Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
"Esctoile - die Nähe, die du zulässt", führt die Geschichte von Racquel und Azul fort. Racquel taucht in die Welt der Esctoiles ein und die beiden müssen ihre Liebe zueinander auf viele harte Proben stellen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 354
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Herzlichen Dank an M. Haller und A. Abberger für die einzigartige und wundervolle Covergestaltung.
Dieser Name ist ein Begriff, der nur bei Euch eine Bedeutung hat. Weil Ihr es seid, weil Ihr alle hinter diesem Namen steht, unzählbar viele. Dieses Wort gibt Euch eine Bestimmung, einen Sinn, nach welchem Ihr alle strebt. Das Leben mit all Euren Sinnen auszukosten ist Euch nur anfangs gewährt, aber Ihr verliert die Lebenslust über die Milliarden von Jahren die an Euch vorbeiziehen. So viele Jahre wie an Euch vorrübergehen, lassen Euch vergessen und Ihr werdet Euch nicht mehr bewusst sein, wie das Leben sein kann, wenn man alles auf sich zukommen lässt. Jeder Neue der mit Euch das Leben teilt, verführt Euch, weil er das Leben spürt. Jeden Laut den er von sich gibt, jedes Gefühl welches er mit seinen fünf Sinnen am Körper spürt, saugt Ihr aus ihm heraus, weil es für Euch nichts Schöneres gibt, als zu spüren. Lebendig seid Ihr nicht wirklich, weil Ihr nur noch denkt und handelt. Und doch ist das Erbarmen von dieser Welt zu verschwinden nicht das Eure, Ihr wartet auf irgendetwas und wisst nicht, bis zu dem Tag an dem das Schicksal entscheidet, dass es nun vorbei ist, ob ihr Euer Ziel erreicht habt. Doch das, was Ihr seid, macht Euch zu einem einmaligen, bewundernswerten, schönen Geschöpf, welches die Menschen „Stern“, nennen.
Aufgriff
Sternenname
Emotionen
Sprung
See
Blut und Herzschlag
Miyakin
Künste
Bestimmung
Glaube
Huldigen
Verbrennung
Geschwister
Keine Selbstvermehrung
Augen
Warum sind Esctoiles da?
Identität
Verschmelzung
Leben
Sternschnuppen
Verbindung zu Menschen
Tod
Geburt
Manchmal springt man um zu vergessen, was gewesen ist. Weil Traurigkeit einen zerfrisst als sei sie etwas was unbezwingbar ist. Denn was soll man tun, wenn alles unter einem zerbricht. Wenn das was man hatte, plötzlich in einem anderen Licht schimmert, weil man sein Leben nie aus der Sicht eines anderen betrachtet hat. Aber vielleicht will man das auch gar nicht. Vielleicht will ich das nicht? Jemanden ansehen und versuchen das zu fühlen, was er fühlt wenn er mich sieht? Aber dann schaue ich ihr in das Gesicht, wie sie schlafend in meinen Armen Schutz sucht. Ich habe sie aus ihrem Leben gerissen, ihr nicht mal Zeit gelassen, alles zu verarbeiten und klar im Kopf zu werden, ich habe sie in eine neue Welt gezogen. Als sie zu wimmern beginnt, ziehe ich sie näher zu meiner Brust, dann schaue ich empor. Dort über uns strahlt der dunkle Himmel, langsam sehe ich wie das Feuer am Horizont zu brennen beginnt, bald würden wir da sein.
Ewig war ich so nah an ihr und habe nie bemerkt, dass ich lebe. Das der Atem der über meine Lippen streicht wirklich meiner ist. Gedacht habe ich immer, dass es der Atem einer vergangenen Zeit sei, der sich wie ein Schleier über meine Gedanken gelegt hat. Meine Welt ist so ewig schwarz gewesen, undurchdringbar, leblos, kalt und verlassen. Aber nur weil ich nicht den Mut fand wieder zu leben, mir einzugestehen, dass ich das durfte.
Ohne sie.
Dennoch habe ich mich davon entfernt etwas Längeres zu beginnen. Jede Frau habe ich versucht glücklich zu machen und vergessen zu lassen, aber in Augen mit langen, schönen Wimpern eine Zukunft zu sehen, habe ich mir selbst verwehrt. Keinem Blick wollte ich mehr versprechen auf ewig der seine zu sein. Wie konnte ich jemandem ein gutes Leben bieten wenn ich selbst den Glauben an das meine verloren hatte? Aber bei ihr war das anders gewesen, kaum habe ich sie gesehen, habe ich alles wieder gespürt.
Mein Leben war da in ihr. Plötzlich schien ich in ihr meine Seele zu finden, das gute Gefühl und mein Wohlbefinden. Alles reizte mich, jeder Nerv in meinem Körper reagierte überaus angespannt wenn er auf ihre Anwesenheit traf.
Aber was wäre passiert, wenn ich keine blauen Augen hätte? Hätte sie mir je vertraut, hätte sie mir den Tod verziehen? Den Tod den ich an ihrem Freund begangen habe um sie am Leben zu halten und wohl auf. Aber ich weiß nicht was sie gefühlt hat, als sie mich angesehen hat und gespürt hat, dass ich anders bin. Vielleicht war sie berührt von der Art wie ich mich ihr gegenüber verhielt, keine Ahnung wen sie in mir sieht, aber ich will alle Ansprüche die diese Person ihr gegeben hat auch erfüllen.
Sanft streiche ich ihr über das braune Haar und lasse meine Finger darin verschwinden. So selten hatte ich mich verstanden gefühlt, es ist, als müsste ich mich niemals von ihr verabschieden, als würde alles was wir erleben nie enden. Doch unsere Liebe steht am Anfang, und hoffentlich ist das Ziel noch unendlich weit entfernt. Tausend Mal dankbarer wäre ich wenn es nie eintreffen würde. Das Ende.
Wer weiß wie sie auf meine Welt reagiert, auf die Art die dort herrscht. Mein Leben ist so anders als das ihre, so komplexer, so geheimer und so überaus gefühlskalt. Ob sie das verstehen würde? Weil ich zurückkehre, mit einer neuen Frau an meiner Seite, ob sie mich wieder lebendig sehen werden oder ob ich mich einfach nur täusche?
