Epicvife - Nikol Andreeva - E-Book

Epicvife E-Book

Nikol Andreeva

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Beschreibung

Wie würde man bei etwas sehr Unerwartetem reagieren? Zum Beispiel, wenn man ganz plötzlich in das neuste Videospiel teleportiert würde? Und man auf sich selbst gestellt ist und das in einer ganz fremden Welt? Wenn es nirgendwo einen sicheren Ort gibt, den man sein zu Hause nennen kann? Und immer auf der Hut vor lauernden Monstern sein muss? Shus introvertiertes Leben ändert sich schlagartig. Und er hasst Veränderungen. Hier, in dieser neuen Welt, wird die Freundschaft zwischen ihm und seinen besten Freunden Zaiden, Mason und Pheme auf eine harte Probe gestellt. Bald muss Shu lernen, damit klar zu kommen, dass Veränderungen aus jemandem eine komplett andere Person machen können und man es selbst am spätesten mitbekommt, wenn man selbst diese komplett andere Person wird.

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EPUB
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Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2023 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-889-7

ISBN e-book: 978-3-99131-890-3

Lektorat: Laura Oberdorfer

Umschlagabbildung: Nikol Andreeva

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Vorwort

Jeder hat in seinem mal Leben ein Computerspiel gespielt. Und jeder ein anderes. Die einen finden das eine so empfehlenswert und cool, die anderen schalten sofort ihren PC ab, wenn sie eine Werbung von ihrem Hass-Spiel sehen. Die meisten Eltern können es überhaupt nicht leiden, wenn sie ihre Kinder am Computer sitzen sehen, statt sich zum Beispiel an der frischen Luft zu betätigen, ein Buch zu lesen oder zu lernen. Wir alle wissen, dass das höllisch nervt und wir alle, nun ja zumindest die meisten, hören einfach nicht auf die Eltern und spielen heimlich weiter. Manche spielen allein, so können sie sich besser konzentrieren, die anderen mit Freunden, weil es ihnen einfach mehr Spaß macht, wenn sie sich gegenseitig helfen können und gemeinsam einfach alles viel schneller erreichen können. Jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack: Viele Menschen lieben Spiele, wo man viel nachdenken muss, andere Aufbauspiele und Strategiespiele, die einen oder anderen erstellen etwas, planen ihre Zukunft und da gibt es noch so viele andere Arten von Spielen … Doch was macht ihr, wenn du und deine Freunde in ein Spiel teleportiert werdet? Was würdest du tun? Würdest du nervös in einer Ecke rumsitzen und hoffen, dass das alles nur ein Traum ist oder sofort loslegen und ein paar Aufgaben bewältigen, um in die echte Welt zu deiner Familie zu gelangen? Was würden deine Freunde machen? Hätten sie eine Idee und welche? Na ja, wenn du es noch nicht weißt, dann warte ein bisschen … Und nicht vergessen: Wende dich auch mal vom Spielen ab und geh raus und kicke einen Fußball mit deinen Kumpels!

Shu

Es war noch früh am Morgen, etwa gegen sechs Uhr morgens. Ein paar Sonnenstrahlen versuchten sich in die Wohnung von Shu Misteyes zu bewegen. Draußen wehte eine leichte Brise und die Vögel zwitscherten so verrückt, dass man sich Ohrstöpsel beim Teetrinken reinstecken musste. Den Löwenzahn, der am liebsten in einer ruhigen, von wilden Kaninchen ungestörten Ecke des Zaunes des Ehepaars Misteyes wuchs, war kaum von der Sonne zu unterscheiden.

Die Brise raunte den noch verträumten Leuten kurze Geschichten zu.

