Erfolgsmentalität - Hermann Tatschl - E-Book

Erfolgsmentalität E-Book

Hermann Tatschl

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Beschreibung

Erfolgsmentalität – das ist, wie Fontane es in "Effi Briest" sagt, "ein weites Feld". Weil man nicht immer zum richtigen Zeitpunkt alle notwendigen Ressourcen aktivieren kann. Das gilt vor allem, wenn außerordentliche Leistungen gefragt sind – etwa im Sport. Wenn psychischer und physischer Druck entsteht, erweisen sich vermeintlich gefestigte Kompetenzen oft als instabil. Die Mentalität bestimmt, ob man zum Sieger wird. Und ob man aus Fehlern positiven Nutzen ziehen kann. Ein kluges Lehrbuch für die etwas größeren Ziele ...

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Seitenzahl: 529

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2023 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99146-125-8

ISBN e-book: 978-3-99146-126-5

Lektorat: Volker Wieckhorst

Umschlagfoto: Ammentorp | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Hermann Tatschl

www.novumverlag.com

Zitat

„Es gibt nicht nur einen Schlüssel zum Erfolg. Es ist eine Kombination von Faktoren, die Teile deines Charakters sind, die dieses große Bild von Erfolg offenbaren. Ich habe mich konstant verändert und neu erfunden!“

Novak Djokovic

Vorwort

Von der Historikerin Rosalie Perles stammt das Zitat: „Was der eigene Geist dem Wissen hinzufügt, macht das Wissen zur Wissenschaft, das Können zur Kunst!“ Wissen und Können! Zwei Grundvoraussetzungen für Erfolg, positive Leistung und die Entwicklung von Fähigkeiten und Eigenschaften aus Potentialen. Nicht nur, was wir durch andere lernen, führt uns zum Ziel. Entscheidend ist vielmehr, was unser Geist aus den Lernerfahrungen herausholt, kombiniert, produziert.

„Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, ließ Friedrich von Schiller seinen Wallenstein sagen. Der kreativ-aktive Geist erwirbt Wissen und Können nicht nur, er verarbeitet es, entwickelt es weiter. Er lässt sich davon inspirieren und motivieren und bringt Neues hervor. Er entwickelt einen eigenen Willen und entfacht Emotionen. Er bündelt Körperkräfte. Die geistige Kraft, von Natur aus in jedem vorhanden, schweißt Geist, Körper und Seele zu einer Einheit zusammen und lässt sie gemeinsam Herausforderungen in Angriff nehmen und bewältigen.

„Wie unbedeutend ist am Ende des Lebens das, was wir erlebten im Vergleich zu dem, was wir daraus machten!“ Der Schriftsteller, Politiker und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt, war ein Wegbereiter umfassender Bildung. Umfassend im Sinne von breit gefächert und zugleich erschöpfend. Viele Menschen beginnen voll Energie und Motivation ihre Reise zu hohen Zielen. Wird der Weg aber beschwerlich, schwinden bei vielen Mut, Ausdauer, Leidenschaft, Energie, Interesse, Freude, Motivation und Vertrauen. Ressourcen, die für das Erreichen ambitionierter Ziele unverzichtbar sind. Ob ich einen Berufsweg anstrebe, einen Studienabschluss im Auge habe, ob meine Ziele mich in den Spitzensport, die Kunst, die Wissenschaft oder in andere Richtungen führen, bleibt egal. Die Erfolgsvoraussetzungen sind einander überall ähnlich: Ein wacher, motivierter Geist erwirbt sich das Wissen und Können und verwertet es für seine Ziele.

Erfolg wie Misserfolg sind die Folgen der Qualität von Denken, Fühlen, Verhalten oder Handeln. Je präziser Denken, Verhalten, Fühlen und Handeln den Vorgaben des Erfolgs entsprechen, umso mehr wächst die Chance, ein Ziel zu schaffen. Zu wissen, was der Erfolg erfordert, macht den Menschen zum geistigen Insider. Er erhält eine Vorstellung der Aktivitäten, die er dafür leisten muss. Er beschäftigt sich mental und emotional damit. Das Gefühl für zielführendes Denken, Fühlen und Handeln wächst.

Ebenso verläuft die geistige Vorarbeit für Misserfolg. Gedanken an ein mögliches Scheitern tauchen auf und festigen sich. Der Mensch beschäftigt sich primär mit Niederlagen und zeichnet ein düsteres mentales und emotionales Szenarium des Misslingens. Derartige Gedanken erzeugen negative Emotionen und schüren Versagensängste. Im Kopf entstehen stabile Bilder von Fehlschlägen.

Das Ziel für Menschen, die Erfolge anstreben, muss es darum sein, an Erfolg zu denken, Erfolg zu fühlen und zu leben, aus einem umfassenden Wissen und Können heraus Vorhaben umzusetzen, den Geist auf ein Ziel auszurichten. Denn der Geist geht voran und der Körper folgt.

Dieses Buch befasst sich primär, aber nicht ausschließlich, mit sportlichem Erfolg. Wie setzt man Geist, Psyche und Körper dafür ein? Wie dringt man geistig in eine Thematik ein, erobert sie emotional und mental für sich? Leistungssport hat viele Parallelen mit anderen Bereichen, in denen Wissen und Können auf höchstem Niveau verlangt sind. Die Qualität und der Umfang von Training und Lernen sind die Basis für außerordentliche Leistungen.

Im ersten Teil des Buches gehen wir auf die Suche nach einer individuellen Erfolgsdefinition. Wir entwickeln eine mentale Vorstellung davon. Jeder Erfolg setzt sich aus vielen Mosaikteilen zusammen, jeder hat einen wichtigen Platz im Gesamtbild. Fehlt nur ein Baustein, ist das gesamte Bild nicht mehr stimmig, die Erfolgschancen sinken.

Das Erfolgsmosaik enthält innere Elemente, Fähigkeiten, Eigenschaften und Potenziale, die im Menschen selbst vorhanden sind. Äußere Faktoren fördern oder behindern ihn in seinem Streben. Beiden widmet sich das erste Kapitel. Dort findet sich auch ein Abschnitt über das Wollen, das jedem Lernen, Wissen und Können vorangeht. Entwicklung bedeutet Lernen und Veränderung. Dafür ist der Wille notwendig, die mentale, emotionale und körperliche Komfortzone zu verlassen.

Der zweite Teil des Buches beschreibt die Erfolgsmentalität im Detail. Es ist die Einstellung, die sich auf das Gelingen fokussiert. Wir alle tragen Basisfähigkeiten des Erfolgs als natürliche Anlagen in uns. Oft sind sie verschüttet. Ereignisse des Lebens, Erlebnisse und Erfahrungen hinterlassen Spuren. Die Folge sind mentale Engpässe, die es aufzulösen gilt. Der Kopf braucht dazu Idealvorstellungen zur Orientierung. Daraus entwickelt man Übungen, die die Engpässe reduzieren und die Mentalität des Erfolgs festigen.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit der Krönung aller Aktivitäten im Leistungssport und in anderen Leistungsbereichen: Wettkampf oder Prüfung! Wettkampf und Prüfung sind Tests für das im Training erarbeitete Wissen und Können. Im Zentrum steht die Wettkampfpersönlichkeit, die in jedem Menschen natürlich angelegt ist, aber nur in anspruchsvollen Situationen aktiviert wird. Sie ist ebenfalls ein Mosaik an Fähigkeiten und Eigenschaft. Jede von ihnen wird am Beispiel von zehn Fragen auf ihre Einsatzbereitschaft geprüft. Spezielle Übungen helfen, eine Wettkampfbereitschaft zu entwickeln. Schließlich folgt am Ende des dritten Kapitels eine Thematik, der im Leistungssport wenig Beachtung geschenkt wird: es geht um die Analyse von Wettkampf und Training! Nicht Fehler oder Mängel sollten aufgezeigt werden. Vorhandene Potenziale für den nächsten Entwicklungsschritt zu entdecken ist das Ziel jeder Analyse.

Ich wünsche Ihnen, lieber Leserin, lieber Leser, viel Spaß und Freude bei der Lektüre und hoffe, Sie finden dabei individuelle Schwerpunkte, die Ihnen helfen, schlummernde Potenziale und Talente in sich zu entdecken, sie zu entwickeln und für Ihren persönlichen Erfolgsweg einzusetzen.

Gedanken am Anfang

„Für das Maß seiner Begabungen ist der Mensch nicht verantwortlich! Wohl aber dafür, wie er sie ausbildet und nutzt!“

Daniel Sanders, 1819-1897, deutscher Lexikograf und Sprachforscher

An den Anfang dieses Buches stelle ich zwei Fragen an mich selbst! Antworten darauf gebe ich mir auf den folgenden Seiten.

WAS soll dieses Buch bewirken, welches Ziel verfolge ich damit?WOZU oder WARUM will ich dieses Ziel erreichen?

Meine Beweggründe liefern mir die Energie, an die Arbeit zu gehen, zu schreiben und dranzubleiben. Zitate gleichen Samenkörnern. Fallen sie auf fruchtbaren geistigen Boden, geben sie uns Impulse, aktiv zu werden. Sie wachsen, liefern neue Ideen. Ist der Geist nicht bereit, verhallen sie unbeachtet und unreflektiert. Es liegt an der Mentalität des Empfängers, was aus ihnen wird. Das gilt ebenso für Wörter, Sätze, Bücher. Jeder Mensch versteht sie auf individuelle Weise. Die geistige Basis dafür ist die mentale Einstellung, die geprägt ist durch Erlebnisse, Erfahrungen und Schlüsse, die man daraus zieht. Für mich ist das Zitat von Daniel Sanders die Bestätigung dessen, was ich in vielen Jahren meiner Tätigkeit im Sport und im Beruf erfahren durfte und gelernt habe.

Jeder Mensch ist begabt! Niemand ist talentlos! Begabungen sind dazu da, ein Leben erfolgreich zu gestalten, Glücksmomente zu erleben. Jeder entscheidet für sich selbst, ob er diese natürlichen Gaben erkennt, annimmt, wertschätzt und für das Leben nutzt. Fachleute diskutieren, welcher Faktor einen Lebenslauf stärker und nachhaltiger beeinflusst:

a) Die Natur, die Talente schenkt, die man zu Fähigkeiten und Eigenschaften entwickeln kann.

b) Die geistige Prägung durch Erziehung, Erfahrungen und eigene Rückschlüsse, die man daraus zieht, die die Mentalität, die innere Einstellung formen.

