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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Anna schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Dann ging sie hinaus und setzte sich auf die Terrasse der Berghütte. Während sie über das Tal blickte, raste ihr Herz. Auf ihren Wangen glühten vor Aufregung rote Flecken. Der alte Alois ging zu ihr und brachte ihr einen Obstler. »Hier, des trinkst du jetzt, Madl! Es ist auch nur halb voll. Aber du brauchst jetzt eine Stärkung. Dann bleibst hier sitzen und ruhst dich ein bisserl aus.« Er legte kurz die Hand auf ihre Schulter. Anna schaute ihn mit großen Augen an. »Das ist lieb von dir gemeint, Alois. Aber helfen tut es nicht. Ich bin ganz durcheinander.« »Des sehe ich dir an. Trink!« Alois musste sie noch einmal auffordern, den Obstler zu sich zu nehmen. Anna trank einen kleinen Schluck, stellte das Schnapsglas aber gleich wieder auf den Tisch. Sie umfasste den Kaffeebecher mit beiden Händen. »Ach, Alois!«, stöhnte sie. »Hoffentlich kommt Toni bald.« »Es kann nicht mehr lange dauern. Er hat doch schon angerufen, dass er auf den Heimweg ist.« Toni hatte am frühen Morgen die Kinder zur Schule nach Waldkogel hinuntergebracht. Danach war er nach Kirchwalden zum Einkaufen gefahren. Jetzt war es später Vormittag. Es war ruhig auf der Berghütte. Die Hüttengäste waren zu ihren Tageswanderungen aufgebrochen und die Mittagsgäste noch nicht angekommen. Der alte Alois setzte sich neben Anna und legte den Arm hinter ihr auf die Stuhllehne. »Mein Onkel, meine Tante und alle anderen sagen, ich soll mir keine Gedanken machen«, sagte Anna. »Da mache ich mir erst recht Sorgen.« »Aber, Anna, sie würden des net sagen, wenn es
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Anna schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Dann ging sie hinaus und setzte sich auf die Terrasse der Berghütte. Während sie über das Tal blickte, raste ihr Herz. Auf ihren Wangen glühten vor Aufregung rote Flecken. Der alte Alois ging zu ihr und brachte ihr einen Obstler.
»Hier, des trinkst du jetzt, Madl! Es ist auch nur halb voll. Aber du brauchst jetzt eine Stärkung. Dann bleibst hier sitzen und ruhst dich ein bisserl aus.«
Er legte kurz die Hand auf ihre Schulter. Anna schaute ihn mit großen Augen an.
»Das ist lieb von dir gemeint, Alois. Aber helfen tut es nicht. Ich bin ganz durcheinander.«
»Des sehe ich dir an. Trink!«
Alois musste sie noch einmal auffordern, den Obstler zu sich zu nehmen. Anna trank einen kleinen Schluck, stellte das Schnapsglas aber gleich wieder auf den Tisch. Sie umfasste den Kaffeebecher mit beiden Händen.
»Ach, Alois!«, stöhnte sie. »Hoffentlich kommt Toni bald.«
»Es kann nicht mehr lange dauern. Er hat doch schon angerufen, dass er auf den Heimweg ist.«
Toni hatte am frühen Morgen die Kinder zur Schule nach Waldkogel hinuntergebracht. Danach war er nach Kirchwalden zum Einkaufen gefahren.
Jetzt war es später Vormittag. Es war ruhig auf der Berghütte. Die Hüttengäste waren zu ihren Tageswanderungen aufgebrochen und die Mittagsgäste noch nicht angekommen.
Der alte Alois setzte sich neben Anna und legte den Arm hinter ihr auf die Stuhllehne.
»Mein Onkel, meine Tante und alle anderen sagen, ich soll mir keine Gedanken machen«, sagte Anna. »Da mache ich mir erst recht Sorgen.«
»Aber, Anna, sie würden des net sagen, wenn es nicht stimmt.«
»Es könnte aber auch sein, dass sie mir etwas verschweigen. Vielleicht wollen sie mich nur schonen.«
»Madl, mache dir net so viele Gedanken. Jetzt wartest du mal ab.«
Annas Augen wurden feucht. Sie nahm ein Taschentuch heraus und wischte sich die Tränen ab, die an ihren Wimpern hingen.