Sicher bin ich mir nicht, will ich leben oder will ich einfach wieder in meiner Hülle versinken. Ich hatte die Wahl, aber ob sie richtig gewesen ist, werde ich erst sehen, wenn ich sie spüren lasse, das sie alles ist um was mein Leben sich dreht.
Vorsichtig lege ich meine Lippen auf ihre Schläfe, schließe die Augen und atme tief ein und aus. Sie regt sich nicht. „Du bist so wunderschön, Racquel“, ein Lächeln stielt sich auf ihre Lippen, die roter sind als alles andere was ich je gesehen habe.
Wie konnte sie hier neben mir liegen, so unbeschwert, wenn sie doch weiß, dass hier ein neuer Lebensabschnitt für sie beginnt. Ohne ihre Verstorbenen. Ohne diesen Jungen mit dem braun gelockten Haar und den grasgrünen Augen und ohne seine kleine Schwester?
Ich bin einfach nur überaus froh alle wieder zu sehen, und vor allem Levke wieder in die Arme schließen zu können. Ich konnte wieder zurück in mein altes Leben schlüpfen, sie konnte das nicht, dieses wunderschöne Mädchen neben mir musste alles aufgeben, das Einzige was sie besitzt ist ihre Liebe zu mir. Ob das für sie wohl wertvoll ist? Mich zu lieben und mit mir ein gemeinsames Leben zu starten, weit weg von ihrer Vergangenheit?
Manchmal frage ich mich, womit ich sie verdient habe, wenn ich doch nie wirklich darauf aus gewesen bin? Plötzlich ist sie da gewesen und sie wollte mir nicht mehr aus dem Kopf, sie wollte einfach nicht mehr aus meinem Leben. Ich hatte sie einmal gesehen und nie wieder vergessen können. Genau das was ich jetzt habe, wollte ich unbedingt: sie sicher in meinen Armen wissen. Sie atmet langsam und ich streiche mit meinem Zeigefinger sanft über ihren Arm, der bloß an der Luft liegt. Dann sehe ich die Gänsehaut auf ihrem Körper. Somit greife ich nach dem Hasenfell und ziehe es über ihre schmale Schulter, sofort kuschelt sie sich an meine Brust und ihre zarten, kleinen Finger liegen auf meinem linken Schlüsselbein. Ich würde alles darum geben, dass unser Weg über das Wasser unendlich ist. Aber Wünsche sind Hoffnungen die, wenn man zu fest daran glaubt, zerbrechen.
„Ich verspreche dir hiermit, dir die schönste Zeit deines Lebens zu schenken, wenn du bei mir bist. Weil du mir so wichtig bist, weil ich dich liebe und hoffe, dass es lange so bleibt. Das erste Mal als ich dich sah, wollte ich all das hier erreichen, dich in den Armen halten und dich sicher in meinen Armen ruhen sehen. Um beruhigend in den Armen eines Menschen einschlafen zu können, benötigt man viel Vertrauen in die Person. Und ich hoffe, dass es nicht nur an meinen blauen Augen liegt, sie sollen dir zwar Vertrauen schenken, aber sie sollen dich auch anlächeln, strahlen wenn sie dich sehen und singen wenn sie dich küssen oder berühren dürfen. Und meine Hände sollen dir Halt geben und dich in Sicherheit wiegen, du sollst jeder Zeit in sie fliehen können, in eine Welt, die dich beschützt und umgibt und dich nie verbannt. Meine Brust soll dir der liebste Platz zum Schlafen sein, mein Inneres soll dir die schönsten Gedanken und Träume bescheren. Meine Finger sollen deinem Körper eine Form verleihen, denn du bist ein Hüter zweier Seelen. Meine Lippen sollen dich daran erinnern, dass du zu mir gehörst, weil wir uns ergänzen und zusammen passen. Du bist der Mensch, der das hat was ich haben will. Ein Mensch bei dem es scheint, als sei jedes Gefühl, dass er spürt, stärker als alles um ihn herum. Und einzig und allein das macht dich zu einer starken Frau, weil ich weiß, dass es wohl nicht einfach ist so viel zu fühlen. Aber ich würde das auch gerne, das Leben so auskosten wie du es kannst. Jeder Duft wird anders wahrgenommen und jede Minute anders bestrahlt und ebenso schöner ist es mit dir Momente zu erleben und Erinnerungen zu teilen, weil du die Geschichten so wunderschön in deinem Kopf behältst“, ein Zucken versetzt ihren schön geschwungenen Wimperkranz in Bewegung, bevor sie einmal kurz blinzelt und gleich wieder ihre Augen schließt.
„Guten Morgen“, wispere ich.
„Hm?“ ganz leise erhebt sich ihre Stimme und sie reibt sich vorsichtig über die wunderschönen, verschlafenen, träumerischen Augenlider.
„Gut geschlafen?“ sie kuschelt sich gleich wieder an meine Brust und sucht blind nach meiner Hand und als sie diese findet, verflechtet sie meine Finger mit den ihren.
„Vielleicht“, ich lächle und begebe mich in eine andere Position, um es für sie gemütlicher zu machen.
„Ich habe dich eben gehört“, flüstert sie plötzlich ganz leise nur und als ich mich aufsetze dreht sie ihr Gesicht, um mich ansehen zu können. Sie hat mich gehört?
„Da-das ist mir jetzt aber überaus peinlich“, räuspere ich mich und spüre die sachte Röte auf meinen Wangen. Sie legt ihre Handinnenfläche auf die errötete Stelle und sieht mir tief in die Augen. Lange Minuten verstreichen und ich kann einfach nicht reden, sehe sie einfach nur an und frage mich warum sie mich so wunderschön ansieht.
„Das muss dir nicht peinlich sein, weißt du, es hat mich sehr berührt“, als der erste Sonnenstrahl über das Floß huscht, spiegelt er sich kurz in ihren Augen wieder und ich sehe die Tränen darin.
„Das willst du wirklich alles für mich ausstrahlen?“ will sie wissen und legt sich hin.
