Europa 2130 - Reinhard Schmelzer - E-Book

Europa 2130 E-Book

Reinhard Schmelzer

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Beschreibung

Im Jahr 2130 ist Europa ein Ort des ständigen Konflikts und der politischen Unruhen. Der deutsche Söldner, bekannt unter dem Kampfnamen Golem, findet sich im Zentrum eines Kampfes um Gibraltar wieder. In einer Welt, in der die sunnitisch-islamische Föderation immer mehr an Einfluss und Macht gewinnt, wird Golem zu einer Schlüsselfigur in der Auseinandersetzung, die über die Zukunft des Kontinents entscheiden könnte. An seiner Seite steht die treue Begleiterin mit dem Kampfnamen Fuchs, deren List, Entschlossenheit und Zielsicherheit die beiden durch gefährliche Missionen und unerwartete Allianzen führen. Gemeinsam müssen sie nicht nur gegen übermächtige Feinde kämpfen, sondern auch die eigenen Grenzen und Loyalitäten in Frage stellen, während sie in die Abgründe der Menschheit und des Krieges eintauchen. Inmitten von Intrigen, Verrat und dem unaufhörlichen Drang nach Freiheit erkämpft sich Golem seinen Platz in einer chaotischen Welt. Doch wird die Schlagkraft von ihm und seinen Verbündeten ausreichen, um Gibraltar aus den Fängen der feindlichen Besatzung zu befreien und wie hoch wird der Preis dafür sein? Europa 2130 - Kampfname Golem ist ein packender Science Fiction Thriller über Verrat, Identität und den ewigen Kampf um Freiheit.

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Seitenzahl: 391

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1 - Der Nebeldistrikt

Kapitel 2 - Europe Mining

Kapitel 3 - Upgrade

Kapitel 4 - Markiert

Kapitel 5 - Kokon

Kapitel 6 - Der Kugelblitz schlägt zu

Kapitel 7 - Phase 2 und die abendländische Front

Kapitel 8 - Feindliche Übernahme / der Informant

Kapitel 9 - Der Knopf

Kapitel 10 - Fingerschwur

Kapitel 11 - Valentina

Kapitel 12 - Befehl verweigert

Kapitel 13 - In Freiheit vereint

Kapitel 14 - Ein Leben gerettet

Kapitel 15 - Die Rückkehr der Anne Bergmann alias Blondi

Kapitel 16 - Ein Licht geht auf

Kapitel 17 - Team Artemis

Kapitel 18 - Die letzte Hoffnung

Kapitel 19 - Das Leben ist es wert

Epilog

Prolog:

Die Welt, es gibt sie noch. Nach über 2100 Jahren, die unser Kalender zählt, hat sich die Menschheit kaum verändert. Es gibt noch immer Reich und Arm, Krieg und Frieden, Elend und Wohlstand, Macht und Ohnmacht. Reiche entstehen und sie fallen.

Während sich in den letzten hundert Jahren Europa vereinte und etwas Großartiges daraus zu entstehen begann, sind wir heute dem Fall näher als je zuvor. Die alte Weltordnung existiert nicht mehr. Sie geriet aus den Fugen, als die alten Allianzen zerfielen.

Es begann mit einem Verrat, zumindest fühlte er sich für die eine Seite so an, während die Andere dachte, das Richtige zu tun. Die Rede ist vom Nordirlandkonflikt, indem ein angeschlagenes Großbritannien versuchte zu intervenieren. Die EU sah sich gezwungen, die IRA mit Waffen zu unterstützen. Als Nordirland drohte zu fallen und die Briten Gefahr liefen, ihr Gesicht zu verlieren, griffen die USA ein und belegten Irland mit einer Seeblockade, um die Insel von Festland-Europa abzuschirmen.

Als die Beziehungen der USA und der EU ihren Tiefpunkt erreichten, nutzte Russland die Gelegenheit, um in Osteuropa einzufallen. Woraufhin beidseitig Atomdrohungen ausgesprochen wurden. Ich habe keine Ahnung welche Seite den Knopf zuerst drückte und vielleicht spielt das auch keine Rolle. Das Ergebnis war jedenfalls dass die europäische Tiefebene unbewohnbar wurde. Ein radioaktiver Nebel verschlang Städte wie Warschau, Kiew, aber auch Moskau und St. Petersburg. Die EU verlor über die Hälfte ihres Territoriums, während das Leben in Russland nur noch hinter dem Ural möglich wurde.

Das ist die "Ist-Situation", mit der beide Seiten seitdem leben müssen.

Mein Name ist Adam Koch, von Beruf bin ich Krieger, Söldner und Freischärler.

Besondere Qualifikationen: Absolvierte Nahkampf- und Infanterieausbildung.

Spezialisiert auf: Suchen, Finden und Zerstören.

Letzteres ist übrigens mein Lieblingspart. Darüber hinaus liebe ich lange Spaziergänge und die Farbe Blau.

Kapitel 1 - Der Nebeldistrikt

Ich sah die Hand vor Augen kaum als ich mit meinen Kameraden einen Teich durchstreifte. Das Wasser reichte bis zur Hüfte, weswegen wir unsere Maschinengewehre schultern mussten. “Scheiß Job, hätten wir nicht stattdessen den Gibraltar-Auftrag annehmen können?”, schimpfte Oger, der sich neben mir durchs Schilf kämpfte. “Ich weiß gar nicht was du hast. Das alles hat doch etwas von Schulausflug”, warf Fuchs ein. Die junge Frau war für ihre Anfang 20 verdammt hartnäckig und angesichts ihrer Fähigkeiten konnte ich ihr durchaus glauben dass sie in ihrer Schulzeit tatsächlich Ausflüge in den Nebeldistrikt unternahm. Wir nannten sie Fuchs aufgrund ihrer roten Haare und ihres Scharfsinns und weil das der einzige Name war, unter dem wir sie kannten.

