Erzählungen & Malerei - Dirceu Braz - E-Book

Erzählungen & Malerei E-Book

Dirceu Braz

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Beschreibung

Brasilianische Erzählungen, Gedankenlyrik und Acrylmalerei machen das neueste literarische Werk von Dirceu Braz sehr lebendig und spannungsreich. Ob es sich um die traurige Geschichte von Milo oder von Toninho handelt, um stimmungsvolle Gedichte oder originelle Momentaufnahmen – der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch Unbekanntes, auf der mit Worten und mit dem Pinsel ein phantasievolles Gemälde voller Farben und Kreativität entsteht. Bilder wie zum Beispiel "Japanischer Garten”, ”Wohin?”, “Gib nicht auf!” oder “Hoffnung II" wirken auf unsere Augen wie ein Flug durch die Zeit und versetzen uns in eine andere Sphäre, wo lebendige Farbe und Licht verschmelzen. Die Gedankenlyrik vermittelt uns, als wahre Botschaft für das tägliche Leben, Kraft und Hoffnung. Witzige Texte bringen den Leser zum Schmunzeln, wie zum Beispiel: "Die Bronzene Frau", "Das rate ich dir" oder "Der Kabarett- König aus Mainz", eine Hommage an Hanns Dieter Hüsch, die uns die Begegnung von Petrus und dem Kabarettisten erzählt, als dieser im Himmel von jenem und den Engeln empfangen wird. Das Buch verspricht mit Sicherheit viele schöne Stunden, abenteuerliche und entspannende Momente!

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Gewidmet

meinem ewigen Freund

Maestro Eleazar de Carvalho

(1912-1996),

einem der größten

Dirigenten aller Zeiten.

„Hoffnung III“ Acryl 80x80 cm © D.Braz

Das Leben

könnte Ein friedlicher Kampf sein,

In dem der Beste gewinnt,

Ohne kämpfen zu müssen.

„Wer nicht kämpfen muss,

Der hat schon gewonnen.“

„Busfahrerin“ Acryl 60x80 cm © D. Braz

Inhaltsverzeichnis

Der Autor

Vorwort

A

uresia

T

oninho

B

escherung

B

ewusste Freude

B

lumen für dich!

D

as rate ich dir

D

er Weg zu Gott

D

ie Heilige Lurdes von Plata do Norte

D

ie bronzene Frau

D

ie Frau meines Lebens

D

u bist frei

D

urch uns durch

E

ilige Fahrerin

D

er Briefträger

E

in Vogel, ein Freund

E

ine Welt voller Meister

F

rau und Hund

N

icht übertreiben

F

ür ein großes Werk braucht man gute Werkzeuge!

D

ie Marmorstatue

L

e Grand Finale

D

er Kabarettkönig aus Mainz

Der Autor

Dirceu Braz, geboren am 10. November 1950 in Sao Paulo, Brasilien, stammt aus einer sehr einfachen Familie. Sein Drang nach Bildung und der Wunsch, eines Tages in Europa leben zu können, um sein Musikstudium fortzusetzen, führte ihn im Jahr 1973 nach Deutschland, wo er zuerst an der Musikhochschule Stuttgart studierte, und später in die Schweiz. Dort setzte er sein Studium am Züricher Konservatorium fort. Danach kam der junge Brasilianer zurück nach Deutschland und war 12 Jahre lang in Heidelberg als Dozent für das Fach Trompete tätig. Während dieser Zeit in Heidelberg ergab sich eine international Karriere als Trompetensolist, in der über 10 Tonträger entstanden sind. Dirceu Braz verfolgte seinem Traum, sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Buchautor und Maler durchzusetzen, was ihm auch gelungen ist.

Das vorliegende Buch ”Erzählungen & Malerei” ist das fünfte Werk, das in kürzester Zeit von ihm auf den Markt erschienen ist. Dennoch warten dutzende Bücher, die sich teils noch als Manuskripte im Regal befinden, gespannt darauf, publiziert zu werden, darunter viele Romane, Gedichte und Erzählungen, die entweder in seiner Muttersprache Portugiesisch oder auf Deutsch verfasst wurden.