„Natürlich. Und noch viel mehr, weil du so viel verdient hast und ich hoffe, dass ich dir all das schenken kann was du dir für ein erfülltes Leben vorstellst. Ich strenge mich an“, glaubt sie mir nicht? Oder warum hat sie nachgefragt? Dann zieht sie mich herunter und gibt mir einen flüchtigen Kuss. „Ich glaube dir, aber …“, ich kenne sie bereits gut genug um zu wissen, dass sie diese Pause einlegt um mich überlegen zu lassen, was sie nun sagen könnte. Wie sie diesen Satz beenden könnte. „…du weißt hoffentlich, dass du nicht mehr brauchst, als du selbst zu sein um mich zum glücklichsten Menschen auf Erden werden zu lassen“, und schon wieder schafft sie es mir ein Grinsen auf die Lippen zu zeichnen. Wer weiß wie die Geschichte weitergehen wird. Zwischen uns.
Wir kommen an. Das kleine Boot, welches für uns eine Zeit lang unsere eigene Welt gewesen ist, bleibt stehen. Wird vom Wasser, welches uns getragen hat, an Land gespült. Irgendwann mussten wir weitergehen, aber ich wäre unheimlich gerne noch da geblieben, auf diesem Boot, in unserer Welt. Sie lächelt und sieht mich an und mir entgeht nicht wie sehr sie endlich sehen will woher ich komme. So niedlich wie ein kleines Kind, welches vollkommen unter seiner Neugierde gefangen ist und nichts anderes kann, als sich zu wünschen, endlich etwas Neues in der großen weiten Welt zu entdecken, zappelt sie unter dem Hasenfell. Das Einzige was ich kann, ist still und starr, reglos und vollkommen unbewegt sitzen zu bleiben. Wohin wenn sie gehen will, wenn ihr die Wahrheit zu viel ist?
„Stimmt etwas nicht?“ nach einem Blick in ihre Augen, welche leicht zittern, schüttle ich den Kopf. Noch ist alles okay, meine Schönheit. Aber wer weiß wie es in ein paar Minuten steht. Langsam stehe ich auf, nehme sie auf meine Arme und schreite mit ihr an Land. Racquel lacht, nachdem ich sie gespielt fallen lasse.
„Denkst du wirklich ich würde das tun. Jemals“, gebe ich empört zurück, aber sie hört die Ironie heraus, doch um es ihr zu beweisen, lasse ich sie wirklich ganz sacht zu Boden sinken. Mit ihren Händen zieht sie mich mit sich zu Boden und ich lasse es zu, obwohl ich auch stehen bleiben könnte. Aber manchmal tut es einfach nur gut sich in sichere Hände fallen zu lassen. Dort sitzen wir also, auf dem staubigen Boden und sehen uns einfach nur an. Ich nehme ihre Hand und streiche darüber, was ist wenn sie das hört, was ich ihr sagen muss, und ich nie wieder ihre Hand in der meinen halten kann?
„Ich muss dir etwas sagen… glaube ich“, doch irgendwie kann ich den Blick nicht heben, nichts bewegt mich dazu ihr ins Gesicht zu sehen. Dann macht sie es, den Kontakt herstellen, zwischen uns. Geschickt legt sie sich auf meinen Schoß und sieht mich an. Offen und mit voller Feingefühl.
„Egal was es ist, du kannst mir vertrauen“.
Weil sie keinen mehr hat, dem sie das Geheimnis erzählen könnte, egal wie schwerwiegend und wie hässlich es wäre.
„Hass mich nicht“, und ich meine es ernst, genauso wie ich es sage, und auch wenn sie mir einen verwirrten Blick zuwirft, nickt sie. Nachdem sie vorsichtig ihre Finger auf meine Wange gelegt hat beginnt sie zu flüstern: „Ich kann dich nicht hassen, egal was du mir sagst. Liebe färbt sich niemals schwarz und strahlt als sei sie Hass. Denn Liebe ist das Gefühl, was alles übersteht. Was über allem steht“, wenn ich weinen könnte würde ich es tun, einen Tropfen auf ihre blutroten Lippen fallen lassen und dabei zusehen, wie er zwischen ihnen verschwindet.
„Wenn ich dir sage, dass ich anders bin als du geglaubt hast, was löst das in dir aus?“ Racquel schluckt und entfernt die Hand von ihrem bisherigen Platz.
„Was ist wenn ich dir sage, dass ich ebenso anders bin?“ ich schüttle den Kopf und sehe sie entgeistert an.
„Du auch?“ will ich wissen und sie nickt nur, sofort beuge ich mich zu ihr nach unten und küsse sie. Genieße das Gefühl, mit dem Gedanken im Hinterkopf und im Herzen, dass sie kein Mensch ist. Obwohl es mich verrückt macht und wahnsinnig werden lässt, will ich sie nicht ausfragen, sondern dieses Geheimnis kurz bewahren. Als sei es das Schönste auf der Welt, wie der Moment mit den Tautränen. Bei diesem Gedanken lege ich meine Hand auf die Kette und streiche mit meinen Fingerspitzen über die schön geformten Blätter und der Tropfen im Inneren scheint zu strahlen. Er erweckt zum Leben, sobald wir zwei uns berühren. Weil ich denke, dass in diesem Moment unsere Liebe geboren wurde, näher waren wir uns erst wieder, als wir uns küssten.
Sie sieht mich an, nachdem unsere Lippen sich entfernt haben. Ein Blick der sofort mein Herz erweichen lässt und mit diesem Glücksgefühl, welches ich herzlich willkommen heiße, so trifft auch die Angst herein, zu vergleichen mit einem Blitz am hellblauen Himmel. Tief atme ich durch, ich kann ihr das nicht sagen, zu viel Angst habe ich davor, dass sie verschwindet und für immer fort ist, was ist wenn mein Geheimnis viel schlimmer ist als das ihre? „Du schaffst das schon“, ein Lächeln tanzt über ihren blutroten Mund, bringt ihr Gesicht zum Strahlen. „Ich weiß“, Sicherheit begrüßt mich und verlangsamt meinen Herzschlag für einen Moment, bevor er zu rasen beginnt und ins Unermessliche steigt, als ich mir meine Worte im Kopf zurechtlege.
„Zuerst musst du wissen, dass ich dir dieses Geheimnis noch nicht offenbart habe, weil ich mir unsicher war und bin“, sie setzt sich auf und sieht mich an, ich wünschte ich könnte ihre Gefühle wahrnehmen, aber ich kann ihre Stimme in ihren Gedanken erahnen. Schlimmer als der Tod an Kalkew kann nichts sein.
