1,99 €
Die 35jährige Milena und der 40jährige Rolf landen in einer leidenschaftlichen, heißen Liebesgeschichte. Leider gibt es jemanden, der ihnen ihr Glück nicht gönnt. Aus einer Liebesgeschichte wird ein Krimi. Es geht um Liebe, Hass, Drogen, Erpressung und Mord. Milena geht durch alle Höhen und Tiefen und hofft, heil aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen. Drücken wir ihr die Daumen. Ab 18 Jahre
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 203
Veröffentlichungsjahr: 2019
EROS und ARES
Liebe und Hass
Ein erotischer Krimi
Die 35jährige Milena und der 40jährige Rolf landen in einer heißen Liebesgeschichte. Aber im Hintergrund gibt es jemanden, durch den diese erotische Geschichte zum Krimi wird...
Es geht um Liebe, Hass, Drogen, Erpressung und Mord.
Milena geht durch alle Höhen und Tiefen und hofft, heil aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen. Drücken wir ihr die Daumen.
Ab 18 Jahre
Ich war nackt und verließ schnell das Bad, ging ins Schlafzimmer, suchte eilig meine Kleidungsstücke zusammen und zog mich an. Als ich gerade die Treppe nach unten ins Parterre betreten wollte, kam er im Bademantel mit schnellen nassen Schritten aus dem Bad hinter mir her und schrie:
„Du bleibst hier! Und wenn ich dich anbinden muss!“
Ich lief schnell hinunter. Auf halber Treppe hatte er mich eingeholt, packte mich mit eisernem Griff am Oberarm und schüttelte mich. Gefährlich leise und sehr wütend fauchte er mich an:
„Was bildest du dir eigentlich ein? Ich kann dir mit einem Ruck das Genick brechen. Ich kann dich die Treppe runterstoßen oder auch oben vom Balkon. Ich kann dich im Teich ersäufen wie eine Katze. Ich kann dir den goldenen Schuss setzen. Alles Unfälle.
Wenn du mich weiterhin wie den letzten Dreck behandelst, dann passiert dir irgendetwas davon, das schwör ich dir!“
31. März
Fünf Wochen vorher stand ich an einem Regal im Baumarkt in Bramsche und versuchte verärgert, einen passenden Perlator für die Waschtischarmatur im Bad zu finden. Den defekten Perlator hatte ich dabei. Immer wieder hielt ich ihn an die Blisterpacks, um zu erkennen, ob da oder dort der richtige hängt. Natürlich war mal wieder kein Verkäufer in Sicht. Mein Mann Paul hätte das richtige Teil sofort gefunden. Aber Paul war vor drei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er konnte mir bei der Suche leider nicht helfen.
„Was sucht denn diese hübsche Lady hier im Baumarkt?“ fragte eine samtweiche Männerstimme hinter mir.
Ich wirbelte verärgert herum wegen der Anmache, hielt aber noch schnell meinen flapsigen Spruch zurück, weil ich den Mann zu der Stimme sofort erkannte: Rolf, unser ehemaliger Nachbar, als wir noch hier in Bramsche wohnten. Nach unserem Umzug aufs Land vor fünf Jahren hatten wir Isabella und Rolf Danner etwas aus den Augen verloren.
„Rolf, du alter Charmeur! Das ist ja eine Überraschung! Du kannst mir gleich helfen, den passenden Aufsatz für den Wasserhahn zu finden.“
Er nahm das defekte Teil in die Hand und holte mit einem Griff den richtigen Perlator aus dem Regal.
„Na, ob der mal passt!?“, neckte ich ihn.
„Und ob der passt! Wollen wir wetten? Ich könnte gleich mit zu dir fahren, dann kann ich ihn sofort an den Wasserhahn schrauben“, bot Rolf an.
Alle möglichen Gedanken gingen mir blitzschnell durch den Kopf: Was würde Isabella dazu sagen, wenn sie das mitkriegte? Was soll ich ihm anbieten für seine Arbeit? Würden wir uns nicht unwohl fühlen so allein im Haus ohne Paul? Hatte er sogar vielleicht irgendwelche Hintergedanken, weil ich jetzt Witwe war?
