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Marie und Hannes treffen sich, initiiert durch Facebook, nach Ewigkeiten wieder. Eine gemeinsame schulische Vergangenheit und eine kurze Liebelei in der 5. Klasse verbindet sie. Hannes durch die Trennung von seiner Verlobten Paula sehr verletzt und Marie vor einem möglicherweise bevorstehenden Ende ihrer Beziehung zu Thomas, lernen einander als Stütze und fürsorglichen Partner in dieser schwierigen Zeit neu kennen. Sie tauschen sich über ihre Vergangenheit und den zu bewältigenden Aufgaben von damals aus, wie ihr beider Leben verlaufen ist und geben sich als jeweiliges Pedant zu ihren Beziehungen und in Sachen "Liebe" neue Perspektiven, um ihre Wege weiter zu gehen, die sich wieder gekreuzt haben. Dabei geht es nicht ausschließlich um sie selbst sondern auch um die Gesellschaft und die Welt um sie herum, ihre Arbeit, das Leben in einer Männerdomäne, gesellschaftliches und politisches Leben, Trash-TV, Paarbörsen, dem guten alten analogen Brief und ihrem vornehmlichen Kommunikationsmedium, der Email. Ein kurzfristig ausgemachtes gemeinsames Urlaubsziel, der Kilimandscharo, verbindet die beiden mehr, als ihnen zunächst am Anfang scheint und sie sich näher kommen. Mit außerordentlichem Tiefgang in ihr Seelenleben und Reflektion darüber durchleben die beiden mit Wortwitz ihre jeweilige Geschichte und Gegenwart. Dabei schenken sie sich Verständnis, Geborgenheit und besonders Zuversicht. Eine Reise in das bunte Leben zweier Menschen, mit Licht und Schatten und der Nachricht, dass es immer weiter geht.
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Seitenzahl: 480
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Jens Henning
es geht immer weiter!
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Inhaltsverzeichnis
Kapitel: Das Ende
Kapitel: Der Anfang
Kapitel: Die Begegnung
Kapitel: Das Kennenlernen
Kapitel: Die Liebe
Kapitel: Die Trennung
Kapitel: Der Schmerz
Kapitel: Der Neuanfang
Nachspann
Impressum neobooks
es geht immer weiter!
von
Jens Henning
© Autor Jens Henning
Wie krass geil ist das denn? — Völlig abgefahren! — Gigantisch!! Mir fehlen einfach die Worte für das, was ich sehe und fühle!!!
Ich stehe hier oben und schaue über die Welt, wie von einem Dach. Einem sehr hohen Dach zugegebenermaßen. Man kann sehen, wie sich die Erde krümmt, wie sich der Horizont dort entlang biegt, um irgendwann, tausende Kilometer später, eine ganze Kugel daraus zu machen. — Wahnsinn! — Es gibt ein paar Wolken weiter unter mir, die gegen den Berg stoßen. Darunter sehe ich den Boden. Den Boden von was eigentlich? Also wohl eher die Hülle der großen Kugel, die irgendwie im Raum schwebt. — Absolut surreal. —
Hier stehe ich nun auf dem Dach von Afrika, dem Kilimandscharo. Ich habe es geschafft, ganz allein. Ohne, dass SIE dabei ist. Ein Schritt wieder zu mir, auf mich zu, für mein Vertrauen in mich. Irgendwie ist alles eins, die Kugel, die als Welt alles zusammenhält. Damit wird Paula aber auch immer ein Teil von meiner Welt sein. Ich bin am Ende der Welt und habe das Gefühl, hier meine Mitte wiedergefunden zu haben.
Ich merke, wie mir Tränen in die Augen schießen, wie ich anfange zu weinen, wie ich es zulassen möchte. - Doch plötzliche Verwunderung in meiner Gefühlslandschaft. Gerade wollte ich mich voller Melancholie dem Tränenfluss hingeben, da merke ich, dass mir Sauerstoff fehlt. Weinen strengt tatsächlich an und ich habe hier nix zu atmen! Es geht einfach nicht.
Eine durchaus lustige Erkenntnis und ich will anfangen zu lachen, bekomme fast die Krise, weil auch das nicht geht. Kein Sauerstoff. Ich schüttele den Kopf, grunze in mich hinein und kämpfe damit, beide Gefühle in den Griff zu bekommen. Schließlich gelingt es mir. Und so kann ich dann einfach den Moment in mich aufnehmen, ihn genießen und auf mich wirken lassen. — Ein so einzigartiger Blick!
Ein grauer und verregneter Tag. Hamburg. Ich gehe über die Einkaufsstraße von Winterhude, durch die Straßen, vorbei an Geschäften. Mein Blick streift umher, fokussiert Kleinigkeiten, unwichtige Dinge, sucht Halt. Meine Gedanken hängen an ihr. Sie fehlt mir schon jetzt, meine Brust ist eingeschnürt. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, als würde mein Herz zerreißen. Ich will heulen, schreien, weinen, mich hinwerfen, zusammenkauern, weg sein, verloren gehen.
Warum hat sie das nur gemacht? Auf Facebook: Paula ist nicht mehr verlobt! — Was soll ich damit anfangen? — Wo soll ich das hintun, wo in meinem Herzen gibt es einen Platz, an dem mir das nicht wehtut?
Ich schaue immer wieder auf mein Handy, in der Hoffnung, dass sie etwas schreibt, sich meldet, irgendeine ganz plausible Erklärung hat, und heute Abend liegen wir einfach wieder, wie auch gestern und heute Morgen, im Bett und alles ist gut. Um drei Uhr habe ich einen Friseurtermin. Das ist meine Frist. Wenn sie bis dahin nicht zurückgeschrieben hat, dann ist es AUS, dann geht es nicht mehr.
Vor drei Monaten sind wir aus unserer gemeinsamen Wohnung in Hamburg ausgezogen. Sie hat eine kleine Einzimmerwohnung bezogen, in der ich jetzt wie zu Besuch bin. Ich bin nach München gezogen, das war unser gemeinsamer Plan. Sie wollte in einem halben Jahr nachkommen, noch ein Projekt fertigmachen. Wir wollten neu durchstarten, unter einem neuen Dach, uns neu wiederfinden, aus alten Mustern rauskommen. Mit diesem Gedanken keimte Hoffnung in mir auf.
Jetzt ist es drei. Ich sitze beim Friseur. Mein Friseur und ich kennen uns schon einige Jahre. Wir haben aber immer nur über Kleinigkeiten gesprochen, dies und das, nichts Weltbewegendes.
Ich erzähle ihm von uns und bin dabei merkwürdig gefasst. Er sagt, dass man nach sieben Jahren eine Beziehung nicht einfach so wegwirft. Natürlich will er mir Mut machen, dass noch nicht alles verloren ist. Das tut gut. Aber er weiß ja nicht alles. Man solle sich an einem neutralen Ort treffen und dort über alles sprechen, rät er. Eine gute Idee finde ich. Man ist neutral, verbindet weder Positives noch Negatives mit der Situation und hat die Möglichkeit, sich voll auf den Kern zu konzentrieren. Wir sind fertig und ich bezahle.
Es ist halb vier, ich schaue auf mein Handy. Sie hat nicht geschrieben. Ich fühle mich wie auf Drogen. Das war dann wohl die Antwort. Das war es dann wohl, so unausweichlich. Die Antwort steht vor mir. Sie ist nicht verpackt in etwas Nettes oder Liebes. Sie ist kalt, hart und unbarmherzig.
Heute Morgen war noch alles gut. Wir sind normal zusammen aufgestanden. Und dann lese ich, eine Stunde nachdem sie aus der Wohnung gegangen ist, bei Facebook „Neueste Aktivität von Paula: Paula ist nicht mehr verlobt“, mit einem kleinen roten Herzen davor, so wie es Facebook immer anzeigt, wenn man verliebt, verlobt oder verheiratet ist. Dann macht das ja auch Sinn, ein solches Zeichen. Im umgekehrten Fall, wie jetzt, ist das wie ein hämisches Grinsen, ein Schlag in die Fresse — zusätzlich. Ein Messer, das im Herzen steckt, und jedes Mal, wenn du diese Zeile liest, bewegt jemand dieses Messer. Die von Facebook generierte Herzchen-Meldung lässt sich löschen. Das hat sie wohl nicht gesehen? Oder lässt sie das sogar extra stehen?
