gefällt dir, man sieht es. Bist du schon bei ihr gelandet? Sag schon. Oder hat sie dich auch weggestoßen? Schau sie dir doch an, wie die tanzt, da muss sie doch den Teufel im Leib haben. Man sollte ihn ihr austreiben. Die Burschen hier, die sind schon scharf auf sie, doch sie verkriecht sich in ihrer Einöde. Wer weiß wen sie da empfängt in den Kammern die sie jetzt ausgebaut haben auf dem Hof. Wird ja viel erzählt, ob es stimmt weiß keiner so recht.“
Das also ist der Müllerbub, von dem man mir schon erzählt hat, dachte Johannes. Ein stattliches Mannsbild, das muss man schon sagen. Und wie er die Leni beobachtet, mein Lieber, der lässt sie nicht aus den Augen. Sein Blick leuchtet, ja er starrt sie regelrecht an. Die ganze Zeit schon, während er auf mich einsprach. „Du wohnst doch auf dem Hof, sollst sie angeblich malen. Und, wie malst du sie? Nackt? Wie schaut sie aus?“
Johannes drehte sich um. Musterte den Mann von oben bis unten. „Was redest denn du für ein dummes Zeug. Der Feuerschein hat wohl dein Hirn ausgetrocknet. Ich wohne in einer dieser Kammern und wüsste nicht, dass da welche von der Leni empfangen werden. Hast wohl die Niederlage immer noch nicht verwunden. Das ganze Dorf redet über dich, das weiß sogar ich als Fremder. Und außerdem, ich male hier niemanden nackt und schon gar nicht die Leni. Also geh, verzieh dich. Sie will eben von dir nichts wissen. Und außerdem, sie ist eine ganz besondere Persönlichkeit. So einer wie du passt zu ihr nicht. Und überhaupt bist du ja jetzt bestens versorgt. Also kümmere dich um deine Hex daheim.“ Johannes ließ den Müllersohn stehen und ging näher zum Feuer, das so langsam seine Kraft verlor.
Es war spät geworden. Einige sind schon nach Hause gegangen. Leni stand da und blickte in die Glut. Als Johannes neben sie trat, schaute sie ihn von der Seite her an. „Er ist gekommen.“ Ihre Stimme zitterte. „Ich weiß. Und, macht dich das nervös?“ Leni zuckte mit den Schultern. „Er hat mich die ganze Zeit angestarrt, ich habe sie gespürt seine Blicke. Wie Nadeln sind sie in meinen Rücken eingedrungen.“ „Du hast ihn halt verhext und die anderen Burschen auch.“ Johannes lachte. Leni schaute ihn an. Ihre Blicke trafen sich. Johannes hatte das Gefühl, in einem grünen Waldsee zu versinken. Leni lächelte scheu zurück. „Er hat gefragt ob ich dich nackt male.“ Johannes schaute wieder zu Leni. Sie antwortet nicht. „Willst du, dass ich dich nackt male?“ Seine Stimme war jetzt ganz leise und hatte einen zärtlichen Klang. Johannes spürte ein eigenartiges Gefühl, das in ihm aufstieg. Er spielte mit dem Feuer und das verunsicherte ihn, trieb ihn aber auch vorwärts.
Feine Schwingungen bauten sich zwischen den beiden Menschen auf. Sie schauten sich immer wieder an, kurz, dann starrte jeder wieder in die Glut des Feuers. „Weißt du, dass du ein ganz besonders Mädchen bist“, meinte Johannes und schaute weiter in die Glut. „Du bist schön, wunderschön und ich würde dich gerne malen. Aber erst dann, wenn du wirklich dazu bereit bist. Ich möchte dich nicht nackt malen. Ich möchte deine Schönheit, deine Reinheit unterstreichen mit seidigen Gewändern, mit Tüchern die deine Persönlichkeit unterstreichen, deine Blöße bedecken und doch der Fantasie der Sinnlichkeit einen breiten Raum geben.
Manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, dass du mich verhext hast, dass ich mich auf den Flügeln des Adlers bewege und durch die Lüfte gleite auf der Suche nach einer ganz bestimmten Beute. Und irgendwann werde ich sie mit meinen Krallen ergreifen, festhalten und in meinen Horst entführen, der sich hoch oben auf den Berggipfeln befindet.“ Erneut trafen sich ihre Blicke. Sie lächelten sich an und ein kurzer Moment der Ernsthaftigkeit mischte sich darunter. „Was rede ich“, lachte Johannes. „Der Alkohol hat wohl etwas mein Hirn benebelt. Oder war es dein sinnlicher Tanz im Schein des Feuers? Vielleicht aber ist es der Zauber der Walpurgisnacht, der mich umfangen hält. Vielleicht sind sie noch da, die kleinen und großen Hexen, die ihre Irrlichter so streuen, dass es keiner merkt.“
Er griff nach Lenis Hand. „Ich glaube, wir sollten nach Hause gehen. Wir haben doch noch ein Stück Weg vor uns. Auf jeden Fall danke ich dir für den schönen Abend, und dass du mich begleitet hast.“ „Ja es war schön“, flüsterte sie. „Und ich bin froh, dass ich es endlich gewagt habe. Sie können mir alle nichts anhaben, das habe ich heute ganz deutlich gespürt. Jetzt fühle ich mich stark und richtig wohl. Und das habe ich dir zu verdanken.“ Leni nahm ihre Hand zurück, zog die Jacke fest über ihren Körper. Das Feuer war aus und die kühle Nacht zog herauf. Die Gruppen hatten sich aufgelöst. Man hörte nur noch die einen oder anderen Stimmen, die sich langsam entfernten.
