Es bleibt in der Familie - Anna Grue - E-Book
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Beschreibung

"Anna Grue ist in Dänemark so weltberühmt wie ihr Kollege Jussi Adler-Olsen - weil sie Krimis schreibt, die fabelhaft konstruiert und lebendig sind." Elmar Krekeler (Die Welt) In Christianssund geht ein Stalker um, der Dan Sommerdahls Freundin heimsucht. Doch bevor sich Dan dem Verfolger annehmen kann, wird er von dem Politiker Thomas Harskov gebeten, den Tod von zweien seiner Kinder zu untersuchen. Ein Sohn und eine Tochter sind in den vergangenen Jahren genau 27 Tage nach ihrem jeweils 16. Geburtstag durch Unglücksfälle ums Leben gekommen. Die Eltern leben seitdem in ständiger Angst um ihr drittes und letztes Kind, das in wenigen Wochen ebenfalls 16 wird. Dan ermittelt und stößt schon bald auf verstörende Indizien, als der Stalker seiner Freundin ermordet aufgefunden wird. Für Dan beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, bei dem nichts ist, wie es scheint.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:606


Für Rune, Astrid und Johan –

die nettesten Ex-Teenager der Welt

1 Hitzewelle im April

They fuck you up, your mum and dad

They may not mean to, but they do

They fill you with the faults, they had

And add some extra, just for you

 

Philip Larkin, This Be The Verse

1

24. 04. 09, 17:48 Uhr:

Der Glatzkopf verlässt die Wohnung. Er geht zum gegenüberliegenden Gehweg und schaut hinauf zum Fenster der Göttin. Dort oben steht sie. Sie winken sich zu. Der Glatzkopf geht zum Parkhaus am Israels Plads. Die Göttin entdeckt mich. Sie schickt mir den Code des Tages und lässt das Rollo herunter. Alarmniveau 6–8.

Mogens schob den Kugelschreiber in die Lasche des roten Notizbuchs und steckte es in seinen gelben Rucksack, in dem eine Brieftasche, eine Digitalkamera, eine Banane, eine Rolle Kekse, ein Plastikbecher und eine mit Wasser gefüllte Colaflasche lagen.

Am liebsten wäre er nach Hause gegangen. In seine sichere Wohnung mit dem DVD-Player. Und hätte sich eine Folge von Weiße Veilchen angesehen. Eine ausgesprochen verlockende Vorstellung. Es war ein langer Freitag gewesen, er war müde. Andererseits hatte er eine gewisse Verantwortung übernommen. Der Glatzkopf war gegangen, also war die Göttin allein.

Mogens musste ihr beweisen, dass man sich auf ihn verlassen konnte. Er ging zur Freilaufzone für Hunde an der Nørre Voldgade. Von einer der Bänke aus konnte er die Haustür der Göttin im Auge behalten, solange keine Busse oder Lastwagen auf der Straße hielten. Er sah auf die Uhr. Eine Weile konnte er noch sitzen bleiben und sich ausruhen. Wenn die Göttin ausgehen wollte, würde es mindestens eine Stunde dauern, bis sie sich fertig gemacht hatte. Das wusste er inzwischen aus Erfahrung.

Er holte die Banane aus dem Rucksack und aß sie mit kleinen Bissen, die Augen starr auf die etwa fünfzig Meter entfernte Haustür gerichtet. Stundenlang konnte Mogens so dasitzen, beinahe regungslos. Nur selten wurde er gestört. Kaum jemand kam auf die Idee, den kleinen Mann mit der Windjacke und dem gelben Rucksack anzusprechen. Obwohl Mogens gepflegt und ordentlich aussah, seine Haare frisiert und sorgfältig über die kahle Stelle ganz oben am Kopf gekämmt, vermittelte er den Eindruck, anders zu sein. Und es machte die Sache nicht besser, dass er hin und wieder halblaute Selbstgespräche führte. Die meisten Menschen hatten ebenso viel Angst vor ihm wie er vor ihnen.

Natürlich mit Ausnahme der Göttin. Sie hatten keine Angst voreinander. Er hatte sie als Anita in der Fernsehserie Weiße Veilchen kennengelernt und sofort gewusst, dass sie ein guter Mensch war. In den vier Jahren, in denen die Serie lief, verfolgte er Anitas Lieben und Enttäuschungen – eine Schwangerschaft, eine Totgeburt, eine Scheidung. Er entwickelte Gefühle für sie, wie er sie im wahren Leben noch nie für einen Menschen empfunden hatte. Zum Ende der Serie hatte er sich sofort die DVD-Box gekauft, sodass er, wann immer er Lust hatte, von vorn beginnen konnte. Und das passierte oft. Eine Zeit lang hatte Mogens Weiße Veilchen beinahe ununterbrochen gesehen, vom Aufstehen bis zum Zubettgehen.

Nach und nach hatte er begriffen, dass Anita ihm codierte Mitteilungen zukommen ließ. In der Regel waren es Bitten um Hilfe oder Schutz. Hilfe, die er herzlich gern anbieten wollte, nur wusste er nicht, wie. Sie war schließlich im Fernsehen, und er saß davor. Schließlich beschloss er, Anita in der wahren Welt zu finden, dort, wo sie Kirstine Nyland hieß. Sie stand tatsächlich im Telefonbuch, es war also kein großes Problem, sie zu finden. Und sie um ein Autogramm zu bitten, war eine gute Tarnung für sein eigentliches Anliegen, seine Mission.

Mogens war nicht dumm. Er wusste genau, dass Anita aus Weiße Veilchen eine Rolle und Kirstine Nyland real war. Es waren zwei verschiedene Personen, sagte er sich wieder und wieder. Aber Kirstine hatte sich von Anfang an erleichtert gezeigt, dass ihre Signale endlich aufgefangen wurden. Sie hatte so freundlich gelächelt, seiner Ansicht nach geradezu liebevoll. In seiner Vorstellung verschmolzen die beiden Frauen rasch zu einer. Der Göttin. Die über allen Menschen stand. Vielleicht war sie in Wahrheit zu gut. Die Guten waren ja immer die Opfer. Mogens hatte in seinem bald fünfzigjährigen Leben schon viele Filme gesehen. Und es war immer dasselbe. Die Guten wurden von den Bösen vergewaltigt, enttäuscht, gemobbt, betrogen, geschlagen oder ermordet. Die Göttin musste irgendwann etwas Böses auf sich ziehen. Er wusste es einfach. Und so erklärten sich die geheimen Signale, die sie ihm schickte. Die Göttin brauchte Schutz, eindeutig, und Mogens war dazu ausersehen, auf sie aufzupassen.

Die Banane war gegessen, Mogens stand auf, um die Schale wegzuwerfen. Der Mülleimer war voller kleiner schwarzer Plastiktüten, die meisten mit einem sorgfältigen Knoten verschlossen. Kotgestank schlug ihm entgegen. Einen Moment war er verwirrt, doch dann fiel ihm ein, wo er sich befand. Er ließ den Deckel des Mülleimers zufallen und sprang zwei Schritte zurück. Tüten voller Hundescheiße. Igitt.