Natur oder Prägung?

Seit Jahren erlebe ich Leistungs- und Nachwuchssport aus unterschiedlichen Perspektiven, in verschiedenen Rollen. Als aufmerksamer Beobachter, als Mental-Coach, als Vater zweier sportlicher Söhne, als Zuschauer. Erfahrungen formten sich zu Erkenntnissen. Ich bildete mir eine Meinung, die sich im Laufe der Jahre festigte. Damit der Mensch sich anspruchsvolle Ziele setzt und sie erreicht, sich Lebensträume erfüllt und Erfolge schafft, braucht er individuelle Fähigkeiten und Eigenschaften. Der Rohstoff dafür sind Talente. Ob sie durch Lernen und Training voll entwickelt werden, entscheidet in großem Ausmaß die Mentalität. Die Art zu denken, zu handeln, zu fühlen, sich zu verhalten. Mentalität ist entwickelbar. Das ist eine komplexe, aber wunderbare Herausforderung. Talent plus Mentalität sind Erfolgsbausteine, egal in welchen Lebensbereichen.

Jedes Leben ist ein Auftrag. Er lautet: erkenne und nutze, was dir die Natur geschenkt hat! Im Sport, in der Kunst, der Kultur, der Politik, der Wissenschaft, im Dienst an und für Mitmenschen. Talente sind dazu da, die Welt zu einem lebenswerten und friedlichen Ort zu gestalten. Um anspruchsvolle Ziele zu erreichen, brauchen wir Sachkenntnisse (Wissen), methodische Fähigkeiten (Können), soziale Fähigkeiten und Eigenschaften im Umgang mit Mitmenschen und mit sich selbst (Sozial- und Selbstkompetenz). Warum erhält in unseren Gesellschaften die Entwicklung der Mentalität und der inneren Einstellung eines Menschen in der Praxis einen so geringen Stellenwert?

Das Schreiben eines Buches bedeutet auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst. Das Ziel erhält eine geistige Form. Seine endgültige Dimension ist anfangs noch nicht erfassbar. Wie bei der Besteigung eines Berges ergeben sich mit jedem Schritt neue Perspektiven. Wissen entsteht durch Kombination bisheriger Erkenntnisse. Ideen reifen, die sich wenige Seiten vorher noch nicht angedeutet haben. Aller Anfang ist schwer! Ich will durch das Schreiben in Fahrt kommen, Tempo aufnehmen. Wozu das Ganze? Welche Ziele setze ich? Es dauert Wochen, Monate, eventuell sogar Jahre, bis ich das Ergebnis der Arbeit in meinen Händen halte.

An wen richten sich meine Gedanken, Worte, Sätze? Welche Impulse im Denken, Fühlen und Handeln sollen sie interessierten Menschen geben? Was sollen die praktischen Tipps bewirken? Die Lektüre soll etwas auslösen, ins Rollen bringen. Menschen ein Ansporn sein, vom bloßen Wissen und Können ins praktische Tun zu kommen.

Leserinnen und Leser haben Erwartungen! Sie oder ein Ihnen nahestehender Mensch befinden sich vielleicht auf einem anspruchsvollen Weg. Sie erhoffen sich Anregungen. Sie fühlen das Ende ihrer Leistungsfähigkeit und begeben sich auf die Suche nach inneren und äußeren Ressourcen, die Sie bislang nicht nutzten. Oft schwindet das Ziel aus den Sinnen, verliert sich die Motivation, weil die Reise viel Energie in Anspruch nimmt! Es braucht andere Perspektiven im Denken und Handeln! Sie wollen auf andere Gedanken kommen, vieles in einem anderen Licht sehen. Oft liegt die Lösung allein in einer neuen Qualität des Denkens!

Menschen wollen schwierige Situationen überzeugt und optimistisch angehen und meistern. Manche lesen diese Zeilen ohne Bezug zur aktuellen Lebenslage. Sie wollen Einblicke in die Entwicklung einer Mentalität, die ihnen im Leben generell, besonders aber im Sport und in anderen Leistungsbereichen eine neue Qualität und Richtung geben kann.

Was immer Ihr persönliches Anliegen an diesem Buch ist, eine Bitte habe ich an Sie: Lassen Sie sich wirklich darauf ein. Gehen wir den Weg gemeinsam. Sie werden an manchen Stellen verharren, den einen oder anderen Absatz mehrmals lesen, manche Übung und das zugrunde liegende Denken reflektieren, weil es zur aktuellen Lebenssituation passt. Lassen Sie sich Zeit! Lassen Sie Veränderungen im Denken zu, wenn Sie es für angemessen empfinden. Seien Sie offen dafür!

Meine Motivation zu schreiben? Die Themen rumoren mir seit Jahren im Kopf herum. Endlich sind Anzahl und Qualität der Erfahrungen groß genug und die Kraft meiner Motive so stark, dass ich damit beginne! Um etwas genießen zu können, muss man sich dessen Wert bewusstmachen. Welchen Wert soll dieses Buch bieten?

1. Ich erkenne den tieferen Sinn vergangener Erlebnisse und Erfahrungen:

Erlebnisse der Vergangenheit aus neuer Perspektive erinnern. Erinnerung löst Gefühle aus. Schreiben ordnet Gedanken und Gefühle. Vergangene Ereignisse erscheinen in anderem Licht und in anderer Qualität. Ihre ganze Bedeutung erschließt sich oft erst aus einer zeitlichen Distanz. Unabhängig davon, ob ich Erfahrungen als positiv oder negativ empfinde, eröffnet das Wiedererleben einen zusätzlichen Sinn. Das steigert ihren subjektiven Wert. Ich kann die Lehren ziehen, die sie bereithalten.

2. Begabungen erkennen und ihre Entwicklung fördern:

Jeder Mensch ist begabt. Spürt er sein Talent, aktiviert er positive Energien. Er entwickelt Fähigkeiten und Eigenschaften, die ihm außergewöhnliche Leistungen ermöglichen. Er hebt Geist, Seele, Körper, also Wissen, Fühlen, Können, auf eine neue Ebene.

Statt in herausfordernden Situationen zu resignieren, sollen sie Menschen dazu anregen, Energien zu aktivieren, die sie bei der Bewältigung von Situationen des normalen Alltags nicht benötigen. Im Sport, im Beruf, bei intensivem Lernen, auf der Bühne der Kunst und in vielen anderen Bereichen sollen Ziele erreicht oder Bedürfnisse befriedigt werden. Man aktiviert Energien, mobilisiert Potenziale und Fähigkeiten.

Wirken Geist, Seele und Körper gemeinsam und in dieselbe Richtung, aktivieren wir alle unsere Kräfte. Ohne dieses Zusammenspiel geben wir uns mit Leistungen zufrieden, die nicht unserem wahren Potenzial entsprechen. Wir bleiben damit hinter den tatsächlichen Möglichkeiten zurück. Wertvolles Talent fristet ein Leben im Verborgenen. Erfüllende Momente unterbleiben. Kostbare Begabungen bleiben unerkannt, ohne ihren Beitrag zu einem erfüllten Leben leisten zu können.

Dieses Buch soll Menschen ihre vorhandenen Potenziale bewusstmachen und sie dabei unterstützen, ihre Talente zu nutzen. Es soll anregen, aus den Potenzialen mit gezielter Arbeit Fähigkeiten und Eigenschaften zu formen.

3. Leistungszentrale Kopf:

Der Kopf sitzt an der Spitze des Körpers! In Firmen, Institutionen oder Teams residieren die Kräfte, die die entscheidenden Ideen für Wachstum und Erfolg liefern, ebenfalls in der Chefetage. Sie regeln das Funktionieren des gesamten Systems. Alle relevanten Informationen laufen hier zusammen. Zukunftsvisionen und Zielsetzungen nehmen hier ihren Ausgang. Man steuert Prozessabläufe und fällt Entscheidungen. Dort liegen die Ursachen für den Erfolg oder Misserfolg! Sie sind der Kopf des Systems, egal ob dieses System eine einzelne Person ist oder viele Menschen daran beteiligt sind! Geistige, physische und seelische Bewegung sorgt für Veränderung. Aktivitäten folgen Impulsen, die vom Kopf kommen!

„Heute verloren wir das Spiel im Kopf!“

„Wir haben gewonnen, weil wir den Sieg unbedingt wollten!“

„Wir haben in schwierigen Momenten den kühlen Kopf bewahrt!“

Typische Aussagen aus der Sportwelt! Sie überbringen alle dieselbe Botschaft: „Sieg und Niederlage, Erfolg und Misserfolg, Fortschritt und Rückschlag, alles was wir tun oder nicht tun, ereignet sich zuerst im Kopf!“

„Mach etwas aus deinem Leben!“ Das möchte im Grunde doch jeder! Schon als Kleinkinder fühlten wir uns von Menschen, Dingen oder Tätigkeiten angezogen. Hieß es, „Schluss jetzt, Sachen wegräumen, es ist schon spät“, protestierten wir. Kinder sind motiviert für das, was sie tun. Gedanken, Gefühle, Emotionen und ihr Körper beteiligen sich zu hundert Prozent. Sie jubeln, wenn sie ein Ziel schaffen, für das sie ihre Energie eingesetzt haben.

Erwachsenen geht es ähnlich. Das Erlebnis, ein Ziel zu schaffen, das einem am Herzen liegt, wofür man Kraft und Energie investierte, zählt zu den schönsten Momenten. Begleiten eine Tätigkeit positive Emotionen, verfügt der Geist über die Energie, immer neue Versuche zu starten, bis das geschafft ist, was man will. Auch wenn der Aufwand manchmal groß erscheint und der Einsatz schmerzt, bleibt man auf dem Weg. Geschichten von Sportlerinnen und Sportlern, die sich mit Schmerzen und Entbehrungen zurückkämpfen, sind zahlreich und legendär. Wohlgemeinte Tipps und Ratschläge, das Ganze bleiben zu lassen, stattdessen ein anderes Ziel ins Auge zu fassen, bremsen sie nicht in ihrem Vorwärtsstreben.

Im Zusammenwirken von Geist, Seele und Körper liegt ihr Erfolgsgeheimnis. Glück oder Pech spielen nur Nebenrollen. Träume, Visionen, Ziele erfüllen sich, weil der Mensch sich als Ganzes auf die Reise begibt. Man fühlt positive Kräfte und Energien, die für geistige Klarheit sorgen. Alle Aktivitäten richten sich auf ein Ziel aus.