„Nee, lass mal, das schaff ich schon. Aber lieb, dass du fragst, Rolf.“
„Wenn ich dir bei irgendetwas helfen kann, Mila, sag Bescheid. Komm, wir tauschen unsere Handynummern aus. Dann rufst du mich einfach an oder schickst mir eine Whatsapp oder SMS“, sagte er mit einem so treuherzigen Gesichtsausdruck, dass ich mich wegen meiner negativen Gedanken fast schämte.
„Wie geht es denn Isa inzwischen?“ fragte ich Rolf. Und während er von ihrer Krankheit berichtete, die sie weiter an den Rollstuhl fesselte und auch über die anderen Nachbarn, die ich noch kannte, hatte ich Zeit, ihn genauer zu betrachten.
Attraktiv, groß, schlank mit Muskeln an den richtigen Stellen – wie sein Polohemd zeigte – mit dunklen Haaren, blauen Augen und einem unwiderstehlichen Lächeln. Schade, dass er verheiratet ist. Aber andererseits suchte ich ja auch niemanden. Mein Leben war schön, ich hatte viele Freundinnen, war ehrenamtlich in meiner Gemeinde tätig, hatte einen Halbtagsjob als Sekretärin und Sachbearbeiterin, und ich fühlte mich rundherum wohl.
Das Schicksal von Isa ging mir allerdings an die Nieren. Sie hatte kurz vor unserem Wegziehen aufs Land einen schlimmen Verkehrsunfall. Seitdem war sie schwerbehindert und teilweise gelähmt.
Eigentlich geht von ihm gar keine Gefahr aus, und ich kenne ihn ja ganz gut, dachte ich, und schon sprudelte es aus mir heraus.
„Du, da kommt mir eine Idee. Ich hab mir im Zustand geistiger Umnachtung ein Regal bei Ikea gekauft und dachte, das kann doch nicht so schwer sein, das zusammenzuschrauben und an die Wand zu dübeln. Ich hab früher bei Paul ja immer mitgeholfen und gesehen, wie man das macht. Aber ich glaube, ich bin zu blöd dazu. Wenn du mir dabei helfen könntest, das wär schon toll!“
„Ja klar. Wenn es dir recht ist, komme ich morgen Nachmittag mit meiner Bohrmaschine vorbei und mache es fertig. Alle Schrauben und Dübel müssten ja dabei sein.“
„Oh super!“ freute ich mich. Gut dass mir das noch eingefallen war.
„Soll ich was kochen oder ist Isa dann sauer?“
„Gerne! Isa wird vom Pflegedienst mit allem versorgt. Meistens stör ich da nur.“
„Oh, das tut mir leid für euch beide.“
„Schön ist das gerade nicht“, grinste er etwas schief, „aber man muss das Leben so nehmen wie’s gerade ist.“
„Da hast du recht. Also gut, dann bis morgen zwischen vier und fünf. Ich hau dir ein Steak in die Pfanne.“
„Super! Das passt! Bis morgen!“
Ich freute mich, dass Rolf zugesagt hatte. Er war zwar Gymnasiallehrer, aber handwerklich so geschickt, dass er damals an seinem Haus sehr viel selbst machen konnte.
1. April
Am nächsten Tag um sechzehn Uhr hatte ich alle Regalteile sowie Schrauben und Dübel im Schlafzimmer auf den Boden gelegt. Dort sollte das Regal angebracht werden. Einen Werkzeugkasten hatte ich bereitgestellt und den Perlator dazugelegt. Ich hatte es einfach nicht geschafft, ihn auf den Wasserhahn zu drehen. Immer wieder saß er schief drauf. So was Blödes.
Die Filetsteaks hatte ich mit etwas Öl bepinselt und zugedeckt in den Kühlschrank gelegt, die Pommes würde ich aufs Backblech legen, wenn es soweit ist, und den Salat musste ich nur noch mit dem Dressing mischen, dann war alles fertig.