Als er sich umdrehte, sah er, dass zwei Frauen vor der Haustür der Göttin standen. Eine hatte ein kleines pummeliges Kind im Arm, die andere klappte einen Kinderwagen zusammen. Die Tür wurde geöffnet, die Frauen gingen hinein.

Mogens beeilte sich. Er hoffte, dass es sich nur um andere Hausbewohnerinnen handelte. Er postierte sich so, dass er die Fenster des Treppenhauses im Blick hatte, und beobachtete die Frauen, während sie Stockwerk für Stockwerk nach oben gingen. Nachdem sie die dritte Etage erreicht hatten, sah er sie nicht mehr. Mit ein wenig Glück war es die rechte Wohnung, in die sie mussten …

Das Licht im Treppenhaus verlosch. Mogens hielt den Atem an. Die Gardinen der rechten wie der linken Wohnung hingen einige Minuten reglos vor den Fenstern. Nichts war zu sehen. Plötzlich zeigte sich die Göttin an ihrem Fenster. Sie hielt das feiste Kind im Arm und drückte ihre Lippen auf dessen dünn behaarten Schädel. Unvermittelt schaute sie direkt hinüber zu Mogens und sah ihm für den Bruchteil einer Sekunde ins Auge, bevor sie sich abwandte und nicht mehr zu sehen war.

Mogens hatte ihr Signal aufgefangen: Das Alarmniveau konnte bei 2–7 justiert werden, er konnte jetzt beruhigt nach Hause gehen.

2

»… und so bleibt mir eigentlich nur noch, dir ein paar Worte zu sagen, Mutter.« Dan Sommerdahl wandte sich an das Geburtstagskind, und die Gäste ermunterten sich gegenseitig zur Ruhe. Er legte die Hand auf ihre Schulter. »Als ich ein Kind war, warst du das Wichtigste in meinem Leben, und auch wenn das wohl allen Müttern so geht, die wie du ihre Kinder allein großziehen müssen, bei dir war es sehr viel mehr als nur …« Dan fasste sich kurz, und er hoffte, der Rest der Gesellschaft würde seinem Beispiel folgen. Nach wenigen Minuten beendete er seine Ansprache: »Du bist noch immer – und wirst es immer sein – die klügste, hübscheste, stärkste und lustigste Frau in meinem Leben.« Stühle scharrten über den Parkettfußboden der Gaststätte, als sechsundachtzig festlich gekleidete Gäste sich erhoben und ein Hurra auf Birgit Sommerdahl ausbrachten, die jetzt ihre Augenwinkel mit einer Stoffserviette abtupfte.

Als Dan sich einige Augenblicke später wieder als Einziger erhoben hatte, bat er alle, die ein Lied, eine Rede oder sonst einen munteren Beitrag vortragen wollten, sich so rasch wie möglich bei ihm zu melden. Außerdem legte er – unter lautstarkem Protest – eine Zeitbegrenzung von fünf Minuten für alle Beiträge fest und erließ ein Verbot, Toasts auszubringen, bei denen man ebenso oft Hurra rufen musste, wie die Jubilarin Jahre zählte. Seine Mutter wurde in diesem Jahr immerhin fünfundsiebzig …

Kurz darauf waren alle, die etwas auf dem Herzen hatten, in die Rednerliste eingetragen. Dan faltete seine Notizen zusammen und setzte sich auf den Platz neben seiner Mutter. Sie tätschelte seine Hand und unterhielt sich weiter mit ihrem ältesten Enkel, Rasmus. Der junge Mann hatte sich aus Anlass des Tages von seinem Vater einen dunkelgrauen Anzug und ein figurbetontes rostrotes Hemd geliehen, dessen oberster Knopf offen stand. Sein helles Haar war frisch geschnitten, das Kinn rasiert. Dan erkannte seinen Sohn kaum wieder. Er sah plötzlich erwachsen aus. Erwachsen und selbstsicher. Bei seinem vierten Versuch hatte es endlich geklappt, und Rasmus war an der Filmhochschule aufgenommen worden – im Fach Regie. Er strahlte vor Freude, als er seiner Großmutter von all den großartigen Dingen erzählte, die ihn nun erwarteten.

Dans Blick schweifte zu seiner Tochter, die ebenfalls am Tisch der Jubilarin saß. Laura ging noch immer aufs Gymnasium, aber auch sie sah mit einem Mal so erwachsen aus. Vielleicht, weil sie die Haare zu einer schweren Schnecke hochgesteckt hatte – eine fast perfekte Imitation der Frisur ihrer Großmutter. Möglicherweise lag es auch an dem einfachen indigoblauen Brokatkleid, das sie wahrscheinlich in irgendeinem Secondhandladen gefunden hatte. Oder hatte es damit zu tun, dass er sie nicht mehr jeden Tag sah?

Sein Blick flog unwillkürlich drei Tische weiter zu Marianne. Seiner Frau. Exfrau, korrigierte er sich. Seiner Exgeliebten, Exehefrau, Exhexe … Nein, jetzt war er ungerecht. Eine Hexe war Marianne nie gewesen. Im Gegenteil, während der gesamten Scheidung, die er selbst zu verantworten hatte, war sie unglaublich loyal und grundehrlich gewesen. Sie fühlte sich verletzt, wütend, gedemütigt und bestand auf die Trennung. Dennoch hatte sie ihn anständig behandelt, das musste man ihr lassen.

Glücklicherweise war das Haus in der Gørtlergade nahezu schuldenfrei, sodass Marianne dort wohnen bleiben konnte, obwohl sie Dan seinen Anteil ausbezahlt hatte. Er konnte sich ein gebrauchtes Audi A4 Cabriolet sowie die Anzahlung einer gemütlichen Zweizimmerwohnung an der Hafenpromenade leisten. Den Hund und die Kinder sah er regelmäßig, doch Marianne hielt Abstand. Ihre Toleranzgrenze hat während der Scheidung möglicherweise ein wenig gelitten, dachte er. Eigentlich kein Wunder.

Sie unterhielt sich lebhaft mit ihrem Tischnachbarn, dem örtlichen Küster. Mariannes dunkle Augen leuchteten hinter den langen Strähnen ihres Ponys, die ihr über die Stirn fielen, und Dan dachte wie schon Tausende Male zuvor, dass sie die Ausstrahlung eines frechen Shetlandponys hatte. Klein, muskulös. Energisch. Und dann dieser Pony, an dem sie immer herumfingerte, wenn sie sich ereiferte. Jetzt legte sie den Kopf in den Nacken und lachte. Sie drehte ihm den Kopf zu und fing den Blick ihres Exmannes auf. Sofort wandte sie sich ab, als könnte allein sein Anblick sie verletzen. Dan schüttelte nur den Kopf.

