Es begann an einem Weihnachtstag - Eva Gerhard - E-Book

Es begann an einem Weihnachtstag E-Book

Eva Gerhard

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Beschreibung

Als Single-Frau ab vierzig hat man es schwer einen passenden Partner zu finden und dass noch so kurz vor Weihnachten. Das wäre wie ein Sechser im Lotto. Doch Wunder geschehen immer wieder. Es war Heiligabend als Eva sich entschloss die Zeit bis zum gemeinschaftlichen Abendessen mit der Familie, durch einen ausgedehnten Spaziergang zu überbrücken. Ausgerechnet an diesem Tag lernt sie einen Mann kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Ein Mann den sie kaum kannte, der ihr aber das Gefühl der Zuneigung und der Geborgenheit gab; der sie erfahren ließ, wie schön es ist, wieder von einem Mann im Arm gehalten zu werden. Sie zogen zusammen, schmückten zusammen ihren ersten gemeinsamen Weihnachtsbaum, feierten ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest, mit Freunden, mit Weihnachtsmann, mit Julklapp und Geschenken. Jahre vergingen, als eines Tages der Himmel des Glücks von vielen grauen Wolken bedeckt wurde und so entwickelte sich Heiligabend zu einem Fest der …

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis:

Es begann an einem Weihnachtstag

Ich wünschte mir ein Vogel zu sein und die Welt aus einer anderen Perspektive zusehen

Ich fühle mich zu alt für Gummitwist und Sandkastenspiele

Ist Ehrlichkeit nicht das Grundprinzip unserer Gesellschaft

Es war, als wenn Stromschläge durch meinen Körper schossen

Es gibt Menschen, die einem das Gefühl geben, sie schon lange zu kennen

Es war schön zu erfahren, wie es ist, wieder von einem Mann im Arm gehalten zu werden

Dann folgte ein Kuss, der die ganze Welt um mich herum schwinden ließ

Zwischen uns beiden war es wie ein Feuerwerk

Es erstaunte mich immer wieder, dass er sich solche Dinge merkte, um mir eine Freude zu bereiten

Eine Träne des Glücks lief meine Wange herunter, als ich mich auf seinen Schoß setze und ich ihn umarmte

Der Mensch wir mit vielen Persönlichkeiten geboren und stirbt mit nur einer Persönlichkeit

ES BEGANN AN EINEM WEIHNACHTSTAG

1. Ich wünschte mir ein Vogel zu sein und die Welt aus einer anderen Perspektive zusehen

Es ist Dezember. Ein Monat voller Magie, zahlreichen Bräuchen und Traditionen, vermischt mit dem weihnachtlichen Duft von Christstollen, dem Anstimmen von Weihnachtsliedern, den großen Augen strahlender Kinder und dem Verfall vieler Menschen in einen stunden-, tage-, ja wochenlangen endlosen Kaufrausch. Obwohl es einem klar sein müsste, dass Weihnachten jedes Mal am selben Tag ist.

Ich war mit meiner Freundin Susie im Stadtzentrum verabredet, ein Einkaufszentrum, das sich unter einem riesigen Adventskranz für ein paar Wochen zu einem wahren Weihnachtstraum für Groß und Klein verwandelt hatte. Überall standen bunt geschmückte Weihnachtsbuden mit Geschenkideen, Kunsthandwerk, weihnachtlichen Spezialitäten, Bastelaktionen, Häkel- und Strickstoffen, Würstchenstand, Krapfen-Bäckerei und vieles mehr.

Viel zu früh erreiche ich das Stadtzentrum und nutze die Zeit, mir das Geschehen von der Galerie im Obergeschoss aus anzusehen. Überall geschmückte Schaufenster mit Kugeln, Sternen, künstlichen Tannenbäumen und kleinen Weihnachtsmännern. Nur wenige verzichteten darauf und behalfen sich mit Flocken aus Watte oder Styropor, um ihre Schaufenster in eine schöne Schneelandschaft zu verwandeln.

Überall drängen Menschen mit Taschen und Tüten durch die Menge, schieben sich durch das Gewühl, niemand wird verschont. Kinder schreien und werden mit zärtlichen Worten wie: "Das sag ich alles den Weihnachtsmann", beruhigt.

An der Seite auf einem roten Sofa sitzt ein Mann mit rot-weißem Mantel, lockigem Vollbart und einer tiefen Stimme. Neben ihm hat ein Kind Platz genommen und erzählte von seinem Weihnachtswunsch.

Manche Kinder würden lieber unter den Tisch krabbeln, anstatt es sich neben dem weiß bärtigen Mann mit tiefer Stimme gemütlich zu machen, um ihn von ihren sehnlichsten Wünschen zu erzählen.

