Es war jugendlicher Leichtsinn - Patricia Vandenberg - E-Book

Es war jugendlicher Leichtsinn E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. »Ich hätte gute Lust, bei jedem einzelnen Nachbarn zu klingeln und zu fragen, ob sie auch so früh rausmüssen wie ich.« Wie fast jeden Morgen hatte der Wecker bei Danny Norden und seiner Freundin, der Bäckerin Tatjana Bohde, zu nachtschlafender Zeit geklingelt. Für gewöhnlich hatte die junge Frau kein Problem damit, so früh aufzustehen. Doch an diesem Morgen war das anders. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Wohnungseigentümer allesamt bis in die Morgenstunden zusammen gesessen und gefeiert hatten. Tatjana hatte sich frühzeitig zurückgezogen, war aber vom Lärm wach gehalten worden. »Hmmmm«, brummte Danny verschlafen und machte damit deutlich, dass er noch nicht für eine tiefschürfende Konversation zur Verfügung stand. »Vielen Dank für deine Anteilnahme«, schimpfte Tatjana und stand auf. Wenige Sekunden später stieß sie zuerst einen Schmerzensschrei und dann einen Fluch aus. Um Danny nicht zu stören, hatte sie kein Licht gemacht und war in der Dunkelheit über einen Schuh gestolpert, der aus unerfindlichen Gründen mitten im Zimmer stand. »Ich mag deine Mutter ja wirklich gern. Aber bei deiner Erziehung zur Ordnung hat sie irgendwas verpasst«, fuhr sie fort, während sie sich den malträtierten kleinen Zeh rieb. »Ich wollte meine Schuhe ja aufräumen«, klang Dannys schlaftrunkene Stimme durchs Zimmer. »Leider hab ich im Schrank kein einziges, freies Plätzchen gefunden. Du hast alles belegt.« »Stimmt doch gar nicht.«

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Bestseller – 377 –Es war jugendlicher Leichtsinn

Doch Noah steht zu seiner Schuld

Patricia Vandenberg

»Ich hätte gute Lust, bei jedem einzelnen Nachbarn zu klingeln und zu fragen, ob sie auch so früh rausmüssen wie ich.« Wie fast jeden Morgen hatte der Wecker bei Danny Norden und seiner Freundin, der Bäckerin Tatjana Bohde, zu nachtschlafender Zeit geklingelt. Für gewöhnlich hatte die junge Frau kein Problem damit, so früh aufzustehen. Doch an diesem Morgen war das anders. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Wohnungseigentümer allesamt bis in die Morgenstunden zusammen gesessen und gefeiert hatten. Tatjana hatte sich frühzeitig zurückgezogen, war aber vom Lärm wach gehalten worden.

»Hmmmm«, brummte Danny verschlafen und machte damit deutlich, dass er noch nicht für eine tiefschürfende Konversation zur Verfügung stand. »Vielen Dank für deine Anteilnahme«, schimpfte Tatjana und stand auf. Wenige Sekunden später stieß sie zuerst einen Schmerzensschrei und dann einen Fluch aus. Um Danny nicht zu stören, hatte sie kein Licht gemacht und war in der Dunkelheit über einen Schuh gestolpert, der aus unerfindlichen Gründen mitten im Zimmer stand. »Ich mag deine Mutter ja wirklich gern. Aber bei deiner Erziehung zur Ordnung hat sie irgendwas verpasst«, fuhr sie fort, während sie sich den malträtierten kleinen Zeh rieb. »Ich wollte meine Schuhe ja aufräumen«, klang Dannys schlaftrunkene Stimme durchs Zimmer. »Leider hab ich im Schrank kein einziges, freies Plätzchen gefunden. Du hast alles belegt.«

»Stimmt doch gar nicht.« Inzwischen war Tatjana vollends wach und hatte ihren Widerspruchsgeist wiedergefunden. Während sie sich mit Danny unterhielt, stand sie im Bad, um sich für den Tag zurecht zu machen. »Wenn du deine Schuhe ordentlich hinstellen würdest, hätten noch mindestens fünf Paar mehr Platz«, erklärte sie, während sie Creme auf den Wangen verteilte.

