2,99 €
Eine klirrend kalte und verschneite Winternacht, Whiskey und das stupide TV-Programm. Eigentlich kann diese Idylle der Ruhe nichts erschüttern. Außer das Chaos klopft plötzlich in Form von zwei hübschen Damen an deine Tür.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2020
„Kennst Du den Witz mit den Bullen?“
„Nein, noch nicht!“
„Also, Vater Bulle und Sohn Bulle stehen auf einem Hügel und sehen in der Ferne eine Herde Kühe grasen..
..da sagt Babybulle:
»Hey Paps, lass´ uns runter rennen und eine von den Kühen bumsen!«
..darauf Papabulle:
»Nein mein Sohn! Wir gehen jetzt langsam da runter ..und bumsen sie alle!«“
-Robert Duvall (Officer Bob Hodges)
Jedes Mal, wenn ich mir ein weiteres Glas eingoss, nahm ich mir auf´s Neue vor, die Whiskey Karaffe so ab zu stellen, dass es nicht klang, als versuchte ihr schwerer Körper den Glastisch gleich zu durchschlagen. Es gelang mir zwar jedes Mal weniger, aber glücklicherweise ging es mir auch von Glas zu Glas weiter am Arsch vorbei.
Es war seit vielen Stunden schon stockdunkel draußen und es hörte einfach nicht auf zu schneien. Ich hasste den Winter. Es lief gerade irgendeine Doku im History Channel über frühzeitige Folterinstrumente und in den Werbepausen spielten irgendwelche „Hausfrauen in deiner Nachbarschaft“ an ihren Hängetitten. So eine eklig hohe Stimme, die diese enorm nervige Nullneunhunderter Nummer im Hintergrund in einer Endlosschleife herunterrasselt, kann einen wirklich fertig machen. Ich schaltete die Sender durch und blieb bei einer Wiederholung von TV-Total hängen. Super.
Entweder es wehte ein mittelstarker Wind durch meine Bude oder die halbe Flasche Jack Daniels zeigte schon ihre Wirkung, als ich aufstand, um meine Blase zu entleeren. Warum war das Licht in meinem Badezimmer gerade eigentlich geschätzt zwanzig Mal heller als sonst? Mit der linken Hand stützte ich mich an der Duschkabine ab, mit der rechten manövrierte ich den Feuerwehrschlauch ungefähr in Richtung Kloschüssel. Wird schon gut gehen.
Ich rückte meine Shorts wieder zurecht und wusch mir die Hände. Egal in welchem Zustand ich mich je befand, das Signal, welches mein Hirn an meinen Körper sendete, dass ich mir jedes Mal die Hände waschen musste nachdem ich irgendetwas berührt hatte klang nie ab. Ich hätte sie sogar abgetrocknet, aber hier und vor allem in diesem Zustand ein Handtuch zu finden, war dann doch nicht so einfach.
Noch während ich meine Hände schüttelte, um sie Luft zu trocknen ..oder was auch immer, klingelte es an meiner Haustür. Zwei Mal. Genauso wie Cops klingeln, wenn sie mir mal wieder wegen irgendeiner Scheiße auf die Nüsse gehen wollten. Ich lief erst mal an der Wohnungstür vorbei, ins Schlafzimmer, stellte mich auf mein Bett und sah aus dem Fenster. Um von hier aus, dem obersten Stock eines Mehrfamilienhauses die Haupteingangstür überhaupt sehen zu können, müsste ich mich weit aus dem Fenster lehnen. Da ich aber Angst hatte, dass das in meinem derzeitigen Zustand vielleicht das letzte sein könnte was ich in diesem Leben tue, beließ ich es dabei, nach Spuren im Schnee zu suchen. Als ich die Reifenspuren eines Autos, welches zu meinem Haus gefahren sein musste, erkannte, war schon mal klar, dass das Klingeln keine Halluzination war. Ich wohnte in einer Sackgasse, demnach hinterließ ein Fahrzeug beim hierher fahren eine und beim Wegfahren eine weitere Spur. Eigentlich.
Nachdem ich das Fenster öffnete, hörte ich jetzt sogar den laufenden Motor eines Autos. Unfassbar, wie kalt es draußen war. Wieder klingelte es an der Haustür. Selbst vom Bett aus konnte ich am Türspion erkennen, dass im Hausflur kein Licht brannte. Die Eindringlinge standen also noch nicht direkt vor meiner Wohnungstür, sondern noch immer unten. Als ich vom Bett sprang und wankend zum Stehen kam, hörte ich hinter mir das Motorengeräusch lauter werden. Wieder erklomm ich das Bett. Ich konnte in dem Schneegestöber zwar nicht erkennen, zu welcher Automarke die davonfahrenden Rückleuchten passen könnten, aber das war auch vollkommen egal, denn das gelb leuchtende Schild auf dem Dach war ziemlich eindeutig. Wenn das Taxischild leuchtete, hieß das, dass das Taxi noch besetzt oder leer war? Stand jetzt noch jemand unten oder nicht? Verdammter Alkohol! Verdammte Paranoia!
Schon wieder klingelte es. Jetzt länger und energischer. Aber wenn Cops nicht neuerdings in Taxen unterwegs waren, war ich ja schon mal auf der sicheren Seite, dass hier jetzt nichts Außerplanmäßiges passieren würde. Selbst nüchtern hätte ich mir aber nicht ausmalen können, wie sehr ich mich doch irren sollte.
„Hallo!?“
rief ich entschlossen durch die Freisprechanlage.
„Es ist kalt, kannst du uns bitte die Tür auf machen?“
erwiderte eine mir unbekannte Frauenstimme.
„Wem uns? Wer seid ihr?“
gab ich als Antwort zurück.
Sie sagte, dass sie Karin hieße und ihre Freundin Heidi dabeihätte.
Ehrlich gesagt sagten mir beide Namen nichts. Wobei, nicht ganz. Meine fette Tante hieß Heidi, aber wenn diese Gestalt jetzt vor der Tür stehen würde, würde ich sie wohl mit einer Mistgabel vertreiben müssen.
Erneut erklang die Stimme von einer der beiden und riss mich aus meinem Tanten-Kopfkino. Etwas energischer bat sie mich erneut, den Summer für die Türöffnung zu drücken.
