Erdbeerchens neun Leben - Topsy-Sophia Schmitt - E-Book

Erdbeerchens neun Leben E-Book

Topsy-Sophia Schmitt

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Beschreibung

Sie sind abenteuerlustig, doch auch geheimnisumwoben. Ihre Anmut wird ebenso geschätzt wie ihr flauschiges Fell. Rasch gewinnen sie die Aufmerksamkeit derer, die angesichts ihrer Erscheinung entzückt sind. Manche ziehen ihrer ganz eigenen Wege, andere sind langjährige Gefährt*innen der Menschen. In sechs herzerwärmenden, stets einfühlsam erzählten Kurzgeschichten errichtet die Autorin der Katze ein kleines literarisches Denkmal.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 32

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Topsy-Sophia Schmitt

Erdbeerchens neun Leben

und weitere Katzengeschichten

Inhaltsverzeichnis

Die Weihnachtskatze

Erdbeerchens neun Leben

Odyssee auf Samtpfoten

Begegnung im Dunkel der Nacht

Aurora und der Karpfen

Aufzeichnungen einer Astronautin

Die Weihnachtskatze

Lächelnd hob Luna das sanfte Wesen, dessen bezaubernde Augen nahezu smaragdgrün im dämmrigen Esszimmer glänzten, auf ihren Schoß. Dies war das größte Geschenk, welches sie von ihrer liebsten Amelie jemals bekommen hatte. Zudem war es das süßeste und wundervollste Geschenk, das Luna ihrer geschätzten Amelie seither dargebracht hatte. Denn die beiden jungen Damen beglückten sich zum heiligen Abend gegenseitig mit eben jenem Kätzchen.

Die weihnachtliche Aktion war natürlich abgesprochen und jedwede Überraschung blieb somit aus, doch die Schönheit des Moments schien unzerbrechlich. Obgleich im Schatten des zierlichen Tannenbäumchens keine Geschenkschachteln lagen, die vielleicht hübsche Klamotten, edlen Schmuck oder interessante Bücher in sich bargen, war es die perfekte Bescherung geworden. Nun erreichte ihre derweil dreijährige Partnerinnenschaft nämlich eine bisher unerschlossene Dimension: Sie waren erstmals zu dritt.

Ein zärtliches Miauen des Neuankömmlings, der inzwischen in Amelies Armen lag, klang wie eine ungeklärte Frage an die beiden Katzenmütter, die sofort verstanden wurde. Es war ein Sachverhalt, der zu dieser Stunde unbedingt erörtert werden musste: „Wie heiße ich eigentlich?“ Und so begann ein reger Austausch, den das liebenswürdige Geschöpf still, doch scheinbar aufmerksam verfolgte.

„Wie wäre es mit Morra?“, schlug Luna vor. Amelie lachte, da sie die Mumins-Bücher ebenfalls gelesen hatte, begriff aber zunächst den Zusammenhang nicht. So schob Luna ihre Erklärung nach: „Sie kam immerhin in einer eiskalten Winternacht zu uns, nicht wahr?“ Ihre Freundin beäugte die Katze, deren tiefschwarzes Fell wiederum von schneeweißen Mustern geziert war. Daraufhin fällte sie ein finales Urteil: „Besser nicht! Sonst wird sie unsre Wohnung noch in eine Eiswüste verwandeln. Aaaaber wie wäre es mit Lumelie?“ Nach einer langen Minute erkannte Luna, dass diese Lumelie quasi durch die Verschmelzung ihrer beider Vornamen entstanden war, und prustete los. Soeben erst hatte sie sich etwas von Amelies hervorragendem Weihnachtspunsch einverleibt, diesen jedoch glücklicherweise schon hinuntergeschluckt. „Lumelie ist süß, allerdings beinhaltet dein Wortspielchen nur uns Menschlein, so als dürfte unser Kätzchen keine eigene Identität besitzen. Was irgendwie traurig ist.“ Damit war der allzu schöne Vorschlag leider abgelehnt.

Aufgrund der Farbgebung des Katzenfells brachte Luna ein „Elsterchen“ ins Spiel, da Amelie aber meinte, den empörten Blick des keineswegs gefiederten Stubentigers vernommen zu haben, wurde jene Idee rasch verworfen. Zu den weiteren Anregungen, welche die Frauen bei Punsch und Plätzchen, aber stets mit bester Konzentration verlauten ließen, zählten „Schneeflöckchen“, „Flöcki“ oder „Elsa“, wie die Eiskönigin aus dem Disney-Film. Das Winter-Thema faszinierte das Pärchen zweifellos. Das „Eisröslein“ erschien Amelie zu kitschig, den „Schneeklecks“ hingegen empfand Luna als arg minimalistisch und schlicht unwürdig.

Zahlreiche Namen waren an dem festlichen Abend genannt, manche gnadenlos abgeschmettert, andere eher schweren Herzens verschmäht worden. Irgendwann begann Luna, in eine ganz neue Richtung zu grübeln: „Warum müssen wir uns eigentlich auf einen Namen einigen? Wir könnten uns einen Namen für jeden Wochentag überlegen, dann hätte unser kleines Schmuckstück SIEBEN Namen! Das hat es bestimmt noch nie gegeben und es käme einer Revolution gleich!“ Amelie hielt kurz inne, dachte wohl ernsthaft darüber nach, winkte aber schließlich lachend ab.

Derweil spielte das muntere Weihnachtskätzchen, die Dritte im Bunde, mit dem farbenfroh geschmückten Tannenbäumchen. Womöglich interessierte sie sich gar nicht mehr für ihre Namensfindung. Vielleicht bestand auch überhaupt keine Eile. Lumelie waren ohnehin schon müde geworden. Morgen würden sie gewiss die passende Eingebung bekommen.

Erdbeerchens neun Leben

Alle Blicke waren auf den roten Kater gerichtet, der so friedlich im Schuhkarton lag und sich nicht mehr zu räkeln vermochte. Zum letzten Mal bewunderte jeder der Anwesenden sein sanftes, flauschiges Fell, seine zarte, possierliche Statur und seine hinreißende Schönheit. Nichts davon war bisher verblichen, bloß die große Müdigkeit hatte ihn übermannt. Hatte ihn in einen ewigen Schlummer entsandt, aus dem er nicht wieder erwachen würde – jedenfalls nicht auf dieser Welt, nicht in seiner vertrauten irdischen Gestalt.