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Landei Regina findet über 50-jährig in dem viel jüngeren Robin den ersten Partner, der wirklich zu ihr passt. Als Erotik- darsteller und bekennender Feminist gesteht er ihr ganz selbstverständlich die gleichen Rechte in ihrer Partnerschaft zu, die er beruflich sowieso beansprucht. Regina zieht um und macht sich daran, ihre lang gehegten Träume zu verwirklichen. Endlich kann sie die Talente entfalten und Phantasien ausleben, die sie schon ihr ganzes Leben begleiten. Wechselnde Liebhaber bringen ihr sexuellen Genuss, während parallel ihre Verbundenheit zu Robin wächst und sie den Himmel auf Erden erleben darf. Ein Buch für alle reifen Frauen, die noch gerne träumen. Mit einem Edukativen Vorspiel von Isabell Buttron. Je verkauftes Buch gehen 0,50 € an eine Frauenhilfsorganisation.
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Seitenzahl: 321
Veröffentlichungsjahr: 2020
Liebe Leserin,
der vorliegende Roman war ursprünglich nur für mich persönlich gedacht. Ich habe mehrere Jahre immer wieder daran geschrieben – einfach, weil es mir Spaß gemacht hat.
Dann machte ich bei einem Gespräch mit einer guten Bekannten den „Fehler“, ihr von meinem Manuskript zu erzählen. Sie hat mich dazu motiviert, es zu veröffentlichen. Das ist der Grund, warum Du diese Geschichte nun lesen kannst.
Mein Text ist so geschrieben, dass sehr viel Platz für die eigene Phantasie bleibt. Im Gegensatz zu anderen Romanen habe ich den Geschlechtsakt selten detailliert ausformuliert. Mir waren die Rahmenhandlung und die zwischenmenschliche Interaktion wichtiger, als das.
Im Hinterkopf hatte ich beim Schreiben erotische Geschichten und Romane, die ich wegen ihrer Abwertung der darin vorkommenden Frauen einfach nur schrecklich finde. Es gibt mehr als genug Romane und Filme, mit deren „Heldinnen“ ich absolut nichts anfangen kann, weil sie sich durchwegs selten dumm benehmen und/oder nicht wissen, was sie wollen. Manches ist vielleicht dem Alter der Protagonistinnen geschuldet. Natürlich wollen im Grunde fast alle Frauen einen starken Mann. Aber ein starker Mann schließt eine ebenfalls starke Frau nicht aus, nicht wahr?
Geschmack ist vollkommen verschieden und soll es auch sein. Was ich mir allerdings bei Romanen aller Genres – vor allem aus der Feder von Frauen – wünsche, ist, dass es mehr Frauen und Männer geben soll, die auf Augenhöhe miteinander agieren. Denn, wenn die Autorinnen unter uns aus persönlichen (und von mir nicht nachvollziehbaren) Gründen den Respekt vor ihrem eigenen Geschlecht vermissen lassen, wie soll dann eine Gesellschaft insgesamt lernen, hochachtungsvoll miteinander umzugehen und ein für Frauen oft lebensgefährliches Patriarchat, das wir leider in vielen Bereichen immer noch zementiert haben, hinter uns zu lassen?
Viel Lust beim Lesen wünsche ich Dir!
Deine Donna BellaVita
Oberbayern, im Oktober 2020
Das Leben ist unser wertvollstes Gut, lasst uns jede Sekunde davon genießen!
Edukatives Vorspiel
Wie es begann
Rückschau
Die Berührung
Das Treffen
Gabriel – der Filmstar
Der beste Orgasmus des Lebens
Der Morgen danach
Die Essenseinladung
Im Wald und am See
Ein flotter Dreier
Die Probeeinstellung
Juni
Das Gehöft
Abschied von der alten Heimat
Reginas Traum
Juli
Ein neuer Lebensabschnitt
Zeit der Eingewöhnung
August
Der Koch
Der Garten
September
Die Tanzveranstaltung
Gerry
Jack
Gregs Ankunft
Oktober
Die schöne Elaine
Gregs Geschichte
Brad
Sicherheiten
Richard und Diane
November
Gregs „Freunde“
Logan & Ethan
Der Festivitätenplan
Dezember
Ein Wintertraum
Hl. Abend
1. Weihnachtsfeiertag
2. Weihnachtsfeiertag
Robins Familie
Der Sex-Marathon
Januar
Youngster Paul
Februar
Griechenland
Die Wette
Maerz
Der Komponist
Ramon
April
Finally – Der Film
Die Stiftung
Jack again
Irland
Mai
Fred
Griechenland 2
Juni
Die Premiere
Juli
Just for Fun
August
Johns innigster Wunsch
Reginas Traum II
September
Robin und Nan
Oktober
Henry
Der Regisseur
November
John
Dezember
Ramon again
Henry
Paul
Schon wieder Weihnachten
Literaturempfehlungen
Vulva und Vagina … Seien wir mal ehrlich, hier fangen die Probleme doch schon an. Erschreckend viele Frauen und mindestens ebensoviele Männer können den Unterschied zwischen Vulva und Vagina nicht erklären. Hier also ist er: Die Vulva, das sind die äusseren Teile der weiblichen Genitalien, die den Venushügel, die Klitoris, und die Vulvalippen (der Begriff „Schamlippen“ gilt als veraltet) umfassen. Die Vagina wiederum, das ist der Tunnel, der ins Innere führt und der beim Geschlechtsakt den Penis des Partners aufnehmen kann.
Die Klitoris liegt weitgehend verborgen und ist deutlich grösser als die meisten Menschen ahnen. Die Schenkel der Klitoris ziehen ins weibliche Becken hinein, während die sogenannten Bulben den Eingang zur Vagina gleichsam umarmen. Auf https://de.wikipedia.org/wiki/Klitoris gibt es eine gute Illustration dazu. Nur die äusserste Spitze der Klitoris ist sichtbar und liegt wie eine kleine Perle verborgen unter einer schützenden Hautfalte. Das ist wichtig, denn mit rund 8.000 sensorischen (= empfindenden) Nervenenden ist die Spitze der Klitoris doppelt so empfindlich wie der Penis des Mannes. Die direkte Berührung kann daher ganz schön schmerzhaft sein. Die Klitoris ist ein bemerkenswertes Organ, denn ihre einzige Aufgabe ist die sexuelle Erregung ihrer Besitzerin.