“Ach ich weiß nicht. Mit dem gelben ABC-Anzug fühl ich mich wie ein Quietscheentchen", warf ich ein. “Ich weiß ja nicht, was für einer Schule du warst, aber wenn so deine Kindheit ausgesehen hat, dann erklärt das so einiges”, mischte sich Krähe ein, der am unbeholfensten von uns wirkte und die größte Mühe hatte mitzuhalten. Egal wie plump unsere Unterhaltungen wirkten, sie waren wichtig damit wir uns nicht verloren, denn der Nebel war wie gesagt sehr dicht. “Wir müssten gleich an der Stelle sein, an der der Kontakt zum Team abbrach”, navigierte uns Schakal, mithilfe seiner Karte, die er in seinem ABC mit sich führte. Im Jahre 2130 war es gar nicht mehr so leicht analoge Karten zu bekommen und dazu waren sie auch verdammt teuer. Da unsere Navigation Aufgrund der Radioaktivität ständig ausfiel war sie aber eine große Hilfe. Mit dem Team meinte Schakal die Gruppe von Forschern, die im Distrikt verschwanden. Was die Verschwundenen an solch einem gottlosen Ort erforschten hat uns natürlich keiner gesagt. Ich ging aber sofort von Bodenschätzen aus. Als wir fast das Ufer erreicht hatten, schrie Fuchs auf: “Hör auf mit dem scheiß!”. Wir schauten sie alle irritiert an. Sie blickte wütend zu Krähe. “Wenn du mir noch mal an den Hintern fasst schieß ich dir die Eier weg!”, drohte sie ihm. “Ich hab gar nichts gemacht”, verteidigte er sich. “Ich hab eben deine Hand an meinem Hintern gespürt du Perverser”, beschuldigte sie ihn, während er abwehrend gestikulierte. “Meinst du vielleicht diese Hand”, mischte sich Oger ein, nachdem er einen abgetrennten Arm aus dem Wasser zog. “Da hätten wir schon mal Forscher Nummer eins”, schlussfolgerte ich. “Es lassen sich deutlich Bissspuren erkennen aber so wie der Oberarm aussieht wurde er ausgerissen. Es muss sich also um ein Tier handeln, dass um ein vielfaches stärker als ein Mensch ist”, kombinierte Oger, der sich mit Tieren bestens auskannte. Der ehemalige Jäger lief mit erhöhtem Tempo weiter in Richtung Ufer und wies uns an ihm zu folgen: “Erhöhte Schussbereitschaft, wir müssen schnellstens aus dem Teich raus. Sichert alle Flanken ab”. Das taten wir auch in Erwartung jeden Moment angegriffen zu werden und so kam es auch. Einige Meter zu unserer Rechten türmte sich eine riesige Gestalt auf, die uns gut ums Doppelte überragte. Ein Bär. Die lebten hier im menschenleeren Distrikt und erreichten durch die Radioaktivität auch eine beachtliche Größe. Bevor das wilde Tier eine Salve aus unseren Handfeuerwaffen kassierte tauchte es wieder ab. Die projektile flogen über seinen Kopf hinweg. “Verdammt schnell”, stellte Schakal fest während er den Lauf seiner Waffe nervös hin und her schwenkte. “Weitergehen in Formation! Rückseite und Flanken sichern!”, befahl Oger der sich an einem Felsen hochzog, um das Gelände besser überblicken zu können.

“Land in Sicht”, erkannte Fuchs. “Weiter! Nicht stehen bleiben!”, schrie ich. “Da hinten ist er!”, erkannte Krähe und setzte zum Schuss an, doch Oger war schneller und landete einen vermeintlichen Treffer, worauf das Tier wieder abtauchte. “Verschwendet nicht eure Munition”, hielt ich die Truppe zurück, als gerade alle das Feuer eröffnen wollten.

“Ahh!”, ertönte ein schmerzerfüllter Schrei, als sich dolchartige Reißzähne in Ogers Schultern verbissen und eine sensenartige Klaue sich durch seinen ABC schnitt und dabei seinen Bauch aufschlitzte. Sein Schrei verstummte, als er ins Wasser gezogen wurde, welches sich um ihn herum rot färbte.

Es waren scheinbar mehrere Bären und sie spielten mit uns.

“Ruhig bleiben, atmen”, redete ich zu mir selbst und schritt weiter voran, während ich die Lage analysierte. Unsere Angreifer waren schnell, stark und sehr intelligent. Von allen Richtungen, von denen sie uns hätten angreifen können, haben sie genau den Winkel gewählt, der für uns am schwierigsten war. Wenn meine Vermutung richtig war, dann würde das Ufer vor uns ein Hinterhalt sein, aber wenn wir im Wasser blieben, dann würden sie uns auch fertig machen.

Rücken an Rücken schritten wir voran. Das hatte den Vorteil, dass sie uns nicht überraschen konnten, jedoch den Nachteil, dass wir langsamer waren. Das Wasser wurde seichter und weitere Angriffe blieben vorerst aus. Hinter der Nebelwand, die uns umgab, waren lediglich knurrende Laute zu vernehmen.

Es hörte sich so an, als ob die Bestien sich unterhalten würden. Als wir das Ufer erreichten, stolperte Fuchs über etwas, dass sich bei näherem Hinsehen als Torso eines Toten entpuppte, eingekleidet im selben ABC-Anzug wie auch wir ihn trugen, daneben ein Sturmgewehr. “Scheinbar sind wir nicht die erste Rettungsmission, die hierher geschickt wurde”, kombinierte Krähe, während er den Leichnam untersuchte.

“Könnte doch auch einer der Forscher sein”, wandte Schakal ein. “Forscher mit militärischem Kaliba und Tattoos der schweizer Fremdenlegion?”, argumentierte Krähe. Der Anzug des Soldaten war aufgerissen und mit Bissen und Kratzspuren übersät, doch ein Kreuz mit einem Totenkopf-Emblem war noch erkennbar, welches für die besagte Diensteinheit stand.

“Hat seine Sauerstoffeinheit noch Druck?”, wollte ich wissen.

"Unbeschädigt, aber komplett leer, genau wie sein Magazin”, antwortete Krähe. “Vielleicht ist das deren Taktik, die treiben uns auf die Insel und warten lediglich bis uns der Sauerstoff ausgeht”, erkannte Fuchs was für ein Schicksal uns bevorstand. “Wir haben zirka noch für 30 Minuten Sauerstoff.

Wir sehen uns hier kurz um und dann machen wir uns auf den Rückweg, egal wie viele von diesen Bestien dort im Wasser schwimmen. "Wir haben keine andere Wahl”, wies ich die Anderen an. Die Insel, auf der wir uns befanden, war nicht besonders groß und viel gab es auch nicht zu sehen. Wie im kompletten Nebeldistrikt wuchs hier sehr wenig, da Sonnenstrahlen nur selten den Boden erreichten. Die landschaft war felsig, trist und karg. Vom Forschungsteam fehlte jede Spur und selbst wenn wir sie fanden, wären sie entweder erstickt, gefressen oder verstrahlt worden. Die Suche war also sinnlos. Wir entschlossen uns also die Suche abzubrechen und uns auf den Rückweg zu machen. Gerade als wir zum Ufer aufbrechen wollten, entdeckte Schakal eine Höhle unter einem Felsvorsprung. Er entschloss sich hinein zu leuchten, doch gerade als er im Begriff war seine Stirnlampe einzuschalten, schlug eine Tatze nach ihm, worauf sein Genick laut knackte und er zu Boden fiel. Gerade als die Kreatur aus der Dunkelheit heraus unseren Kameraden in die Höhle ziehen wollte, feuerten wir unsere Salven auf sie ab. Wütend zog der Bär sich zurück und stieß einen lauten Schrei aus, worauf wir von den anderen Bären umzingelt wurden. Wir waren nur noch zu dritt und ich zählte etwa acht Tiere plus den in der Höhle, neun. Ich schnappte mir Schakals Gewehr und stürmte feuernd in die Höhle. Fuchs und Krähe folgten mir und gaben mir währenddessen Rückendeckung, gegen die Bären die uns folgten. In der Höhle konnten sie uns nicht Komplett einkreisen, sondern nur von zwei Seiten. Ich vergaß völlig meine Stirnlampe einzuschalten und orientierte mich lediglich an dem Licht, welches durch die feuernden Gewehrläufe aufhellte. Ein schallendes Donnern hallte durch die Höhle.

Klauen und Zähne schnappten nach uns. Dann war es plötzlich still. “Haben wir sie alle erwischt?”, fragte Fuchs und schaltete ihre Lampe ein. Wir zählten insgesamt neun regungslose Bestienkadaver. “Ich hoffe es gibt nicht noch mehr von denen, ich hab nämlich keine Munition mehr”, gab Krähe zu bedenken. Unsere Munition war auch leer, wir hatten nur noch unsere Bajonette. Mit diesem wollte ich gerade sicherstellen, dass der Feind nicht mehr aufsteht, als der pelzige Körper zuckte. Ein kleiner Bär kam unter ihm hervor, der mich mit unschuldigen Augen ansah. Als wir das Feuer in die Höhle eröffneten, muss sich das vermeintliche Muttertier auf sein Junges gestürzt haben, um es vor unseren Kugeln zu schützen. Fuchs, deren Mutterinstinkt scheinbar geweckt wurde, hielt mich zurück. “Bitte tu ihm nichts. Es ist keine Gefahr für uns”, bat sie mich. “Er wird größer und aggressiver.