„Weil, ich einfach davor scheue, dass du mich verlässt und ohne dich kann ich nicht leben“, Ehrlichkeit währt am längsten, rede ich mir ein, während ich versuche nicht vor Peinlichkeit rot anzulaufen. „Ich bin kein Mensch“, spucke ich es einfach aus und lasse ihr kurz Zeit um meine Worte in ihrem Gehirn ankommen zu lassen, doch ihr Gesicht verändert sich nicht, sie lächelt immer noch und lässt ihre blaugrünen Augen strahlen.
„Sondern?“ will sie wissen und ich schwenke kurz zurück, genieße den Gedanken an die Vergangenheit. Wie sie mich angesehen hat, und nur gelacht hat, sie war nicht schockiert, sondern interessiert an allem was ich ihr über mein Leben erzählte. Sie konnte sich kaum vorstellen einen normalen Menschen zu lieben, hatte sie oft genug zu mir gesagt, weil ich normal geworden sei. Natürlich, natürlicher als alle anderen Menschen auf der Welt. Sie hat mich aufgebaut wenn ich daran verzweifelt bin, wenn ich nicht verstand warum ausgerechnet ich dieses Leben führen musste, aber sie war alles für mich und deswegen lebe ich, weil sie mal hier gewesen ist. Und solange ich atme, wird auch sie es tun, durch mich. Doch zu gerne würde ich sie in meiner Nähe wissen aber, dort wo sie ist wird sie gut aufgehoben sein. Denn dort wo sie sich aufhält, seit so vielen unzähligen Jahren, gibt es kein Unglück und keine Verluste. Sie kann befreit leben und glücklich werden, fröhlicher als sie es mit mir jemals hätte werden können.
„Wir nennen es Esctoile, ihr nennt es Sterne. Einfacher gesagt, die leuchtenden Dinger am Himmelszelt“, kurz kann sie sich nicht fassen und ihre Kinnlade fällt runter.
„Ein Stern?“ sie sieht mich an als hätte ich irgendetwas Wundervolles getan oder gesagt.
„Ich habe mich immer gefragt ob Sterne Namen haben“, Racquel scheint überaus angetan von diesem Geheimnis.
„Und was machst du dann hier auf der Erde?“ will sie voll Euphorie wissen und dann sehe ich, wie sie sacht meinen Arm berührt und nichts scheint ihr peinlich zu sein.
„Ich lebe hier tagsüber und nachts siehst du mich dort oben am Himmel um die Wette strahlen“, ungläubig starrt sie zur Sonne und kann ihren Blick nicht mehr von meinem zweiten Zuhause abwenden. „Bist du so auf die Welt gekommen?“ ich nicke und nehme sie in den Arm, wende ihren Blick von dem Zelt über uns ab. „Das hätte ich niemals erwartet. Ein Stern auf Erden, der hier lebt und mich liebt und den ich berühren kann. Da oben, das scheint als seist du unerreichbar, aber eigentlich bist du hier“, ich streiche ihr über die Wange und hauche ihr einen Kuss auf den Scheitel. „Bin ich jetzt dran?“ nachdem ich genickt habe, atmet sie tief durch und verdreht ihren Kopf um meine Reaktion zu sehen, die nach ihrem Geständnis folgen wird.
„Ich gehöre dem Stamm Darja an und wir sind Elfen“, sagt sie, ganz leicht, als koste es sie keinerlei Überwindung.
„Mit Flügeln und spitzen Ohren?“ will ich ganz leise wissen und sie lacht, ich glaube über meine Frage. „Nein, ich habe weder Ohren noch Flügel“, vollkommen geschockt sehe ich sie an, doch als sie nun zu prusten beginnt, weiß ich, dass sie mich angelogen hat.
„Danke, sehr nett. Meine Unwissenheit auszunutzen“, Racquel setzt sich auf und verflechtet meine Hand mit ihrer.
„Wie fühlst du dich?“ frage ich und sie steht auf, zieht mich nach oben und wir setzen uns in Bewegung. „Ich fühle mich dir näher. Aber ich glaube, dass wir noch viele Jahre haben um das alles aufzuklären“, ich verschließe meinen Mund sofort wieder nach dem ich ihn geöffnet habe. Denn in diesem Punkt täuscht sie sich, so einfach ist das Ganze nicht.
„So viele Jahre wie du kannst und willst“, Racquel umschließt fester meine Hand und bleibt stehen, zieht mich somit zurück und ich suche sofort nach ihren Augen.
„Warte“, wispert sie und wendet ihren unklaren Blick von mir ab, sieht bedrückt zu Boden, strafft die Schultern um zu kämpfen. Gegen sich selbst. „Immer werde ich warten“, nachdem ich sie gefragt habe, ob ich sie in den Arm nehmen soll und sie nicht so aussieht als hätte sie meine Frage gehört, drücke ich sie an mich. Und sie beginnt zu weinen, sanft wiege ich uns hin und her.
„Du darfst solange mit mir leben, wie dein Herz es will. Niemals musst du gehen, weil ich dich liebe, Racquel. Und den, den ich einmal in mein Herz geschlossen habe, den lasse ich nie wieder gehen. Nicht mal wenn er wortlos geht, erst wenn er mir ins Gesicht sagt, dass ich von ihm ablassen soll. Aber auch dann vergesse ich dich nicht, doch ich hoffe, dass du dich nicht dafür entscheiden wirst mich los zu werden. Denn ich habe dich mit hierher genommen, damit du mit mir ein neues Leben anfangen kannst.
Das du versuchen kannst, die lebenden Bilder deiner Vergangenheit, leblos werden zu lassen. Ich will, dass du lachst, ehrlich und aufrichtig ohne einen Gedanken daran zu verschwenden ob du überhaupt fröhlich sein darfst. Kalkew ist fort, hinter diesem See, er ist in deiner Vergangenheit und auch Jason und Rya leben hinter dir. Du kannst nicht ewig dort leben wo du aufgehört hast zu existieren, denn wie sollst du dich dann wiederfinden. Verstehst du?“ sie schluchzt und drückt ihr Gesicht an meine Brust, in das Hemd, in welchem unzählige Erinnerungen stecken. Ich war nicht besser als sie, auch ich flüchte mich nicht in Zukunftsträume sondern immer in die Vergangenheit. Versuche zu leben, in den Momenten in denen ich mich wohl und angenommen gefühlt habe.