Spielt ein Teil aus dem Trio Geist-Seele-Körper nicht mit, kostet jeder Schritt zusätzliche Energie. Will oder kann der Geist nicht, kompensiert der Körper den Mangel selbst mit größtem Energieaufwand nur teilweise. Ist man nicht mit vollem Herzen und positiven Emotionen dabei, erfordert jeder Schritt viel mehr mentale und physische Anstrengung. Ist der Körper nicht mit ganzer Kraft und Energie einsatzfähig, leisten Herz und Hirn Schwerstarbeit, die sich höchstens teilweise in positiven Resultaten niederschlägt. Die Quellen der Energie drohen zu versiegen. Negative Emotionen, körperliche und geistige Erschöpfung sind die Folgen. Burnout oder depressive Verstimmungen spiegeln Mängel der inneren Harmonie wider.

Wege zu hohen Zielen verlaufen nie problemfrei. Schwierigkeiten erscheinen oft spontan. Sie erfordern Stopps, erzwingen Umwege, sind Auslöser geistiger und emotionaler Kämpfe. Mentale und emotionale Blockaden folgen. Die Sinnfrage stellt sich: „Will ich dieses Ziel wirklich? Ist es tatsächlich mein Weg?“

Ob ein Ziel attraktiv genug bleibt, hängt auch davon ab, wie ich subjektiv auf ein Problem reagiere. Empfinde ich es nur als vorübergehenden Rückschlag, der zum Weg dazugehört? Mobilisiere ich alle Energien, um es zu überwinden? Erlebe ich es als Beweis, dass mein Ziel, gemessen an meinem Talent, zu hoch angesetzt ist? Starte ich einen neuen Anlauf? Erkenne ich die Lehren, die eine Niederlage für mich bereithält? Nehme ich diese zur Kenntnis und ziehe die Konsequenzen in der täglichen Arbeit? Ändern sich meine ursprünglichen Motive? Erlischt mein Interesse und suche ich nach Ersatzzielen, einem Plan B, der weniger Aufwand an Kraft und Energie fordert und einen leichteren Weg verspricht? Widerrufe ich mein Engagement? Ziehe ich mentale, emotionale und körperliche Energien völlig zurück? Steige ich vorzeitig aus und widme mich anderen Themen und Zielen? Überlasse ich die Entscheidung darüber anderen Menschen? Gebe ich das Steuer aus der Hand und wechsle auf den mentalen Beifahrersitz meines Lebens?

Unabhängig von meinem Alter und meiner Erfahrung und unbeeinflusst davon, welche Erlebnisse hinter mir liegen und wie die aktuelle Situation sich darstellt: Ich habe bis ans Lebensende die Wahl! Fordere und fördere ich meine Talente, damit sie mein Leben bereichern, oder lege ich sie geistig zu den Akten, weil sich meine Erwartungen nicht durch schnelle Erfolge erfüllen?

Wesentlichen Einfluss auf meine Entscheidung hat die Reaktion nahestehender Menschen! Stützen sie mich mental und emotional, oder stimmen sie in den Chor die Zweifler und Kritiker ein? Bleibe ich im inneren Widerstreit allein? Nimmt man mir die Entscheidung, die mir allein zusteht, aus dem Kopf, oder erhalte ich die Chance, meine Fähigkeiten zur Problemlösung gerade jetzt zu stärken? Spüre ich die Anerkennung nahestehender Menschen für kleine Erfolge, muntern sie mich bei Rückschlägen auf, wenn die Kräfte meiner Beweggründe und meines Willens nachlassen? Ist die Kritik von außen konstruktiv und auf Lösungen ausgerichtet, oder raubt sie mir die positive Energie und schwächt damit das Selbstvertrauen?

Dieses Buch soll Menschen, egal in welcher Situation sie sich befinden und wie alt sie sind, dazu anregen, sich Ziele zu setzen, die ihren Talenten gerecht werden. Viele Menschen legen sich die Latte ihrer Ziele zu niedrig und fühlen sich deshalb nie in ihren Möglichkeiten gefordert. Ich will Wege aufzeigen, wie man sich selbst emotional, mental und physisch stärken und die Mentalität und Einstellung selbst trainieren kann. Die Menschen im persönlichen Umfeld und deren Anteil an Erfolg und Misserfolg sind ebenfalls ein Thema.

4. Hardware-Gehirn:

Die grauen Zellen, das biologische Gehirn, verkörpert, einfach ausgedrückt, die geistige Hardware, den physischen Anteil geistiger Ressourcen. Es ist Hauptsitz und Ausgangpunkt unserer Gedanken, Gefühle, Emotionen, Handlungen und Verhaltensweisen. Als komplexestes Organ im bekannten Universum verändert es sich zeitlebens. Sein Einfluss auf die Lebensgestaltung ist anerkannt, aber ein Buch mit sieben Siegeln.

Diese Siegel kann auch dieses Buch nicht knacken. Dazu sind sie zu komplex. Es gibt ständig neue Erkenntnisse und Beispiele, in welcher Weise wir mentale und emotionale Mittel für das Erreichen von Visionen und Zielen einsetzen. Schenken wir ihrer Entwicklung von Kindheit an gebührende Aufmerksamkeit, bieten sie die entscheidende Hilfe, Herausforderungen zu bewältigen, die anspruchsvolle Ziele und Wege an uns stellen.

Durch angelerntes Denken und vorgeprägtes emotionales Verhalten stehen wir uns oft selbst im Weg. Ist unser Geist trainiert, aktivieren wir seine Ressourcen bewusst. So wie ein wenig trainierter Körper keine außergewöhnlichen Kräfte für physische Leistungen entwickelt, erreichen wir mit einem mangelhaft trainierten Geist keine ambitionierten Ziele, obwohl alle Anlagen dafür vorhanden sind. Sie aufzuspüren, anzuregen, zu entwickeln, einzusetzen, ist das Ziel dieses Buches.

1. Kapitel – Die Anatomie des Erfolgs

Was ist Erfolg?

„Erfolg heißt, mit sich im Reinen zu sein! Zufriedenheit im Wissen, das Beste getan zu haben, um die bestmögliche Version seiner selbst zu sein.“

John Wooden (1910-2010), US-Basketballspieler und Coach

Was ist Erfolg? Komische Frage, werden manche von Ihnen sich jetzt denken! Erfolg ist, wenn ich etwas schaffe, was mir viel bedeutet, mir am Herzen liegt! Was erfordert Erfolg? Den gezielten Einsatz von Wissen und Können, von körperlichen, geistigen und emotionalen Ressourcen. Ich setze mir Ziele und will ernten, was ich mir in den Kopf setze. Viele Menschen lassen zu, dass sich andere in den Kopf setzen, was in ihrem Leben zu geschehen hat. Mitmenschen bestimmen über persönliche Lebensbereiche. Sie legen fest, welche Ziele man sich setzen soll und welche man sich besser aus dem Kopf schlagen sollte.

Erscheint mir ein Ziel als erstrebenswert, mobilisiere ich meine Energien und Kräfte. Ich erwarte mir die Befriedigung meiner Wünsche und Bedürfnisse und die Verwirklichung meiner Visionen. Ich will Ergebnisse sehen, hören, fühlen! Ich bin bereit, zu leisten, was das Ziel und der Weg dahin verlangen. Leistungen und positive Ergebnisse machen mich zufrieden, wenn ich sie als Erfolge werten kann. Ich bestimme, ob ein Resultat, eine Leistung meinen Vorstellungen von Erfolg entspricht. Im Sport werten viele ein Ergebnis als Erfolg, obwohl die Leistung gemessen am Talent eher dürftig ist. Andere empfinden die Leistung als Erfolg, auch wenn die damit erzielten Ergebnisse unter den Erwartungen bleiben. Gelingt es, Leistungen auf einem hohen Niveau zu stabilisieren, stellen sich die Ergebnisse bald von selbst ein! Ergebnisse sind Folgen zielgerechter Leistungen!

Entsprechen Leistungen und Resultate meinen Erwartungen, kann ich behaupten: „Mission erfüllt!“ Meine Erfolgsdefinition hängt von Zielen und Erwartungen ab. Bisweilen korrigiere ich Ziele, um die Zufriedenheit zu wahren und einen Weg mit positiven Gefühlen abschließen zu können. Das ursprüngliche Ziel habe ich zwar verfehlt, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Kinder und Jugendliche träumen. Die meisten Träume verblassen im Lauf der Zeit. Andere widerstehen allen bremsenden Einflüssen von innen und außen und entwickeln sich zur echten Vision. Sie weckt Sehnsüchte, mobilisiert mentale und emotionale Kräfte. Der innere Antrieb macht aus einer Vision ein echtes Ziel. Man setzt sich Zwischenziele und fühlt sich erfolgreich, wenn man sie als Lohn für das zielorientierte Denken und Engagement verwirklicht. Erfolg stärkt das Vertrauen, dass man Fähigkeiten und Eigenschaften hat, um die Leistungen zu bringen, die die Erfolgserlebnisse ermöglichen, die man im Kopf hat.

Friedrich Wilhelm von Humboldt sieht das Fundament des Erfolgs in der Erfüllung zweier Voraussetzungen:

1) Stetiges Handeln,

2) Anhaltende Zuversicht.

Mache ich sie zu meinen Leitmotiven im Denken und Handeln, vergrößere ich die Aussicht auf Erfolg. Ich entwickle Fähigkeiten und Eigenschaften, vertraue trotz mancher Rückschläge meinem Weg und erreiche mein Ziel in überschaubarer Zeit.

Erfolg beginnt im Kopf

„Ein starker Wunsch, eine intensive Vorstellung sind die Schlüssel zur Motivation. Entschlossenheit, Begeisterung und beharrliches Streben nach einem Ziel und die Selbstverpflichtung zu Spitzenleistungen ermöglichen den Erfolg.“

Mario Andretti, US-Automobilrennfahrer und Formel-1-Weltmeister 1978.

Ich stelle mir meinen Erfolg bildhaft vor. Geistige Bilder schaffen Klarheit, wie der Erfolg aussieht, sich anfühlt und anhört. Daraus werden konkrete Vorstellungen. Das Gehirn formt aus dem ihm zur Verfügung stehenden geistigen Material Bilder des Erfolgs. Sie zentrieren die Sinne, steuern das Denken und Handeln. Positive Gefühle entstehen. Sie regen den Geist an. Fokussierte Gedanken und positive Emotionen wecken Zuversicht und Optimismus. Sie sind die Erfolgsgrundlagen.

