Entführt - Samina Lebeau - E-Book

Entführt E-Book

Samina Lebeau

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Beschreibung

In einem Moment ist deine Welt strahlend hell und heil – und im nächsten Moment stehst du vor den Scherben deiner Selbst . // Julia wächst behütet und geliebt auf. Als sie Kofi kennenlernt, einen jungen, einfühlsamen Mann aus Ghana, schient ihr Glück perfekt. Und mit einem Mal ändert sich alles – denn Julia wird von einer Gruppe Männer entführt, die Kofi kennen und nun ihre Chance sehen, inmitten von Deutschland Lösegeld zu erpressen. Und nicht nur Geld nehmen sie, sondern alles, was sie wollen – unter anderem jeden Funken von Julias Würde und ihrem Lebenswillen ... // Entführt. Benutzt. Weggeworfen. Und doch überlebt. Nach einer wahren Begebenheit.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Entführt

Als ich aus meinem Zuhause gerissen und meiner Würde beraubt wurde

Samina Lebeau

Impressum

Samina Lebeau c/o autorenglück #61450Albert-Einstein-Straße 4,

02977 Hoyerswerda

[email protected]

Cover: Canva

Buchsatz: Lebeau

Text: Lebeau

Alle Rechte vorbehalten.

Keine Veröffentlichung, auch teilweise oder Auszüge, ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung der Autorin.

Über Samina Lebeau

Samina Lebeau wurde 1985 im Osten Deutschlands geboren. Sie ist ein Einzelkind – und sehr glücklich über diese Tatsache. So wurde kein weiteres Geschöpf gezwungen, ihre Kindheit zu durchleben. Unter der harten Hand einer gewalttätigen, narzisstischen Mutter und einem depressiven Vater, der sich später das Leben nahm, hatten ihre ersten Jahre wenig Schönes. Das Aufwachsen in einer strengen Sekte trug nicht zur Besserung bei.

Die Beziehung, von der sie sich Flucht aus ihrem Elternhaus versprach, entpuppte sich als toxisches Spielfeld mit einem Mann, der meisterlich mit Gaslighting und systematischer Zerstörung jedweden Selbstbewusstseins umgehen konnte.

Ihre Rettung vor dem Schicksal ihres Vaters fand Lebeau im Schreiben, einer langen Therapie und diversen Selbsthilfegruppen im Internet.

Nun veröffentlicht sie – ihre Geschichten und jene ihrer Leidensgenossinnen, um Frauen in ähnlichen Situationen Mut zuzusprechen.

Nach wahren Geschichten

„Von allen Tieren ist der Mensch das Einzige, das grausam ist. Keines außer ihm fügt anderen Schmerz zum eigenen Vergnügen zu.“ – Mark Twain.

Der Mensch scheint in dieser Hinsicht absolut entwicklungsresistent – denn noch immer fügen wir einander wissentlich Leid zu. Oft erfreuen wir uns sogar am Leid anderer.

Und in den meisten der Fälle trifft es uns Frauen. Zum großen Teil sind wir, diejenigen, die Leben schenken, es erst möglich machen, auch die, die unter der Willkür anderer leiden. Zum Opfer gemacht werden, psychisch wie physisch.

Als wären wir noch immer das schwache Geschlecht. Als wären wir noch immer nicht mehr wert, als das bisschen Leben, das Männer uns gnädigerweise zuerkennen.

Meine Geschichten sind nicht schön. Sie sind kein amüsanter Zeitvertreib, kein Abschalten vom Alltag. Sie sind Mahnmal für tausende Frauen, die in genau dieser Realität leben, jeden Tag aufs Neue. Vielleicht deine Nachbarin. Vielleicht die Mutter des Freundes von deinem Sohn. Vielleicht ... ja, vielleicht auch du selbst. Wir sind nicht allein. Du bist nicht allein.

Zusammen sind wir stark.

Zusammen sind wir stärker als alle Grausamkeiten, die sich die Welt noch für uns ausdenkt.

Mein Traum ist es, dass wir lernen. Uns weiterentwickeln. Dass eines Tages meine Geschichten keine realen Frauenschicksale mehr abzeichnen, sondern nur noch düstere Fiktion sind.

Lass uns gemeinsam träumen.

