Erwin und Adele - Siegfried Ulbrich - E-Book

Erwin und Adele E-Book

Siegfried Ulbrich

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Beschreibung

Ein Auszug aus "Auf dem Weihnachtsmarkt": Mit dem schönsten Wohlfühlgefühl machten sich Erwin und Adele auf, in das vorweinhnachtliche Marktgewühl. Dort wurden sie empfangen von Mandel-, Bratwurst-, Glühweingerüchen - Budenbesitzer schrien werbende Sprüche. Weihnachtliche Musik erklang und Lieder wurden gesungen. Durch die Menge leifen Erwin und Adele eng umschlungen ...

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Seitenzahl: 54

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Über den Autor:

Siegfried Ulbrich wurde 1941 in Dresden geboren. Er ist von Beruf Zimmermann. Nach der 10. Klasse erhielt er seine Ausbildung in der Landwirtschaft und schloss diese mit dem Studium zum Agraringenieur ab.

Seit 1963 ist er mit seiner Frau Monika glücklich verheiratet. Er ist Vater von vier erwachsenen Kindern.

Mit Schreiben begann er 1998. Bücher wie „Leider schon vergeben“ und „Petra“ sind bereits erschienen.

Inhaltsverzeichnis

Das Spinnennetz

Zwei leere Flaschen

Auf dem Weihnachtsmarkt

Die Nuss

Adele

Zwei Senioren treffen sich

An der Haustür

Die Zeugenaussage

Das Missverständnis

Das Schlüsselloch

Winterwetterkapriolen

Ein Kartoffelleben

Im Warenhaus

Handwerkerlaune

Mottenverwandlung

Aus einem Aufsatz eines Schülers der sechsten Klasse in Sachsen

Tonkunst

Erwischt

Das Erdgeschoss

Bei Tisch

Der Oscarpreisträger

Das Spinnennetz

Es versprach ein schöner Tag zu werden. Die Sonne gab ihr Bestes, als sie auf den Balkon im Hochparterre der Familie Schmidt schien. Erwin, der Herr des Hauses, hatte es sich in seinem Klappstuhl am runden Balkontisch bequem gemacht und las in seiner Tageszeitung. Auf dem Tisch stand ein gefülltes Glas Bier, aus dem er gelegentlich einen kräftigen Schluck nahm. Adele, seine Frau, war eine Person von höchster Reinlichkeit. Lächelnd und ein Liedchen trällernd, betrat sie in ihre bunte Kittelschürze gehüllt, den idyllisch gestalteten Balkon, an dessen Brüstung innen und außen ihr ganzer Stolz hing. In einem wohlgeordneten Reigen befanden sich ihre Geranien, Petunien und andere sehenswerte Zierpflanzen. Hier und da zupfte sie ein welkes Blättchen ab und schaute frohen Mutes auf die Wiese vor dem Balkon. Doch plötzlich reckte sie ihren Kopf nach vorn, machte eine finstere Mine, stemmte ihre Hände in die Hüfte, schimpfte leise vor sich hin und schüttelte mit dem Kopf. Eine kurze Kehrtwendung und schnell verschwand sie in der Wohnung. Das ging so schnell, dass ihre Kittelschürze hinter ihr her schwebte und ihr wie der Schwanz eines Vogels die Richtung gab. Nach einiger Zeit erschien sie wieder, bewaffnet mit einem Staubwedel. Was war geschehen? Auf der etwa drei Meter unter dem Balkon befindlichen Wiese stand in einigem Abstand eine Säulenzypresse, wo eine Spinne über Nacht ganze Arbeit geleistet hatte. Sie hatte ein großes Spinnengewebe zwischen der Konifere auf der Wiese und dem unteren Rand des Balkons angebracht und mit mehreren feinen Fäden fest verankert. Dieses Netz war Adele ein Dorn im Auge, konnte sie doch Spinnen nicht ausstehen. Entrüstet begann sie mit dem Staubwedel gegen dieses Netz anzukämpfen. Da das zarte Gebilde aber etwas zu tief hing, musste sie sich zwischen ihren Blumen vorn über beugen, um es annähernd erreichen zu können. Trotz dieser Bemühungen hatte sie Mühe heran zukommen. Während dieses Netzvernichtungsversuches stand sie auf einem ausgebreiteten feuchten Wischlappen, mit dem sie wenige Minuten zuvor den Balkonfußbogen feucht gewischte hatte. Durch Adeles nach vorn beugen, begann dieser Lappen auf dem gefliesten Fußboden langsam nach hinten zu gleiten. Zentimeter für Zentimeter neigte sich ihr Oberkörper nach vorn, ohne dass sie merkte den Halt zu verlieren. Doch plötzlich, sie hatte mit dem Staubwedel das Netz fast erreicht, riss sie durch das Übergewicht was sie bekam, ihr linkes Bein nach hinten hoch. Das wiederum schlug mit voller Wucht von unten an die Tischplatte des Balkontisches, an dem Erwin immer noch gemütlich seine Zeitung las. Der Tisch begann durch den Schlag von Adeles Ferse zu kippen. Erwins Bierglas veränderte plötzlich seine Lage und schlug um, so dass das schöne Gesöff über den Tisch auf Erwin Hose zu laufen drohte. Erwin sprang blitzartig auf und stieß dabei mit seinem Hinterkopf an die über ihm hängende Blumenampel, die sich sofort aus dem Gehänge löste und über Erwins Kopf und Schulter auf die schräge Tischplatte fiel, dann weiter auf den Fußboden, wo zu guter Letzt der Keramiktopf zerschellte.