Per SMS habe ich Paula heute Morgen gefragt, warum sie eine solche „neueste Aktivität“ zwar der Welt, aber nicht mir mitteilen kann. Es kommt von ihr lediglich die Ansage, sie wolle einen neutralen Status haben. — Ah ja, auf einmal? — Warum denn auf einmal neutral? Geht das in Richtung Trennung? Und dann über Facebook! Warum redet sie nicht mit mir persönlich?
Wir sind verlobt seit knapp einem Jahr. Vielleicht aber auch schon ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt, denke ich. Zu viel Zeit dazwischen, in der nichts passiert ist. Nun im Moment schleicht die Zeit im Sekundentakt. Ich kann sie förmlich fühlen, jede Sekunde, wie sie sich in mein Hirn zu brennen scheint, damit ich alles auch ja nie vergesse.
Ich kriege es nicht klar in meinem Kopf. Fast irre, wirr, wahnsinnig, rasen die Dinge an mir vorüber. Wir sind doch ein Paar, haben — wie immer — vor zwei Wochen das Weihnachtsfest zusammen verbracht, waren gemeinsam mit meinen Eltern in den Niederlanden über Silvester und sind vor zwei Tagen wiedergekommen. Ich habe noch länger Urlaub als sie, bevor ich wieder nach München muss. Sie arbeitet schon wieder. Seit sieben Jahren sind Paula und ich zusammen.
Und das war es jetzt? Wie geht es denn jetzt weiter, was soll ich tun? Spielt sie jetzt keine Rolle mehr in meinem Leben? Ich fühle mich wie in einer leeren Hülle, tot innen drin. Ich mag nicht mehr. So fühlt sich ein kaputtes Herz an, denke ich. Eines, das man rausgerissen hat. Sie hat es herausgerissen! — Ich bin unendlich leer.
Mir fehlt Halt, mein Bezugspunkt ist weg, mein Nordstern ist untergegangen. Ich bin aus meinem Leben rausgeschmissen worden, ich verliere unvermittelt die Kontrolle. Wirklich unvermittelt? Keine leise Ahnung gehabt?, frage ich mich selbst. Keinen Grund gesehen? Vielleicht, aber im Moment weiß ich es nicht, kann keine klaren Gedanken fassen. Mir ist die Möglichkeit, zu handeln, genommen worden, obwohl ich sie mir ja quasi selbst genommen habe mit meiner Drei-Uhr-Frist. Ich kann nichts mehr tun, ich habe mich entschieden, ich ziehe es durch, eine Trennung. Ich bin ohnmächtig. Was mache ich denn jetzt? Meine Sachen sind bereist gepackt. Das habe ich heute Morgen schon intuitiv gemacht, nachdem ich DAS bei Facebook gelesen habe. Als Aufbäumen, als Versuch die Kontrolle zu behalten. Und doch habe ich sie jetzt verloren...
Wir verabreden uns für später am Abend, ein offizielles Meeting also. Wir treffen uns an einem neutralen Ort, in einer Bar. Ein förmlicher Charakter für ein Paar, das seit sieben Jahren zusammen ist, sich gestritten und geliebt hat. Ich warte und sehe sie kommen, mit ihren langen blonden Haaren, sie sieht so schön aus. Eine Ewigkeit scheint zwischen uns zu liegen. Ein flüchtiger Kuss auf den Mund. So bitter, so süß. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber jetzt fühle ich ihre zärtlichen Lippen, wie sie sich mit Mut und der notwendigen Distanz auf meine drücken, nur kurz und dann war es das. Wir reden. Ich habe sie erdrückt, wäre omnipräsent. Sie habe gefühlt keine freie Minute gehabt, ich würde sie ständig fordern, ständig fragen, nachfragen, nachbohren. Sie fühle sich gestalkt! Sie kann nicht mehr. — Ich fühle mich natürlich angegangen, ungerecht behandelt. Aber die Frage danach, woher dieser Wandel kommt, diese Sichtweise, beantwortet sie mir nicht. Ebenso die Frage danach, wie sie sich vorstellt, wie ich mit ihrem neuen „Status“ bei Facebook umgehen soll. Sie weiß es nicht, kann es nicht sagen. Sowas kann sie doch nicht mit mir machen. Ich muß das beenden.
Ich bin fassungslos in mir drin: Erst gab es einen Typen in Berlin, dem sie ihre Nummer gegeben hat und mit dem sie nachts geschrieben hat, während ich für 2 Wochen für meine Firma in den USA war in der ich neben der Studium gearbeitet habe. Dann gab es ein großes Geldproblem von ihr, wo sogar fast der Gerichtsvollzieher bei uns geklopft hätte und jetzt mit dem Gefühl, dass sie wieder jemanden kennengelernt hat, kann sie mir nicht sagen, wie ich mit ihrem neuen neutralen Status umgehen soll?! Mir ist es zu viel. Der Berliner Typ rief damals bei uns an und war hörbar überrascht, einen Mann am Telefon zu haben. So kam das ganze raus. Ich übergab das Telefon, by the way hätte er ja auch einfach ihr Handy anrufen können, an Paula und schaute mir die Szenerie zwischen Gestammel und hoch rotem Kopf an. Extrem peinliche Situation, für alle glaube ich. Klar habe ich auch irgendwie mal geflirtet, aber so nicht. Aber gut, nach einigen klärenden Gesprächen, Liebesschwüren und so weiter konnte ich das Thema abhacken, war es vom Tisch. Aber in Summe geben vermeintliche Kleinigkeiten doch wieder ein Bild. Wie auch immer.
Ihre Schulden machte sie mit dem Kauf eines gebrauchten Autos. Es mußte ein blauer Golf V sein, während des Studiums. Naja, wobei ich ja das mit dem Auto schon verstehe, also ich jetzt so, als Mann. Hatte sich einfach einen „easy Kredit“ über schlappe 10.000€ organisiert und zahlte nicht. Verschleppte Mahnungen und schob sie einfach unter den großen Stapel auf ihrem Schreibtisch. Blöder Zufall dass ich sie in ihren Semesterferien mit einem Bahnticket überrascht habe, dass sie zu ihren Eltern in den Skiurlaub fahren konnte. Ich konnte nicht mitgekommen, weil ich arbeiten mußte, um mein Studium zu finanzieren. Wie skurril im Nachhinein.
In der Zeit kam dann gerade der Brief vom Gerichtsvollzieher und eine Welt stürzte bei uns zusammen. Nicht nur das beschämende Gefühl, überhaupt nichts davon mitbekommen zu haben, in einer Parallelwelt gelebt zu haben, sondern auch die Enttäuschung darüber, dass sie nicht mit mir darüber hat sprechen können. Wo hätte das hinführen können? Die von ihrer Tochter sehr enttäuschten Eltern meinten, ich solle darüber nachdenken, ob ich diesen Vertrauensbruch in der Beziehung verzeihen könnte. Aber klar, viel nachdenken brauchte ich nicht, ich liebe doch meine Paula und wir werden nur stärker damit.
Naja, und nun will sie neutral sein. Nee, is klar. Ich nehme eher an, dass das mit einem neuen Typen zu tun hat. Ich hatte damals schon so ein komisches Gefühl. Wir hatten ihn sogar vor 6 Monaten zusammen mit ihrer Freundin Petra kennengelernt haben, der aus Köln kommt. Über ihre beste Freundin, die in Köln studiert natürlich. Dort war sie zweimal zu Besuch, auf irgendwelchen Partys. Und dieser Typ ist dann durch Zufall eben der beste Freund von dem Freund ihrer besten Freundin und heißt Peter. Alles klar? Aber irgendwie ist man ja naiv, ich wohl offensichtlich sogar sehr. Glaube an ein Heiratsversprechen. Armer Tropf. Mann bin ich behämmert.
Naja, und nun will sie neutral bleiben und kann mir den Grund dafür nicht sagen. Ja und was zum Teufel nochmal denkst du soll ich davon halten? Du raubst mir meinen letzten Stolz. Ich liebe dich, will uns, habe mich für uns entschieden, habe in meinem Kopf meinen Schalter umgelegt. Und jetzt verlangst du, dass ich dem Typen im Spiegel nicht mehr in die Augen schauen kann, weil er sich verloren hat. Weil er sich belügt und seine Verlobte ihm nicht sagt, was sie fühlt, was sie denkt, was sie braucht, was ich tun soll. Sie ignoriert es, verdrängt es, macht die Augen zu um nicht mehr da zu sein und hofft, dass es weg ist, wenn sie die Augen wieder auf macht. Ja, sie verdrängt. Wurde überflutet von Liebe und den Dingen, die wir zusammen gemacht haben. Hat konsumiert, war nur da, hat alles mitgemacht und genossen. War aus ihrem Prinzessinnenhaus ihrer Eltern als Einzelkind ausgezogen, in unsere gemeinsame Wohnung, in der das Leben, ihr Leben, einfach so weiter ging. Naja, und nun hat sie die Schnauze voll. Neutraler Status und so. Von Verantwortung keine Spur, Verantwortung dem Partner gegenüber und solchen Entscheidungen wie einer Verlobung, aber auch Verantwortung ihrem eigenen Leben gegenüber, sich selber in die Pflicht zu nehmen, von sich selber mehr Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu fordern. Und am Ende stehe ich als Übungsgerät zur Verfügung. Jetzt hat man trainiert und nun mag man nicht mehr. Man wird wieder neutral und geht. Ist das wirklich so einfach? Für mich nicht! Ich habe mein innerstes verloren!