Wie konkretisiere ich meine Erfolgsvorstellung? Damit ich mir Erfolg vorstellen kann, will ich seine Bedingungen kennen. Sie klären mein mentales Erfolgsbild. Sehen, Hören, Spüren, Riechen, Schmecken! Sinneseindrücke vervollständigen das geistige Ganze. Wie sieht Erfolg aus? Wie hört, fühlt er sich an? Wie riecht und schmeckt er? Ich setze Schritte und erfahre mit jedem zurückgelegten Meter die Erfolgsbedingungen.

Empfinden Sie den Einbezug aller Sinne als umständlich? Viele Menschen sind am Anfang ihres Weges zuversichtlich, sogar euphorisch. Mit positiven Erwartungen stürmen sie los, stürzen sich motiviert auf die Aufgaben. Nur endlich loslegen! Meistens unterbleibt eine mentale und emotionale Vorbereitung. Der Reiz des Neubeginns verfliegt schon bald. Erste Probleme erscheinen auf der Bildfläche. Sie trüben die Zielvorstellung. Den Sinnen fehlt der klare Zielfokus. Anfänglicher Entschlossenheit, Euphorie und Leidenschaft geht die emotionale Luft aus. Lege ich hingegen schon vor dem Start ein geistiges Fundament, spüre ich in solchen Phasen festen mentalen Tritt. Erfolg beginnt im Kopf!

Fehlt die mentale und emotionale Vorbereitung, rächt sich dieser Mangel bald! Spärlich vorhandenen geistigen Bildern fehlen Stabilität und Präzision, um Tiefs und Rückschläge zu überbrücken. Positive Energien sind schwach und verpuffen. Statt Zuversicht und innerer Überzeugung sendet der Geist Signale von Zweifeln und Resignation an den Körper. Unlust breitet sich aus, das Interesse schwindet. Ursprüngliche Beweggründe verlieren ihren Glanz. Der unzulänglich vorbereitete Geist erkennt keinen Ausweg. Die Lage scheint unlösbar! Sinnfragen stellen sich: Will ich es? Ist das mein Weg? Habe ich eine Chance, mein Ziel zu schaffen? Die Lösung liegt in einer eindeutigen Erfolgsdefinition. Sie entwickelt sich aus der Situation der Gegenwart heraus: Welchen nächsten Schritt braucht es jetzt? An welchem Punkt im Leistungsspektrum setze ich an? Bin ich in der Stimmung für den nächsten Schritt? Existiert die nötige mentale Klarheit? Kenne ich meine Beweggründe? Habe ich genügend positive Energie, um durchzustarten? Wo liegen meine Erfolgschancen genau? Was verschafft mir positive Energie?

Ich sichte mögliche Erfolgsbausteine und ordne sie mental. Wie ist der aktuelle Stand der Entwicklung? An welchem Punkt befinde ich mich aktuell zwischen Start und Ziel? Ich will den Überblick über alle Bedingungen, die der Erfolg stellt! Ich will die Anatomie des Erfolgs kennenlernen! Ich suche die Säulen des Erfolgs!

Die Anatomie des Erfolgs

„Erfolg ist keine Tür, sondern eine Treppe!“

Dottie Walters (1925-2007), amerikanische Autorin

Klare Erfolgsvorstellungen führen mir das Ziel in allen Details vor Augen. Erfolg gleicht einem Mosaik, oder, wie Dottie Walters sagt, einer Treppe. Einzelne Teile ergeben gemeinsam das Erfolgsbild. Aus welchen Faktoren besteht das Mosaik? Wie beeinflussen sie den Weg zum Erfolg?

Erfolgreich zu sein heißt, die Bedingungen des Erfolgs zu erfüllen. Jeder Erfolg ist anders. Kein Erfolg ist ein Zufallsprodukt, sondern immer das Endergebnis von Leistung. Unterschiedliche Leistungsfaktoren wirken wie Zahnräder zusammen und ergeben eine Gesamtleistung.

Warum bleibt der ersehnte Erfolg aus? Weil Sehnsucht danach allein nicht reicht! Ich muss die Erfolgsfaktoren kennen, sie mit Leben erfüllen! Jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Bleibt einer unbeachtet, gerät irgendwann Sand ins Getriebe. Viele vernachlässigen einzelne Elemente oder setzen beim Lernen und Training falsche Prioritäten. Hinsehen, Hinhören, Reinfühlen in sich klärt den Ist-Zustand. An welchen Rädern ist zu drehen, damit ich mein Talent weiterentwickle und den Voraussetzungen des Erfolgs gerecht werde?

Ob im Sport, in der Kunst, in Lern- und Prüfungssituationen, im Studium oder im Beruf: Immer ist die praktische Erfüllung der Erfolgsbedingungen entscheidendes Kriterium. Nicht die Zahl der investierten Stunden ist das Maß für den Fortschritt. Es geht um die Treffgenauigkeit, die Qualität einzelner Entwicklungsschritte.

Die folgende Abbildung zeigt ein System mit allen Faktoren, die eine Rolle in der Talententwicklung im Leistungssport und anderen Leistungsbereichen spielen. Jeder ist ein Erfolgsbaustein. Dieses System enthält innere, im Menschen selbst liegende Potenziale sowie durch äußere Einflüsse bedingte Faktoren. Alle wirken auf die Entwicklung des Einzelnen oder einer Gruppe ein. Jedes Element kann zur Hauptursache für Weiterentwicklung werden oder, wenn es unbeachtet bleibt, zu schwerwiegenden Problemen führen. Äußere Faktoren werden in der Entwicklung von Leistung oft ignoriert. Sie können eine wertvolle Unterstützung sein, aber auch zur unüberwindlichen Hürde für die Entwicklung und damit für Leistung und Erfolg werden.

Abbildung 1: Innere und äußere Erfolgsfaktoren

Jedes einzelne Element bietet Chancen für Erfolgserlebnisse. Kleine Schritte zeigen die Weiterentwicklung. Versage ich ihnen die mentale Zuwendung, weil sie mir als selbstverständlich, weil zu unspektakulär erscheinen, verzichte ich auf wertvolle Erfolgserfahrungen und auf eine Inspirationsquelle, die mir hilft, auch schwierige Phasen mental und emotional zu überwinden. Wertschätze und beachte ich sie, ziehen sie größere Erfolge nach sich. Anerkennung und Lob für Erreichtes wecken positive Gefühle für Entwicklung und Fortschritt.

Jedes erreichte Mini-Ziel ist eine positive Rückmeldung. Das gilt aber ebenso für Misserfolg. Erreichte wie verfehlte Ziele sind in Resultate verpackte Botschaften. Sie zu verstehen, richtige Schlüsse zu ziehen und praktische Konsequenzen einzuleiten sind Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum. Resultate sind ein objektives Feedback über Leistungen. Leistungsanalysen sorgen für das Wissen, das ich ins weitere Training einfließen lasse. Ich verwandle Misserfolg in Erfolg!

Die Elemente des Erfolgs geben eine geistige Struktur. Sie ermöglicht mir präzise Analysen über die Fortschritte und bisher ungenutzte Potenziale. Ich kann für das Training Prioritäten setzen. Das Wissen um den Ist-Zustand liefert mir wertvolle Aufschlüsse für die Arbeit. Ich setze mir Zwischenziele und strukturiere den Weg nach Inhalten und Zeiträumen. Welche Maßstäbe setze ich? Wie verwerte ich mein Wissen beim Lernen und im Training? Welche Prioritäten setze ich? Welche Entwicklungsbereiche erhalten den Vorzug im Training? Welche Relevanz gebe ich den einzelnen Bereichen für die nächsten Schritte?

Entwicklungsbereiche, die im Menschen selbst liegen

a) körperliche Leistungsfaktoren

Jeder gesunde Mensch trägt natürliche Anlagen zur Bewältigung seiner Lebensaufgaben in sich. Daraus entwickelt er physische Fähigkeiten und Eigenschaften. Menschen, die wegen Verletzung oder Krankheit Anteile der körperlichen Möglichkeiten ganz oder teilweise verlieren oder sie von Geburt an nicht haben, beweisen, dass sie dennoch großartige körperliche Leistungen erbringen und hervorragende Ergebnisse erzielen können. Die entwickelbaren physischen Leistungsfähigkeiten sind Ausdauer, Kraft, Schnellkraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit sowie koordinative Fähigkeiten.

Körperliche Ausdauer: Sie bezeichnet den Widerstand, mit dem sich der Körper der Ermüdung widersetzt. Auch die Zeit, die ich benötige, um mich nach körperlicher Anstrengung wieder ganz zu erholen und leistungsfähig zu sein, gibt Aufschluss über den Zustand der physischen Ausdauer. Mit Erholung ist die Wiederherstellung der vollen Leistungsfähigkeit gemeint. Die Qualität physischer Ausdauer entscheidet, wie lange und wie intensiv der Körper belastbar ist und wie lange er braucht, um wieder leistungsbereit zu sein.

Körperkraft: Die Muskulatur des Körpers widersteht Einwirkungen von außen durch Kontraktion und überwindet äußere Hindernisse. Auch die Fähigkeit, der Schwerkraft der Erde standzuhalten, gehört dazu. Das ist beispielsweise beim Heben von Lasten oder bei Sprüngen zu beobachten.

Schnellkraft: Eine besondere Form der Körperkraft ist die Schnellkraft. Aus der Ruhestellung heraus ermöglicht sie uns, dass wir den Körper rasch und gezielt in Bewegung setzen. Beispiele aus dem Sport sind Startvorgänge. Ebenso verdanken wir ihr die Fähigkeit zu schnellen Richtungsänderungen einer Bewegung. Ihre Entwicklung nimmt im Krafttraining den größten Teil in Anspruch.

Beweglichkeit: Sie gehört zu den Erfolgsvoraussetzungen in den meisten Sportarten. Trainierte Glieder, Gelenke, Muskeln und Sehnen passen sich an sportartspezifische Bewegungsabläufe an. Fast jede Sportart stellt an die Beweglichkeit des Körpers mehr oder weniger große Anforderungen.

Bewegungsschnelligkeit: Das ist die Fähigkeit, auf innere und äußere Reize in kürzester Zeit zu reagieren und rasche Bewegungen gegen Widerstände auszuführen. Die Trainingslehre kennt Aktions- und Reaktionsschnelligkeit. Der Unterschied liegt darin, ob der Körper eigenen Bewegungsimpulsen folgt oder gezielt auf äußere Impulse und Reize reagiert.