Wie diese, die vom Wind handelte. Dem Wind, der die Geschichte eines Drachen, der von dem Gott des Windes und der Freiheit getrennt wurde und Qualen erlitt, die schmerzhafter waren als jede Stelle des Menschen, die Leid an ihn brachte, erzählte. Selbst über die Klippe weit in der Ferne blies ein Strom von hellen Blüten, die den Tag ankündigten. Alles war wie in einer Geschichte, an die keiner glaubte, jedoch schon selbst erlebt hatte. Die Natur verströmte köstliche Gerüche, als ob ein kleines Menschlein sich ein Lager im Wald erbaut hatte und Unmengen zauberhafter Speisen zubereitete. Weiter hörte man ein harmloses Jaulen. Der Wind erzählte von einem Jungen, der von Wölfen aufgenommen wurde, doch in späterer Zeit von den Menschen angeklagt und als ein Problem und kein echtes Familienmitglied des Rudels angesehen wurde. Weil niemand von den Dingen eine Ahnung hatte. Entlang der Gipfel erzählte der Wind von Göttern und deren Vorstellern. Es gab insgesamt sieben Götter und daraus sieben Vorsteller, die nach dem Tod des anderen gewählt wurden. Sieben Götter, einer für jedes der sieben Weltwunder, auch für die elementare Kraft. Aber Weltwunder, in einer anderen Welt, jedes von einem Gott erschaffen. Die elementare Kraft spielt die wichtigste Rolle in beiden Welten. Wiederum, wie in den meisten Heldengeschichten des Windes gibt es das Böse. Das Böse, welches sich erst am Ende traut anzutreten. Dafür muss man lange den Geschichten folgen, um den Sieg zu erlangen. Meinst du, jemand wird das große Glück haben und dem Wind begegnen?

Von so was könnte man Tagträumen und fast denken, es sei Realität.

Jedenfalls, aber all diese schöne Natur bemerkte Shu nicht, auch das Flüstern des Windes drang nicht zu ihm durch. Nein, nicht mal ein bisschen. Shu war ein dreizehnjähriger Junge, mit kinnlangen, dunkelbraunen, zerzausten Haaren und grünen Augen. Dieses Grün war so strahlend wie eine Mischung aus saftigem Gras, grünen Oliven und einem stechenden Kaktus. Also passt auf mit Shus Augen, sie könnten ein bisschen piksen. Außerdem trug er meistens etwas blau-schwarz Kariertes wie heute zum Beispiel ein T-Shirt. Mehr sollte man über ihn nicht wissen, nur seine engsten Freunde: Zaiden Slurl, Pheme Chamberise und Mason. Shu wollte sich morgen mit ihnen treffen, um eine Runde auf dem Laptop zu spielen, da seine Eltern am nächsten Tag einen wichtigen Termin beim Zahnarzt hatten. Er selbst saß gerade in seinem Zimmer beim Spielen. Das war eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Shu ging nicht gerade gern raus, nur, wenn ein Paket geliefert worden war, ging er zu der Terrasse. Shu störte es nicht besonders, die meiste Zeit zu Hause zu sitzen. Er hatte das Notwendigste bei sich.

Dann hörte Shu Schritte. Ein paar Pantoffeln schlurften die Treppe runter. Eine kleine Pause verging und Socken ein paar Nummern größer als die Pantoffeln stapften die Treppe runter. Es waren seine Eltern. Shu wartete schon sein ganzes Leben lang, endlich in eine eigene Wohnung zu ziehen, doch solange er hier war, genoss er sehr den Service seiner Eltern, der zwar nicht so extrem war, jedoch noch nicht ganz gestorben zu sein schien. Shu wusste ganz genau, wann seine Eltern meistens aufstanden. Er kannte mittlerweile ihren Morgen-Plan in und auswendig, damit er stets wusste, wann es an der Zeit war aus dem Zimmer zu gehen und so zu tun, als ob er gerade erst aufgestanden war und noch kein einziges Mal am Laptop gesessen hatte. Er war ein sehr guter Lügner und Schauspieler, das musste man schon zugeben, und konnte echt viele Leute austricksen.