Ich sage ihr, wenn sie mir das nicht erklären kann, irgendetwas geben kann woran ich mich festhalten kann, dann muß ich heute, hier, jetzt Schluss machen. Ich lasse den Satz so stehen. Eine halbe Ewigkeit vergeht. Keine Gegenwehr. Stille Akzeptanz. Vielleicht sogar Erleichterung? So einfach ist das? Die Leere in mir, die darauf hofft von einer liebevollen Antwort gefüllt zu werden wird von einem aufsteigenden Gefühl von „echt jetzt, das war‘s?“, Wut, Verzweiflung, Orientierungslosigkeit und einem ganze bunten weiteren Blumenstrauß von Emotionen aufgefressen. Das war‘s. Trotz macht sich breit. So nicht mit mir!
Wir zahlen und gehen von der Bar zu ihrer Wohnung. Stille, nichts weiter begleitet uns. Kein Wort wechselt die Seiten. Reden sich beide Durchhalteparolen in den Kopf? Leute begegnen uns. Ich denke, die haben überhaupt keine Ahnung, was in meinem, unserem Leben gerade erdrutschartig passiert ist. Warum bäumt sich die Welt nicht auf und versucht dieses Unheil zu beenden? Aber es bleibt still, es passiert nichts. Es bleibt alles so, wie es ist. Bei ihr zu Hause angekommen packe ich mein Auto mit allem voll, was noch dort ist. Ein Auszug. Sie steht teilnahmslos daneben, während ich alles zu verstauen versuche.
Und dann fahre ich. Oh Gott, mach was! Lass irgendwas passieren, lass sie rufen „nein, Hannes, bleib hier, ich liebe dich“! Aber nichts, es passiert nichts.
Ein letzter Blick. Sie steht auf dem Balkon, weint, schaut zu mir.
Ein Bild wie ein Foto in meinem Kopf. Der Vorhang fällt.
Ende.
Die Zeit dann ist tot. Sie geht einfach vorüber. Ich bin zurück in München, sitze in Meetings, mir schießen plötzlich die Tränen in die Augen und ich muß mich entschuldigen. Ein über das andere mal passiert mir das. Sie, die Gedanken an uns werfen mich aus der Bahn, ich schreie in meinem Herzen. Ich bin so stumm und hilflos das es mich ankotzt, so sein zu müssen. Ich bin so unendlich verloren und ich weiß nicht mehr, wo ich Halt bekommen soll. Meine Nana (ja, meine Eltern sind getrennt und mein Vater hat neu geheiratet. Meine Stiefmutter nenne ich Nana) wird mehrmals am Tag von mir konsultiert. Ich denke aber dass sie sich darüber freut, irgendwie jedenfalls. Ich kann mich abladen und sie ist da, einfach da, wie eine Freundin. Zu meiner Mutter habe ich in der Zeit nicht so intensiven Kontakt, was eher an mir liegt. Mit meiner Nana geht das so, Tage um Tage, Woche um Woche… Die Tränen werden weniger, die Abstände der Tränen-Ereignisse größer. Als Ingenieur würde man sagen, die Frequenz und Amplituden der Tränen werden geringer. Ein Kurvenverlauf um eine Nulllinie der sie sich annähert. Wie eine Gitarrensaite die man zupft. Sie wird ausgelenkt und schwingt so lange hin und her bis sie irgendwann wieder zu ihrer Ausgangslage zurückkommt. Ich mag diese Vorstellung. Man kommt zur Ruhe. Findet wieder zu sich, zu seiner Mitte.
Es gibt noch ein paar Dinge die Paula von mir bekommt bzw. ich noch bei ihr habe liegen lassen. Anfang März bin ich für ein Wochenende wieder in Hamburg, ein Freund hat Geburtstag und ich will noch diese paar Sachen bei ihr abholen. Ich reise schon donnerstags an, Freitagvormittag will ich zu ihr. Sie kann aber leider nicht da sein wie sie mir per SMS mitgeteilt hat, ist mit der Firma unterwegs, und ich weiß nicht, ob das schön oder schade ist. Ich hole den Schlüssel bei ihren Eltern ab und trinke mit ihrer Mama bevor ich zu ihrer Wohnung fahre noch einen Kaffee. Alles fast wie früher. Sie fragt wie es mir geht, naja, ich vermisse sie schon, aber wir gehen nicht weiter in die Tiefe. Irgendwie alles herzlich und doch distanziert. Vielleicht bin ich noch gar nicht so weit aus dem Leben dort raus, wie ich dachte? Schließlich fahre ich zur Wohnung und will meine Sachen holen. Dabei möchte ich noch eine Tasche austauschen die sie von mir bekommt bzw. ich von ihr. Ich öffne die Tür und komme mir wie ein Fremder und doch gleichzeitig wie ein Vertrauert vor. Ganz komisches, ambivalentes Gefühl. Ich schaue mich um, alles ordentlich, ihr Duft liegt in der Luft. Vertraut, fast heimisch. Ein bißchen wie nach Hause kommen und doch irgendwie so weit weg und fremd. Ich will nicht lange hierbleiben und die fröhlichen Gefühle, die mein Herz gerade signalisiert, zu groß werden lassen. Ich suche ihre Sporttasche, in der sie immer alle möglichen anderen Taschen zusammenpackt. Schließlich finde sie, und öffne den Reißverschluss, aber es sind andere Sachen darin. Pullover, Männerdeo, Duschgel. Mein Kloß im Hals kommt wieder, die unerbittliche Antwort auf meine Fragen… Was mache ich hier eigentlich, frage ich mich? Ich bin schockiert, irritiert, brutal wieder auf der Erde angekommen. Was soll das? Was ist das? Ich muß raus hier. Ich bin sauer, könnte schon wieder schreien aber bleibe stumm. Ich denke nach und versuche mich zu beruhigen. Die Bilder auf dem Regal von ihr und mir sind so wunderbar kitschig ordentlich hingestellt, so arrangiert, es passt nicht zusammen. Bevor ich fast fluchtartig mit meinen Sachen aus der Wohnung renne lasse ich ihr doch noch den Brief da, den ich für sie geschrieben habe….
Meine liebe Paula!
Nun, jetzt ist es soweit, ich habe meine letzten Sachen bei dir abgeholt und dir umgekehrt deine Sachen mitgebracht… Damit haben wir nichts mehr voneinander, außer der Erinnerung in unseren Herzen. Schon sehr komisch, nach so einer langen Zeit.
Ich habe dir noch eine DVD mitgebracht. Dort sind alle Fotos drauf, unsere Urlaube und solche an die du ggf. auch Erinnerungen hast und du sie vielleicht haben möchtest. Knapp sieben Jahre waren eine lange Zeit, dass sieht man wenn man die Bilder durchschaut, und es war eine wunderschöne Zeit...!
Ich habe in den vergangenen Tagen und Wochen sehr viel nachgedacht. Die Liebe, so wie wir sie bezeichneten, hat nicht ausgereicht, um zusammen zu bleiben. Warum auch immer. Derzeit befinden wir uns wohl beide in einem Schwebezustand, in dem nicht klar ist, wohin wir wollen, mal hoffen wir vielleicht wieder zusammen zu sein, mal nicht und wir denken an Liebe zwischen uns, um nicht alleine zu sein und uns glaubend zu machen, dass alles wieder gut wird. Ich möchte nicht mehr schweben, sondern zurück auf den Boden. Ich möchte nicht mehr von Liebe oder von Küssen, von Sehnsüchten oder Einsamkeit mit dir sprechen müssen. Ich kann es nicht mehr, weil es mir jedes Mal ins Herz sticht. Wir haben uns getrennt und entschieden, den Weg nicht mehr gemeinsam zu gehen. Ich habe dir gesagt, dass ich unter diesen Umständen und der Art, wie diese Situation herbeigeführt wurde, nicht mehr mit dir zusammen sein kann. Du konntest dazu nichts sagen. Vielleicht warst du dir über die Tragweite nicht im Klaren, aber du hast es auch nicht mehr versucht.