Umso bedauerlicher ist es, dass die Klitoris noch immer so wenig Beachtung findet. Oder so selten gefunden wird, glaubt man manchen Männern, nach deren Aussage die Klitoris ähnlich schwer aufzuspüren sei wie der Yeti und mindestens so furchteinflössend. Doch im Grunde sind manche Männer wohl einfach nur zu faul und berufen sich auf die gerne gebrauchte Ausrede „Frauen sind halt so kompliziert gebaut.“. Wohlgemerkt, das sagen oftmals dieselben Individuen, die das Innenleben eines CLS 450 4MATIC im Details erklären können.
Also bitte.
Das Vorspiel ist wichtig. Sex ohne Vorspiel läuft für gewöhnlich auf männliche Onanie hinaus, wobei eben zufällig noch eine Frau anwesend ist. Üblicherweise erfolgt nach dem Vorspiel der „Stellungskrieg“, der mitunter interessante Blüten treibt (einige auch in diesem Buch nachzulesen). Erlaubt ist natürlich alles, was beiden Spass macht. Sollte sich die Frau dabei aber langweilen, so ist vielleicht ein Versuch mit der CAT zu empfehlen. CAT steht für „Coital Alignment Technique“, also koitale Ausrichtungstechnik. Dabei wird die Klitoris der Frau stärker stimuliert als bei z. B. der klassischen Missionarsstellung und das Ergebnis scheint, wenn man den Umfragen glauben mag … durchaus befriedigend.
Tipps und Anleitungen findet die geneigte Leserin im Internet.
Viel Vergnügen!
Isabell Buttron
Basel, im September 2020
Regina stand breitbeinig in ihrer Haustüre, die linke Hand in die Hüfte gestemmt und die rechte Hand schützend über die Augen gelegt, da die Sonne schon recht tief stand. Mit Staunen und Stolz in den Augen ließ sie ihren Blick über ihr Anwesen schweifen. Noch immer konnte sie es nicht glauben. Ehrfürchtig dankte sie den Mächten, die ihr geholfen hatten, dies alles zu ihrem Eigentum – und sie zu einer rundum zufriedenen Frau – zu machen.
Sie war glücklich, wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Ihre Haltung erzählte davon, dass sie hier zu Hause war und tief im Boden verwurzelt. Dabei hatte sie über 50 Jahre ganz woanders und auch unter anderen Umständen gelebt und war erst später hierhergezogen.
Liebe hatte es nicht gegeben in ihrem vorherigen Leben. Freunde und Zuneigung, das ja – und sogar gut verteilt auf mehrere Länder, aber Liebe und somit einen festen Partner, auf den sie sich auch verlassen konnte, das hatte Regina nie kennengelernt.
Wenn sie in den letzten Jahren einen attraktiven Mann sah, dann meistens mal in einem Film oder in einer Zeitung. Sie konnte sich noch an die letzten zwei wirklich attraktiven Kerle erinnern, die sie kennengelernt hatte. Der erste sollte am nächsten Tag heiraten und der andere war bereits verheiratet. Regina machte grundsätzlich keine Männer an, die bereits in festen Händen waren. Das eine oder andere Mal hatte sie ein (eher unbefriedigendes) Intermezzo mit hübschen, jungen Herren, die sie weder gut kannte, noch besonders mochte.
Wie sehr hatte sie sich immer eine eigene Familie gewünscht! Doch diesem Wunsch hatte sie schon vor Jahren traurig ade gesagt. Nein, eine alte Mutter wollte sie nicht sein – und auch nicht mit einem Mann, an dem ihr nichts lag. Dann besser gar keine Kinder. Außerdem hatte das Single-Leben durchaus auch sehr angenehme Seiten. Sie hatte sich damit im Laufe der Jahre bestens arrangiert und war nicht unzufrieden. Es war nicht viel, was ihr fehlte, nur hin und wieder tiefere Gefühle.
Von Zeit zu Zeit hatte Regina Lotto gespielt. Meist nur um den Mindesteinsatz. Das Schicksal meinte es am Ende gut mit ihr. Zuerst war Regina so von den Socken, dass sie es gar nicht glauben konnte. Sie hatte tatsächlich gewonnen! Es waren einige Millionen. Und somit war sie im Besitz einer großen Menge Geld, worüber sie frei verfügen konnte. Das erste Mal in ihrem Leben brauchte sie beim Einkaufen nicht zu rechnen, hatte keine Geldsorgen und war frei zu tun, was sie wirklich wollte.
Man sagte immer „Geld macht nicht glücklich“. Aber das stimmte so nicht. Regina war sehr wohl auf ihre Art glücklich. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte sie ein gutes Gefühl, ein Gefühl der Freiheit, wenn sie an Geld dachte. Nicht mehr diese Beklemmung, die über viele Jahre hinweg immerzu an ihrer Seite gewesen war. Das war für sie eine riesige Erleichterung. Und dieses Glück strahlte sie auch aus.
Obwohl neben ihrer besten Freundin und ihren Eltern (sie hatten auch einen guten Teil erhalten) noch kaum jemand von ihrem Gewinn ahnte, war sie schnell mehrmals gefragt worden, ob sie denn verliebt sein. Anders konnten sich die Leute ihre neue Ausstrahlung nicht erklären.
Regina fuhr immer noch ihr bisheriges Auto und wohnte immer noch in der gleichen Wohnung, in einem Haus mit schönem Ausblick und den netten Nachbarn. Außerdem arbeitete sie noch freiberuflich. Sie half bei Event- und Marketingagenturen aus, wenn diese einen Engpass hatten. Aber sie nahm nur noch Aufträge an, die sie auch gerne bearbeitete. Es war ja nicht so, dass sie nicht arbeiten wollte. Sie hatte nur zu lange zu viele Dinge für zu wenig Geld getan, die sie gar nicht machen wollte – unter Vorgesetzten, die immer noch dem Mythos Meritokratie1 aufsaßen. Das konnte sie immer weniger tolerieren.
