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Dieses Buch erzählt die Geschichte von zwei befreundeten Familien. In deren Ehen kriselt es schon seit längerem. Frank und Marie finden sich auf Anhieb sehr sympathisch und sind nach zwei Jahren gepflegter, nachbarschaftlicher Freundschaft bereit auszubrechen und sich auf eine Sommeraffäre einzulassen. Pure Lust und knallharte Erotik fesseln die beiden aneinander. Plötzlich passiert das scheinbar Unmögliche. Das, womit sie nicht gerechnet haben, sind die Gefühle zueinander. Die ihnen schnell klarmachen, dass sie auf das gemeinsam erlebte nicht mehr verzichten wollen. Sie begeben sich auf einen Weg, auf dem es kein Zurück mehr gibt. Nun stellt sich nur noch die Frage, wie sie sich von den Fesseln der Ehepartner befreien können, denn diese ahnen von der heimlichen Affäre und schnüren die Ketten immer enger. Jeder Betrogene auf seine Weise. Werden Frank und Marie es schaffen, die Ketten zu sprengen ...
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Seitenzahl: 712
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Mittwoch, 10 Juli 1996
Gartenparty, 11. Mai 1996
Zurück zum 10. Juli 1996
Donnerstag der 11.07.1996
Freitag der 12. Juli 1996
Samstag der 13. Juli 1996
2. Kapitel: Montag der 15. Juli 1996
Dienstag der 16.07.1996
Mittwoch der 17. Juli 1996
Freitag der 19. Juli 1996
Samstag der 20. Juli 1996
Montag der 22 Juli 1996
3. Kapitel: Mittwoch der 24. Juli 1996
Es war ein schöner Sommermorgen, alles wirkte so friedlich und still. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen, blauen Himmel, Morgentau benetzte die Wiese, die Blumen waren noch leicht geschlossen von der Nacht, das Thermometer zeigte bereits zweiundzwanzig Grad.
Marie stand am geöffneten Wohnzimmerfenster, fuhr sich mit ihren Händen durchs Haar und atmete tief die frische Morgenluft ein und wie fast immer in letzter Zeit umspielte ein Lächeln ihren Mund.
In diesem Sommer erschienen ihr die Blumen bunter, die Wiesen grüner, die Sonne strahlender und...ja, das Leben auf dieser Erde um ein Vielfaches verlockender.
In diesem Sommer erlebte, spürte und bewunderte sie das erste Mal staunend ihre eigene Lebendigkeit. Der Grund hieß Frank und sie waren sehr verliebt ineinander. Es war keine unbeschwerte Situation, nein das sicherlich nicht! Denn Frank war ihr ebenfalls verheirateter Nachbar mit ebenfalls zwei Kindern. Das Besondere für sie war, dass auch er eine große Neugierde auf das Leben spürte und voller Ideen und Träume steckte. Begonnen hatte es ganz harmlos vor anderthalb Jahren. Zwei junge Frauen oder besser zwei junge Nachbarinnen, in fast demselben Alter, lernten sich durch ihre gemeinsam spielenden Kinder kennen. So kam es immer mal wieder zu einem kleinen Nachbarschaftsplausch. Irgendwann tranken sie einen Kaffee miteinander im Garten während die Kinder spielten. Es fanden die ersten gemeinsamen Kinderspielplatzbesuche statt und nach einiger Zeit wurden auch die Ehemänner mit einbezogen, es wurde gemeinsam gegrillt oder es fand ein Spieleabend statt. Später waren sie als Familien gemeinsam verreist und sie teilten sich mittlerweile den großen Garten, hinter dem Haus. Marie lächelte, dort stand ihre Gartenlaube, mit der Regentonne an der Seite, ein Stück Wiese schloss sich an, auf ihr stand eine kleine Birke und im Schatten dieser kleinen Birke standen Schaukel und Sandkasten. Pflastersteine bildeten den Weg vom seitlichen Gartentor bis zur Terrasse des Gartenhauses und hier begann die riesengroße Wiese. Hier stand zurzeit ein großes, aufblasbares Schwimmbecken für alle vier Kinder, wobei auch Marie ständig mit dabei war, sie liebte dieses riesige Schwimmbassin. Es verteilten sich zudem einige Wäschepfähle über die hintere Wiesenfläche mit gespannten Wäscheleinen. In der rechten Ecke, ganz hinten in ihrem Garten, stand eine etwa drei Meter hohe, noch recht junge Trauerweide. Sie war das Geheimversteck von Torben, Maries vier jährigem Sohn und Stefanie, der fünf jährigen Tochter von Eve.
Der Garten von Frank und Eve schloss sich nahtlos an den ihren an oder umgekehrt, wie man es eben sehen wollte. Eve und Frank hatten eine riesige alte, sehr knorrige Eiche im vorderen Teil ihres Gartens stehen. Unter dieser Eiche hatten sie sich eine Terrasse mit kleinen Pflastersteinen angelegt. Über die Eve ständig schimpfte, denn die Eiche, die zwar herrlichen Schatten spendete warf eben auch ständig Blätter, Samen, sowie kleines Geäst ab und es war eine unglaubliche Arbeit alles aus den einzelnen Fugen hinaus zu fegen.
Heute Morgen wirkte es wirklich noch sehr harmonisch im Garten, und doch …, der Schein trog, es war nichts mehr harmonisch, im Gegenteil, das Miteinander wurde immer angespannter und schwieriger.
Das Verliebtsein von Frank und Marie, es war nicht geplant. Die Gefühle wuchsen langsam, aus Sympathie wurde so etwas wie Freundschaft und hieraus erwuchs dieser Wunsch nach Zweisamkeit und dann nach Zärtlichkeit.
„Frank“, immer wenn Marie an ihn dachte verfing sie sich in Tagträumereien.
Er war so ganz anders als ihr langjähriger Ehemann, Michael. Frank interessierte sich wirklich für sie und zeigte es ihr auch indem er ihr zuhörte, sie ernst nahm, er gab ihr das Gefühl etwas ganz Besonderes zu sein.
Und vor allem sah er sie mit einem so liebevollen, begehrlichen Blick an. Dieser Blick zeigte ihr ganz deutlich und unmissverständlich, „Marie, du bist eine wunderbare, begehrenswerte Frau und für mich etwas ganz Besonderes!“
Wenn sie wie jetzt an diesem Blick dachte, rieselte ihr ein angenehmer, warmer Schauer durch den Körper.
Sie räusperte sich, es soll ein Sommerflirt sein. Nur für diesen einen Sommer wollen wir aus unserer jahrelangen Routine ausbrechen. Daran musste sie sich immer wieder erinnern. Denn in diesem Punkt sind wir uns völlig einig. Wir wissen beide, dass es ein Spiel mit dem Feuer ist. Es ist jenes Spiel, das schon tausende Jahre alt ist und trotz seines Alters, für die Menschheit nichts an Reiz verloren hat. Jaja ein Spiel mit dem Feuer, dabei fing es doch ganz harmlos an, oder?
Karnevalssonntag
Eve und Marie überlegten lange als was sie sich verkleiden könnten. Viele Ideen kamen auf den Tisch und wurden dann doch wieder verworfen und letztendlich entschieden sie sich, gemeinsam als Katze dem Karneval zu begegnen.
Der Tag lag damals wie ein Traum vor ihr, es war ein klarer sonniger Tag mit diesem vielversprechenden Hauch von Frühling in der Luft. Die Atmosphäre im Wohnzimmer und Badezimmer von Marie und Michael wurde beherrscht von guter Laune oder vielleicht sogar mit einer Prise Übermut und einer Menge Unternehmungslust. Alleine das Schminken wurde zu einer Party für die beiden Frauen. Das Makeup war sehr schrill und wirkte gleichzeitig sehr sexy. Eve trug sich goldgrünen Lidschatten auf, er hob das Grün ihrer Augen hervor, dazu benutzte sie schwarzen Eyeliner sowie schwarzen Mascara. Eve hatte schöne geschwungene dunkle Augenbrauen und lange dichte Wimpern. Auf ihren schmalen, jedoch schön geformten Lippen trug sie dunkelroten Lippenstift auf. Die vollen, schulterlangen, dunkelbraunen Haare hatte sie sich wild und lockig frisiert. Anschließend steckte sie sich einen schwarzen Haarreifen mit Katzenohren ins Haar. Eve hatte ein sehr rundes Gesicht, was eindeutig an ihrem starken Übergewicht lag. Sie verstand es aber ganz gut, diesen Umstand so gut es ging mit Hilfe von Wangenrouge und Kleidung zu kaschieren.
Marie benutzte damals goldbraunen Lidschatten, ihre Augen waren Dunkelgrün und es tanzten unzählige bernsteinfarbene Sprenkel in ihnen. Diese Sprengel ließen ihre Augen, je nach Lichteinfall, fast wie glänzende Topase erscheinen. Sie tuschte ihre Wimpern dunkelbraun und nahm auch dunkelbraunen Eyeliner. Ihre vollen Lippen waren schön geschwungen, sie benutze ihren Lippenkorrekturstift, der einen satten rotbraunen Ton hatte und füllte ihre Lippen mit natürlich glänzender Lippenpflege aus. Marie hatte feines dunkelrotes, schulterlanges Haar mit leichten Naturlocken. Sie frisierte es sich ebenfalls wild lockig, anschließend befestigte auch sie den Haarreif mit den Katzenohren in ihrem Haar.
