Es klickt, ich lebe! - Christian Schaefer - E-Book

Es klickt, ich lebe! E-Book

Christian Schaefer

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Beschreibung

Einfühlsam Christian Schaefer, Medizinjournalist, berichtet in Tagebuchform von den ersten, zunächst verdrängten Symptomen seines Herzfehlers, von der Einpflanzung einer künstlichen Herzklappe und schließlich von der allmählichen Rückkehr in den "normalen" Alltag. Mit seinem spannend und einfühlsam geschriebenen Erfahrungsbericht will er Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, sich in einer medizinischen Welt zurechtzufinden, die vielen Menschen fremd und unheimlich erscheint. Diese Biographie und Ratgeber hilft Patienten, ihre eigene Situation besser zu verarbeiten. (Deutsches Ärzteblatt 92, Heft 34/35, 28. August 1995)

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Seitenzahl: 100

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Für Christiane,Sabine und Oliver

Christian Schaefer

Es klickt,ich lebe!

Meine Herzklappenoperationund das Leben danach

© 2020 Christian Schaefer

2. Auflage 2020

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44,22359 Hamburg

ISBN: 978-3- 347-14186-5 Paperback

ISBN: 978-3-347-14187-2 Hardcover

ISBN: 978-3-347-14188-9 e-Book

Geleitwort

Diese nicht beschönigende, also wohltuende aufrichtige Schilderung einer subjektiven „Patientenkarriere“ von den ersten, typisch verdrängten Symptomen des Herzfehlers über die Implantation einer künstlichen Herzklappe bis zur Rückkehr in den Alltag als Mitarbeiter in einem medizinischen Verlag kann und soll Betroffenen helfen, ihre eigene Situation positiv zu „verarbeiten“. Betroffene sind dabei nicht nur Patienten, sondern auch die Angehörigen, die in eine medizinische Welt eingeführt werden, die ihnen vorher fremd und unheimlich erschien. Die Lektüre kann und soll Ängste abbauen und Missverständnisse verhüten. Solche „Autobiographien“ werden deshalb zu einer wünschenswerten Ergänzung ärztlicher Ratgeber, weil sie besonders patientennah sind: Was habe ich als Patient anders erlebt und warum? Kann ich mich mit dem Autor identifizieren oder warum nicht? Solche unvermeidlichen Fragen helfen, das Leben mit der neuen Herzklappe vorzubereiten, zu vertiefen, von Ängsten zu befreien und zu bereichern. Als Arzt wünsche ich dieser Schrift eine weite Verbreitung.

Prof. Dr. med. Max J. Halhuber

 

„Nichts ist schöner als einegelungene Herzklappenoperation“

Prof. Dr. Dr. h. c. Reiner Körfer

Prolog

13. September 1987. Es ist ein Sonntag. Kurz nach dem Mittagessen fahre ich los. Ich verabschiede mich von meiner Frau, den beiden Kindern und unserem Dackel. Am Dienstagnachmittag werde ich wieder zu Hause sein. Mein Ziel ist zunächst Braunschweig, wo ich der Einladung einer Pressekonferenz folge.

Als Chef vom Dienst zweier Fachzeitschriften für Frauen- bzw. Kinderärzte besuche ich regelmäßig Fachkongresse, Pressekonferenzen von Fachgesellschaften, Institutionen und der Pharmaindustrie.

Von Braunschweig aus will ich dann weiter zum alljährlich stattfindenden Kinderärztekongress fahren, der dieses Jahr in Wolfsburg abgehalten wird. Ein wichtiger Termin für uns, da wir über den Verlauf beider Veranstaltungen in unserer Fachzeitschrift für Kinderärzte berichten wollen.

Auf der A2, kurz bevor es hinter der Ausfahrt Bad Nenndorf hinab in das niedersächsische Flachland geht, fühle ich mich plötzlich so, als ob mir der Kopf platzen würde. Erst wird mir sehr heiß, dann schwarz vor den Augen. Nur Bruchteile von Sekunden. Ich fühle mein Herz im Hals stark schlagen.

Die letzte halbe Stunde bin ich schon sehr langsam und zunehmend unsicherer gefahren. Irgendetwas stimmt nicht mit mir.