Prolog – Als zwei Welten kollidierten

Ich gebe zu, mir war nie bewusst gewesen, wie viele Facetten wie Welt hat. Dass in einem einzigen Land so viele unterschiedliche Blasen existieren. Irgendwie war ich blind dafür.

Denn da war auf der einen Seite mein behütetes, geliebtes Elternhaus. Ich war Einzelkind, bekam immer die volle Aufmerksamkeit meiner Mutter und meines Vaters.

An Geld mangelte es uns nie – und auch nicht an Liebe oder Zeit, wie manch einer denken mag. Es wird oft miteinander verknüpft, dass wohlhabende Eltern nur Geld haben, weil sie so viel arbeiten und dann keine Zeit für ihr Kind haben.

Gut möglich, dass dies bei etlichen Familien die Regel ist – dann war ich wohl die Ausnahme.

Denn ich kann nicht zählen, wie oft sich mein Vater freinahm, um mir bei Hausaufgaben zu helfen. Dagegen kann ich ganz genau sagen, bei wie vielen Schulaufführungen meine Mutter gefehlt hat; nämlich bei keiner einzigen.

Sie war immer da.

Immer in der ersten Reihe.

Immer mit einem breiten Lächeln.

Ich hatte immer alles, was ich brauchte. Klamotten, Spielzeug, Schulsachen. Mir war nicht bewusst, dass dies ein Privileg darstellte, obwohl meine Eltern Wert auf einen durchdachten Umgang mit Geld legten.

Irgendwie verschloss ich auch die Augen davor, dass viele andere Kinder und Jugendliche nicht so eine innige Beziehung mit ihren Eltern hatten.

Für mich war es normal.

Ich war geliebt.

Ich war wertvoll.

Deswegen traf mich die Faust in mein Gesicht auf doppelte Weise hart.

Denn hier, in diesem kleinen, dunklen Keller, der nach Unrat, ranzigem Essen und Urin roch, war ich nicht wertvoll. Nicht geliebt.

Ich war … Nichts.

Nur ein Sack voller Geld.

Und nicht einmal mit dem gingen sie zimperlich um.

Der harte Schlag ließ mich zu Boden gehen, benommen stöhnend lag ich auf dem schmutzigen Untergrund. Ich weiß noch genau, wie mein Kopf vollkommen benebelt war und nur dieses eine Wort sich wieder und wieder dort abspielte …

Warum?

Warum war ich hier, an diesem unwirklichen Ort, mitten in Deutschland? Es fühlte sich an, als hätte man mich entwurzelt und an einer falschen Stelle brutal wieder in den Boden gerammt.

Ich hörte eine wüste, tiefe Stimme über mir und ein dreckiges Lachen. Ich verstand die Worte nicht, doch es erschlosss sich aus dem Kontext, dass die gesprochenen Worte abfällig waren.

Man machte sich über mich lustig.

Über die Geschwindigkeit, mit der ich in mich zusammenklappte.

Ja, mein behütetes Leben in meiner Welt hatte mich nicht darauf vorbereitet, einmal blutend im Schmutz zu liegen und gefesselt und ausgezogen zu werden.

Der Anfang

Mein Name ist Julia und ich war zu jenem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt. Wir lebten im Süden Deutschlands, in einer wirtschaftlich starken Region. Meinem Vater gehörte eine Firma und meine Mutter war selbstständig tätig.

Ich hatte ein sehr gutes Abitur gemacht und studierte nun BWL.

Langweilig und öde für die meisten, eine Notlösung, das, was alle studieren.

Aber ich wollte es so. Nicht nur, weil ich so ganz einfach zuhause bei meiner Familie bleiben konnte, sondern auch, weil ich vorhatte, die Firma meines Vaters eines Tages zu übernehmen.

Nicht, weil er das verlangte. Er wollte nur, dass ich glücklich bin.

Und glücklich war ich bei ihnen, bei den Menschen, die mir das Gefühl gaben, ihre ganze Welt zu sein.

Während meine Freunde aus der Schulzeit in die Ferne flohen, weit weg von ihrer Familie, mit dem Ziel, sich selbst zu finden, hatte ich nie das Problem nicht zu wissen, wer ich war. Ich musste mich nicht finden. Mein Platz in dieser schönen Welt war klar.

Ich war Julia, Tochter zweier Freigeister, mit einem genauen Plan für ihre Zukunft.