Meine Liebe ist verletzt. Ich war sehr oft, vielleicht zu oft dazu bereit, gegen meine innere Stimme anzugehen und mich glaubend zu machen, dass alles gut ist. Vielleicht habe ich mich selber damit betrogen. Aber das möchte ich nun nicht mehr machen.
Ich möchte das Gefühl wieder fühlen, dass jemand alles für mich tun würde, alles, um den einen Menschen zu halten, glücklich zu machen, zu umsorgen, und das ohne Kompromisse, ohne Ausreden, ohne Hintertür.
Das vermisse ich. Ohne das geht Liebe bei mir nicht. Solange man nicht bereit ist, sich völlig nackt zu machen und vor den anderen hinzustellen ohne Wenn und Aber, solange man sich nicht sicher ist, solange die Liebe in dir nicht sagt, dass du bedingungslos kämpfen musst, werde ich keine Kraft und keinen Grund haben, darüber nachzudenken, ob es mit uns noch einmal etwas wird oder nicht. Man kann an die Liebe keine Bedingungen stellen. Man muß bereit sein, der Liebe zu vertrauen, erst dann kann die Liebe ihre Größe zeigen.
Bevor wir uns trennten wußte ich und hatte das Gefühl, dass wir uns bewegt haben. Gerade die letzten Monate, gerade vielleicht die letzten Gespräche habe mir gezeigt, dass auch ich mich unbedingt bewegen muß, eine Veränderung einzuleiten, um auch dir wieder die Luft zum Atmen zu geben. Dafür war es aber offensichtlich zu spät. Du warst schon zu weit weg.
Auch ich bin mittlerweile traurig über einiges, was passiert ist und das raubt mir die Kraft, wieder auf dich zugehen zu können. Ich bin verletzt und manchmal hoffte ich so sehr, du würdest kämpfen, aber ich glaube nicht, dass du es tust.
Liebe kann man nicht an- und ausknipsen und Liebe ist eben da, oder nicht. Liebe beflügelt einen und lässt einen Dinge tun, zu denen man sonst nicht bereit gewesen wäre. Liebe wägt nicht ab, Liebe misst nicht, sondern Liebe tut immer dass, was sie tun möchte, zu jeder Zeit. Wir vermissen einander, die Zweisamkeit, die Nähe und Fürsorge, der eine mehr, der andere weniger. Den Gesprächspartner, denjenigen, der einen auffängt, wenn es einem nicht gut geht. Verwechseln wir das mit „Liebe“? Es ist mittlerweile Gewohnheit und liebgewordene Kleinigkeiten die uns das denken lassen, aber auch sie werden verblassen. Oder wird man sich darüber klar, dass es doch Liebe ist bzw. war? Hoffentlich nicht zu spät...
Aber es liegt sicherlich nicht nur an dir und deiner Bereitschaft, ob du wieder mit mir zusammen sein willst oder nicht, sondern es liegt auch an mir und meinem Willen, ob ich das noch will und kann. Ich weiß es im Moment nicht, ob ich es jemals wieder möchte, und ich habe nicht das Gefühl, das darum gekämpft wird. Für meine Liebe habe ich gekämpft, ich war nicht immer fair, oft sehr hart, vielleicht zu anspruchsvoll, zu bestimmt. Aber alles im Hinblick auf eine gemeinsame Zukunft, für eine gemeinsame Basis. Aber damit bin ich alleine geblieben. Ich habe für dich und mich, für uns und unsere Liebe, unsere Zukunft gekämpft, dachte ich. Ich war zu jederzeit für uns da und nun ist dieser Kampf verloren. Du hast auch gekämpft, und das gleiche versucht, auf deine Art. Aber wir müssen uns wahrscheinlich eingestehen, dass wir dabei nicht den gleichen Kampf geführt haben. Und nun fehlt die Basis. Solange ich nicht das Gefühl habe, dass mein Gegenüber mit mir an unsere Liebe glaubt, solange ist es keine Liebe.
Meine Liebe war immer echt, mein Bedürfnis nach deiner Nähe, deiner Zärtlichkeit, dem Wunsch alles mit dir zu erleben, Träume mit dir teilen zu können, nicht nur meine Freundin und Verlobte zu sein, sondern auch meine „Freundin“. Ich habe mir Kinder mit dir vorgestellt. Aber ich war mit diesen Gedanken wohl alleine und habe es dir schwer gemacht, mir zu folgen.
Und nun ist es so, wie es ist, und es ist wahrscheinlich auch gut so. Du hast die Möglichkeit nun Dinge zu erleben und zu erfahren, die du mit mir deiner Meinung nach hast nicht erleben können. Der Drang nach Freiheit war so groß, dass es unsere Liebe gekostet hat. Vielleicht hast du mich auch gerettet, weil ich einige Dinge mir nicht richtig eingestanden habe.
Wie dem auch sei, du wirst dich irgendwann neu verlieben, jedenfalls wünsche ich dir das von ganzem Herzen. Natürlich erfreut mich diese Vorstellung im Moment nicht, aber das ändert sich mit der Zeit, auch das verblasst. Du hast es verdient, glücklich zu sein.
Ich habe nicht die Konsequenzen aus bestimmten Situationen gezogen wie ich es eigentlich gemusst hätte. Es geht bei alle dem, was man getan hat darum, was einem sein eigenes Wort, was einem die eigene Liebe wert war und ob man sein bestmöglichstes gegeben hat. Mir ist meine eigene Liebe sehr viel wert, weil ich weiß, dass ich mein letztes Hemd für meine Liebe gegeben hätte, für dich. Das kann gut aber auch schlecht sein. Ich vermisse dich manchmal so wahnsinnig, dass ich die Zeit ungeschehen machen möchte. Ich vermisse so viele Dinge mit dir und sie zeigen mir immer wieder, wie nah wir uns eigentlich waren. So etwas ist selten und ich musste 28 werden um einen Menschen wie dich zu finden. Nun haben wir uns verloren und ich hoffe, dass es einen Sinn haben wird.
Ich denke du wirst diese Zeit die nun vor dir liegt brauchen. Es war mutig, diesen Weg zu gehen, wahrscheinlich hattest du keine die Wahl. Du wirst viele Erfahrungen machen die dich stärker machen. Ich hoffe sehr, dass du den Mut und den inneren Antrieb haben wirst, diesen Weg zu gehen, Entscheidungen zu treffen, dich in unbequeme Situationen zu begeben, um an ihnen zu wachsen und stärker zu werden. Sie sind so wichtig. Ich hoffe inständig, dass du diesen eingeschlagenen Weg gehst, dass du dir bewusster wirst über dich, dass du tiefer in dich hinein denkst, es zulässt, dich den Problemen stellst und sie nicht verdrängst. Ich wünsche mir diese Kraft und diesen Mut für dich!
Manchmal hat man auch erst durch den Menschen, der einen liebt, die Kraft bekommen, bestimmte Dinge zu tun, Entscheidungen zu treffen und erst dann den Freiraum, über viele Wünsche und Träume nachzudenken. Vielleicht erkennst du das irgendwann und es wird dir dann wert sein, für eine Liebe zu kämpfen.
Eine Liebe oder besser die Liebe ist etwas, was es zu schützen gilt, unbedingt und unter allen Umständen. Man darf sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Der Liebe muß man mit Dankbarkeit, Respekt und Demut begegnen, ansonsten hat man sie nicht verdient. Aber man muß erst lernen zu sehen, wie groß die Liebe sein kann und was sie im Stande ist, zu tun. Erst dann wird man die Kraft und die Gelassenheit haben, an sie zu glauben und zu sehen, wie groß sie sein kann. Ich hoffe du wirst irgendwann sehen, wie sehr ich dich geliebt habe.
Wir können sicherlich Kontakt haben, wie auch immer er aussehen mag.
Für mich ist das hier ein Abschiedsbrief. Das tut weh. Du weißt nicht, wo du hin willst und ich kann einfach nicht mehr. Ich habe die Zeit gebraucht, um über die Dinge so wie sie sind, nachzudenken. Ich weiß, dass du dafür Verständnis hast, dass ich meinem Herz das nicht mehr antun will.
Es war eine wundervolle Zeit, und es fällt mir sehr schwer sie, und damit dich, gehen zu lassen. Ich könnte dir unendlich viele Dinge aufzählen, die ich vermisse und wegen jeder Einzelnen davon mir Tränen über das Gesicht laufen. Es war schön, dich zu sehen.