Er spielte noch ein paar Runden und dann musste er runter, damit seine Eltern keinen falschen Verdacht schöpften. Also wuschelte er in seinen Haarem, damit die noch verschlafener aussahen und versuchte, vor dem Spiegel ein sehr gut gelungenes Gesicht zu machen, ein wenig schlaftrunken und genervt, zog er sich seine Pantoffeln an und trottete runter. Seine Mum saß im feuerroten Morgenmantel mit einer Zeitschrift, die den Titel „So kriegt ihr ruckzuck lästige Falten weg!“trug und schlürfte dabei grünen Tee.

Sein Dad las wie immer Zeitung und trank Kaffee. Typisch Eltern am Morgen! Shu schmierte sich ein Marmeladenbrötchen. Seine Eltern bemerkten ihn nicht einmal und das fand er auch gut so, er wollte keine peinlichen Fragen hören. Gleich musste er sowieso zur Schule. Allerdings freute Shu sich nur, weil er seine besten Freunde dort sehen würde. Vor allem Zaiden und Mason. Pheme war ein Mädchen, aber er kam schon ein bisschen klar mit ihr.

Nach einiger Zeit war es Viertel nach sieben und er ging hinaus. Zaiden, Mason und Pheme warteten bereits auf ihn. „Hey Bro!“, begrüßten ihn Zaiden und Mason wie aus einem Mund und klatschten ab. Pheme sagte nur „Hallo!“, aber Shu war es schon von ihr gewöhnt. Lieber dieses „Hallo“ als eine kreischende Umarmung, wie es Mädchen unter sich immer taten.

Zaiden war ein großer Junge, mit dunklem Haar und dunklen Augen. Er trug einen roten Pullover, weil rot seine Lieblingsfarbe war. Daneben stand Mason, ein etwas kleinerer Typ mit blonden Haaren und grünen Augen, die jedoch heller waren als Shus. Er besaß als einziger von den Freunden etwas bemerkbare Muskeln und um das für jedermanns Blickfeld offensichtlich zu machen, zog er sich meistens ein weißes Shirt ohne Ärmel an und orange gemusterte Shorts. Pheme sagte meistens, sein Lächeln leuchte wie Sterne, was eindeutig hieß, dass sie einen Narren an ihm gefressen hatte. Sie wurde ständig leicht rosa, wenn er sie ansprach und alle lachten, wenn sie sich bei irgendwelchen Worten verhaspelte. Pheme selbst hatte schneeweiße Haare, was sehr selten war, und schokobraune Augen. Eigentlich hieß sie Phemenda Pera Pandgloria, doch alle nannten sie einfach Pheme. Pheme liebte alles, was rosa war, und trug deswegen immer ihre rosa Strickjacke. Sie besaß eine ungewöhnlich hohe Mädchenstimme, aber Shu, Zaiden und Mason waren es bereits gewohnt.

Jedenfalls machten sie sich alle auf den Weg. Sie kamen vorbei an ein paar Lichtungen, schönen Blumenbeeten und Sträuchern, und wenn sie noch Zeit hatten, dann veranstalteten sie einen Schlenker zum Spielplatz, wo sie am Klettergerüst um die Wette klettern würden. Oder sie kauften sich an heißen Tagen ein Eis bei „Brunos Schlecker-Paradies“. Shu war gerade in seinen Gedanken vertieft, weil er sich fragte, ob, wenn man in eine Melone ein kleines Loch rein stach und dann einen Blumensamen da reintat, eine Melone wachsen würde, auf deren Schale lauter Blumen wachsen würden. In Shus Kopf schwirrten öfters nicht gerade schlaue Fragen herum.

„Ey, Shu, wie viel hast du eigentlich für die Englischarbeit gelernt?“, unterbrach ihn Zaiden.

„Äh …“, stotterte Shu ganz erschrocken. „Ist die denn nicht erst in zwei Wochen?“

Pheme stöhnte: „Shu, Mensch! Nein! Was hat dein Gehirn gemacht, als Mrs. Chaps uns alles erklärt hat?“

„Ich wundere mich in letzter Zeit, ob er überhaupt ein Gehirn hat. Was hast du denn bitte schön hingeschrieben, als wir ein paar leichte Brüche aus der vergangenen Klasse berechnen mussten?“, erwiderte Mason und blickte ihn verwundert an.

