Entsorgt 50 + - EmmaLotta Husung - E-Book

Entsorgt 50 + E-Book

EmmaLotta Husung

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Beschreibung

Eine unvorhergesehene Kündigung am Arbeitsplatz, eine ungewollte Trennung in der Partnerschaft. Wir fragen uns im Nachhinein oft, ob es wirklich so weit hat kommen müssen. Die vielen Verletzungen, die vielen Entbehrungen, der große Schmerz. Neues kann nur entstehen, wenn wir vom Alten Abschied nehmen können. Unser Leben war nie als Parkplatz gedacht. Wenn wir erkennen, dass alles, was geschieht, der Stärkung und Entwicklung unserer Persönlichkeit dient, können wir weitergehen. Mit dem Blick nach vorn nähern wir uns einer erfüllenden Zukunft. Das, im Übrigen, ist die große Botschaft dieses berührenden und mit vielen psychologischen Erkenntnissen durchzogenen Buches: Angstfrei auf schwankendem Boden Sicherheit in sich selbst finden können….

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 337

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Impressum 2

Widmung 3

Epilog 4

Human Design 6

Das Human Design Chart 8

ENNEAGRAMM 10

Vorwort 12

Die ersten Lebensjahre 19

Die Schulzeit 35

Die große weite Welt 45

Der erste Blick auf die Realität 57

Saturn-Wiederkehr 61

Säen und Ernten 71

Die Zeiten verändern sich 81

Führungsstrategie: Angst 94

Pluto in Opposition zur Sonne – Shutdown 107

Anpassung an die neue Realität 117

Wenn schon Absturz, dann richtig 130

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl 145

Mit dem Rücken zur Wand 151

Saturn Opposition Sonne 162

Der Tag danach 182

Unternehmerin 190

Das, was wirklich zählt 202

Freiheit und Selbstbestimmung 210

Eine andere Zeit 216

Lebensthemen 231

Nachtrag – Wie ging es weiter? 233

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-043-3

ISBN e-book: 978-3-99131-044-0

Lektorat: Volker Wieckhorst

Umschlagfoto: Jabiru, Paul Hakimata, Sergei Primakov, Nyul, Amorimphoto, Catalin205, Furtaev, Seoterra, Spaxia, Suthiporn Hanchana, Viorel Sima, Denis Vermenko | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: EmmaLotta Husung

www.novumverlag.com

Widmung

Dieses Buch widme ich meinen wunderbaren Vorfahren.

Starken Frauen, denen ich so viel zu verdanken habe:

meinen geliebten Großmüttern

Lieselotte und Martha

sowie meiner Urgroßmutter Emma

Epilog

Mein persönlicher Lockdown:

Freitag, 22.07.2016, mittags 13.00 Uhr

Ein heißer Sommertag. Ich stehe auf dem Bahnsteig am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Züge rattern an mir vorbei, ich nehme es nur verschwommen wahr. Bin ich in einem Albtraum oder in der Realität?

Habe ich gerade wirklich die fristlose Kündigung nach 30 Jahren Tätigkeit in diesem Konzern bekommen? Ohne eine Abmahnung, ohne etwas falsch gemacht zu haben, eiskalt abserviert. In 15 Minuten 30 Jahre einfach ausgelöscht. You are fired.

Zu alt, zu teuer, zu unbequem. Eine von vielen. Aber die Einzige mit der fristlosen Kündigung.

Ich höre die Worte meines Vorgesetzten, der mir in unserem Headquarter lächelnd gegenübersaß und sagte: „Ich könnte Ihr Leben ruinieren, aber das will ich doch nicht.“ Wie in einem Polizeiverhör durfte ich nur mit Ja oder Nein antworten.

Wo bin ich? Wo war ich gelandet, was war passiert?

Alles erschien mir so unwirklich. Träumte ich? In Bruchteilen von Sekunden brach mein Leben unter mir zusammen, zerbröselte in tausend Scherben. Passierte mir das gerade – und warum? Ich fühlte mich paralysiert, wie in einem Paralleluniversum.

Ich stand wie ein Zombie zwischen den Zügen, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Bis heute weiß ich kaum, wie ich nach Hause kam. Der ICE fuhr ab Frankfurt Fernbahnhof nicht mehr weiter. Ich musste zum Hauptbahnhof kommen, ich nahm ein Taxi, während der Fahrt fiel mir ein, ich kann mir das doch eigentlich gar nicht leisten. Fristlos, hämmerte es in meinem Kopf herum. Ab sofort kein Gehalt mehr. Erstmals kam ein Gefühl auf. Angst.

Ich stand also am Hauptbahnhof Frankfurt, es war immer noch heiß, und meine Gedanken waren immer noch vollkommen wirr. Ausgerechnet an diesem Tag hatten alle Züge Verspätung, und nichts ging mehr. Irgendwann um 20.00 Uhr abends kam ich dann an meinem Zielbahnhof an. Ich stieg in mein Auto und fuhr nach Hause.

Nicht im Geringsten ahnte ich, dass dies, was ich erlebte, erst der Anfang von etwas war, das meine Phantasie bis heute übersteigt. Seit dieser Zeit gibt es ein Leben davor und ein Leben danach, und beide haben miteinander relativ wenig zu tun.

Human Design

„Human Design opens the door of the potential of self-love,

a love of life and the love of others through understanding“

Robert Alan Krakower, Begründer des Human Designs

Das Human-Design-System ist für mich eines der faszinierendsten Modelle zur Persönlichkeitsentwicklung. Es zeigt nicht nur, wie Sie sind, sondern wie Sie mit anderen Menschen energetisch interagieren. Es geht darum, seine eigene Wesensstruktur zu erkennen und Strategien für ein Leben ohne Widerstände zu führen.

Weder ist Human Design ein religiöses noch ein spirituelles und auch kein moralisches System. Es beschreibt auf dem Wissen jahrtausendealter Kulturen und modernster Wissenschaft und Forschung einfach einen Mechanismus.

Es löst tief greifende, persönliche Erkenntnisse aus. Schon immer suchte ich nach Wegen, das Leben zu entschlüsseln und mich selbst besser kennenzulernen. Die Suche nach dem „wahren Selbst“ brachte mich schon 2004 in Kontakt mit dem Human Design.