Irgendwann wird er andere Menschen angreifen”, entgegnete ich. “Schau ihn dir doch an, kannst du wirklich so einem kleinen Wesen ein Haar krümmen?", ließ sie nicht locker.

“Ähm Leute, ich glaube ich habe das Forschungsteam gefunden”, warf Krähe ein und zeigte auf eine verwinkelte Stelle, tiefer im Inneren der Höhle. Ein blutiger Haufen aus abgenagten Knochen und Schädeln. Ich schaute vorwurfsvoll zu Fuchs und sagte: “Also die Familie dieser kleinen Bestie hat unsere Freunde und das Forschungsteam massakriert, deswegen sollten wir es neutralisieren, bevor der Kleine ebenfalls irgendwann zur Bestie wird. Dagegen spricht lediglich, dass es ziemlich süß ist”. Einen Moment Stille. Fuchs überlegte und erwiderte schließlich: “Nur über meine Leiche”.

Sie stellte sich schützend vor das Bärenjunges, was die kleine Bestie ausnutzte und Fuchs in den Hintern biss. Ein schmerzerfüllter Schrei hallte durch die Höhle. “Steh nicht so dumm rum. Nimm es weg!”, forderte Fuchs mich auf. “Ich dachte, ich soll dem Kleinen nichts tun”, amüsierte ich mich über sie. “Hörst du das?”, wandte sich Krähe an mich, als ein leises aber tiefes Knurren sich uns näherte. “Ich glaube, Papa kommt nach Hause”, lautete mein Gedanke. So war es dann auch. Eine Gestalt kam um die Ecke, die noch brachialer und gewaltiger aussah als die anderen zuvor. Das Bärenjunge ließ von Fuchs Hinterteil ab und verschanzte sich hinter dem vermeintlichen Alpha. “Wie sieht dein Plan aus?”, wandte sich Krähe erneut an mich. "Naja, wir können weder schießen noch weglaufen, da der einzige Weg raus an dem vorbei führt”, fasste ich unsere Situation zusammen. “Fuchs und ich decken die Flanken ab, während du ihn frontal angreifst”, entwarf Krähe aus dem Stehgreif eine Strategie. Ungläubig sah ich ihn an. “Du weißt schon, dass ich den gefährlichsten Part habe”, versuchte ich mein Veto einzulegen, aber die Situation ließ uns keine Wahl. “Du bist eben der stärkste von uns, also zeig was du kannst”, schickte er mich voraus. Gerade als ich mich weigern wollte, ging das Ungetüm zum Angriff über und ich musste mich ihm entgegenstellen. Ich ließ mich zuerst in die Knie fallen, um dann mein komplettes Gewicht nach vorne zu verlagern und mithilfe meiner kompletten Beinkraft zuzustoßen. Volltreffer. Das Bajonett traf den Hals des Bären, worauf mir ein Schwall aus Blut entgegen spritzte. Doch das Ungetüm wich nicht zurück. Es kämpfte weiter und schlug mir das Gewehr aus der Hand. Jetzt kamen Fuchs und Krähe von den Seiten und versenkten ebenfalls ihre Bajonette, worauf unser Gegner weiter um sich schlug. Dabei traf es Krähe gefährlich am Kopf, worauf dieser mit dem Gesicht voran auf dem harten Höhlenboden unsanft landete. Fuchs stach währenddessen immer weiter auf den Feind ein. Jetzt nahm er sie ins Visier. Sie beschäftigten ihn genug, sodass ich mich von hinten anschleichen und mich auf ihn stürzen konnte. Ich schlang meine Arme um ihn und begann ihn zu würgen. Jetzt konnte er eigentlich nicht mehr viel tun. Er würde in den nächsten Minuten entweder ersticken oder verbluten. Da konnte er sich so sehr auf dem Boden herumwälzen wie er wollte. Er wurde schwächer und schwächer. Fuchs stach währenddessen weiter zu, bis sich der Koloss nicht mehr rührte.

Fuchs versuchte bei Krähe Erste Hilfe zu leisten, doch scheinbar war seine Kopfverletzung zu schwer. Regungen zeigte er keine mehr und sein Puls war kaum noch wahrnehmbar. Selbst wenn er noch die minimale Chance auf Überleben gehabt hätte, so wäre es unmöglich gewesen, ihn heim zu bringen. Selbst ohne Ballast reichten unsere Sauerstoffreserven wahrscheinlich gerade so. Ich tat also das einzig humane: “Fuchs, geh mal einen Schritt zur Seite”. “Was hast du mit dem Stein vor?”, fragte sie mich entsetzt, doch ich ignorierte sie und tat das, was ich tun musste.

Wir begaben uns zum Ausgang, Fuchs war in sich gekehrt. Hin und wieder warf sie mir einen angewiderten Blick zu und schaute wieder ganz schnell weg, sobald sie sah, dass ich dies bemerkte. Wir stiegen über die ganzen Bärenkadaver, die sich hier stapelten. Ich bedauerte die Munition, die wir an diesen Tieren verschossen hatten und die uns jetzt auf dem Rückweg vermutlich fehlen würde. Bevor wir den Ausgang passierten, wurden wir Zeuge eines schrecklichen Anblicks.

Schakal, der von mehreren Bären zerfleischt wurde. “Wenn ich dir sage, renn, dann rennst du”, wies ich Fuchs an und trat ans spärliche Tageslicht. Augenblicklich hörten diese Monster auf zu fressen und blickten mich wie erstarrt an. Sie ließen von Schakal ab und musterten mich schnuppernd. Ich blieb ruhig stehen und ließ mich nicht einschüchtern. Statt wegzulaufen machte ich mich eher bereit, ihnen das Genick zu brechen, sollten sie sich gegen mich erheben. Was sie nicht taten. Sie blieben auf Abstand. “Warum greifen sie nicht am?”, flüsterte mir Fuchs zu, die dicht hinter mir blieb. “Sie riechen das Blut ihres Anführers”, war ich mir sicher. Schließlich bildeten die Bären eine Gasse, die mich zu Schakal führte, der total zerfetzt am Boden lag. Seine Brust hob und senkte sich noch.

Meine Finger drückten gegen den Stein, den ich immer noch in meiner Hand hielt. Fuchs wusste, was jetzt kam, deshalb blickte sie weg.

Kapitel 2 - Europe Mining

Nach getaner Arbeit gönnte ich mir erstmal eine Dusche. Der Auftrag im Nebeldistrikt hatte eine Menge Schweiß und Blut gefordert, doch das Forschungsteam konnten wir finden.

Beziehungsweise das, was davon übrig war. Drei Kameraden haben ihr Leben gelassen, doch ich fühlte keinen Verlust, keinen Schmerz. Stattdessen war es Dankbarkeit, die ich empfand. Ich war dankbar selbst noch am Leben zu sein und dankbar dafür, dass ich wenigstens ein Teammitglied retten konnte, nämlich Fuchs. Natürlich wusste ich nicht wie es um ihre Dankbarkeit stand. Wahrscheinlich verachtete sie mich eher, für das was ich tat, oder tun musste. Während das warme Wasser an meinem blessierten Körper herunterlief spürte ich ein vibrieren an meinem Handgelenk. Ein Anruf erfolgte über meine Uhr am Handgelenk. Es war Greif, der Leiter unserer Firma, Greifwalder Protekt. Ich drehte das Wasser ab und nahm das Gespräch an, indem ich mit meinem Zeigefinger kurz den Bildschirm meiner Uhr berührte. “Adam”, nannte er mich bei meinem bürgerlichen Vornamen und kam gleich zur Sache: “Ich habe gehört, es gab Probleme “.