„Ich bin nicht dumm“, antwortete Shu. „Sag ich auch nicht“, erklärte Mason. „Nur was du gemacht hast, war dumm. Du bist immer noch unser kleines Genie, das tausend Fragen im Schädel hat und gerne Zeit mit uns verbringt. Also keine Sorge.“

Shu lachte. „Ja, aber nur einkleines. Ich will nicht so wie Patrick Lee sein und jede Aufgabe in einer Bruchsekunde lösen. Der Arme tut mir echt leid. Ich frag mich, ob er sich zwischen den ganzen zusätzlichen Stunden, Lernen und der Schule anständig duscht.“ Zaiden grinste und meinte: „Und ich frage mich, obdudich selbst noch duschst. Wendest du dich noch vom Laptop ab?“

„Jaaa“, murmelte dieser. „Natürlich. Meine Eltern, du weißt ja. Lassen mich halt nicht viel, aber find ich auch gut so, sonst würde ich mich echt fragen, wie ich die ganzen Versetzungen geschafft habe.“ Pheme nickte ungeduldig und drängelte: „Ja, ja, Leute, aber wir sollten uns besser beeilen, noch um die Ecke und dann schnell ins Klassenzimmer!“ Shu stöhnte, doch sie folgten ihr. Pheme war zwar keine große Streberin, aber wollte immer überall pünktlich sein, immer alles richtig machen, immer gute Noten haben und sich immer den Lehrern als eine anständige und fleißige Schülerin zeigen, wie die meisten Mädchen aus Shus Klasse.

Shu scherte sich nicht groß da drum. Er hatte seinen eigenen Kopf. „Zu viel Lernen ist ja auch nicht gesund“, dachte er meistens. „Man kann davon auch krank werden, oder?“

In der Klasse angekommen, saß die Hälfte der Schüler bereits auf den Stühlen. Naja, zumindest die Hälfte. Die meisten Jungs rauften sich immer, bevor die Lehrerin kam. Oder eine Horde Mädchen versammelte sich um einen Tisch und verglich ihre Haarspangen. Keiner machte sich Sorgen um die Hausaufgaben, nur Patrick Lee tropfte der Schweiß von der Stirn, weil er sich nicht sicher war, ob er in Aufgabe neunzehn b oder neunzehn a neun zusätzliche Regeln für Englisch aufschreiben sollte. Doch im Grunde musste man in Fremdsprachen für ihn kein Mitleid aufbringen, denn in Mathe ging es erst richtig los. Ständig belegte er Tische für seine zusätzlichen Formeln, übertrieben viele Brüchen und Gleichungen und stapelte Reihen an Papier an, wo seine Reden für den Vortrag über die Hausaufgaben standen. Wenn sogar die Eltern Patrick Lee anguckten, wollten sie alles daransetzen, dass ihre Kinder das Gleiche machten, also den ganzen runden Tag mit Lernen verbrachten, ohne nur einer Minute zum Atmen.

Shu setzte sich hin und packte seine Hefte aus. Mit den Jungen raufen, ergab keinen Sinn mehr, wie er gelernt hatte. Nachher hatte man sowieso nur Beulen und Nachsitzen und die Zeit zu den Computerspielen schien vergeudet zu sein.

Und seine Haarspangen mit den von Mädchen vergleichen … Er hatte nicht mal welche. Deshalb saß er still da und wartete auf Mrs. Chaps. Bis Mason zu ihm geschlichen kam und ihm über die Schulter flüsterte: „Hat da jemand etwas in Englisch zu lernen?“ Shu zuckte kurz zusammen. „Ach, stimmt! Ich sollte mir wenigstens diese kleine Zeitspanne nehmen und die Themen nachgucken, um mir etwas zu merken, bevor Mrs. Chaps kommt!“

Also schlug Shu sein Englischbuch auf „Smart Line – English for beginners!“Und las sich ein paar Seiten über die Zeitformen wieSimple Pastdurch, blätterte noch kurz Regeln durch und versuchte, sich etwas von den neuen Vokabeln zu merken.

