Es dirigiert die Peitsche - Andy Daring - E-Book

Es dirigiert die Peitsche E-Book

Andy Daring

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Beschreibung

Der Autor nähert sich dem Thema BDSM auf lyrische Weise und beweist, dass man sich mit dieser Thematik auch auf niveauvolle Art beschäftigen kann.

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Seitenzahl: 51

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Andy Daring ist das Pseudonym eines in den 1960er Jahren geborenen Autors. Er lebt und arbeitet in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Grenzüberschreitung

Gedanken einer Domina

Danach

Schmerzendes Glück

Haiku

Empfindungen

Mondlicht

Von Lust umnebelt

Arten von Liebkosungen

Haiku

Kleiderproblem

Vielfalt

Frauenherrschaft

Sommer-Haiku

Alternde Herrschaft

Das Tagewerk

Der gute Vorsatz

Hiebe und Liebe

Andere Länder, gleiche Sitten

Die verlorene Zeit

Herbst-Haiku

Der Suchende 1

Gedanken beim Empfang

Winter-Haiku

Der Manager und die Domina

Zeigefreudig

Schlaflied einer Sklavin

In Erwartung

Ein Spaziergang

Herrschaft

Frühlings-Haiku

Mein Wimmern

Der Schuhputzer

Ein Sommertag

Fußreinigung

Die Gummipuppe

Der Widerspruch

Wilder Ritt

Allerlei Haiku

Frei schwebend

Wahlentscheidung

Anderssein

Haiku-Ecke

Veränderung des Blickes

Ein Mann als Gummifrau

Sissy-Haiku

Fahrradtour

Vom Mann zur Sissy

Ratschlag

Gassi gehen

Haiku quer durch das Jahr

Herbst

Winter

Frühling

Mein Glück

Strafwachs

O Sklavin

Warten

Haiku-Ecke

Gesünder leben

Klomaul

Rotes Wachs

In der Ecke

Ankündigung

Ein paar Haiku

Mein Zuhause

Standhaft

Toilettendienst

Haiku-Ecke

Bekenntnis

Gefesselt

Outdoor

Natursekt

Freudige Schmerzen

Vertrauen 1

Lobpreisung der herrschaftlichen Möse

Letzte Haiku

Drohung

Verlangen

Leise schwing ich

Ponyalltag

Die Kuh

Die Lack-Corsage

Vergessene Pflicht

Der Einkauf

In deinem Keller

Vertrauen 2

Hingabe

Resümee

Vorwort

Es gibt eine kaum überschaubare Fülle an sadomasochistischer Literatur: Bücher mit Kurzgeschichten und Romanen füllen ebenso wie Sachbücher ganze Regale, während man Gedichtbände nur selten findet. Ist der Sadomasochismus ein für die Lyrik unfruchtbares Feld oder liegt es möglicherweise daran, dass sie in den Augen der Gesellschaft zur erhabenen Literatur zählt, während die Texte mit sadomasochistischen Inhalten eher als minderwertig angesehen werden? Darf sich deshalb die erhabene Kunst der Poesie nicht mit SM-Themen befassen?

Ich meine: Doch, sie darf! Das ursprüngliche Ziel der Poesie war zwar die Vermittlung des Schönen, Guten und Wahren, aber angesichts der rauen Zeiten, in der diese Kunstwerke entstanden, befanden sie sich damit einerseits im Widerspruch zur Realität, andererseits dienten sie ihren Zuhörern aber auch als Ablenkung vom harten Alltag.

Seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts hat in Europa der Naturalismus Einzug gehalten. Damit versuchte man, die Wirklichkeit naturgetreu darzustellen. Dadurch zogen die Alltags- und die Umgangssprache in die Dichtung ein, wodurch das Schöne, Gute und Wahre als Inhalte der Dichtung durch die Auskunft über das wirkliche Leben abgelöst wurden. Da die Realität für viele Menschen Armut, Hunger und Krieg beinhaltete, standen die Inhalte des Naturalismus in deutlichem Gegensatz zu den Motiven der bisherigen Erzeugnisse der Dichtkunst: Während Gedichte das Schöne priesen, erlebten die Menschen in ihrer realen Welt die Schrecken des Krieges. Vielleicht liegt es auch an diesem Umstand, dass nun das Thema Krieg immer wieder in der Dichtung vorkommt.

