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Fühlt sich die gebürtige Französin Martine Lestrat nach über 40 Jahren immer noch wohl in ihrer Wahlheimat? Welche deutschen Eigenheiten hat sie inzwischen übernommen und welche französischen Gewohnheiten beibehalten? Wieso liebt sie die deutsche Sprache so sehr? Was haben Denkzettel mit Notizen zu tun, und bauen Deutsche Autounfälle nach Anleitung? Welche Auswirkungen hat die deutsche Vergangenheit auf die Sprache? Was passiert an den deutschen Ampeln, und bestand für die Autorin bei ihrer Einbürgerungsfeier die Gefahr, ausgebürgert zu werden? Martine Lestrat hat weitere überraschende, humorvolle und tiefsinnige autobiografische Kurzgeschichten über ihre Erfahrungen in Deutschland geschrieben und gibt einen Einblick in ihre Welt als Buchautorin. Das Buch richtet sich an alle Leser:innen, die feinen Humor mögen, der Erwartungen mit erlebten Alltagssituationen verbindet.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Et Voilà!
Die Fortsetzung von
Bonjour Deutschland!
von
Martine Lestrat
ELVEA
Für meine
deutsch-französische Familie
© 2025 Martine Lestrat
www.bonjour-deutschland.eu
Lektorat von: Ulrike Frühwald Coverdesign von: Barbara Bär Satz & Layout von: Uwe Köhl Quelle Covergrafiken: Depositphotos
Verlag: Elvea Verlag
Am Silberbach 22
09123 Chemnitz
Deutschland.
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Verlag verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig.
Dieses Buch war ursprünglich als Fortsetzung von „Bonjour Deutschland!“ geplant. Mit weiteren Erzählungen über meine Erfahrungen als Französin in Deutschland. Sowohl mit den Menschen als auch mit der deutschen Sprache. Da mir allerdings immer wieder Fragen zu meinem Leben als Autorin gestellt werden, widme ich diesem Thema ein Extrakapitel.
So wie in meinen bisher erschienenen Büchern schreibe ich auch in diesem – entgegen der aktuellen Rechtschreibregeln – „Du“, „Ihr“ sowie die entsprechenden Possessivpronomen groß. Wenn ich „Deine“ oder „Euch“ verwende, verbinde ich damit Respekt und Würdigung und möchte zeigen, wie wichtig mir meine Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sind.
Die unterschiedlich langen Geschichten sind nicht chronologisch, sondern nach Themen geordnet. Springen Sie gern nach Interesse, Lust und Laune zwischen ihnen hin und her.
Et voilà! Nun wissen Sie Bescheid.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.
Martine Lestrat
Am 8. November 2017 war es so weit: Nach zahlreichen Wochen, die ich mit Telefonaten und dem Mailaustausch mit dem Verlag, der Lektorin und dem Layouter verbracht hatte, hielt ich meinen Erstling „Bonjour Deutschland!“ in den Händen. Was für ein Gefühl!
Mein allererstes Exemplar musste ich allerdings bei unserer örtlichen Buchhandlung bestellen. Der Verlag und die Druckerei brauchten nämlich etwas Zeit, um meine 200 gewünschten Autorenexemplare auszuliefern. So lange warten wollte beziehungsweise konnte ich natürlich nicht. Da „Bonjour Deutschland!“ schon auf dem Markt war, war ich froh, mein eigenes Buch am nächsten Tag im Buchladen abholen zu können. Ich kaufte es zum vollen Preis. So wie eine ganz normale Kundin. Das fand ich schon etwas komisch. Ja, gleichermaßen seltsam und lustig. Nun hielt ich das Buch – MEIN Buch – in den Händen. Ich zog mich in eine ruhige Ecke des Ladens zurück. Ich wollte den Augenblick in Ruhe genießen, mir Zeit lassen, die Situation zu realisieren. Einige Minuten später ging ich zurück zu der Mitarbeiterin und bat sie, ein Foto zu machen, um diesen besonderen Moment festzuhalten.