Du bist immer in meinem Herzen, dafür liebe ich dich.
Mit einem dicken Kuss für dich,
für immer,
dein Hannes
Nach dem Wochenende mit ansonsten unspektakulären Ereignissen mache ich mich wieder auf den Weg nach München. Der Brief bleibt unbeantwortet. Wie ins kalte kühle Nass sind diese Gefühle gesprungen und gehen einfach unter, weil niemand da ist, der sie rettet. Ich höre nichts mehr von ihr und die Tage vergehen weiter …
Der bevorstehende 60. Geburtstag von Paula’s Papa ändert auch nichts daran. Er feiert beim Skifahren in den Bergen, Hintertuxer Gletscher. Von München aus ein Katzensprung. Eigentlich war auch das alles schon im Dezember mal geplant ein Besuch. Wir würden ihn beim Skifahren besuchen fahren und hätten die Zeit zusammen genossen. Eigentlich ja eine schöne Idee. Sie fährt ganz wunderbar Ski und auch Snowboard. Toll was wir alles zusammen gemacht haben an Aktivitäten, was wir an Spaß hatten und zusammen erlebt habe. Ich fahre natürlich nicht mehr zu ihren Eltern und sage per SMS ab. Ihr Dad schreibt mir daraufhin eine Mail.
Von: Alexander
Gesendet: Donnerstag, 19. März 2015 18:02
An: Hannes
Betreff: Wiedersehen
Lieber Hannes,
schade, dass du nicht zu meinem Geburtstag zu uns kommen kannst. Wir verbringen schöne Tage hier, und ich hätte mich sehr über dein Kommen gefreut. Wir habe uns ja leider nicht sehen können, als du in Hamburg warst. Leider hast du Gründe, weshalb du den Weg nicht zu uns gefunden hast. Ich frage mich jedoch, ob die selbigen ausreichend sind, um nicht gemeinsam einen schönen Tag zusammen zu feiern. Leider sind wir nur Randfiguren in diesem Lebensabschnitt von Paula und dir, denn ihr beide findet zu uns keinen offenen Weg des Gespräches, um die Probleme eures Lebens ausführlich zu besprechen.
Die zurückliegenden Tage, Monate und Jahre waren geprägt von schönen Erlebnissen, die im Leben eines Menschen einen gebührenden Platz einnehmen sollten. Paula und du haben unsere Zeit mit vielerlei schönen und gemeinsamen Dinge ausgefüllt, und wir hatten stets das Gefühl, dass ihr euch gut ergänzt. Die zurückliegenden Jahre waren allerdings nicht nur von erbaulichen und schönen Begebenheiten erfüllt, sondern auch von Fragezeichen, die sich einem nicht Eingeweihten nur schwer erklären. Also: Warum seid ihr bei gemeinsamen Problemen nicht zu uns gekommen?
Wir sind als Eltern immer nur dabei, anstatt mitten drin. Leider sucht auch Paula nicht das Gespräch mit uns, und das macht uns traurig. So war sie schon immer. Ich möchte damit sagen, dass nicht alle Dinge im Leben schwarz oder weiß gesehen werden können, wir aber es dennoch häufig tun.
Alles Gute für dich, und ich hoffe wir bleiben in Kontakt!
Herzliche Grüße von uns.
Alexander
Das berührt mich sehr und ich freue mich darüber. Ein Gefühl, doch noch eine Rolle zu spielen und nicht einfach so überall gelöscht worden zu sein, wie mit einer „Delete-Taste“. Ich schreibe zurück…
Von: Hannes
Gesendet: Freitag, 20. März 2015 08:30
An: Alexander
Betreff: AW:WiedersehenLieber Alexander,
vielen Dank für deine Zeilen.
Knapp 7 Jahre sind schon eine sehr lange Zeit, die viele wunderbare Erlebnisse bereit gehalten haben und die stets in meiner Erinnerung sind. Ich habe lange mit mir gerungen und eigentlich war ja schon alles organisiert. Sicherlich wäre ich gerne gekommen, insofern trifft es mich zu sehen, wie viel dir das bedeutet hätte.
Eine solche Trennung ist nicht einfach. Man muss lernen mit einer neuen Situation zu Recht zu kommen. Ich kämpfe gerade an allen 3 Fronten. Beruf, ein neues Umfeld und dem Ende meiner Beziehung. All die lieb gewonnenen Kleinigkeiten gibt es nicht mehr, all die gemeinsamen Träume und Wünsche, Ziele und Hoffnungen. Auf einmal muss man lernen, alleine und mit sich und der Welt wieder ins Reine zu kommen. Man verliert nicht nur den Menschen den man am meisten geliebt hat, sondern eben auch seine Familie und alles drum herum. Natürlich verliert man nicht alles, aber auch ein Kontakt, eine Situation zu erleben, wie zum Beispiel deinen Geburtstag, suggeriert mir eine heile Welt, in der Paula eben nur fehlt, weil sie gerade einfach nicht da ist. Nur stimmt das eben nicht, sie ist ganz weg und wer weiß, mit wem oder was sie in diesem Augenblick tut. Das ist wie als würde man einem Drogenabhängigen ein bisschen was von seinem „Stoff“ geben, gleich wohl wissend, dass er morgen wieder auf Entzug muss! Mit ein bisschen Abstand werde ich besser damit umgehen können.
In dem gleichen Atemzug möchte ich Paula aber auch den Raum geben, wieder alleine bei ihrer Familie zu sein, ohne dass ich da irgendwie mitmische. Auch wenn ich das gerne tun würde, so seid ihr doch aber ihre Familie, der intimste Ort, an den sie sich zurückziehen kann, ohne von anderer Seite, mir, behelligt zu werden. Warum sie nicht ein bisschen die Kommunikation sucht, weiß ich nicht, aber das hat sie immer schon so gemacht. Ich hoffe für sie, dass sie die richtigen Dinge tut, dass sie die Kraft hat, sich Problemen zu stellen und sie nicht, wie damals mit dem Geld, verdrängt. Ich kann über gewisse Dinge nicht mehr hinweg sehen. Wenn unsere Verlobung über Facebook gelöst wird, dann reicht es, dann kann ich so etwas nicht mehr aufrichtig weiterführen, dann fühle ich mich gedemütigt.
Ich dachte tatsächlich, gerade auf Grund der neuen Situation mit München und Hamburg, ihrer eigenen Wohnung, den Ausblick auf München, dass wir uns positiv bewegen. Ich hatte das Gefühl, dass wir alte Strukturen aufbrechen, dass gerade auch ich mich wieder bewegen lerne und aus meinen Mustern heraus komme um gemeinsam weiter zu gehen. Wir haben uns sehr gut ergänzt und ich hätte den Rest meines Lebens mit ihr verbringen wollen. Nun habe ich nicht nur meine Freundin und Verlobte sondern auch meine beste Freundin verloren. Aber was nützt das alles, wenn sie nicht mehr bereit ist, gemeinsam zu gehen. Ich kann sie ein Stück des Weges tragen, aber nicht immer. Und nun habe ich keine Kraft mehr.
Zum Schluß bedurfte es Notlügen, Ausreden und Hintertüren. Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr gegen mein inneres Gefühl angehen, dass mir sagt, irgendwas ist nicht in Ordnung. Ich will mich zu 100% auf sie verlassen können und nicht in Angst leben, dass jedes Mal wenn ein Problem auftaucht, sie vielleicht nicht mehr da ist. Manchmal lag es nur an der Art, wie ich sie gefragt habe, um eine solche oder solche Antwort zu erhalten. Auch ich muß mich geborgen fühlen können, alles ist ein Geben und Nehmen.Wahrscheinlich bin ich ein bißchen ungerecht, das mag sein, ich bin einfach sehr verletzt. Sieh mir das bitte nach. Meine Liebe und meine Gefühle sind verletzt. Mittlerweile weiß ich, dass ich eine Beziehung mit ihr nicht mehr führen kann, weil ich nicht mehr weiß, wie ich das verletzte und verlorene Vertrauen wieder aufbauen kann. Ich weiß nicht mehr, was sie tut, wo sie ist, ich habe den Draht zu ihr verloren. Und wie ich mir langsam eingestehen muss, habe ich diesen Draht wohl schon im Sommer letzten Jahres verloren.
Manchmal wache ich nachts auf und möchte das alles ungeschehen machen, denke an die vielen kleinen Dinge mit ihr, die ich so sehr liebe. Und nun kämpft man alleine wieder auf dieser Welt und ich hoffe, dass das irgendwann einen Sinn bekommen wird. Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und gute Erholung!