»Oder aber du sortierst deine mal aus. Ich könnte wetten, dass da mindestens fünf Paar sind, die du nicht mehr anziehst«, ließ sich der Arzt trotz der frühen Stunde auf eine Diskussion ein. Er hatte sich auf die Seite gerollt und beobachtete Tatjana durch den Spalt in der Badtür. »Darf ich dich dran erinnern, dass auch mein Tag nur vierundzwanzig Stunden hat, von denen mindestens sechs für Essen und Schlafen reserviert sind?« Tatjana hatte ihr Pflegeprogramm beendet und ging hinüber zum Kleiderschrank. Danny beobachtete, wie sie mit dem Fuß einen Haufen Kleider zur Seite schob, ehe sie ihn öffnen konnte. »Vielleicht sollten wir Dads Anregung aufgreifen und uns wirklich eine Haushaltshilfe besorgen.« Inzwischen war er hellwach und beugte sich hinüber, um die Nachttischlampe anzuschalten. »Niemals!«, ließ der Widerspruch nicht lange auf sich warten. Mehr als einmal hatte das Paar bereits über dieses Thema diskutiert, und bis jetzt hatte es kein Argument gegeben, das die Bäckerin von ihrer Meinung abgebracht hätte. »Ich kann es nicht leiden, wenn Leute für mich arbeiten. Mal abgesehen davon, dass unsere Wohnung unsere Privatsphäre ist. Oder findest du es prickelnd, wenn eine wildfremde Person in unserem Schlafzimmer herumturnt?« Allein der Gedanke daran ließ Tatjanas Laune auf den Nullpunkt sinken. »Das könnten wir ja zur Tabuzone erklären«, versuchte Danny ein weiteres Mal, seine Freundin zu überzeugen. Die hatte sich inzwischen für eine Jeans und ein buntes T-Shirt entschieden, eine Kombination, die sie noch jünger wirken ließ als ohnehin schon.

»Ich will einfach niemanden hier haben. Und damit basta!«, machte Tatjana der lästigen Diskussion ein Ende. Sie kam an Dannys Bettseite und beugte sich über ihn, um ihn zum Abschied zu küssen. »Weißt du, wo die Konzertkarten für nächste Woche sind?«, wandte sie sich den praktischen Dingen des Lebens zu.

»Wahrscheinlich in dem großen, schwarzen Loch, das sich deine Handtasche nennt«, witzelte der Arzt.

Doch Tatjana lachte nicht.

»Ausgeschlossen. Sie sind mit der Post gekommen, und nachdem ich noch nicht weiß, welche Tasche ich mitnehme, kann ich sie auch nicht eingesteckt haben.«

»Dann habe ich keine Ahnung.«

Seufzend richtete sich Tatjana auf. »Gut. Dann schau ich mal.«

Danny hielt sie nicht von diesem Plan ab. Ihrer Sehbehinderung verdankte sie eine fast übernatürliche Sensibilität, sodass er keinen Zweifel daran hatte, dass sie tatsächlich fündig werden würde. Als sie das Zimmer verlassen hatte, legte er sich zufrieden in die Kissen zurück. Doch das Geräusch, das ihn gleich darauf hochschrecken ließ, verhieß nichts Gutes. Mit einem Satz sprang er aus dem Bett und stürzte ins Arbeitszimmer, woher der Lärm gekommen war. »Was soll das, Jana!« Dannys Atem ging noch schneller, als er die Bescherung sah. »Du weißt genau, dass ich es nicht mag, wenn jemand an meinen Sekretär geht und was durcheinander bringt.« »Du machst Witze!«, spottete seine Freundin und bückte sich, um die Unterlagen aufzuheben. »Da gab es nichts mehr durcheinander zu bringen.«

»Und ob! Nur weil du die Ordnung nicht erkennen kannst, heißt das noch lange nicht, dass es keine gibt.«

»Für solche Betrachtungen ist es jetzt wohl zu spät«, erklärte Tatjana und legte den Haufen Papier, den sie inzwischen vom Boden aufgehoben hatte, zurück auf den Kirschholzsekretär. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie beleidigt war. »Und keine Sorge. Ich werde keine Hand mehr an dein Heiligtum legen.« Ohne eine Reaktion abzuwarten, drehte sie sich um und ging zur Garderobe, um eine Jacke anzuziehen. Obwohl der Frühling längst Einzug gehalten hatte, war es in den frühen ?Morgenstunden noch empfindlich kalt.

»Hast du wenigstens gefunden, wonach du gesucht hast?«, rief Danny ihr nach, ehe sie die Wohnung verließ.

»Nein. Mir ist eingefallen, dass die Konzertkarten vielleicht doch in der Bäckerei liegen«, rief Tatjana, ehe die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Mit hängenden Schultern stand Danny im Wohnzimmer und lauschte auf das verklingende Hallen. »Kein Kuss! Das heißt, dass sie richtig sauer ist!«, murmelte er vor sich hin und machte sich auf den Weg ins Bad. Die angenehme Müdigkeit war einem Frösteln gewichen, das erst wieder weichen würde, wenn Tatjana das Kriegsbeil begraben hatte. Das wusste Danny inzwischen aus Erfahrung.