Ein Autorenkollege (Wow, Kollege! Was für eine Ehre, und wie neu für mich) hatte mir geschrieben: „Du wirst sehen: Der Moment, in dem Du Dein eigenes Werk in der Hand hältst, fühlt sich an wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.“ Für mich war es sogar viel mehr als das. Ich war überwältigt. Es war … ja … es war … einfach unbeschreiblich! Freude überwog. Auch Stolz und vor allem Dankbarkeit verspürte ich. Ja, eine große Dankbarkeit allen Personen gegenüber, die mich auf verschiedenste Art und Weise bei der Realisierung dieses Projekts unterstützt hatten. Das waren viele Menschen. Meine Danksagung am Ende des Buchs sei ungewöhnlich lang, hörte ich. Für mich hätte sie noch ausführlicher ausfallen können, so dankbar war ich.
Eine Woche nachdem ich mein Buch in der Buchhandlung abgeholt hatte, traf endlich die heiß ersehnte Lieferung ein. Als ich die zwei Kartons voller „Bonjour Deutschland!“-Exemplare öffnete, empfand ich diesmal vor allem Stolz. Ja, diese Leistung hatte ich erbracht, und ich war stolz darauf.
Fast genau fünf Jahre später, im November 2022, erschien mein zweites Buch „Kleine Geschichten, die guttun“. Wieder hatte ich nicht die Geduld, auf meine Autorenexemplare zu warten, und bestellte deshalb ein Exemplar bei der Buchhandlung. Und genau wie damals war es wieder da, das unbeschreibliche Gefühl, das eigene Buch in den Händen zu halten. Damals nahm ich übrigens ein weiteres deutsches Wort in meinen aktiven Wortschatz auf: „schockverliebt“. Das war ich nämlich, als ich mein Buch das erste Mal sah.
Ob es mir mit diesem, dem dritten, Buch auch so ergehen wird? Wahrscheinlich, denn … es ist … ja, es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Immer wieder.
Am Ende einer Lesung oder während meiner Besuche in Schulen bekommt das Publikum in der Regel die Möglichkeit, mir Fragen zu stellen. Über meine Tätigkeit als Autorin, über das Leben in Frankreich oder meine Erfahrungen in Deutschland. Es ist jedes Mal sehr spannend. Ich habe keine geplanten oder vorgefertigten Sätze parat und antworte lieber spontan und ehrlich. Auch wenn es mir ab und zu nicht so leichtfällt. In solchen Fällen sage ich das auch und lasse mir etwas Zeit, bevor ich etwas erwidere. Das ist authentisch und menschlich und deshalb kein Problem.
Hier die mir am häufigsten gestellten Fragen. Zuerst die für mich leicht zu beantwortenden, dann die, auf die ich nicht so leicht eine Antwort finde:
Ob ich auf Deutsch oder Französisch denke und träume?
Auf Deutsch. Ich kann mich erinnern, dass das ziemlich schnell ging. Schon nach einigen Wochen in Deutschland begann ich damit, obwohl ich damals über einen geringen deutschen Wortschatz verfügte. Wenn ich einige Tage in Frankreich verbringe oder mich länger mit Landsleuten unterhalte, stellt sich das irgendwann um. Dann denke und träume ich wieder in meiner Muttersprache.
Ob ich irgendwann zurück nach Frankreich ziehen möchte?
Nein, ich habe es nicht vor, denn ich fühle mich hier sehr wohl.
Ob ich die französische Küche vermisse?
Jein. Ich vermisse zwar keine bestimmten Gerichte, doch gehören für mich immer noch mehrere Gänge zu einer Mahlzeit. Ich kann nicht, so wie oft in Deutschland, nur eine Hauptspeise essen. Ich brauche mindestens einen Beilagensalat dazu. Ja, den brauche ich wirklich, sonst fehlt mir etwas. Mehr darüber später.
Ob ich Bücher auf Deutsch oder auf Französisch lese?