»Dan, was ist denn?«

Er sah seine ältere Schwester an. »Ach, weißt du …«, sagte er und zuckte die Achseln. »Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen, Bente.«

»Doch, wirst du. Es ist noch nicht mal ein Jahr her. Lass dir Zeit.«

»Ich habe gehört, Frauen fällt es leichter?«

Jetzt zuckte sie die Achseln. »Mir nicht«, erwiderte sie dann. »Es war eine harte Zeit. Oder … ist es eigentlich noch immer.«

»Ruft er dich immer noch zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten an?«

»Meist zu unmöglichen.« Bente schnitt eine Grimasse. »Er hat ein ausgeprägtes Gespür dafür, wann ich gerade eingeschlafen bin oder Gäste zum Abendessen habe.«

»Du musst das Telefon doch nicht abnehmen.«

»Aber er braucht mich, Dan.«

»Das ist es ja, was ich sage: Für Männer ist es schlimmer.«

Bente schüttelte lächelnd den Kopf.

Dan aß den Rest seiner Suppe. Immer hatte er das Gefühl, seiner Schwester etwas zu schulden. Nähe, Fürsorge. Irgendetwas. Vor ein paar Jahren hatte Bente Petri eingewilligt, ihm bei einem komplizierten Fall als Lockvogel zu dienen. Glücklicherweise war sie unbeschadet davongekommen. Dan lebte seit den Ereignissen damals mit einer langen blanken Narbe an seiner linken Wange und hatte sich nie wirklich verziehen, sie in die Sache hineingezogen zu haben.

Er sah sich um. Die meisten Geburtstagsgäste hatten die Vorspeise beendet, die Raucher kehrten allmählich von ihrem ersten Aufenthalt im Garten auf ihre Plätze zurück.

Zeit für die nächste Rede.

Dan erhob sich und klopfte an sein Glas.

*

Bereits zehn Minuten vor elf konnte der Wirt sein Personal mit dem Abräumen der Tische beauftragen. Die Geburtstagsgesellschaft zog in den Raum, der normalerweise als Versammlungszimmer des lokalen Dartclubs genutzt wurde. Hier standen Kaffeetassen und Petits Fours auf den Tischen, man konnte sich selbst bedienen, bis der Saal zum Tanzen vorbereitet war.

Dan ging auf den Parkplatz und rief Kirstine an. »Geht’s euch gut?«

»Sehr. Julius ist so groß geworden, Dan. Er kann fast schon alleine sitzen.«

»Wie schön … Was habt ihr gegessen? Wieder Fastfood?«

»Fie hat Sushi geholt. Es war superlecker. Wie läuft’s bei euch?«

»Wir sind beim Kaffee.«

»Genießt sie ihren großen Tag?«

»Mutter? Sie ist begeistert.«

»Hast du deinen Job als Toastmaster hinter dir?«

»Gott sei Dank! Diese Leute hier sind nicht zu bändigen. Lieder und Gedichte, Sketche, Ratespiele, Reden, man glaubt es kaum. Ich werde mich jetzt besaufen.«

»Dann schläfst du heute Abend nicht hier?«

»Nein, heute nicht, Kis.«

»Ich könnte den Zug nach Christianssund nehmen, wenn die Mädchen gegangen sind? Dann warte ich auf dich in der Wohnung, bis du von dem Fest nach Hause kommst.«

»Kirstine, ich …«

Sie atmete tief durch. »Nein, nein, du musst nichts erklären«, sagte sie dann. »Ich habe begriffen, dass ich nicht erwünscht bin. Mach’s gut.« Sie beendete das Gespräch, und Dan stand in der Dunkelheit und fühlte sich wie ein Idiot. Schließlich hatte sie ja recht. Sie war nicht erwünscht. Jedenfalls nicht hier und nicht jetzt. Alles war noch immer viel zu frisch.

In den letzten Wochen hatte er sich immer wieder mit Kirstine gestritten, weil Dans Mutter sie nicht zu ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag eingeladen hatte. Nicht, weil sie Kirstine nicht mochte. Im Gegenteil, sie schätzte sie ungemein. Aber Birgit wollte unbedingt Marianne auf ihrem Fest haben – Marianne, die Mutter ihrer beiden Enkelkinder. Sie kannten und liebten sich seit einem Vierteljahrhundert. Doch wenn Marianne kam, konnte Kirstine nicht teilnehmen. Das wollte sie Dans Exfrau einfach nicht zumuten. Noch nicht. Dafür musste Dan doch Verständnis aufbringen. Er war ein wenig beleidigt, akzeptierte dann aber die Entscheidung seiner Mutter. Birgit hatte ja recht. Wenn die Feier in einem Jahr erst stattgefunden hätte, wäre es vielleicht anders gewesen. Aber nicht jetzt.

Kirstine konnte die Sache nicht ganz so gelassen sehen. Im Gegenteil, sie machte die ausbleibende Einladung zu einem zentralen Punkt. Es war ihrer Ansicht nach geradezu ein Zeichen dafür, wie Dans Familie sich ihr gegenüber verhielt – was ausgesprochen ungerecht war, da alle sie von Anfang an mochten. Aber so war das mit Kirstine. Alle liebten sie. Nicht nur, weil sie wie eine jüngere Ausgabe von Grace Kelly in Brünett aussah oder eine berühmte Schauspielerin war. Nein, sie nahm die Menschen mindestens ebenso sehr mit ihrem Wesen für sich ein. Mit ihrer Herzlichkeit, ihrer Intensität, ihrem Humor. Sie war großartig, jedenfalls solange es nicht um diese für sie unerreichbare Geburtstagsfeier ging. An diesem Punkt benahm sie sich, als würden sie alle wieder in die dritte Klasse gehen und Geburtstagseinladungen als harte Währung auf dem Schwarzmarkt des Schulhofes einsetzen.

»Dan Sommerdahl? Haben Sie einen Moment Zeit?« Ein ungefähr fünfzigjähriger, kompakt gebauter Mann mit Vollbart unterbrach seine Gedanken.

Sie gaben sich die Hand. Dan hatte den Mann sofort erkannt. Thomas Harskov saß im Folketing und wurde von den politischen Kommentatoren mehrerer Zeitungen als der nächste Vorsitzende einer der beiden großen linken Parteien gehandelt. In der breiten Bevölkerung kannte man Thomas Harskov jedoch auch durch eine Tragödie. Sein ältester Sohn war bei einem Zugunglück ums Leben gekommen. War nicht auch ein zweites Kind von ihm gestorben? Irgendetwas klingelte in Dans Erinnerung. Eine Drogengeschichte? Ihm fielen die Details nicht mehr ein. Es war inzwischen einige Jahre her.

Beide holten sie sich ein Glas Bier und zogen sich in eine friedliche Ecke des Gartens zurück.