Ich ging noch mal durch die Räume im Parterre, um zu sehen, ob alles aufgeräumt war. Manchmal lasse ich einfach mal irgendwas liegen, aber wenn Besuch kommt, sollte es doch wenigstens einigermaßen ordentlich aussehen.
Wohnzimmer und Esszimmer waren immer besuchsbereit. In der Küche räumte ich noch etwas Geschirr in die Spülmaschine. Im Schlafzimmer lagen die Regalbretter auf dem Teppich. Ich guckte noch schnell ins Bad und Gäste-WC, dann war mein Rundgang beendet. Die Treppe nach oben ignorierte ich, wir wollten ja nicht ins Büro, Gästezimmer und oberes Bad.
Kurz nach vier fuhr ein Kombi in meine Einfahrt und Rolf stieg aus. Ich ging auf ihn zu, er breitete die Arme aus und sagte mit einem Lächeln: „Hallo meine Süße, da bin ich!“
Wir umarmten uns freundschaftlich und ich dachte: Wie meint er das denn jetzt? Hat das was zu bedeuten, oder ist das einfach nur sein Standardspruch? Einfach so tun als wäre nichts, das ist das Beste – und nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage legen, dachte ich mir.
„Schön, dass du da bist, Rolf. Willst du sofort was essen oder erst später?“
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, strahlte er mich an.
Rolf hatte uns nach unserem Einzug in dieses Haus viel geholfen. Und ich hatte ihm damals ab und zu assistiert, wenn sich die Möglichkeit ergab. Ich bin ein guter Handlanger bei Handwerkertätigkeiten. Also assistierte ich ihm auch diesmal. Nur dieses Mal war alles anders.
Wir krochen bzw. knieten nebeneinander auf dem Schlafzimmerteppich, um die Teile zu messen und zusammenzuschrauben. Berührungen bleiben bei gemeinsamer Tätigkeit nicht aus. Jede Berührung mit seinen Händen traf mich wie ein leichter Stromschlag, der sich bis in meinen Bauch ausbreitete. Manchmal meinte ich, er berührte mich absichtlich. Wenn ich ihm verstohlen ins Gesicht blickte, guckte er ganz unschuldig auf die Materialien, die wir gerade bearbeiteten.
„Wir krabbeln hier auf dem Boden herum“, sagte ich mit einem verlegenen Lachen, „wie zwei spielende Kinder.“
Er lächelte mich nur spitzbübisch an.
Ich plauderte verlegen weiter: „Da hab ich mir ja heute meine Gymnastik gespart.“
„Gymnastik soll ja sehr gesund sein“, grinste er, „du kannst mir ja mal deine Übungen zeigen. Ich kann auch ein paar.“
Meinte er das jetzt zweideutig?
„Als Sportlehrer solltest du das ja wohl auch!“ Er warf mir einen Blick zu und lächelte dann vor sich hin.
Ich sollte einfach mal die Klappe halten.
„Soll ich schon mal mit dem Kochen anfangen?“, plapperte ich weiter.
„Wir haben doch gar keine Eile, Mila“, sagte seine hypnotische, ruhige Stimme, „gleich ist das Regal fertig, dann trinken wir was in Ruhe, und dann geht’s weiter.“
Als das Regal an der Wand hing, fing ich an, die Werkzeuge wegzuräumen. Ich war so nervös, dass ich manches zweimal aufheben musste, weil es mir immer wieder hinfiel. Aber ich schaute nicht in seine Richtung und tat so, als sei das normal bei mir.
„Komm, Mila, setzen wir uns einen Moment auf die Couch im Wohnzimmer und ruhen uns aus.“
Als wir im Wohnzimmer angekommen waren, wollte ich mich nicht setzen:
„Aber ich könnte doch schon mal …“
„Den Wunsch kannst du mir jetzt aber nicht abschlagen. Ich tu dir doch nichts.“
„Das weiß ich! Ich hab doch keine Angst vor dir, Rolf“, lachte ich verlegen.