Bedauerlicherweise ist der Naturalismus in gewisser Weise inkonsequent: Während er völlig selbstverständlich über Hunger, Krieg und Tod berichtet, wird der Bereich Sex und Erotik fast vollständig ausgeklammert. Selbst heute finden sich im Gegensatz zum Prosabereich in der Poesie fast ausschließlich Gedichte mit dem Thema der ‚reinen‘ Liebe, aber kaum über den Sex. Insoweit ist es nicht verwunderlich, dass erotische Spielarten wie der Sadomasochismus kaum thematisiert werden.

Der Sadomasochismus wird zwar immer noch misstrauisch betrachtet und von einigen Menschen als eine Perversion oder Paraphilie eingestuft, aber trotz aller Vorurteile von großen Teilen unserer Gesellschaft geduldet, vielleicht sogar geliebt, aber wegen des immer noch vorhandenen Rufes als ‚Schmuddelkind’ der sexuellen Spielarten lieber im Verborgenen ausgelebt. Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass er gerade wegen seiner Duldung durch die Gesellschaft als Bestandteil unserer modernen Zeit gelten muss. Die sadomasochistischen

Geschichten beschreiben daher ein Lebensgefühl, das vielleicht nicht dem literarischen Anspruch der ‚erhabenen Literaturpäpste’, dafür aber der Neigung vieler Menschen entspricht. Wenn die Dichtung des Naturalismus Auskunft über das wirkliche Leben geben will, sollte sich die Poesie auch mit diesen Inhalten beschäftigen. Umso mehr, weil diese sexuelle Spielart auf einem gegenseitigen Einverständnis der handelnden Personen und damit auf einem gegenseitigen Vertrauen, das es in anderen Bereichen des realen Lebens in dieser Intensität eher selten gibt, beruht. Wenn sogar der Krieg, den fast alle Menschen ablehnen, in der Dichtung thematisiert werden darf, sollte der Sadomasochismus wegen des übereinstimmenden Willens der Akteure bei seiner Ausübung nicht ausgegrenzt werden dürfen. Daraus folgt, dass Sadomasochismus und Poesie in keinem Widerspruch zueinander stehen.

Problematisch könnte allenfalls sein, dass die Dichtung durch den Einsatz von vielen sprachlichen und formalen Kunstmitteln wie beispielsweise dem Reim, der Strophe und dem Rhythmus erfolgt. Hinzu kommt die mehr oder weniger starke Verwendung einer bildhaft-symbolischen Ausdrucksweise. Allerdings ist wohl auch wegen des Einzugs der Alltags- und Umgangssprache in die Dichtung der Einfluss von Rhetorik, Poetik und Formenlehre auf die Poesie der Moderne zurückgegangen. Stattdessen wurden von der modernen Dichtung besondere und vorher unbekannte Formen entwickelt, die neben den bislang üblichen akzeptiert werden. Eine Behinderung durch die erzwungene Suche nach einem passenden Reim ist damit obsolet, sodass sich eine größere Freiheit bei der Erschaffung eines dichterischen Werkes ergibt.

Warum gibt es dann aber kaum Bücher mit sadomasochistischen Gedichten? Liegt es daran, dass sich mit den Prosatexten eine Geschichte besser ausgestalten und damit die Phantasie der Leserschaft besser anregen lässt? Wenn das zutreffen sollte, würde in der Schaffung von Dichtungen mit sadomasochistischem Inhalten die Herausforderung darin bestehen, den jeweiligen Inhalt trotz seines relativ kurzen Umfanges zur vollen Entfaltung zu bringen.

Das vorliegende Werk stellt sich dieser Aufgabe! Dabei habe ich mich bei den Dichtungen im westlichen Stil von der so genannten ‚freien Lyrik‘ leiten lassen. Daneben beinhaltet der vorliegende Band aber auch dreizeilige Kurzgedichte mit dem Silbenrhythmus 5-7-5. Dabei handelt es sich um die aus Japan stammende Gedichtform des Haiku, die auch in Europa über einen großen Freundeskreis verfügt.

Ich wünsche allen Lesern viel Freude mit den nachstehenden Gedichten!

Ihr/Euer

Andy Daring

Grenzüberschreitung