Ihre hohen Wangenknochen unterstrich sie nur leicht mit einem Hauch von rotbraunem Rouge in ihrem ovalen Gesicht. Den Höhepunkt der Schminkparty bildeten mehrere Dosen bunter und goldener Glimmerspray, den sie sich gegenseitig beim Tanzen aufsprühten. Ihre Garderobe war identisch und bestand aus einer schwarzen, taillierten Satinbluse. Schwarze Leggins und darüber einen kurzen schwarzen Rock. Dazu trugen sie beide schwarze, hohe Stiefel ohne Absatz und schwarze Blazer, an denen sie sich den Katzenschwanz befestigt hatten.
Sie lachten viel währenddessen, waren albern, hörten Musik von Marianne Rosenberg und Wolfgang Petry und sangen mit. Ihre Männer legten nicht so viel Wert auf ihre eigene Kostümierung. Sie waren mit Cowboyhut und Jeanshemd sowie Blue Jeans völlig zufrieden. Natürlich bekam jeder der beiden einen schmatzenden Kuss von Eve und Marie auf ihre Wangen. So fuhren sie gut gelaunt los um bei dem Vater von Maries Freundin, Katrin, weiter zu feiern. Michael parkte den Wagen im Hof, wo Katrins Vater wohnte. Dort begann auch der Karnevalszug.
Also Marie war wirklich in richtiger Partystimmung und sang, „Nun geht die Party richtig los…“ hakte sich bei Eve unter und lachte. Hier war seit Jahren der Treffpunkt für Freunde von Katrin und deren zwei jüngeren Geschwister. Viele kannten sich mittlerweile, durch diesen alljährlichen Einstieg in den Karnevalszug. Andere Gesichter waren wiederum vollkommen neu dabei, was jedoch niemanden hinderte ausgelassen zu sein. Denn eine Gemeinsamkeit teilten sie alle. Sie feierten gerne die fünfte Jahreszeit und genossen den dazugehörigen Umzug. Katrins Vater freute sich jedes Jahr auf dieses Spektakel. Er war Jahr um Jahr aufs Neue gut vorbereitet, er ließ laute Karnevalsmusik laufen, der Sekt und das Bier standen kalt und es gab immer Unmengen von gezuckerten Krapfen. So feierte dort die ganze Gruppe noch gute zwei Stunden. Sie sangen, scherzten und tanzten ausgelassen. Dann zogen sie alle gemeinsam gut gelaunt los in Richtung Karnevalszug.
Marie und Frank plapperten den ganzen Weg miteinander, über was, daran konnte Marie sich nicht mehr erinnern. Was sie aber noch wusste war, dass sie Bauchschmerzen vom Lachen hatte. Auch auf dem Zug hatte sie viel Spaß mit Frank. Sie fingen eine Menge Bonbons und Lackritze, Frank fing ihr sogar einen kleinen Plüschfisch.
„Der Stofffisch passt ganz hervorragend zu dir.“
Marie sah ihn fragend an, „Ich sehe dir unglaublich gerne zu“ fuhr er in schmeichelnden Ton fort, „wenn du mit den Kindern im Plantschbecken spielst. Ich sehe dir dabei an, dass du mindestens so viel Spaß hast wie die Kinder.
Du wirkst dabei auf mich völlig losgelöst und ich bekomme diese verrückte Phantasie von der kleinen Meerjungfrau, die für ihren Traumprinzen das Meer verlässt.“ Marie lachte.
„Dann kennst du also diese Geschichte?“ fragte Frank zwinkernd, lächelnd.
„Ja, ich kenne diese Geschichte, sie hat aber kein klassisches Happy End, oder?“
„Das weiß ich jetzt nicht so genau. Mir gefällt einfach nur unglaublich gut die Vorstellung, dass Du für mich aus dem Meer steigst.“ er kam ihr näher und fügte leise hinzu, „Du bist dann meine kleine Seejungfrau.“
Dies war ein kleiner Moment, indem es um sie beide herum ruhiger wurde.
„Danke.“ Sie sah ihn an, er strich über ihr Haar und schob ihr eine widerspenstige Strähne hinters Ohr und sagte, „gerne, ich freue mich schon sehr auf den kommenden Sommer. Und vor allem darauf, dich wieder mit den Kindern im Wasser spielen zu sehen. Ich werde im kommenden Sommer ein extra großes Schwimmbecken aufstellen lassen, was meinst du dazu?“ Er lächelte sie an und sie fand dieses Lächeln sehr sexy.
„Und, wirst du dann am Abend auch hinzukommen?“ fragte sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag.
„Klar. Wir beide in einem Schwimmbecken, stelle ich mir schon… interessant vor“ entgegnete er.
„Vielleicht sollte das Becken dann doch lieber nicht so groß sein?“ Sie ließ ihn nicht aus dem Blick, sie sah wie seine Augen dunkler wurden und sie musste unwillkürlich schlucken.
Katrin unterbrach diesen knisternden Moment, in dem sie Marie eine Flasche Sekt in die Hand drückte.
„Ihr seht aus als hättet ihr nichts mehr zu trinken.“ rief sie noch und schon war sie wieder verschwunden.
Marie und Frank lachten, er entkorkte die Flasche mit einem lauten Knall. Sie genossen es gemeinsam aus einer Flasche zu trinken. „Hiervon bekommt sonst aber keiner was, das ist nur unser Sekt, verstanden?“ befahl Frank augenzwinkernd und Marie nickte ihm verschwörerisch zu. Als der Spielmannszug vorüber kam tanzten und sangen sie ausgelassen zu dem Lied: „Da steht ein Pferd auf den Flur“.
Der Umzug ging leider, für den Geschmack der beiden, viel zu schnell vorüber. Sie wären gerne noch mit den anderen durch die Kneipen gezogen aber Eve hatte dazu keine Lust mehr, sie wollte nach Hause.
Auf dem Weg zum Auto, hörte Marie wie Eve, Frank anfuhr, sie machte ihm Vorwürfe wegen dem Plüschfisch. Sie fand es unpassend, dass er Marie den kleinen Plüschfisch geschenkt hatte. Stefanie oder Pascal hätten sich sicherlich auch sehr darüber gefreut. Marie dachte im ersten Moment daran, Eve den Fisch zugeben. Doch dann besann sie sich eines anderen. Es war ihr Fisch, ihr erstes Geschenk von Frank. Und das war für sie schon was Besonderes. Michael wollte damals auch sofort nach dem Zug nach Hause, er wollte das Auto nicht stehen lassen. Die Alternative dazu wäre gewesen, nichts Alkoholisches zu trinken. Davon wollte er aber wiederum auch nichts hören. So trugen sie ihre aufgefangene Kamelle, Lakritze und ein Plüschfisch zum Auto.
Marie hielt ihren Plüschfisch fest in der Hand und strich ihm immer wieder mit ihren Daumen über den Kopf. Sie fragte sich, wie sich wohl Franks volles, etwas zu langes, goldblondes Haar anfühlte. Sie war sehr ruhig auf dem Weg nach Hause. Michael parkte, zu Hause angekommen, schlechtgelaunt den Wagen.
Marie hatte bemerkt, dass er sie die ganze Zeit über durch den Rückspiegel beobachtet hatte. Sie hatte auch gespürt das seine Laune immer schlechter wurde. Er hatte gesehen wie Frank ihr den Plüschfisch gab und auch der kurze Wortwechsel, der beiden, war ihm nicht entgangen. Das hatte er Ihr durch einen sehr unfreundlichen Blick deutlich gezeigt. Das war ihr an diesem Tag jedoch völlig egal, sie wollte sich amüsieren. Er sprudelte fast über vor Wut als Helga, eine andere Nachbarin, schwungvoll die Fahrertüre aufriss und ihm „Helau“ direkt ins Ohr brüllte.
„Mensch Helga, schrei mir doch nicht so ins Ohr. Sind denn hier alle verrückt geworden.“ Schimpfte er.
„Ach komm Michael, wir feiern bei uns weiter.“ Erwiderte sie völlig unbeirrt. So stieg Michael aus dem Wagen aus und sah Marie mit einem Blick an, der nichts Gutes verhieß. Doch Marie war nicht bereit sich auf dieses Spiel einzulassen. Er wollte unverzüglich nach Hause, genau das signalisierte er ihr. Sollte er doch gehen, sie lächelte ihn kurz an, hob die Schultern und drehte sich dann gut gelaunt zu Helga und Manfred um, die gerne mit ihnen weiter feiern wollten. Da die Kinder der vier bei den jeweiligen Großeltern waren, stand dem auch, ihrer Meinung nach nichts im Wege.
„So jung kommen wir niemals mehr zusammen, Helau“ rief Marie und nahm einen Schluck aus der zweiten Flasche Sekt, die sie von Katrins Ehemann Jürgen mitgenommen hatte. Auch diese teilte sie sich auf verschwörerische Weise nur mit Frank. Missmutig folgte Michael der kleinen Gruppe, Marie wusste, dass er lieber schmollend in seiner Stammkneipe abgetaucht wäre. Es war auch klar, dass das noch ein Nachspiel haben würde. Wahrscheinlich würde er wieder einmal tagelang nicht mit ihr reden. Doch auch das war ihr im Moment völlig schnuppe. Manfred der gerne wieder rein zu den andern wollte, drehte sich zu Michael und Eve um und rief “Nun kommt schon, lasst uns feiern“
Im Haus lief laute Karnevalsmusik, die Stimmung war sehr ausgelassen. Es herrschte ein wirklich sehr buntes Treiben. Genau in diesem ausgelassenen Getümmel tanzten Marie und Frank das erste Mal miteinander.