Das liegt daran, dass Eltern immer wieder dazu neigen, den Weihnachtsmann als ein Druckmittel zu benutzen, der die Geschenke nur dann bringen würde, wenn die Kinder brav sind. Dazu wird dann noch von der Rute erzählt, die der Weihnachtsmann statt der Geschenke bringt und damit die Strafe für unartige Kinder symbolisiert.

»Hast du das gescheckt«, fragte ein Junge, der gerade neben dem Weihnachtsmann saß.

»Ho, ho, ho, natürlich hab ich das gescheckt«, antwortete der Weihnachtsmann. »Du wünschst dir also eine Steinschleuder, Stinkbomben, Skateboard und Handschellen.«

»Genau!«

»Ho, ho, ho, na dann fröhliche Weihnachten.«

Ich sehe Susie suchend über den Platz laufen, winkte ihr zu und rief:

»Hallo Susie, hier bin ich«, doch meine gestikulierenden Handbewegungen und die Zaghaftigkeit meiner Stimme wurde von der Masse der Besucher erwürgt.

So lief ich die Treppe hinunter und stürzte mich in die Menschenmenge. Besonders am Krapfen-Bäcker bildeten sich friedliche lange Warteschlangen, die sich S- und U-förmig der Räumlichkeit anpassten.

Mit "Gestatten sie", "darf ich mal" und "Verzeihung" schlängelte ich mich an den Wartenden vorbei, ohne dabei in Panik zu geraten. Manche waren so anpassungsfähig, dass sie schon ganz leise und heimlich zur Seite traten, wenn ich mich ihnen näherte.

Dann fand ich endlich Susie und klopfte ihr auf die Schulter.

»Hey da bist du ja«, sprach sie, umarmte und küsste mich auf beiden Wangen.

»Man ist das Einkaufszentrum voll«, bemerkte ich.

»Weihnachten steht vor der Tür«, erwiderte Susie. »Die stille Zeit des Jahres.«

»Die stillste Zeit des Jahres? Du meinst wohl die stressigste Zeit des Jahres.«

»Hast du schon alles für Weihnachten eingekauft.«

»Schon lange. SOS, Schlips-Oberhemden-Socken, für meinen Vater und BAT, Bluse-Arbeitskittel-Topf, für meine Mutter. Und du? Du sicherlich noch nicht. Auf den Wievielten glaubst du, dass Weihnachten dieses Jahr fällt? Also Neujahr ist der Erste.«

»Ich weiß. Ich nehme mir jedes Jahr vor, nächstes Mal alles viel früher zu planen und dann stehe ich doch immer wieder ein paar Tage vor Weihnachten da und muss mir auf die Schnelle was einfallen lassen.«

»Dann denk dran, wenn du bestimmte Geschenke suchst und die nicht mehr verfügbar sind, dann müssen diese erst bestellt werden. Das dauert so an die zwei Wochen und in zwei Wochen ist Heiligabend schon lange vorbei.«

»Ich finde schon irgendwas«, und tatsächlich fand sie schnell verschiedene Geschenke für ihren Freund, ihre Eltern und ihren Bruder.

»Und was machst du so über die Feiertage«, wollte Susie wissen.

»Och, übermorgen am Heiligabend ist essen bei meinen Eltern angesagt und am ersten und zweiten Feiertag wollte ich mal so … zu Hause bleiben.«

»Alleine?«

»Natürlich allein. Oder meinst du, dass sich kurzfristig so ein süßer, charmanter, gut aussehender, selbstbewusster, intelligenter, attraktiver, solo seiender Mann anfindet, der die Weihnachtstage mit mir verkümmern will? Du weißt doch, dass die Chance für eine Singlefrau ab vierzig, einen passenden Partner zu finden, geringer ist als einen Sechser im Lotto? Ich kenne jede Menge toller Frauen, attraktiv, beruflich erfolgreich, witzig, die ohne Mann leben, aber keinen einzigen guten Mann, der ohne Frau lebt. Genug Männer sind zwar da, aber nicht genug gute.«

»Und da meinst du, dass du deinen Traummann an der Kasse eines Supermarktes kennenlernen wirst, wenn du ungeschminkt in Jogginghose deinen Joghurt bezahlst.«

»Komm Susie, du kennst mich. Ich bin es gewohnt alleine zu sein und es gefällt mir.«

»Aber klar! Ich will ja nur nicht, dass jemand in der Weihnachtszeit einsam ist.«

Ich schüttelte mit dem Kopf und verzog mein Gesicht zu einem verächtlichen, ungläubigen Ausdruck, indem ich eine Augenbraue leicht anhob, mit einem Mundwinkel nach unten zeigte und gleichzeitig die Stirn runzelte.