“Probleme? Unter Problemen verstehe ich wenn unser Auto den Geist aufgibt, oder wenn die Klimaanlage kaputt geht”, äußerte ich meinen Unmut auf sarkastische Art. Stille. Bis Greif sich durchrang Klartext zu reden: “Fuchs hat mir schon ausführlich Bericht erstattet. Sie sagt, dass sie kündigen will.

Ich kann es ihr nach dem heutigen Tag nicht wirklich verübeln, aber sie ist sehr wichtig für uns. Es wäre sehr schade wenn sie zur Konkurrenz geht”. Ich seufzte. “Was soll ich tun?”, wartete ich auf eine konkrete Anweisung. “Sorg einfach dafür, dass sie noch mal darüber nachdenkt. Und da gibt es noch was. Der Schweizer Naturschutzbund möchte mit euch sprechen. Es geht um die abgeschlossene Mission. Bisher weiß ich aber noch nicht ob sie euch auf die Schulter klopfen oder euch verklagen wollen”, warnte er mich vor. “Schick mir einfach die Adresse und den Termin, per Mail. Ich werde hingehen”, stimmte ich zu. “Dann bis dahin, genieß deinen freien Tag morgen. Schönen Abend noch”, verabschiedete sich Greif und legte auf. "Werde ich haben”, dachte ich mir und lief mit einem Handtuch zum Kühlschrank, wo mein Feierabendbier auf mich wartete.

Der nächste Tag brach an. Die Morgenröte flutete die Straßen von Salzburg. Das leise Surren von tausenden Elektromotoren begleitete die Geräuschkulisse, einer geschäftigen Stadt, die gerade aus ihrem nächtlichen Schlaf erwachte. Am Rande der Fußgängerzonen, Malls, Restaurants und Theatern befanden sich viele Wohnviertel, die je nach Himmelsrichtung von der gutbetuchten High Society bewohnt wurde, oder von den armen Schluckern, die sich als Tagelöhner auf Baustellen oder Bergwerken verdingten. Vor Jahrzehnten trieb der Nebel eine Menge Zuwanderer aus dem benachbarten Deutschland in die Stadt. Natürlich konnte Österreich dieser Welle auf Dauer nicht Herr werden, worauf provisorische Aufnahmelager an der Grenze entstanden. Aus diesen Lagern, in denen Gewalt, Verbrechen und Krankheiten grassierten, entstanden schon bald die Armenviertel von heute. Es gab sie immer noch und einige der abgelehnten Asylberwerber erlangten zumindest Arbeitsvisa, die es ihnen gestatteten, täglich nach Österreich zu pendeln, um dort einer meist schlecht bezahlten Arbeit nachzugehen. Aus einem dieser Grenzlager stammte auch Ilva, die früh ihre Eltern verlor und allein für ihren kleinen Bruder verantwortlich war. Sie musste schon früh lernen, dass nur das Recht des Stärkeren zählte und da sie nicht stark war, musste sie schlau sein. Aus einem Metallstück und einem Gummiband bastelte sie sich eine Steinschleuder, mit der sie Jagd auf andere machte, um zum Beispiel an Geld zu kommen. Dabei spionierte sie ihre Opfer manchmal Wochenlang aus. Ihre raffinierte Vorgehensweise brachte ihr schon bald den Kampfnamen Fuchs ein. Ihre Spionagedienste und ihre Fertigkeiten in der Benutzung von Fernwaffen, waren bei den örtlichen Banden irgendwann sehr gefragt und sie genoss deren Respekt und Schutz. Irgendwann lernte sie Greif kennen, der auf der Suche nach neuen Talenten die deutschen Slums durchstreifte. Er gab ihr einen gut bezahlten Job und eine Wohnung, in der sie noch heute lebte. Und das alles stand jetzt auf dem Spiel. Das Leben, welches sie sich aufbaute. Der gestrige Tag zeigte ihr, wie schnell es vorbei sein kann. Drei ihrer Kameraden wurden vor ihren Augen zerfetzt, erschlagen und zerfleischt. Sie schlief die ganze Nacht nicht, aus Angst eines dieser Monster wäre unter ihrem Bett. Wie damals, als sie noch ein kleines Mädchen war. Nur hatte sie damals kein richtiges Bett und die Vorstellung, was ein wahres Monster war, erschien ihr bei weitem nicht so klar und real wie heute. Damit meinte sie nicht nur die mutierten Bären, sondern auch diesen Mann, der es mit ihnen aufnahm.

Golem. Auf der einen Seite war sie ihm dankbar, dass er sie aus dieser Todesfalle herausholte, andererseits verabscheute sie ihn auch für das, was er tat. Immer wieder erschien das Bild vor ihrem inneren Auge. Er, bedeckt mit dem Blut ihrer Feinde, aber auch mit dem ihrer Freunde. Als sie gerade in unschönen Erinnerungen schwelgte, klopfte es an der Tür.

Sofort war ihre Sorge es könnte er sein, was sie dazu veranlasste, nach ihrer Waffe zu greifen und unter ihren Pullover zu stecken. Es handelte sich dabei um einen Impulsblaster der Firma Jupiter Elektrik, die Standard-Handfeuerwaffe vieler europäischer Sicherheitsfirmen. Sehr beliebt, denn frei erhältlich und mit gewissen Regularien auch legal tragbar. Sie war nicht tödlich, es sei denn man wusste, wie man den Begrenzer herausnimmt, das war natürlich weniger legal. Fuchs war mit solchen Methoden vertraut, also sagte sie: “Herein, es ist offen”.

Natürlich drückte sich Greif absichtlich mit seinen Anweisungen sehr unklar und vage aus. Klar war für mich, ich musste Fuchs davon abhalten, das Unternehmen zu verlassen, entweder auf die eine oder die andere Art. Mit diesem Auftrag fuhr ich mit einem E-Taxi zu ihrem Haus.

E-Taxis gab es mittlerweile eigentlich in jeder Stadt. kleine geräumige Vehikel, die dich schnell von A nach B brachten, ohne Fahrer, ohne überflüssigen Small Talk, alles was man brauchte war ausreichend Guthaben auf der Uhr. Natürlich in der passenden Währung und die war in den meisten europäischen Ländern immer noch der Euro. Wegen der Konflikte der Vergangenheit, die man zusammen durchaus als dritten Weltkrieg bezeichnen konnte, war die EU nur noch ein Schatten ihrer selbst. Viele Länder versanken im Chaos, wurden zu Diktaturen, oder hörten ganz auf zu Existieren. Von den gemeinsamen Zielen und Werten blieb praktisch nichts, aber eines blieb und zwar der Euro. Nach dem Zusammenbruch der EU witterten einige schweizer Banker die historische Gelegenheit, die EZB zu übernehmen und so kam es dann auch. Neben den zahlreichen E-Taxiunternehmen gab es auch für die Stadtbusse eine flexible Alternative. Der Marktführer auf dem europäischen Festland war die Firma IQ-Bus, dicht gefolgt von AI-Cargo. Alle diese Angebote funktionierten per App und mithilfe von Millionen Kameras und einer sehr komplexen und leistungsfähigen KI. Aber zurück im Moment. Das Taxi setzte mich vor dem Mehrfamilienhaus ab, in dem Fuchs lebte. In diesem Vorort in Stadtnähe schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Eine ruhige idyllische Lage und trotzdem nicht völlig abgeschnitten. Eigentlich wohnten hier hauptsächlich gut betuchte Familien und Menschen mit zu viel Geld. Fuchs war weder das Eine noch das Andere, sie hatte einfach das Glück für uns zu arbeiten. Wie undankbar Menschen doch sein konnten, dachte ich mir zuerst.