Vor mir über Hannover sehe ich dunkle, schwarze Wolken. Mein Herz schlägt unruhig. „Was ist los mit mir?“, frage ich mich. Minuten später fühle ich mich wieder wohler. Ich fahre weiter in Richtung Hannover und dort von der Autobahn ab. Eine innere Unruhe und das stark schlagende Herz verunsichern mich erneut. Vielleicht geht es mir besser, wenn ich spazieren gehe. Etwas Zeit habe ich noch, so könnte ich auch noch meinen Patenonkel und meine Tante besuchen. Im Ortsteil Kirchrode nahe dem Tiergarten parke ich mein Auto. Telefonisch versuche ich, sie zu erreichen. Doch sie melden sich nicht. Ich fühle mich wacklig auf den Beinen. Soll ich einen meiner Jugendfreunde besuchen? Als Hannoveraner habe ich meine Kindheit und Jugend dort verbracht. Vielleicht können sie mir helfen. Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Doch ich belasse es dabei und fahre weiter nach Braunschweig.

An der Ausfahrt Braunschweig-Nord verlasse ich die Autobahn. Zweimal muss ich fragen, dann erreiche ich den Burgplatz, wo sich das Hotel „Deutsches Haus“ befindet. Hier soll die Pressekonferenz stattfinden.

Im Foyer des Hotels werde ich von der Veranstalterin empfangen. Ich setze ein Lachen auf, obwohl es mir nicht sonderlich gut geht. „Sie sind ja überpünktlich“, sagte sie. „Etwas Zeit ist noch.“

Die Pressekonferenz sollte, wie verabredet, um 18.00 Uhr beginnen. Mein Hotelzimmer befand sich im ersten Stock. Ich ging zu Fuß hoch. Schweißgebadet erreichte ich mein Zimmer. Da ich noch eine Stunde Zeit hatte, legte ich mich aufs Bett. Das Gefühl der Atemnot kroch wieder in mir hoch. Ich setzte mich auf die Bettkante, um mir wieder Luft zu verschaffen und wartete ab.

Die Pressekonferenz zum Thema „Kleinwuchs, was tun?“ überstand ich – jedoch schweißgebadet. Ich riss mich zusammen. Vielleicht war auch nur der wenige Schlaf der vergangenen Nacht daran schuld. Wir waren eingeladen gewesen und erst spät nach Hause gekommen.

Nach Abschluss der Konferenz erhielten wir von unserer Gastgeberin einen kleinen Stofflöwen zur Erinnerung an diese Stunden. Zugleich sollte uns der Löwe daran erinnern, dass dieses Tier das Wahrzeichen von Braunschweig ist. Der Löwe sitzt noch heute als Erinnerung zu Hause auf meinem Schreibtisch.

Beim anschließenden Essen im Restaurant „Zum Berglöwen“ mit den Referenten und Journalisten ging es mir wieder besser. Das Essen schmeckte und das Bier beruhigte die Nerven. Der Referent, der neben mir saß, war Arzt. Über allgemeine Konversation brachte ich das Thema Herzerkrankungen zur Sprache. Ich versuchte, ihn über meine Beschwerden auszufragen, weil ich das Gefühl nicht loswurde, dass etwas mit meinem Herzen nicht stimmte. Doch seine Antworten halfen mir nicht weiter. Es wurde Mitternacht und wir verabschiedeten uns.

Kurz vor dem Einschlafen war es wieder da, dieses unangenehme Gefühl, keine Luft zu bekommen. Doch irgendwie musste ich eingeschlafen sein, womit wohl auch der Alkohol seine Wirkung zeigte. Gegen vier Uhr wachte ich schweißgebadet auf. Ich hatte wieder Atemnot. Das Herz schlug mir bis zum Hals. So verbrachte ich den Rest der Nacht halb sitzend und halb liegend im Bett.

14. September. Ich fuhr nach dem Frühstück weiter nach Wolfsburg. Eigentlich wollte ich zwei Nächte in dem Hotel in Braunschweig bleiben. Doch mich beschlich ein Drang, schnellstens nach Hause zu kommen.