In dieser Nacht konnte Leni nicht gut schlafen. So vieles ging ihr durch den Kopf. Heiß stieg es in ihr auf, wenn sie an Johannes dachte und was er so gesagt hatte. Bernd, der sie angestarrt hatte und all die anderen, die lauernd alles beobachtet haben. Bestimmt haben sie wieder hinter der Hand geredet. Doch das störte Leni nicht mehr. Eigenartig, so lange hatte sie sich nicht getraut, zu einem Fest zu gehen und jetzt war gar nichts geschehen. Sie hatte die Blicke ignoriert und das hinterhältige Flüstern. Und noch etwas, Bernd war ihr egal. Der Müllerbub von damals interessierte sie nicht mehr. Ein anderes Bild schob sich davor. Johannes! Wieder wurde es Leni heiß und kalt bei dem Gedanken daran wie er ihre Hand gehalten, wie er mit ihr gesprochen hatte, dort am Feuer. Einfach so, als würden sie sich schon Jahre kennen.
Einige Tage später fuhr Johannes nach Hause. Er müsse noch einiges erledigen, meinte er, um dann die restlichen Sommermonate hier zu verbringen und in Ruhe malen zu können. Leni hatte auf dem Hof genug zu tun. Und doch erwischte sie sich immer wieder, wie sie an ihn dachte und sich fragte, wann er wohl zurückkommt. Die Zeit kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Erst nach fast vier Wochen kam Johannes zurück. Er hatte das Zimmer schon im Voraus für die Zeit bezahlt. Schließlich wollte er nicht, dass die Familie Einbußen hatte.
Es war also alles noch so, wie er es verlassen hatte. Er wusste nicht, dass Leni während seiner Abwesenheit immer einmal wieder in seinem Zimmer war. Da hing sein Arbeitsmantel, sein kariertes Hemd, ein Pullover. Manchmal hatte sie daran gerochen, tief seinen männlichen Duft eingesogen. Es war dann, als würde er neben ihr stehen. Auch seine Bilder in der Scheune hat sie sich angesehen und vorsichtig mit der Hand über die raue Leinwand gestrichen. Dabei hat sie sich vorgestellt, wie es ist, wenn er sie malen würde. So wie er gesagt hat. Nicht nackt, sondern verhüllt mit seidenen Tüchern, die nichts zeigen und doch viel erahnen lassen.
Ein leichter Schauer war ihr bei dem Gedanken immer wieder über ihren Körper gelaufen. Würde sie sitzen oder stehen? Wie müssten die Tücher sein? „Du wirst aussehen wie eine Göttin“, hörte sie ihn sagen. Dabei strich er ihr wildes Haar zurück und berührte sie ganz sanft. Eine heiße Welle ließ sie erzittern. Dann fröstelte sie. Leni merkte, dass sie in der Scheune stand und träumte.
Und endlich war er zurück. Das alte Fahrzeug fuhr laut klappernd in den Hof und scheuchte die Hühner auf. Leni sah auf der Weide nach dem Rechten und hörte von Ferne das Motorengeräusch. Sie hielt für einen Moment den Atem an. Ein fröhliches Lächeln umspielte ihren Mund und dann lief sie los. Sie schürzte ihren Rock um durch das hohe Gras besser laufen zu können.
Als sie das Bauernhaus betrat, hörte sie, wie die Mutter sich mit Johannes unterhielt. Sie hörte sein Lachen, seine feine Stimme. Ihr Herz klopfte. Ja es klopfte richtig laut. Leni presste die Hände darauf, atmete durch, fuhr sich mit gespreizten Fingern durch das Haar und strich die Arbeitsschütze glatt. Noch einmal holte sie Luft und dann betrat sie die Küche. Ihr Gesicht war erhitzt, die Augen blitzten fröhlich. Für einen Moment hatte sie das Gefühl, die Zeit würde stehen bleiben.
Sie stand einfach nur da und schaute ihn an. Johannes lehnte sich lässig in seinem Stuhl zurück. Sein Lausbubenblick tastete sie von Kopf bis Fuß ab. Er nickte anerkennend, und dann verzog sich sein Mund zu einem breiten Grinsen. „Kaum lässt man dich alleine, schon bist du noch schöner geworden“, flüsterte er leise, damit die Branderbäuerin ihn nicht hören konnte, die gerade aus dem Keller etwas holen wollte. Leni errötete und ging langsam auf ihn zu. Noch immer schaute er sie an, streckte ihr seine Hand entgegen. Und als sie sie ergriff, zog er sie zu sich heran. „Hast du mich vermisst?“ Sie nickte und errötete erneut. „Du warst lange weg“, sagte sie mit brüchiger Stimme. „Dabei habe ich aber immer nur an dich gedacht Leni. Du kleine bezaubernde Hexe. Die Walpurgisnacht verfolgt mich noch heute. Wie du am lodernden Feuer gestanden hast, wie dein rotes Haar mit den Funken um die Wette blitzte, wie ich mir vorstellte, dass dich durchsichtige Schleier umhüllen, deinen Körper verdecken und doch deine verführerischen, weiblichen Rundungen hervorheben. Nur davon habe ich geträumt und die Zeit meiner Abwesenheit genutzt. Willst du es sehen? Willst du sehen wie du mich in meinen Träumen verfolgst?“