Herr meiner Gefühle, die damals noch unheimlich stark waren, meine Empfindungen die mich echt gemacht haben, aber über die vielen Jahren hinweg bin ich das geworden was mein Schicksal von mir verlangt hat. Jemand den ich immer verachtet habe, aber kämpfen gegen seine eigene Natur ist nicht möglich. So bin ich und so werde ich geliebt, vermisst und behandelt.
„Danke“, ich hebe sie etwas von mir weg um ihr ins Gesicht sehen zu können, diesem Mädchen, das ich liebe. Ich sehe kurz in ihre blaugrünen Augen, nachdem diese sich verändern und in einem warmen braun zu strahlen beginnen. Ich schüttle meinen Kopf, nicht jetzt.
„Vergiss nicht, niemals, dass ich dich liebe und will, dass du glücklich bist. Das ist, das einzige Ziel das ich zu erfüllen habe nichts anderes hat mehr Priorität als dieses Vorhaben. Ich habe dich aus deiner Vergangenheit und deinem Leid geholt um all das wieder gut zu machen, was andere dir verdorben haben. Und ich werde nicht aufgeben, bis du zu mir gesagt hast, dass du wieder leben willst“, sie legt ihre Hände auf meine Schultern und ich senke meinen Blick, betrachte eingehend ihre vollen Lippen. Dann beuge ich mich hinab und küsse sie, lege meine Hände auf ihre schmalen Hüften.
„Du bedeutest mir so viel“, wispert sie kurz und steigt dann wieder in den Kuss mit ein. Wir bleiben so stehen, auch nachdem wir aufgehört haben uns zu küssen, wir sehen uns tief in die Augen.
„Bist du bereit?“ ein Lächeln breitet sich auf ihrem schön geformten Gesicht aus. „Schon lange“, dann übernimmt sie die Führung und verflechtet ihre Hand mit der meinen. Ich teile ihr mit wohin wir müssen und genieße es, nach langer Zeit mal wieder diesen mir vertrauten Boden unter den Füßen zu spüren. Zeitgleich denke ich an meine leicht verletzlichen Füße, sie waren schon seit langem ein Hindernis, aber daran ändern konnte ich ebenso wenig wie an meinem Schicksal. Was bestimmt ist, ist nun mal bestimmt. Nicht immer hat man die Wahl selbst zu entscheiden, man kann seine eigene Meinung zwar äußern und vertreten, aber ob sie gehört und akzeptiert wird ist eine andere Frage.
Mit einem Grinsen registriere ich mein Zuhause, das riesige Schloss welches sich vor uns auftut, Racquel holt sich die Bestätigung in meinem Blick ab.
„Dagegen ist meine Hütte ja gar nichts“, flüstert sie und saugt die komplette Kraft unseres Hauses mit ihren Augen ein. „Willst du das Innere sehen?“ sie schüttelt zu meiner Enttäuschung ihr schönes Haupt.
„Noch nicht. Bitte. Lass mich diesen Anblick kurz genießen“, die Balkone strahlen in einem glatten weiß, welches mein Herz erquickt. Abhängigkeit. Also stelle ich mich hinter sie und lege die Arme sanft um ihren Körper. „Das ist unglaublich. Was für ein Tag. Meine Liebe ist ein Stern. Und ich soll für die nächste Zeit in so einem riesigen Haus wohnen. In dem meine Stimme untergehen wird, in dem meine Seele sich verlieren wird, so wie mein Verstand wenn ich in deine blauen Augen blicke“, sie lehnt ihren Kopf gegen meine Schulter und schließt kurz ihre Augen. Sie hat Recht, ich muss mich ebenfalls erst daran gewöhnen, dass ich eine Elfe hier in meinen Armen halte. „Kannst du mir später, wenn wir alleine sind deine Flügel zeigen?“ will ich neugierig in Erfahrung bringen und sie lacht leise. „Natürlich“, dann atmet sie tief ein und aus, nickt und löst meine Arme von ihrer Taille. „Wir können los“, somit nehme ich sie an der Hand, pflücke eine weiße Blume für sie und befestige sie in ihrem Haar. „Schrecke nicht zurück vor den anderen Esctoiles“, flüstere ich ihr noch schnell zu, bevor ich die Tür öffne, aber sie scheint das nicht gehört zu habe.
Die riesige Tür schwenkt auf und lässt uns ein, als sie wieder ins Schloss fällt, scheint es als würden wir verschluckt werden.
„Ich traue mich gar nicht laut zu reden“, wispert sie leise in mein Ohr, nachdem sie sich auf ihre Zehenspitzen gestellt hat.
„Gemma ist da!“ schallt eine tiefe Stimme durch das Schloss.
„Beath, musst du das immer so offiziell machen?!“ lache ich und bin dankbar, als er mich in die Arme schließt. Racquel sieht relativ geschockt aus. „Oh, hallo, Entschuldigung, ich bin Beath. Besser bekannt als Aldebaran. Anhänger des Stiers“, zu viel Information für meine kleine Elfe.
„Schon gut, du kannst ihm die Hand geben wenn du willst“, da sie gut erzogen ist, streckt sie ihm die Hand hin. „Blaue Haare und orangene Augen, von Natur aus?“ argwöhnisch betrachtet sie seine Auffälligkeiten. „Für meinen Sektor gehört sich das so“, grinst er breit und Levke kommt um die Ecke gehuscht.
„Gemma“, sie strahlt über beide Ohren und drückt mir einen Kuss auf die Stirn. „Wie wunderschön, dass du wieder da bist. Ich habe erst vorhin noch dein Bett gemacht und durchgelüftet. Skyler hat dich unheimlich vermisst“, sie kann gar nicht von mir ablassen, aber das liebe ich so an ihr. Zerbrochene
Menschen, suchen sich ihr Kissen. Und ich bin froh, dass sie mich dafür auserkoren hat, sie aufzubauen und auf sie acht zu geben. „Die Sache ist, das ist Racquel. Meine Freundin, sie ist darin eingeweiht das wir Esctoiles sind und hat damit keinerlei Probleme, über einen gewissen Zeitraum hinweg werde ich sie über die Chroniken informieren. Das heißt, keine Auffälligkeiten oder übertriebenen Gesten, ich kenne euch, aber lasst sie davon mal außen vor“, ein trauriges Nicken macht die Runde.