»Ich habe Angst, Alois.«
»Des verstehe ich, Madl. Aber machen kannst du nix. Deine Tante und dein Onkel, die belügen dich bestimmt net. Des würden sie nicht machen.«
Anna schaute Alois an. Ihr Blick war immer noch von Tränen getrübt.
»Wenn mich so die Hüttengäste sehen, muss ich mich schämen«, flüsterte sie. »Was werden sie denken?«
Der alte Alois streichelte ihr über die Wange.
»Du gehst jetzt hinter die Berghütte, setzt dich dort hin und wartest. Versuche, ruhig zu werden. Ich mache derweil den Hüttenwirt. Außerdem wird es nicht mehr lange dauern, bis Toni kommt. Dann schicke ich ihn sofort zu dir.«
»Es ist noch so viel zu machen fürs Mittagessen.«
»Nix da, du gehst jetzt, Anna! Mit Tränen in den Augen bist du ohnehin net bei der Sache und verdirbst am Ende des gute Essen.«
Der alte Alois stand auf und schaute Anna streng an. Sie gab sich geschlagen. Anna nahm den Kaffeebecher und ging hinter die Berghütte. Dort hatte Toni kürzlich einen Tisch und zwei Stühle aufgestellt, damit sich Franziska und Sebastian, abseits der lauten Terrasse, im Freien hinsetzen konnten. Dort spielten sie dann oder machten ihre Hausaufgaben. Bello, der junge Neufundländerrüde, spürte, dass es Anna nicht gut ging. Die ganze Zeit hatte er neben ihrem Stuhl gelegen. Nun lief er ihr hinterher.
Alois ging in die Küche und schob das große Blech mit dem Apfelstrudel ins Rohr. Er rührte den Eintopf um, der auf geringer Hitze langsam garte.
Toni kam herein.
»Da bin ich wieder. Ich habe alles bekommen.«
Toni ließ den großen Rucksack vom Rücken gleiten und stellte die beiden Taschen ab.
»Wo ist Anna? Wo ist Bello?«, fragte er verwundert, während er sich ein Glas Quellwasser einschenkte.
Es war ein heißer Tag.
Der alte Alois schloss das Küchenfenster.
»Toni, die Anna hat Kummer«, sagte Alois mit gesenkter Stimme. »Ich hab ihr gesagt, sie soll sich ein bisserl hinter die Berghütte setzen. Bello ist bei ihr. Der Hund spürt, wie weh es ihr ums Herz ist.«
»Um Himmels willen!«, rief Toni. »Ich muss sofort zu ihr. Da muss was Schlimmes passiert sein.«
»Ich denke, ganz so schlimm ist es net. Mei, da kam ein Anruf aus Hamburg. Annas Onkel und ihre Tante riefen an. Annas Großmutter geht es net gut. Sie haben den Doktor geholt und der hat gesagt, sie soll für ein paar Tage ins Krankenhaus gehen und sich untersuchen lassen. Sie hat nix Schlimmes, keinen Herzinfarkt oder so etwas. Aber die Anna hat es schwer mitgenommen.«
Toni ließ Alois stehen und rannte hinaus.
Anna saß am Tisch. Bello hatte den Kopf auf ihren Schoß gelegt. Sie streichelte ihn.
»Anna, was ist? Großmutter Zwirner muss ins Krankenhaus, sagt Alois?«
Anna sprang auf und warf sich Toni in die Arme.
»Ja, so ist es. Onkel Oskar und Tante Claudia haben angerufen. Oma hatte sich schon gestern nicht wohlgefühlt und wollte heute im Bett bleiben. Da haben sie sich Sorgen gemacht und den Hausarzt angerufen. Er schrieb ihr eine Einweisung ins Krankenhaus. Toni, ich habe Angst.«
Toni hielt Anna fest.
»Was hat sie?«, fragte Toni.