„Aber du bist so nervös. Jetzt setz dich endlich“ und klopfte mit der Hand auf den Platz neben sich.
Meine Güte, ich führe mich auf wie eine Sechzehnjährige, dachte ich ärgerlich über mich selbst. Sei doch mal ein bisschen souverän und erwachsen, versuchte ich mich selbst zur Ordnung zu rufen.
Ich setzte mich an seine Seite. Er legte den Arm um mich und sah mich mit einem leichten Lächeln an: „Mila, bitte glaub mir, ich würde nie etwas tun, was du nicht möchtest.“
„Ja, ich weiß, Rolf, aber die Situation ist so … so … ungewohnt.“
Er sagte nichts mehr, streichelte meinen Oberarm und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich machte die Augen zu, genoss das Streicheln des Armes und beruhigte mich langsam.
„Jetzt könnte mein Magen was vertragen“, hörte ich nach circa einer Viertelstunde. Ich richtete mich auf und sagte: „Was darf ich dir denn für deine Arbeit geben?“
„Einen Kuss“, sagte er leichthin.
Ich stand auf und ging zur Küche: „Nee, jetzt mal im Ernst! Was kann ich dir dafür anbieten?“
„Lass mal gut sein. Ist alles okay.“
„Da sprechen wir noch mal drüber.“
Das Essen fand in sehr entspannter Atmosphäre statt. Ich hatte eine Flasche leichten Rotwein geöffnet, und wir plauderten locker über Gott und die Welt. Mich interessierten besonders seine Erlebnisse aus der Schule. Er unterrichtet die Fächer Deutsch, Englisch und Sport und gab einige lustige Geschichten zum Besten, bei denen ich dachte, so einen modernen, netten Lehrer hätte ich früher auch gern gehabt.
Ich erzählte ein paar Begebenheiten meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in unserer Gemeinde, natürlich ohne Namen zu nennen, von meiner halbtägigen Berufstätigkeit als Sekretärin einschließlich der Launen meines Chefs, so dass die Zeit sehr schnell verging.
Nach dem Nachtisch räumten wir gemeinsam den Tisch ab außer den Gläsern. Es war ein schönes Gefühl, wieder Hand in Hand zu arbeiten. Meine Nervosität war verschwunden. Lag es am Wein, oder hatte ich mich an seine Anwesenheit gewöhnt?
Unsere Plauderei ging weiter, und von mir aus hätte es noch die ganze Nacht so weitergehen können. Gegen zehn Uhr stand Rolf auf, reckte sich und meinte, er müsse langsam mal nach Hause. Er ging zur Toilette, und ich fing an, die restlichen Gläser abzuräumen.
Als er wiederkam, um sich zu verabschieden, nahm er mich fest in den Arm und raunte mir ins Ohr, dass das seit Langem der schönste Abend für ihn gewesen sei, dass er mir unendlich dankbar sei für meine Gastfreundschaft und dass er … dieses Flüstern, sein Atem und die Lippen an meinem Hals machten mich so wuschig, dass ich den Rest der Worte gar nicht mehr aufnehmen konnte. Ich spürte seinen harten Penis in der Jeans, den mein Venushügel direkt bemerkte. Gleichzeitig merkte ich das Kribbeln und Pulsieren in meinem Bauch, und meine Beine wurden schwach. Zum Glück lehnte ich an der Wohnzimmerwand. So dass ich nicht umfallen konnte, solange er mich festhielt.
Und dann küsste er mich. Unsere Münder und Zungen passten zueinander, wie zwei, die sich endlich gefunden hatten, das Kribbeln in meinem Bauch dehnte sich weiter aus. Als ich seine Hand auf meiner nackten Haut unter meinem T-Shirt spürte, erwachte ich plötzlich wie aus einem Traum, und mein Verstand sagte: Nein! Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an.
Ich sagte: „Rolf sei mir bitte nicht böse, aber …“
„Okay.“ Er ließ mich sofort los und guckte mich traurig aber gefasst an.