Körperkoordination: Durch koordinative Fähigkeiten steuern wir gezielt und bewusst Bewegungen und führen präzise Bewegungsabläufe effizient und harmonisch durch. Koordination erfordert viele herausfordernde Lernschritte. Besonders Sportarten mit hohen körperlichen Ansprüchen verlangen äußerst vielseitige koordinative Fähigkeiten. Sie ermöglichen Athletinnen und Athleten aber auch außerordentliche Erfolgserlebnisse. Basis dafür sind achtsam gesetzte, konsequente Entwicklungsschritte.

Zur Koordination gehören beispielsweise auch Fähigkeiten wie rasch auf Reize zu reagieren, sich schnell und genau an veränderte Umstände oder räumliche Gegebenheiten anzupassen, das körperliche Gleichgewicht zu halten, den Rhythmus in anspruchsvollen Situationen zu finden oder zu halten, Teilbewegungen miteinander zu koppeln und feinmotorische Sequenzen aufeinander bestmöglich abzustimmen.

b) sportspezifisch-technische Leistungsfaktoren

Die individuelle Technik ist Ausdruck des handwerklichen Könnens. Viele Sportarten und andere Leistungsbereiche verlangen ein Handwerk, das an Kunst erinnert. Handwerk hat, wie ein Zitat sagt, goldenen Boden. Eine solide Technik ist die unverzichtbare Grundlage jeder Leistung auf hohem Niveau. Sie bietet die Basis dafür, das Handwerk zur Kunst weiterzuentwickeln.

Vielfach versteht man unter Technik rein körperliche Abläufe. Handwerkliches Gelingen hängt aber auch von der störungsfreien Kooperation Geist/Körper ab. Vorstellungsvermögen und Aufnahmefähigkeit spielen beim Erlernen jeder Technik die entscheidende Rolle. Die mentale Vorstellung der technischen Bewegungsabläufe bildet die Basis des Lernens. Das Verständnis konkreter Anweisungen ist die Grundlage, um sie geistig restlos aufzunehmen und sich die richtigen inneren Bilder der Bewegungsabläufe zu schaffen. Das Training der Technik geschieht nicht zum Selbstzweck. Es hat immer übergeordnete Ziele. Sie stehen im Kontext zu anderen Bereichen der Leistung.

Technisch-körperliche Leistungsfähigkeit bietet unzählige Möglichkeiten für Erfolgserlebnisse. Präzise Bewegungsabläufe gemischt mit individuellen physischen Eigenheiten ergeben eine Einzigartigkeit in der Durchführung. Die Entwicklung verläuft daher zeitlich und inhaltlich eng miteinander verknüpft. Im Jugendsport, aber auch im Rahmen der handwerklichen Ausbildung von Jugendlichen in anderen Leistungsbereichen nimmt man auf individuelle körperliche Besonderheiten Rücksicht. Zusammen bilden sie die einzigartige Technik, die jeden Menschen auszeichnet.

c) Strategie und Taktik als Leistungsfaktoren

Jedes Handwerk verlangt seinen situationsgerechten Einsatz. Die richtige technische Aktion im passenden Moment. Der trainierte Körper entfaltet sein volles Können dann, wenn seine Fähigkeiten sowohl effizient als auch effektiv eingesetzt werden. Dafür sorgt eine individuelle Taktik. Sie folgt einer Strategie, einen längeren Zeitraum im Auge behält. Strategie und Taktik werden häufig irrtümlich als dasselbe verstanden.

Strategien verfolgen langfristige Pläne, die eine ganze Karriere oder aber bestimmte zeitliche Etappen umfassen. Die Taktik zerlegt diese Strategie in kurze Zeitspannen und setzt Zwischenziele um. Beide sind Konstrukte des Geistes. Eine Karriereplanung legt lang- und mittelfristige strategische Ziele fest. Die Taktik zerlegt die Wegstrecken in kurzfristige Portionen und realisiert sie in Trainings und Wettkämpfen. Der Kopf gibt vor, der Körper setzt die Taktik mithilfe körperlicher und technischer Ressourcen um.

Taktische Fähigkeiten sind typisch für den Wettkampf. Häufig besiegen Sportlerinnen, Sportler oder Teams ihre Konkurrenz, die ihnen körperlich und technisch überlegen scheint, durch kluges taktisches Handeln. Sowohl eine langfristige Strategie wie auch kurzfristiges taktisches Vermögen sind entwickelbar. Man kann eine Taktik im Bedarfsfall den Verhältnissen des Moments anpassen. Eine klug gewählte Taktik bringt das technische Können zur Geltung. Es gibt genügend Spielraum für Erfolgserlebnisse.

„Meine Taktik hat heute hervorragend funktioniert! Das ist die Strategie für die nächsten Monate und Jahre!“ Aussagen, die den Unterschied zwischen Strategie und Taktik aufzeigen. Um taktische und strategische Erfolge zu erkennen, müssen ihre Inhalte im Kopf abgebildet sein und sich in Worten oder Gesten ausdrücken lassen. Strategie wie auch Taktik sind unverzichtbare Ressourcen für Training, Wettkampf, Karrieren und für das Leben überhaupt.

Eine bis ins Detail ausgefeilte Taktik steuert die Wettkampfaktionen. Ob sie in vollem Umfang umgesetzt wird, liegt am Stand der körperlichen, technischen und mental-emotionalen Ausbildung. Auch intuitive Fähigkeiten spielen hier eine wesentliche Rolle. Meist handeln wir im Wettkampf oder in anderen wichtigen Situationen aus dem Bauch heraus. Wettkampf bezieht einen Teil seiner Spannung aus unerwarteten Ereignissen. Athletinnen und Athleten müssen emotional und mental damit umgehen lernen. Nur dann können sie rasch und folgerichtig agieren und reagieren. Intuition lebt von der Erfahrung. Sie ergänzt die bewusste Denkarbeit. Intuitive Aktionen und Entscheidungen, gesteuert durch das Wissen des Herzens, ergänzen den reflektierenden und kritischen Intellekt.

Taktik und Strategie lenken körperliche und technische Fähigkeiten effizient und effektiv. Effizient, indem man Ziele präzise ansteuert und erreicht oder ihnen zumindest nahekommt. Effektiv, indem man die physisch-technischen Ressourcen so einsetzt, dass man mit Energie und Zeit ökonomisch umgeht. Im Lernprozess taktischer und strategischer Fähigkeiten erleben wir neben Rückschlägen auch Erfolge. Vor allem in Wettkämpfen kommen die Vorzüge von Taktik und Strategie zum Vorschein.

d) mentale und emotionale Leistungsfaktoren

Jedes gesunde Neugeborene trägt alle geistigen, emotionalen und mentalen Anlagen in sich, die das Leben auf diesem Planeten verlangt. Aus diesen Potenzialen entwickelt der Mensch im Lauf der Zeit mentale und emotionale Fähigkeiten und Eigenschaften. Ab der ersten Lebenssekunde verändert sich das Gehirn. Jede Erfahrung prägt das Verhalten, Denken und Handeln einer Person. Neben natürlichen Anlagen sind deshalb auch die Erziehung und frühe Erlebnisse dafür verantwortlich, wie wir als Jugendliche und Erwachsene an die Aufgaben herangehen. Natur und Prägung legen fest, wie wir mit inneren und äußeren Zuständen umgehen, wie wir reagieren und agieren. Emotionale und mentale Fähigkeiten erhalten in den ersten Jahren des Lebens ihre individuelle Prägung. Die Mentalität formt sich. Erfahrungen stimulieren die Erwartungen an sich und andere. Prägende Erlebnisse normieren unser Denken, Fühlen und Verhalten.

Der physische Sitz der Mentalität ist unser Gehirn. Es bildet den Kern des zentralen Nervensystems (ZNS). Die Nerven des peripheren Nervensystems (PNS) verbinden es mit dem Körper und seinen Organen. Mit ihnen tauscht sich das Gehirn permanent aus und steuert sämtliche körperlichen Vorgänge. Zellen der Sinne bündeln sich in Sinnesorganen. Sie sammeln Informationen aus der Umwelt und dem Körperinneren und leiten sie ans Gehirn weiter. Es bewertet die Botschaften, verarbeitet sie und erteilt den Organen gezielte Aufträge. Diese Zusammenarbeit macht Geist und Körper zur funktionalen Einheit.

Gedanken bilden den Großteil der geistigen „Software“. Durch Denk- und Lernarbeit speichert das Gedächtnis sämtliche Erlebnisse, Erfahrungen und Vorstellungen und ordnet sie in das bereits vorhandene Wissen ein. Aus dem Speicher kommen viele geistige Impulse, die der Körper als Bewegung und Verhalten in die Tat umsetzt. Gedanken sind die Grundlagen für Emotionen, Handlungs- und Verhaltensweisen.

PNS und Sinnesorgane informieren das Gehirn auch über die Auswirkungen der Handlungen und Verhaltensweisen. Es prüft die Ergebnisse. Stimmen sie mit den Absichten überein? Sind Veränderungen nötig? In diesem Fall sendet es korrigierende Impulse. Entsprechen ihre Auswirkungen den Absichten, verstärkt es diese Impulse. So optimiert es das beabsichtigte Verhalten und Tun. Bleibt ein Erfolgs-Feedback aus und will ich ein Ziel trotzdem schaffen, sucht das Gehirn nach zusätzlichem Wissen. Es kommt zum Versuch-Irrtum-Spiel. Das dauert so lange, bis ich einen Weg finde, der mich zufriedenstellt. So lerne ich optimales Handeln und Verhalten in speziellen Situationen durch „Learning by Doing“. Es präzisiert und automatisiert sich und wächst zur Gewohnheit, zum Mittel der Wahl, das ich in ähnlichen Situationen bewusst oder unbewusst aktiviere. Positive Anleitungen anderer Menschen helfen mit dabei, mein Denken und Tun weiter zu optimieren. So funktioniert Lernen!

Das Großhirn verrichtet den Hauptteil kognitiver Arbeit. Zwar ist es, entwicklungsgeschichtlich betrachtet, der jüngste Gehirnabschnitt, steuert aber Lernen, Merken, Planen, Wahrnehmen, Konzentrieren, Kombinieren von Erfahrungen. Im Großhirn liegt das Gedächtnis schlechthin.