Allerdings war ich erst skeptisch und fing dann immer mehr an, zu erforschen und zu testen, ob denn die Erkenntnisse, die ich herausfand, stimmig sind. Immer weiter drang ich in die Materie ein und verglich die Ergebnisse mit meinen Erfahrungen aus dem Enneagramm und der Astrologie.

Das Human Design zeigt die Person, die Sie wirklich sind. Es handelt sich um ein revolutionäres, neues System zur Enthüllung der DNA unserer wahren Natur. Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, seine Probleme in der äußeren Welt zu lösen, dabei liegen alle Probleme in unserem Inneren.

Glauben Sie mir, ich habe mittlerweile Hunderte von Menschen begleitet mit dem Human Design. Und ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert von der Genauigkeit des Systems, aber noch viel mehr von den Möglichkeiten, die das Human Design den Menschen bieten kann.

Eine tiefe Reise und Erkenntnis zu sich selbst. Jede einzelne Beratung berührt mich immer noch im tiefsten Inneren, und ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen dieses wunderbare System entdecken und für sich und ihr Leben nutzen können.

Lassen Sie sich nicht abschrecken von den Begrifflichkeiten wie Manifestor, Generator, Projektor und Reflektor. Dies sind die unterschiedlichen Typen des Systems. Durch ein Rave Chart sehen Sie, welche Kanäle und Tore Sie haben, ebenso Ihr Profil.

Die wichtigste Erfahrung für mich ist aber immer das Lebensthema eines jeden Menschen. Wofür sind wir hier angetreten bei unserer Geburt? Wenn wir, wie Nietzsche schon sagte, ein Warum haben, dann ertragen wir auch jedes wie im Leben.

Dies ist kein Fachbuch für Human Design. Es geht um meine persönliche Geschichte in Verbindung mit der Generation 50+ und dem Wandel der neuen Zeit. Ich versuchte, den Bezug der Ereignisse mit dem Human Design, der Astrologie und dem Enneagramm in Verbindung zu bringen. Bisher fehlte mir ein Buch, das die Verbindung der einzelnen Systeme in Bezug auf die Realität anhand von konkreten Beispielen zeigt. Ich hoffe, es gelingt mir, Sie ein Stück auf meinem Wege mitzunehmen.

Das Human Design Chart

An einem der Punkte im Hexagramm beginnt Ihre ganz persönliche Lebensreise in dieser Inkarnation. Das Human Design zeigt Ihre Lebensaufgabe an, sozusagen den Sinn Ihres Lebens, warum Sie hier auf dieser Erde sind und was Ihre Bestimmung ist.

Es gibt 5 unterschiedliche Typen. Manifestoren 8 % der Menschheit, Generatoren und manifestierende Generatoren 69 %, Projektoren 22 % und Reflektoren 1 %.

Es gibt 36 Kanäle, die Ihre Einzigartigkeit aufzeigen und 64 Tore, die Ihre Talente und Ihr Potenzial aufzeigen.

Es gibt 12 Profile im Human Design. Das Profil ist wie ein Porträt Ihrer grundlegenden Wesensart. Es stellt Ihre Orientierung dar. Es zeigt, wie Sie mit dem Leben und den anderen Menschen umgehen. Das Profil charakterisiert Ihre Person am treffendsten, und es zeigt Ihnen die Wechselwirkung mit anderen auf.

ENNEAGRAMM

Das Enneagramm ist kein modisches Zauberwort aus der Psycho-Kiste. Das Enneagramm unterscheidet neun archetypische Persönlichkeitsstrukturen und menschliche Charaktermuster. Diese werden bereits in der Kindheit angelegt und begleiten jeden Menschen sein Leben lang. Unsere Wahrnehmung, unser Denken, Fühlen und Verhalten folgen einem dieser Muster – nicht immer, aber öfter, als wir ahnen (und uns auch lieb ist).

Wenn Sie Ihre Muster kennen, dann lernen Sie, sich selbst und andere besser zu verstehen und haben dadurch die Möglichkeit, den roten Faden Ihres Lebensmusters und den Ihres Umfeldes zu erkennen. Aber in erster Linie geht es um die Selbsterkenntnis. Denn bevor Sie andere verstehen können, ist es das Wichtigste, sich selbst zu verstehen.

Wir können aber im weiteren Verlauf auch die Wechselwirkungen erkennen, die uns in Beziehungen unser Leben lang begleiten. Das Enneagramm führt Sie in eine besondere Reise des Lebens. Sie kommen in Berührung mit Ihren ureigenen seelischen „Strickmustern“ und Ihren Familienthemen. Warum Sie so wurden, wie Sie sind. Es geht auch nicht darum, sich zu verändern. Das würde auch nicht funktionieren. Es geht darum, sich selbst zu verstehen und vor allem, sich in seiner Eigenheit und Individualität anzunehmen und sensibel zu werden für die Handlungen, die unser Leben beeinflussen durch die Konditionierung unserer Enneagramm-Nummer.

Die einzelnen Enneagramm-Typen

Enneatyp 1 - Der Perfektionist

Enneatyp 2 - Der Helfer

Enneatyp 3 - Der Dynamiker

Enneatyp 4 - Der Individualist

Enneatyp 5 - Der Beobachter

Enneatyp 6 - Der Loyale

Enneatyp 7 - Der Epikureer

Enneatyp 8 - Der Boss

Enneatyp 9 - Der Vermittler

Vorwort

Schon lange wollte ich dieses Buch schreiben. Aber immer wieder zögerte ich das Schreiben hinaus. Ich wollte nicht nochmals gedanklich zurück in diese dunkle Zeit. Fristlos entlassen – nach 30 Jahren in einem Konzern, der damals Sinn und Inhalt meines Lebens war.

Seit über einem Jahr haben wir alle nun eine neue Situation in Deutschland. Eine Herausforderung, die uns alle fordert. Eine Veränderung der bisherigen Verhältnisse. Unser Leben hat sich verändert und wird sich womöglich noch mehr verändern. Es erinnert mich an meinen persönlichen Lockdown vor über 5 Jahren und wie ich mich damals fühlte. Ohnmächtig, gelähmt und völlig fassungslos.