Ich besitze Bücher in beiden Sprachen. Allerdings bevorzuge ich es, auf Deutsch zu lesen, auch wenn ich ab und zu im Lexikon mir noch unbekannte Wörter nachschlagen muss. Bei französischen Büchern empfinde ich die Sprache inzwischen oftmals als künstlich, vor allem wenn es sich um Gefühle oder zwischenmenschliche Kommunikation handelt.
Ob ich auf Deutsch oder auf Französisch schreibe?
Auf Deutsch, weil es mir inzwischen leichter fällt. Ja, mittlerweile ist Deutsch in der Tat mehr zu meiner Sprache geworden. Auch wenn ich sie nicht perfekt beherrsche, kann ich mich differenzierter in ihr ausdrücken. Doch dafür brauche ich Zeit, denn ich mache beim Schreiben Fehler, die ich erst später beim Lesen entdecke und korrigiere. Außerdem fallen mir manchmal Redewendungen oder Formulierungen, die ich verwenden möchte, nicht sofort ein. Ich überlege und notiere dann, wie es ungefähr heißen könnte, und verbessere das Geschriebene, wenn mir die richtige Formulierung einfällt. Dann und wann frage ich meine Lektorin im Manuskript: „Wie heißt es genau?“
Wo ich die Inspirationen zu meinen Geschichten finde?
Ich beobachte gern, was um mich herum passiert, spreche ab und zu fremde Menschen an und halte Ohren und Augen offen, wenn ich unterwegs bin. Manchmal lese ich ein Buch oder die Zeitung, und dann macht es klick: Ein Wort, ein Satz oder eine Situation, und schon geht es los in meinem Kopf. Manchmal kommen Erinnerungen wieder hoch, und ich möchte diese schönen Momente festhalten. Und manchmal habe ich eine Idee für eine Geschichte, aber fragen Sie mich nicht, woher. Ich weiß es nicht. Sie ist einfach da. Ja, manchmal kommt die Inspiration einfach so.
Was macht mir mehr Spaß? Das Schreiben oder die Lesungen?
Schreiben und Lesungen halten sind zwei ganz unterschiedliche Tätigkeiten, die mir beide sehr viel Freude bereiten. Beim Schreiben genieße ich den fokussierten Zustand, bei dem ich alles um mich herum vergesse. Oder wenn Ideen für neue Geschichten in meinem Kopf sprudeln und auf Papier gebracht werden möchten. Wenn Formulierungen von allein auftauchen. Wenn es nur so „flutscht“. Bei den Lesungen liebe ich die Interaktion mit meinem Publikum. Dessen Rückmeldungen und der Austausch beflügeln mich. Dadurch bekomme ich Anregungen und Lust, neue Geschichten zu erzählen, um sie wieder mit anderen zu teilen. Ich freue mich über die gute Laune, die bei den Veranstaltungen herrscht, und empfinde es als Glück und Privileg, die Reaktionen auf meine Geschichten unmittelbar erleben zu dürfen. In Schulen macht es Spaß, mit den Schülerinnen und Schülern zu diskutieren und sie zu ermutigen, Französisch zu sprechen. Diese beiden Aspekte der Tätigkeit als Autorin ergänzen sich wunderbar. Ich möchte keinen von ihnen missen.
Eine leichte und gleichzeitig nicht so leichte Frage ist, ob ich Heimweh habe.
Ein richtiges und andauerndes Heimweh verspüre ich nicht, denn ich fühle mich viel wohler hier in Deutschland als damals in Frankreich. Doch was Musik betrifft, da vermisse ich Lieder und Musikstücke aus meiner Jugend. Hier kann ich mich mit niemandem darüber austauschen. Kaum jemand kennt diese. Wenn Leute aus ihrer Jugend erzählen, kommen immer musikalische Erinnerungen, die ich leider nicht teilen kann, da meine ganz andere sind. Und das, ja, das fehlt mir in Deutschland.
Nicht immer ist es einfach für mich, wenn ich zum Leben in Frankreich oder der Meinung der französischen Bevölkerung zu aktuellen Geschehnissen gefragt werde. Das heutige Frankreich ist anders als das Land, das ich 1984 verlassen habe. Ich sehe und lese zwar Berichte über Frankreich und halte Kontakt zu meiner französischen Familie, doch bin ich überhaupt noch in der Lage, mir ein angemessenes Urteil zu bilden?