Direkt darunter liegt das entwicklungsgeschichtlich ältere Zwischenhirn. Es beherbergt das Mischpult für Emotionen, Stimmungen und Affekte. Wut, Freude, Trauer, Angst, Ekel, Überraschung sind die Basisemotionen. Jede Emotion ist ein Ausdruck psychisch-körperlicher Vorgänge im limbischen System, das im Zwischenhirn liegt. Emotionen entstehen durch äußere Ereignisse, Situationen, Gefühle, Erlebnisse, Einstellungen usw.

Eine Emotion fühlen wir als körperliche und psychische Reaktion. Kurze, intensive Emotionen nennt man Affekte. Physiologisch erkennen wir sie durch Schweißausbrüche, Zittern, Gesichtsrötungen, steigenden Tonus der Muskulatur etc. Affekte ereignen sich kurzfristig und spontan. Stimmungen dauern längere Zeit an. Auslöser können sowohl äußere als auch innere Einflüsse sein. Wetter, Qualität des Schlafes, der körperliche Zustand, die Ernährung und vieles andere beeinflussen die emotionale Stimmung.

Affekte und Stimmungen beeinflussen Gedanken und Verhalten. Körperlich wirken sie auf den Spannungszustand der Muskulatur. Er liegt zwischen hoch angespannt und völlig entspannt und ist ausgelöst durch die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin, Adrenalin, Oxytocin. Wir können Emotionen bewusst steuern. Diese Fähigkeit nennen wir Psychoregulation. Sie beeinflusst den physischen Zustand und wirkt auf die Bewegungsabläufe. Das Erreichen jedes Zieles erfordert einen bestimmten emotionalen Beitrag. Daher hat die Regulation physiologisch-psychischer Vorgänge eine fundamentale Bedeutung. Auch sie ist trainierbar. Ich komme darauf im Kapitel „Mentale Wettkampfstärke“ ausführlich zu sprechen.

Neben Hirnregionen für kognitive und emotionale Prozesse sind noch jene Bereiche wichtig, die die motorischen Fähigkeiten steuern, die Sinne lenken, das Energieniveau, die Reflexe, die Atmung, den Blutdruck und die Herzfrequenz regulieren. Der Großteil davon liegt im Stammhirn an der Einmündung des Rückenmarks und im Kleinhirn am Hinterkopf.

Die mentale Landkarte

Die mentale Landkarte ist ausschlaggebend für die herrschende Mentalität. Das Gehirn ist ein neuroplastisches Organ. Es ändert sich permanent und passt sich, so gut es geht, wechselnden äußeren Umständen und inneren Zuständen an. Die mentale Landkarte ergänzt sich laufend. Das Gehirn registriert und verarbeitet Erlebnisse, Gedanken, Erfahrungen, Gefühle, Emotionen und viele andere Ereignisse. Die Auswirkungen dieser Arbeit zeigen sich im mental-emotionalen Zustand. Wer sich selbst oder andere Menschen aufmerksam beobachtet, erkennt deren mentale Verfassung.

Kindheitserfahrungen prägen die mentale Landkarte nachhaltig. Erlebnisse der ersten Lebensjahre schaffen die Fundamente für das spätere Denken und Verhalten. Gehirn und Mentalität formen sich grundlegend. Das Gehirn von Säuglingen oder Kleinkindern gleicht einem leeren Blatt Papier. Jedes Erlebnis, jede Erfahrung, jedes Gefühl schreibt neue Texte und verändert die Landkarte. Menschen im Umfeld beeinflussen die kindliche Mentalität. Kinder sind Nachahmer. „Ich kann das Kind noch so erziehen, es macht mir trotzdem alles nach!“ So beschreibt ein Zitat treffend den Einfluss des personellen Umfelds auf das kindliche Denken, Fühlen und Handeln. Am stärksten prägen Erlebnisse und Erfahrungen, die mit Emotionen einhergehen, ausgelöst von der Bedeutung eines Erlebnisses oder durch das Verhalten des Umfelds.

Je tiefer eine Prägung ist, umso größer ist später ihr Widerstand gegen Veränderungen. Denk- und Verhaltensmuster, häufig angewandt, hinterlassen tiefe Spuren. Deshalb sprechen wir auch von Prägung! Emotionale Erlebnisse aus frühester Kindheit rufen auch noch nach vielen Jahren Emotionen hervor, die den ursprünglichen ähnlich sind. Spuren von Erlebnissen und Erfahrungen, die sie im Kindesalter machten, sind bei Erwachsenen nie völlig zu löschen. Sie prägen sich ins Gedächtnis ein. Veränderungen von Denken und Verhalten und den damit verbundenen Emotionen werden deshalb zur Schwerarbeit mit ungewissen Aussichten.

Sind Veränderungen der mentalen Landkarte unumgänglich, muss die Arbeit effizient erfolgen. Daher sind alle Bereiche des Gehirns, kognitive, emotionale und strukturell-energetische Areale mit einzubeziehen. Wissenschaftlich in ihrer Wirkung gesicherte, vielfach praktisch erprobte Übungen und Techniken helfen, die Veränderung von Einstellungen, Denken und Verhalten zu erleichtern. Mentale Arbeit erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Innere Barrieren sind, wenn schon nicht völlig auszuschalten, so niedrig wie möglich zu halten. Man beginnt mit gut reflektierten Antworten auf folgende Fragen:

Was will ich verändern? Im Denken, Fühlen, Handeln, Verhalten?Was genau kann ich verändern? Mögliche innere Widerstände dagegen?Wie soll sich die Veränderung auswirken? Die Folgen der Veränderungen?Welche sind die Ziele der Veränderung? Dauerhafte Auswirkungen?

Die Arbeit an mental-emotionalen Ressourcen verlangt nach präzisen Zielen. Die mentalen Trainingsinhalte sind im Detail festzulegen. Alle Übungen sind an individuelle Bedürfnisse anzupassen, persönliche Vorlieben zu beachten. Der Mensch wird an dem geistigen Ort abgeholt, wo er sich mental und emotional befindet. Jeder Kopf ist eine eigene Welt. Es ist schwierig, allen individuellen Besonderheiten gerecht zu werden. Ich gehe so effizient wie möglich auf die vorherrschende Mentalität ein. Was ich verändern will, muss ich im Detail kennenlernen!

Man begegnet der mentalen Landkarte achtsam und respektvoll. Kleine und unscheinbare Signale sind zu beachten. Winzige unbewusste Äußerungen, die Körpersprache und andere Zeichen verraten viel mehr als bloße Worte. Sehen, hören, fühlen, spüren! Erkennen von Gedanken und Gefühlen, ohne Wertung, ohne Beurteilung! Zwei Fragen ergeben sich aus dieser Aufgabe:

Wie drücken sich emotionale und mentale Zustände aus?

Worauf lege ich bei der Beobachtung besonderes Gewicht?

Mentale Eigenheiten und emotionale Zustände drücken sich auf mehrere Weisen aus. Im Anschluss sehen wir uns diese Ausdrucksformen näher an.

Abbildung 2: Ausdrucksweisen mentaler und emotionaler Zustände

Gedanken als zentrale Elemente der Mentalität

„Wir verkörpern das, wozu uns unsere Gedanken gemacht haben.“

Swami Vivekananda (1863 bis 1902), indischer Mönch und Gelehrter

Mein Denken bestimmt mein Leben. Ich bin, was ich denke. Alles was ich bin, entsteht aus meinen Gedanken. Sie formen meine Welt! Menschen finden Sinn im Leben, indem sie ihre Begabungen erkennen, Visionen entwickeln und Ziele erreichen. Im Rückblick auf ein erfülltes Leben bekennen sie: „Als ich mein Denken veränderte, nahm der Lauf meines Lebens eine andere Richtung!“

„Jetzt möchte ich ihre Gedanken lesen können!“ Das wünschte sich ein Tennis-Trainer, während er den Wettkampf seines Schützlings beobachtete. Dieses Anliegen zeigt die fundamentale Bedeutung der Gedanken für unser Tun und Verhalten. Gedanken sind richtungsweisend für den Verlauf des Lebens. Sie bestimmen die Schicksale einzelner Menschen und ganzer Völker! Sie bestimmen Gefühle, Emotionen und Verhaltensweisen. Sie sind auslösende Elemente jeder mental-emotionalen Veränderung und Grundlage für Individualität und Freiheit.

„Die Gedanken sind frei“ lautet der Refrain eines Volksliedes. Wirklich frei bin ich nur in meinen Gedanken. Lasse ich mir diese Freiheit nehmen, so willige ich ein, dass andere mein Denken beherrschen. Ich werde zur geistigen Marionette im Spiel anderer. Diktatoren legen es darauf an, das Denken des Volkes durch körperliche, psychische und geistige Bedrohungen und Torturen zu beeinflussen, zu unterwerfen, die Gedanken des Einzelnen zu versklaven. Das gelingt ihnen nur, wenn die Mehrheit der Menschen damit einverstanden ist und die geistige Versklavung zulassen. Sie folgen im wahrsten Wortsinn gedankenlos. Gedanken sind mein geistiger Rückzugsort, zu dem niemand ohne mein Einverständnis Zutritt erhält. Drücke ich meine Gedanken durch Worte oder Gesten aus, lasse ich andere daran teilhaben.

Besonders eindrücklich beschrieb die Gedankenfreiheit der Psychiater Viktor Frankl. Positive Gedanken ermöglichten es ihm, die furchtbaren Gräuel der Konzentrationslager, in denen er im Zweiten Weltkrieg von den Schergen der Nationalsozialisten festgehalten wurde, trotz der zahllosen körperlichen und psychischen Torturen zu überstehen und mit erträglichen mentalen und emotionalen Folgen ins freie Leben zurückzukehren. Diese Fähigkeit Frankls wird zur Chance für jeden: „Ich konnte sogar unter den unmenschlichen äußeren Bedingungen noch einen Sinn in meinem Leben erkennen.“ Den Sinn, den der Mensch mit eigener Gedankenarbeit findet.

„Wie der Mensch denkt, so lebt er“, heißt es im Buch des britischen Autors James Allen. Als Jugendlicher war er Augenzeuge des gewaltsamen Todes seines Vaters. Das Ereignis zwang den gerade 15-Jährigen in die Rolle des Familien-Erhalters. Er brach die Schulausbildung ab. Später zog er sich aus dem Berufsleben zurück und widmete sich dem Schreiben. Seine Bücher befassen sich mit der Macht der eigenen Gedanken.