„Entschuldige, dass ich nicht eher was gesagt habe, aber … ich … ich war so überrascht von dem Kuss, von meinen Gefühlen, von allem …“
„Ist schon gut, Mila.“
„Weißt du, Isa ist zwar nicht meine Freundin, aber du bist mit ihr verheiratet. Ich weiß nicht … Komm, lass uns noch was trinken. So können wir doch nicht auseinander gehen!“
„Na gut.“
Ich holte zwei neue Gläser, der Rest Rotwein war jetzt wohl nicht das Richtige, also holte ich Wasser. Ein klarer Kopf ist ja nicht das Schlechteste.
„Rolf, es geht mich ja eigentlich nichts an – aber was ist mit Isa? Liebst du sie noch? Geht in eurer Beziehung irgendwas schief?“
„Weißt du“, er schaute mich mit festem Blick an: „wir haben eine Vereinbarung. Sie kann und will keinen Sex mehr haben und ist damit einverstanden, dass ich jemand anderen habe. Hauptsache, ich lass mich nicht scheiden. Sie will nicht alleine oder in einem Heim leben. Ich weiß, es ist eine vertrackte Situation, und es hat mich schon einige Beziehungen gekostet, aber ich will sie auch nicht hängen lassen.“
„So ist das also.“
„Sie weiß intuitiv immer, wenn es wieder jemanden gibt, aber wir sprechen nicht darüber. Sie will nicht wissen, wer es ist und was wir wann machen.“
Während wir aufstanden, überlegte ich, dass die Situation eigentlich für mich ideal ist. Ich suche keinen festen Partner, der bei mir einzieht und nach dem ich mich richten muss. Meine Freiheit, tun und lassen zu können, was ich will, finde ich schön. Ja, okay. Wenn kein Dritter unter der Situation leiden muss und man keine Angst haben muss, dass was rauskommt… dann könnte das schon gehen.
„Mila, können wir uns nicht trotzdem ab und zu treffen? Die Gespräche und das Lachen mit dir hat mir beides so gut getan. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Ich verspreche dir auch…“
Ich unterbrach ihn lächelnd: „Du musst nichts versprechen, wir wollen sehen, wie sich alles entwickelt. Und – ich würde mich freuen, wenn wir uns wiedersehen. Wenn du Zeit und Lust hast, komm doch morgen Abend zum Essen. So gegen neunzehn Uhr. Ich könnte Lachs in Dillsoße mit Reis oder Nudeln und Salat machen.“
„Gerne!“ strahlte er mich an.
„Was hättest du lieber? Reis oder Nudeln?“
„Egal – was immer du willst!“
2. April
Als ich morgens wach wurde, musste ich noch mal über alles nachdenken, was ich gestern mit Rolf erlebt hatte. Er ist schon ein sehr sympathischer, gut aussehender Mann. Gebildet, man kann über jedes Thema mit ihm reden, er hat Humor, und fast hätte er mich verführt mit seiner Stimme, seinen Lippen, seinen Händen – wenn nicht mein Verstand Alarm geschlagen hätte.
Aber wenn das wirklich so ist, dass Isa mit anderen Beziehungen einverstanden ist, was spricht dagegen, mich mit ihm einzulassen?
Meine Freundinnen werden mich zwar vielleicht für verrückt erklären, aber es ist schließlich mein Leben. Und ich liebe meine Freiheit. Das wäre doch die perfekte Beziehung für mich, oder? Außerdem tut es mir auch leid, dass er in so einer Zwickmühle gefangen ist. Er will seine behinderte Frau nicht im Stich lassen, sehnt sich aber nach einer Beziehung, die körperliche Liebe mit einbezieht.
Na, mal sehen, wie sich alles entwickelt. Das Leben ist ja so spannend!
So, was ist heute angesagt? Im Büro arbeiten von acht bis dreizehn Uhr – für Geld, fünfzehn bis siebzehn Uhr Besichtigung eines Gemeindehauses der Nachbargemeinde – ehrenamtlich. Neunzehn Uhr kommt Rolf.