„Und wo treibt sich meine Skyler so herum?“ will ich wissen und sehe Levke an, die sich nun endlich von mir lösen konnte, somit ziehe ich Racquel in meine Arme. „Das kann alles überaus beängstigenden wirken, aber daran gewöhnst du dich schon noch, meine Liebe“, ganz beiläufig hauche ich ihr meine Worte ins Ohr.
„Nicht zu sprechen“, gibt Levke mir als Antwort und ich tue so als hätte ich diese drei Worte nicht gehört. Skyler ist alles was ich auf der Welt habe, wegen ihr weiß ich wie sich Leben anfühlt, wenn man es genießt. Aber nicht zu sprechen heißt, dass es ihr gesundheitlich wieder schlechter geht. Immer wieder bin ich die Medizin die ihr auf die kleinen Beine hilft, aber wer weiß, ob sie nicht irgendwann dagegen immun wird und sie nichts mehr heilen kann. In dieser Welt zu leben für einen Stern, wie sie der Art angehört, ist wohl schwerer als jedes Leid das wir mit uns herum tragen.
„Ich würde sagen ihr setzt euch erst mal und ich hole euch was zu trinken und ein paar Früchte“, Racquel sieht sich aufmerksam in der Eingangshalle um und ich führe sie zu dem Sofa auf dem wir uns dann nieder lassen.
„Faith ist mal wieder losgegangen“, Beath sieht mich an, mit einem genervten Blick, ein Stöhnen entfährt ihm. „War das nicht vorauszusehen“, der Aldebaran nickt nur schwach und freut sich als Levke mit den Früchten zurückkehrt. Geschickt stibitzt er sich eine Traube, die er schnell in seinem Mund verschwinden lässt. Ich gebe ein Wasserglas weiter, welches Levke mir überreicht hat. „Gemma?“ flüstert Racquel mir zu, als ich ihr eine Erdbeere in den Mund schiebe. „Mein Sternenname. So werde ich hier eigentlich nur genannt. Dustin ist für die Menschen, die mich neu kennenlernen. Levke heißt Nusakan und Beath, der Kerl mit den abgefahrenen Augen, ist der Aldebaran. Ich sagte ja, ich führe dich in unsere Chronik ein und im Handumdrehen weißt du über alles bescheid, meine kleine Elfe“, sie grinst breit und klaut sich eine Traube, so vorsichtig wie sie das Glas mit ihren
Fingern umschließt, scheint es, als habe sie noch nie so etwas in ihrer Hand gehalten. „Hat Beath dir die Sache mit Faith schon erläutert“, ich schüttle den Kopf und wende mich nun Beath zu. Faith hatte einen Grund?
„Er meinte wir sperren ihn alle ein, unsere Gedanken seien ihm zu viel, es sei grausam, dass wir meinen wir würden alle ein anderes Leben verdienen, also hat er sich mit seiner Kraft auf und davon gemacht. Angeblich hat Skyler gesagt er kommt in ein paar Tagen wieder“, ich nicke, natürlich liegt es nahe das wir Esctoiles flüchten, weil jeder sich aus dieser Bestimmung befreien und los machen will. Egal wie toll es auch ist ein Stern am Himmelszelt zu sein, so grausam können die ganzen Verantwortungen sein. Eigentlich würde ich Racquel ebenso von dieser Welt fernhalten, aber sie gehört zu mir, so wie der Stern in meinem Körper. „Wenn Skyler das sagt, dann sehe ich in der Sache kein Problem. Wenigstens ist mal einer ehrlich hier in diesem Haus“, ein tiefes Lachen dringt bis zu mir und erfüllt die ganze Eingangshalle. „Das sagt der Richtige“, zuerst sehe ich nur die geschlossenen Augen und das gleißende, weiße Haar. „Etwas mehr Freude über meine Rückkehr wäre angebracht zu diesem Zeitpunkt“, seine Belustigung erfreut mich dennoch, er öffnet seine Augen und ich sehe das vertraute Blau entgegen strahlen, zwischen seinen anderen Augenfarben, und die schwarzen Strähnen in dem weißen Haar. Dann schwenkt sein Blick über zu Beath. Enttäuscht und auch mit einem Beigeschmack von Eifersucht sehe ich wie das orange in seinen Augen pulsiert und wie die schwarzen Strähne sich nun blau färben. „Das ist Racquel, Sirius“.
Ihr alle habt etwas in Euch zu bewahren, das was Euch ausmacht, denn ein Name enthält all Euer sein. Ohne Ihn wärt Ihr nur eine leblose Hülle, aber noch wichtiger sind die Namen die Euch der Himmel gegeben hat, denn sie geben Eurem Leben einen Sinn. So wie der Himmel Euch benannt hat, so hat der Schöpfer Euch zu dem auserkoren was er braucht. Er erschuf das Wasser und das Himmelszelt an einem Tag, sowie auch Euch und alles was mit Euch zu tun hat. Die Buchstaben, die ein Wort ergeben und mit dem Euch jeder ruft, das ist das Wahre. Weil sie Euch kennen, jeder dem Ihr Euren Sternennamen anvertraut, dem gebt Ihr das Recht das er alles über Euch in Erfahrung bringen darf und da Ihr Esctoiles ehrliche Wesen seid, verwehrt Ihr dieser Person nicht die Antwort. Seid bedacht darauf Euren Namen und Eure Natur zu wahren, nicht umsonst fallt Ihr in der Öffentlichkeit auf, man wollte Euch davor bewahren, dass Ihr Eure Bestimmung offenbart. Euer Name, lässt den Stern in Euch bestehen, lebt mit Geheimnissen um nicht die Lust am Leben zu verlieren.
Er kommt auf sie zu, wendet sich von allen Blicken ab und betrachtet nur sie, ich merke wie seine Präsenz verloren geht, weil sie etwas in ihm auslöst.