Aber dieses Mal ist es doch anders. Es betrifft nicht nur mich, sondern uns alle – kollektiv. Ist das tröstend? Nein, ganz sicher nicht. Denn ich wünsche Ihnen allen nicht, dass Sie das erleben, was ich erlebt habe. Allerdings bietet sich eine unglaubliche Chance des Wachstums. Ich höre Sie schon sagen: Wo, bitte schön, soll denn Wachstum sein, wenn ich Gefahr laufe, alles zu verlieren, was mir jemals in meinem Leben wichtig war?

Und ich stimme Ihnen zu. Vorerst. Als mein persönlicher Lockdown damals war, wünschte ich mir sehnlichst, es gäbe jemanden, der das schon erlebt hat und mir einen Rat, einen Tipp, Hilfe geben kann. Und ich bin sicher, es gab genügend, die Ähnliches erlebt haben, aber ich fand diese Menschen zu dieser Zeit nicht, und so versuchte ich, mich allein durch diese Krise zu hangeln. Natürlich gab es einige enge Freunde und Kollegen, die mich anriefen, anschrieben und beteuerten, wie furchtbar das doch alles wäre und wie leid es ihnen tue, was da gerade an Unrecht passiert. Aber davon konnte ich mir nichts kaufen. Denn die meisten waren froh, dass es sie eben nicht betraf, und wirklich ins Handeln kamen gerade mal 3 Menschen. Alle anderen hatten viele Worte, ließen es aber an Taten mangeln. Aber wer von Ihnen kennt das nicht?

Und es ist sogar menschlich. Vom Unglück anderer fühlt man sich nicht gerade angezogen, macht es uns doch bewusst, wie fragil eben unsere Welt ist. Da schauen wir doch lieber gerne weg, in eine schönere Welt, die sich uns zeigt. Man hat ja noch die Befürchtung, dass Unglück gegebenenfalls ansteckend sein könnte.

Dieses Buch ist sehr persönlich, und ich weiß nicht, wie es mir heute ginge, hätte ich nicht vor vielen Jahren den Weg der Spiritualität eingeschlagen. Dieses innere Gefühl, es muss doch noch mehr geben als das, was wir im Außen sehen können. Das Enneagramm, das Human Design und die Astrologie waren meine wertvollen Wegweiser auf dieser Reise zu mir selbst.

Dies ist kein Lehrbuch für die oben genannten Tools. Ich beschreibe ausschließlich meinen Werdegang und meine Erfahrungen, untermalt mit dem jeweiligen Bezug zu diesen Systemen, die mir in so vielen schwierigen Lebensphasen Freund, Tröster und oft auch Retter waren.

Gerade in Krisensituationen, wo wir auf uns selbst zurückgeworfen werden und uns ausschließlich auf das verlassen können, was uns im tiefsten Inneren trägt, ist es wichtig, nach vorne zu schauen. Nicht in die Resignation zu gehen und den Mut zu verlieren. Es geht auch meines Erachtens nicht darum, zu kämpfen. Wir, unsere Generation, wir haben schon genug gekämpft. Für mich zeigt sich der Weg eher darin, innezuhalten, stehen zu bleiben und standhaft zu sein. Nicht in den Widerstand, sondern in den Flow zu gehen. Mit den Energien zu fließen, die uns gerade begleiten.

Ich wünsche mir, gerade für unsere Generation 50+, dass wir aufwachen, unsere Kindheitstraumata hinter uns lassen können und mit ganz viel Zuversicht und Kraft nach vorne schauen können. Es ist alles vorhanden in uns, was wir brauchen. Wir brauchen nichts von außen oder mehr, alles ist schon angelegt in uns. Es geht um Awakening. Das Erwachen einer Generation voller ungenutzter Potenziale.

Das alles in einer Zeit, in einem Jahr 2021/2022, in dem es wahrlich nicht leicht sein dürfte, Zuversicht zu entwickeln. Wenn nicht jetzt, wann dann sollten wir, diese ganz besondere Generation der Babyboomer, endlich anfangen, uns selbst zu leben und nicht das, was wir jahrelang von unseren Eltern gesagt bekommen haben?

Wir haben so vieles übernommen, das nicht wirklich zu uns gehört, und es gilt, uns davon zu befreien. Von falschen Wahrheiten und Konditionierungen, die uns seit der Kindheit hartnäckig die Treue halten. Manches war wichtig und gut für unsere Entwicklung, aber anderes war einfach nur behindernd und hemmend.

Ich finde, es ist an der Zeit, mein jahrelang gesammeltes Wissen mit ganz vielen Menschen zu teilen, Sie zu inspirieren und Ihnen Mut zu machen. Den Mut, Ihren ureigenen Weg zu gehen und nicht Autoritäten zu folgen, denen Sie schon längst entwachsen sind.

Dieses Buch soll in erster Linie eine Hommage an die Babyboomer sein. Die Generation, zu der auch ich gehöre und von der ich glaube, dass sie ein zutiefst in sich liegendes Gerechtigkeitsgefühl im Herzen trägt. Ich bin stolz, dieser Generation anzugehören.

Diese Personengruppe, die auch die „Kriegsenkel“ genannt wird, da unsere Eltern oft noch den Zweiten Weltkrieg erlebt haben oder kurz danach geboren wurden. Also die Generation der Kriegskinder. Dies wird deshalb wichtig, weil es hier auch viel um „German Angst“ gehen wird.

Dies wird jedoch kein klassisches Buch im Sinne einer Erzählung meiner Geschichte. Ich möchte hier das einbinden, was mir in der Bewältigung meiner Themen in den letzten Jahren so sehr geholfen hat und mich so sehr bestärkt hat im Glauben daran, dass es so etwas wie Schicksal wirklich gibt. Das Thema Synchronizitäten hat mich schon immer fasziniert, und einiges wird auch Sie sicherlich in den Bann ziehen.

Spiritualität bedeutet für mich Weisheit, Achtsamkeit, Mitgefühl und Menschlichkeit. Meine geschilderten Erlebnisse möchte ich gerne verknüpfen mit meiner Erklärung der Sachverhalte. Ich nutze daher altes Wissen der Astrologie, des Enneagramms und neues Wissen des Human Designs.

Folgen Sie mir auf einem Weg, der Ihnen das Leben von einer Seite erklären kann, die manches „Aha“-Erlebnis auslösen wird. Vorausgesetzt, Sie sind offen dafür. Ohne open mind wird Ihnen der Zugang zu den Mysterien dieses Lebens schwer zugänglich sein. Vielleicht braucht es auch seine Zeit, denn die Sprachen – gerade die des Human Designs – sind manchmal ungewöhnlich. Aber glauben Sie mir, es lohnt sich.