Diese Macht drückt auch folgender Aphorismus aus: „Achte auf deine Gedanken, sie werden zu Worten. Achte auf deine Worte, sie werden zu Handlungen. Achte auf deine Handlungen, sie werden zu deinen Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, er wird dein Schicksal.“

Weise Sprüche raten, den Gedanken Aufmerksamkeit zu schenken. Jeder Mensch ist in der Lage, auf sein Denken zu achten und darauf einzuwirken. Darin liegt die zentrale Aufgabe der Arbeit mit den mentalen Ressourcen.

Gedanken sind geistige Aktionen. Wiederhole ich sie häufig, prägen sie mein Unterbewusstsein. So entstehen Glaubenssätze und Einstellungen. Anfängliche Zweifel an der Richtigkeit der Gedanken schwinden. Stabile Meinungen bilden sich und entwickeln sich zu einer subjektiven Wahrheit. Verhaltensweisen und Gefühle richten sich danach aus. So entstehen Gewohnheiten. Verlangt es die Situation, etwa im Laufe einer Sportkarriere, solche Gewohnheiten zu ändern, reagiert der Geist mit massivem Widerstand. Um Veränderungen zu schaffen, mache ich mir meine Denkgewohnheiten bewusst. Ein schwieriges Unterfangen. Sie sind längst in „Fleisch und Blut“ übergegangen, haben sich „verkörpert“.

Gedanken haben unterschiedliche Ausformungen. Wir haben Ideen, folgen einer spontanen Eingebung oder beginnen einen langen Nachdenkprozess. Wir haben Erfahrungen und Erinnerungen und errichten darauf unser geistiges Fundament. Wir haben Vorstellungen von der Zukunft. Denken ermöglicht die Lösung von Problemen, die Überwindung von Barrieren, das Setzen von Zielen. Konstruktive Gedanken formen ein mentales Bild. Wir können es, wenn wir es wollen, in Taten umsetzen. Positive Gedanken befassen sich immer mit dem, was sein soll. Ich will, ich werde, ich kann sind Ausdrücke dafür.

Destruktives Denken richtet sich nicht auf Lösungen oder Ziele. Wir wälzen damit Probleme, beschäftigen uns mit deren Folgen. Ein solches Denken richtet sich darauf, Probleme zu verhindern, statt Positives anzustreben. Es beleuchtet die Schwierigkeiten, ohne an Lösungen zu denken. Emotionen folgen den Gedanken und gleiten ins Negative.

Optimismus, Pessimismus, Realismus, so beschreiben wir die Qualität der vorherrschenden Gedanken. Optimisten schenken den positiven Seiten einer Sache oder Situation mehr Beachtung. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft und haben positive Erwartungen.

Pessimisten heben die negativen Seiten einer Lebenssituation, eines Menschen, einer Sache gedanklich hervor. Auch ihr Zukunftsbild, ihre Erwartungen sind davon geprägt.

Positives oder negatives Denken wirkt sich auf Verhalten und Handlungen aus. Erwartungen von Optimisten wie auch Pessimisten realisieren sich meist. Man spricht von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Fakten, die im Gegensatz zu den eigenen Erwartungen und Standpunkten stehen, werden bewusst oder unbewusst kleingedacht, kleingeredet oder gleich völlig ignoriert.

Dasselbe gilt auch für Gedanken über die Vergangenheit. Optimisten haben viel mehr positive Erinnerungen und Erfahrungen und nutzen diese häufiger für sich. Pessimisten behalten negative Ereignisse und Erlebnisse länger im Kopf. Es geht immer um die subjektive Wahrnehmung! Pessimisten bezeichnen ihr Denken, die Art ihrer Wahrnehmung oft als realistisch. Sie wollen ihre Nähe zur Wirklichkeit ausdrücken. „Ich sehe die Dinge, wie sie sind“ oder „Ich sag, wie es ist“. Wahre Realisten anerkennen Positives wie Negatives und bilden sich ein möglichst objektives Urteil.

Gedanken stehen für Bilder und Worte. Sie sind für die Umwelt unsichtbar. Durch Sprache, Gesten und andere Ausdrucksweisen wie etwa Haltungen, Handlungen oder Unterlassungen teilen wir sie nach außen mit. Aufmerksame Beobachtung lässt sie erfahren oder zumindest erahnen. Wir teilen viel mehr mit, als uns bewusst und manchmal lieb ist. Folgende Abschnitte beschreiben die äußeren Ausdrucksformen unserer inneren Gedankenwelt.

Sprachlicher Ausdruck – Kommunikation

„Jeder Mensch hat seine Sprache. Sie ist der Ausdruck seines Geistes!“

Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis (1772-1801), deutscher Schriftsteller.

Ich teile der Umwelt meine Gedanken auf verschiedene Weise mit. Teils erfolgen diese Mitteilungen bewusst, meistens aber unbewusst. Die verbale Sprache ist nur ein kleiner Teil im Spektrum der Ausdrucksformen. Wie wir reden, wieviel wir sprechen, was wir sagen, hängt von unserem persönlichen Wortschatz und unserer verbalen Kommunikationsfähigkeit ab. Meist wählen wir unsere Worte bewusst, um unser Denken ausdrücken.

Ich spreche oder schreibe über Ereignisse, Menschen, Dinge und andere Themen. Sprachlicher Ausdruck geschieht auch durch Gebärden. Jeder Mensch teilt sich der Umwelt verbal-sprachlich auf individuelle Weise mit.

Ich richte meine Worte an die Umwelt und an mich selbst. Mein Wortschatz gibt Aufschluss, worüber und wie ich denke. Worte haben für jeden Menschen eine subjektive Bedeutung. Jeder zieht persönliche Schlüsse. Die Sprache ist positiv, wenn sie zielgerichtet, optimistisch, unterstützend, bejahend, überzeugend, zuversichtlich oder lösungsorientiert ist. Negative verbale Ausdrucksweise klingt unsicher, bremsend oder problemorientiert und drückt meist oder ein „Müssen“ statt „Wollen“ aus. Menschen, die negativ denken und sich so ausdrücken, fühlen sich häufig als Getriebene. Sie sprechen über die Art, wie sie an ihre Aufgaben herangehen werden, als „versuchen“ oder „probieren“. Konjunktive wie „hätte, würde, könnte, müsste, sollte“ sind in ihrem Sprachschatz häufig. Sie bekunden Unsicherheit, Zögerlichkeit und Zweifel und Ungewissheit.

Worte beschäftigen sich mit Chancen, Zielen, Visionen, Möglichkeiten, Stärken, Lösungen! Oder auch mit Hindernissen, Problemen, Schwächen und anderen Schattenseiten. Ein starkes Indiz der Gedankenqualität ist die Stimme. Weiß ich genau, was ich will und kann, spreche ich klar, laut, deutlich. Bin ich zweifelnd, unsicher, drücke ich das in verhaltener, leiser Stimme aus, die nicht natürlich wirkt. Zumindest empfinden es jene Zuhörer so, die auf die Untertöne achten oder zwischen den Zeilen lesen können.

Nicht nur Worte äußern Gedanken! Der gesamte Körper ist ein Instrument der Kommunikation! Was Worte allein nicht vermögen, zeigt unser Körper durch Gesten, Mimik, Körpersprache, Körperhaltung! Bei anderen Leuten erkenne ich die kommunikative Effizienz der Körpersprache eher als bei mir selbst. Achtsamen Menschen ist Körperkommunikation so vertraut wie Ausdrücke, für die wir Worte und Stimme verwenden. Menschen, die die Wirkung der Sprache des Körpers kennen, setzen sie bewusst ein, um damit ihre Anliegen kundzutun und durchzusetzen. Nicht nur Sportler/innen und ihre Coaches arbeiten daran. In allen Leistungsbranchen spielt sie eine wesentliche Rolle in der Kommunikation. Es liegt am Menschen selbst, welche Gedanken er via Körper seiner Umwelt bewusst mitteilen will. Der überwiegende Teil geschieht ohnehin unbewusst.

Sprache, verbal wie nonverbal, ist ein mächtiges Kommunikationsinstrument. Damit sie überzeugend wirkt, muss ich verbal wie nonverbal dieselben Gedanken ausdrücken. Daher ist es wichtig, die Worte bewusst zu wählen und sie mit der Körpersprache in Einklang zu bringen.

Ich ändere meine Ausdrucksweise, wenn es für das Erreichen eines Ziels nötig ist. Zum Beispiel, wenn ich meine sprachliche Ausdrucksweise der meines Gegenübers anpasse. Dennoch ist es wichtig, stets authentisch zu bleiben. Meine Worte und Gesten müssen zu meiner Persönlichkeit passen. Ich muss mich dabei wohlfühlen. Nur dann wirke ich natürlich. Ich drücke mich selbst aus. Geht diese Natürlichkeit verloren, wirken Worte und Gesten gekünstelt und unglaubwürdig.

Physische Energie als Ausdruck des mental-emotionalen Zustands

„Es kommt weder auf die Länge noch die Beschaffenheit des Weges an, sondern darauf, mit welcher Energie wir ihn gehen!“

Geist und Körper schwingen im energetischen Wechselspiel. Das Spektrum der vorherrschenden Energie reicht von höchster geistig-physischer Anspannung bis hin zu entspanntem Loslassen. Meditation, autogenes Training oder Yoga vermitteln die Erfahrung der völligen Entspannung. Der Spannungszustand des Körpers geht Hand in Hand mit der Frequenz der Gehirnwellen. Eine entspannte Muskulatur sorgt auch für einen entspannten Geist. Steigt die Körperspannung, steigt die Frequenz der Gehirnwellen. Umgekehrt gilt dasselbe. Geist und Körper wirken miteinander und aufeinander. Sie beeinflussen sich energetisch. Wir können die Frequenz der Gehirnwellen messen und beeinflussen. Entspannung oder Aktivierung des Körpers funktionieren über das Gehirn. Entspannung oder Aktivierung der Muskulatur wirken auf das Gehirn zurück.

Schwingt das Gehirn in Beta-Wellen, schwingt es in der höchsten Frequenz von 14 bis weit über 100 Hertz. Das sind Zyklen pro Sekunde. In diesem Bereich sind wir bei vollem Bewusstsein. Wir sind konzentriert, agieren und reagieren wach. Betawellen zeugen von erhöhter Aufmerksamkeit und hoher geistiger Aktivität.