Adele, die auf dem schlüpfrigen Wischlappen nach hinten geglitten war, saß nun in dem von ihr angerichteten Scherbenhaufen zwischen Blumen, Erde und der Lache Bier. Sie hielt sich ihren Allerwertesten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schaute sie ihren Mann an. Erwin schüttelte die auf seine Schultern gefallene Erde ab und sagte zu Adele:

„Das hast du nun von deinem Hass auf kleine Insekten. Lass doch die Spinne, die hatte sich soviel Mühe gegeben, über Nacht ihre Futterquelle für den nächsten Tag zu erschließen und was machst Du? - Du zerstörst alles und mir hast du auch den Tag ordentlich verdorben. Ich gehe jetzt in die Schänke und trinke mein Bier dort!“

Adele begann zu heulen, aber davon ließ sich Erwin nicht beeindruckt, reinigte sich zog seine Jacke über und verschwand aus der Wohnung.

Zwei leere Flaschen

Der kurze Gewitterguss war gerade vorüber, als Adele und Erwin auf den Fußweg vor ihrem Haus traten. Genüsslich sogen beide einen kräftigen Zug dieser vom Staub befreiten frischen Luft ein. Sie schauten nach rechts und nach links auf den sich langsam wieder belebenden breiten Gehsteig der Hauptstraße, mischten sich unter die Menschenmenge und begaben sich zum Markt. Adele in ihrem knöchellangen braunen Rock mit gelben Blumen, der beim Gang ihrer Schritte wie eine Glocke hin und her schwenkte und Erwin in seinem hellgrauen Trenchcoat und Hut mit breiter Krempe, der ihn fast zu einem Kriminalbeamten alter Zeiten machte, strömten sie mit den Massen ihrem Ziele dem Stadtzentrum entgegen. Adele hatte ihren zusammen gefalteten Regenschirm in der rechten Hand und benutzte ihn als Spazierstock. Von der rechten Schulter, diagonal zur linken Hüfte, hatte sie ihre Stadttasche umgehangen. Plötzlich blieb Erwin stehen und bat Adele weiter zu laufen. Er musste noch einmal zurück, denn er hatte etwas vergessen, was er dringend in der Stadt erledigen wollte.

Gemächlich schlenderte Adele weiter. Überall am Straßenrand befanden sich große Wasserlachen, die der eben zu Ende gegangene Regen hinterlassen hatte. Manche reichten bis an den Rinnstein. Die Reifen der vorbeifahrenden Autos zischten im Nass der Straße und es klang als würden