Regelmäßig werde ich gefragt, wie ich die Deutschen finde.
Für mich gibt es DIE Deutschen (oder DIE Franzosen) nicht, sondern in jedem Land solche und solche Menschen. Diese sind zu den Personen geworden, die sie heute sind, durch ihre Sozialisierung, ihre eigenen Erfahrungen und wie sie damit umgegangen sind. Wenn ich solchermaßen antworte, scheinen einige Zuhörerinnen und Zuhörer überrascht, zuweilen gar enttäuscht zu sein. Ich bemühe mich aber, Schubladendenken zu vermeiden. Ich finde es unfair, ALLE Deutschen in einen Topf zu werfen. Gerade bei negativen Ereignissen. Ich sage lieber „viele Deutsche“ oder von mir aus „die meisten Deutschen“. Denn bei „allen“ berücksichtigen wir nicht diejenigen, die sich anders als die Mehrheit ihrer Landsleute benehmen und eben nicht „typisch deutsch“ handeln. Gerne zeige ich in solchen Fällen auf drei nebeneinandersitzende Personen und sage: „Schauen Sie mal: Sie sind alle drei Deutsche. Doch ich bin sicher, dass Sie ganz unterschiedlich denken oder handeln.“ Dann nickt das Publikum und versteht, was ich meine.
Etwas schwieriger und verwirrend finde ich es, wenn von mir erwartet wird, dass ich von einem Kulturschock oder negativen Erfahrungen berichte. Oder dass ich bestätige, wie schlimm, kompliziert oder arrogant DIE Deutschen sind. Dies geschieht leider ziemlich oft. „Haben Sie Ihre Vorurteile über die nervigen und besserwisserischen Deutschen bestätigt bekommen?“, fragte mich ein Lehrer bei einer Veranstaltung in einem Gymnasium. Eine solche Frage hätte ich von einer Lehrkraft nicht erwartet. Ich verneinte dies, denn ich war ohne vorgefasste Meinung nach Deutschland gezogen. Außerdem stehe ich allgemein Neuem offen gegenüber. Auch wenn ich, wie ich es in meinem Buch „Bonjour Deutschland!“ schildere, in den ersten Monaten in Hannover Anpassungsschwierigkeiten im Alltag hatte. Diese waren jedoch minimal. Selbstverständlich hatte ich einige unangenehme Begegnungen. Ob diese wirklich damit zu tun hatten, dass es sich dabei um Deutsche handelte, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ähnliche Situationen hätten sich auch in Frankreich abspielen können. Ich finde es schade, dass einige Deutsche so negativ über sich oder ihre Landsleute denken.
Für mich gehört die Fragerunde zu einer Lesung. Sie macht die Veranstaltung lebendiger und persönlicher. Ich sehe sie als Bereicherung sowohl für das Publikum als auch für mich als Autorin. Es entsteht eine Verbindung. Ein Prozess. Während des Austauschs tauchen dann und wann neue Aspekte auf, die vielleicht zu einer Erweiterung oder Änderung unserer Sichtweise führen. Ich freue mich über diese Gelegenheit.
Eigentlich sind es mehr als vier Premieren, die ich als Autorin erleben durfte, doch diese ausgewählten sind mir so schön in Erinnerung, dass ich sie mit Ihnen teilen möchte.