Als ich Anfang des Jahres 2004 das erste Mal dem Human-Design-System begegnet bin, bin ich relativ schnell wieder ausgestiegen. Die Begrifflichkeiten wie Motoren, Kanäle und Generatoren, damit konnte ich nicht viel anfangen. Und die vielen Zahlen um die Körpergrafik (Rave Chart), das verwirrte mich mehr, als dass es mir etwas erklärte. Aber eine erste Faszination war gelegt. Und ganz langsam, im Laufe von vielen Jahren, konnte ich mich dann annähern. Trotz allem sollte es noch einige Zeit dauern, bis ich dann wirklich von der Materie begeistert war. Nicht nur begeistert, es öffneten sich Türen und Tore (im wahrsten Sinne des Wortes) in eine andere, respektive neue Welt des Verstehens.

Das Enneagramm dagegen war Liebe auf den ersten Blick. Ich verschlang alle Bücher darüber und entwickelte mich im Laufe der Jahre zum Experten. Die unterschiedlichen Typologien zogen mich gleich in ihren Bann, weil ich sie auch beruflich sehr leicht anwenden konnte und ein viel größeres Verständnis für das Anderssein des anderen erreicht werden konnte. Vor allem in beruflichen Kontexten hat mich dieses Wissen sehr unterstützt.

Die Astrologie war gefühlt schon immer an meiner Seite. Mit dem Verständnis der einzelnen Transite konnte ich auch nachvollziehen, warum gewisse Ereignisse in einer bestimmten Zeit aufgetreten sind. Ich lernte loszulassen, wann es nötig war und entwickelte eine Sinnhaftigkeit für das Eintreten mancher Ereignisse. Sowohl im Positiven als auch im Negativen.

Die Reise, auf die ich Sie mitnehme, ist meine eigene Lebensgeschichte. Ich beginne nicht erst bei dem Ereignis, um das es mir im Speziellen geht, sondern viel früher, damit Sie den Zusammenhang auch erkennen können, dem die Synchronizitäten zugrunde liegen. Eigentlich erscheint alles wie von langer Hand geplant. Ich bin sicher, wenn Sie Ihre Biografie aufschreiben würden, ginge es Ihnen sicherlich genauso. Probieren Sie es aus. Seien Sie mutig und schauen Sie auf Ihr Leben, als sei es eine Geschichte, ein Buch, speziell für Sie geschrieben und ausgewählt. Wir alle haben die Wahl, unser Leben als Drama zu sehen oder als Komödie. Es hilft, wenn man weder das eine noch das andere zu sehr betont.

Denn wir alle haben unsere ureigene Geschichte. Es gibt keine zweite Person, die Ihr Leben leben kann. Sie sind individuell und ganz speziell. Und beim Lesen unserer eigenen Geschichte wird uns der rote Faden darin bewusst. Wenn ich – durch meine Erfahrungen und Erforschungen – dazu beitragen kann, dass Sie Ihr Leben in einem neuen Kontext und mit mehr Dankbarkeit sehen, dann hat sich dieses Buch gelohnt.

Als ich am 22.07.2016 mein zerbrochenes Leben vor mir sah, haben mir zwei Bücher ganz extrem geholfen. Das eine war ein Buch über eine unglaublich starke Frau, die nach einem Unfall ihre ganze Haut verbrannt hatte und sich jahrelang in das Leben zurückkämpfen musste. Sie zeigte mir auf, wie gut es mir als gesundem Menschen geht, und ich bin zutiefst dankbar, dass mir dieses Buch zu einer Zeit in die Hände fiel, als ich es brauchte. Das zweite Buch war das Buch einer Schweizerin, die ebenfalls ihre Gesundheit, ihre Arbeit und dann noch ihre Partnerschaft verloren hatte und um ihre Existenz kämpfte. Beide Frauen haben meinen tiefsten Respekt und meine Bewunderung für das, wie sie ihr Schicksal gemeistert haben.

Es zeigt, dass wir – egal wie stark die jeweilige Lebensveränderung ist – immer wieder Licht am Horizont sehen werden. Es ist niemals das Ende. Oft ist es sogar der Anfang von etwas Neuem. Manchmal zeigt sich das Neue nicht gleich am Anfang als das, was wir uns gewünscht haben. Oft hadern wir erst mal mit der neuen Situation. Das Ego hätte es gern anders. Aber nach einiger Zeit entdecken wir die Schönheit und die Sinnhaftigkeit in dem, was damals geschehen ist. Und daraus erwächst etwas, das unserer eigenen Entwicklung dient.

Denn wir sind hier auf diesem wunderbaren Planeten, um zu lernen. Um unsere Lebensaufgabe wahrzunehmen. Um zu dem Menschen zu werden, als der wir geboren wurden. Oder sind Sie der Meinung, dass wir uns hier 85 schöne Jahre machen werden und dann zurück in das Paradies gehen können, aus dem wir gekommen sind?

Kennen Sie einen Menschen, der durchgehend glücklich und zufrieden hier auf Erden weilte? Wenn ja, dann hat derjenige Sie ganz schön belogen. Oder er/sie hat sich selbst belogen. Und auch wenn wir alle uns oft aufregen über so manche Ungerechtigkeit hier auf Erden: Es gibt eine Gerechtigkeit, und die lautet: Wir alle haben unsere Lernaufgaben. Und meist holen sie uns dann ein, wenn wir glauben, alles ist so schön, dass es bleiben soll, wie es ist. Sicher kennen viele von Ihnen noch die Kaffeewerbung aus den 80er-Jahren, als die Frau auf dem Boot ihrem Mann diese Antwort gibt, als er sie fragt, was sie sich denn noch wünscht.

Alles soll so bleiben, wie es ist. Das hätte auch zu mir passen können. Veränderungen kann ich nämlich eigentlich nicht ausstehen. Und ausgerechnet ich muss mich permanent mit Transformation auseinandersetzen, da meine Lebensaufgabe genau damit verbunden ist. Veränderung, und zwar kontinuierlich und permanent.