Ihre neue finanzielle Freiheit gab ihr ein sehr gutes Gefühl. Sie fühlte sich pudelwohl und genoss es sehr, hier und dort ein unerwartetes Geschenk zu machen oder einmal ein besonders gutes Trinkgeld zu geben, wenn sie eine Dienstleistung sehr schätzte. Dass sie damit auch andere Menschen an ihrem eigenen Glück teilhaben ließ, machte sie selbst noch glücklicher.
Bisher war es eine ganz normale Woche gewesen. Gerade hatte Regina einen lukrativen Auftrag erhalten, der ihr ein paar Monate ein sehr gutes Einkommen bescheren sollte.
Sie setzte sich beschwingt an den Computer und arbeitete den ganzen Vormittag konzentriert. Am selben Tag sollte sie noch eine Begegnung haben, die ihrem Leben nochmals eine völlig andere Richtung gab.
Am frühen Nachmittag startete Regina zu einem Supermarkt, um ihre Vorräte aufzufüllen und frisches Obst und Gemüse zu besorgen. Denn der Kühlschrank war üblicherweise nur mit haltbaren Lebensmitteln wie Bier, Sekt, Butter und Sahne bestückt. Da sie eigentlich nie sagen konnte, wann sie das nächste Mal zu Hause essen bzw. sich etwas kochen würde, hatte sich Regina angewöhnt, nur kurzfristig einzukaufen.
Sie konnte sich nachher nicht mehr genau erinnern, vor welchem Regal es passierte. Ein Mann stand dort, mit dem Rücken zu ihr. Sie beachtete ihn nicht besonders, obwohl ihr auffiel, dass er einen wohlgeformten Körper hatte – groß, schlank und mit einem offensichtlich muskulösen Oberkörper. Und er hatte volles, schwarzes Haar, das seinen Kopf in halblangen Wellen umrahmte. Regina wünschte sich auch immer Locken oder Wellen, welche sicher einfacher zu handhaben wären, als ihre glatten und feinen Haare. In dem Augenblick, in dem sie, wie üblich schnellen Schrittes, hinter dem Mann vorbeigehen wollte, trat er zurück – und ihr auf die Zehen. Um nicht zu fallen, klammerte sie sich instinktiv an ihm fest, während ihr ein Wehlaut entglitt.
In dem Moment versteifte sich der Körper des Mannes, er trat vor und Regina in die andere Richtung, so schnell sie konnte. Ihre Hände ließen ihn frei, als hätte sie sich verbrannt. Verwirrt starrte sie ihn an. Und er sie genauso. Er war ein atemberaubend schöner Mann. Vermutlich einige Jahre jünger als sie selbst und offensichtlich ein Tourist, denn er entschuldigte sich nach den ersten Schrecksekunden wortreich in Englisch bei ihr, bevor er zur deutschen Sprache wechselte.
Noch immer starrte Regina ihn an. Dieser Mann war sozusagen der Traum ihrer jahrelangen schlaflosen Nächte und stand hier, ihm Supermarkt einer bayerischen Provinzstadt, plötzlich vor ihr. Seit vielen Jahren hatte sie bei der flüchtigen Berührung, um ihr Gleichgewicht zu halten, zum ersten Mal wieder einen Schwarm Schmetterlinge im Bauch gefühlt.
Oder war es überhaupt das erste Mal? Sie konnte es nicht sagen. Regina taxierte den schönen Mann und musste dann schmunzeln. Er war bestimmt mindestens zehn Jahre jünger als sie selbst und sah wirklich zum Anbeißen aus. Gerne hätte sie ihn sofort in ihre Wohnung bzw. ins nächste Bett geschleppt, als sie ihn von oben bis unten musterte, bevor sich ihr Blick wieder zu seinen schönen schwarzen Augen hocharbeitete.
Hallo? Solche Gedanken habe ich doch noch nie gehabt! Wie komme ich dazu, mir einen real existierenden Mann im Bett zu wünschen? Da gefriert ja erst ein Vulkan, bevor mir so was passiert – dachte ich zumindest immer.
Er ließ seinerseits die Frau, die für seinen Geschmack recht hübsch aussah – und das auch ohne Maskenbildner –, mit ihren rötlich-brünetten Haaren und grünlichen Augen, nicht aus den Augen. Sie war nicht groß, schlank, ohne dünn zu wirken, und hatte sanfte Rundungen an den richtigen Stellen. Er konnte das beurteilen. Wer sonst, wenn nicht er! Nein, sie war keine explizite Schönheit, aber ihre Berührung hatte in ihm etwas ausgelöst, was er verloren geglaubt hatte und ihre Ausstrahlung zog ihn magnetisch zu ihr hin.
So was passiert doch mir nicht! So einen toll aussehenden Mann habe ich überhaupt noch nie live gesehen! Regina unterdrückte den Wunsch, laut zu lachen.
Plötzlich veränderte sich ihr Gesichtsausdruck von überrumpelt und verwirrt zu schelmisch grinsend. Ihre Augen glänzten warm und sie schien sich zu amüsieren. Ob über sich selbst oder ihn, das war ihm nicht klar. Doch nun wurde sie ihm noch sympathischer und er dachte wieder an die erste Reaktion seines Körpers bei ihrem Zusammenstoß, deren Fehlen ihm die letzten Monate beinahe zu einem psychischen Wrack gemacht hatte.
Er hatte tatsächlich eine Erektion. Und was für eine! Sie schmerzte richtig. Er war überwältigt von der völlig unerwarteten Empfindung.
Sie musste es bemerkt haben. Oder doch nicht? Die Jeans saßen ziemlich eng. Egal. Er war in diesem Moment so glücklich, dass er, ohne nachzudenken, auf sie zustrebte und diese fremde Frau in seine Arme zog, mit einer Hand an ihrem knackigen Po, um sie ganz nah an sein Geschlecht zu drücken. Diese Aktion entlockte ihm ein Stöhnen und er dachte sofort an die vielen verschiedenen Stellungen, die ihm jetzt Vergnügen bereiten würden.