Nach etwa sieben Minuten kam Mrs. Chaps. Sie trug einen violetten Oma-Rock und eine rosa Bluse. Auf der Nase prangte eine dicke Brille und ihre braunen Haare hatte sie zu einem festen Dutt zusammengeknotet. Ihre Augen blitzten äußerst streng und dafür war auch ihr Charakter bekannt. Mrs. Chaps stellte sich vor das Pult mit einem dicken Papierstapel in der Hand. Dann verkündete diese „Guten Morgen, liebe Schüler. Wie ihr wisst, ist heute die Englischarbeit.“ Danach hielt sie inne und warf kurz einen Blick auf Patrick Lee, der hektisch versuchte, irgendetwas auf ein Stück Pergament zu kritzeln. „Die Hausaufgaben werden wir übrigens morgen besprechen“, erklärte sie und Patricks Blick schien unbezahlbar zu sein. Er schwitzte noch mehr und sein Gesicht war zu einem Schmollmund verzogen, seine Augen hingen ärgerlich runter und ein Dutzend Merksätze purzelten bei Mrs. Chaps’ Worten auf den Boden.

Mrs. Chaps fuhr ungerührt fort: „Nun, jetzt schlage ich vor, ihr schiebt die Tische auseinander damit alle einen Einzelplatz haben. Dann verteile ich die Arbeiten und es ist todesstill!“ Also taten die Schüler das, was sie sagte und nach ein paar Minuten saß die ganze Klasse ruhig an ihren Plätzen. Shu war um einiges erleichtert. Wie er feststellte, war die Arbeit gar nicht so schwer. Im Nu flitzte sein Füller über das Papier und schon nach einer halben Stunde war er bereit, seine Ergebnisse abzugeben. „Noch einmal Glück gehabt!“, murmelte er glücklich. Nächste Woche würde er die Arbeit zurückkriegen. Sicher hatte er eine Zwei. Shu lehnte sich zurück. Ach, war das Leben gut! Morgen würden seine Freunde ihn besuchen und sie würden das neuste Spiel spielen, weil seine Eltern einen Termin hatten. Was konnte da noch schief gehen?

Das neue Computerspiel

Shu und seine Freunde bogen gerade um die Ecke, um sich ein Eis bei „Brunos Schlecker-Paradies“zu holen. Geld hatte er wie immer dabei und reichte dem alten Bruno fünf Euro, ohne Rückgeld, er verzichtete selbst drauf.

Zaiden, Mason, Pheme und er setzten sich in einer schattigen Ecke, um sich vor den heißen Sonnenstrahlen zu schützen. „Seid ihr gespannt auf morgen?“, fragte Shu und blickte in die Runde. Pheme stöhnte laut. „Mann, Shu! Das ist doch bloß so ein blödes Spiel! Also nichts Spannendes.“ Zaidens nickte. „Ist wirklich so. Du hast in deinem Leben doch schon so viele Computerspiele gespielt, da ist dieses doch sicherlich nichts Neues für dich.“

Da schüttelte Shu heftig den Kopf und seine Augen blitzten auf. „Nein! Das ist es ja gerade! Es wird erst morgen neu rauskommen! Und es soll etwas ganz anderes sein! Im Ernst!“