Andererseits hatte unsere Tätigkeit durchaus ihre Schattenseiten, davon konnten Oger, Schakal und Krähe ein Lied singen. Oder besser gesagt, sie konnten es nicht mehr.

Nach wenigen Schritten stand ich vor der recht passablen Immobilie, angelehnt an den Fachwerkstil des siebzehnten Jahrhunderts. Fuchs wohnte im Erdgeschoss, deswegen konnte ich direkt klopfen. Natürlich hätte ich auch einfach klingeln können, aber ich war in der Hinsicht etwas altmodisch.

Außerdem erhielt ich so einige Aufschlüsse über die Beschaffenheit der Tür und ging sicher, dass ich nicht in eine Sprengfalle tappte, deren Auslöser die Klingel war. “Herein”, war von der anderen Seite der Tür aus zu vernehmen. Also drehte ich den goldfarbenen Knauf, um die Tür zu öffnen. Was mir direkt auffiel, war ein aufblitzendes Licht, was auf das Aufladen einer Impulswaffe hindeutete. Ich ging einen Schritt zur Seite, worauf die Tür neben mir weggesprengt wurde. Ich schaute an mir herunter. “Puh, noch alles dran”, dachte ich mir, was ich von der Tür nicht behaupten konnte. Lediglich den Knauf hielt ich noch in den Händen. “Fuchs, was soll das?”, rief ich in den Raum und ging davon aus, dass der Schuss von meiner Teamkollegin abgegeben wurde. Aber nichts wurde auf meine Frage erwidert. Ich entschloss mich zu einer Finte und tauschte den Wurf einer Granate an, indem ich den Knauf in die Wohnung warf. Da ja keine Explosion erfolgen würde, die Gegenseite das aber nicht wissen konnte, ging ich davon aus, dass der Angreifer in Deckung gehen würde. Das gab mir die Zeit, meinen eigenen Impulsblaster aus dem Halfter zu lösen und nach zu rücken. Ein kleines Zeitfenster von etwa 2 Sekunden, um den Raum mit meinem Lauf zu durchforsten.

Ich sah den feindlichen Blaster befestigt auf einem Stuhl. Der Abzug war mit einer Schnur umwickelt. “Eine Falle”, wurde mir klar und blickte hinter mich. “Fallen lassen”, vernahm ich die Stimme von Fuchs. “Warum feuerst du auf mich? Willst du mich umbringen?”, stellte ich sie zur Rede, doch die guten Argumente waren nicht auf meiner Seite. “Genau dasselbe wollte ich dich gerade fragen. Immerhin kommst du mit einer Waffe zu meinem Haus”, gab sie die Frage zurück. “Wage es ja nicht dich zu bewegen, der Blaster in meiner Hand ist modifiziert, das bedeutet kein Begrenzer, also solltest du keine Dummheiten machen”, machte sie mir klar. “Greif hatte mir gesagt du willst das Unternehmen verlassen, da dachte ich ich könnte dich eventuell umstimmen, immerhin haben wir schon viel zusammen durchgemacht”, versuchte ich sie zu besänftigen, doch sie ließ nicht mit sich reden. “So wie du wahrscheinlich Schakal und Krähe umgestimmt hättest. Deine Art Probleme zu lösen kenne ich doch mittlerweile”, setzte sie mich weiter unter Druck. “Nichts desto trotz hast du mir dein Leben zu verdanken und das weißt du”, versuchte ich es weiter. “Das ist der einzige Grund warum ich dich nicht gleich gegrillt habe”, gab sie zurück. “Der einzige Grund warum ich nicht gegrillt wurde sind meine Reflexe”, konterte ich und ging leicht in die Hocke. “Ich werde jetzt meinen Blaster auf den Boden legen und dann reden wir, okay?”, appellierte ich an sie. “Ich frage nur aus Interesse. Was willst du denn ohne uns machen? Zu einer anderen Sicherheitsfirma wechseln? Hast du da schon was in Aussicht?”, bohrte ich, doch sie reagierte nicht. “Komm schon Ilva irgendeinen Plan musst du doch haben wie es mit dir weitergeht. Wir bezahlen nicht schlecht und dein Bruder, der hinter der Grenze wohnt kann das Geld gut gebrauchen”, bohrte ich weiter, um etwas Zeit zu gewinnen. “Woher kennst du meinen richtigen Namen und woher weißt du das mit meinem Bruder?”, zeigte sie sich erschrocken. “Greifwalder weiß einiges über dich. Über jeden Neuzugang wird eine Akte angelegt, daher weiß ich auch, dass du wegen mehrerer Verbrechen gesucht wirst. Was meinst du was passiert wenn wir den Behörden stecken wer du wirklich bist?”, konfrontierte ich sie mit den Fakten, worauf sie für einen Moment nicht wusste, was sie tun sollte. Diesen Moment nutzte ich, um noch einmal an der Schnur zu ziehen, die vor mir lag. Der Blaster, der auf dem Stuhl befestigt war, wurde ein weiteres mal ausgelöst und schoss in Fuchs Richtung. Sie schaffte es gerade noch, sich auf den Rücken zu werfen, um der Schockwelle zu entgehen. Trotzdem war sie für einen Moment geblendet, was ich nutzte, um sie am Stiefel zu packen und sie zu mir zu ziehen. Ich griff nach ihrer Waffe und verdrehte den Arm so, dass der Lauf zu ihr zeigte. “So Ilva, du hörst mir jetzt genau zu. Das ist das letzte Mal, dass du eine Waffe auf mich richtest. Du wirst jetzt das tun, was ich sage und zwar dann, wann ich es sage, und solltest du noch einmal Dummheiten machen, werden wir deinem Bruder einen Besuch abstatten. Hast du mich verstanden?”, drohte ich ihr und ich sah an ihrem Blick, dass sie verstand.

Als ich mich wieder auf den Heimweg machte, kamen mir einige Streifenwagen entgegen. Ich war mir sicher, dass die Nachbarn von Fuchs sie gerufen hatten. Natürlich blieb unsere Auseinandersetzung nicht unbemerkt. Dass dies zum Problem werden könnte, schloss ich aber aus. Fuchs, beziehungsweise Ilva, wusste jetzt, was ihr blühte, wenn sie sich gegen uns stellte. Ich scrollte auf meiner Uhr nach dem Namen meines Chefs. Ich drückte meinen Zeigefinger auf den Hörer in meinem Ohr, um die Außengeräusche besser ausblenden zu können. “Ist erledigt”, deutete ich meinen Erfolg an. “Sehr gut.