Marie stand damals neben ihrem äußerst schlecht gelaunten Ehemann und überlegte gerade, ob sie mit ihm gemeinsam zu Eve ans kalte Buffet gehen sollte. Da kam Frank wie aus dem nichts auf sie zu und rief fröhlich, „Hey Marie, komm tanze mit mir“
Er warf Michael lachend einen kurzen, fragenden Blick zu. Wartete jedoch keinerlei Reaktion ab, nahm sie sehr selbstsicher in seine Arme und führte sie federleicht zu einem langen und schwungvollen Medley von Wolfgang Petry durch das Wohnzimmer.
„Frank…, oh Frank…“ lachte Marie, mehr bekam sie nicht raus, sie war innerhalb weniger Minuten völlig außer Atem.
„Ja“ fragte er scheinheilig und ruhig zurück. Er spürte, dass sie nicht mehr konnte, er selbst ging regelmäßig joggen und verfügte somit über eine gute Kondition.
„Ich kann nicht mehr, ich habe schon Seitenstiche“ lachte sie.
„Keine Kondition, was?“ neckte er. „Doch“, sie lachte ausgelassen, „nur dieses Lied scheint kein Ende zu haben.“
„Das wäre sehr schön, denn das würde wiederum bedeuten, dich den Rest des Tages und den ganzen Abend fest in meinen Armen halten zu dürfen.“ Seine Stimme hatte sich verändert sie war sehr leise und rau geworden, er sah Marie tief in die Augen. Sie bekam weiche Knie und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, er raubte ihr den Atem und somit die Worte. Sie sah ihn mit großen Augen an und ließ sich führen. Er tanzte sehr gut, sein Körper schien den ihren regelrecht zu umwerben.
Er hob ihr Kinn an und fesselte sie mit seinem Blick, „Marie“ hauchte er.
Sie spürte seine warmen festen Finger noch immer unter ihrem Kinn. „Du bist wunderbar. Ich möchte dich jetzt so gerne küssen“ flüsterte er, „doch leider werden wir die ganze Zeit über beobachtet.“
Er wirbelte sie noch einmal herum und nahm sie dann lachend wieder in den Arm.
Marie fühlte sich leicht schwindelig ob vom Sekt oder vom Tanz, sie sah ihn an, „Deine Augen Frank, sie sehen aus wie zwei tiefe, klare Bergseen im Sonnenschein, unglaublich schön“ sagte sie leise. Sie hatte weiche Knie und ein sehr warmes Gefühl in der Bauchgegend. Sein Blick veränderte sich, er wirkte auf einmal sehr ernst. „Danke, Marie“ seine Stimme hörte sich dunkel und verführerisch an. Bevor Marie etwas erwidern konnte, wechselte die Musik und es ertönte der Song von Michael Jackson “Heal the World“. Frank nahm Marie fest in den Arm. Er führte sie federleicht zu dem langsamen Rhythmus. Sie spürte jeden Millimeter seines Körpers an ihrem. „Frank“ flüsterte sie leise in sein Ohr. „Hm …Du riechst verdammt verführerisch.“ Marie streifte mit ihrer Nasenspitze leicht an seinem Hals entlang.
„Marie“ stöhnte er leise drohend. Sie hatte mit dieser federleichten, fast unschuldigen Berührung einen gewaltigen Schauer auf seiner gesamten Haut ausgelöst und dieser Schauer schien sich direkt in wohlig, warmen Wellen in seinen Lenden zu zentrieren. Sie erregte ihn. Sie erregte ihn unglaublich.
„Ich mag Dein Parfum unheimlich gerne. Ich rieche es oft, wenn ich zur Arbeit gehe und Du vor mir durch das Treppenhaus gegangen bist. Dann ist die Luft noch ganz erfüllt von Deinem herrlichen Duft. Und eigentlich denke ich jeden Morgen, ich möchte mehr von ihrem Duft. Ich möchte mehr von Dir!“ „Es ist absolut betörend, mit dir zu tanzen. Du bist eine unglaubliche Frau.“ Flüsterte er heiser.
„Frank, wir spielen mit dem Feuer“ erwiderte sie leise. Sie schielte zu Michael hinüber, sein Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Völlig unbeeindruckt von ihrer Warnung fuhr Frank fort. Er legte wieder eine Pause ein, strich mit seinen Lippen an ihrem Ohr vorbei und hauchte „Jetzt möchte ich dich küssen, solange küssen bis wir wunde Lippen haben.“
Bevor sie etwas sagen konnte, fuhr er fort, „Ich weiß, dass wir mit dem Feuer spielen. Aber tun wir das nicht schon seit dem ersten Augenblick, in dem wir uns sahen?“
„Oh, das hört sich sehr gut an, das mit dem Küssen… Vorsicht Frank, wir werden beobachtet.“ flüsterte sie.
„Ich finde dich unglaublich und das schon seitdem ich dich das erste Mal sah.“ Erwiderte er ohne auf ihren letzten Satz einzugehen. Sie schluckte und sah ihn mit fiebrig glänzenden Augen an.
„Ja, wir spielen schon lange mit dem Feuer.“ Sagte sie sehr leise und legte den Kopf auf seine Schulter. Sie genossen das Gefühl, dass sie beide durchströmte. Sie lösten sich mit dem Ende des Liedes beide nur ungerne voneinander. Sie sah ihn an, seine Augen waren mindestens um zwei Nuancen dunkler geworden.
„Frank, sieh mich nicht so an, Deine Augen sind unglaublich. Jetzt sehen sie aus, wie zwei Bergseen bei Nacht, ganz dunkel blau. Du bist gefährlich für mich, sehr gefährlich. Ich möchte gerne mehr von dir! Von dir Alleine! Jetzt!“ sie sah ihn ruhig an.
Was sage ich da? Bin ich denn jetzt ganz verrückt geworden? Ich bin verheiratet und Mutter von zwei wunderbaren Kindern. Und dennoch, es gibt auch mich, nur mich, Marie. Und ich habe eine unglaubliche Sehnsucht nach mehr, von ihm, und zwar genau jetzt! Einmal leichtsinnig sein, ein einziges Mal nicht nachdenken, sondern nur fühlen und danach handeln! Ohne jede Vernunft! Jetzt!
„Marie“ antwortete er, „Du kommst mir wie eine Droge vor. Die mich vom ersten Moment gereizt hat, ich mich jedoch gerade erst jetzt traue sie zu kosten. Und nun möchte ich unbedingt mehr. Marie ich möchte dich, für mich ganz alleine. Komm“ raunte er ihr leise ins Ohr nahm ihre Hand und zog sie mit sich.
„Wir gehen mal nachsehen wo Birgit und Tobias stecken. Vielleicht möchten sie ja auch rüberkommen! Wir sind gleich wieder hier!“ rief Frank, Michael im Vorbeigehen zu.
Als sie draußen vor der Tür standen, sah er sie an und konnte sich kaum noch beherrschen. Alles in ihm brannte vor Verlangen nach ihr. Es war ein so starkes körperliches Verlangen wie er es nie zuvor erlebt hatte. Sie liefen über die Straße direkt auf ihr Haus zu, an den Garagen vorbei, um dann auf den Hof zu kommen. Schnell liefen sie in ihren Garten und schon standen sie ohne Worte vor der Gartenlaube. Sie schloss schnell auf, sie huschten hinein und sie schloss von innen ab. Nun standen sie sich in der kleinen Laube gegenüber. Durch das kleine Seitenfenster fiel das Licht der Dämmerung und tauchte alles in ein unwirklich erscheinendes blauwei-ßes Licht. Sie sah ihn schwer atmend an.
„Das wollte ich schon vom ersten Augenblick tun.“ Brummte er heiser. Seine Augen waren ganz dunkel als er sich langsam ihrem Mund näherte.
Seine Lippen fühlten sich warm und trocken an, langsam öffnete seine Zunge ihre Lippen und umschmeichelte die ihre.
Ihr entwich ein leises Stöhnen. Er zog Marie fester an sich. Sie schmiegte sich ganz nah an ihn heran. Frank fuhr gierig mit seinen Händen über ihren Körper. Es war geballte Leidenschaft, ihre Zungen tanzten einen wilden Tanz. Alles verschwand um sie beide herum.
Er presste sie an die Wand, stöhnend öffnete er blitzschnell die Knöpfe ihrer Bluse. Sie hingegen riss mit einem Ruck die Druckknöpfe seines Jeanshemdes auf.
Ihre Hände rasten über seine nackte, straffe, behaarte und warme Brust.
Er spürte ein unglaubliches Ziehen in seinen Lenden.