Thomas ließ sich viel Zeit, um seine Pfeife zu stopfen und anzuzünden. Dann erzählte er, dass er und seine Frau seit elf Jahren in Yderup wohnten. Sie kannten Dans Mutter von einigen Veranstaltungen im Gemeindezentrum. Er und seine Frau, eigentlich eine Innenarchitektin, besaßen eine kleine Polstermöbelwerkstatt in Christianssund und hatten sich darauf spezialisiert, dänische Möbelklassiker zu restaurieren. Sie hatten einen gewissen Erfolg damit. Nicht, dass sie unbedingt reich geworden wären, aber es lief nicht nur rund, sondern warf auch noch etwas ab.

»Habt ihr Kinder?«, fragte Dan und ging zum Du über. Er konnte es ebenso gut gleich hinter sich bringen.

»Einen Sohn. Malthe. Er wird bald sechzehn.« Thomas zog kräftig an seiner Pfeife, bevor er sie aus dem Mund nahm und die Glut betrachtete. »Eigentlich hatten wir drei Kinder, die beiden Älteren sind tot.«

»Tut mir leid … Ich glaube, ich kann mich daran erinnern. Es war ein Unfall, nicht wahr?«

»Zwei verschiedene Unfälle. Zwei verschiedene Tage, zwei verschiedene Orte.«

»Das ist unfassbar tragisch.«

»Schlimmer, als du es dir vorstellen kannst … Und genau darüber wollen wir mit dir reden.«

»Wir?«

»Meine Frau Lene und ich.« Er wies mit dem Kopf auf eine kleine schlanke Frau in einem taillierten weißen Kleid. Ihr halblanges blondes Haar wurde von einer schmalen, silberfarbenen Haarspange gehalten, an den Ohren baumelten ovale Süßwasserperlen. Sie stand am Rand einer Gruppe von Frauen und verfolgte offensichtlich deren Gespräch, obwohl sie sich selbst nicht zu beteiligen schien. »Sie hat mich gebeten, dich allein anzusprechen, weil sie nicht wollte, dass ihr hier auf Birgits Fest die Tränen kommen. Sie kann über Rolfs und Grys Tod immer noch nicht reden, ohne …« Thomas trank einen großen Schluck Bier, stellte sein Glas auf einen Gartentisch und betrachtete es eingehend, bis er seine Stimme wieder unter Kontrolle hatte. »Hast du Zeit, eine Aufgabe zu übernehmen, Dan?«

»Was soll ich tun?«

»Ich möchte wissen, was mit unseren Kindern passiert ist. Warum sie sterben mussten.«

»Du glaubst, sie könnten …«

»Wir sind davon überzeugt, dass sie ermordet wurden.«

»Zwei verschiedene Morde, die beide als Unfall getarnt wurden?«

»Genau.«

»Die Polizei ist nicht eurer Meinung?«

»Nein.«

»Normalerweise sind die sehr gründlich, Thomas. Sollte es auch nur den geringsten Verdacht geben, würden sie Ermittlungen einleiten. Wieso glaubt ihr denn, dass es sich um Mord handelt?«

»Wir haben gute Gründe. Es gibt vor allem eine Sache, die …« Er zog einen Moment an seiner Pfeife, bevor er fortfuhr: »Kannst du morgen zu uns kommen, dann reden wir über die Details. Gegen zwei?«

»Morgen kann ich nicht. Ich muss zuerst ein paar andere Dinge erledigen. Es ist immer noch meine Werbeagentur, die mich wirtschaftlich über Wasser hält.«

»Was kostet es denn, dich als Detektiv anzuheuern?«

»Umsonst ist es nicht, aber für größere Aufgaben gibt es Spezialpreise. Du kannst auf meiner Homepage die Honorarsätze nachlesen.« Dan zog eine Visitenkarte aus seiner Brusttasche und reichte sie Thomas. »Es gibt feste Stunden- und Tagessätze sowie Kilometerpauschalen. Alle übrigen Ausgaben werden anhand der Quittungen abgerechnet. Die Rechnungen werden monatlich erstellt.«

»Gut.« Thomas steckte die Karte in die Sakkotasche.

»Ich könnte am Montag kommen.«

»Perfekt. Meine einzige Bedingung ist, dass du bis zum 4. Juli fertig sein musst. Du hast zweieinhalb Monate Zeit.«

»Bis zum 4. Juli? Was passiert an diesem Tag?«

»Wir befürchten, man wird an diesem Tag unser drittes Kind ermorden.«

3

»Malthe?« Die Stimme meiner Mutter. Scheiße. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie so früh nach Hause kommen.

Ich schaue mich um und sehe, welches Chaos hier herrscht.

»Malthe?« Ihre Schritte nähern sich. »Bist du da, Schatz?«

»Hm.« Ich versuche, das Schlimmste zu beseitigen. Die Pizzaschachtel. Zwei leere Colaflaschen. Die fettige Pommes-Tüte. Auf dem Boden ein paar heruntergefallene Pommes, ein Stück vom Pizzarand, meine stinkenden Socken, eine leere Plastiktüte vom Imbiss und drei offene DVD-Hüllen.

»Also, Malthe!« Sie bleibt an der Tür stehen. »Musste das sein, so ein Chaos …« Sie hält unvermittelt inne.

Ich schaue auf. Ihre Haarspange sitzt ein bisschen schief, ansonsten sieht sie so frisch, faltenlos und fleckenfrei aus wie immer. Man sieht ihr nicht an, dass sie gerade von einer Party kommt. Und nun steht sie da und explodiert innerlich wegen der Unordnung, die ich in ihrem sauberen, adretten Wohnzimmer angerichtet habe. Aber sie wagt nicht, so richtig mit mir zu schimpfen. Ich kann es nahezu vor mir sehen, wie ihr die Gedanken durch den Kopf schießen, während sie bis zehn zählt und dann ihr ewig nachsichtiges Lächeln aufsetzt. Als hätte sie Angst davor, ich könnte Selbstmord begehen oder von zu Hause weglaufen, wenn sie mir nur den Anschiss verpasst, den sie mir eigentlich so gern verpassen würde.

»Na, du hast es dir ja gemütlich gemacht, wie ich sehe.« Mein Vater taucht hinter ihr auf. Er legt die Hände auf ihre Schultern.

»Hm.« Ich falte die Pizzaschachtel zusammen, sodass sie in die Tüte passt, und stehe auf. »Ich hole den Staubsauger.«

»Das ist nicht nötig, Schatz.« Mutter hat ihr Gesicht jetzt wieder voll unter Kontrolle. »Hauptsache, du bringst den Müll raus und räumst die Filme weg, dann mache ich …« Sie huscht auf Socken in die Küche, noch immer in ihrem weißen Festkleid, die Tasche unter den Ellenbogen geklemmt. »Willst du eine Tasse Tee?«, ruft sie mir zu.