„Mein Name ist Sirius, sehr erfreut“, er hält ihr die Hand hin, mutig und selbstbewusst, während sie schüchtern den Blick auf seine beeindruckenden Hände legt und seine ausgestreckte Hand mit der ihren ergreift. „Racquel“, dann nimmt er seine Hand aus der Begrüßung und leitet mit seinem Zeigefinger ihr Kinn hinauf um ihre Augen anzusehen und abzuspeichern, so wie er es bei jedem tat, ihn eingehend betrachten und sich das Einzigartigste an seinem Sein merkt. Die Augen, die Form, die Wimpern, die Iris und deren Muster.
Racquel sträubt sich nicht, sinkt widerstandslos in seine Kraft hinein und lässt sich erretten und mustern, durchforschen von seinen magischen Augen. Sie ist gefesselt, wie jeder bei seinem Anblick, Teil seiner Aufmerksamkeit zu sein, ist der größte Wunsch eines jeden Esctoiles, weil man Sirius in diesem kurzen Moment erkennt. Doch wie wertvoll dieser Moment gewesen ist, wird sie erst begreifen, wenn er bereits wieder vorbei ist, sie wird nicht vergessen was sie gefühlt hat. Sie hatte Glück, sie würde das niemals. Im Gegensatz zu… „Wer hat dich hier hergebracht, zu meinen strahlenden Esctoiles gehörst du allemal nicht“, seine Finger verlassen ihre Haut, stoßen sie in die Einsamkeit, ich fange sie auf. In den Armen eines Esctoiles zu sein, ist etwas was einen überaus lebendig werden lässt, das lösen, grauenvoll. Jegliche Gefühle werden kurz betäubt und kehren erst später zurück, wenn man über den Verlust hinweggekommen ist, manche finden nie wieder in ihre Existenz zurück, weil sie sich fürchten vor dem Gefühl, das ihre Haut umgibt. Unsere Aura ist etwas, dass man spüren kann, sie ist greifbar und echt und lässt einen neuen Mut fassen.
„Ich… ich habe sie hierhergebracht, sie ist wohl die erste junge Frau, die es verdient hat von unserem Leben zu erfahren“, Sirius wartet und schüttelt den Kopf.
„Halte sie nicht, als sei sie es wert, steh auf“, doch ich widersetze mich ihm. „Du hast nicht das Recht so über sie zu urteilen, wenn du sie nicht kennst“, ein böses Blitzen jagt durch seinen blau angehauchten Blick, die anderen Dreiecke in seiner Iris gehen in seiner Wut unter, die schwarzen Strähnen beben. „Wertvoll?“ spukt er aus, doch verschluckt den nächsten Satz, weil sein Blick auf die Tautränenkette geglitten ist.
„Woher hat Sie diese wunderschöne Kette“, mein Schweigen ist ihm Antwort genug, also rapple ich mich auf, lege Levkes Hand vorsichtig auf Racquels Schulter und stehe Sirius trotzig gegenüber. Bald schon würde Racquels Haut sich an unsere magische Umgebung gewöhnt haben und sie würde ewig dieses lebendige Gefühl auf ihrer Haut widerfinden. Im Laufe der Zeit wurde es bei Lyl sogar sichtbar, doch ich schüttle meinen Kopf, hole meine Konzentration zurück.
„Hüte deine Zunge, solange du dich hier aufhältst“, er streckt trotzig das Kinn vor und wirft einen abschätzenden Blick auf mein Hemd. „Einfach abhauen, nichts von sich hören lassen, seine Schwester der Angst aussetzen. Und vor allem mich so verwirren, das ich mich selbst vergaß. Nie wieder verschwindest du ohne Vorwarnung“, sanft nimmt er mich in den Arm und legt seine Lippen an mein Ohr, kurz höre ich seinen Atem, lausche auf das Klirren in seinem Körper, so dunkel und magisch, dass ich mich kurz verliere in dem Geräusch. „Ich brauche dich hier. Von dir hängen so viele Gefühle und Wandlungen ab, vergiss nicht, das der Himmel jedes seiner Kinder braucht“, ich weiß nicht was ich ihm antworten soll. Da ich genauso denke wie jedes Himmelskind, das hier seit vielen Jahren in diesem Haus lebt und sich vor der Realität versteckt, vor dem Leben. Weil wir alle wissen, dass man uns nicht den Kampfgeist geschenkt hat. Kein klares Ziel vor unseren Augen, keine Hoffnung. Manchmal können wir nicht mehr, als nur stumm zu sein, denn jedes Wort das wir aussprechen kann nichts an unserer armseligen Situation ändern. Wir alle sind einerseits dankbar anders zu sein, jedoch wird der negative Aspekt immer größer mit Verlauf der Jahre. Weil das Einzige was wir uns wünschen, zu Leben ist. Richtig, mit jedem Sinn, den unser Körper besitzt. Doch dafür sind Esctoiles nicht ausgelegt, nicht damals, nicht heute und nicht in Zukunft. Kein Grund zu kämpfen, weil es kein Ziel gibt. Planlos.
„Du verstehst, was ich sage oder?“ er vergewissert sich immer, das ist eine seiner Aufgaben. „Beurteile Racquel nicht, glaube mir, in ihr steckt mehr als du siehst“, er löst die Umarmung und legt seinen besonderen Blick in meine Augen, als könnte er dadurch in meine Gedanken eindringen und mich beherrschen. Aber er weiß genauso gut wie ich, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit für ihn ist, weil er versuchen kann zu erreichen aber sich niemals sicher sein kann ob er das bewirkt was er will. „Lass mir Zeit, verstehe, dass ich eines meiner Kinder beschützen will“, er fährt mir durchs Haar und atmet schwer. Seufzt.