Seine Hände glitten zu ihren Brüsten hinauf. Er spürte ihre Brustwarze, die sich ihm durch ihren BH gierig entgegen reckten. War es der Alkohol? War er ausgehungert nach Sex? War es Ihre Leidenschaft, die auf ihn übergesprungen war? Was auch immer, es war der reine Wahnsinn. Er löste kurz seine Lippen von ihrem
Mund und murmelte, „Marie, oh Marie“
Sie fuhr mit ihrer Zungenspitze über seine wohlgeformten Lippen. Dann glitt sie mit ihrer Zungenspitze über seinen Kehlkopf und ein Stückchen tiefer. Er warf den Kopf nach hinten. Es war unglaublich. Langsam glitten sie beide zu Boden. Er glaubte jeden Moment zu explodieren.
„Oh Marie, was machst du mit mir?“ raunte er, „ich brauche dich. Jetzt!“
„Du fühlst dich durch deine Jeans sehr heiß an.“ flüsterte sie heiser.
„Ich bin heiß. Oh Marie ich glaube ich war noch nie so heiß.“ „Frank“ hauchte sie.
Er schob ihren Rock hoch und zog ihr schnell die Leggins und ihr Höschen runter.
Sie hielt die Luft an. Sie spürte wie feucht ihr Lustzentrum inzwischen war. Er selbst öffnete sich blitzschnell die Jeans und befreite sich von ihr.
Sie warf ihren Kopf zurück und stöhnte auf.
„Frank, bitte. Ich …“
„Jetzt? Bitte sag was, Marie.“ „Ja“ hauchte sie „Jetzt bitte!“ Wie erotisch und schön sie aussah.
Der hoch geschobene Rock, die geöffnete Bluse, dieser sexy Hauch aus Spitze, unter dem sich ganz deutlich ihre Brustwarzen abzeichnete und ihre leicht geöffneten Lippen, glänzten leicht und waren vom Küssen rot und geschwollen, ihre Wangen hatten eine leicht rosa Färbung und ihre Augen sahen aus wie flüssige Jade.
Er hatte das Gefühl, dass ihm fast das Herz stehen blieb.
Sie spürte seine heiße Erektion zwischen Ihren Beinen. Sie wollte ihn. „Ja, oh ja!“ haucht sie. Sie konnte es nicht mehr erwarten.
Als er in sie eindrang schlang sie ihre langen Beine feste um seinen Po und sie fielen sofort in einen gemeinsamen, herrlichen, süßen Rhythmus.
„Marie,“ rief er aus. Es war unglaublich, er bäumte sich auf und drang noch tiefer in sie hinein, er spürte wie es aus seiner Tiefe hinaufschoss und heiß in sie hineinfloss.
Sie zog ihn noch einmal feste in sich hinein, bäumte sich ihm noch weiter entgegen und zersprang Augenblicklich in tausend Teile unter ihm.
Sie waren sprachlos, es fühlte sich absolut perfekt an.
„Marie“ er strich ihr die Haare aus der Stirn. Sie sah ihn an, sie konnte nichts sagen. Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände, zog ihn zu sich hinunter und streichelte sanft mit ihrem Mund über seinen. Er wollte sich von ihr herunterrollen doch sie hielt ihn fest.
„Bitte ich möchte es noch einen kleinen Moment genießen, bitte.“ Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter.
So lagen sie beide und sagten für eine kleine Weile nichts, bis Marie das Schweigen brach,
„Frank, ich möchte, dass du weißt, dass ich sowas…, hier, dass ich so etwas eigentlich nicht tue. Genau genommen, war das, dass erste Mal. Es ist nicht mein …“
„Das weiß ich doch.“ Er küsste sie ganz sanft auf ihre Nasenspitze.
„Es ist auch nicht meine Art, einfach mal so, Partys zu verlassen um Sex zu haben.“ Sagte er, „du bist etwas ganz Besonderes für mich und das hier war etwas Besonderes. Es war wie ein Feuerwerk. Wir hatten keine andere Wahl, oder?“ er sah sie fragend an.
„Nein, hatten wir nicht. Du warst wunderbar, “ lachte sie.
„Du warst wunderbar, “ auch er lachte.
„Ich glaube wir müssen jetzt wirklich zurück, oder?“ seufzte er leise.
„Ja.“
Er machte jedoch keine Anstalten sich aus ihr zurückzuziehen. Er war noch immer in ihr. Sie sah ihn an und ließ ihre Beckenbodenmuskeln spielen. Sie zog sie feste zusammen und ließ wieder locker.
Sie sah ein Staunen in seinen Augen und wie dunkel sie wieder wurden, wie ein klarer Mitternachtshimmel, der voller Sterne hing. Ihn so zu spüren, er fühlte sich unglaublich gut an.
„Marie“ seine Stimme war wieder sehr rau geworden, „was tust du mit mir?“
„Nichts“ dabei funkelte sie ihn mit ihren tief grünen Augen an.
Er zog sich leicht aus ihr zurück um noch einmal tief in sie einzutauchen.
„Oh“ stöhnte sie.
„Du bist so gut!“ er sah sie an, er ließ sie nicht los mit seinem Blick als er wieder tief in ihr versank.
Er spürte erneut eine alles versenkende Erregung in ihm aufsteigen. Sie ließ ihr Becken sehr verführerisch kreisen. Er schloss seine Augen und sie ließen sich beide in einem herrlichen Rhythmus fallen, der sie gemeinsam zu dem nächsten Gipfel der Lust führte. Kurz darauf lagen sie wohlig entspannt auf dem Boden der Gartenlaube und sahen sich an.
„Marie“ sanft strich Frank ihr eine verschwitzte Strähne ihres Haares hinter ihr rechtes Ohr, „es war wunderschön und ich möchte dir noch was sagen, “ er räusperte sich und strich sich fahrig durchs Haar, „du bist etwas ganz Besonderes für mich. Ich möchte das du das weißt.“
Sie erwiderte seinen Blick offen und rückhaltlos „du für mich auch.“
Er lachte, es war geradezu himmlisch, er lag hier mit der aufregendsten Frau auf dem Boden ihrer Gartenlaube, hatte bombastischen Sex erlebt und würde ihn wieder mit ihr erleben, da war er sich sicher.
Sein Lachen wirkte ansteckend und so lachte Marie mit. Später zogen sie sich fast widerwillig an.
„Es war kopflos, oder?“ fragte sie ihn.
„Ja, kopflos, absolut kopflos aber unglaublich gut! Und ich bitte um schnellste Wiederholung, liebe Frau Seefeld.“ Er lächelte sie sehr liebevoll an.
„Sehr gerne, Herr Wolf. Ich habe ganz weiche Knie, was sagen wir denn jetzt?“ sie sah ihn fragend an.
„Keinen Nachbarn angetroffen nein besser, wir erzählen, dass…, ach ich weiß nicht.“ Antwortete er leichthin.
„Okay, wir entscheiden das mal ganz spontan, was meinst du?“ erwiderte Marie.
Als sie wieder zurückkamen, war die Stimmung auf der Party auf dem Höhepunkt.
Sie gingen zu Eve und Michael, die beide an der provisorisch gebauten Theke standen.
„Hallo, ihr zwei! Wir haben leider niemanden erreicht.“ Erklärte Marie und nahm einen tiefen Schluck Sekt aus dem Glas von Michael.
Frank hielt Marie noch locker fest, Michael der die beiden nicht einen Augenblick aus den Augen ließ fragte sie gefährlich leise, „wo warst du so lange?“
„Habe ich dir doch gesagt“ gab Marie zurück.
„Komm“ Michael kochte vor Wut, er nahm sie feste an die Hand,
„lass uns tanzen“ zischte er.
Frank ballte seine rechte Hand zur Faust, er konnte es kaum ertragen zu sehen wie dieser Idiot Marie behandelte.
„Es wäre schön,“ drang die Stimme von Eve in seinem Ohr, „wenn du dich auch mal an mich erinnern würdest, mein Lieber.“ „Eve, ich weiß doch das du da bist, komm lass uns tanzen.“ Er nahm Eve an die Hand und führte sie auf die Tanzfläche.
„Gleich müssen wir noch einmal miteinander tanzen, Marie“ rief er ihr lachend auf der Tanzfläche zu.
„Jetzt tanzen wir zwei aber erst miteinander, oder?“ träufelte Eve ihm giftig ins Ohr.
„Tun wir doch“ antwortete Frank leichthin und versuchte seine Frau anzulächeln, was allerdings nicht wirklich funktionierte.
„Wo wart ihr solange, Frank?“ fragte Eve ihn sehr ernst. Er wirkte auf sie so anders.
„Wo sollen wir denn gewesen sein? Wir waren mal kurz bei Birgit und Tobias. Komm konzentriere dich auf den Takt. Und mach nicht solche Unmutsfalten, sie stören nur in deinem hübschen Gesicht, mein Schatz!“ Er zog sie nahe an sich heran, damit er nicht mehr länger ihren bohrenden Blick ertragen musste und sie schmiegte sich gerne an ihn und sagte nichts mehr.
Eve nahm sich jedoch vor, ein Auge auf die beiden haben.
*
Zurück zum Mittwoch den 10.Juli 1996
Irgendetwas klingelte in Ihre Gedanken hinein, sie stand noch immer am offenen Wohnzimmerfenster, es dauerte einige Zeit bis sie begriff, dass es das Telefon war, das dort klingelte.
Sie fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar, um sich zu sammeln und nahm den Hörer ab.
„Hallo, Marie Seefeld,“ meldete sie sich.