Bis bald, hoffentlich,
liebe Grüße,
Hannes
Offensichtlich beschäftig es ihre Eltern doch mehr, als ich dachte. Per SMS fragen sie für den Sonntag an, ob ich Zeit habe für ein gemeinsames Essen. Sie wären dort auf der Rückreise und es würde sich doch vielleicht anbieten. Klar, denke ich und schreibe zurück. Ich reserviere einen Tisch für uns im Augustiner für die Mittagszeit. Am Sonntag mache ich mich fertig und fahre los. Als ich ankomme, sind sie schon da. Irgendwie eine komische Situation, aber doch irgendwie herzlich. Ich freue mich. Wir begrüßen uns und setzen uns. Es gibt eine zünftige Brotzeit mit Weißbier. Wir plaudern über dies und jenes, das Skifahren gerade zum Geburtstag. Ich gratuliere natürlich nochmal persönlich. Im Verlaufe des Gespräches rückt ihr Papa mit der Sprache raus. Nach nicht mal zwei Monaten hat sie ihren neuen Freund, den besten Freund vom Freund ihrer besten Freundin, Stichwort Köln, ihrer Familie vorgestellt. Irgendwie habe ich es ja schon geahnt, aber man ist manchmal so naiv und will es einfach nicht wahr haben. Ich stalke sie ja, hat sie mir vorgeworfen. Naja, nun ist mir auch klar warum sie das gesagt hat, weil ich auf der richtigen Spur war und sie damit nur Nebelbomben geworfen hat. Und ich habe mir natürlich das Thema wieder angezogen und gedacht, Hannes, hör auf, da ist nichts, erdrück sie nicht. Auf die Frage von ihren Eltern was denn mit mir sei, habe sie nur schlicht, „das ging nicht mehr…“ gesagt. Sprachlosigkeit macht sich bei mir breit. Wir waren doch verlobt.
Keine Liebe aus sieben Jahren, die zumindest der Anstand hätte bewahren können? Wie arm das doch alles ist, wie scheiße arm. Wie scheiße arm, wenn du dich entschieden hast, wenn du deiner Verlobten gesagt hast, ja, ich will dich. Mit allem was dazu gehört, auch wenn man mal Scheiße baut. Und Du hast viel Scheiße angestellt. Riesige Scheiße. Und ich bin trotzdem geblieben. Naiv? Wahrscheinlich und nein, ich bin sicher nicht perfekt, ganz und gar nicht. Vielleicht war ich zu viel um sie herum. Aber sie wollte es, hat es genossen und gebraucht, hat es genutzt und benutzt. Und als es ihr gereicht hat, als sie soweit war, hat sie mich fallen gelassen. Es geht nicht darum, dass es so ist, wie es ist, das ist gut so. Es geht um die Art, nach dieser ganzen Zeit zusammen, in der man den Menschen belogen und betrogen hat und es an diesem bißchen Ehrgefühle gefehlt hat, mir einmal offen in die Augen zu blicken und zu sagen, was sie denkt.
Mir fällt nicht viel ein, was ich ihren Eltern darauf sagen kann. Ich möchte auch einfach nicht zu viel mit ihnen besprechen. Einiges gehört auch schlicht nur zwischen sie und mich. Und doch merke ich, wie ich sauer und böse werde. Ich fühle mich verraten! Um meine Liebe betrogen, gedemütigt. Bin verletzt, denke warum soll ich aus diesem ganzen Thema eigentlich immer als der Dumme raus laufen. Sie besitzt diese Dreistigkeit und Boshaftigkeit, kein Gefühl für mich und das was wir einmal hatten.
Das Gespräch wird für mich anstrengend, in mir springen ganz viele Gefühle und Gedanken hin und her. Ich bin ganz froh, dass ihre Eltern wieder los wollen. Es soll noch nach Hamburg weiter gehen heute. Schließlich zahlen wir, verabschieden uns und wollen irgendwie in Kontakt bleiben. Mal schauen, wie das aussieht.
Ich fahre mit der U-Bahn nach Hause. Gedanklich formuliere ich dabei eine Email, mit der Hoffnung, ein bißchen meiner Ehre vor mir selbst wieder herzustellen und mit zweifelhaftem Anliegen… Zurück zu Hause am Schreibtisch und 3, 4 Bierchen im Kopf schreibe ich diese Email dann auch tatsächlich.
Von: Hannes
Gesendet: Sonntag, 22. März 2015 16:04
An: Paula
Betreff: …
Hallo Paula,du wirst die Sachen in deiner Wohnung und den Brief ja nun sicherlich vorgefunden haben, obwohl ich nichts von dir gehört habe.Soweit dürfte also alles korrekt sein. Was ich in deiner Tasche an Klamotten gesehen habe, hat mich sehr getroffen, aber jetzt macht es auch alles einen Sinn. Es ist schade, dass du es mir nicht sagen kannst.Ich habe mir deswegen die Situation erneut überlegt und möchte dich bitten, mir unseren Verlobungsring zurück zu schicken.Den Ring hast du von mir als Zeichen unserer Verlobung und Liebe bekommen, in der jetzt aber entstandenen Situation geht es nicht mehr um Liebe, sondern um verletzen und demütigen und damit ist die Verlobung hinfällig.
Wie du dich vielleicht erinnerst habe ich dir noch 1000€ geliehen. Eigentlich hatten wir vereinbart, dass du mir monatlich 100€ zurück überweist. Darauf warte ich aber mittlerweile schon im 2. Monat. Ich hätte gedacht, dass wir zumindest das vernünftig auf die Reihe kriegen. Es liegt an dir.Eigentlich finde ich es normal, dass man auf eine Email reagiert, möchte dich aber explizit darum bitten, hierauf zu antworten und zu sagen, wann ich mit dem Erhalt des Ringes rechnen kann.Ich verlasse mich auf dich!
Gruß,Hannes
Und dann doch ein Lebenszeichen von ihr…
Von: Paula
Gesendet: Montag, 22. März 2015 16:21
An: Hannes
Betreff: AW:…
Hallo Hannes,Vielen Dank für diesen wunderschönen Brief den du mir in der Wohnung gelassen hast, auch wenn er einen traurigen Anlass hat.
Ich weiß nicht, was Du gesehen hast, was ich dir sagen soll, aber ich glaube, dass Du da ein bisschen zu viel rein interpretiert hast. Aber ich will Deiner Bitte natürlich nachkommen und Dir den Ring zurück schicken. Und natürlich werde ich dir das Geld wie verabredet überweisen, das war so verabredet. Ich habe es in der vergangenen Woche nicht geschafft. Es tut mir wahnsinnig leid, ich hole das sofort nach!
So wie sich Deine Email anhört, willst Du dann gar nichts mehr mit mir zu tun haben. Du schreibst in deinem Brief von Liebe; wir haben uns aus Liebe verlobt und nun willst Du das Symbol unserer Liebe wieder haben, irgendwie fühlt es sich komisch an. Es war für mich irgendwie auch ein Symbol, dass mich an Dich erinnert und das mir irgendwie auch Hoffnung für uns gegeben hat. Aber wie gesagt, ich schicke ihn dir zurück. Ich habe ihn gern und mit Stolz getragen, das sollst Du wissen.Ich liebe Dich! Immer!Deine Paula
Ich könnte schon wieder in mich schreien, meine Email ungeschrieben machen, sie einfach anrufen, ihr meine Liebe gestehen, zu ihr fahren, sie in den Arm nehmen, heiraten, Kinder kriegen, glücklich sein, irgendwo, im Traum, in der Hoffnung… Aber was wäre all der Schmerz wert, wenn ich mich gleich wieder hingeben würde? Ich bin verletzt, enttäuscht. Du hast doch schon wieder einen neuen Typen am Start. Was machst du mir vor? Was soll das? Nein, ich lasse mich nicht beeinflussen…
Gesendet: Montag, 22. März 2015 21:03
An: Paula
Betreff: AW: AW: …
Hallo Paula,
vielen Dank für die Antwort. Ich möchte sie nicht unnötig kommentieren. Es wäre nett, wenn du mir kurz einen Hinweis geben könntest, wann du den Ring los schickst, wann ich ihn erwarten kann. Es wäre gut, ihn als Einschreiben mit der Variante "eigenhändig" zu verschicken. Er kommt dann sicher an.Die Kosten dafür übernehme ich natürlich.Viele Grüße,Hannes
Ich fühle mich ganz elendig schlecht. Aber ich muß mich schützen, sonst tut es keiner. Soll ich auf das was sie sagt vertrauen? Wie kann sie das verlangen, wenn sie mich doch schon so oft angelogen hat. In der wahren puren Liebe würde ich das wohl machen, da wäre es aber auch nicht so weit gekommen, so wie es jetzt ist. Ich kann nicht mehr. Ich will sie zurück. Ich will einen Haken an all das machen. Wieder normal sein, in Ruhe fühlen.