Ich tue so, als hätte ich sie nicht gehört, und stecke die DVDs in ihre Hüllen.

»Willst du, Malthe?«

Ich antworte noch immer nicht.

»Jetzt antworte deiner Mutter schon«, fordert mein Vater mich leise auf. Ich sehe ihn an. »Nein danke, Mama!«

Vater sieht mich einen Moment an, dann geht er ins andere Zimmer. Er hat nicht annähernd so viel Angst um mich wie sie. Er ist nicht ganz so hilflos. Allerdings ist er auch nicht so oft zu Hause. Wie Mutter an mir klebt, ist schon irgendwie krankhaft. Ich kann nicht mal aufs Klo gehen, ohne dass sie mich fragt, ob ich eine Tasse Tee oder ein Glas Wasser möchte, ob sie irgendetwas für mich waschen soll oder wie es in der Schule war. Ich könnte kotzen.

Die meiste Zeit verbringe ich in meinem Zimmer, aber ich muss natürlich mit ihr am Tisch sitzen, wenn wir essen. Meine Mutter kocht gut, ehrlich. Also muss ich mich auch damit abfinden, dass sie bei mir sitzt und mich anglotzt. Und fragt. Nach der Schule, nach meiner Laune, ob’s nicht mal Zeit für eine Freundin wäre und all solchen Scheiß.

Ich bringe den Müll raus, bleibe einen Moment auf dem Hof stehen und genieße den Frieden, bevor ich wieder hineingehe. Durchs Fenster sehe ich, wie sie mit einem feuchten Lappen den Sofatisch abwischt. Sie hat sich eine Schürze umgebunden. Klar. Nicht auszudenken, wenn ihr weißes Kleid einen Fleck bekäme. Katastrophe! Hin und wieder habe ich einfach Lust auf Sauerei, Unordnung und Dreck …

»Kommst du wieder rein, Malthe?« Mutter steckt den Kopf aus der Haustür. »Ich habe dir ein paar Petits Fours mitgebracht.«

Als wäre ich vier Jahre alt. Auf der anderen Seite … Das Mandelgebäck schmeckt verdammt gut. »Danke«, höre ich mich sagen, als ich hinter ihr ins Haus trotte.

Mist, dass sie so früh nach Hause kommen mussten, denke ich, als ich kurz darauf mit dem Mund voller Kekse und einem Glas Milch am Küchentisch sitze. Immerhin konnte ich zwei Filme auf dem großen Flachbildschirm im Wohnzimmer sehen. Kap der Angst und American History X. Zwei meiner Lieblingsfilme. Super finde ich auch Fight Club. Und Pulp Fiction. Und Sieben. Das sind die besten Filme überhaupt.

Ich weiß nicht, wie oft ich sie gesehen habe. Nicht gerade hundert Mal, so oft dann doch nicht. Aber fünfzig Mal bestimmt. Nur nie im Wohnzimmer. Immer oben in meinem Zimmer, auf meinem kleinen miesen Fernseher, und mit Kopfhörern, damit sie nicht mitkriegen, dass ich mir Filme reinziehe, während sie glauben, ich würde schlafen. Als könnte ich schlafen. Jeder weiß doch, dass man nicht schlafen kann, wenn man deprimiert ist. Jeder, außer meiner Mutter. Und sie behauptet ja immer, ich hätte eine Depression.

Ich stelle das Glas in die Spülmaschine und gehe die Treppe hinauf. »Malthe?«, höre ich aus dem Wohnzimmer.

»Ja?« Ich bleibe nicht stehen.

»Gehst du ins Bett?«

»Ja.«

»Gute Nacht, Schatz.«

»Nacht.«

4

Die Familie Harskov lebte auf Lindegården, einem vierflügeligen Hofgut, dessen Einfahrt auf den Dorfteich von Yderup zeigte. Zwei Gebäudeflügel wurden für die Polsterwerkstatt und als Lager genutzt. Thomas nahm Dan mit auf eine rasche Führung durch den Betrieb. Ein älterer Mann entfernte gerade den zerschlissenen Wollbezug eines original Børge-Mogensen-Sofas, soweit Dan es beurteilen konnte. Der Mann nickte, ohne sich bei der Arbeit unterbrechen zu lassen. Kurz darauf stand Dan wieder auf dem Hofplatz. Das Anwesen war in den letzten Jahren ganz offensichtlich renoviert worden. Die zartrosa Mauern sahen ebenso frisch gestrichen aus wie die weißen Fensterrahmen und die schwedisch-blauen Gartenmöbel. Nicht ein einziges Büschel Unkraut zwischen den Pflastersteinen oder in den Beeten am Hauptgebäude. Es war beinahe schon zu gepflegt. »Wie habt ihr das nur hingekriegt«, fragte Dan, »mit Roundup?«

»Bist du wahnsinnig, Mann? Den Namen dieses Giftzeugs darfst du hier im Haus nicht mal denken!« Thomas lachte. »Lene ist Vorsitzende der Vereinigung der Ökologischen Gartenbesitzer – und mich haben sie gerade zum umweltpolitischen Sprecher meiner Partei ernannt. Nee, das ist gute alte Handarbeit.«

»Bewundernswert, dass sie die Energie aufbringt, obwohl ihr … Na ja, ich meine, obwohl ihr zwei Kinder …«

»Für eine Perfektionistin wie sie ist das die reinste Therapie, Dan. Sie schuftet vierundzwanzig Stunden am Tag. Alles muss absolut perfekt …« Er hielt abrupt inne, als die Haustür sich öffnete und Lene heraustrat. »Ah, da ist Lene ja«, sagte Thomas und führte Dan zur Tür. »Ich weiß nicht, habt ihr euch auf dem Fest eigentlich kennengelernt?«

Dan streckte lächelnd die Hand aus. »Nur sehr oberflächlich. Es war ja ein bisschen chaotisch.«

»Ja, ein munteres Fest.« Lene erwiderte seinen Händedruck. »Birgit wirkte sehr fröhlich.«

»Fröhlich? Ich habe heute Vormittag mit ihr gesprochen. Sie war ganz einfach glücklich und erleichtert, dass alles so gut gelaufen ist. Sie hatte wirklich das Gefühl, gefeiert zu werden.«

»Das freut mich.«

»Und sie hat sich sehr über eure Nachbarschaftsrevue gefreut, das soll ich ausdrücklich sagen.«

Lene lächelte. »Ich habe auf der Terrasse gedeckt«, sagte sie. »Wäre doch schade, bei diesem Wetter drinnen zu sitzen.«

Sie hatte vollkommen recht. Bereits seit Tagen schien die Sonne unverdrossen aus einem wolkenlosen Himmel. Dan konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt bereits im April so eine Hitzewelle erlebt hatte.