Seine andere Hand zog ihren Zopf nach hinten, so dass sie gezwungen war, ihm ihre Lippen zu bieten. Er küsste sie hart und hungrig und schob sofort seine Zunge in ihren Mund. Und sie reagierte im gleichen Augenblick instinktiv auf ihn – genauso hungrig wie er. Eine Hand wühlte sich in sein Haar und die andere hielt seine Pobacke.
Noch nie habe ich so heftig auf einen Mann reagiert. Und noch nie zuvor habe ich auch nur ansatzweise einen Kuss genossen. ...Trotzdem – spinnt der? Wer meint er eigentlich, wer er ist?
Nach mehreren Sekunden, in denen beiden die Hitze in den Kopf gestiegen war, bekam Regina ihre Arme soweit in ihre Gewalt, dass sie ihn von sich schieben und ihm eine saftige Ohrfeige geben konnte. Wie eine Walküre stand sie daraufhin vor ihm: Mit leicht gespreizten Beinen und den Händen in den Hüften. Dazu ein Ausdruck im Gesicht, der offensichtlich zwischen Überraschung und Ärger schwankte.
„Was soll das! Unverschämter Kerl!“
Er sah sie erst leicht irritiert an, als ob er aus einem Traum erwache, und fiel dann vor der Frau auf die Knie, die ihm kräftemäßig sicher nicht viel entgegensetzen konnte, da sie so viel kleiner war als er. „Ich entschuldige mich vielmals für meinen stürmischen Übergriff. Wenn ich Sie damit bedrängt oder beleidigt habe, tut es mir leid. Ich wünschte mir allerdings die Chance, Ihnen den Grund meiner Reaktion zu erklären. Bitte nehmen Sie meine Entschuldigung und eine Einladung zu einem Abendessen an.“
Sie musterte ihn nun nochmals sehr genau. Ihr gefiel ausnehmend gut, was sie sah. Welche Frau konnte schon von sich sagen, einen Gott vor sich knien zu haben, der sie nur Sekunden vorher geküsst hatte, als würde er sie alleine – und sonst keine andere – wollen? Einen Moment lang überlegte sie. Dann dachte sie daran, wie daneben diese skurrile Situation gerade war und konnte sich das Lachen kaum mehr verkneifen.
„Na gut.“ Sie gluckste, während sie ihm winkte, wieder aufzustehen. „Ich muss zugeben, sie haben meine Neugierde geweckt, weshalb ich Ihre Entschuldigung erst mal akzeptiere und die Einladung zu einem Abendessen annehme. Wann und wo?“
„Passt Ihnen um 19:00 Uhr im Grand Hotel? Und darf ich Ihnen meinen Freund und Chauffeur schicken?“
Sie schmunzelte. „Ort und Uhrzeit passen. Nein danke, für den Chauffeur kenne ich Sie nicht gut genug. Ich traue im Allgemeinen keinen Fremden. Und schon gar nicht solchen, die sich zu sexuellen Übergriffen in Supermärkten hinreißen lassen, um sich daraufhin vor mir auf die Knie fallen zu lassen, als wollten sie mir einen Heiratsantrag machen.“ Dabei funkelten ihre Augen belustigt und sie hatte nun sichtlich Mühe, ein Auflachen zu unterdrücken.
Nun war es an ihm, erleichtert zu grinsen. „Danke. Ich warte in der Lobby auf Sie.“ Er nahm ihre rechte Hand und führte sie an zärtlich an seine Lippen. Dann tat er etwas Unerwartetes. Er ging nochmals in die Knie und legte sich ihre Hand auf den Kopf, wie um ihr zu sagen, er sei ihr Diener und füge sich ihrer Gewalt. Eine Geste, die sie nur aus Ritterromanen kannte.
Völlig perplex entzog sie ihm ihre Hand schnell, wandte sich halb um, zögerte, sah ihm nochmals wie prüfend in die Augen. „Na dann, bis später.“
Er sah ihr nach und bemerkte den federnden, weit ausgreifenden Schritt und diesen toll geformten Arsch, der sich so wunderbar fest angefühlt hatte.
Als er seine Einkäufe abgeschlossen hatte, ging er beschwingt auf den Parkplatz, auf dem sein bester Freund in ihrem Leihwagen wartete und stieg ins Auto.
„Was ist los?“ fragte der Freund sofort.
„Ich hatte gerade einen Steifen.“
Der andere riss ungläubig die Augen auf. „WAS?“
„Du hast richtig gehört, Julien. Ja, ich hatte gerade eine phänomenale Erektion. Bin mit einer Göttin zusammengestoßen. Es war wie ein Stromschlag. Sofort hatte ich einen Mordssteifen! Dabei hatte ich sie in dem Moment noch nicht mal gesehen.“
Julien sah seinen Freund mit glänzenden Augen an. „Gott sei’s gedankt, meine Gebete wurden erhört! Was ist mit der Frau? Wer ist sie?“
„Wir haben uns nicht vorgestellt. Aber sie kommt zum Abendessen ins Hotel. Ich hoffe es zumindest sehr!“
„Wie ist sie?“
„Hübsch ist sie, vermutlich ein paar Jahre älter als ich. Sie hat rötliche Haare und sprechende Augen, und eine Figur mit Rundungen, die genau in meine Hände passen. Außerdem riecht sie sehr gut, ohne parfümiert zu sein. In meiner Euphorie habe ich sie geküsst und sie hat wunderbar geschmeckt. Ich glaube, sie hat diesen Stromschlag auch gespürt, weil sie erst auf meinen Kuss ganz heiß reagiert hat, bevor sie mir eine runtergehauen hat. Das lässt mich sehr hoffen.“
Julien lachte, als er sich die Situation vorstellte. „Dann hoffe ich mit dir. Und wenn du sie nur einmal ins Bett bekommen würdest, wäre dir und deinem inzwischen ganz schön angeknacksten Selbstbewusstsein schon sehr geholfen. Ich bete für dich, mein Freund.“ Fröhlich pfeifend legte Julien den Gang ein und sie machten sich auf den Rückweg zum Hotel.