„Ich wollte deine Stimme hören, “ raunte er ihr ins Ohr „ich wurde heute Morgen von unserem Lied geweckt, nun liegt es mir die ganze Zeit in den Ohren, ich würde sagen, ein richtiger Ohrwurm“ sagte Frank fröhlich.
„Das war auch so von mir beabsichtigt. Ich wollte Dir „Guten Morgen“ sagen. Und da dachte ich mir so ganz beiläufig, mach doch mal die Stereoanlage etwas lauter und sage deiner Sommerliebe, hey ich will bei dir sein, keinen Augenblick allein. Aber was soll ich Dir sagen, Du bist dort und ich bin hier“ scherzte sie, dann wurde ihre Stimme ernster, „es ist sehr schön, dass du anrufst.“ „Deine Sommerliebe wäre jetzt auch gerne bei dir, genau genommen wäre deine Sommerliebe gerne immer in deiner Nähe, zumindest diesen einen Sommer lang!“
„Ich stand gerade am Fenster und träumte von meiner Sommerliebe und dem letzten Karneval, mein Blick fiel bei diesem Gedanken aber auch genau auf diese wunderschöne Gartenlaube. Frank ich vermisse dich.“ sagte sie leise.
„Und ich vermisse dich, mehr als ich es in Worten ausdrücken kann“ erwiderte er, „wann werden wir uns das nächste Mal sehen? Ich habe ganz schreckliche Sehnsucht nach dir!“
„Ich weiß nicht, was hast du denn diese Woche noch vor?“ fragte Marie ihn und ging in Gedanken schnell ihre eigene Woche durch.
Wobei sie die Wechseldienste von Michael berücksichtigte.
„Wir könnten uns Freitagabend treffen, so gegen 18.00 Uhr auf unserem Parkplatz“ schlug er vor.
„Ja das würde gehen, Michael hat Frühschicht. Er wäre also da. Ich muss nur vorher mit Tine sprechen, ich brauche ein Alibi, du weißt schon. Kann ich dich später im Büro zurückrufen?“
„Klar!“ er machte eine kleine Pause, „Marie?“ rief er leise in den Hörer, er wollte noch nicht auflegen. Er redete so gerne mit ihr.
„Ja“ kam es zurück.
„Ich würde gerne dieses Erlebnis von Karneval aus der Laube mit dir wiederholen.“ Er flüsterte es fast.
„Ich auch. Wir wollten jedoch vernünftig sein. Weißt du noch?“ erinnerte sie ihn sanft.
„Vernünftig sein, heißt was, mein Liebes?“
„Das wir uns Zeit lassen. Das wir aufpassen, dass es nicht zu tiefgeht. Das es wirklich nur für einen Sommer ist. Wir haben beide Verantwortung.“
„Ich habe aber eine riesengroße Sehnsucht nach dir! Ich, träume davon. Ich denke an dieses Gefühl, ganz in dir zu sein und es ist…, ich kann es dir nicht sagen. Was da alles in mir abläuft.“ Stöhnte er.
„Ich möchte es auch wiederholen.“ Flüsterte sie.
„Dann los!“ rief er heiser aus und räusperte sich.
„Ja, wann jetzt sofort?“ fragte sie ihn leise.
„Schlecht, was hältst du von heute Abend an der Garage? Ich würde mich sehr auf dich freuen.“ Ein Lächeln lag in seiner Stimme.
„Ich freue mich auch. Aber die Garage? Ich weiß nicht. Lass uns nochmal reden, bis gleich?“ Erwiderte sie und legte sehr langsam den Hörer auf.
Diese Schmetterlinge im Bauch, sind einfach unbeschreiblich, ein Blick zur Uhr zeigte ihr, dass sie noch ungefähr zweieinhalb Stunden Zeit hatte, bis sie Anna von der Schule und anschließend Torben vom Kindergarten abholen musste. Summend ging sie ins Bad, holte sich einen Eimer mit Wasser und Allzweckreiniger und begann das Wohnzimmer gründlich sauber zu machen. Wobei Ihre Gedanken wieder zurück wanderten zu
*
Karnevalsonntag
Sie tanzte mit Michael, seine Stimmung war jedoch weit unter dem Nullpunkt und er war auf dem besten Weg die Party zu schmeißen und so schlug sie ihm vor, mit ihm nach Hause zu gehen.
„Warum denn, keine Lust mehr zu tanzen, Liebling? Wo wart ihr solange?“ frage er provozierend laut.
„Werde nicht albern, wo soll ich gewesen sein. Wir waren bei Birgit und Tobias. Haben dort etwas getrunken und sind jetzt wieder hier. Was glaubst du denn?“ fragte Marie ihn.
„Ich glaube dir nicht!“ er wurde immer lauter.
„Du bist betrunken. Lass uns gehen!“ zischte Marie leise.
„Ach ich bin betrunken, ja?“ er beugte sich bei diesen Worten drohend zu ihr nach vorne, „ich sag dir mal was, ich bin nicht betrunken genug, um nicht mitzubekommen, dass unser sauberer Herr Nachbar dich fast mit seinen Blicken auszieht. Wenn er dich nicht sogar ausgezogen hat“ rief er aufgebracht.
„Jetzt reicht es, du bist nicht nur betrunken, sondern auch noch peinlich. Komm jetzt, bevor du noch peinlicher wirst. Es muss ja nicht jeder deine Paranoia mitbekommen“ forderte Marie ihn leise auf. Die plötzlich eingetretene Stille im Raum bestätigte es ihr jedoch augenblicklich, alle hatten es gehört. Na prima, du Idiot, schimpfte sie für sich. Laut sagte sie, „Wir gehen jetzt rüber und Michael wird schlafen. Ich wünsch euch noch viel Spaß.“
Sie nahm Michael am Arm, der glücklicherweise nichts mehr sagte und ging mit ihm hinaus. Sie ließ niemanden die Gelegenheit etwas zu sagen. Sie atmete tief durch, sie wusste das sie jetzt ganz vorsichtig sein musste, wollte sie nicht riskieren, dass Michael handgreiflich ihr gegenüber wurde. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Es war ihr unglaublich peinlich, wie Michael sich aufführte.
Aber viel schlimmer waren diese mitleidigen Blicke. Alle wussten, dass Michael sehr schwierig war. Michael ging ohne viele Worte ins Bett und schlief sofort ein. Darüber war sie mehr als froh! Sie setzte sich im Wohnzimmer in einen der Sessel, kuschelte sich in ihre Wolldecke und machte sich das erste Mal Gedanken über Frank und wie sie tatsächlich zu ihm stand.
Sie war durch die eben erlebten Höhepunkte immer noch erregt. Was hatte Frank mit ihr gemacht. Wie herrlich er sich anfühlte, das Spiel seiner Muskeln, sie hatte es durch sein Hemd gespürt. Sie hatte noch nie so heftig auf irgendeinen Mann reagiert. Sie hatte so etwas genau genommen noch nie erlebt!
Unter seinem Blick spürte sie eine ganz besondere Lebendigkeit in sich erwachen. In seinen Armen liefen während des Tanzens angenehme, prickelnde Schauer über ihre Haut. Sie konnte noch jetzt die Stellen spüren, an denen er sie während des Tanzens angefasst hatte.
Diese Sinnlichkeit, die von ihm ausging, erschien ihr fast unheimlich. Und wie sie in der Gartenlaube gegenseitig übereinander herfielen. Es war ohne denken, es war nur fühlen und es fühlte sich so gut an, es gab nichts vergleichbar Erlebtes für sie.
Sie ließ ihre Gedanken weiter zurücklaufen, weiter zurück bis zum Silvesterabend 1995/96. Wie anders war es hingegen noch Silvester gewesen! Sie vier hatten mit Bekannten von Michael und Marie gefeiert. Sie war sich Franks Gegenwart bewusst, ja, aber es war nicht so elektrisierend, dass was heute war, war völlig neu und ganz anders.
Er war Silvester charmant und aufmerksam, wirkte jedoch immer irgendwie reserviert. Er stand meist etwas abseits und beobachtete. Sie spürte häufig seine Blicke auf sich. Sie merkte, dass er es mochte, wenn sie zu ihm kam, um mit ihm anzustoßen oder zu reden. Es war anders. Sie mochten es beide, dass sie so ungezwungen miteinander umgehen konnten. Sie sprachen über vieles, ganz offen und ungeniert, es gab irgendwie von Anfang an, immer eine große natürliche Vertrautheit zwischen ihnen. Die keiner erklären konnte, die sie beide jedoch sofort miteinander teilten.
Ein Klopfen an der Türe riss sie aus ihren Gedanken heraus. Sie öffnete die Wohnungstür. Sie dachte es wäre Eve. Aber es war Frank, noch immer als Cowboy verkleidet. Er räusperte sich, sah sie an, es war als ob er nun, wo er vor ihr stand keine Worte mehr hätte.
„Frank.“ mehr kam nicht über ihre Lippen, sie räusperte sich ebenfalls „Ich habe gerade an dich gedacht.“
Sie lächelte ihn schüchtern an.
„Marie, ich wollte sehen wie es dir geht?“ sagte er leise.