Im Gänsemarsch durchquerten sie die Eingangshalle, die Essküche, das enorm große Wohnzimmer und erreichten die Terrasse. Als sie sich setzen wollten, klingelte Thomas’ Handy. Er nahm den Anruf mit einer Grimasse an und trat ein paar Schritte beiseite, während er gedämpft ins Telefon sprach. Thomas trug ein abgetragenes Baumwollhemd, und auch seine graue Jogginghose sah ein bisschen schlampig aus. Dan ging davon aus, dass er an diesem Vormittag nicht in Christiansborg gewesen war.

»Ein Glas Weißwein?« Lene zog eine beschlagene Flasche aus dem Eiskühler.

»Nein, danke, ich muss noch fahren.«

»Noch nicht einmal ein Glas? Wir haben diesen Wein in einem kleinen Bergdorf in der Provence gefunden.«

Dan spürte, dass es ein schlechter Anfang der Zusammenarbeit wäre, jetzt abzulehnen, also gab er seinen Widerstand auf. Glücklicherweise stand auch eine Kanne mit Eiswasser auf dem Tisch.

Der Wein war ausgezeichnet, die Terrasse und der Garten wunderschön gestaltet. Weiße Stiefmütterchen und cremefarbene Narzissen blühten in einer länglichen Terrakotta-Wanne, und auf dem Gartentisch stand ein gewaltiger Strauß Märzenbecher. Das könnte hier auch die Musterterrasse aus einer Frauenzeitschrift sein, dachte Dan.

»Habt ihr einen Gärtner?«, erkundigte er sich.

»Das mache ich alles selbst«, erwiderte Lene. Ihr Lächeln spiegelte sich nicht in ihren Augen. »Es macht mir Spaß. Das Haus, der Garten, der Laden … Ich bin Innenarchitektin, das gehört sozusagen zu meinem Fachgebiet. Nur in der Werkstatt haben wir einen Mitarbeiter. Eigil, ein alter Möbelpolsterer. Ihr müsstet ihm begegnet sein?«

»Ja, ich denke schon.«

»Bitte entschuldigt die Unterbrechung«, sagte Thomas, der sein Telefonat beendet hatte. »Ich stehe momentan ein bisschen unter Stress.« Er sah seine Frau an. »Soll ich?«

Lene nickte und lehnte sich in ihren Stuhl zurück. Sie sah Dan direkt an.

»Unser ältester Sohn Rolf wurde vor fast sechs Jahren von einem Zug überfahren, kurz nachdem er die neunte Klasse beendet hatte. Er war sofort tot.« Thomas senkte den Blick. »An diesem Abend war er mit ein paar Fußballfreunden auf einer Party in einem Ferienhaus in Nordseeland. Es war das erste Mal, dass er die Erlaubnis hatte, so weit wegzufahren. Die Jungs sollten den Zug zurück nach Christianssund nehmen und dort bei einem Freund übernachten. Irgendwann im Laufe des Abends haben sie sich dann aus den Augen verloren. Als der letzte Zug fuhr, war Rolf nicht erschienen, und seine Freunde vermuteten, er sei schon nach Hause gefahren, um seinen Rausch auszuschlafen. Aber Rolf war nicht nach Hause gefahren. Wir werden wohl nie erfahren, wie und warum er die Zeit vertrödelte. Als er endlich am Bahnhof ankam, war der letzte Zug jedenfalls bereits weg. Er beschloss offenbar, auf den Schienen in Richtung Stadt zu gehen.«

»Ich begreife es nicht! Ich begreife es einfach nicht!«, warf Lene ein. »Warum hat er nicht angerufen? Er hatte sein Handy dabei. Und es war aufgeladen. Wir hätten ihn doch jederzeit …« Sie schüttelte den Kopf und verstummte.

Dan sah Thomas an. »War er betrunken?«

»Über 2,2 Promille.«

»Wieso konnte er von einem Zug überfahren werden, nachdem der letzte Zug bereits durch war?«

»Es war eine Lokomotive, die irgendwohin musste. Es gab keine Passagiere. Der Lokführer hatte keine Chance.«

Dan zog die Augenbrauen zusammen und versuchte, es sich vorzustellen. »Tja, wieso hat Rolf nichts gehört? Hörte er Musik, trug er Ohrstöpsel?«

Thomas nahm Lenes Hand, ohne sie anzusehen. »Er hatte sich hingelegt, um zu schlafen, Dan. Mit einer der Schienen als Kopfkissen.«

»Oh.«

Die Stille hielt an, bis Dan sich räusperte. »Und es gibt keinen Zweifel daran, wie es passiert ist? Es war ganz sicher ein Unfall?«

Thomas schüttelte den Kopf. »Die Polizei arbeitete sehr sorgfältig, um das Geschehen zu rekonstruieren. Sie untersuchten auch, ob es eventuell jemanden gab, der ihn gezwungen haben könnte, aber … Es gäbe keinerlei Hinweise, haben sie gesagt. Vielleicht hatte er in seinem Rausch die verrückte Idee, den Zug hören zu können, wenn er den Kopf direkt auf die Schiene legt. Vielleicht wollte er auch dem Lokführer signalisieren, mitgenommen zu werden.«

»Wie die Indianer, die den Feind hören, indem sie ein Ohr auf den Boden legen?«

»Genau. Er war schon so. Ein bisschen weltfremd. Jedenfalls manchmal.« Thomas griff nach der Weinflasche. »Aber er war ein guter Junge.« Wieder klingelte sein Mobiltelefon.

»Schalt endlich dieses Monstrum aus«, fauchte Lene. »Du hast versprochen, dass …«

»Entschuldigung.« Wieder trat Thomas ein paar Schritte beiseite, er beendete das Gespräch nach wenigen Sekunden und schaltete das Handy dann aus. »So«, sagte er. »Es gibt eine kleine Krise in der Folketing-Fraktion.«

»Dort gibt es doch immer eine Krise.« Es kam so leise, dass Dan den Satz kaum verstand. Lene erhob sich. »Willst du ein Foto von den Kindern sehen?«

»Sehr gern«, sagte Dan und füllte sein Glas mit Eiswasser, bevor Thomas ihm noch einmal Wein einschenken konnte.

Wenige Augenblicke später hielt er ein gerahmtes, offensichtlich von einem Profi gemachtes Foto in den Händen, das alle drei Kinder zeigte.

»Ein Fotograf der Wochenzeitung Søndag hat es gemacht«, erklärte Thomas, als könnte er Gedanken lesen. »Sie brachten eine Reportage über unser Haus und die Firma, dabei hat Lene den Fotografen die Kinder knipsen lassen. Also nur für uns. Süß, nicht?«

Die drei Kinder saßen aufgereiht auf der Bank, die Dan auf dem Hof gesehen hatte. Damals war sie weiß gewesen. Rolf, ein pickliger, pubertierender Junge mit hellen, lockigen Haaren, blickte ernst in die Kamera. Man hatte sofort den Eindruck, dass er gegen seinen Willen als Model agierte. Er trug ein schwarzes T-Shirt mit einem Totenkopf-Motiv, und seine Jeans waren so systematisch durchlöchert, dass es sich nur um sein eigenes Werk handeln konnte.