Regina fuhr währenddessen aufgewühlt wie noch nie zu ihrer Wohnung. Ein Abendessen in einem sündhaft teuren Hotel! Dort, wo Prominenz aus der ganzen Welt abstieg! Was sollte sie nur anziehen? Zum Glück hatte dieser Frühling schon sommerliche Temperaturen und sie konnte ein hübsches Kleid tragen. Dazu hatte sie sogar passende Schuhe. Sie rasierte noch ihre Beine und stutzte ihren Intimbereich und fühlte sich dann wunderbar und voller Vorfreude
Blöde Kuh – als wenn du schon jemals nach so einer Essenseinladung mit einem Mann ins Bett gestiegen wärst. Der will sich doch nur entschuldigen, um sein Gesicht zu wahren. Dieser Gott ist nicht scharf auf dich, Regina! Dem bist du doch viel zu alt und sicher auch nicht attraktiv genug. Der kann sich doch die schönsten Frauen reihenweise aussuchen. Aber der Kuss, ... so hingebungsvoll wurde ich noch nie geküsst. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich mehr als scharf auf ihn. Das ist der erste Mann, den ich wirklich im Bett haben möchte!
Also zog sie einen hübschen BH und ein passendes Höschen an. Dann machte sie sich eine fesche Frisur, legte noch dezent Schminke auf und fuhr pünktlich los. Das Hotel lag gute 10 km von ihrer Wohnung entfernt. Sie jagte ihr altes Auto die enge Straße zu dem erhöht thronenden Hotel hinauf.
Zwei Minuten vor der Zeit betrat Regina die Lobby. Sofort standen zwei Männer auf, die in einer Ecke zwei Sessel belegt hatten und kamen auf sie zu. In dem einen Mann erkannte sie wieder diesen „Gott“ vom Supermarkt. Auch der zweite Mann sah ausnehmend gut aus und war ihr auf den ersten Blick sympathisch mit seinem netten Lächeln. Beide hatten Abendanzüge an und sahen darin einfach klasse aus.
Als sie sich gegenüber standen, ergriff der Mann, mit dem Regina zusammengestoßen war, ihre rechte Hand, beugte sich über sie und küsste diese in formvollendeter Art und Weise. Von unten sah er in ihre Augen und sie meinte, in seinen eine Frage lesen zu können. Dann sagte er in seiner angenehm tiefen Stimme „Bitte entschuldigen Sie, dass ich mich erst jetzt vorstelle. Können wir das Gespräch auf Englisch führen?“ Sie nickte und schaute noch interessierter drein.
„Mein Name ist Gabriel Morton – für Sie natürlich Gabe. Und das ist mein bester Freund und Reisegefährte Julien Forbes.“
Regina stellte sich ihrerseits den Männern vor. Juliens Händedruck war kräftig und warm.
„Ich war ehrlich gespannt auf die Frau, die auf meinen Freund Gabe so einen Eindruck machen kann. Und ich bin angenehm überrascht. Sie sehen umwerfend natürlich aus.“ Julien schmunzelte.
„Danke, ich höre gerne Komplimente – wenn sie ernst gemeint sind.“
„Ich meine es genau so, wie ich es sagte.“
„Ich schlage vor, wir nehmen einen Aperitif an der Bar zu uns, bevor uns Julien wieder verlässt.“ Das war eine klare Ansage von Gabe.
Sollte ich da vielleicht einen Anflug von Eifersucht gehört haben? Aber nein, so etwas passiert keiner Frau wie mir, die viel zu selten in ihrem Leben wirklich als weibliches Wesen wahrgenommen wurde. Oder wenn doch, von Menschen, die mir nichts bedeuteten.
Die drei plauderten zuerst über Allgemeinplätze. Regina erfuhr, dass ihre Gesprächspartner aus Kanada kamen. Gabe erzählte, er wäre Schauspieler und Julien Kameramann. Sie würden oft bei Produktionen zusammenarbeiten.
Julien erzählte begeistert von seiner Arbeit. „Ich liebe es, die Gesichter zu filmen, die Mimik der Darsteller. Den Fokus auf die Augen zu legen ist spannend. Manche Augen sagen alles über die Gefühlsregung des Menschen aus. Sie haben auch wunderschöne Augen. Nicht so gleichmäßig, wie die der meisten Menschen. Augen mit Charakter.
Ich muss sagen, dass ich enormes Glück mit meinem Arbeitgeber habe. Die Regisseure sind verpflichtet, mir in manchen Einstellungen freie Hand zu geben. Mit deren grob umrissenen Anweisungen und meiner gestalterischen Freiheit werden die Filme meist wirklich super. Aber auch Kameramänner brauchen Zeit zum Ausspannen.
Gabe hat in der letzten Zeit sowieso zu viel von sich verlangt und hatte einfach mal Urlaub nötig. Da wir seit Jahren freundschaftlich verbunden sind, habe ich eine Reise gebucht in diese ruhige Gegend mit schöner Natur.“
Nun schaltete sich Gabe ein. „Außerdem bin ich ein wenig auf Spurensuche. Meine Großeltern mütterlicherseits kommen ursprünglich aus dieser Gegend. Meine Geschwister und ich sind daher zweisprachig aufgewachsen.“
„Ach, deshalb die guten Deutschkenntnisse. Wie lange seid ihr schon hier? Was habt ihr schon gesehen und erlebt?“
„Wir sind jetzt fünf Tage hier und werden noch weitere sechs Tage bleiben. Natürlich waren wir schon in der Stadt bummeln und haben in einer Therme geplanscht und das eine oder andere Highlight besichtigt. Einen wundervollen Spaziergang haben wir auch schon gemacht. Und ein klassisches Konzert im Konzerthaus in der Stadt haben wir auch besucht.“
Nach weiteren 20 Minuten, in denen das Gespräch angenehm dahinplätscherte, verabschiedete sich Julien charmant von Regina und ging von dannen. Regina glaubte, ein gewispertes „Good Luck“ von Julien zu hören, als sich die beiden Männer kurz umarmten.