Verdammt, und dann werde ich doch wieder weich und fange an zu schreiben. Aber warum auch nicht. Was bringt die ganze Härte gegen einen selber, gegen mich, gegen uns? Was schwafle ich von Liebe die sich selbst genügen und selbstlos sein muß?! Darf keine Ansprüche stellen und so weiter und so weiter… Und genau das tue ich doch, wenn ich so hart bin. Versuch es doch mit dem Gegenteil, sage ich mir, sag was du fühlst, was deine Liebe gerade mit dir macht. Aber ich merke auch Aggressivität in mir. Ob das gut ist? Das kann jedenfalls nicht schlecht sein und wenn sie darauf nicht reagiert, dann macht es dich doch eigentlich nur umso sicherer, sage ich mir…
Von: Hannes
Gesendet: Montag, 22. März 2015 23:48
An: Paula
Betreff: ich nochmal…
Hallo Paula,
ich möchte nicht unhöflich sein und dir nicht richtig auf deine Email antworten, zumindest nicht so oberflächlich. Vielleicht ist es aber erstmal besser so gewesen, weil ich im Moment sehr enttäuscht bin und in mir ist Wut und Trauer und irgendwie immer noch irgendwo Hoffnung.
Um ehrlich zu sein, weiß ich gerade überhaupt nicht, wo du stehst. Du wirst dich gerade irgendwie austoben, oder was weiß ich nicht machen. Ich werde sicherlich nicht nach HH kommen um dich von mir und meiner Liebe zu überzeugen. Das kann ich nicht mehr. Ich habe dafür keinen Grund mehr, keine Motivation. Entweder kommt von dir etwas und es ist es dir wert dafür etwas zu tun, wobei es nicht einfach wird, oder es bleibt so, wie es ist. Gefühlt glaube ich allerdings, dass du es so läßt, wie es ist, aber ich bin immer offen für Überraschungen. Wie auch immer. Nun zu deiner Mail.
Um auch hier ehrlich zu sein, fühle ich mich dabei noch mehr belogen und betrogen, als sonst in einer Mail bisher von dir. Sprichst du von der Liebe, und dem Ring, den du getragen hast, als du bei Facebook mit „Neueste Aktivität: Paula ist nicht mehr verlobt“ angegeben hast? War das die Liebe, mit der du andere Typen getroffen hast, sie dich sogar angerufen haben. Und dann die völlig unwichtigen Besuche in Köln. Wie unverschämt, mit mir so umzugehen, mich so lächerlichen Dingen auszusetzen. Mit irgendwelchen windigen Ausreden dir selber so etwas zu rechtfertigen, anstatt dir selbst besonders offen und ehrlich ins Gesicht zu blicken und zu sagen, wie es ist. Du merkst selber, dass das ziemlich lächerlich war und ist, oder? Du hast ihn bereits deiner Familie vorgestellt und schreibst mir jetzt in deinem letzten Satz von Liebe? Wie geht das zusammen?
Noch was anderes, wir hatten damals vor unserer Trennung besprochen, wie wir das mit der Ummeldung und den Namensschildern an den Türen bis zu unserem gemeinsamen Einzug in München machen. Ich ging davon aus, dass sich daran nichts geändert hat. Dann wurde ich aber jetzt hier im Januar in München bei der Ummeldung gefragt, ob ich letztes Jahr noch in Hamburg gewohnt habe? Auf meine Antwort hin „Ja“, sagt mir dann die Beamtin, dass mir vor Weihnachten (!) einig Unterlagen der Stadt nicht haben zugestellt werden können, weil offensichtlich mein Name dort nirgends zu finden war. Dann muß ich mich doch fragen, was hier nicht stimmt. Als ich neulich dann in deiner Wohnung war um dir die Sachen vorbei zu bringen sehe ich, dass am Klingelschild mein Name nicht mehr steht. Nur am Briefkasten wurde er noch schnell wieder angebracht. Da klebte er eben nicht mehr feinsäuberlich wie wir ihn damals dorthin angebracht haben sondern eben so, wie es aussieht, wenn man ihn mal abgezogen und dann wieder provisorisch hingemacht hat. Hast du den für deinen neuen Typen abgemacht, damit er sich nicht irritiert fühlt? Wie du auch im Wohnzimmer ganz hübsch unsere Bilder hingestellt hast, einfach zu bilderbuchmäßig. Echt, nur für meinen Besuch? Und zu guter Letzt eine Tasche voller Männerutensilien. Klar, da überinterpretiere ich etwas. Vielleicht bin ich einfach nur nicht für dumm zu verkaufen. Ich bin darüber enttäuscht, bin ich noch, aber hey, was soll ich tun? Wahrscheinlich hat das schon im letzten Jahr angefangen und auf einmal macht alles einen Sinn. Und das ist tatsächlich das einzige, was mich rettet. Ich weiß eben mittlerweile, dass ich mit meinen Gefühlen nicht falsch lag. Das war alles richtig! Es war es dir wert, erst einem Typen aus Berlin und nun aus Köln deine Nummer zu geben. Es war dir Wert für Kleinigkeiten unsere, meine Liebe zu missbrauchen. Dein neuerdings abgeschaltetes Handy, dass mich dein Handy auf einmal nichts mehr anging. Dein angeblicher Besuch mit Petra auf dem Weihnachtsmarkt, von dem sie ja dummerweise auf meinen Anruf hin vor Weihnachten nichts wußte. Da hast du dich wahrscheinlich mit Peter getroffen, es mir aber verschwiegen, und wer weiß, was du sonst noch so alles getan und getrieben hast, von dem ich nichts weiß. Und zu guter Letzt erzählst du mir, dass ich ein Stalker bin. Es reicht, echt!
Und du fragst mich noch, warum ich dir nicht vertraue oder vertraut habe. Nun Paula, die Antwort dafür steht hier. Hast du den Eindruck, dass ich nicht alles für dich getan habe? Hast du nicht den Eindruck, dass ich dich geliebt habe und vielleicht auch irgendwo in mir immer noch tue? Hast du nicht den Eindruck, dass ich ehrlich zu dir war? Das ich dich begehrt habe, das ich mich um dich gekümmert habe? Und jetzt erfahre ich über deine Eltern von deinem „offiziell neuen Freund“. Ich habe die Schnauze voll, ich mache mich nicht mehr zum Deppen.
Nochmal zu deiner Mail. Du bist nicht eine oder zwei Wochen mit dem Geld im Rückstand, sondern mittlerweile im 2. Monat. Letztlich hätte ich wohl auch nichts dazu gesagt, dafür bedeutest du mir einfach zu viel, wenn ich nicht die Klamotten gesehen hätte und ich mir gedemütigt vorkommen wäre.
Es wird irgendwo auf dieser Welt eine Frau geben, die all das an mir schätzt, was ich bin und was mich ausmacht, die mich genau dafür liebt. Bei dir war ich damit scheinbar falsch. Einen Mann so zu kränken und der dann auch noch die Dummheit hat, dass zu ertragen, dass ist schon eine Leistung.
Ja, das stimmt, es ist ein wunderschöner Brief. Und es war der letzte.
Ich weiß nicht, auf was für einem Trip du bist, wahrscheinlich verdrängst du die Trennung noch oder redest dir ein, dass wir uns einfach nur wiedersehen müssen, damit alles wieder funktioniert. Im Moment will ich nichts mehr mit dir zu tun haben. Ich könnte von dir nichts bekommen, was ich nicht schon habe. Vielleicht ergibt sich das irgendwann irgendwie wieder, ich weiß es nicht. Du wirst deine Erfahrungen machen und ich kann dir aus meinen Erfahrungen heraus sagen, sie werden einen trauriger machen, als man dachte. Manchmal muß man erst etwas verlieren um zu erkennen, was man tatsächlich hatte. Ich wünsche dir, dass du etwas findest, in das du ehrlich deine Liebe investieren kannst und du nicht auf vergangenes zurück schauen mußt. Aber glaub mir, das wird verdammt schwer.