Schwingt das Gehirn im Alphawellen-Bereich, bin ich bei vollem Bewusstsein und doch entspannt. Die Frequenz reicht von 7 bis 14 Hertz. Mein Unterbewusstsein ist zugänglich und offen für Informationen. Alphawellen sind ideal für effizientes Lernen und Merken.

Theta-Wellen schwingen zwischen 3 bis 7 Hertz. Äußere Zeichen sind leichter Schlaf oder tiefe Meditation. Das Unterbewusstsein ist offen, allerdings ohne den Filter, der die Qualität von Informationen prüft. Sowohl Negatives und Unsinniges als auch Positives, Sinnvolles können eindringen.

Die tiefste Schwingungsfrequenz markieren Delta-Wellen. Sie liegt bei 0,5 bis 3 Hertz. Sie herrschen im traumlosen Tiefschlaf vor. Weiter aktiv ist vor allem das Immunsystem. Auch die Ausschüttung der Wachstumshormone erfolgt in diesem energetischen Zustand am intensivsten.

Leistungssituationen erfordern einen optimalen energetischen Zustand. Die Erledigung anspruchsvoller Aufgaben braucht körperliche und geistige Spannung und Aktivität. Regeneration oder Lernphasen gelingen spannungsarm am besten. Jede Aufgabe beansprucht körperliche und geistige Leistung. Geist und Körper benötigen dafür Energie. Der ideale physisch-mentale Spannungszustand liefert quantitativ wie qualitativ die passende Energie zur Bewältigung der Aufgabe.

Der gesunde Mensch reguliert die physische und geistige Spannung bewusst. Mit Achtsamkeit erfühlen wir den aktuellen Zustand. Wir wissen, welche Anspannung wir benötigen. Wir stellen das Spannungsniveau her, das wir für die Bewältigung einer Situation brauchen. Die Energiezustände ändern sich ständig. Man hält das optimale Niveau zeitlich und qualitativ im Idealfall so lange aufrecht, wie man es benötigt. Man nutzt die Verbindung zwischen Geist und Körper. Sind schwierige Aufgaben zu absolvieren, Probleme zu lösen, hält man über geistige Spannung die Leistungsfähigkeit auf dem benötigten Niveau. Durch körperliche Aktivierung oder Entspannung beeinflussen wir umgekehrt den geistig-seelischen Zustand. Fühlt sich der Körper fit und den Aufgaben gewachsen, wächst auch das geistig-emotionale Wohlbefinden. Fühlt sich der Körper ausgelaugt, hat das Einfluss auf Geist und Seele.

Denke ich positiv und optimistisch, steigert auch der Körper das Energielevel. Das hat günstige Auswirkungen für die Psyche. Ich fühle mich in Stimmung. Fühlt sich die Seele gut, gelingt es mir leichter, die zielgerichteten Gedanken zu schaffen. Mein Körper ist eher bereit, trotz Müdigkeit weiterzumachen, bis mein Ziel erreicht, die Aufgabe erledigt, das Problem gelöst ist.

Dieses Wechselspiel zwischen Geist, Seele und Körper setze ich bewusst ein. Ich aktiviere oder entspanne mich geistig, körperlich oder seelisch, indem ich den geeignetsten Startpunkt für die Herstellung der erforderlichen Spannung finde.

Für die körperlich-geistig-seelische Balance, das Wohlbefinden und die Fitness benötige ich Energiequellen. Gesunde Ernährung ist eine davon. Ich unterstütze auch bewusst energiebringende Maßnahmen, indem ich Orte der Kraft aufsuche, die ich in mir oder der Umwelt finde. Fast jeder Mensch hat solche persönlichen Kraftorte. Spitzensportlerinnen und Spitzensportler nutzen sie, um die Energie zwischen Trainings oder Wettkämpfen aufzuladen. Sie sind rascher wieder bereit für neue Aktivitäten.

Als psychische Energietankstellen eignen sich etwa stille Meeresstrände oder idyllische Bergseen. Naturszenarien im Übergang zwischen Tag und Nacht sind auch Ladestationen. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind Tageszeiten, um mentale und emotionale Ressourcen zu erneuern. Jeder Mensch hat Vorlieben, die Energievorräte seinen inneren Bedürfnissen und bevorstehenden Aufgaben anzupassen.

Erschweren es Zeit und Ort, äußere Energiequellen zu nutzen, verwendet der trainierte Geist Phantasieressourcen. Er stellt sich Szenarien vor und schafft sich innere Energiequellen. Selbst in der größten Hektik gibt es Momente, die sich für ein Verweilen an einem Phantasieort anbieten. Ich sammle geistig-emotionale Energie und bringe mich auf diese Weise ins energetische Gleichgewicht.

Auch Erinnerungen an positive Ereignisse und Orte aus eigener Erfahrung sind potenzielle Energiequellen. Die Vorstellung unterstützt mich bei der Herstellung des energetischen Gleichgewichts. Ich kann mentale, emotionale und physische Fähigkeiten reaktivieren. Vorstellungen sind zur Energiegewinnung jederzeit abrufbar, wenn ich darin geübt bin. Kommunikationswege zwischen Körper und Geist werden frei. Ich lenke die Energie mental zu den Körperstellen, die sie am meisten benötigen. Mental Trainierte nutzen solche Möglichkeiten sehr bewusst. Wer solche Ressourcen nicht kennt, blockiert sogar vorhandene Energiereserven durch ungehindert strömenden mentalen und emotionalen Müll. Es liegt an mir selbst, wohin ich meine Energien leite und wofür ich sie einsetze.

Das energetische Zusammenspiel Körper-Geist zeigen unbewusste Reaktionen und Aktionen.Oft greife ich intuitiv zu Maßnahmen, um mich zu aktivieren oder Spannungen zu lösen. Diese unbewusste Steuerung ist von außen beobachtbar. Sie erfolgt geistig, körperlich oder psychisch. Die Motorik regt den Energiefluss durch schnelle und intensive Bewegungen an. Durch aufmunternde Gesten oder Worte, bewusste Entspannung von Gesichts- und Schultermuskulatur, große ausladende Bewegungen der Gliedmaßen und andere Aktivitäten optimiere ich meinen energetischen Zustand.

Nicht nur die Anzahl energieregulierender Maßnahmen ist wichtig, sondern auch ihre Qualität. Welche Gedanken und Emotionen begleiten die Aktivitäten? Denke ich an ein Gelingen, an die Lösung? Richtet sich mein Denken auf eine drohende Niederlage, auf Misserfolg, um die damit erwartete Missbilligung zu verhindern? Agiere oder reagiere ich? Richten sich Gedanken auf Positives oder Negatives? Finde ich an dem, was ich mache und anstrebe, Spaß und Freude? Auf positive Ziele und Lösungen gerichtete Gedanken bringen mich in positive Stimmung. Sie beeinflussen die Energiequalität, über die ich bei der Bewältigung einer Aufgabe verfüge und bestimmen mit, wie ich eine Herausforderung erlebe. Das aktiviert vorhandene Potenziale und steigert die Leistungsfähigkeit.

Die Konzentration der Sinne als Ausdruck des mentalen Zustands

„Ich fokussiere mich nicht darauf, was sich mir in den Weg stellt, sondern darauf, was ich erreichen will! Alles andere ignoriere ich!“

Venus Williams, US-Tennisprofi

Sinnesorgane haben drei Aufgaben:

Aus der Umwelt ankommende Reize und Signale aufzunehmen,Reize und Signale gehirngerecht aufzubereiten,sie über spezifische Nervenleitungen dem Gehirn zu übermitteln.

Nutzen wir Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen in vollem Umfang, erhalten wir ein genaues Bild davon, was um uns herum geschieht. Das Hirn zieht aus den eingehenden Informationen seine Schlüsse. Die Reize kommen aus der Umwelt und dem eigenen Körper. Das Hirn sendet geeignete Impulse, durch die der Körper auf Ereignisse und Einflüsse reagieren kann. Wichtig ist das optimale Zusammenspiel der Sinne. Achtsam bin ich, wenn ich alle meine Sinne gemeinsam auf einen Menschen, eine Sache, eine Aufgabe, ein Ereignis richte, statt nur oberflächlich zu schauen, zu hören, zu schmecken, zu riechen und zu fühlen.

Der Dichter Oscar Wilde sagte: „Eines der Geheimnisse des Lebens ist, die Seele mit den Mitteln der Sinne und die Sinne mit den Mitteln der Seele zu heilen.“ Sinne und Seele im Wechselspiel für psychische und physische Gesundheit und geistige Entwicklung! Eine Methode, die in der lauten und schnellen Welt leider immer häufiger in Vergessenheit gerät.

Um meine Fähigkeiten situationsgerecht einsetzen und miteinander abstimmen zu können, achte ich darauf, dass jeder Sinn nur die relevanten Signale in der aktuellen Situation aufnimmt. Alle Sinne wirken am Gesamteindruck mit, den ich von einer Situation oder einem Ereignis, einem Menschen erhalte. Er ist die Basis für erfolgreiches Handeln! Im Zustand voller Konzentration richte ich alle Sinne willentlich über eine gewisse Zeit auf eine Aufgabe, einen Menschen, auf ein Ziel, eine Sache oder ein Ereignis!

Die Aufforderung, „Konzentriere dich, strenge dich an“ soll dazu anregen, die Sinne zu fokussieren – auf eine Tätigkeit, ein Ziel, die eine Aufgabe oder die Lösung eines Problems. Sich konzentrieren heißt, alle Ablenkungen auszublenden oder zu ignorieren. Die Fähigkeit, die Sinne zu bündeln, den Fokus auszurichten, wird zur Leistungsvoraussetzung. Der Konzentrationsvorgang allein stellt hohe Ansprüche an emotionale und mentale Kräfte und verbraucht viel Energie! Ich kann mich daher nur über begrenzte Zeit konzentrieren. Um diese Energie bereitstellen zu können, müssen die Konzentrationskanäle regelmäßig die Möglichkeit bekommen sich zu erholen.

Positive Emotionen, ein ausgeruhter, fitter, aktivierter Körper, ein wacher Geist sind Grundbedingungen, damit ich den Fokus aufrechterhalten kann. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung wirkt sich positiv auf die Konzentration aus. Das Umfeld hat großen Einfluss darauf, wie intensiv und lange ich den Fokus halten kann. Fühle ich mich gestört und abgelenkt, wenn ich Aufgaben zu erledigen habe? Oder kann ich meine Sinne in Ruhe sammeln? Ausreichend Schlaf trägt ebenso zur Konzentrationsfähigkeit bei.