Vor der öffentlichen Präsentation meines ersten Buchs wurde ich zu einem Pressetermin eingeladen. Mein erstes Interview als Autorin! Ich war so aufgeregt, dass ich am ganzen Körper zitterte. Irgendwann nahm der Redakteur meine Hände und sagte lächelnd: „Frau Lestrat, Sie brauchen keine Angst zu haben. Ich bin ganz lieb.“
Bei meiner ersten Signierstunde war ich dagegen nicht vor Angst, sondern vor Freude und Erleichterung, dass mein Buch so gut ankam, dermaßen voller Adrenalin, dass meine Hand nicht in der Lage war, die gewünschte Widmung zu schreiben. Über meine Schrift, die ganz anders war als sonst, konnte ich nur lachen und „Oje, oje!“ sagen. Zuhörerinnen in der Warteschlange beruhigten mich: „Das macht gar nichts. Wir wissen ja nicht, wie Ihre Schrift sonst aussieht.“
Als ich zu einem Radio-Interview eingeladen wurde, wusste ich nicht, wie empfindlich die Mikrofone sind. Beim Vorlesen der ersten Kurzgeschichte atmete ich deshalb kaum. Aus Furcht, das Geräusch könnte die Zuhörerinnen und Zuhörer stören. Während der anschließenden Musikeinspielung wurde ich aufgeklärt: Ich durfte ganz normal atmen. Die Technik erlaubte das.
Meine erste Lesung vor Menschen mit Sehbeeinträchtigungen war ebenfalls ein besonderer Moment. Als ich die Anfrage bekam, dachte ich, dass mein Deutsch und meine Aussprache nicht gut und deutlich genug seien. Wie sollten Menschen, die meine Mimik und Gestik nicht sehen können, mich verstehen? Das wäre bestimmt viel zu schwierig für sie. Die Veranstalterin, die mich persönlich kannte, ermunterte mich. Bevor ich anfing vorzulesen, teilte ich dem Publikum meine Befürchtungen mit. Nach einigen Minuten rief ein Mann: „Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wir können Sie sehr gut verstehen. Wir können Sie sogar lächeln hören.“ Ach, was für eine wunderschöne und motivierende Rückmeldung! Später bei der Studioaufnahme für meine Hörbuchausgabe von „Bonjour Deutschland!“ stellte ich fest, dass ein Lächeln wirklich hörbar ist.
Inzwischen trat ich schon circa zehnmal vor Personen mit Seheinschränkungen auf. Selten erlebte ich solche aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörer. Sie bekamen alles mit und applaudierten sogar zwischendurch, wenn ihnen eine Passage besonders gefiel.
Als ich das erste Mal zu einer Lesung meinen kleinen Sessel mitbrachte und präsentierte, rief ein Mann aus dem Publikum, ich solle diese Geschichte unbedingt zu Papier bringen, denn es sei eine so schöne Anekdote. Stimmt, und hier ist sie:
An einem Abend verabredete ich mich mit früheren Kolleginnen zu einem Konzert der Weidezaunband in Rixdorf, einem kleinen Dorf in der Holsteinischen Schweiz. Da ich dort als Erste eintraf, wollte ich Plätze „reservieren“. Schließlich lebte ich doch schon lange in Deutschland. Ich hatte zwar keine Handtücher dabei, aber mithilfe meiner Jacke, meines Schals und meiner Handtasche konnte ich fünf weitere mittige Plätze belegen. Wunderbar!
Auf meiner rechten Seite standen noch vier freie Stühle. Ich hatte es mir schon einige Minuten bequem gemacht, als eine Frau die noch freien Plätze zählte und mit einem leisen „Schade“ weitergehen wollte. Ich fragte: „Passt es nicht? Brauchen Sie mehr Sitzplätze?“ „Ja“, erwiderte sie. „Wir sind zu fünft.“ „Kein Problem!“, meinte ich, schob dabei Jacke, Schal und Tasche einen Stuhl weiter und rutschte auf. Die Frau und ihre Begleiterinnen und Begleiter bedankten sich und nahmen Platz.
Meine Bekannten waren noch nicht eingetroffen, als meine neue Nachbarin mir mitteilte, dass eventuell noch eine Freundin käme. Ich schlug vor, noch einen Platz weiterzurutschen, solange es noch möglich sei, denn links von meiner Jacke waren die Stühle immer noch nicht belegt. Noch einmal breitete ich also meine Habseligkeiten aus. Es ging ziemlich flott. Inzwischen hatte ich ja Übung darin. Dann trafen meine Leute ein, und kurze Zeit später begann das Konzert.