Susie ist da anders. Gefällt ihr ein Mann, dann ist es für sie das Einfachste auf der Welt, rüber zu gehen und ihn anzusprechen. Irgendwann müsste auch ich mal die Eigeninitiative ergreifen, sonst würde es nie was mit einem Mr. Right und einer Mrs. Always Right werden, meinte sie.

Sie ist zwar der Meinung, dass ich das Aussehen eines Models hätte, das ich appetitlich und attraktiv sei, dass meine blauen Augen Lebensfreude, Vitalität und Erotik ausstrahlen, dass ich immer ein Schmunzeln auf den Lippen habe. Und was meine Figur betrifft, so ist sie wie eine Sanduhr geformt, was Männer immer wieder dazu animiert, einen zweiten Blick zu riskieren. Ich hätte einen knackigen Po, eine Supertaille und wohlgeformte Hüften, die ich erregend zu meinem Werkzeug machen könnte.

In meiner Vergangenheit habe ich sowohl schöne als auch furchtbare Beziehungen erlebt und hab durch meinen Ex-Mann die Freunde am Leben verloren. Inzwischen sind viele Monate vergangen, aber das richtige Interesse an einen neuen Mann hat sich noch nicht gefunden.

Naja so ein nettes, ungezwungenes Kennenlernen wäre nicht schlecht, muss ja nicht gleich eine Beziehung werden, aber deswegen jemand auf der Straße ansprechen: "Hey wie geht's. Wollen wir zusammen Kaffee trinken?" oder "Ey, du gefällst mir, wollen wir was zusammen unternehmen?" Wenn ich mich so verhalten würde, dann muss doch der Mann denken, dass ich solche Aktionen routinemäßig durchführe und dauernd Männer anquatsche. Nun bin ich in meinem Single-Leben wählerischer geworden, habe mehr Selbstvertrauen gewonnen und habe nicht vor, einem schlechten Mann mein Herz zu schenken.

Susie zumindest versucht es immer wieder, mich unter die Haube zu bringen. Naja sie lebt in einer glücklichen Beziehung und wünscht sich das Gleiche für mich, würde sich dazu noch freuen, wenn mein Angebeteter sich dann noch mit ihrem Angebeteten gut verstehen würde.

Mitten im Gedränge stehen wir im Pulk von Frauen mit ihren Kindern, die den Weihnachtsmann beobachten, der gerne von jedem Kind den Weihnachtswunsch entgegen nimmt. Doch kein Kind traute sich, so sprach Susie zu mir:

»Bleib mal hier stehen. Ich bin gleich wieder da.«

Etwas verwirrt schaute ich sie an. Was soll ich hier zwischen all den Kindern und deren Mütter, die den Weihnachtsmann bei seinem Ausruhen, bei seiner Entspannung, bei seiner Müßigkeit zusehen.

Doch ich ahnte Schlimmes. Susie zwängte sich durch die Traube von Menschen und setzte sich zu dem Weihnachtsmann auf das Sofa. Ein Raunen ging durch die Menge, was will so eine erwachsene Frau von dem Weihnachtsmann?

»Wie heißt du denn mein Kind«, sprach der Weihnachtsmann.

»Susie. Meine Mami sagte ich soll mich auf deinen Schoß setzen«, wurde von Susie wie ein Kleinkind imitiert.

»Vergiss es«, erwidert er. »Hast du einen Wunsch?«

Und dann wäre ich vor lauter Scham am liebsten in den Erdboden versunken.

»Mein Weihnachtswunsch ist ein Mann für meine Freundin Eva. Sie hat keine Macken, sieht gut aus, arbeite viel, und wenn sie Feierabend hat, dann warte der DVD-Spieler auf sie, mit den klassischen Liebekomödien wie "Bettgeflüster", "Ein Pyjama für Frau" und "Schick mir keine Blumen". Deswegen ist sie für alles andere zu Müde. Mit Anfang vierzig wird sie auch langsam alt. Der perfekte Mann müsste einen guten Job und Sinn für Humor haben. Sie ist was ganz Besonderes, aber das hört sie lieber von einem Mann, der es ernst mit ihr meint.«

Die ganze Zeit schaute Susie zu mir her und auch die Menschen um mich herum, fingen an zu begreifen, dass von mir die Rede war.