Punkt, aus.

Der Moment, an dem meine heile Welt langsam, Stück für Stück, aus den Angeln gehoben werden sollte, begann ganz harmlos an einem Montag. Es begann sogar ganz wundervoll.

Der Uni-Tag war vorbei und ich wollte noch einige Sachen für eine Hausarbeit recherchieren. Also führte mich mein Weg nicht nach Hause, sondern in die Bib.

Ich schob die schweren Glastüren der Universitätsbibliothek auf und sog den Geruch von Papier und Staub tief ein. Bibliotheken gehörten seit jeher zu meinen liebsten Orten auf der Welt – tausend Geschichten und Orte, und alle in einem Raum, zwischen Buchdeckeln.

Es war grandios.

Ich fühlte mich wie zuhause, schaltete ab. Zwischen den Regalen, den dicken Bänden, dem Rascheln von Seiten vergaß ich oft die Zeit, und den Lärm des Lebens um mich herum.

Mit meinen Unterlagen unter dem Arm bahnte ich mir einen Weg zu meinem Stammplatz am Fenster. Es war ein perfekter Tag um hier zu sein – das Wetter war denkbar schlecht.

Von draußen klopfte der Regen gegen die Scheibe, Studenten eilten mit Kapuzen über den Hof, alles wirkte irgendwie gedämpft unter den dichten Wolken.

Ich breitete meine Blätter aus, klappte den Laptop auf und drehte mich um, um etwas aus meiner Tasche zu holen – da sah ich ihn.

Zwei Tische weiter saß ein Mann, vielleicht Mitte zwanzig, mit einem aufgeschlagenen Buch vor sich. Kein Ordner mit tausend Dokumenten neben sich, kein Laptop oder Tablet; er wirkte nicht wie der typische Student.

Da war nur er, dieses Buch und sein Notizbuch.

Und trotzdem las er etwas Schweres, Theoretisches – Soziologie, wie ich entzifferte, als er das Buch kurz anhob, um ein Bild genauer zu betrachten. Dann legte er es wieder hin, schrieb konzentriert in sein Notizbuch. Seine Hand bewegte sich langsam, bedacht, sie tanzte förmlich über das Papier.

Ich war nie ein Mensch, der andere anstarrt. Das war unhöflich. Aber hier war es anders.

Ich konnte den Blick kaum abwenden. Seine Haut hatte die dunkle Tiefe von frisch gebrühtem Kaffee, er war selbst im Sitzen sehr groß. Das schwarze Haar war akribisch kurz geschoren und die Wimpern so lang, dass ich sie von meinem einige Meter entferntem Platz aus sehen konnte.

Er war unfassbar attraktiv.

Und als er kurz aufsah, traf mich der Blick aus einem warmen Paar Augen, tiefbraun, selbst im grellen Bibliothekslicht so einnehmend, dass ich mich ertappt wegdrehte.

Hitze breitete sich in meinen Wangen aus – das war unverschämt von mir gewesen.

Einige Minuten vergingen, ich versuchte wirklich, mich zu konzentrieren, doch meine Gedanken schweiften immer wieder ab.

Innerlich schüttelte ich über mich selbst den Kopf, seit wann reagierte ich so auf einen Mann? Gut, mein letzter Freund hatte vor sechs Monaten mit mir Schluss gemacht, als er zu Studienzwecken in eine weiter entfernte Stadt zog, aber das erklärte meinen plötzlich schneller gehenden Atem nicht wirklich.

Es verwirrte mich ziemlich.

So sehr, dass ich fahrig arbeitete und Fehler machte. Schließlich rollte mein Stift vom Tisch, glitt klappernd über den Boden und kam ausgerechnet vor dem Mann zum Stehen.

Ohne zu zögern stand er auf und hob den silbernen Kugelschreiber mit dem Firmenlogo meines Vaters auf.

Wie hypnotisiert starrte ich ihn an, als er auf mich zutrat.

„Hier.“ Seine Stimme war tief und weich, fast melodisch. Er hielt mir den Stift hin und lächelte – nicht aufdringlich, sondern einfach nur freundlich, minimal interessiert.

„Danke“, murmelte ich und nahm ihn entgegen.

Seine Haut war warm unter meinen Fingern.