Gabe führte seine Begleiterin formvollendet in einen kleinen Privatsalon, in dem nur ein Tisch für zwei Personen eingedeckt war. Die Einrichtung war erlesen und sofort standen zwei Kellner zur Verfügung.
Als sie ihre Bestellung aufgegeben hatten und die Kellner sich entfernten, kam Gabe zur Sache. Diesmal wählte er die deutsche Sprache. „Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken. Das wäre nicht fair dir gegenüber. Daher werde ich dir genau erzählen, was mich hierher gebracht hat und was unser Aufeinandertreffen heute im Supermarkt mit der ganzen Sache zu tun hat.
Ich bitte dich nur, dir meine Geschichte bis zum Ende anzuhören und diese Einladung einfach zu genießen, auch wenn dir vielleicht nicht gefällt, was du zu hören bekommst. Denn ich wünsche mir, dass der Abend für dich angenehm ist, weil ich dir sehr dankbar bin.“
Regina zog eine Augenbraue in die Höhe und nickte dann.
„Ich bin Schauspieler. Das ist richtig. Und ich bin im Ausland auch sehr bekannt in meinem Genre. Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Ich bin eher Erotik- als Pornodarsteller, auch wenn manches von uns wohl unter den Begriff Pornografie fallen würde. Unsere Filme haben hohen ästhetischen Wert – und auch einen sinnvollen Inhalt. Also Erotik mit Tiefgang.“
Er brach ab und beobachtete Reginas Reaktion. Sie hob nur ein weiteres Mal leicht eine Augenbraue und sah ihn einfach interessiert an. Ihm fiel ein Stein vom Herzen und er bemerkte, dass er die Luft angehalten hatte.
„Sprich weiter“, forderte sie ihn auf.
Diese Filme muss ich sehen, dachte sie. Klar, dass so ein Typ seinen göttlichen Körper der Allgemeinheit nicht verwehren kann.
„Danke für deine Coolness. Die macht es mir leicht, dir meine Geschichte zu erzählen. Da ich dir vertraue, wird sie etwas länger. Aber wir haben Zeit.
Ich bin in ziemlich einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Meine zwei Geschwister und ich waren dennoch glückliche Kinder einer alleinerziehenden Mutter. Unser Vater war weg, als meine kleine Schwester vier Jahre alt war. Mom hat als Chefsekretärin in einem Konzern gearbeitet und konnte uns ein gutes, wenn auch kein reiches Leben ermöglichen. Mein älterer Bruder hat studiert und ist inzwischen ein erfolgreicher Anwalt. Er ist ein sehr kluger Kopf und ein Ass in seinem Beruf.
Als er mitten im Studium war und ich noch auf der Schauspielschule, hatte unsere Mutter einen nicht verschuldeten Unfall. Sie konnte längere Zeit nicht mehr arbeiten gehen. Nun mussten unser aller Leben und unsere Ausbildungen aber finanziert werden. Und wir haben auch noch eine jüngere Schwester, die den Traum hatte, Tierärztin zu werden.
Schon als Kind zeigte Bridget enormes Geschick, mit Tieren aller Art umzugehen. Und bald sollte sie auf die Universität. Sebastien hatte viel zu lernen und wollte seinen Abschluss so schnell wie möglich machen. Er jobbte natürlich, aber das reichte gerade mal, um sein Studium und etwa die Hälfte der Lebenshaltungskosten für ihn selbst zu bezahlen. Ich jobbte auch, konnte damit aber auch gerade mal etwas mehr als meine Studiengebühren decken.“
Gabe brach seine Erzählung ab, weil die Getränke kamen. Regina winkte beim Wein ab, obwohl ihr Gastgeber anbot, entweder Julien oder ein Taxi zu schicken, um sie wieder heim zu bringen. Dann sprach er weiter.
„Als ich eines Abends von der Schauspielschule auf dem Heimweg war, wurde ich von einem älteren Herrn angesprochen. Er hatte die Ausstrahlung eines Lords und faszinierte mich. Daher ging ich mit ihm in ein nobles Restaurant gleich um die Ecke. Als wir Platz genommen hatten und der Ober uns alleine gelassen hatte, kam er zur Sache.
,Sie kennen mich nicht.‘, sagte er zu mir. ,Aber ich kenne Sie und ich weiß, dass Sie Geldsorgen haben. Ich habe einen äußerst gut bezahlten Job für Sie. Ich erzähle Ihnen alles darüber und Sie überlegen sich gut, ob Sie es machen wollen, bevor Sie mich anrufen.‘ Dabei überreichte er mir feierlich eine Visitenkarte.
Er erklärte, er wäre Produzent für Erotik- und Pornostreifen und immer auf der Suche nach neuen Darstellern.
,Mit Ihrem Aussehen und ihrem Können, das sie hinlänglich bewiesen haben in Ihrem Kurs, können Sie ein Star werden und das große Geld verdienen. Sie müssen sich allerdings wohl fühlen bei dem, was sie tun, sonst bringt es nichts. Bei uns läuft das in der Erotiklinie so, dass der Zuschauer zwar nicht zu viele Details sieht, aber die Penetration wird in vielen Fällen durchaus original durchgeführt wie bei den Pornos – allerdings mit Schutz. Anders bekommen wir keine solch wundervollen Gesichtsausdrücke und die Intimität kommt auch nicht richtig rüber. Kommen Sie uns einfach mal bei einer Aufnahme besuchen und entscheiden Sie dann. Wir können auch gerne eine Probeaufnahme mit Ihnen machen. Es gibt immer Damen, die sich gerne auf neue Männer einlassen.