„Da wissen wir endlich, warum du in letzter Zeit so unkonzentriert warst“, lachte Mason und die anderen grinsten. „Also ich finde, Lernen geht vor!“, sagte Pheme und wurde etwas rosa. Mason starrte sie entsetzt an. „Ähm … also manchmal …“, verbesserte sie sich und wurde jetzt scharlachrot. Mason lachte. „Nein, nein, hast Recht. Ich wünsche Shu aus tiefstem Herzen viel Glück bei seiner Englischnote!“ „Ich auch!“, stimmten ihm Pheme und Zaiden wie aus einem Mund zu. Shu grinste jetzt lässig. „Ach, ich weiß überhaupt nicht, was da schief gehen kann! Mrs. Chaps hat mich unterfordert, die Zwei habe ich schon in der Tasche!“

„Hm, viel Glück mit der“, erwiderte Zaiden und setzte im gespielt traurigen Ton an: „Ach, der arme Patrick, was ist, wenn er eine Eins kriegt und keine Eins-Plus? Das wäre so furchtbar! Grausam für sein Zeugnis!“ Alle lachten, obwohl es nur die reine Wahrheit war.

Zaiden, Pheme, Mason und Shu saßen noch eine kleine Runde und plauderten. Nach einer Viertelstunde machten sie sich auf den Weg nach Hause. Die Sonne strahlte wie verrückt und man sah lauter Menschen in Badeanzügen herumlaufen, weil diese Hitze in normaler Kleidung kaum zu ertragen war. Als er daheim war, begrüßte ihn schon seine Mum.

„Hallo Liebling! Warum bist du so spät? Das Essen wird kalt! Und wie war dein Tag heute eigentlich? Wie war die Arbeit? Hast du auch dein Pausenbrot gegessen?“ „Jaaaahaa, Mum“, stöhnte Shu genervt. Jeden Tag war es das Gleiche! Wenn er von der Schule kam, war seine Mum schon im Flur und stocherte ihn mit den tausend typischen Sachen. Shu fand das so typisch für seine Mum. Seine Freunde hatten ihm erzählt, dass das Gleiche bei ihnen auch zulief. Also setzte sich Shu stumm an den Tisch und wartete, bis seine Mutter ihm einen kühlen Teller gab. Es gab Pellkartoffeln mit Fleisch und Soße. Und natürlich kalt. Shu versuchte, alles runterzuwürgen, während seine Mutter ihn weiter ausfragte. „Und? Die Englischarbeit? Ich warte. Hast wahrscheinlich die ganzen, runden Wochen vor dem PC verbracht und kein Stück gelernt?“ Sie musterte ihren Sohn genauer. Shu murmelte: „Hm, ok ich hab’s im Griff keine Sorge.“

Danach räumte er den Teller weg und ging rauf in sein Zimmer. Shu mochte keine langen Gespräche mit seinen Eltern, vor allem nicht, wenn es etwas Unangenehmes oder einfach Unnötiges war.

Er war müde. Er war einfach so müde. Die Englischarbeit hatte ihn plattgemacht und das neue Spiel ebenfalls, das morgen neu rauskommen sollte. Außerdem seine Mutter, die täglich versuchte, ihn mit Fragen auszuquetschen. Sein Leben war so hart! Deshalb legte Shu sich auf sein Bett, um sich etwas auszuruhen. „Nur ein kleines bisschen …“, murmelte er erschöpft und schlief sofort ein.

Die Vögel zwitscherten mit ihren ganzen Leibeskräften und es war noch schlimmer als am vergangenen Tag. Draußen liefen viele kleine Käfer umher und kleine Häschen hoppelten aufgeregt und schnüffelnd auf einer Wiese. Bäume patschten sachte ihre Zweige gegen Fenster und die Sonne spielte ein warmes Liedchen ab. Schmetterlinge tanzten entzückt in allen Lichtungen und im Schatten der Bäume. Ab und zu kühlte der Wind etwas ab. So schön erfrischend war der Sommer.

Shu war kurz nach der Schule eingeschlafen und bekam die Natur schon wieder kaum mit. Doch heute war ein ganz besonderer Tag für ihn, auf den er schon seit mindestens einer Ewigkeit gewartet.