Der starke Berufsverkehr zwang mich, in der endlosen Autokolonne in Richtung Wolfsburg mitzufahren. In Wolfsburg wollte ich beim Kinderärztekongress unsere neueste Ausgabe an die dort anwesenden Kinderärzte verteilen lassen. Außerdem war der Herausgeber unserer Fachzeitschrift während des gesamten Kongresses auch vor Ort. Eine gute Möglichkeit, über den Inhalt der nächsten Ausgabe zu sprechen. Ich parkte meinen Wagen im Parkhaus der Stadthalle, wo der Kongress stattfand. Wieder bereitete es mir Mühe, die Treppen zu den Tagungsräumen hinaufzugehen. Doch ich ließ mir nichts anmerken. Dabei hätte es weniger Worte bedurft, um von kompetenter Seite Ratschläge zu erhalten. Vielleicht hatte ich auch Angst, etwas zu erfahren, was mich in meiner Aktivität gehemmt hätte.

Neben den Vorträgen fand eine pharmazeutische und technische Ausstellung für Kinderärzte statt. An einem Stand wurde ich gebeten, meinen Finger in einen Pulsmesser zu halten. Das Ergebnis versetzte mich erneut in Unruhe. Der Puls sei sehr unregelmäßig. Von Doppelschlägen durchsetzt. „Sie sollten mal zum Arzt gehen“, sagte mir der Herr vom Standpersonal. „Ja, ja, das werde ich tun“, war meine Antwort. Der Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Aber das konnte auch durch die stickige Luft in den Räumen hervorgerufen worden sein. Abgesehen davon war es ein schöner warmer Spätsommertag.

Während des Mittagessens stimmte ich mit unserem Herausgeber einige Termine ab und gab dann vor, doch noch heute nach Hause fahren zu müssen, da viel Arbeit auf mich wartete.

Die Heimfahrt von Wolfsburg nach Ratingen wurde zur Qual. Immer wieder wurde mir schwarz vor Augen und aufsteigende Hitze vermittelte mir das Gefühl, nur schwer Luft zu bekommen. An der Raststätte Hannover-Garbsen rief ich meine Frau an und sagte ihr, dass ich noch heute Abend nach Hause kommen würde. Ich sagte ihr aber nichts von meinem Zustand. Lediglich, dass es mir nicht allzu gut ginge.

Ich hatte jetzt nur noch einen Wunsch: Mein Zuhause zu erreichen. Und nach vielen Stunden mit diversen Unterbrechungen kam ich endlich an. Ich erzählte ihr von meinem Unwohlsein. „Nun wird es aber wirklich Zeit, zum Arzt zu gehen“, war ihre Antwort. So besprachen wir, dass ich gleich am nächsten Morgen zur Untersuchung fahren sollte.

Intensivstation

15. September. Beim Aufstehen begann das Herz plötzlich schneller als bisher gefühlt zu schlagen. Ich bekam Angst und bat meine Frau, mich schnellstens zum Arzt zu fahren. Sie meinte, es sei besser, einen Krankenwagen anzufordern, der mich direkt nach Essen bringen könnte, wo meine Unterlagen von der letzten Untersuchung vorlagen. Sie bestellte telefonisch einen Krankenwagen über die Nummer 112, derweil ich mich hastig anzog. Der Krankenwagen ließ sich jedoch Zeit. Die innere Unruhe, Angst und das schnell schlagende Herz trieben mich auf die Straße. Bald darauf kam der Wagen. Der Fahrer und Begleiter erschienen erstaunt, mich angezogen mit einer hellen Cordjeans und einem mit großen Mustern versehenen Pullover auf der Straße vorzufinden. Da das von mir gewünschte Krankenhaus in Essen, also außerhalb unseres Bezirks lag, beschrieb ich ihnen den schnellsten Weg. Dort angekommen war meine Nervosität so stark, dass ich mich schleunigst auf die Toilette begeben musste, ohne jedoch jemandem Bescheid zu sagen. Ich wurde gesucht, gefunden und auf die Intensivstation gebracht.