Dabei gibt es sicherlich viele Menschen, die sich genau danach sehnen würden, aber die wiederum haben ganz andere Lebensaufgaben.

Auch wenn viele Passagen meines Buches humorig erscheinen, darf ich Ihnen versichern, dass mir oft mehr zum Weinen als zum Lachen war. Heute, mit Abstand, kann ich manches anders sehen, aber die Situationen gingen für mich oft über das Erträgliche hinaus.

Nunmehr nehme ich Sie mit auf meinen ganz persönlichen Weg. Und ich freue mich, wenn ich Sie ermutigen, ermuntern und inspirieren kann mit meinen Zeilen.

Die ersten Lebensjahre

In jedem Kind ist eine spezifische Lebensaufgabe eingraviert,

wenn es auf die Welt kommt.

(Richard Rudd)

Es war ein strahlender Sonntag im Hochsommer, so erzählte es zumindest meine Mutter, als ich geboren wurde. Als Sternzeichen Krebs mit Aszendent Löwe. Wasser mit Feuer. Das Feuer wird durch das Wasser gelöscht. Oft fragte ich mich, wie wohl mein Leben verlaufen wäre, wäre ich als Löwe mit Aszendent Krebs geboren. Wahrscheinlich einfacher, denn meine Krebs-Natur bricht immer wieder hervor. Manchmal übernimmt auch der Löwe das Zepter, aber dann wird es meist unbequem – für mich. Denn irgendwie akzeptieren die anderen den Löwen in mir nicht. Als Krebs ist man einfach angepasster und ruhiger und somit bequemer für die Mitmenschen. Obwohl der Krebs ein kardinales Zeichen ist und somit Führung beansprucht. Aber davon war ich erst mal weit entfernt.

War ich doch eher ein ruhiges Kind, wenig rebellisch. Aber das war meine Überlebensstrategie. Rebellisch zu sein, muss sich ein Kind auch leisten können. Mit einer sehr strengen Mutter – wie ich sie hatte – war Rebellentum ein Luxus, den ich mir nicht erlauben konnte. Also wurde ich angepasst. Und natürlich war ich ängstlich. Um nicht zu sagen, überängstlich. Ein kompletter Schisser zu Deutsch gesagt. Einem Mädchen verzeiht man das vielleicht eher als einem Jungen. Aber ich selber konnte mir das damals schon nicht verzeihen und war oft voller Scham diesbezüglich. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, denke ich oft, dass ich eigentlich kein Kind sein durfte. Ich musste schon immer erwachsen sein. Zumindest kam es mir so vor. An Unbeschwertheit erinnere ich mich nicht, eher schon damals an eine gewisse Schwere und Melancholie.

Meine Eltern waren jung, meine Mutter gerade mal 18 Jahre alt und mein Vater 24 Jahre alt. Sie waren sehr verliebt ineinander, aber ein Kind wollten beide noch nicht. Ich war also nicht geplant. Beim Blick auf die Hochzeitsbilder starren zwei junge Menschen in die Kamera, die so gar nicht glücklich wirken, eher so, als hätten sie gerade saure Essiggurken gegessen. Dabei beteuerten beide, dass sie sich sehr geliebt haben. Vor allem mein Vater betonte immer, dass meine Mutter seine Traumfrau gewesen sei. Ich nahm ihm das – zumindest für den großen Teil der 55 Jahre dauernden Ehe – ab.

Die etwas säuerlichen Mienen zeigten einfach nur, dass die Eltern der beiden jung Verliebten nicht ganz so von der Idee der schnellen Heirat überzeugt waren. Die Familien waren sich einfach zu unähnlich in ihrer Herkunft. Diese Reibereien bekam ich natürlich als Kleinkind schon immer mit. So stand ich schon als Kind zwischen den Fronten. Die eine Seite war politisch völlig diametral zur anderen. Mein Opa mütterlicherseits war großer Willy–Brandt- und SPD-Fan, und meine Oma väterlicherseits war eine begeisterte Anhängerin von Franz Josef Strauß. Und ständig musste ich mir jeweils die Beschwerden anhören über die Gegenseite. Ich war viel zu klein und zu jung, um zu verstehen, um was es ging, aber die Sozis lagen mir irgendwie nicht. Links ging schon gar nicht, denn damals floh meine Großmutter vor dem Kommunismus und hasste ihn zeitlebens.

Aber ich liebte beide Seiten abgöttisch. Noch heute bin ich sehr dankbar für die wunderbaren Großeltern, die ich hatte. Sie haben mich in vielem geprägt und mein Leben sehr bereichert. Und ich hatte das Glück, dass sie mich doch sehr lange in meinem Leben begleiten konnten.

Ich wuchs in einem Dorf auf, wo es noch viele grüne Wiesen gab und wo wir Kinder stundenlang auf der Straße spielen konnten. Man traf sich draußen, und die ganze Umgebung wurde zur Spielwiese. Kennen Sie noch Gummihüpfen? Das Spiel, das man zu dritt spielen konnte. Einer musste immer hüpfen und das Gummi wurde immer höher gehängt. Das waren noch Zeiten. Heute würde ich noch nicht mal übers Gummi um die Knöchel kommen. Wann hat eigentlich diese furchtbare Arthrose in den Knien angefangen? Ich frage mich wie damals in meiner Lieblingssendung mit Paulchen Panther: „Ist es wirklich schon so spät?“

Sportlich war ich ohnehin noch nie. Ich muss mich zur Bewegung zwingen. Ich bin eher der Mensch, der tagelang ein Buch lesen kann, aber vergisst, dass er noch einen Körper hat. Eine Karriere als Leistungssportler war somit von klein auf an ausgeschlossen. Nichts und niemand hätte mich je dazu motivieren können. Meine Mutter hatte immer die Ambition, dass ich mich mehr bewegen sollte und wollte mich im Sportverein anmelden. Etwas, wogegen ich mich immer erfolgreich gewehrt habe. Schon das Wort „Verein“ hat mich zum Flüchten veranlasst. Natürlich wusste ich damals nicht, dass ich den Human-Design-Kanal 21-45 habe.

Ich behaupte mal, Sie werden keinen einzigen Menschen mit diesem Kanal finden, der in einem Verein Mitglied ist. Egal, ob es sich um einen Hasenverein oder Kegelverein handelt. Aber sollte es doch einen Mitmenschen geben, der einem Verein beigetreten ist, so wird er zumindest nicht oft dort zu finden sein.