„Es tut mir leid, es tut mir so leid, es war so fürchterlich peinlich, wie Michael sich aufführte, einfach nur schrecklich, ich hoffe du bist nicht verärgert.“
„Nein“ er zuckte mit den Schultern „und er hatte ja auch Recht, ich sehe dich gerne an. Ich habe mir heute Abend wirklich, ... ich hätte dich gerne, … ich“ er räusperte sich, „es war traumhaft mit dir vorhin in der Gartenlaube. Ich wollte dir noch einmal sagen, dass es nicht die Regel für mich ist, mit Frauen mal schnell zu verschwinden. Du bist etwas ganz Besonderes für mich Marie.“
Er schaute verlegen drein und fuhr sich mit den Händen durch sein dichtes blondes Haar.
„Also ich gehe dann mal wieder runter, bei dir ist alles okay, oder? “er sah verlegen auf seine Schuhe. „Marie, es tut mir…“
Sie fiel ihm ins Wort, „nein, nichts ist okay!“ leiser fügte sie hinzu, „ich hatte gerade an dich gedacht, es war wunderschön, vorhin.“ Er sah sie an. In seinem Blick lag ein so unübersehbares Verlangen nach ihr, dass es Marie den Atem nahm und es ihr unmöglich machte sich zu bewegen.
Es war für beide so, als würde gerade alles um sie herum ausradiert werden, das Treppenhaus, die Nachbarn, die jeweiligen Partner, die Kinder. Alles reduzierte sich in großartiger Art und Weise auf Frank und Marie. Sie kamen sich näher und näher, wie von unsichtbaren Fäden gezogen. Marie spürte Franks weiche, warme und trockene Lippen endlich auf den ihren. Sie spürte wie Frank seine Arme um sie schlug, gleichzeitig schienen auch ihre Arme ein Eigenleben zu entwickeln. Denn ihre Hände schlangen sich um seinen Nacken, wo ihre Finger sinnlich, leicht durch seine Nackenhaare hinauf zu seinem Kopf wanderten. Sie hatte sich schon seit Monaten gefragt wie seine wunderbaren Haare sich wohl anfühlten. Und heute endlich konnte sie es ausgiebig fühlen. Frank zog sie noch näher an sich heran, es kam ein leichtes Stöhnen über ihre Lippen als seine Zunge vorsichtig und qualvoll zärtlich ihre Lippen teilten und tief in ihren Mund eintauchte. Seine warme, feuchte Zunge forderte die ihre zu einem atemberaubenden sinnlichen Tanz auf. Ihre Finger verfingen sich in seinen vielen, weichen Haaren, sie schmiegte sich noch näher an ihn. Es war als ob ein riesiger Strudel voller lebendiger Farben sie beide ergriffen hatte und mit sich fortzog. Es gab nichts mehr drum herum für sie, nur noch dieses Verlangen nach mehr. Dieses bittersüße Verlangen nach nackter Haut, nach Berührungen die die Haut versenkte. Eine Gier nach einem nicht ausgesprochenen Versprechen aber einem geahnten Versprechen, das erfüllt war von unbändiger Lust und befreiender Erlösung.
„Frank“, Eve rief von unten herauf.
Er hörte es, aber er wollte nicht aufhören sie zu küssen. Er zog sie aufstöhnend, wie zum Trotz, noch fester an sich heran. Eine Hand glitt an ihrer Wirbelsäule entlang in Richtung Po und drückte ihre empfindsamste Stelle feste gegen seine Erektion. Es war wie ein Rausch. Sie presste ihre Brüste fest gegen seinen Oberkörper. Ein leises Stöhnen stahl sich über seine Lippen als er ihre hart, aufgerichteten Brustwarzen spürte. Es war als fließe kochendes Blut durch ihre Adern. Er schaffte es nicht von ihr abzulassen. Es war, als triebe er unaufhaltsam einem gewaltigen Wasserfall entgegen und konnte den Fall mit ihr nicht mehr erwarten.
„Frank!“ die Stimme seiner Frau wurde lauter.
Es ließ sich nicht mehr überhören, er tauchte noch einmal mit seiner Zunge tief in Ihrer Mundhöhle ein und löste sich dann sehr widerwillig von ihr.
Marie war völlig verwirrt, sie versucht ihre Fassung wiederzugewinnen.
„Frank.“ Es war nicht mehr als ein atemloser Hauch, sie sah ihn an, er legte ihr leicht seinen Zeigefinger auf den Mund und erwiderte ihren Blick, mit Augen, in denen die pure Leidenschaft funkelte, er übersäte ihr Gesicht mit heißen Küssen und flüsterte heiser, „Du bist unglaublich und das heute, ist erst der Anfang für uns zwei. Das verspreche ich dir!“
Dann drehte er sich um und lief die Treppe aufreizend langsam hinunter.
Eve erwartete ihn an der Wohnungstür.
„Wieso warst du denn jetzt so lange da oben?“ ihre Stimme war schrill. „Was läuft da mit euch und wo warst du vorhin so lange?“ „Ich habe nach Marie gesehen, wegen dem Vorfall von vorhin.“ Hörte sie seine ruhige, noch immer leicht belegte Stimme, dann schloss sich die Tür.
Rosenmontag
Marie schlief in der darauffolgenden Nacht sehr unruhig. Sie träumte von Frank, von Michael, den Kindern und Eve, sie fühlte sich am Morgen wie gerädert.
Zum Glück waren Anna und Torben noch bei ihren Eltern. Michael musste zur Frühschicht. Sie staunte immer wieder über ihn, er war so betrunken ins Bett gefallen und schaffte es aber ohne weiteres um fünf Uhr morgens aufzustehen. Sie selbst war schon einige Zeit vor dem Wecker wach und dachte über ihren Traum nach. Sie rührte sich nicht als er aufstand und stellte sich weiterschlafend. Sie wollte nicht mit ihm sprechen. Als die Wohnungstüre später hinter ihm zufiel, legte sich eine angenehme Schwere auf ihre Augenlider und ließ sie noch einmal tief einschlafen.
Sie träumte von Frank und wie er sie ansah als er ihr den kleinen Schmusefisch schenkte. Sie fühlte seine Arme um sich, sie tanzten die ganze Nacht und fühlten sich leicht und beschwingt wie eine Feder im Wind. Es war jedoch auch ein anderes sehr dominantes Gefühl in ihrem Traum dabei, ein lustvolles Ziehen, ein Verlangen nach mehr, nach viel mehr. Es war geradezu berauschend. Sie erwachte mit einem sinnlichen Lächeln und unzähligen Schmetterlingen im Bauch.
Sie stand auf ging zu ihrer CD-Sammlung und suchte den Song „Heal the World“. Sie fand ihn auch, legte ihn in den CD-Player der Stereoanlage und spielte das Stück etwas lauter um es im Bad hören zu können. Während sie sehr ausgiebig duschte summte sie den Song leidenschaftlich mit.
Diese Parfumseife war unglaublich angenehm, sie seifte sich sehr sorgfältig ein. Irgendwie hatte sich die Sensibilität ihrer Haut verändert. Das letzte Mal war ihre Haut so sensibel als sie diese schreckliche Virusinfektion hatte, nur war es damals schmerzhaft und unangenehm und heute so angenehm lustvoll. Sie duschte sich kalt ab und zog sich weiße Baumwoll-Seidenunterwäsche an. Sie hatte einen richtigen Tick, was Unterwäsche betraf. So wie andere Frauen Schuhe in allen möglichen Farben und Formen hatten, so hatte sie jede mögliche Farbe und die verschiedensten Variationen von zusammengehörendem BHs mit Höschen. Sie schüttelte manches Mal über sich selbst den Kopf. Dann suchte sie sich dunkle, dicke Socken raus, eine schwarze Jeans und einen weißen Wollpullover. Danach ging sie in die Küche stellte die Kaffeemaschine an, räumte ein wenig die Wohnung auf und schüttelte die Betten auf. In der Zwischenzeit war der Kaffee durchgelaufen, sie schüttete sich eine Tasse Kaffee ein, tat Milch hinzu und setzte sich auf die Couch.
Es steht fest, ich befinde mich in einem super Gefühlchaos. Ich finde Frank sympathisch, nein, eher äußerst sympathisch. Ich bin sehr gerne mit ihm zusammen. Ich war schon immer gerne mit ihm zusammen!
Was an und für sich ja so wohl kein Problem darstellen dürfte, oder? Okay… und wie würdest du dir, die Sache in der Gartenlaube und später den Kuss mit seinen tausend wunderbaren Gefühlen an der Tür erklären? Das waren alles andere als freundschaftliche Gefühle!
Und der Traum meine Liebe, der war auch nicht ohne, da war mehr Lust und Leidenschaft bei als jemals bei dem Sex mit deinem Mann. Und das in den gesamten Jahren!!
Ja, ja das war wohl alles schon richtig. Aber meine Gefühle und Gedanken sind frei!! Und letztlich tut ein Traum niemandem weh, von dem Sex in der Gartenlaube und dem Kuss hier an der Türe, davon weiß ja niemand. Ich habe heute Morgen ständig dieses Grinsen im Gesicht.
Das könnte kompliziert werden, ja aber wie sagte Scarlett O`Hara immer? Verschieben wir es auf morgen.
Sie stand auf, brachte ihre Tasse in die Küche und spülte sie gerade aus, da klingelte das Telefon.
„Marie Seefeld“ meldete sie sich.
„Frank Wolf“ kam es von der anderen Seite.
„Oh“
„Ebenfalls oh“ murmelte er.