Noch ein Blick in den großen Spiegel im Flur. Ja, ich war ganz zufrieden mit dem was ich sah: Meine 1,70 m mit einem BMI von 23 sahen wohlproportioniert aus. Mein naturgelocktes, braunes Haar mit dem leicht rötlichen Schimmer brauchte noch nicht mal einen Kamm, es brauchte nur mal ab und zu etwas Haaröl, damit es nicht so widerspenstig abstand und schön glänzte. Die grünen Augen hatten etwas Wimperntusche bekommen und die Lippen etwas rote Farbe. Ein dünner roter Pulli zur dunklen Jeans, darüber ein Blazer, fertig.
Ich holte schnell meine Umhängetasche, die Autoschlüssel, öffnete mit der Fernbedienung die Garage, stieg eilig in mein Auto und fuhr los.
Mein Auto liebe ich. Während der Fahrt dachte ich daran, wie ich zu diesem Wagen gekommen bin. Es ist zwar ein Mercedes B220, den manche Leute für ein Rentnerauto halten, aber es war das letzte Geschenk meines Vaters an mich. Meine Mutter war schon vor Jahren gestorben, und mein Vater war so krank geworden, dass ich ihn oft fahren musste. Und so haben wir zusammen ein Auto ausgesucht, in das auch ein kranker Mensch noch bequem einsteigen kann, weil der Einstieg etwas höher ist als normal. Außerdem hat man eine gute Sicht auf den Verkehr. Der Wagen ist mit allen „Assistenten“ ausgestattet, die kaum ein Mensch braucht und durch die Automatikschaltung sehr komfortabel.
Ich arbeite in einer kleinen Werbeagentur in Bramsche und war wie immer die erste im Büro. Mein Chef ist ein Nachtmensch. Er kommt frühestens um neun Uhr ins Büro, und wenn ich um dreizehn Uhr gehe, wird er erstmal so richtig wach.
Nachdem ich den PC eingeschaltet hatte, füllte ich, wie an jedem Morgen, die Kaffeemaschine mit Wasser und koffeinfreiem Kaffee. Mein Magen verträgt auf Dauer die koffeinhaltige Variante nicht, daher bin ich im Büro und zu Hause auf koffeinfreien umgestiegen. Mein Chef hasst diesen „kastrierten“ Kaffee. Da ich aber das Kaffeemehl aus der Verpackung sofort in eine große Dose umfülle, merkt er nichts von dem kleinen Betrug – und die anderen Kollegen auch nicht. Fast jeden Tag ruft er begeistert aus seinem Büro:
„Frau Hollborg, Ihr Kaffee ist einfach der beste. Davon wird man erstmal richtig wach!“
„Das sollen Sie auch!“ rufe ich dann grinsend zurück. Das nennt man Placebo-Effekt.
„Hei Lena“, rief Falk Schelling gut gelaunt – meine Kollegen mögen die verkürzte Form ‚Mila’ nicht und haben mich von Anfang an ‚Lena’ genannt – „hast du deinen berühmt-berüchtigten Kaffee schon fertig? Den brauch ich jetzt ganz dringend, und dann muss ich weg!“ Falk arbeitet als Kontakter bei uns. Er verkauft den Kunden die Ideen unserer Grafiker.
„Der Kaffee läuft gerade durch, Falk“, ich warf ihm einen Blick zu:
„Ui, bist du heute chic! Ist was Besonderes?“
„Der neue Großkunde MEDICAL irgendwas, ich kann mir den Namen so schlecht merken.“
„Den solltest du aber schon wissen, bevor du da aufkreuzt.“
„Kein Problem, Lena, beim Vorstellen des Projekts kann ich doch alles ablesen“, grinste er.
Falk ist zu beneiden – nie macht er sich Sorgen um irgendetwas. Mit seiner guten Figur, den dunkelbraunen gut geschnittenen Haaren, den braunen Augen und der ständig leicht gebräunten Haut sieht er aus wie ein männliches Model. Und das weiß er auch. Mit seinem Lächeln und seinem Charme hat er es bei den Kunden leicht – besonders wenn es sich um weibliche Entscheider handelt.