Eher schon bräuchte es den Kanal der Gemeinschaft (37-40), dann hätte man daran wohl mehr Freude. Den Sport, den ich gerne hätte machen wollen, das wäre doch eher Tennis gewesen. Aber das sah meine Mutter überhaupt nicht ein. Das hätte ja richtig viel Geld gekostet, und wenn ich schon nicht ihrem Willen folgte, doch in den Sportverein zu gehen, dann gab es auch nichts anderes, und schon gar nicht so einen damals teuren Sport wie Tennis.

Meine Mutter hatte schon immer etwas Diktatorisches, was ihr auf den ersten Blick überhaupt nicht anzusehen war. Sie ist Widder und dazu noch ein Manifestor. Schlimmer geht es nicht für ein sensibles Krebs-Kind, das dem ja gar nichts entgegenzusetzen hat.

Ich war ein Träumerchen mit einer ganz sensiblen Seele. Neptun in Haus 4. Da lebt man sehr viel im Kopf, in der Phantasie und in seinen Träumen. Wenn man jedoch solch ein Kind ständig antreibt und ihm die Träume verbietet, kann man dieses Kind brechen. Aber Träumer waren für meine realistisch und logisch denkende Mutter absolute Faulpelze. Und das zeigte und sagte sie mir oft mehr als deutlich. Schon als Kind fühlte ich mich wie beim Militär. Es gab nichts, dass sie mir nicht vorschrieb. Es war die totale Kontrolle. Es gab nur Vorschriften. Dafür kam die Kuschelzeit und liebevolle Zuwendung um einiges zu kurz.

Die Zuwendung und Liebe, die ich so sehr vermisste, holte ich mir bei meiner wundervollen Großmutter. Sie erzählte uns Kindern immer herrliche Geschichten aus ihrer eigenen Kindheit. Ganz im Gegensatz zu mir war sie als Kind das verwöhnte Prinzesschen, das alles bekam. Als drittes Kind einer wohlhabenden Familie wurde sie natürlich von ihren zwei älteren Brüdern gnadenlos verwöhnt und hat jeden Wunsch erfüllt bekommen.

Meine Cousins und ich saßen dann staunend mit großen Augen am Esstisch, vor uns die süßen Getränke, die wir als Kinder so liebten, Oma kochte und erzählte uns die ganzen Geschichten. Meine Mutter intervenierte natürlich und meinte, aus der ungesunden Ernährung resultierten meine späteren Gewichtsprobleme. Hätte sie Ahnung von Astrologie gehabt, hätte sie gewusst, dass ihre Tochter den Aspekt Mond Quadrat Jupiter im Geburtshoroskop hat, der dafür zuständig ist, dass Menschen eher zur Fülle als zur Askese neigen. Sollten Sie die Venus in Haus 1 haben, dürfen Sie sich als Glückspilz sehen, denn diese Menschen verfügen in der Regel über ein sehr attraktives Äußeres. Aber selbst wenn ich das entzückendste Kind der Welt gewesen wäre, hätte meine Mutter noch einen Makel gefunden. Sie ist ein Enneatyp 1 und sieht immer bei anderen den Splitter im Auge, aber den Balken vor ihrem Kopf, den kann sie nicht wahrnehmen. Begegnet Ihnen also jemand in Ihrem Leben, der Sie ständig kritisiert und Sie optimieren möchte, dann haben Sie wohl solch ein Exemplar erwischt. Sehr unangenehm, wenn man diesen Menschen in der Form als Chef oder als Partner begegnet. Als Mutter, die ein Kind prägt, natürlich ein Fall von echtem Pech. Doch wie immer liegen Pech und Glück nah beieinander. Manches Kind hätte eine strenge Mutter möglicherweise zu mehr Erfolg angespornt, mich jedoch hat es in erster Linie demotiviert und mich unter meinem wirklichen Leistungsniveau und Talenten bleiben lassen.

Ganz anders natürlich die gemeinsame Zeit mit meiner geliebten Großmutter. Die Geschichten von ihr waren einfach zu spannend. Wir Kinder erfuhren relativ früh, wie die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sich anfühlte und wollten natürlich alles genau wissen. Wie gebannt saßen wir da und hörten zu. Und sie prägte natürlich unser Meinungsbild auch als spätere Erwachsene.

Sicherlich waren die Geschichten meiner Großmutter subjektiv, denn sie sah es natürlich aus ihrer Perspektive, andere Menschen hatten sicherlich eine ganz andere Sicht der Dinge über die Geschichte der Jahre 1933 – 1945. Ihre Erzählungen nährten natürlich meine Phantasie, und so gab es genug spannenden Stoff für weitere Träume. Der sowieso ungeliebte Kindergarten konnte mir das überhaupt nicht bieten, was ich hier bei meiner Oma erlebte. Ich liebte die Nachmittage bei ihr und die vielen Geschichten.

Interessanterweise erzählte die andere Großmutter mütterlicherseits sehr wenig über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier gab es keine Geschichten. Sie kam aus einer ganz anderen Welt. Und es gab ja noch den Opa und den Rest der Familie, der sich immer im Haus der Familie traf. Hier ging es weniger um das, was die Enkelkinder wollten, hier war das Reich der Erwachsenen, und es musste sich angepasst werden. Hier war keine Zeit für viel Firlefanz und Erzählungen. Hier wurde was geleistet, gekocht und debattiert – aber unter Erwachsenen.

Oma war immer in Aktion. Meist trug sie eine Schürze. Da wurde gebacken, gekocht, und es gab immer etwas zu tun. Sie war eine sehr couragierte Frau, die alle auf Trab hielt, inklusive den Opa, der relativ wenig zu sagen hatte.

Zur Ruhe kam ich dort nicht, und auf meine Sensibilität wurde dort auch wenig Rücksicht genommen. Es ging dort eher rustikal zu. Aber es herrschte eine große Herzlichkeit, und jeder war willkommen. Immer wenn ich heute an meine Großeltern denke, dann erlebe ich eine große Wärme und Zuneigung. Mein Elternhaus erlebte ich eher als kühl und desinteressiert. Was wir Kinder wollten, spielte wenig bis keine Rolle.