Sein kleiner Bruder saß mit etwas schiefen, graublauen Augen und einem von Sommersprossen übersäten Gesicht am entgegengesetzten Ende der Bank, er war auf dem Foto sieben oder acht Jahre alt. Im Oberkiefer fehlte ein Schneidezahn. Die Schwester der beiden schien auf dem Foto so etwa dreizehn oder vierzehn Jahre alt zu sein, sie hatte glatte, dunkelbraune Haare, die ihr locker über die sonnengebräunten Schultern hingen. Grys stark geschminkte Augen hatten die gleiche Farbe wie die ihrer Brüder. Ihre Wangen waren noch immer rund und weich wie bei einem Baby, die kräftige Schminke sah daher eher rührend als gewagt aus – wie bei einem Kind, das sich zu Fasching angemalt hat. Dan spürte, wie ein Kloß in seinem Hals aufstieg. Rasch legte er das Foto beiseite.

»Tja«, sagte er und räusperte sich. »Ungewöhnlich süß, alle drei.« Wieder wurde es still.

Thomas richtete sich auf. »Rolf starb, knapp ein Jahr nachdem dieses Bild gemacht wurde.«

»Wie alt war er?«

»Sechzehn.«

Dan schüttelte langsam den Kopf, ohne etwas zu sagen. Er versuchte mit aller Kraft zu verhindern, an Laura und Rasmus zu denken und daran, wie es wäre, wenn einer von ihnen … Nein, Schluss! »Es vergingen ein paar Jahre, und wir begannen ganz langsam zu akzeptieren, dass er nicht mehr bei uns war. Es war hart, jeder einzelne Tag. Für uns wie für die Kinder. Wir haben ihn schrecklich vermisst.« Thomas trank einen Schluck Wein. »Jeder auf seine Weise. Am leichtesten fiel es noch Malthe. Hin und wieder weinte er natürlich, aber er war noch klein und ließ sich sehr schnell trösten. Lene und ich, wir …« Er warf seiner Frau einen Blick zu.

»Es war bestimmt nicht leicht. Und das ist es noch immer nicht«, fügte er hinzu. »Aber am schlimmsten war es für Gry. Sie ist ihrem Bruder ihr ganzes Leben lang immer sehr verbunden gewesen. Als Rolf starb, war sie knapp vierzehn, und sie reagierte sehr heftig auf seinen Tod. Zuerst kapselte sie sich vollkommen ab. Sie weigerte sich, mit uns über etwas anderes zu reden als über die absolut notwendigsten Dinge, und verbrachte viel Zeit in ihrem Zimmer hinter verschlossener Tür. Sie hörte Musik und …«

»Es fiel uns schwer, auf sie einzugehen«, unterbrach ihn Lene. »Keiner von uns hatte Erfahrung mit einer Pubertierenden, und man hört ja die wüstesten Geschichten, wie grässlich sie sein können. Eigentlich ist es ja völlig normal, dass sie sich in diesem Alter verschließen. Wir versuchten es mit einem Psychologen, aber Gry erschien dort nur ein einziges Mal und verließ nach zwanzig Minuten wütend die Praxis, weil sie meinte, der Arzt würde in ihrem Privatleben herumschnüffeln.« Lene verzog das Gesicht. »Ich weiß nicht, was sie sich vorgestellt hatte.«

»Ging sie normal zur Schule?«

»In der ersten Zeit, ja.« Lene räusperte sich. »Gry fing an, sich mit Rolfs alten Freunden in Christianssund herumzutreiben. Die waren etwas älter als sie.«

»Den Fußballfreunden? Denen, die an jenem Abend mit ihm zusammen waren?«

»Ja, genau. Zunächst hatten wir nichts dagegen. Ich dachte, wenn seine Freunde und Gry sich gegenseitig ein wenig trösten können, wäre das doch ganz schön.« Sie biss sich auf die Lippe. »Vielleicht verstanden sie sich untereinander ja besser, als wir ihn je … Du weißt schon.«

»Das Problem war nur«, Thomas griff nach der Hand seiner Frau, »dass diese Freunde in der Zwischenzeit ein bisschen älter geworden waren und ihren Lebensstil geändert hatten. Es gab wüste Partys mit Hasch und solchen Sachen.«

»Ihr seid also nicht mehr der Meinung gewesen, diese jungen Burschen wären der richtige Umgang für eure Tochter?«

Thomas verzog das Gesicht. »Sie waren schwer zu beurteilen. Rolfs Tod hatte natürlich auch seine besten Freunde sehr getroffen, und vielleicht waren all diese Exzesse nur ihre Art, darauf zu reagieren. Vor allem sein allerbester Freund, Christoffer, hatte es bestimmt nicht leicht. Er nahm sämtliche Schuld an Rolfs Tod auf sich. Wenn er an diesem Abend bloß Kontakt zu Rolf gehalten hätte, wenn er nur auf ihn gewartet hätte, statt den letzten Zug zu nehmen – er hat sich wirklich schwerste Vorwürfe gemacht.«

»Und wenn ihr ganz ehrlich seid, macht ihr ihm nicht auch Vorwürfe? Also nicht direkt, doch wer weiß … Tief drinnen?«

»Würdest du das nicht tun, Dan?« Lenes Stimme war scharf. »Die Jungen hatten schließlich versprochen, aufeinander aufzupassen und zusammenzubleiben, oder? Irgendwie war es schon Stoffers Schuld, hätte er …«

»Stoffer war betrunken, Lene«, warf Thomas ein. »Wahrscheinlich ebenso voll wie Rolf.«

Sie zog die Hand zurück. »Ja, ja. Und deshalb ist er von jeder Verantwortung freigesprochen, oder?«

Dan spürte, dass diese Diskussion schon sehr oft stattgefunden hatte und nie beendet sein würde. Er räusperte sich. »Also, Gry und Stoffer wurden Freunde? Auch ein Paar?«

»Woher weißt du das?«

»Ich rate bloß. Was ist dann passiert?«

»Na ja, du liegst falsch, wenn du glaubst, wir würden die Details kennen. Gry zog im Frühjahr bei Stoffer und seinen Eltern ein«, erzählte Thomas. »Eigentlich konnte ich sie gut verstehen. Wir haben uns gestritten, dass die Fetzen flogen, sobald wir uns sahen. Ein Vergnügen kann das für sie nicht gewesen sein.«

»Wie lange hat sie dort gewohnt? Bis zu ihrem …«

»Sie hat über anderthalb Jahre bei Stoffers Eltern gewohnt, in dieser Zeit haben wir sie nur wenige Male gesehen.«

Lene holte Luft, als ob sie etwas sagen wollte, entschied sich aber anders und atmete mit einem tiefen Seufzer wieder aus.