„Das ist ja eine Überraschung, ich hatte doch gerade zufällig an dich denken müssen.“ Flüsterte sie lächelnd ins Telefon.
„Ich auch und da dachte ich mir, ruf sie doch mal an.“
„Also du warst irgendwie, ja wie soll ich es sagen? Du warst irgendwie, heute Nacht bei mir, in meinen Träumen. Natürlich nur so als Randfigur, versteht sich.“ Sie lachte.
„Ja, du warst auch in meinem Traum, wobei ich sonst nie träume aber heute Nacht; es war schon…wirklich gut.“ Sie hörte das seine Stimme dunkler und verführerischer wurde.
„Also die Sache mit dem Kuss, Herr Wolf ich möchte mal sagen, sehr talentiert.“
„Oh danke Frau Seefeld, dieses Kompliment kann ich nur zurück geben“ er machte eine kleine Pause, bevor er fortfuhr, „Vielleicht könnten wir uns mal zu einer kleinen Kussübungsstunde irgendwo ganz alleine treffen?“ er bekam vor Aufregung ganz feuchte Hände während er auf ihre Antwort wartete.
„Ich würde schon sehr gerne, es war wirklich gut. Aber denkst du, dass wir das riskieren können? Ich meine wir sind verheiratet und haben beide Kinder? Und irgendwie gehen unsere Körper ihre eigenen Wege.“ flüsterte sie.
„Es…wir…naja“ stotterte er rum. Sie sah ihn direkt vor sich, wie er mit seiner freien Hand durch seine wunderbaren blonden Haare strich. Diese wunderbare Hand, wie sie über meine Wirbelsäule wanderte. Sie spürte wieder dieses Kribbeln, jetzt in ihrem Rücken, nur blieb es dort nicht, es rutschte tiefer und, STOP!
„Frank“ wie hörte sich denn ihre Stimme an? Sie räusperte sich schnell.
„Ja“ kam es ebenso heiser zurück. „Marie,“ fuhr er schnell fort, „ich möchte dich küssen, nur küssen. Und dabei tun wir doch niemanden was, oder?“
„Oh …gut lass uns küssen aber nur küssen, okay?“ sie spürte schon bei dem Gedanken daran, wie weich ihre Knie wurden. Puh, schöner Verräter, mein eigener Körper!
„Es hat geklingelt.“ Murmelte sie halbherzig, sie hatte keine Lust zur Tür zu gehen, denn sie ahnte wer davorstand.
„Ich habe es gehört, ich melde mich wieder bei dir, okay? Ich freue mich auf dich!“ er hatte ein Lächeln in der Stimme. Ihr wurde ganz warm ums Herz.
„Ich freue mich auf dich. Bis dann?“ sagte sie.
„Ja bis dann, meine schöne Nachbarin.“
Es klingelte schon wieder.
„Ich muss jetzt wirklich an die Tür. Danke für deinen Anruf. Es war sehr schön deine Stimme zuhören.“
„Das kann ich nur erwidern. Ich fand es auch sehr schön, deine Stimme zu hören.“ raunte er.
„Also dann, Tschüss“ sie hatte keine Lust aufzulegen und ihm schien es ähnlich zu gehen.
Da erklang zum dritten Mal die Klingel und zusätzlich klopfte Eve an die Wohnungstür.
„Ich muss deiner Frau aufmachen, ich komme wohl nicht drum herum. Bis später?“
„Ja, bis später. Tschüss.“
Aufgelegt, sie fühlte die Hitze in ihren Wangen und wusste, dass sie gerötet waren. Ihr erstes Telefongespräch, meine Güte und sie war schon völlig aus dem Häuschen.
Marie öffnete die Tür. Eve und ihr eigenes schlechtes Gewissen standen vor ihr.
„Ich muss mit dir reden, Marie,“ begrüßte Eve sie.
„Guten Morgen Eve, komm rein.“ Marie fühlte sich in ihrer Gegenwart fast unwohl.
„Möchtest du eine Tasse Kaffee, Eve? “ fragte Marie besonders freundlich.
„Ja, ich hätte gerne eine Tasse. Wenn es keine Mühe macht.“ sie machte es sich in der Zwischenzeit auf dem Sessel bequem.
„Michael war gestern Abend sehr schnell betrunken.“ Eve machte eine Pause bevor sie weitersprach, „mir war nicht klar, dass er ein solches Problem mit Frank hat!“
„Mir auch nicht“. Marie fühlte sich mit jedem Augenblick unwohler, zumal es so schien, dass der gestrige Abend Thema werden sollte. Marie versuchte sich zu beruhigen und setzte sich sehr langsam auf die Couch dann erwiderte sie „ich denke, dass er gar kein Problem mit ihm hat“, sie nahm einen Schluck Kaffee aus ihrer Tasse und stellte sie umständlich ab dann fuhr sie fort, „er hatte einfach zu viel getrunken. Es wird ihm heute sicherlich peinlich sein.“
Sie wollte dieses Thema nicht weiter vertiefen.
„Er konnte ja noch nicht einmal mehr tanzen“, begann sie ihren Mann halbherzig zu verteidigen. Dieser Idiot, fiel ihr mal so ganz spontan zu ihrem Mann ein, was sie aber lieber für sich behielt.
„Ich habe mich gestern Abend bei Frank entschuldigt für das Verhalten von Michael.“ fuhr Marie ruhig fort, wobei sie es vorzog in ihre Kaffeetasse zu sehen, um den Blickkontakt zu vermeiden. Es entstand eine kleine angespannte Pause zwischen den beiden Frauen, bis Marie sagte, „es war doch alles in allem sehr spaßig gestern Abend, oder nicht?“
„Ja das war es. Ich fand es nur schade, dass Frank so schnell nach euch rüber wollte. Er sagte er müsse heute früh in seinem Büro sein, hätte eine Menge zu tun. Aber…“
Bei der Erwähnung von Franks Namen, spürte Marie wie eine leichte Rötung in ihrem Gesicht aufstieg und ihr Herzschlag sich deutlich beschleunigte.
Sie stand schnell auf, sie musste sich jetzt bewegen und holte ein paar Kekse aus dem Wohnzimmerschrank und stellte sie auf den Tisch. Sie wollte nicht über Frank reden.
Das gestern Abend an der Wohnungstür ging so tief, hatte eine solche Heftigkeit und das eben geführte Telefongespräch, nein sie wollte nicht über Frank sprechen zumal sie es ja selbst noch nicht verstand, was da mit ihr passierte, sie wollte es erst einmal selbst versuchen zu begreifen und es ganz tief in ihrem Herzen festhalten und mit keinem teilen. Mit keinem, denn es war etwas ganz Besonderes für sie. Oh ja, etwas ganz Besonderes! Es war geradezu explosiv! Und Eve war nun mal wirklich der völlig falsche Gesprächspartner.
Möchtest Du, Eve?“ dabei zeigte sie auf die Kekse, die sie auf dem Tisch gestellt hatte. Sie ging bewusst nicht auf dieses ABER ein, stattdessen sagte sie:
„Ich war noch nicht einkaufen, leider habe ich nichts anderes hier, tut mir leid.“ Und deutete dabei erneut auf die Kekse.
„Das ist schon okay, sag mal Marie, du verstehst dich doch gut mit Frank?“
Marie sagte nichts, sie fuhr sich mit den Händen durchs Haar.
„Also“, fuhr Eve fort, obwohl es ihr schwer fiel weiterzureden „ich möchte einen Rat von dir, ich habe das Gefühl, dass unsere Beziehung im Moment nicht gut läuft. Ich fühle mich oft einsam, er ist viel im Büro, das verstehe ich ja auch aber wenn er zuhause ist, hat er schlechte Laune, ist unzufrieden, nörgelt an mir und den Kindern herum, ach ich weiß auch nicht, er ist irgendwie so …. verändert“
Eve machte eine Pause, sie trank einen Schluck Kaffee, nahm eine Zigarette und zündete sie an. Marie schob ihr den Aschenbecher zu.
Eve nahm einen festen Zug, inhalierte den Rauch tief in die Lunge und blies ihn langsam wieder aus, wobei sie Marie nicht einen Moment aus den Augen ließ.
„Gestern Abend zum Beispiel, eigentlich ist Frank auf Partys gut drauf, er tanzt ist witzig, unterhält sich mit jedem. Aber gestern Abend war er nicht wirklich dabei, er hat kaum mit mir geredet, er wollte nicht mit mir tanzen, auch mit keiner anderen, hatte auf einmal Kopfschmerzen, das erstaunlichste jedoch war, dass er kurz nach euch unbedingt nachhause wollte, er wäre müde, müsste morgen früh aufstehen und so weiter …“
„Eve, er war bestimmt nicht begeistert, nachdem Michael so abdrehte.“
„Ich kann Michael durchaus verstehen!“ sprudelte es aus Eve heraus, „auch auf dem Karnevalsumzug drehte es sich nur um dich“, fuhr sie mit gereizter Stimme fort, „über was habt ihr eigentlich die ganze Zeit so gelacht? Und anschließend euer Tanz“ sie atmete tief durch, „der war bühnenreif.“
„Nun interpretiere du nicht auch noch irgendwelche Gehirngespinste in einen harmlosen Karnevalspass und ein oder zwei Tänze hinein.“ Erwiderte Marie genervt.
