Erste Schritte zum Glück - Ronald Briks - E-Book

Erste Schritte zum Glück E-Book

Ronald Briks

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Beschreibung

Der Kölner Autor Ronald Briks erzählt von einer vergangenen Liebe, einem Wiedersehen mit HIndernissen, Spaziergängen, Freunden und einem ominösen Ratgeber für Lebensglück. eine Geschichte aus Köln Nippes.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 45

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Jupp

Anett

Konstantin

Jupp

Sandra

Anett

Sandra

Jupp

Konstantin

Jupp

Jupp

Mit ungläubigem Erstaunen blickte Jupp in die Schaufensterauslage des Buchladens, in der mit großer Geste ein neuer so genannter Ratgeber angepriesen wurde. Titel: Erste Schritte zum Glück. Die Autorin: Sandra Bergmann, die am Dienstag um 19.30 Uhr in eben dieser Buchhandlung ihr neuestes Werk vorstellen und signieren würde. Jupp starrte in das Fenster, auf die 20 Exemplare der Neuerscheinung und auf das Foto seiner Exfrau Sandra, die nach der Scheidung vor zwei Jahren ihren Mädchennamen, wie es so unpassend poetisch heißt, wieder angenommen hatte.

Wie konnte Sandra nur so weit gesunken sein, ein Buch mit einem so albernen und verlogenen Titel zu schreiben? Ohne Zeit zu verlieren stiegen in Jupp die Erinnerungen auf: an ihre ersten Schritte in ihr gemeinsames und so kurzes Glück, an Sandras Ausstrahlung, die ihn wie unter Hypnose zu ihr hin zwang, an die erste undeutliche Ahnung, in ein Spiel zu geraten, in dem er der Ball wäre und niemals selbst ein Tor schießen würde. Als Jupp endlich erkannte, dass Sandra ihn gewählt hatte und nicht umgekehrt, da stand er schon im Rathaus und konnte es kaum glauben, als der Standesbeamte ihn mit ein paar Worten zum Ehemann erklärte.

Der behördliche Akt der standesamtlichen Hochzeit war schon gut acht Jahre her und Jupp musste zugeben, dass er nicht ohne romantische Momente abgelaufen war. Die Sonne schien, die Mütter weinten, die Freunde freuten sich ehrlich, Sandra war noch schöner als sonst und man hätte glauben können, hier haben sich zwei gefunden, die zusammen gehören.

Als geborener, wenn auch ungläubiger rheinischer Katholik hätte Jupp nichts gegen eine kirchliche Wiederholung der Prozedur einzuwenden gehabt, aber als er das Thema einmal kurz anschlug, erntete er von Sandra ein nachsichtiges, mitleidiges Lächeln. Er sei halt ein unverbesserlicher Romantiker, hatte sie gesagt, aber sie würde unter keinen Umständen diesen Schritt in "unsere" Zukunft mit solch einer anachronistisch-nostalgischen Aktion belasten. Damit war die Frage vom Tisch. Nach dem Standesamt gab es Rieslingsekt von der Mosel. Ein Reporter vom Express fragte, ob er sie als Paar des Tages fotografieren dürfe, was Sandra natürlich ablehnte und am Abend feierten sie ausgelassen in der Alteburg. Die ganze Nacht tanzten sie in ihre gemeinsame Ehe.

Sandra würde also nach Köln kommen. In die Stadt, die sie vor zwei Jahren verlassen hatte in Richtung Berlin, um "ein neues Leben" anzufangen. Ein neues Leben! Ihr Hang zum klischeehaften Ausdruck gehörte schon immer zu der Sammlung merkwürdiger Eigenschaften, die so gar nicht mit ihrer selbstbewussten, schnellen Intelligenz zu korrespondieren schien. Insofern hätte Jupp sich nicht über einen Titel wie "Erste Schritte zum Glück" wundern müssen.

Zwei Jahre hatte er Sandra nicht gesehen. Außer ein paar E-Mails, in denen sie ihn bat, einige vergessene Sachen aus der ehemals gemeinsamen Wohnung zu schicken, hatte es zwischen ihnen in der Zeit keinerlei Austausch von Fragen, Bitten oder Höflichkeiten gegeben. Keine Geburtstags- oder Weihnachtskarten, nicht mal spontane postalisch hin- und hergeworfene Beschimpfungen. Funkstille. Kontaktsperre. Sprachlosigkeit, die nicht vereinbart, sondern stillschweigend von beiden Seiten als Konsequenz der offiziellen Trennung eingehalten worden war. Jupp besaß keine aktuelle Handynummer von Sandra, selbst wenn er gewollt hätte, wüsste er nicht, wie er sich mit ihr verabreden könnte. Wo würde sie übernachten, wenn sie zur Lesung kam? In Nippes gab es nur ein Hotel, das ganz sicher nicht den Ansprüchen seiner Exfrau genügen könnte. Sie würde es doch wohl nicht wagen, bei Anett unterzukommen, schoss es ihm durch den Kopf, während sich gleichzeitig eine Mischung aus Empörung und Angst als Schauer in Rücken und Nacken bemerkbar machte. Anett, die Freundin, die die gemeinsame Wohnung nach der Scheidung übernommen hatte. Jupp war in die Dachwohnung im selben Haus gezogen. Hundert Quadratmeter in Nippes konnte er sich allein nicht leisten und er war froh, nicht mehr bei jedem Fenstergriff, jeder Tür, jedem Druck auf die Toilettenspülung daran denken zu müssen, dass sie allesamt von Sandras Händen berührt worden waren. Die Vorstellung, Sandra für ein paar Nächte zwei Stockwerke unter sich zu wissen, an dem Ort, an dem sie sich sechs Jahre geliebt und gestritten hatten, bereitete ihm ein körperliches Unbehagen, das ihm selbst als Reaktion ziemlich übertrieben vorkam. Die Geschichte mit Sandra war doch längst abgehakt. Keiner konnte von ihm verlangen, sich über ihren Besuch in seinem Stadtteil zu freuen. Und musste es unbedingt die Buchhandlung drei Ecken von ihrer alten Wohnung entfernt sein?. Es gibt in Köln doch wirklich genug Buchläden! Jupp stellte fest, dass er schon wieder dabei war, sich über Gebühr aufzuregen. Die innere Aufwühlung, gegen die er sich anscheinend nicht wehren konnte, verunsicherte ihn mehr als die Tatsache, dass Sandra in seine Nähe kommen würde.

Erst als ein Passant an seine Schulter stieß und sich überraschenderweise entschuldigte, bemerkte Jupp, dass er noch immer auf Sandras Foto starrend vor dem Schaufenster des Buchladens stand, mitten auf dem Trottoir, hinter ihm der tosende Lärm des Autoverkehrs, um ihn herum das an- und abschwellende Gewusel von Fußgängern und Radfahrern, die ihn mit den Augen so fixierten, wie man eine Slalomstange ansah, um die man