»In gewisser Weise kann man schon sagen«, Thomas warf seiner Frau einen Blick zu, »dass wir sie, anderthalb Jahre bevor sie starb, verloren haben. Jedenfalls hatten wir dieses Gefühl.«

Lene erhob sich unvermittelt. »Ich gehe in die Küche und backe einen Kuchen«, erklärte sie, ohne die beiden Männer anzusehen. »Malthe kommt in einer Stunde aus der Schule nach Hause, und ich bin sicher, auch Eigil braucht bald eine Kaffeepause.« Sie verschwand im Haus.

»Sie kann einfach nicht mehr darüber reden«, erklärte Thomas, als seine Frau außer Hörweite war. »Sie … Ja, natürlich machen wir uns wegen Gry Vorwürfe. Vielleicht hätten wir es verhindern können.«

»Erzähl einfach«, forderte Dan ihn auf. »Früher oder später muss ich es ja doch erfahren. Hat eure Tochter Selbstmord begangen?«

Thomas schreckte auf. »Wie kommst du denn auf die Idee?«

Dan zuckte die Achseln, ohne zu antworten.

»Sie nahm eine Überdosis und lag sechs Tage im Koma, bevor sie starb.«

»Eine Überdosis wovon? Heroin?«

»Kokain. Überdosis ist eigentlich das falsche Wort. Sie hat vergifteten Stoff genommen.«

»Vergiftet?«

»Ja, mit Rattengift verschnitten.«

»Pfui Teufel.« Dan wusste, dass die Dealer oft ein bisschen Rattengift ins Kokain mischten, um so die Abhängigkeit zu forcieren. Leider passierte es hin und wieder, dass ein Nichteingeweihter den Stoff überdosierte. Todesfälle dieser Art waren zwar selten, dennoch kamen sie vor. »Hat sie schon vorher Drogen genommen?«

Thomas blickte auf seine Hände und nickte.

»Wie lange?«

Thomas hob den Kopf. »Ein paar Monate, haben die Jungs gesagt. Und sicher nicht jeden Tag, sie rauchten regelmäßig Hasch zusammen, die harten Sachen konnten sie sich nur hin und wieder leisten.«

»Woher hatte sie das Koks?«

»Das weiß niemand. Sie war allein zu Haus. Die anderen waren bei einem Fußballspiel im Stadion, sie hatte keine Lust gehabt, mitzugehen. Irgendwann kurz davor war sie mit Stoffer nach Kopenhagen gezogen. In eine Einzimmerwohnung in der Nørregade.« Plötzlich konnte Thomas die Tränen nicht mehr zurückhalten. Er versuchte, sie mit dem Handrücken zu verreiben, aber sie flossen weiter. »Wir hatten sie seit Monaten nicht gesehen, als sie mitten in der Nacht anriefen. Hast du so etwas je erlebt? Dass das Telefon mitten in der Nacht klingelt, und du weißt, jetzt, jetzt ist es so weit … Wir hatten es schon einmal erlebt. Und wir hätten es am liebsten klingeln lassen, dann …« Er nahm eine der sorgfältig gefalteten Servietten von dem Tablett mit den Getränken und versuchte, damit seine Tränen aufzuhalten. »Sie lag im Krankenhaus. Auf der Intensivstation. Sie baten uns, sofort zu kommen, weil sie nicht glaubten, dass sie die Nacht überleben würde, sie ging dann sechs Tage lang, Dan. Sie hatte innere Blutungen, und die Ärzte konnten nichts … Es war brutal. Einfach unfassbar brutal.«

»Wurde die Sache auch von der Polizei untersucht?«

»Ja. Und es wurde sogar wie bei einem Mordfall ermittelt, weil niemand wusste, wer ihr den Stoff gegeben oder verkauft hatte. Es wurden überhaupt keine Hinweise gefunden, und es gab auch niemanden, der sie das Haus hatte verlassen oder jemanden hineingehen sehen. Schließlich haben sie den Fall wohl zu den Akten gelegt. Wir haben jedenfalls seit Jahren nichts mehr von der Polizei gehört. Und wir haben auch aufgehört, uns zu erkundigen. Es war einfach zu deprimierend, immer wieder zu fragen.«

»Was ist mit Christoffer und den anderen, mit denen sie Kontakt hatte?«

»Die haben weder etwas gesehen noch gehört.« Thomas putzte sich gründlich die Nase. Dann warf er die zusammengeknüllte Serviette unter seinen Stuhl und richtete sich auf. »Gry muss an diesem Tag in einer seltsamen Stimmung gewesen sein. Das hatten sie mitgekriegt. Sie erzählten, dass Gry sie geradezu aus der Tür geschoben hätte, als sie zum Fußball gingen. Gerade dieses Detail bestärkte die Polizei in der Annahme, es müsse sich um Selbstmord gehandelt haben.«

»Und ihr seid anderer Ansicht?«

»Warum sollte jemand auf diese Weise Selbstmord begehen? Bist du dir klar darüber, wie schmerzhaft ihr Sterben gewesen ist? In den Minuten, bevor sie bewusstlos wurde … Es muss entsetzlich gewesen sein. Und woher sollte sie den Stoff gehabt haben? ›Guten Tag, ich hätte gern ein halbes Gramm vergiftetes Kokain.‹ Das macht man doch wohl kaum, oder?«

»Nein.«

»Sie war bewusstlos, als Stoffer nach Hause kam, und sie kam nie wieder zu sich.«

5

Eine Katze glitt lautlos um die Hausecke auf sie zu und blieb beim Anblick des fremden Mannes einen Moment stehen. Dann beschloss sie offensichtlich, dass Dan ungefährlich war, stieß sich elegant ab und landete weich auf Lenes leerem Stuhl.

Thomas starrte in die Luft. Fast schien es, als hätte er Dans Anwesenheit vergessen.

»Thomas?«

»Ja?« Er blickte auf. »Oh, entschuldige, Dan. Ich war einen Augenblick abwesend. Natürlich willst du wissen, welchen Auftrag ich für dich habe.«

»Ja, danke. Glaubst du nicht, dass Lene dabei sein möchte?«

»Lass sie noch eine Weile in Ruhe arbeiten. Sie ist so verletzlich.«

»Das überrascht mich nicht.«

Thomas zuckte die Achseln, und in dieser kleinen Geste lag eine ganze Geschichte. Die Feststellung, dass seine Frau sich das Recht erworben hatte, die Verletzlichste in der Familie zu sein; das Einverständnis, dass er den Preis bezahlen und für sie beide stark sein musste. »Vielleicht sollte ich sie trotzdem …« Er las die zusammengeknüllte Serviette auf und ging durch die Terrassentür in die Wohnung. Dan beugte sich vor und streichelte die Katze, die sich sofort auf die Seite legte. Sie schnurrte wie ein gut geölter Dieselmotor, die weißen Pfoten arbeiteten wie Kolben.

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