Meine Mutter achtete immer sehr darauf, was „die anderen sagen“. Wer die „anderen“ tatsächlich waren, hat sie so direkt nie geäußert. Aber ich sollte schon einen guten Eindruck hinterlassen. Das war extrem wichtig. Selbst im hohen Alter verabschiedeten mich meine Eltern mit den Worten: „Halt dich gut.“

Was nervte mich dieser blöde Satz. Was bedeutet der denn übersetzt? Mach uns keine Schande, verhalte dich ordentlich, blamiere uns nicht – so meine Interpretation. Eigentlich habe ich das ein Leben lang eingehalten. Eher unbewusst, ich kannte gar kein anderes Verhalten als ein sogenanntes „korrektes“ Verhalten. Ich wäre gerne mal ausgeflippt, hätte mich komplett danebenbenommen oder wäre aus dem Rahmen gefallen. Aber irgendwas tief in mir hat mir das immer verboten. Die strenge Stimme meiner Mutter verfolgt mich heute in Form meines inneren Kritikers immer noch. Tatsächlich habe ich die so verhasste Stimme von ihr heute in mir drinnen. Sie kritisiert mich ständig, nie fühle ich mich gut genug oder meinen eigenen Ansprüchen entsprechend. Doch ich sollte viele Jahrzehnte benötigen, bis mir das erst aufgefallen ist. Dabei hasste ich die Strenge meiner Mutter so sehr, und später übernahm ich das selbst mir gegenüber und trieb mich permanent an. Niemals fühlte ich mich gut genug. Ständig kritisierte ich mich selbst. Sollten Sie ebenfalls einen Mond- Quadrat-Saturn-Aspekt in Ihrem Geburtshoroskop haben, so werden Sie meine Äußerungen direkt bejahen können. Mit dieser Konstellation haben Menschen meist eine gestörte Mutter-Kind-Konstellation bzw. keine gute Mutter-Kind-Beziehung, dies hat zur Folge, dass das Kind in späteren Jahren ein mangelndes Selbstvertrauen hat.

Mit 3 Jahren musste ich in den Kindergarten. Ein wahrer Albtraum begann. Ich war noch nie ein Gruppenmensch, und jetzt musste ich mich in die Schar von 20 Kindern einfügen. Den Kindergarten und das Haus meiner Eltern trennte nur eine große Wiese. So saß ich im Hochsommer höchst unmotiviert in einem Sandkasten und blickte sehnsüchtig auf unser Haus. Wie gerne wäre ich zu Hause geblieben. Ich konnte mit der Schippe im Sandkasten nichts anfangen. Kontakte im Kindergarten mied ich. Die anderen Kinder suchten auch nicht meine Nähe. Einsam fühlte ich mich jedoch nicht. Die Interessen der anderen Kinder waren eben nicht die gleichen wie die meinen. Das sollte sich in den folgenden Jahren, auch während der Schulzeiten, fortsetzen. Ich fand die anderen Kinder doof und diese mich auch, und es gelang mir daher auch nicht, mich zu integrieren.

Mit 4 Jahren brachte mir mein Vater das Lesen und Schreiben bei. Das machte mir richtig Spaß, denn ich wurde eine totale Leseratte. Jetzt langweilte mich der Kindergarten noch mehr. Gelernt habe ich dort eigentlich nichts. Mit den Kitas von heute ist das gar nicht mehr zu vergleichen. Man wurde dort abgegeben, damit die Eltern ihre Ruhe hatten – so kam es mir vor. Es waren ja auch komische Anwesenheitszeiten. Morgens von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr. In den Pausen ging ich dann immer zu meiner Oma. Wenn ich Glück hatte, musste ich dann mittags gar nicht mehr hingehen, aber das musste heimlich geschehen, denn meine Mutter achtete streng auf die Einhaltung der Kindergartenzeiten. Der Enneatyp 1 legt Wert auf korrektes Verhalten. Ausnahmen nur im Krankheitsfall, aber dann bitte nur mit hohem Fieber und Entschuldigung. Bis heute reagiere ich allergisch darauf, wenn mir jemand meine Pflichten erklärt. Sie können sich vorstellen, dass im späteren Berufsleben die Enneatyp-1-Kollegen, -Chefs und -Mitarbeiter nicht meine Freunde wurden. Bis heute reagiere ich allergisch auf Vorschriften von vermeintlichen Autoritätspersonen, aber auch Freunden und Bekannten.

Wobei ich fairerweise sagen muss, dass ein Enneatyp-1-Mitarbeiter seine Arbeit hervorragend macht und vor allem sehr verantwortungs- und pflichtbewusst ist. Einer meiner Mitarbeiter hatte in 7 Jahren nicht einen Fehltag. Ich habe diesen Herrn sehr geschätzt, auch wenn er mich oft auf die Palme brachte mit seinen vielen Einwänden und kritischen Äußerungen. Im Nachhinein erkannte ich jedoch, wie wertvoll er für unser Team war. Wie immer merkt man dies erst, wenn jemand dann das Unternehmen verlässt und eine Lücke hinterlässt, die so schnell nicht zu schließen ist.

Aber alles im Leben hat seine Vor- und seine Nachteile. Es gibt kein Gut oder Schlecht, sondern nur ein anders sein. Und je nach dem eigenen Typus erlebt man etwas als in Ordnung oder als gängelnd. Natürlich erlebe ich den Enneatyp 1 als zu stark regulierend. Das hat aber eher mit mir selbst als mit dem anderen zu tun.

Unsere kindheitlichen Prägungen formen unser späteres Leben. Daher ist es nie der andere, der verkehrt ist, sondern immer das, was wir vermeintlich wahrnehmen und sehen können. Wir können niemals objektiv urteilen, sofern wir immer in der Subjektivität unserer Kindheit gefangen sind.