Vorwort

Brasilianische Erzählungen, Gedankenlyrik und Acrylmalerei machen das neueste literarische Werk von Dirceu Braz sehr lebendig und spannungsreich. Ob es sich um die traurige Geschichte von Milo oder von Toninho handelt, um stimmungsvolle Gedichte oder originelle Momentaufnahmen – der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch Unbekanntes, auf der mit Worten und mit dem Pinsel ein phantasievolles Gemälde voller Farben und Kreativität entsteht.

Bilder wie zum Beispiel Bilder wie zum Beispiel ”Japanischer Garten”, ”Wohin?”, “Gib nicht auf!” oder “Hoffnung II" wirken auf unsere Augen wie ein Flug durch die Zeit und versetzen uns in eine andere Sphäre, wo lebendige Farbe und Licht verschmelzen. Die Gedankenlyrik vermittelt uns, als wahre Botschaft für das tägliche Leben, Kraft und Hoffnung. Witzige Texte bringen den Leser zum Schmunzeln, wie zum Beispiel: ”Die Bronzene Frau”, ”Das rate ich dir” oder ”Der Kabarett-König aus Mainz”, eine Hommage an Hanns Dieter Hüsch, die uns die Begegnung von Petrus und dem Kabarettisten erzählt, als dieser im Himmel von jenem und den Engeln empfangen wird. Das Buch verspricht mit Sicherheit viele schöne Stunden, abenteuerliche und entspannende Momente!

Auresia

Langsam ist der Tag gekommen

Kein Mensch hat es gesehen…

Ich war ganz alleine, nur mit mir selbst.

Die Geheimnisse eines neuen Planeten

Suchte ich schon um vier Uhr morgens….

Er sollte Auresia heißen,

Zehn Milliarden Lichtjahre von uns entfernt!

Oh... wie klein wir doch sind!

Dort könnte es sogar Leben geben!

Auresia lebt im Schutze eines Zwergsterns!

Dort könnte es Leben geben!

Der Zwergstern ist für Auresia

Wie eine Mutter:

Er schenkt Licht, Liebe, Wärme und Schutz.

Jetzt ist klar: Wir sind wirklich nicht alleine!

Auf der Erde sind über sechs Milliarden Menschen

Die Zugehörigkeit suchen…

Auresia leistet uns Gesellschaft!

Unser Universum ist voller Wunder!

So viel bleibt vor uns versteckt!

Unser Sonnensystem ist einfach wundervoll!

Das ist nur der Anfang, aber kein Ende!

Der Name Auresia klingt so schön!

Ist das ein Mann oder eine Frau?

Niemand kann es sagen!

Davon wissen wir viel zu wenig!

Auresia lebt und trägt in sich Leben

Dort, im All,

Zehn Milliarden Lichtjahre

Von uns entfernt!

Lebwohl, Auresia!

Wir können dich nicht sehen

Und auch nicht zu dir kommen…

Aber es ist schön zu wissen,

Dass wir im All nicht alleine sind!

Auresia...

... wir lieben dich!

„Einsamkeit“ Acryl 70x70 cm © D. Braz

Toninho

Es gibt zwei Erfahrungen in meinem Leben, die ich nicht vergessen kann.

In meiner früheren Grundschule gab es Jungs, die nicht mit dem Löffel gegessen haben. Es waren darunter richtig böse Jungs, die keinen Spaß verstanden, wenn ein Weißer in die Klasse kam. Eines Tages bin ich dieser neue Weiße gewesen. Ich war neu in der Klasse und alle Augen richteten sich auf mich. Die Begrüßung war herzlich und mit aller Ehre, die man einem Neuling erweisen kann. Der Junge, der mir als Erster dann begegnete, pöbelte mich sofort an: „He, du Gelatine, wir werden dich hier fertig machen, du hast hier in unserer Klasse gar nichts zu suchen, hau ab, du Stinktier. Wird es wohl bald?“

Ich hatte mir mit Ruhe alles angehört und ging weiter. Wohin sollte ich gehen, das war meine Schule und ich musste hier verweilen. In meiner Gegend war ich der Chef, da – in der neuen Schule – war ich nur ein kleiner Weißer, der dort gar nichts zu suchen hatte. Die Jungs hatten es auf mich abgesehen. „Da hilft nur Power“, sagte ich zu mir, obwohl viele kräftige Jungs dabei waren, Jungs, die nichts anderes machten, als sich den ganzen Tag über auf der Straße aufzuhalten, Schimpfworte auszutauschen und sich zwischendurch zu verprügeln.