»Sie hatte schlechte Blutdruckwerte, sagte der Doktor. Mehr hat er nicht gesagt. Es war ihr schwindlig. Toni, ich habe Angst um sie. Was soll ich nur machen?«
»Anna, gräme dich nicht. Wann wollen Onkel Oskar und Tante Claudia wieder anrufen?«
»Heute Abend wollen sie anrufen. Sie waren auf dem Heimweg vom Krankenhaus, als sie mich anriefen. Es werden sofort Untersuchungen gemacht, hat der behandelnde Arzt gesagt, Röntgen, CT, Ultraschall, Blutuntersuchungen und so weiter.«
»Anna, wir warten ab, bis sie anrufen. Sie müssen auch erst erfahren, was bei den Untersuchungen herauskommt. Vielleicht ist alles ganz harmlos. Schau, im Augenblick ist es heiß und schwül. Das belastet den Kreislauf, gerade bei alten Leuten. Ich denke nicht, dass es etwas Schlimmes ist. Das Wetter macht sogar jungen Leuten zu schaffen.«
Toni schaute Anna in die Augen.
»Du wärst gern bei ihr in Hamburg, richtig? Du fühlst dich innerlich zerrissen.«
»Ja, Toni, so ist es. Ich habe sie sehr, sehr lieb. Nach dem Tod meiner Eltern hat sie mich aufgenommen und alles für mich getan. Wenn ich mir vorstelle, sie liegt jetzt blass, schmal und elend im Krankenhaus, dann schmerzt es mich. Es tut weh, Toni, so weh!«
Toni gab Anna einen Kuss auf das blonde Haar.
»Ich sage dir etwas. Jetzt warten wir erst einmal ab, was bei den Untersuchungen herauskommt. Du kannst jederzeit nach Hamburg fahren und sie besuchen. Aber vor heute Abend kommst du dort auch nicht an. Also wartest du ab, was die Untersuchungen ergeben. Onkel Oskar und Tante Claudia lassen ihr bestimmt ein Telefon aufs Zimmer legen.«
»Ja, das haben sie schon gemacht. Ich habe versucht, mit ihr zu sprechen, habe sie aber nicht erreicht.«
»Mei, Anna, da hast du zu viel erwartet. Sie werden sie heute oft untersuchen.«
»Das sage ich mir auch immer und immer wieder, Toni. Aber die Angst ist so groß, dass Onkel Oskar und Tante Claudia mir etwas verschweigen. Vielleicht wollen mich die beiden schonen?«
»Des kannst du nur vermuten, Anna, wissen kannst du es nicht. Du weißt doch, wie es beim alten Alois ist. Er hat auch Tage, da ist er müde und bleibt liegen. Ernsthaft krank ist er deswegen net. Mach dir jetzt nicht so viele Gedanken! Ich verstehe dich. Ich bin ebenso betroffen und besorgt. Doch wir müssen einen klaren Kopf behalten und vernünftig sein. Tun kann man jetzt nix. Dein Onkel und deine Tante wurden auch nach Hause geschickt. Die Ärzte müssen sie gründlich untersuchen, erst danach können sie etwas sagen.«
Anna lehnte den Kopf an Tonis Schulter. Er drückte ihr einen Kuss auf das Haar.
»Anna, weißt du was? Wir rufen Martin an. Wozu ist einer meiner besten Freunde Arzt? Er kann die Kollegen in Hamburg anrufen und sich erkundigen.«
Anna hob den Kopf und nickte.
Toni griff sofort zum Handy und wählte Martins Nummer. Er hielt das Handy so, dass Anna mithören konnte.
»Praxis Doktor Martin Engler«, meldete sich seine Frau.
»Grüß Gott, Katja! Wir sind es, Anna und ich. Kannst du mir mal den Martin geben?«
»Grüß Gott, ja, das kann ich. Er steht neben mir.«
Sie gab den Hörer weiter.
»Grüß Gott zusammen, was gibt es?«
Toni ergriff das Wort.