„WAS WOLLTE ER GESTERN ABEND NOCH VON DIR??? UND WO WARD IHR SO LANGE?? SAG ES MIR; VERDAMMT!“ schrie Eve sie an.
Marie zuckte zusammen.
„Jetzt bleib mal ruhig, was soll er denn gewollt haben, Eve? Jetzt mach mal einen Punkt“ Marie fand die Situation äußerst unangenehm.
„Ich will von dir wissen, was er wollte und wo ihr ward Marie?“
Eve zog ein letztes Mal an ihrer Zigarette und drückte sie dann fahrig im Aschenbecher aus, nahm einen Schluck Kaffee.
Marie sah ihre Freundin, nein, auf keinen Fall mehr Freundin , ab jetzt nur noch Nachbarin, entschied sie spontan.
Er wollte mich küssen, küssen bis wir an nichts anderes mehr denken können, küssen bis unsere Lippen wund sind. Doch das sage ich dir nicht. Das könnte durchaus zu noch mehr Komplikationen führen, wenn hier schon alle bei so einem bisschen tanzen am Rad drehten. Tanzen, meine liebe Marie! Jetzt flunkerst du dir aber selbst was vor. Die Geschichte in der Gartenlaube aber holla! Und seine Stimme gerade am Telefon, herrlich. Das Spiel mit dem Feuer ist ganz schön aufregend. Wie es wohl ist, wenn er mich küsst und wir ganz alleine sind und auch noch Zeit haben?
Marie sah Eve an, Eve bewegte ihren Mund. Marie hatte aber nicht ein Wort mitbekommen. Sie schüttelte ihren Kopf.
„Entschuldige Eve, was hattest du gerade gesagt. Ich bin irgendwie mit meinen Gedanken völlig weggerutscht.“ Sie bemühte sich Eve so freundlich wie nur irgend möglich anzulächeln.
Es schien damals so, als fehlten Eve für einen Moment die Worte doch dann sagte sie mit betont ruhiger Stimme:
„Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, ich mag dich und ich vertraue dir Marie, aber es macht mich unsicher, wenn er mit dir …lacht, redet, tanzt verstehst du? Und deshalb wüsste ich einfach nur gerne über was ihr euch unterhaltet, er ist entspannt und gut drauf, wenn er mit dir zusammen ist, was machst du anders, als ich?“ „Eve, wir sind nur Nachbarn, genau das ist anders, verstehst Du das?“, antwortete Marie, „wir reden über Gott und die Welt, machen uns über das eine oder andere lustig, wir reden über nichts Besonderes. Es ist meist belangloser Smalltalk“
„Das dachte ich mir schon.“ Eve nahm ihre Tasse Kaffee und schaute hinein, ihre grünen Augen füllten sich mit Tränen. Marie sah es. Und begann jetzt wirklich mit ihrem schlechten Gewissen zu kämpfen. Vielleicht hätte sie Eve trösten müssen. Aber sie konnte es nicht, sie wünschte sich stattdessen, dass sie gehen würde. Sie wollte alleine sein.
„Eve, du legst einfach zu viel in die momentane Stimmung hinein. Frank ist sicherlich nur überarbeitet, dann habt ihr noch den Streit mit seinen Eltern, ich glaube das belastet ihn ebenfalls sehr. Dann die Sorgen, dass es mit dem Grafikbüro nicht funktionieren könnte, er hat die Verantwortung für euch.“
Sie schwieg einen Moment, bevor sie fortfuhr.
„Ich sag dir was, koch heute Abend etwas Besonderes für ihn, hab gute Laune, redet über angenehme Dinge und höre ihm ruhig und aufmerksam zu. Sag ihm was Nettes, zünde Kerzen an oder mach sonst was. Sei ganz einfach für ihn da!“
Sie sah es vor sich, die ganze Szenerie, von Anfang bis Ende, unter anderen auch wie Frank Eve in den Arm nahm, wie er sie küsste.
Wie er die Sachen mit ihr machte, von denen sie vorhin geträumt hatte. Was mach ich hier nur? Sie stand ruckartig auf, stieß mit ihrem Knie an die Tischkante, ihr Kaffee kippte um, Tränen schossen ihr in die Augen, wobei sie den Grund für die Tränen nicht hätte benennen können, war es der spitze Schmerz der durch ihr Knie schoss oder der Schmerz der von den Bilder und den damit verbundenen Gefühle in ihr hoch kam. Wie sollte das nur weiter gehen, das fing ja schon spannend an!
„Mist, Verdammt“. Sie ging um den Tisch herum und eilte zur Küche um eine Geschirrtuch zu holen. Sie ließ sich Zeit, sie wollte das Eve endlich ging. Sie wollte alleine sein.
Eve trank ihren inzwischen kalten Kaffee aus und sah auf ihre Armbanduhr.
„Oh, ich muss los, Stefanie und Pascal abholen, hab gar nicht gemerkt wie schnell die Zeit verging, meine Mutter muss gleich zum Arzt. Marie, den Vorschlag von vorhin, den mit dem Essen und so, ich denke den werde ich gleich heute in die Tat umsetzten, danke! Frank wird sich wundern. Ich werde gleich mit den Kindern bei ihm vorbeifahren, er freut sich bestimmt, wenn er die beiden sieht.“ „Tue das, ich muss auch gleich los, mein Vater wartet bestimmt auch schon.“
Marie brachte Eve zur Tür, sie wollte nur noch das sie ging, doch Eve hatte es plötzlich nicht mehr eilig. „Ich denke, ich werde mir gleich noch etwas Verführerisches für heute Abend holen. Es wird gut, oh ja, es wird richtig gut. Und morgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Danke, Marie.“
Sie ging die Treppe hinunter, lächelte Marie auf dem nächsten Treppenabsatz noch einmal an und ging dann weiter.
Marie schloss schnell die Tür.
Toller Vorschlag, wirklich gelungen. Sie schüttelte über sich selbst den Kopf und ging ins Schlafzimmer wo noch die Tüte stand, in der die gefangenen Süßigkeiten sowie der Plüschfisch lagen. Sie nahm die Tüte und holte den Plüschfisch raus, sie drückte ihn an ihr Herz und gab ihm ein Küsschen.
Sie hatte ein ganz komisches Gefühl, sie vermisste ihn schon jetzt.
Und das sollte auch erst einmal so bleiben, denn Frank sprach bis zur Gartenparty am 09. Mai kaum ein Wort mehr mit ihr. Sie war wie vor den Kopf geschlagen, als sie ihn einen Tag später im Treppenhaus traf. Er stand unten an dem Treppengeländer angelehnt und sah sie spöttisch lächelnd an. Nickte ihr kurz zu, drehte sich um und ging. Auch wenn sie immer mal wieder kurz alleine waren, sah er sie nicht an, er gab ihr nur flüchtig die Hand zur Begrüßung, Antwortete ihr auf Fragen nur kurz und knapp. Es war schrecklich.
Allerdings brachte er so ihre Phantasie stark auf Touren.
Die Party, da würde sie einen Offensivangriff starten, dass ihm hören und sehen verging. Um das richtige Outfit zu finden, lief sie schon Tage vorher sämtliche Boutiquen der Stadt ab. Diese Party stand unter dem Motto: „Sex on the Beach“.
Und das mit diesem Rentnerclub, naja. Hier war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.
Sie hatten jedoch auch noch ein paar Freunde eingeladen, so, dass die Möglichkeit durchaus gegeben war, dass es lustig werden konnte. Wobei Maries Prioritäten sowieso ganz anders gelagert waren. Sie interessierte sich nicht für die Party. Ihr Ziel war ein ganz anderes, oh ja … ihr Ziel war ganz klar definiert und hieß „Frank“.
Sie fand zu dem albernen Partymotto einen neonleuchtenden äußerst kurzen orangen Stretchrock und ein schwarzes Oberteil, das ihre Brust betonte und eine ihrer Schultern weitestgehend frei ließ. Sie kaufte sich noch einen neuen schwarzen, hochglänzenden Spitzenbüstenhalter, mit verspielten Trägern der ihr ein wirklich sehr aufregendes Dekolleté formte, natürlich mit passenden Höschen. Sie hatte nicht vor sich auszuziehen, dass nicht, aber es gab ihr immer ein gutes Gefühl, von Frau sein. Eben ihr Tick!
Und außerdem, man wusste ja nie!
Dazu kaufte sie sich flache, schwarze Sandalen, die sie bis zu den Knien mit schmalen Lederbändchen hoch wickelte. Sie ging in der Woche davor einige Male auf die Sonnenbank und frischte am Tag der Party noch ihre Haare mit einer Tönung in Kastanie auf. Für ihr Gesicht nahm sie sich ebenfalls viel Zeit. Sie lief schon am Morgen mit einer klärenden Maske im Gesicht herum und verzichtete am Abend auf Makeup. Ihre Haut war seidig weich und hatte von den ersten Sonnenstrahlen sowie von den zwei oder drei Solarienbesuchen eine schöne Tönung erhalten. Dadurch erschien das dunkle Grün ihrer Augen noch intensiver und leuchtender. Sie benutze nur Mascara, den jedoch recht ausgiebig und rotbraunen Lipgloss. Sie war mit dem Ergebnis sehr zufrieden, Michael murmelte im Vorbeigehen, „Wofür denn dieser ganze Aufstand“. Was ihr jedoch sagte, „ich sehe gut aus“.