Während der Kaffee durchlief, bearbeitete ich die Unterlagen, die ich gestern Mittag nicht mehr geschafft hatte. Lieferantenrechnungen mit den dazugehörigen Lieferscheinen vergleichen, Zahlungstermine festlegen, Ablage usw. Zwischendurch schlich sich immer wieder der gestrige Abend in mein Gedächtnis, und ich fühlte noch mal nach, welche Empfindungen auf mich eingestürmt waren. Die Erinnerung zauberte immer wieder ein Lächeln auf mein Gesicht.
„Na, haben Sie was Schönes erlebt, Frau Hollborg?“ Ich zuckte erschrocken zusammen, weil ich meinen Chef gar nicht wahrgenommen hatte. Eigentlich war es ja auch noch viel zu früh für ihn.
„Wieso?“
„Sie lächeln so verträumt, und Sie haben mich gar nicht gehört“, grinste er.
„Nur weil Sie wieder Ihre Schleicherschuhe anhaben! Der Kaffee wartet schon auf Sie, Herr Ender.“
Mit den Worten: „Das ist gut, das hört man gern“, ging er in sein Büro.
So, jetzt aber mal Konzentration, ermahnte ich mich dann selbst.
Frank Müller, auch Kontakter, schloss wie immer hektisch die Außentür auf und schoss mit einem „Hallo Lena!“ an meiner Tür vorbei in sein Büro. Frank hat es immer eilig, macht immer einen gehetzten Eindruck und leidet darunter, dass er einfach nur ‚Müller’ heißt. Deswegen hat er wohl auf seine Visitenkarte noch einen zusätzlichen Buchstaben drucken lassen. Dort steht jetzt ‚Frank P. Müller’. P. steht angeblich für ‚Peter’. So hat eben jeder seinen kleinen Tick.
Mein Chef brachte mir eine Diskette mit Diktaten vorbei. Die Briefe sollten heute noch raus. So etwas mache ich gerne sofort, weil ihm meistens noch irgendwelche Änderungen einfallen und dann fast alles noch mal neu ausgedruckt werden muss.
Gegen neun Uhr klingelte es an der Tür. Unsere Grafiker Willi Merten und Hans Vordemberge schlurften nach meinem Öffnen herein.
„Warum klingelt ihr? Ihr habt doch beide einen Schlüssel!“
Willi nuschelte: „Nicht gefunden.“
Hans raffte sich zu einem: „Sorry!“ auf.
Die Briefe waren schnell erledigt. Während des Schreibens korrigierte ich schon mal die Satzstellungen, die oft nicht passten und auch die mitdiktierten Satzzeichen. Wie oft hatte ich ihm höflich – wie ich nun mal bin – schon gesagt, dass ich die Zeichen lieber selbst setzen würde. Man möchte den Chef ja nicht blamieren und ihm sagen, dass er es nicht kann.
Heute sind ihm zum Glück keine Änderungen eingefallen, wahrscheinlich, weil er nachmittags einen Termin hatte, auf den er sich noch vorbereiten musste.
Gegen zwölf Uhr trudelte meine Sekretariats-Kollegin Jutta Zielke im Büro ein. Sie wirkte noch etwas verschlafen. Wie unser Chef ist auch sie ein Nachtmensch, daher arbeitet sie nur nachmittags und ich vormittags. Nur wenn mal eine von uns krank ist oder Urlaub hat, sprechen wir uns mit Karl Ender ab, wer wann im Büro arbeitet.
Als ich mich um dreizehn Uhr in den Feierabend verabschiedete, grinste mich mein Chef mit einem „Viel Vergnügen!“ und einem Augenzwinkern an.
„Danke ebenso!“ lächelte ich zurück.