*

»Ich glaub, ich war noch nie in meinem Leben so nervös.« Anneka Norden saß am Frühstückstisch. Doch statt das Brot zu essen, zerpflückte sie es. Ein kleiner Berg Krümel häufte sich bereits auf ihrem Teller. Anneka achtete nicht darauf. »Das hast du bei deiner Führerscheinprüfung auch gesagt«, sagte ihr Bruder Felix ihr auf den Kopf zu und biss mit Appetit in sein Marmeladenbrot.

»Da hab ich mich getäuscht. Das hier ist wesentlich schlimmer. Ich fühle mich wie ein Schaf auf dem Weg zur Schlachtbank.«

»Dann solltest du dein Brot lieber essen statt es zu atomisieren. Vielleicht ist es ja deine letzte Mahlzeit«, gab er mit Grabesstimme zu bedenken. In diesem Moment sah sich Fee Norden gezwungen einzuschreiten, ehe die geschwisterliche Unterhaltung in Streit ausarten konnte.

»Felix, jetzt reicht es aber!«, mahnte sie ihren Zweitältesten. »Du sollst Anneka beruhigen und sie nicht noch nervöser machen.«

»Aber das wollte ich doch. Wenn sie wirklich glaubt, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat, dann hat sie bestimmt keine Prüfungsangst mehr. Oder?«, wandte er sich an seine Schwester.

Fee und Anneka tauschten ungläubige Blicke.

»Keine Sorge! Es handelt sich lediglich um einen akuten Anfall von männlicher Logik!« Die Abiturientin verdrehte die Augen. Das Brot war inzwischen komplett zerkrümelt, und sie schob den Teller von sich. »Ich glaub, ich schau mir noch mal die Gleichungen an, die ich nicht kapiert habe.« Sie machte Anstalten aufzustehen, als ihr Vater Daniel die Hand auf ihren Arm legte.

»Das ist keine gute Idee. Vor einer Prüfung soll man höchstens Stoff wiederholen, den man schon kann. Sonst läuft man Gefahr, sich zu verrennen, und verunsichert sich nur noch mehr.« Er drückte ihre Hand und lächelte liebevoll. »Du schaffst das schon. Ich glaube fest an dich!«

Seine Zuversicht zauberte ein Lächeln auf das Gesicht seiner Tochter.

»Ach, was täte ich nur ohne euch und euren Beistand«, seufzte sie und meinte es auch so, als sie von einem Geräusch abgelenkt wurde.

»Klingt wie ein Motorrad.« Auch Fee hatte das Geknatter gehört, das direkt vor dem Haus Halt machte und schließlich verstummte. Sie hatte kaum zu Ende geredet, als Felix auch schon aufsprang und – getrieben von Neugier – zum Fenster ging. Einen Moment lang starrte er stumm auf die Straße hinaus und wartete darauf, dass der Fahrer, der sein Motorrad tatsächlich vor dem Haus abgestellt hatte, den Helm abnahm.

»Jetzt sag schon, wer ist es?«, erkundigte sich Janni, der inzwischen auch am Frühstückstisch aufgetaucht war. »Noah!«, ließ Felix endlich die Katze aus dem Sack. »Seit wann fährt dein Freund denn Motorrad?«, wandte er sich an Anneka. »Für so cool hatte ich ihn gar nicht gehalten.«

»Ich wüsste nicht, was daran cool sein soll«, machte die Abiturientin keinen Hehl aus ihrem Missfallen. »Er hat den Schein zusammen mit dem Autoführerschein gemacht. Aber ich wusste nicht, dass er auch fährt.«

Als es klingelte, sprang sie auf und lief zur Tür. »Noah!« Im ersten Augenblick überwog die Freude über das unverhoffte Wiedersehen die Sorgen und sie fiel ihrem Freund um den Hals. »Was machst du denn hier?«

»Ich wollt dich überraschen!« Der angehende Rettungsassistent freute sich darüber, dass sein Plan aufgegangen war. »Und wie ich sehe, ist die Überraschung gelungen.«

»Allerdings.« Anneka löste sich aus der Umarmung und schickte dem Gefährt vor der Tür einen Blick, der tausend Worte sprach. »Seit wann hast du ein Motorrad?«

Noah folgte ihren Augen. »Das gehört Andi. Er hat es mir geliehen. Das Teil ist der Wahnsinn … Dieses Gefühl, wenn einem der Fahrtwind um die Ohren rauscht … Ich wollte es dir unbedingt zeigen. Was glaubst du, wie deine Freunde schauen, wenn ich dich damit zur Abiprüfung fahre?« Noahs Augen leuchteten und er war so gefangen in seiner Begeisterung, dass er Annekas Missfallen nicht bemerkte.