Das heißt, wir können weiterhin auf sie zählen?”, formulierte Greif seine Frage äußerst vorsichtig. Eigentlich wollte er wissen, ob ich sie eliminieren musste, was ich zum Glück verneinen konnte: "Ja, wir können uns weiterhin auf sie verlassen”. Gerade als ich wieder auflegen wollte, nervte mich Greif mit der anderen Sache: “Ich habe gerade den schweizer Naturschutzbund auf der anderen Leitung. Kann ich ihn durchstellen?”. “Ich mache gerade einen sehr langen Spaziergang, also theoretisch habe ich Zeit”, stimmte ich zu, um mir anzuhören, was unser Auftraggeber zu sagen hatte.

Eigentlich war es nicht ungewöhnlich, dass ich ebenfalls eingeschränkten Kontakt zu unserer Kundschaft hatte, doch dieser ereignete sich meist vor Missionen und nicht danach.

“Guten Tag, ich hoffe, Ihnen geht es gut”, begrüßte mich eine dunkle Männerstimme mit akzentfreiem Hochdeutsch.

Wahrscheinlich benutzte er einen Voice-Generator. Natürlich bestand auch die Möglichkeit, dass ich mich mit einer KI unterhielt. Das kam zwar auch ab und zu vor, aber in den meisten Fällen flog die Sache auf, wenn man wusste, welche Fragen man stellen musste. KIs und Menschen reagierten in gewissen Situationen immer noch unterschiedlich und egal wie sehr sich Wissenschaftler auch Mühe gaben, auch im Jahr 2130 gab es keine künstliche Intelligenz, die glaubhaft vermitteln konnte, ein Mensch zu sein. “Kann mich nicht beklagen. Was kann ich für Sie tun?”, wollte ich direkt zum Punkt kommen. “Wie sicher ist diese Leitung?”, fragte der Mann am anderen Ende. “So sicher wie eine Verbindung im digitalen Hochtechnologie-Zeitalter nur sein kann”, versuchte ich mit etwas Sarkasmus das Eis zu brechen. “Naja, so besonders geheim oder brisant ist es ja nicht. Wie Sie ja schon sicher wissen, arbeite ich für den schweizer Naturschutzbund.

Dieser ist eine wohltätige Nichtregierungsorganisation, die zum größten Teil durch Spenden finanziert wird, die wiederum von mehreren Firmen kommen. Eine der wichtigsten ist, Europe Mining, eine Schweizer Bergbaugesellschaft”, erklärte er mir. “Verstehe also geht es um Bodenschätze, die sich im Nebel-Distrikt befinden”, verstand ich sofort. “Natürlich geht es beim Naturschutzbund in erster Linie um die Erforschung der Flora und Fauna in den verlorenen Regionen, aber wenn ein Forschungsteam zufällig auf die ein oder andere Mine stößt wären unsere Spender natürlich sehr erfreut darüber", machte mir der Mann klar. Ich mochte Leute wie ihn. Kapitalistisch, zahlungswillig und unkompliziert, ein Kunde wie er im Buche stand. “Aber wo drückt jetzt der Schuh, wie kann ich helfen?”, wollte ich jetzt endlich wissen. “Leider wurden unsere Mitarbeiter immer wieder von wilden Tieren, oder anderen Kreaturen angegriffen. Wie sie wissen, funktionieren viele Waffensysteme in diesem Distrikt nicht, daher ist es schwierig, unsere Teams zu schützen und neue Vorkommen zu finden…”, begann er zum Punkt zu kommen. “...und da ich es lebend aus der Hölle raus schaffte, glauben Sie, dass ich in Zukunft die Expeditionen begleiten kann? Tut mir Leid, ich passe”, lehnte ich direkt ab. “Ich rate Ihnen, sich das noch einmal zu überlegen. Wir bezahlen äußerst gut und wenn Sie sich entschließen, vielleicht direkter Mitarbeiter von uns zu werden, werden wir natürlich auch Ihrem Arbeitgeber eine fürstliche Ablöse zahlen”, appellierte er an meine Gier. “Für kein Geld der Welt gehe ich in diese Hölle zurück”, lehnte ich weiter ab und legte auf, während er noch irgendwas von Steuervorteilen erzählte. Ich atmete durch und ließ die Umgebung auf mich wirken. Strahlender Sonnenschein, das Rascheln der Blätter und das Panorama der bergigen Landschaft. Ich beschloss ab jetzt, den Spaziergang nach Hause zu genießen, so wie den Rest meines freien Tages.

Während ich meinem Spaziergang nachging, bekam Greif einen etwas unangenehmen Besuch. Es war einer der Firmenvorstände von Europe Mining. Per Hologramm wurde der schick in Anzug gekleidete Mann in Greifs Büro projiziert.

“Seien Sie gegrüßt Herr Greifwalder. Ich hoffe ich störe nicht”, begrüßte der geheimnisvolle Mann unseren Geschäftsführer, Schrägstrich Firmeninhaber. Dieser saß hinter seinem Schreibtisch. In einem leicht abgedunkelten Raum, sodass man lediglich die Umrisse seines markanten Gesichtes erkennen konnte. “Nicht doch, Herr Khan. Für einen unserer besten Kunden habe ich doch immer Zeit”, nahm Greif das Hologramm in Empfang, während er den blauen Dunst seines Vapers ausstieß. “Was ist der Grund für Ihren Besuch?”, wollte er wissen. “Erst einmal will ich mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die unser letzter Auftrag mit sich brachte. Ich hörte Sie haben einige gute Männer verloren. Für diese Verluste werden wir Sie natürlich ordentlich entschädigen”, meinte Khan. “Da sage ich natürlich nicht nein, aber das müssten Sie nicht. Solche Dinge sind zwar ärgerlich, gehören aber zum Geschäft”, bedankte sich Greif, ohne diese Zuwendung jedoch gänzlich auszuschlagen. “Ich habe eben einen Anruf des schweizer Naturschutzbundes erhalten, der mir erzählt hat, dass ihr Topmann für weitere Expeditionen und Bergungen nicht mehr zur Verfügung steht. Das finden wir äußerst schade. Also wenn es da eine Möglichkeit gibt, ihn umzustimmen, wären wir Ihnen sehr verbunden, sonst müssten Ich und meine Partner uns nach einem neuen Dienstleister umsehen. Und das wäre doch sehr schade”, drohte Khan. “Ist das so?”, seufzte Greif, während seine Hand sich zu einer Faust schloss. Er mochte es überhaupt nicht, wenn jemand nicht tat, was er verlangte. Normalerweise schickte er in solchen Fällen seinen besten Mann, Golem.

Aber dass genau dieser Mann sich jetzt querstellte, war eine völlig neue Situation für ihn. “Warten Sie Herr Khan, ich werde mit ihm sprechen und dann reden wir noch einmal wegen der zukünftigen Zusammenarbeit”, appellierte Greif an die Geduld seines VIP-Kunden.

Wieder vibrierte meine Uhr und störte mich beim Genießen meines freien Tages. Dabei fiel mir auf, dass dieser Tag sich so frei gar nicht anfühlte. Seit dem frühen Morgen war ich schon für meinen Boss unterwegs, habe Leute bedroht, eingeschüchtert, mit Kunden telefoniert und wollte jetzt eigentlich einfach nur meine Ruhe haben. Doch Greif ließ mich nicht. Es half nichts. Mir blieb nichts anderes übrig als das Gespräch anzunehmen. “Ja”, nahm ich das Gespräch entgegen. “Golem, ich muss mit dir sprechen”, sprach er mich jetzt mit meinem Kampfnamen an. “Eigentlich habe ich frei”, erinnerte ich ihn, worauf er aber nicht einging. “Ich wurde eben darüber informiert, dass du einen wichtigen Auftrag abgelehnt hast. Du hast keine Ahnung, wie viel Geld mich das kostet”, gab er mir die Schuld an seinem bevorstehenden Verlust. “Die wollten mich abwerben. Ist dir das egal?”, entgegnete ich. “Na und, aber mein Geld hätte ich bekommen und du wärst bestimmt auch nicht leer ausgegangen”, versuchte er mich zu überzeugen, dass meine Entscheidung falsch war. “Greif, ich arbeite gerne für dich, aber ich bin keine Prostituierte mit der man Handel treiben kann und die sich von dir verkaufen lässt.