Nur nicht rot werden, dachte ich mir und schon spürte ich wie das Blut in meinen Kopf schoss, wie mir warm wurde. Mein Blutdruck stieg, meine Gefäße erweiterten sich und ich glaubte mein Kopf fing so rot an zu leuchten, wie die Nase von Rudolph das Rentier.

Dann antwortete der Weihnachtsmann:

»Derartige Wünsche sind nicht leicht zu erfüllen, und weil wir Menschen dazu zu schwach sind, bitten wir den Weihnachtsmann um Hilfe. Man darf ihn um alles bitten, er kann aber auch Nein sagen, wenn er es nicht will. Aber in deinem Fall habe ich Hoffnung und werde deinen Wunsch annehmen.«

Unter frenetischen Beifall kam Susie strahlend zu mir. Sämtliche Augen der Anwesenden folgten ihr. Wer bis jetzt nicht wusste, über wen Susie sprach, der wusste es jetzt.

Peinliche Gefühle durchflossen meinen Körper. Ich machte mir Gedanken, was die anderen wohl von mir denken würden; fühle mich von allen Seiten angestarrt, als wenn jeder eine Reaktion erwartete, oder ist es ein Schuldgefühl, weil mir jemand was Gutes tun will?

Ein Mann, der neben uns stand, fing auf einmal an zu nörgeln:

»Ich hasse Weihnachten und ich gebe es auch gerne zu. Was ist denn je Gutes dabei herausgekommen? Hässliche Krawatten und trockenes Weihnachtsgebäck.«

»Ich hasse auch hässliche Krawatten«, erwiderte Susie.

»Die Freude an Weihnachten ist mir längst vergangen«, fuhr der Mann weiter fort. »Früher war das anders, dann hat mich das Glück verlassen. Ich war ein erfolgreicher Kaufmann und ich hatte eine Freundin, Marion. Ich hatte alles erreicht, was mir wichtig gewesen war und dann kam er daher, ein Nichts, ein Niemand und spannt mir mein Mädchen aus.«

»Oh, das tut mir leid für sie«, sprach Susie.

»Ich wäre glücklich geworden, doch er hatte alles versaut und dass am Heiligenabend.«

»Komm lass uns abhauen«, sprach ich flüsternd.

»Warum?«

»Na sieh dich doch mal um. Die schauen alle zu uns her. Das war doch peinlich, was du da gemacht hast.«

»Was war daran peinlich. Du musst nicht überlegen, was die Leute denken, sondern einfach das Leben genießen und ab und zu mal herzhaft über solche Sachen lachen. Eigentlich wollte ich dem Weihnachtsmann meinen Wunschzettel übers Internet zukommen lassen. Aber da ich ihn hier gerade treffe, dachte ich mir, da kann ich ihm es auch persönlich sagen und jetzt weiß ich, dass er an der Erfüllung mit Sicherheit arbeitet.«

»Weißt du, als ich sieben war, da pustete ich gerne Seifenblasen, kleine und auch riesengroße. Wenn es mir dann gelang, eine Kugel auf meiner Hand schweben zu lassen, ohne dass sie zerplatzte, dann wünschte ich mir immer ein Vogel zu sein, fliegen zu können und die Welt aus einer anderen Perspektive zusehen.«

»Und hat es geklappt?«

»Mit der Seifenblase auf der Hand schon, nur mit dem Fliegen nicht.«

»Als ich Kind war«, erzählte Susie dann, »da hatten wir immer mit Steinen auf die Sprossenfenster einer leer stehenden Fabrik geworfen und ging eine Scheibe dabei kaputt, dann ging unser Wunsch in Erfüllung.«

»Und hat es bei dir geklappt?«

»Ich konnte nicht so weit werfen. Mein Stein schaffte es gerade mal über den Zaun.«

Wir trödelten noch einige Zeit durch das Einkaufzentrum, bewunderten die handgeschnitzten Fertigkeiten, aßen Berliner und waren dann eigentlich froh, dieses malerische Weihnachtsdorf wieder verlassen zu können.

2. Ich fühle mich zu alt für Gummitwist und Sandkastenspiele

Am nächsten Tag, am Tag vor Heiligabend ist nirgends was los. Also fiel mir nichts bessere ein, als die Wohnung zu putzen und da ich Musik sehr motivierend finde, legte ich eine CD mit Weihnachtsliedern auf. Wie bei Aerobic-Übungen streckte ich meine Arme beim "Kling Glöckchen klingelingeling" aus, um Staub auf dem Schrank zu wischen, beugte mich bei "Kommet ihr Hirten", wenn ich unterm Sofa staubsaugte, und drehte mich bei "Alle Jahre wieder".