Ach ja, falls sie sich positiv entscheiden und nicht überall erkannt werden wollen, dann lege ich Ihnen nahe, sich gleich eine gut passende Perücke zu besorgen. Und zwar noch vor dem ersten Kontakt mit dem Team.‘
Na ja, ich überlegte ungefähr eine Woche lang hin und her. Ich wägte ab: Ich vögelte damals gerne und oft mit hübschen Frauen. Dazu musste ich – wie die meisten Männer wohl – keine innige Beziehung zu ihnen haben. Es macht mir Spaß, Frauen zu verwöhnen und zum Höhepunkt zu bringen. Jeder weibliche Orgasmus ist für mich ein persönlicher Sieg. Aber ich hatte auch Bedenken um den Ruf meiner Familie. Und ich war mich unsicher, ob ich es vor einer Kamera treiben könnte.
Also sprach ich mit meinem Bruder Sebastien, zu dem ich eine enge Verbindung habe. Im ersten Moment stand er der Sache ablehnend gegenüber. Doch dann überließ er mir die Entscheidung. Mit drei Vorgaben: Sollte ich mich für den Job entscheiden, müsste ich ihn den Vertrag prüfen lassen, für die Aufnahmen meine Haare anders tragen und von Anfang an ein Pseudonym verwenden – auch am Set sollte niemand meinen richtigen Namen wissen.
Die Neugierde brachte mich dann doch noch auf das Set. Alle Anwesenden redeten auf mich ein. Die Frauen bezirzten mich und auch die Männer redeten mir gut zu. ,Mit so einem Körper und Aussehen ist man eigentlich fast schon verpflichtet, Pornos zu drehen.‘, meinten ein paar damals. Alle waren natürlich darauf erpicht, gut zu verkaufen und Starstatus zu erhalten.
Nur wenige Tage später – nach einem Gesundheitstest – wurden Probeaufnahmen gemacht. Erst mal nur mit einem hübschen Mädchen, das sich freiwillig meldete, dem alten Herrn im Hintergrund und Julien hinter der Kamera. Ich fühlte mich gut dabei, war gar nicht gehemmt. Die Aufnahmen wurden gut und von diesem ersten Tag an entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft mit Julien. Denn in seiner Gegenwart kann ich völlig entspannt sein.
Wenn ich ehrlich bin, war er es, der mir die Scheu genommen hat. Seit dem Tag bin ich Gabriel Morton. Der alte Herr war mit meinen Vorgaben einverstanden und hat bisher auch dicht gehalten. Denn vom ersten Tag an hatte ich immer eine braune Gelfrisur und farbige Kontaktlinsen bei den Drehs. Beides verfremdet mich so gut, dass mich noch nie jemand auf meinen Job angesprochen hat, wenn ich privat unterwegs bin. Du bist nun eine der Wenigen, die mein richtiges Aussehen kennen und mein Pseudonym.“
Inzwischen hatten Regina und Gabe schon die Vorspeise gegessen und widmeten sich nun der Hauptspeise.
„Ich habe weiter die Schauspielschule besucht und bin zusätzlich zu den Aufnahmen zu verschiedenen Filmen dabei gewesen. Ich hatte Spaß mit zahlreichen wunderschönen Frauen, manchmal nur mit einer und manchmal mit mehreren gleichzeitig. Hier und dort sind auch mehrere Jungs dabei. Ich habe alles Mögliche ausprobiert und kenne vermutlich ziemlich alle Sextechniken. Allerdings überwiegend vor der Kamera. Die meisten Frauen, die ich in meiner Freizeit traf, bekamen es mit der Angst zu tun, als sie von meinem Beruf hörten. Ich kann und will in dieser Sache einfach nicht lügen.
Etwa drei Jahre nach dem ersten Dreh kam der Durchbruch mit einem Film, in dem ich die Hauptrolle spielte. Und seither bin ich wirklich berühmt und das Geld sprudelt nur so. Sebastien ist inzwischen ein spitzenmäßiger Anwalt geworden und unsere Schwester Bridget steht im Moment kurz davor, eine eigene Praxis als Tierärztin zu übernehmen. Mutter kann wieder arbeiten und alles ist klasse gelaufen.
Oder, alles sollte eigentlich so sein. Aber vor ein paar Monaten bekam ich Depressionen. Ich musste nämlich feststellen, dass zwar Frauen mich umschwärmen wie Motten das Licht, aber nur wegen Sex und/oder Geld. Meist handelt es sich dabei sogar um verdammt gut aussehende Frauen. Aber diese können oder möchten teilweise gar kein intellektuelles Gespräch mit mir bestreiten und sind oft unheimlich egoistisch oder sogar grausam.
Doch Sex ist in meinem Leben nicht mehr ganz so wichtig wie früher und Geld als Anker einer Partnerschaft ist noch weniger erstrebenswert. Ich möchte mich mit einer Partnerin auch unterhalten können, einfach das Leben mit ihr genießen.
Das ist mit diesen ausgesuchten Schönheiten ziemlich schwierig. Sie wollen ständig hören, wie toll sie aussehen und brauchen einen gutaussehenden Mann an ihrer Seite, den sie herzeigen können und der möglichst auch noch nach ihrer Pfeife tanzt. Ja, und sie gehen immer nur shoppen, als ob es keine anderen Beschäftigungen gäbe. Und ich war im Schlepptau von diesen Damen auf unzähligen unglaublich langweiligen Partys mit Menschen, die ich nicht als meine Freunde betrachten würde.
Ich sehne mich nach dem Gefühl, dass eine Frau gerne mit mir zusammen ist, weil ich in ihren Augen eine liebenswerte Person und nicht, weil ich ein toller Hengst und ein Sexobjekt mit Geldbonus bin. Ich brauche nicht nur körperliche Nähe sondern auch eine geistige und seelische.