Der Ring war nicht dazu bestimmt, so behandelt zu werden. Du hast keinen Grund mehr, diesen Ring zu tragen und bevor er irgendwo endet, möchte ich ihn zurück haben. Bei mir liegt er sicher.
Für immer,
dein Hannes
Und die Tage vergehen weiter, ohne dass ich eine Reaktion bekommen. Aber das ist wohl auch verständlich. War ja nicht gerade zum Schmusen, der Brief :) Und es macht mich traurig und hilflos, war ich doch so voller Hoffnung. Ich war trotz allem doch immer noch voller Hoffnung das irgendwas passiert und alles wieder gut wird. Vielmehr melden sich meine Eltern. Paula hatte sich mit ihnen in Kontakt gesetzt und sie haben sich getroffen. Allerdings gab es keine zu übermittelnde Liebesschwüre oder dergleichen, nichts. Nun sind die Ringe jedenfalls wieder zusammen. Meiner und ihrer. Sie liegen sicher bei mir. Ob ich ihr damit Hoffnung genommen habe? Hätte ich ihn ihr lassen müssen? Wäre das besser gewesen? Hätte sie darüber den Weg wieder zu mir gefunden? Habe ich jetzt das Band endgültig durchschnitten? Habe ich es selber kaputt gemacht? War das ein riesen Fehler und jetzt muß ich tatsächlich endgültig die Suppe auslöffeln? Jetzt ist der Drops gelustscht?! Subjektiv zumindest fühle ich Genugtuung. Das ist erstmal ok. Soweit kann ich damit erstmal leben. Der Brief war wirklich hart und ließ keinen Raum für Interpretationen. Aber ich bin doch sehr enttäuscht von ihr. Bei alle dem. Erst sagt sie mir, wie sehr sie mich liebt, dann fahre ich in ihre Wohnung und finde Sachen von einem anderen, dass sie darüber hinaus auch noch leugnet. Vielmehr habe ich das Gefühl von Demütigung, von diesem anderen Typen. Und die Bilder in ihrer Wohnung, von uns. Hat sie die extra wieder aufgestellt, damit ich denke sie wäre noch in mich verliebt? Wie absurd, wie brutal das war. Ich mag mit diesen Gedanken nicht alleine sein. Das ich nun den Ring wieder habe nehme ich zum Anlass ihr wieder zu schreiben…
Von: Hannes
Gesendet: Dienstag, 31. März 2015 21:03
An: Paula
Betreff: Hi
Meine liebe Paula!Ich habe von meinen Eltern gehört, dass ihr euch gestern getroffen habt.Vielen Dank für die Sachen und natürlich den Ring.Ich möchte dir dazu noch etwas sagen:Den Ring habe ich dir zu unserer Verlobung geschenkt. Diese Verlobung wurde mit dem Tage unserer Trennung gelöst. Auch wenn du sagst, dass dir dieser Ring Hoffnung gab, so muss ich dir ganz ehrlich sagen, dass er das für mich gerade überhaupt nicht mehr tut. Selbst gesetzt den Fall, dass wir irgendwann wieder zusammen kämen, so könnte man diesen Ring nie wieder tragen.
Er ist verbrannt. Er ist kaputt.
Den Schritt den man damals gegangen ist, hat man zurück genommen, und damit auch den Willen, einen solchen Ring von mir zu tragen.Und somit gehört er wieder zu dem, der gefragt hat.Wie diese ganze Sache zu Stande gekommen ist finde ich nach wie vor ziemlich traurig und überhaupt nicht unserer Beziehung angemessen.Weder für die lange Zeit, die wir miteinander verbracht haben, die vielen schönen und wunderbaren Jahre, noch die traurigen und tiefen Tage.Nicht über alle Dinge bin ich im Nachhinein glücklich, aber sie gehören zum Leben und ich war immer mit offenem Herzen und voller Liebe da, trotz meiner Unzulänglichkeiten.Wie heißt es so schön, „in guten wie in schlechten Tagen“. Scheinbar konnte man bei Schlechten nicht auf uns zählen.Ich hatte mich für dich entschieden, bereit an mir und uns zu arbeiten, München zu versuchen und sich weiter zu entwickeln.Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass uns das alles gut getan hätte.Ich sollte dich dabei unterstützen wenn du noch woanders hin willst, vielleicht sogar ins Ausland, ich hätte da flexibler sein sollen und ich hätte meine Erwartungen an unsere Beziehungen zurückschrauben müssen.Und nun ist nichts mit der großen weiten Welt?? Manchmal gibt einem erst die Liebe die Kraft für Dinge, die man sich selber gar nicht hätte vorstellen können. Aber das muss man für sich entscheiden. Ach Mensch, was soll ich sagen, klar, ich bin einfach tierisch verletzt, ich bin gekränkt, ich bin traurig.Immer noch, oft, und ich denke oft an dich. Und es ist manchmal umso schwerer, weil in mir einfach das Gefühl ist, das man etwas Besonderes hatte und es weg gegeben hat.Die Zeit dafür kann man aber mittlerweile nicht mehr zurück drehen. Vielleicht besteht von deiner Seite aus auch gar kein Interesse mehr, ich weiß es nicht. Aber einfach mal so eben vielleicht dann doch wieder etwas zu versuchen geht nicht mehr. Dafür ist zu viel kaputt. Ich weiß manchmal nicht, ob du die Wahrheit oder Unwahrheit erzählst.Ich weiß nicht ob du mich nicht verletzen willst und deswegen Dinge nicht erzählst und dabei gar nicht merkst, dass man mit der Wahrheit immer überlebt, besonders vor sich selbst.Nein, ich will dir nichts unterstellen, wirklich nicht, aber das ist mein Gefühl und ich will mich nicht mehr unsicher fühlen.Es kränkt mich eigentlich mehr zu fühlen, dass du denkst, du könntest mir etwas vor machen. Du warst für mich wie ein offenes Buch, und ich konnte immer in dir lesen. Aber mittlerweile fällt es mir schwerer und das tut besonders weh. Ich glaube nicht, dass das dazu gehören müsste, aber vielleicht eben doch.Du und dein Glück liegen mir sehr am Herzen, vergiss das nicht. Ich bin immer für dich da, das weißt du! Ich schreibe dir das so offen, weil du in meinem Herzen wohnst und weil ich zu müde bin, um dir Dinge vor zu machen, die nicht so sind. In mir ist Liebe für dich, aber ich weiß nicht mehr, ob sie für eine Beziehung reichen würden. Das muss dich nicht interessieren, ich sage es dir aber einfach. Ich würde dich immer noch gerne wieder sehen, aber wir müssen es nicht. Ich würde immer noch gerne mit dir telefonieren, aber auch das müssen wir nicht.Irgendwann wird man sich mal die Frage stellen und wünschen, über seinen eigenen Dickkopf oder Schatten gesprungen zu sein um etwas festzuhalten, was man mittlerweile verloren hat.Danke für dich und die wundervolle Zeit mit dir!dein Hannes
Ostern steht vor der Tür, Anfang April. Ich beschließe, zu meinem Vater und Nana nach Hamburg zu fahren, ein Geburtstag von einem Freund fällt auch noch an. Ich hatte mit Paula kurzen Kontakt per SMS und die Frage stand im Raum, ob wir uns vielleicht treffen würden. Nach langem hin und her habe ich den Termin abgesagt. Ich fühle mich nicht danach. Ich weiß nicht, ob ich aus vermeintlicher Stärke abgesagt habe oder ich es besser hätte machen sollen. Irgendwie wollte ich glaube ich mir etwas beweisen, mir das Heft nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Vielleicht wäre das aber auch eine Chance gewesen. Ich weiß es nicht. Wie auch immer, es wird sich irgendwann schon wieder ergeben, wenn es so sein soll.
Zur gleichen Zeit findet sich in Facebook eine Freundschaftsanfrage einer lange verschollenen Freundin wieder. Marie, aus welchen Winkeln dieses Universums auch immer sie jetzt kommt, möchte sich mit mir „befreunden“.
Ich bestätige die Anfrage, haben wir doch eine gemeinsame Vergangenheit, eine kurze, aber wir haben eine. Zu Weihnachten in der 6. Klasse küssten wir uns zu den „die Ärzte“, doch unser Glück währte nur kurz Wie das vielleicht manchmal einfach so ist. Zu viele Unterschiede ließen uns nicht lange zusammen bleiben, unerheblich zu sagen, wer oder warum. So war es einfach.
Und nun schiebt sie sich wieder in mein Leben. Einfach so und unvermittelt. Aber bitte, warum nicht. Ein Weg endet, ein neuer beginnt. Irgendwie geht es immer weiter…