„Du bist mir sehr verbunden“, mit diesen Worten dreht er sich von mir weg, seine Präsenz entfernt sich langsam von mir und ich beobachte seine Silhouette. Lange bleibe ich noch so stehen, bis ich irgendwann begreife, was er mir sagen wollte. Das Racquel hier nicht erwünscht ist, weil er weiß, dass sie gehen wird wie Lyl und sie mich alleine auf dieser grausamen Welt zurücklässt. Nachdem ich meinen Blick auf den Boden gelegt habe, laufe ich zu den Stimmen, blind, weil meine eigenen Gedanken mir die Kraft rauben im hier und jetzt mit meinem Geist zu bleiben. „Lass uns in mein Zimmer gehen“, wispere ich und halte Racquels Hand in der meinen, hebe meinen Blick nicht, weil ich mich vor mir selbst schäme. Und die anderen Esctoiles diesen Ausdruck der in meinen Augen flackert kennen, zu gut wissen sie für welche Wandlung er in meinem Leben steht. „Wäre es ein Problem für dich, wenn du bei mir schläfst?“ frage ich vorsichtshalber, weil Lyl das anfangs nicht wollte. Sie konnte es nicht ertragen, dass alle schlecht über sie redeten, denn sie war der erste Mensch der hier in diesem Haus lebte für eine lange Zeit. Es dauerte Jahre bis sie sich bereit erklärte sich nachts an meinen Körper zu kuscheln.
„Sehr gerne“, antwortet sie voll Euphorie, sie ist nicht Lyl, und dennoch denke ich ständig an dieses andere hübsche Mädchen, welches so ewig bei mir war. Bis sie… „Willst du dich waschen?“ sie lächelt verlegen als ich aufblicke und ich öffne meine Türe die zu meinem Schlafgemach führt. Ihre Augen glänzen. „Wie wundervoll“, sie löst ihre Hand aus meiner und berührt vorsichtig mit ihrem Zeigefinger die überaus weiche Matratze. Warum wir Esctoiles ein Bett haben, frage ich mich oft, denn eigentlich brauche ich es nicht. Schlafen tue ich wenn überhaupt nur ein paar Minuten und das wenn die Sonne durch die Jalousie bricht und kleine Punkte in dem Zimmer verteilt.
Ich betrachte Racquel eingehend, wie ihre Füße leichtfüßig auf dem Holzboden stehen. Das weiße Kleid, das still und unbewegt ihren Körper um schmiegt und ihre langen Haare die fließend über ihre Schulter fallen, als würden sie ständig in Bewegung sein. Leise schleiche ich mich an sie heran, hebe sie hoch und fallen mit ihr in die weiche Matratze. Sie stößt einen hohen, kurzen Schrei aus und bleibt dann reglos neben mir liegen, während meine Arme sich um ihre Taille schlingen, diesen kurzen Moment nutze ich aus um sie näher an mich zu ziehen und zu versuchen ihren Duft einzuatmen. Kein Gefühl das an mein Phantomherz klopft. Aber ich sage nichts weiter und lasse sie enttäuscht los. Enttäuscht von meiner selbst, weil ich nicht fähig zu fühlen bin.
„Na, komm schon du kleine Elfe, ich zeige dir mein Badezimmer“, sie kriecht ans Ende des Bettes und folgt mir. „Treten sie ein in das Reich“, weiß erstrahlen die Fließen und sie sieht mich mit einer krausgezogenen Stirn an. „Wie funktioniert das?“ fragt sie mich. Somit erkläre ich ihr kurz, wie man den Wasserhahn reguliert und wie man Shampoo benutzt und auswäscht, stelle ihr grob dar wie man ein Handtuch betätigt und sage ihr, dass ich kurz zu Levke gehe um Klamotten aufzutreiben. Ich küsse sie auf den Nacken, als sie ihre Haare beiseite geschoben hat und verlasse den Raum, in dem sie alleine verweilt. Als ich bemerke, dass ich regelrecht zu Levkes Zimmer sprinte verlangsame ich meinen Gang. Ihre Zimmertüre ist nur angelehnt, deswegen klopfe ich leicht mit meinen Fingerknöcheln gegen ihre Holztür. „Ja?“ ich schreite in das Zimmer und setze mich auf Levkes Bett.
„Ich brauche deine Hilfe, Racquel hat nichts zum Anziehen, kannst du ihr vielleicht etwas von deinen Sachen borgen“, sie dreht sich zu mir und ein Lächeln erhellt ihr Gesicht. Dann sieht sie mich mit schief gelegtem Kopf an. „Welche Augenfarbe hat Racquel?“ will sie wissen und ich schildere ihr diese außergewöhnliche Mischung. „Hm… als würde ein Fluss in ein Meer münden, welcher umrandet wird von wunderschönen grünen Bäumen“, wiederholt sie leise einen Teil aus meiner Beschreibung und reicht mir schließlich ein paar Kleidungsstücke, als ich die Klamotten durchschauen will, reißt sie mir diese wieder aus der Hand.
„Du musst nicht wissen, was sie unter ihrem Kleid trägt, du Schlingel“, sie blinzelt wissend mit ihren Augen und läuft dann vor mir zu meinem Zimmer, klopft an die Badezimmertür und hilft Racquel sich anzuziehen. „Was macht ihr denn solange da drinnen?!“ will ich empört wissen.
„Ich möchte ihnen…“, Levke öffnet weit die Türe die in mein Zimmer übergeht und vollendet ihren Satz, „…Racquel vorstellen“.
Entschuldigung.
Ich habe kurz vergessen zu atmen und zu blinzeln und zu leben. Da betritt sie den Raum, mit wunderschöner heller, elfenbeinfarbener Haut. Einem hellblauen Kleidchen und mit einem Pferdeschwanz, ihre Augen sind dezent geschminkt, aber ich bemerke sofort den Unterschied zu früher. Ein Lächeln trage ich breit auf meinen Lippen und ich spüre, dass meine Augen Funken sprühen. Levke drängt sich derweil an Racquel vorbei und verlässt den Raum, blickt noch einmal zurück, wie ich aus dem Augenwinkel heraus wahrnehme, während ich meine Freundin in die Arme schließe.
„Soll ich dir zeigen, was ich früher getragen habe?“ will sie wissen und ich nicke, meine Stimmbänder lahmgelegt von der Hitze die in mir aufsteigt. Zuerst bin ich schockiert von dem Metall welches sie aufhebt, als sei es wert sacht in liebenden Händen zu liegen.
„Es gehörte zum Ritual, welches wir bestehen mussten um Elfen zu werden. Alle Elfen Darjas mussten das tragen, es schützte uns und machte Schmerzen erträglich. Weckte unseren Sinn auf dieses Leben“, ich nehme ihr Kleid und die metallene Unterwäsche, ihren Dolch und den Halfter in meine Arme und öffne mit meinen Zehen eine Schublade in welchem ich all diese Gegenstände verstaue.