Da lag ich nun fast ausgezogen und angeschlossen an einem EKG-Gerät. Um mich herum Ärzte und Schwestern. Ich fühlte mich unwohl in meiner Haut. Die Betten links von mir waren ebenfalls belegt. Es war das erste Mal, dass ich mich auf einer Intensivstation befand. Die Anwesenheit des mir bekannten Internisten beruhigte mich ein wenig. Es wird ja nicht so schlimm werden, dachte ich bei mir. Die Ärzte betrachteten den Monitor, der über mir auf einer Ablagefläche stand. Dann wurde mir ein Medikament gespritzt und ich bekam zusätzlich ein Beruhigungsmittel verabreicht.

„Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wir werden Sie jetzt erst einmal ständig überwachen“, sagte der Chefarzt. Dabei beließ er es zunächst einmal und ich konnte und musste mich mit meiner neuen Situation vertraut machen.

Kurze Zeit später traf meine Frau ein. Zuvor hatte sie die Kinder auf den Schulweg gebracht. Ich bemerkte, dass sie in Sorge war. „Was ist los mit mir?“, fragte ich sie. „Die Ärzte können im Moment noch nichts Eindeutiges sagen“, war ihre Antwort. „Wir müssen abwarten. Ich habe Dir Dein Waschzeug mitgebracht, da Du ja einige Tage zur Kontrolle hierbleiben sollst.“ Wir verabschiedeten uns bald darauf, da der Hund noch ausgeführt und das Mittagessen für die Kinder zubereitet werden musste.

Ich fühlte mich allein. Meine Gedanken fingen an zu kreisen. Eigentlich wollte ich sowieso diese Woche zum „Check-up“ hierher kommen, wie mir ein ansässiger Landarzt am Urlaubsort vor drei Wochen dringend angeraten hatte. Ich hatte ihn auf das ständige Drängen meiner Frau hin aufgesucht, da ich meinen Beschwerden endlich auf den Grund gehen sollte.

Flach zu schlafen, wie es meine Gewohnheit war, konnte ich schon seit längerer Zeit nicht mehr. Jedes Mal kurz vor dem Einschlafen hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Auch war ich während langer Spaziergänge schnell ermüdet und es war mir oft schwindelig. Trotzdem bin ich noch ausgiebig Fahrrad gefahren. Ich hatte den Eindruck, im Trainingsrückstand zu sein und versuchte, diesen durch sportliche Aktivitäten zu beheben. Auch Tennis hatten wir im Urlaub gespielt. Mit 46 Jahren sollte man ja noch fit sein!

Der Landarzt stellte einen unregelmäßigen Herzrhythmus und einen betonten zweiten Herzton sowie ein deutliches Diastolikum mit Maximum über den Erbschen Punkt fest. Auch über der Lunge konnte ein leises Giemen auskultiert werden. Das durchgeführte EKG wies einen AV-Block I Grades auf sowie eine deutliche linksventrikuläre Hypertrophie. Die Lungenfunktionsprüfung bescheinigte eine kombinierte restriktive und obstruktive Ventilationsstörung. Das Lungenvolumen betrug nur 2,8 Liter – so der Befundbericht, der uns Anfang September erreicht hatte.

In den vergangenen vierzehn Tagen hatte ich noch verschiedene Geschäftsreisen mit dem Auto unternommen. Ich erinnerte mich an die Reifenpanne auf der Autobahn, die ich mit Mühen überstanden hatte. Aber auch, dass ich die Abende zu Hause nutzte, regelmäßig eine Runde von knapp fünf Kilometern im nahegelegenen Wald zu wandern. Wenn es dann leicht bergab ging, bin ich sogar gejoggt. Ich kam dann schon sehr schnell außer Atem und das Herz schlug mir bis zum Hals. Selbst das Schwimmen im Freibad ließ mich meinen Herzschlag stärker spüren. Waren wir eingeladen, hatte ich oftmals das Gefühl, nicht mehr in der Runde der Freunde lange stehen zu können. Mir war leicht schwindelig und ich war häufig schweißnass, so dass eine Sitzgelegenheit stets willkommen war.

Zu Hause hatte ich regelmäßig meinen Blutdruck gemessen, wobei mir die große Differenz zwischen dem ersten und zweiten Wert auffiel. Manchmal 180 zu 40 mm/Hg. Vielleicht war es ein sportlich trainiertes Herz, was in mir schlug?