»Grüß dich, Martin. Du, die Anna hat einen Anruf bekommen. Ihre Großmutter wurde heute in Hamburg ins Krankenhaus eingeliefert. Anna ist besorgt. Sie hat Angst, dass es etwas Schlimmes ist. Du weißt, wie sehr sie an ihrer Großmutter hängt. Anna ist ja bei ihr aufgewachsen. Kannst du mit deinen Kollegen im Hamburger Krankenhaus telefonieren?«
»Wenn die Anna mich damit beauftragt, dann kann ich das. Gib mir mal die Anna!«
»Martin, ich bin hier.«
»Also, ich notiere mir jetzt Namen, Geburtsdatum und Adresse deiner Großmutter und das Krankenhaus. Dann rufe ich an. Wann ist sie eingeliefert worden?«
»Heute Morgen riefen mein Onkel und meine Tante den Hausarzt an. Ihr war ein bisserl schwindelig. Der Doktor hat sie gleich ins Krankenhaus getan. Dann muss es doch etwas Schlimmes sein, richtig?«
Aus Anna sprudelte alles heraus. Sie war sehr aufgeregt und wiederholte fast jeden Satz zweimal, als sie von dem Telefongespräch am Morgen berichtete.
»Anna, beruhige dich! Es war wahrscheinlich nur eine Vorsichtsmaßnahme. Sie ist jetzt erst einige Stunden dort. Sie werden Untersuchungen machen. Es ist frühestens morgen früh sinnvoll dort anzurufen. Ich rufe dann an und gebe dir gleich Bescheid.«
»Nicht mehr heute Abend? Tante Claudia und Onkel Oskar haben gesagt, es gäbe schon heute Abend erste Ergebnisse der Untersuchungen.«
»Gut, Anna, damit du beruhigt bist, rufe ich heute Abend und morgen an. Aber nach alledem, was du mir gesagt hast, vermute ich nichts besonders Schlimmes. Du weißt doch, wie es beim Alois ist. Er ist im gleichen Alter wie deine Großmutter, sogar noch ein bisserl älter. Er hat einfach Tage, an denen er sich net so wohlfühlt und sich hinlegt. Also, ich kümmere mich darum. Ich hinterlasse beim Stationsarzt meine Telefonnummer. Ich bitte ihn, mich sofort anzurufen, falls etwas sein sollte. Sieh es einfach so, dass es net schlecht ist, wenn sie mal gründlich untersucht wird.«
»Sie war nie krank und hatte nie Beschwerden, Martin.«
»Umso besser! Jedenfalls wird sie jetzt mal durchgecheckt. Das ist gut. Nun mach dir nicht so viele Gedanken! Mei, ich verstehe, dass du beunruhigt bist. Deine Großmutter ist oben im Norden und du bist hier im Süden. Das ist schon eine Strecke. Aber jetzt wartest du ab. Beunruhige den Toni und die Kinder nicht unnötig. Ich rufe jetzt sofort dort an und rede im Vorfeld schon einmal mit dem Kollegen. Ich melde mich bei dir, wenn ich die konkreten Untersuchungsergebnisse habe. OK, Anna?«
»Danke, Martin! Du bist ein wahrer Freund. Vergelt’s dir Gott!«
»Sicher, aber ein Bier wird es dich bei meinem nächsten Besuch auf der Berghütte schon kosten«, lachte Martin.
»Du bekommst auch zwei Freibier, Martin«, sagte Toni, »und eine Brotzeit dazu.«
»Gut, dann sind wir uns einig«, lachte Martin. »Ich werde zwei Tage vorher nichts essen.«
Sie verabschiedeten sich.
Toni sah Anna an.
»Bist du jetzt ein bisserl ruhiger?«
»Ja, das bin ich. Es ist schön, dass sich Martin darum kümmert. Es ist mir schon ein wenig leichter. Ich vertraue ihm.«
»Das kannst du auch. Außerdem, wie heißt es? Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.«
»Ja, Toni, das ist richtig. Vielleicht bin ich überbesorgt. Aber …«
»Pst jetzt!«, flüsterte Toni. »Wir schaffen das. Alles wird gut.«
Er legte Anna zuerst den Finger über die Lippen, dann gab er ihr einen Kuss.
Vom Turm der schönen Barockkirche in Waldkogel schallte das Mittagsgeläut herauf.
»Anna, es ist Mittag. Wir müssen nach vorn. Der alte Alois schafft es allein net so gut.«
»Ja, gehen wir!«
Sie gingen nach vorn. Die Terrasse der Berghütte war voller Hüttengäste. Alois trug Bier auf.