Die ersten Stunden gingen schnell vorüber. Ich wusste, dass an dem Tag ein kleiner Junge von denen zur Bratwurst gemacht werden sollte und dieser kleine Junge schien ich zu sein. Es war ratsam, auf der Hut zu sein.

„Hast du Essen dabei?“

„Ja!“, erwiderte ich.

„Die Hälfte davon bekomme ich, ist das klar, du Schwuler?“

Für die kleinen Neger, die nicht weit weg von der Schule in Slumsviertel gewohnt hatten, war ein Weißer in der Schule automatisch schwul. Klar! Ich ließ mich nicht beeindrucken und verließ das Klassenzimmer, um zur Toilette zu gehen.

„Gehe nicht auf die Toilette!“,warnte mich ein anderer kleiner Junge. „Die werden dich dort fertig machen!“

„Wie bitte? Soll ich vielleicht in die Hose pinkeln?“

„Gehe lieber nach draußen ins Gebüsch, die warten nur darauf, dass du die Toilette aufsuchst.“

Eines wurde mir klar. Ich musste mich entscheiden, entweder in die Hose zu machen oder unter freiem Himmel irgendwo zu pinkeln. Es gab keine andere Wahl. Es lebe die Natur. Wenn das so ist, dachte ich mir, dann legen wir los. Ich hatte zum Frühstück sehr viel getrunken und meine Blase machte sich bemerkbar. Ich musste dringend und konnte nicht mehr länger warten. Ich verließ das Klassenzimmer, um eine kleine Ecke aufzusuchen, in der ich mich befreien konnte. Als ich die Natur dann endlich begossen hatte, kamen die Jungs vorbei und schupsten mich weg. Mein Bedürfnis zu pinkeln war vergangen, meine Uniform – meine einzige Hose – war nass geworden und die Jungs lachten sich halb tot über mich. Ich packte dann rasch mein bestes Stück wieder ein und schaute mir die Jungs genauer an. Der Chef war ein kleiner Junge, sehr kräftig gebaut, mit kaputten Zähnen im Mund.

„Ja, mein Kleiner, immer die Ruhe bewahren, warte auf die Gelegenheit, dann kannst du zurückschlagen.“

Schnurstracks wollten die auf mich losgehen und ich wusste, dass es jetzt wohl angebracht war, den Rückwärtsgang einzulegen. Ich war schnell beim Rennen und konnte sie zügig abhängen. Aber den Chef der Bande nahm ich ganz genau ins Visier. Der war schon auch sehr flink und rannte mir wie eine Bestie hinterher. Als wir fast am Schultor waren, setzte ich die Handbremse ein, drehte mich postwendend um und verpasste dem Jungen hinter mir einen kräftigen Schlag. Ich traf ihn genau in seinen dicken Bauch – so was hat mir mein lieber Vater ganz gut beigebracht, danke, lieber Papa. Es ging alles sehr schnell. Der Junge mit den kaputten Zähnen fiel sofort auf den Boden und schien ein ernsthaftes Problem zu haben. Mit ihm war vorerst mal Feierabend. Ich schaute den Banditen genau in die Augen und forderte sie zum Kampf auf:

„Der Nächste, bitte!“

Die Jungs konnten es nicht fassen, dass ich so viel Kraft gehabt hatte, obwohl ich so harmlos aussah.

Klar, ich habe natürlich nicht auf den nächsten Junge gewartet. Ich wusste, dass gleich die Klassenlehrerin kommen würde, außerdem musste ich mein „Geschäft“ fortführen, sonst hätte ich doch noch in die Hose machen müssen und die war sowieso schon nass.