„Kein Problem. Ich bin übrigens Kofi.“ Sein Lächeln verbreiterte sich, zeitgleich trat er einen halben Schritt zurück. Eine kleine Geste um mir zu zeigen, dass er nicht aufdringlich sein wollte.

Ich blinzelte überrascht. Dieses Maß an Vorsicht war nett.

„Hi. Ich heiße Julia.“

Er nickte und sah kurz zur Decke, als würde er sich den Namen sorgfältig einprägen.

„Schön, dich kennenzulernen, Julia. Du lernst für die Uni?"

Ich nickte, selbst überrascht davon, wie breit das Lächeln auf meinen Lippen war.

Er imponierte mir mit seiner zwanglosen Freundlichkeit. Und in einem Anflug von Kühnheit fragte ich, ob er sich nicht mit seinen Sachen zu mir setzen will.

Er wollte.

Es erklärt sich wohl von selbst, dass wir nicht viel an unseren Unterlagen arbeiteten.

Wir wechselten ein paar Worte, zwanglos und zuerst auch belanglos.

Er erzählte, dass er in einer Gärtnerei unweit von hier arbeitete, dass er schon seit fünf Jahren in Deutschland lebte. Dass er gern in die Bibliothek kam, um zu lernen, weil er sich weiterbilden wollte, Schritt für Schritt.

Ich sagte, dass ich BWL studierte und noch bei meinen Eltern zuhause lebte, die mein Leben finanzierten. Ich erzählte es mit der selben Selbstverständlichkeit, wie ich es immer tat, auch wenn dies bei anderen oft zu einem nachsichtigen Nicken in Verbindung mit einem innerlichen Augenverdrehen führte.

Nicht bei ihm.

Er hörte zu. Wirklich zu.

Und das war es, was mich dazu brachte, mich automatisch bei ihm wohlzufühlen, bei Kofi, dem warmen, interessierten jungen Mann mit den ehrlichen, leuchtenden Augen und dem schönen Akzent.

Als wir uns schließlich verabschiedeten, war es bereits dunkel draußen – und ich war mit meiner Recherche kein Stück weitergekommen.

Stattdessen ging ich mit dem Gefühl hinaus, dass da jemand abgesehen von meiner Familie war, der sich aufrichtig für mich interessierte. Der anders war, als die Menschen um mich herum in meinem Alter.

Und dass ich dieses Anders-Sein zu gerne weiter kennenlernen würde.

Kofi

Zwei Tage später saß ich wieder in der Bibliothek, dieses Mal eigentlich wirklich, um zu Lernen, doch meine Gedanken schweiften ständig ab.

Immer wieder glitten meine Augen über die Regale, suchten unbewusst nach der Gestalt, die mir seit Montag nicht mehr aus dem Kopf ging. Der immer wieder durch meine Gedanken spukte, wie ein ruheloser Geist.

Und tatsächlich – da war er. Kofi, mit demselben Notizbuch, dem konzentrierten Blick, der mir schon beim ersten Mal aufgefallen war.

Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, die Nachforschungen auf meinem eigenen Tisch waren vergessen. Ich versank in die Betrachtung des Mannes, der seine Zeit nach der körperlichen Arbeit als Gärtner damit verbrachte, sich über Psychologie und Ethik zu informieren. Und das, obwohl das Interesse von Männern in seinem Alter sonst bei anderen Dingen lag.

Ich mochte ihn.

Und es erschreckte mich kein Stück, das bereits bei meinem zweiten Aufeinandertreffen mit ihm zu erkennen.

Wovor genau sollte ich auch auf der Hut sein?

Als er mich bemerkte, lächelte er, so natürlich, als hätten wir uns schon Dutzende Male gesehen. Und meine Lippen erwiderten das Lächeln automatisch.

„Hi, Julia. Schön dich zu sehen“, sagte er, so natürlich und ehrlich, dass ich ihm sofort glaubte. „Alles klar bei dir?“

Ich nickte leicht atemlos, spürte, wie mir warm wurde. „Ja. Und bei dir?“

„Das freut mich. Mit geht es auch gut. Nur mein Kopf hat heute nicht so viele Kapazitäten. Ich kann mich nicht so gut konzentrieren. Da dachte ich, ich mache für heute Pause.“

Er zuckte verlegen grinsend mit den Achseln und schloss den dicken Wälzer vor sich.

---ENDE DER LESEPROBE---