Erst recht nicht für so eine Arbeit. Das was die mir angeboten haben, würde selbst ich nicht lange überleben”, blieb ich weiterhin stur. “Okay Golem, ich sehe, das führt zu nichts.

Dieses eine Mal werde ich über deine Ungehorsam hinwegsehen, aber solltest du es je wieder wagen, dich in irgendeiner Weise zu verweigern, wird das Konsequenzen haben!”, drohte er mir und legte auf.

Kapitel 3 - Upgrade

In der Röte der Abendsonne, mit Blick auf die Wellen und das Meer standen zwei junge Männer. Sie waren nicht von hier, nicht aus Gibraltar. Auch nicht aus dem nahe gelegenen Europa. Sie kamen aus der Ferne, das Land hinter dem Horizont. Hinter dem Meer, hinter den Wellen. Aus dem Norden Afrikas. Was den Grund für ihren Aufenthalt betraf, so war dieser geschäftlich und streng geheim. Sie gehörten einer nichtstaatlichen Eliteeinheit an, die ausschließlich für die SIF operierte. SIF war die Bezeichnung für Sunnitisch-Islamische-Föderation, ein Zusammenschluss mehrerer arabischer und türkischer Staaten, die gemeinsame Ziele verfolgten und im Begriff waren, zu einer neuen Weltmacht aufzusteigen. Gerade streckte das Bündnis seine Fänge nach Gibraltar aus, um einen sicheren Hafen zu schaffen, um am europäischen Kontinent anlegen zu können.

Zwar hatten Sie schon Häfen in Griechenland und auf dem Balkan, aber sie hatten noch keinen im Westen. Doch das sollte sich in den nächsten Tagen ändern. Zusammen mit ihren Kameraden hatten sie den Präsidenten in ihre Gewalt gebracht und die wenigen Briten, die auf der Halbinsel stationiert waren, entweder ausgeschaltet, gefangen genommen, oder aus dem Land gejagt. Es war schon fast zu einfach und jetzt gönnten sie sich ein wenig Spaß und Ablenkung. Hierzu hatten sie sich zwei Frauen eingeladen, mit denen sie auf diesem Felsen picknicken wollten. Sie hatten sie vor einigen Tagen in einer Bar kennengelernt. Nach einigem Hin und Her erklärten die Damen sich bereit, sich mit ihnen an diesem abgelegenen Ort zu treffen. “Da kommen Sie”, fielen Emre die beiden jungen Frauen auf, die mit einem E-Motorroller angefahren kamen. “Hast du das Zeug dabei?”, fragte Bilal. Damit waren die Drogen gemeint, die Emre zuvor bei einem Dealer besorgte. Die Frauen hielten mit ihrem Roller, neben einem der zahlreichen Bäume, die entlang der Schlucht empor wuchsen. “Hallo Anne”, begrüßte er die hochgewachsene Frau, die gerade vom Gefährt stieg und ihren Helm von ihrer langen blonden Mähne streifte.

“Beeindruckend, du kannst dir Namen merken”, neckte sie ihn und ging auf den Mann zu und schlang ihre Arme um seinen Stiernacken. Bilal war betört von dieser Anmut und ihrer Schönheit. Natürlich auch von ihrer Oberweite, die sie mit einem tiefen Ausschnitt zur Schau stellte. So sehr, dass er sich ihre Spitzzüngigkeit gefallen ließ, zumindest so lange sie dazu noch in der Lage war zu reden. “Hallo Emre”, schmiegte sich Julia an und streifte Emre über den Arm. Die kleine Brünette mit den kastanienbraunen Rehaugen, hatte etwas mysteriöses an sich. Meistens hielt sie sich im Schatten ihrer Kumpanin, während sie mit ihrem lockigen Haar spielte. Diese zurückhaltende Schüchternheit faszinierte Emre. Er schloss aber nicht aus, dass sie nur gespielt war. Damit sollte er Recht behalten. Es dauerte keine zwei Minuten bis Bilal mit Anne an einem Baum lehnte, mehrere Meter von Emre und Julia entfernt. Als sie ihm den Mund zuhielt, hielt er es für ein bevorstehendes Sexspiel, doch dem war nicht so. Ein stechender Schmerz drang in seinen Körper ein. Es fühlte sich an wie ein tiefer Messerstich in seiner rechten Körperseite. Er griff nach seiner Waffe, doch er kam nicht an sie heran. Er ballte seine Linke und wollte der Frau ins Gesicht schlagen doch ein weiterer Stich durchbohrte seinen Unterarm. Er schaffte es jetzt einen schmerzverzerrten Schrei auszustoßen, der Emre aufhorchen ließ. Dieser drehte sich zu seinem Kameraden, als ihm von hinten eine Schlinge um den Hals gelegt wurde. “Diese Miststücke, es war eine Falle”, war sein letzter Gedanke, bevor er zu Boden gerissen wurde und es schwarz vor seinen Augen wurde. “Lebt er noch?”, fragte Anne, die blutverschmiert aus dem Dickicht trat. Im Schlepptau hatte sie Bilal, den sie am Hemdkragen neben sich her schliff.

Julia fühlte nach Emres Puls. “Sieht so aus”, stellte sie fest.

“Gut, dann können wir ihn nachher noch befragen. Meiner war leider weniger kooperativ. Den müssen wir wohl von der Klippe werfen. Pack am besten mal mit an”, verlangte sie von ihrer Freundin. Gerade als sie der Aufforderung nachkommen wollte, entdeckten sie einen jungen Mann, der sie mit angsterfüllten Blick beobachtete. “Verdammt, hier sollte eigentlich niemand sein. Wir hätten vielleicht doch lieber warten sollen, bis es komplett dunkel ist”, dachte sich Anne.

“Hey ich weiß das sieht jetzt etwas komisch aus, aber diese Typen wollten sich eben an uns vergehen, wir mussten uns wehren”, versuchte Julia, die Situation zu klären, doch der hagere Teenager zitterte vor Angst und machte Anstalten das Weite zu suchen. Der Junge, der wohl Sportler war, lief so schnell er konnte den Feldweg entlang in der Hoffnung, das Tal zu erreichen. Über sich vernahm er das Geräusch sich biegender Äste und raschelnder Blätter. Folgte die Frau ihm etwa über die Baumkronen? Er wagte einen Blick nach oben, doch konnte nur eine Silhouette erkennen, die über ihn hinweg zog. Bevor es ihm in den Sinn kam, die Richtung zu ändern, passierte etwas seltsames. Er konnte sich selbst von hinten sehen. Erst seine Schuhe und dann seinen Körper, wie er vor ihm zusammenbrach. Dann wurde er hochgehoben und Julia sah ihm in die Augen. “Es tut mir leid, aber es musste sein”, entschuldigte sie sich und drückte dabei den losen Kopf an ihre Brust und wiegte ihn wie einen kleinen Säugling hin und her. Der junge Kerl, der einer Frau wahrscheinlich noch nie so nah war, war einerseits angetan von Julias Duft und ihren sanften Berührungen. Andererseits blickte er zu recht entsetzt, als er zum Rest seines Körpers hinüber sah. Er war eigentlich noch zu jung zum Sterben, aber es würde zweifelsohne jeden Moment passieren. “Alles gut, du hast es gleich geschafft”, tröstete ihn Julia, die ihm immer wieder durchs wuschige Haar streifte und beruhigende Laute von sich gab. So lange, bis der Blick des Jungen leer und kalt wurde. So lange, bis es für ihn vorbei war.