»Schön, dass ihr da seid. Alles in Ordnung, Anna? Hast du dich ein bisserl beruhigt?«
»Ja, das habe ich. Wir haben Martin angerufen. Er telefoniert mit den Kollegen in Hamburg und ruft mich an. Ich vertraue ihm.«
»Dem kannst du auch vertrauen«, sagte der alte Alois.
Anna ging in die Küche und bereitete die bestellten Essen vor. Toni und Alois trugen auf. Anna hatte die nächsten Stunden so viel zu tun, dass sie nicht zum Nachdenken kam, anders hätte sie den Tag auch kaum ausgehalten.
*
Melanie Dinkel saß mit ihrem kleinen Sohn am Frühstückstisch der Dachwohnung. Der Tisch stand vor dem Fenster. Die Sonne schien herein.
Lars trank Kakao und aß ein Butterhörnchen. Er war glücklich. Seine Mutter war nach einem Krankenhausaufenthalt und einer längeren Kur in einem Reha-Zentrum endlich wieder daheim. Sie ging aber noch nicht arbeiten.
Melanie trank einen Schluck Kaffee.
»Die Sonne scheint so schön. Wollen wir ins Schwimmbad gehen?«, fragte sie ihren kleinen Buben.
Er nickte eifrig, kaute den Mund leer und sagte: »Aber zuerst gehen wir ins Tierheim.«
»Oh Lars, nicht schon wieder! Wir waren gestern im Tierheim und vorgestern, fast jeden Tag in dieser Woche. Im Schwimmbad ist es doch auch schön. Ich dachte, es hat dir letzte Woche so gut gefallen? Du hast jetzt schwimmen gelernt und kannst von der großen Rutsche ins Wasser rutschen.«
»Wir gehen zuerst ins Tierheim und dann ins Schwimmbad.«
Melanie seufzte leise.
»Lars, ich weiß, dass dir Lumpi gefällt. Mach dir aber keine Hoffnungen! Wir können Lumpi nicht nehmen.«
»Er ist doch ganz klein, nur so groß.« Lars beschrieb mit den Händen einen kleinen Abstand in die Luft. »Er braucht nicht viel Platz.«
»Sicher, Lars, er ist nicht groß. Aber wie soll das werden, wenn ich in einigen Wochen wieder arbeiten gehe? Dann gehst du in den Kindergarten und danach zu Tante Monika oder Omi und Opa.«
»Ich hätte aber so gerne einen Hund«, sagte Lars.
Er legte den Kopf schief und schmollte. Dann sprang er auf und rannte in sein Zimmer. Die Tür fiel hart ins Schloss.
»Lars!«, rief seine Mutter und seufzte.
In diesem Augenblick klingelte es.
»Das auch noch«, stöhnte Melanie leise.
Sie drückte auf den Türöffner, trat ins Treppenhaus und schaute hinunter.
»Melanie, ich bin es«, schallte es herauf.
Es dauerte einen Augenblick, bis Melanies Mutter heraufkam. Melanie begrüßte sie und fiel ihr um den Hals.
»Madl, mei, was drückst du mich so fest? Was ist los?«
Eva Gruber kannte ihre Tochter. Sie war ein Mensch, der alles mit sich selbst ausmachte und niemals klagte. Doch ihre Mutter kannte die kleinen Anzeichen, wenn Melanie mehr als sonst bedrückt war. Als junge Witwe mit einem kleinen Buben hatte sie es wirklich nicht leicht.
Sie gingen in die Wohnung. Eva stellte ihre Tasche ab und setzte sich.
»Wo ist Lars? Hast du ihn in den Kindergarten gebracht?«
»Nein, er hat noch Ferien. Er ist in seinem Zimmer und schmollt.«
»Soll ich zu ihm gehen?«
»Nein, er wird schon kommen, irgendwann. Er wird auch die Klingel gehört haben und wird neugierig sein.«
»Was hat er?«
Melanie schenkte ihrer Mutter Kaffee ein.
»Greif zu, nimm dir ein Butterhörnchen!«
»Danke, ich habe schon gefrühstückt.«
Eva Gruber trank einen Schluck Kaffee.
»Nun erzähle, was ist mit Lars?«
»Es ist das alte Thema. Er will einen Hund. Wir gehen regelmäßig ins Tierheim und führen dort einen Hund aus.«