Erst als sie laut und deutlich nach Luft schnappte, erlosch das Strahlen auf seinem Gesicht. »Ich soll auf dieses Ding steigen? Vergiss das mal ganz schnell wieder«, teilte sie ihm ihre Entscheidung postwendend mit. »Da bringen mich keine zehn Pferde rauf. Schon gar nicht so kurz vor der Prüfung.«

»Aber warum denn nicht?«

»Weil das viel zu gefährlich ist.«

»Am Ende passiert euch was und dann war die ganz Lernerei umsonst«, mischte sich Felix von hinten in das Gespräch ein. Er hatte es nicht länger ausgehalten und wollte das Motorrad unbedingt aus der Nähe betrachten. »Deshalb wäre es vernünftiger, mich statt Anneka mitzunehmen.«

Noah sah von einem zum anderen. Die Enttäuschung über Annekas Ablehnung stand ihm ins Gesicht geschrieben, und er haderte mit sich.

»Wenn du wirklich nicht willst …«, machte er einen letzten Versuch, sie umzustimmen. Doch seine Freundin blieb hart.

»Wirklich nicht.« »Na schön, dann eben Felix«, gab sich Noah geschlagen und beugte sich zu ihr herab, um sie zu küssen. »Dann wünsche ich dir viel Glück bei deiner Prüfung. Ich glaub an dich! Du schaffst das!« Er strich ihr eine Strähne ihres Sonnenhaars aus der Stirn, als ihm etwas einfiel. »Warte, ich hab hier noch was für dich.« Noah kramte in seiner Jackentasche und förderte ein kleines Päckchen zutage. »Ein kleiner Glücksbringer für die Prüfung.«

»Du bist so lieb!«, geriet Anneka ins Schwärmen und riss das Papier auf. Zum Vorschein kam ein kleines Schwein aus Plüsch, das sie aus Glücksklee-Augen angrinste. »Ist das süß!« Sie fiel Noah um den Hals und drückte ihn an sich. »Da kann ja gar nichts mehr schief gehen.«

»Das will ich hoffen. Ich muss erst heute Abend zur Arbeit und hol dich nachher ab.«

»Aber nicht mit diesem Feuerstuhl«, verlangte Anneka. »Ich hab schon verstanden.« Lächelnd wandte sich Noah an ihren Bruder und wollte ihm den zweiten Helm geben, den er mitgebracht hatte. »Dann mal los!«

Felix starrte ihn an.

»Was? Jetzt?« Voller Bedauern schüttelte er den Kopf. »Ich dachte, das machen wir heute am frühen Abend, wenn ich von der Arbeit zurück bin.«

»Dann muss ich das Bike wieder zurückgeben«, seufzte Noah und zuckte mit den Schultern. »Irgendwie scheine ich heute kein Glück zu haben.«

»Dafür ich hoffentlich umso mehr!« In Gedanken war Anneka schon wieder bei ihrer Prüfung, und Noah wiederholte sein Versprechen, sie vom Gymnasium abzuholen, bevor er sich verabschiedete. In Felix’ Gesicht stand unverhohlenes Bedauern, als er ihm dabei zusah, wie Noah den zweiten Helm im Topcase verstaute, Helm und Handschuhe anlegte und sich schließlich auf den Feuerstuhl schwang. Es war ein herrlicher Frühlingstag, und die Sonne glänzte an einem makellosen Himmel. Felix wollte gar nicht daran denken, welches Abenteuer ihm gerade entging, und kehrte mit Anneka an den Frühstückstisch zurück, ehe es auch für ihn Zeit zum Aufbruch wurde.

*

Der Fahrtwind rauschte Noah Adam in den Ohren, und wenn er sich in die Kurven der Landstraßen legte, kribbelten Ameisen in seinem Magen. Er lachte vor Vergnügen und freute sich seines Lebens, spürte den Sonnenschein auf den Beinen und roch den Duft von frisch gemähtem Gras. Als er sich einem Dorf nahe München näherte, reduzierte er das Tempo. Neugierig sah er sich um. »Hier wohnt doch mein alter Kumpel Benny Rosen jetzt mit seiner Freundin«, fiel es ihm auf einmal wie Schuppen von den Augen. »Die Einweihungsfete war legendär.« Bei dieser Erinnerung musste er grinsen, und spontan lenkte er sein Motorrad in die Straße, in der Benny wohnte. »Vielleicht hab ich ja diesmal Glück und finde einen Mitfahrer, der dieses Abenteuer mit mir teilen will.« Diese Hoffnung war durchaus berechtigt. Benedikt Rosen machte eine Ausbildung in einer Eventagentur und arbeitete oft abends und in der Nacht. Noah parkte das Bike vor dem Wohnhaus und nahm den Helm vom Kopf, als eine Stimme über die Straße hallte.