Unsanft erwachte Emre aus seinem unfreiwilligen Schlaf. Sein Kopf schmerzte, aufgrund des Sauerstoffentzugs, den er erlitt.

Mühsam versuchte er sich zu erinnern, was geschehen war. “Bilal!”, entfuhr es ihm und blickte sich panisch nach seinem Kameraden um. “Diese Huren!”, wurde er wütend und versuchte aufzustehen, doch er war an einen Stuhl fixiert. Um seine Arme waren Fäden gespannt, die sich wie Klaviersaiten anfühlten und sich in sein Fleisch schnitten, wenn er sich bewegte. “Nicht so unfreundlich", trat nun Anne in sein Sichtfeld. Sie hatte mittlerweile die Kleidung gewechselt und Bilals Blut von sich abgewaschen. “Was habt ihr mit ihm gemacht und was habt ihr mit mir vor?”, wimmerte er vor sich hin. “Zuerst würde ich gerne wissen, was du mit uns vor hattest?”, entgegnete Anne. Emre runzelte die Stirn. “Wir haben das in deiner Tasche gefunden”, konfrontierte sie ihn mit dem Beweisstück, ein kleines Fläschchen, welches eine durchsichtige Flüssigkeit enthielt. “Ok, wir wollten etwas Spaß mit euch, aber das ist doch kein Grund uns gleich umzubringen”, relativierte er. “Das ist auch nicht der Grund, warum du hier sitzt”, kam sie zum Punkt. “Ich kann dir nicht ganz folgen”, stellte er sich dumm. “Wo ist der Präsident?”, wollte Anne wissen und zog einen nadelartigen Gegenstand hervor. “Sag es ihr und wir können dich am Leben lassen”, mischte sich Julia ein und streichelte Emre sanft über den Kopf. “Jetzt wird es mir klar, ihr seid Agentinnen. Für welchen Dienst? MI6? Europol?”, versuchte er die Fragen zu stellen, obwohl seine Position dies zu tun mehr als schlecht war. “Ich werde dir jetzt unsägliche Schmerzen zufügen, bei jedem Mal wenn mir deine Antwort nicht gefällt”, kündigte Anne an. Die erste Nadel rammte sie ihm in den Oberschenkel, worauf schmerzerfüllte Schreie seinerseits ertönten, während Julia ihn festhielt. “Sag es ihr, sonst tötet sie dich”, appellierte sie an ihn, während sie sich an ihn klammerte, so als würde ihr tatsächlich etwas an ihm liegen. “Ihr werdet mich doch ohnehin töten”, wusste Emre. Er war nicht naiv genug, um an sein Überleben zu glauben, oder an die Gnade von Feinden. Er kannte ihre Gesichter. Wahrscheinlich waren ihre Namen so wie Identitäten nicht echt, lediglich Rollen, in die sie schlüpften. Überwältigt durch Frauen. Unehrenhafter ging es nicht. Hätte er die Chance gesehen, sich selbst zu töten, so hätte er sie wahrgenommen. Immerhin besser, als durch ihre Hand zu sterben. Emre hob den Kopf so, als ob er sprechen wollte. Er säuselte leise etwas, sodass Anne näher heran musste, um es zu verstehen. Diese Gelegenheit nutzte er, um ihr ins Gesicht zu spucken. Vor Wut schlug sie ihm so heftig gegen den Kopf, dass er zusammen mit dem Stuhl zu Boden fiel und dort auch noch mal mit dem Kopf aufschlug. Diese Frau hatte verdammt viel Kraft, zweifellos entsprechend ausgebildet. Julia richtete ihn wieder auf und wischte ihm das Blut von der Stirn. “Hör auf so zu tun, als läge dir was an mir.

Auf eure Masche falle ich nicht mehr rein”, entlarvte er Julia als das, was sie war, eine Killerin, die ihr Spiel mit ihm spielte.

Sie ging einen Schritt zurück, sodass Anne ihr Werk ungehindert vollbringen konnte. Diesmal stieß sie ihm eine Nadel unter den Nagel seines linken Zeigefingers. Auch da blieb er weitestgehend stur, sogar als sie mit all seinen Fingern durch war. Erst als sie ihm eine Nadel ins Auge stieß, begann er zu schluchzen und zu jammern, beteuerte aber nach wie vor nichts zu wissen. “Die Nadeln waren nur die erste Runde”, versicherte Anne, worauf Julia mit einem Teaser hervortrat.

“Es tut mir Leid, aber es muss sein”, versicherte sie und legte das Gerät bei einer der Nadeln an und betätigte den Knopf.

Ein kleiner Lichtbogen wurde erzeugt, der die Nadel kreuzte und durch das Metall in Emres Körper geleitet wurde. Der Schmerz ließ sein Gesicht entgleisen und sich in alle möglichen Formen und Varianten verzerren, die seine Gesichtsmuskeln im Stande waren zu erzeugen. So ging Julia Nadel für Nadel durch und Emre durchlebte den Schmerz, der in seinen Körper drang, immer und immer wieder. Nach wenigen Minuten stank es im Raum nach verbranntem Fleisch, sodass Anne sich fast übergeben musste. Genau aus diesem Grund war sie Vegetarierin. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde Emre klar, Anne war gar nicht die schlimmste Sadistin, die er je getroffen hatte. Es war die kleine, zierliche und lieb wirkende Julia, die ihn aufs Äußerste bearbeitete.

Schließlich sagte er alles, damit er im Gegenzug endlich sterben durfte.

Emres Informationen, die er vor seinem Ableben preisgab, beinhalteten Depots von Waffen und Ausrüstung. Er verriet auch den Ort, an dem der Präsident von Gibraltar gefangen gehalten wurde. Außerdem redete er noch über seinen Vorgesetzten und dessen Fähigkeiten. Sein Name war Kurt und er diente scheinbar früher in einer TEC-Einheit der Vereinigten Arabischen Emirate, vielmehr wusste Emre nicht.

Sonst hätte er es definitiv gesagt, da waren sich Anne und Julia sicher. Mit diesem Wissen im Gepäck standen die beiden Frauen auf einer kleinen Anhöhe, mit Blick auf die Hütte, in der das Verhör stattfand. Sie brannte lichterloh und erhellte das Dunkel der Nacht und erzeugte eine Atmosphäre, die an ein Lagerfeuer erinnerte, zumindest in den Augen von Julia. Eine Weile standen sie da, gönnten sich einen Moment ihr Werk zu bewundern. “Wunderschön”, sagte Julia und legte ihren Kopf auf Annes Schulter ab. Die hochgewachsene Blondine nahm ihre Kumpanin in den Arm, während sie ihre Schulter streichelte und stimmte ihr nickend zu. Auch ihr gefiel das Werk, welches sie zusammen vollbracht hatten, doch um es länger zu bewundern, fehlte ihnen die Zeit. Ihr Auftrag war noch nicht ansatzweise erledigt und noch rechneten ihre Feinde nicht mit dem, was ihnen bevorstand. Ein Vorteil, den es zu nutzen galt.