Heute kommt Rolf, überlegte ich. Wird heute was passieren oder werden wir nur reden? Ich war ganz hibbelig. Lachsfilets hatte ich im Gefrierschrank, also brauchte ich nur noch Eis und Sahne zum Nachtisch. Die Aufregung schlug mir sogar auf den Magen.
Meine Güte, du bist doch kein Teenager mehr! Jetzt reiß dich aber mal zusammen!, beschimpfte ich mich selbst.
Die Besichtigung des neuen Gemeindehauses in der Nachbargemeinde fand ich fürchterlich langweilig und das Ganze dauerte mir auch viel zu lange. Klar, meine Gedanken waren ja auch ganz woanders.
Rolf stand um neunzehn Uhr mit einem Blumenstrauß vor der Tür. Ich versuchte, meine leichte Verlegenheit zu überspielen, strahlte ihn an und bat ihn herein. Er schaute mich so verliebt an, dass ich ihn am liebsten sofort geküsst hätte. Aber wir wollten ja erstmal was essen.
Am Esszimmertisch saßen wir über Eck, damit nicht die ganze Tischplatte zwischen uns lag. Beim Reden legte ich ihm ab und zu eine Hand leicht auf den Unterarm oder auch, wenn er etwas erzählte und ich lachen musste. Ich wollte ihm unter anderem dadurch signalisieren, dass ich nicht abgeneigt wäre… Ob er das wohl versteht?, überlegte ich. Im Verführen bin ich nicht besonders geübt.
Nach dem Essen räumten wir beide den Tisch ab, und mit dem letzten Teller in der Küche fing er mich ab, nahm mir den Teller aus der Hand und küsste mich intensiv und leidenschaftlich.
Er hat es verstanden, dachte ich noch.
Eine Hand schob sich unter mein T-Shirt, schob den BH nach oben und streichelte meine Brust, sein harter Schwanz streichelte durch zwei Jeans hindurch meine Muschi. Das Kribbeln, die Wärme und dieses wunderschöne Gefühl in meinen unteren Regionen wurden immer stärker und breiteten sich aus. Ich hörte mich selbst stöhnen. Meine Beine wurden wie Pudding, und am liebsten hätte ich mich auf den Boden fallen lassen. Aber in der Küche?
Er küsste mich zärtlich und knabberte an meinen Lippen. Dann flüsterte er:
„Komm, wir gehen ins Schlafzimmer, Baby, ich will deine Pussy küssen und schmecken.“
Seine Worte machten mich ganz heiß, und ich merkte, wie mein Slip feucht wurde.
Auf dem Weg hielt er an, küsste mich wieder und fragte leise:
„Brauchen wir Kondome?“
„Nicht wegen Verhütung. Ich hab eine Spirale.“
„Super!“
Im Schlafzimmer steckte er mir seine Zunge wieder tief in den Mund, schob mit einem Fuß meine Beine auseinander, öffnete meine Jeans und ließ seine Finger in meinen nassen Schlitz gleiten und streichelte meine Klitoris. Ich war wie elektrisiert – ein wunderbares Gefühl!
„Leg dich hin“, raunte er mir zu. Ich ließ mich aufs Bett sinken. Er riss mir mit einem Ruck Jeans und Slip herunter und ließ sie auf den Boden fallen. Ich zog mir schnell BH und T-Shirt aus, legte mich wieder auf den Rücken und sah ihn an. Er hatte einen Körper wie die Statue eines sehr erregten griechischen Gottes.
„Komm“, flüsterte ich.
„Du bist so schön“, sagte er leise, „einfach perfekt!“
Er legte sich mit aufgestütztem Arm neben mich, küsste mich wieder intensiv und streichelte gleichzeitig meine Brust, küsste meine Brustwarzen und saugte zart an ihnen. Die Signale kamen wie Blitze in meinem Unterleib an.
Seine Hand war inzwischen auf meinem Bauch angekommen und streichelte sich weiter hinunter bis sie meine rasierte Muschi erreichte. Sie streckte sich seiner Hand schon entgegen, weil sie es nicht erwarten konnte, endlich berührt zu werden.