Wie ich ja schon erwähnt habe, bin ich ein Mensch, für den Freiheit ein hoher Wert ist. Dies hat sich schon als Kleinkind im Kindergarten gezeigt, aber dort eher verhalten. Mit zunehmendem Lebensalter wird es aber immer stärker sichtbar. So geht es uns doch allen. Die uns wichtigen Werte können wir viele Jahre und Jahrzehnte für uns behalten, aber eines Tages werden sie deutlich sichtbar in unserem Verhalten. Halten Sie doch kurz inne und fragen Sie sich: Was können Sie nicht mehr unterdrücken? Was ist Ihr stärkster Wert im Leben? Bei meinen Klienten in den Beratungen des Human Designs und des Enneagramms stelle ich fest, dass das, was uns wirklich ausmacht, gesehen werden möchte. Meist erst im zweiten Lebensdrittel, bei manchen Personen auch schon in der zweiten Lebenshälfte. Wir können nicht mehr die Person verleugnen, die wir wirklich sind. Die kindliche Konditionierung will abgestreift werden. Es drängt uns danach, die Person zu sein, die wir wirklich tief in uns sind. Denn wir spüren instinktiv, dass das der Weg zu unserer Erfüllung, zu mehr Zufriedenheit und am Ende zum Sinn unseres Lebens ist.

Die Kindergartenzeit ging an mir vorüber, und es gab aber noch etwas anderes, das mir so gar nicht behagte. Die Urlaube mit meinen Eltern. Sie waren jung, sie waren verliebt, und sie wollten verreisen. Leider passte aber mein Urlaubswunsch nicht mit dem meiner Eltern zusammen. Und es war mir auch ein Gräuel, zwei Wochen auf meine geliebte Großmutter zu verzichten. Ich bin ohnehin kein Reisefreak, auch heute noch nicht. Meine Reisen führten mich immer in das Innere. Ich konnte auf große Reisen gehen, ohne dass ich mich vom Fleck bewegen musste. Das konnte natürlich vor allem meine Widder-Mutter nicht verstehen. Mein Vater war regelmäßig vom Stress der Reise überfordert, und das übertrug sich voll auf mich. Er konnte sich ebenso wenig wie ich auf Neues einstellen, und das Reisen mit all seinem Gepäck und den Anforderungen der langen Fahrt, das machte ihn jedes Mal launisch. Er war ohnehin sehr sensibel und wenig belastbar, was Stress von außen betraf. Heute weiß ich, dass mich sein Stress mit voller Wucht traf. Durch mein offenes emotionales Zentrum nahm ich alle Emotionen von ihm auf, und das wiederum stresste mich doppelt. Es ist für Sie wichtig zu wissen, wenn Sie ein nicht definiertes Emotionalzentrum haben, dass Sie alle Emotionen in Ihrem Umfeld verstärkt wahrnehmen, vor allem von Menschen, die das Zentrum definiert haben. Sollten Sie Eltern sein und ein definiertes Emotionalzentrum haben, ist darauf zu achten, dass Sie emotional stabil sind, vor allem, wenn Ihre Kinder ein nicht definiertes Emotionalzentrum haben. Diese Kinder nehmen die Emotionen ihrer Eltern, vor allem auch die eher negativen, doppelt stark auf.

War die Fahrt ins Ausland gelungen, so standen am Urlaubsort noch einige Herausforderungen an. So sehr ich das Meer liebte und immer noch liebe, so sehr hasste ich – Camping. Meine Eltern liebten das Campen. Für die beiden war es wohl romantisch. Aber natürlich hatte es auch sicherlich finanzielle Gründe, denn es war ja auch ein günstiger Urlaub. Einmal im Jahr ging es nach Italien oder Spanien. In einem alten, klapprigen Ford ging es mit der ganzen Ausrüstung in Richtung Süden. Alle waren gut gelaunt – bis auf mich. Ich saß mit verdrießlicher Miene auf dem Rücksitz und konnte keine Freude aufbringen. Spürte ich doch ganz genau die Nervosität und Angespanntheit meines Vaters, der mir wiederum auch leidtat. Meine Mutter merkte natürlich – nichts! Als Manifestor fehlt ihr jegliches Feingefühl.

Auf dem Campingplatz in Bella Italia stand auch in unmittelbarer Nähe ein großes Hotel. Ich weiß noch, dass ich mit gerade mal fünf Jahren meine Mutter fragte, warum wir denn nicht in das Hotel gingen. Sie war total entsetzt und machte mal wieder die Oma väterlicherseits verantwortlich für meinen Spleen. Es gibt kein Hotel, basta. Eine andere Antwort bekam ich nicht. Gefühlt habe ich jeden Urlaub meiner Kindheit auf dem Campingplatz verbracht.

Seither bin ich geschädigt. Ich habe nie mehr einen Campingplatz betreten oder ein Wohnmobil angeschaut. Freunde von mir haben vor einigen Jahren ein Luxus-Wohnmobil gekauft und haben mir dies ganz stolz vorgeführt. Leider konnte ich ihre Begeisterung nicht teilen, versuchte aber, etwas Freude zu zeigen, ich wollte die beiden nicht zu sehr enttäuschen. Es ist einfach nicht meine Welt. Womöglich liegt dies ebenfalls an meinem Enneagramm–Typus, gepaart mit meinem 21-45-Kanal.

Aber wie gut, dass Menschen so unterschiedlich sind, denn es gibt ja momentan einen riesigen Hype nach diesen Caravan-Messen.

Da sich also nach meinen Kindheitswünschen seitens meiner Eltern ohnehin nie gerichtet wurde, blieben sie also stur bei ihren Camping-Urlauben. Dies änderte sich auch nicht, als 6 Jahre nach meiner Geburt mein Bruder auf die Welt kam. Ein Löwe-Männchen. Von Anfang an spielte er die Hauptrolle in unserer Familie.Da er eine nicht definierte Kehle hat, wasim Human Design bedeutet, dass er in Verbindung mit Menschen, die das Kehlzentrum definiert haben, nicht mehr aufhört zu reden und zudem noch Löwe ist, stand er natürlich immer als Wortführer im Vordergrund. Noch dazu hat er eine enorme Lautstärke und Präsenz und mit seinem definierten Kanal 2–14 übernimmt er ganz automatisch die Führung in der Familienkonstellation. Das alles geschieht völlig unbewusst. Heute bin ich sehr stolz auf meinen wunderbaren Bruder, aber damals nervte mich sein dominantes Wesen.

Für mich begann ein Albtraum. Während andere Kinder sich freuen, wenn ein Geschwisterchen kommt, war das für mich ein Drama. War ich schon vorher unwichtig, so zählte ich jetzt gar nicht mehr. Erstens holte er sich die Aufmerksamkeit, die er benötigte, und zweitens war er als Sohn und Stammhalter für meinen Vater der Mittelpunkt.