Versteh mich richtig: Sex ist immer noch ein sehr wichtiger Punkt, aber hier strebe ich inzwischen die innerliche wie auch äußerliche Verschmelzung mit meiner Partnerin an. Die Depression ging soweit, dass ich eines Tages – und das war zum Glück ein rein privates Erlebnis – keine Erektion mehr bekam. Ich bekam die letzten Wochen meinen Schwanz einfach nicht mehr hoch, egal, was ich anstellte.“
Gabe wurde leicht rot. Regina fiel das auf und in dem Moment flog ihm ihr Herz zu. Er war also gar nicht so abgebrüht, sondern sehr menschlich. Sie mochte ihn wirklich, stellte sie fest. Aus einem Impuls heraus nahm sie seine rechte Hand in ihre und drückte sie kurz, bevor sie ihn wieder entließ und von Gabe ein warmes Lächeln geschenkt bekam.
„An dem Abend konnte ich es zum Glück auf den Alkohol schieben und schauspielerte dementsprechend. Da ich die Dame trotzdem befriedigen konnte, hatte der Zwischenfall kein Nachspiel.
Die Ärzte sagten, es wäre nichts und ich wäre vollkommen gesund. Mein Problem wäre vermutlich psychischer Natur. Kann ja sein, aber wie sollte die Situation wieder normal werden? Ich mag meinen Job und ich bin ein Mann, der Sex auch als wichtig empfindet.
Die Aufnahmen für den neuesten Film wurden vor fast zwei Monaten abgebrochen und ich habe täglich alles Mögliche angestellt, um wieder einen hochzukriegen. Aber erfolglos. Und da kommen wir zu unserem Zusammentreffen heute im Supermarkt.
In dem Moment, als deine Hände mich berührten und ich deine Brüste an meinem Rücken spürte, bekam ich eine ultraharte Erektion. Dabei hatte ich dich noch nicht einmal gesehen. Es war wie ein Stromschlag, der durch mich ging.
Und das ist der Grund, warum ich dir so dankbar bin: Ich weiß jetzt, dass in meinem Schwanz noch Leben ist und kein körperlicher Defekt vorliegen kann. Jetzt muss es allerdings wieder vor der Kamera klappen.“
Regina sah ihn an und ließ die Luft aus, die sie angehalten hatte. „Wow! Das ist also das Geheimnis deiner überschwänglichen Reaktion. Ich konnte mir nicht vorstellen, was für ein Ereignis eine solche Aktion mit Kuss und Kniefall hervorrufen könnte.“
Gabe griff nach ihren Händen. Er streichelte sie leicht mit seinen Daumen und sofort wurde ihre Atmung schwer. „Danke, dass du nicht mit Ekel reagierst, wie so viele nette Frauen, sobald sie wissen, was ich tue.“
Sie musste sich konzentrieren auf seine Worte. „Warum sollte ich? Hast du schon Menschen umgebracht oder mutwillig anderweitig ins Unglück gestürzt?“ Er schüttelte lächelnd den Kopf.
„Dann gibt es keinen Grund für Ekel oder Abscheu.“
„Der einzige Grund, der unter Umständen Ekel hervorrufen könnte, ist bei unserer Filmfirma unter strenger Kontrolle. Wir verwenden immer Präservative bei den Drehs und haben wöchentliche Tests beim Arzt. Sobald einer der Schauspieler privat ein Verhältnis hat, muss der Partner sich auch untersuchen lassen. Und daher kann sich unsere Firma auch rühmen, zum Beispiel noch niemanden an AIDS verloren zu haben.“
Die Nachspeise kam. Danach entschuldigte sich Regina und verließ Gabe für ein paar Minuten. In ihrem Kopf rasten die Gedanken. Seit Jahren hatte sie so etwas nicht mehr gespürt. Sie stand vor dem großen Spiegel in der Damentoilette und betrachtete sich.
Regina, du siehst heute wirklich verdammt gut aus. Solche Gefühle hattest du schon lange nicht mehr. Ach was, du hast so was noch nie gespürt. Du warst weder jemals richtig verliebt, noch hat dich ein Mann auch nur ansatzweise so angemacht wie dieses leckere Exemplar. Von sexueller Befriedigung wollen wir da noch gar nicht reden. Gib zu, dass du dir nichts sehnlicher wünschst, als mit ihm im Bett zu landen!
Als Regina wieder klare Gedanken fassen konnte, ging sie zurück zum Tisch. Gabriel hielt ihren Blick fest. „Ich weiß kaum, wie ich es sagen soll. Als du wieder durch die Türe tratst – ich habe auch jetzt eine Wahnsinns-Erektion. Ich kenne nur drei Möglichkeiten, damit umzugehen: Entweder, erstens: du siehst zu, dass du ganz schnell Land gewinnst; zweitens: wir verschwinden gemeinsam flott in meiner Suite oder drittens: ich stürze mich gleich hier auf dich.“
Er wurde leicht rot im Gesicht „Entschuldige, aber nach so langer Zeit erzwungener Enthaltsamkeit bin ich anscheinend jetzt wirklich notgeil.“ Er grinste schief.
Reginas Gedanken wirbelten durcheinander. Einem Mann, den man wirklich anziehend fand, sollte man nie beim ersten Treffen nachgeben, hieß es immer.
Dadurch habe ich mir schon viel entgehen lassen, dachte sie. Ich will jetzt meinen Traum leben, sonst gehen nochmals 20 Jahre ins Land und ich bin tatsächlich eine alte Frau. Und ich wollte schon immer einen bartlosen Mann, der jünger ist, mit toller Figur und auch sonst allen Attributen eines Traummannes. Und bei Gabe passt zum ersten Mal alles zusammen. Er hat nicht nur die äußeren Attribute, sondern ist auch ein interessanter und intelligenter Mann. Dieser Mann hat eine Anziehungskraft auf mich wie kaum ein anderer. Ich kann ihm nicht widerstehen. Und ich will es auch nicht! Was hält mich also von einem One-Night-Stand zurück? Schließlich bin ich Single und er praktischerweise auch. Außerdem verschwindet er in ein paar Tagen sowieso aus diesem Erdteil.
Also sah sie ihm tief in die Augen. „Dein Zimmer – und nur mit Schutz. Ich hoffe, du hast was.“, sagte sie und stand auf. „Aber ich muss dich warnen: Trotz meines Alters mangelt es mir an sexueller Erfahrung. Vor allem an positiver.“
