4,99 €
Helke Salzburg reflektiert in ihren Gedichten menschliche Lebenssituationen und eigene Erinnerungen. Auszug aus: Helke Salzburg. „Es gibt Worte.“ Apple Books. „Es gibt Worte die fallen in die Seele wie ein Stein in stilles Wasser. Der ihn wirft, geht vorüber und vergisst. Aber der Spiegel zittert noch lange zu den Ufern hin.“
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 20
Veröffentlichungsjahr: 2020
© 2020Rhein-Mosel-VerlagBrandenburg 17, D-56856 Zell/MoselTel. 06542-5151 Fax 06542-61158Alle Rechte vorbehaltenISBN 978-3-89801-891-3Umschlaggestaltung: Arne HoubenAusstattung: Stefanie Thur
Es gibt Worte
Gedichte
RHEIN-MOSEL-VERLAG
Es gibt Worte
Es gibt Worte
die fallen in die Seele
wie ein Stein
in stilles Wasser.
Der ihn wirft,
geht vorüber
und vergisst.
Aber der Spiegel
zittert noch lange
zu den Ufern hin.
Eine Wolke zog vor meinen Stern
Eine Wolke zog vor meinen Stern
und sein Licht scheint mir nicht mehr.
Dunkel steht jetzt um mich her,
und der Himmel ist mir fern.
Eine Wolke vor den Stern mir zog,
alles Singende verlor den Klang.
Mit dem Glanz ein Traum ins Dunkel sank,
in der Schale liegt nicht mehr, was wog.
Alles löst sich auf und steigt,
wie das Wasser sich zur Höhe hebt,
wenn der Nebel über’m Walde schwebt,
wenn die Nacht sich hin zum Morgen neigt.
Alle Sterne schwinden dann im Licht,
das sich dämmernd Bahn bricht in den Tag.
Alles regt sich, was im Schlafe lag,
alle seh’n sich ins Gesicht.
Fremd
Ich fühle mich so fremd in meinem Leben,
es ist, als hätt’ ich niemals hier gewohnt,
hätt’ niemandem von nebenan die Hand gegeben,
wie Unbekannten, wo sich das nicht lohnt.
Als wäre ich hier lang nicht mehr gewesen
kenn’ ich die Häuser nicht, die hier doch einst vorhanden.
Die Leute hier sind fort, als hätte ich davon nur mal gelesen,
ich weiß auch nicht, wohin sie dann verschwanden.
Ich geh’ herum in lauter fremden Räumen,
ach, wär’ doch jemand hier um mir zu sagen,
ist dies mein Tisch, mein Stuhl, mein Bett mit seinen Träumen?
Doch so? Mein Leben ist nur noch ein einzig Fragen …
Inzwischen
Inzwischen bin ich meistens stumm.
Das kommt, weil ich alleine bin.
Wenn ich was hör’, dreh’ ich mich um
und hör’ nochmal genauer hin
und weiß doch, das hat keinen Sinn.
Begegne ich dann auf den Straßen
mal jemandem, den ich wohl kenne,
dann schäm’ ich mich über die Maßen,
frag’, dass er mir den Namen nenne
und wo wir wohl zusammen saßen.
Und wenn die Zeit es mit sich bringt,
dass man ein Glas zusammen trinkt,
geht der Gesprächsstoff MIR nicht aus,
und alles sprudelt aus mir raus,
so dass alsbald in Schweigen sinkt
der arme Mensch mir gegenüber.
Nur ab und zu kommt noch was rüber …