Als ich wegging, da waren ein paar hinter mir her, das waren die unterdrückten Jungs, die Schutz bei mir suchten.

„Mensch, du warst richtig klasse!“, lobte mich ein kleiner Junge. Können wir in deiner Bande sein?“

„In welcher Bande?“, fragte ich mich. Vielleicht hatten die an die Banditen mit dem Motorrad gedacht – mir gehörte keine Bande, aber es schien, als hätte ich denen so imponiert. Ohne zuviel zu überlegen, entgegnete ich: „

Ja klar, aber wer nicht pariert, der liegt auf dem Boden genau wie der Mistkerl dort und ich mache aus ihm Bratwurst.“

Das hatte die Jungs vielleicht mächtig beeindruckt, mein Gott! Ich war plötzlich der King, ohne mich sonderlich anstrengen zu müssen. An meiner Seite waren Jungs, die auch nicht mit dem Löffel gegessen haben, aber im Gegensatz zu den anderen schienen sie rela-tiv harmlos zu sein.

Also, auf diese Weise ist dann unsere Klassenbande entstanden und wir hielten vier Jahre lang zusammen. Weiße gegen farbige Jungs, aber das hat sich sehr bald geändert. In unserer Klasse waren etwa 40 Jungs, 40 Kinder in einem Unterrichtsraum, und alle Kinder stammten aus sehr armen Familien, genau wie ich. Keiner konnte ein Pausenbrot mitbringen, weil es sofort geklaut wurde; man hatte in der Pause sowieso keine Ruhe, etwas zu essen, ohne dass einer dem anderen alles wegnahm und ihm zudem noch eins hinter die Ohren verpasste. Für mich war die Situation klar, so was musste aufhören und dafür wollte ich sorgen. Ich hatte die meisten Jungs an meiner Seite. Nun wusste ich, dass der Kampf nicht zu Ende war, sondern soeben erst begonnen hatte. An diesem Tag war der Unterricht zu Ende gegangen und ich bin noch einmal glimpflich davongekommen. Ich konnte mich beinahe schon entspannt auf den Heimweg begeben. Mir folgten Scharen von Jungs, die mich begleiten wollten, wir erzählten uns vieles und lachten, dann blieb ich stehen und sagte genau, was ein Chef sagen musste:

„Jungs, ab heute ist Training angesagt, ich wohne genau dort an der Brücke, da treffen wir uns in zwei Stunden, wir müssen uns für den Kampf vorbereiten. Wer sich in die Hose macht, muss nicht kommen, aber darf sich auch nicht quer in unseren Weg stellen. Wir müssen vieles in der Schule ändern.“

„Chef, wir brauchen einen Namen.“

„Was für einen Namen?“,fragte ich.

„Ja, jede Bande hat doch einen Namen.“

„Adler“, schlug einer vor.

„Nein, das ist kindisch“, erwiderte ein Japaner, dessen Vater ein Lebensmittelgeschäft in der Stadt hatte.

Ich sah den Jungen aus Japan an und entgegnete ganz spontan:

„Samurai, unsere Gruppe heißt Samurai. Wer ist dafür und wer ist dagegen? Wer dagegen ist, bekommt eines auf die Eier.“ So habe ich es ganz diplomatisch gemacht. Ja, wir lebten damals in Brasilien in der Zeit der Diktatur, in der viele Menschen oft ohne jeglichen Grund und ohne Gerichtsverhandlung verfolgt und auch umgebracht wurden. Die Merkmale eines Militärregimes waren eindeutig. Wegnehmen, wer im Weg stand. Sogar Freunde meines Vaters sind bis zum heutigen Tag nicht mehr nach Hause zurückgekehrt, nur weil die was gegen die Regierung gesagt hatten.