Das neue Spiel wurde rausgebracht! Diesen Tag durfte Shu auf gar keinen Fall verschlafen. Shu rekelte und streckte sich. „Wann bin ich eigentlich eingeschlafen?“, fragte er sich und schlurfte ins Badezimmer. Dort duschte er, wusch sich das Gesicht, putzte seine Zähne und kämmte seine Haare etwas zurecht. Normalerweise blieb Shu an den Wochenenden meistens im Schlafanzug, solange seine Eltern nicht wahnsinnig wurden, aber seine Freunde würden in den nächsten Minuten zu ihm kommen und da musste er einfach gepflegt aussehen.

Sonst würden Zaiden, Mason und Pheme sofort verschwinden.

Er kannte sich da bereitsaus. Also zog er sich noch ein blau-schwarz kariertes T-Shirt und eine Jogginghose an und trappelte nach unten in die Küche, wo er blitzschnell sein Frühstück verspeiste (Brot mit Salat, Würstchen, Omelett und Apfelsaft) und gelangweilt wartete, bis es an der Tür klingelte. Seine Eltern waren stets schick angezogen. Seine Mum rannte wie wild in der Küche herum, weil sie nach ihrem Parfüm suchte, während sein Dad schon nach dem Autoschlüssel kramte.

„Liebling!“, drängte er Mrs. Misteyes. „Wir müssen jetzt los, sonst kommen wir zu spät! Der Arzt hat nur bis ein Uhr mittags offen.“ Nach ein paar Sekunden fand seine Frau ihr Parfüm in der Spüle, was sie zutiefst verwirrte. „Weißt du, wie das da reinkam?“ „Äh … nein, Schatz! Komm schon, schnell, mach schon!“

Shus Mum sprühte sich eilig ein und als Mr. Misteyes und sie vor der Tür standen, warf Mrs. Misteyes ihrem Sohn einen scharfen Blick zu. „Versprich mir, dass ihr nicht den ganzen Vormittag am Laptop rumtippelt!“

„Ja, Mum.“

„Und versprich mir, dass ihr keinen Unsinn anstellt!“

„Ja, Mum.“

„Und versprich mir …“

„Emma, jetzt komm schon, mir wachsen gleich Wurzeln!“, unterbrach Shus Dad sie und packte sie am Ärmel. Shu sah nur, wie ihr Auto aus der Ausfahrt fuhr und mit Lichtgeschwindigkeit die Straße entlang sauste. Und dann sah er drei kleine Gestalten: Zaiden, Mason und Pheme.

Shu stürmte zur Tür los und versuchte, sie hastig zu öffnen, wobei ihm die ganze Zeit die Klinke aus der Hand rutschte, weil er so aufgeregt war. Nach etlichen Versuchen schaffte er es endlich und seine Freunde kamen grinsend in die Wohnung hinein. „Was steht an?“, fragte Mason mit einem Lächeln, woraufhin Pheme mit Sicherheit wieder dachte, dass es wie die Sterne leuchtete. „Kommt jetzt einfach, ich kann es nicht mehr aushalten, es kribbelt die ganze Zeit schon bei mir!“, erwiderte Shu und seine Freunde folgten ihm in sein Zimmer. Shu schaltete seinen Laptop ein und gab die Seite an, wo die neusten Spiele zu finden waren. Seine Augen und die seiner Freunde schnellten entlang, bis sie ein buntes Cover sahen, auf dem viele magische Wesen drauf waren, unter ihnen eine Hexe und ein paar Menschen mit Ausrüstungen und im Hintergrund gab es eine Explosion. „Wow!“, rief Pheme begeistert.

„Also dieses Spiel sieht ja echt anziehend aus!“

„Du sagst es!“, staunte auch Zaiden. „Mir geht es da nicht anders als unserem Shu gehen!“ Shu starrte mit leuchtenden Augen auf den Bildschirm. Danach las er den Inhalt vor:

Tauche in eine andere Welt ein! Epicvife ist ein Spiel, das mit Freunden als Team gespielt werden kann.