Die Jungs haben sehr laut geschrien und waren von dem Namen begeistert: „Samurai.“ Wir waren keine Japaner, aber so ein Name, das würde den anderen schon imponieren. „Samurai! So heißt unsere Bande. Wer will, kann jetzt noch aussteigen, aber der bekommt eine auf die Fresse von mir. Seid ihr damit einverstanden?“

„Ja! Samurai ist geil!“

Ich folgte dem Szenarium und wusste, dass meine Aufgabe nicht leicht sein würde. Ab dem Tag war mir bewusst, dass ich tierisch aufzupassen hatte – wir mussten uns durchsetzen und unser Revier festlegen und verteidigen.

„Also, unser Revier geht bis zu der Bahnlinie. Kein anderer hat hier was zu suchen.“

„Aber Chef, da sind die Spinner. Wir haben keine Chance gegen die.“

„Die Spinner müssen den Platz räumen, wir wohnen jetzt hier und die müssen woanders hingehen. Wer ist dabei?“

„Ich!“, begeisterte sich einer nach dem anderen, „ich!“ Alle waren damit einverstanden. Die Spinner waren große Jungs mit einer großen Klappe. Aber ich wusste, dass sie weichen und unser erobertes Revier respektieren würden. Der Chef dieser Bande war mein Cousin und ich konnte schon mit ihm reden. Schließlich musste ich mich durchsetzen und war gezwungen, mit denen einen Friedensvertrag zu unterschreiben, sonst hätte ich bald mein Gesicht bei meinen Jungs verloren. Die waren schon böse Kerls, die vor nichts Angst hatten und auch vor nichts zurückschreckten. Vor einiger Zeit hatten die schon eine ganze Schule in Brand gesetzt, und das nur, weil einer von denen sitzen geblieben war, die waren nicht zu unterschätzen.

„Die Spinner werden uns fertig machen!“ Segi räusperte sich.

„Wenn du gleich schon aufgeben willst, Segi, dann musst du erst gar nicht anfangen, zu kämpfen. Wenn du dir bereits jetzt schon in die Hose machst, dann kannst du gleich gehen, wir brauchen dich nicht.“

„Nein Chef, ich bleibe, ich mache mit.“

Ich fertigte einen Stock aus einem Stück Holz, das da auf der Straße lag, markierte einen Strich auf den Boden und begann mit dem Ritual.

„Wer dabei sein will, muss über diese Linie springen.“

Es war wie eine Zeremonie.

Es hatte nicht lange gedauert und alle waren schon über die Linie gesprungen.

„O.K.! Jetzt sind wir alle auf einer Seite, und das ist meine Seite – ihr seid alle auf meiner Seite, wer nicht pariert, der marschiert. Ist das klar? Ich bin der Chef und für euch bin ich der Meister.“ Ich war mir meiner Verantwortung vollkommen bewusst.

„Ja Chef, wir machen mit!“, schrien alle auf einmal.

Die Zeremonie kannte ich aus einem alten Film, den ich bei meiner Oma gesehen hatte. Wir führten die Zeremonie fort. Ich spuckte auf eine Stelle und befahl dann mit erhobener Stimme:

„Also alle müssen da draufpinkeln, wer nicht pinkeln kann, der ist ein Feigling und eine Schande für die Samurai.“

Und so kamen alle Jungs zusammen und wir pinkelten gemeinsam auf die Stelle des Baums, auf die ich zuvor gespuckt hatte.

„Also, jetzt sind wir eine Familie, einer schützt den anderen, wir sind die Samurai Kids von Mineraçao, keiner kann uns besiegen. Ist das klar? Wir beschützen uns selbst und auch alle anderen Freunde von uns. Wenn einer als Verräter untertaucht, wird er bestraft, dem schneiden wir die Zunge ab. Was wir heute hier abgemacht und gesagt haben, das interessiert keinen anderen Menschen, wir sind die Samurais. Es lebe die Bande der Samurais. Erstes Gebot, wegrennen, anstatt zu kämpfen, aber wenn es sein muss, wirklich zurückschlagen, wartet nicht, bis der Gegner euch trifft. Genau so. Und wenn er auf dem Boden liegt, dann lasst ihn in Ruhe. Wir sind keine Killer.“

Am Schluss setzte ich mit voller Kraft einen Faustschlag gegen die Brust unseres kleinen Japaners, der jäh aufschrie und sofort auf dem Boden lag.