Evil Angel´s MC -Lila - Any Sparrow - E-Book

Evil Angel´s MC -Lila E-Book

Any Sparrow

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Beschreibung

Lila weiß, wie das Leben in einem MC ist. Nie wieder will sie sich einem neuen Club anschließen, als sie den ihres Vaters verlässt. Doch dann lernt sie Naima kennen und auch, dass ein MC anders geführt und dessen Mitglieder zu einer Familie sowie zu einem Zuhause werden können. Sie hat die Vergangenheit hinter sich gelassen, jedoch wird sie von dieser wieder eingeholt. Dan liebt seine Schwägerin und ihren MC. Dennoch ist es für ihn nicht leicht, sich daran zu gewöhnen, dass sein Bruder mit einer Bikerbraut verheiratet ist, denn immerhin sind Biker für den Tod seiner Eltern und Schwester verantwortlich. Sein Plan, zurück in den Alltag zu kehren, wird jedoch über den Haufen geworfen. Lila verdreht ihm gehörig den Kopf. Werden Lila und Dan einen gemeinsamen Weg finden? Schafft Lila es, ihre Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen? Buch enthält explizite Szenen und Ausdrücke und sollte daher nicht unter 18 Jahren gelesen werden. Entspricht ca. 240 Print Seiten

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Any Sparrow

 

 

 

 

 

Evil Angel´s MC

Lila

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Copyright © 2023

A. J. Sparrow

[email protected]

Neustadter Straße

68309 Mannheim

Covergestaltung: Copyright © 2023

Seleni Black

Coverbilder: Pixabay

Korrektur:

Textwerkstatt 2023

 

Stand: Dezember 2023

Deutsche Erstauflage

 

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne Zustimmung der Autorin nachgedruckt oder anderweitig verwendet werden.

 

Die Ereignisse in diesem Buch sind frei erfunden. Die Namen, Charaktere, Orte und Ereignisse entsprechend der Fantasie der Autorin, oder wurden in einem fiktiven Kontext gesetzt und bilden nicht die Wirklichkeit ab. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen, tatsächliche Ereignisse, Orte oder Organisationen sind rein zufällig.

 

 

„Was wäre das Leben,

hätten wir nicht den Mut,

etwas zu riskieren

-Vincent van Gogh-

 

Prolog

Lila

 

 

 

Vor sechs Jahren …

 

Mann, wo war ich hier nur gelandet? Ein Kaff mitten in Arizona. Aber vielleicht würde man mich hier wenigstens nicht finden. Das hoffte ich zumindest. Ich war nicht ohne Grund durchs halbe Land gereist, um meinem Vater zu entkommen.

Ich schaute mich um, viel gab es hier nicht. Aber dafür schien es ein ruhiges kleines Städtchen zu sein.

Nachdem ich mir etwas zu essen und trinken geholt hatte, setzte ich mich auf eine Bank und hielt meine Umgebung im Auge. Als ich Motorräder hörte, die sich näherten, musste ich mein Urteil noch einmal revidieren. Anscheinend war das hier doch kein so ruhiges Städtchen wie ich angenommen hatte. Vor der Bäckerei, in der ich gerade war, hielten drei Bikes und ihre Fahrer trugen alle Kutten.

Es waren zwei junge Frauen, wobei die Blonde eher aussah wie ein Mädchen. Sie war auf jeden Fall jünger als ihre Begleiter und ich. Der Kerl, der dabei war, schien der Älteste zu sein. Als sie mir ihren Rücken zudrehten, konnte ich den Namen ihres MCs lesen.

Evil Angels stand bei den Mädels drauf und bei ihm Riding Guns. Von den Guns hatte ich schon gehört, mein Vater hatte sie einmal erwähnt, als er telefonierte, denn auch er gehörte einem MC an. Aber von den anderen nicht. Was mich daran am meisten wunderte war, dass die Mädels Kutten trugen und nicht „Eigentum von“ darauf stand. Normalerweise trugen Frauen nur Kutten, wenn sie eine Old Lady waren. Dafür schien mir die Blonde aber definitiv zu jung. Zumindest, wenn es stimmte, was man in Büchern las.

 

Es dauerte eine ganze Weile, bis die drei wieder aus dem Laden kamen. In der Zwischenzeit waren noch zwei weitere Member der Guns erschienen. Einer davon war sogar ihr Pres Gun. Die beiden gingen jedoch nicht hinein, sondern warteten draußen auf die anderen.

Sie alle begrüßten sich herzlich, wobei die beiden Neuankömmlinge die Blonde in eine feste Umarmung zogen. Interessiert beobachtete ich das Geschehen. Keiner nahm Notiz von mir, was mir nur recht war.

Dies änderte sich jedoch, als die Truppe wieder wegfahren wollte, schaute die Blonde zu mir herüber. Sie zog eine Augenbraue nach oben, sagte etwas zu den anderen und kam zu mir über die Straße gelaufen. Die Männer fuhren weg und nur die andere Frau mit den braunen Haaren blieb zurück. Ich war gespannt, was nun folgen würde.

Lässig lief sie mir entgegen und schaute erst mich, dann meine Maschine an, die ich vor mir geparkt hatte. „Nettes Bike. Du bist nicht von hier, oder?“, grinste sie mich an.

„Nein, bin nur auf der Durchreise“, antwortete ich knapp.

Sie schaute mich prüfend an und schien ein Urteil zu fällen. „Du siehst eher so aus, als wärst du auf der Flucht, dazu noch so eine Maschine, da würd ich sagen, es hat etwas mit einem MC zu tun. Du musst nichts dazu sagen, aber manchmal hilft reden. Ich bin Naima Daniels, mein Dad ist der Pres der Riding Guns, mein Bruder War sein Vize“, erklärte sie mir und deutete dann auf die andere Frau gegenüber. „Das ist Star, sie ist meine Vize, denn ich bin die Pres der Evil Angels.“

Fragend zog ich eine Augenbraue nach oben, es war recht unglaubwürdig, dass dieses Mädchen einen eigenen MC hatte. Frauen hatten niemals einen eigenen Club, zumindest hatte ich noch nie von einem gehört.

„Du brauchst mich gar nicht so unglaubwürdig anzuschauen. Ich bin gerade dabei, meinen MC aufzubauen und könnte noch einige Member gebrauchen. Ich bin in einem aufgewachsen und auch Star ist schon lange ein Teil von den Guns, da sie schon lange bei mir und meiner Familie lebt. Daher kenn ich alle Regeln und auch den Platz, den die Frauen für gewöhnlich darin haben. Aber alles das will ich so nicht. Ich will meine eigenen Regeln aufstellen und den Männern beweisen, dass Frauen genauso harte Hunde sein können“, grinste sie.

Auch wenn ich sie nicht kannte, so glaubte ich ihr jedes Wort. Aus diesem Grund hatte ich meinen MC verlassen, denn auch mein Vater war Pres eines Clubs. Frauen waren für ihn nichts wert und nur für das eine gut.

Eigentlich klang das, was Naima sagte, richtig gut und es gab mir die Chance für einen Neuanfang. „Okay, ich bleibe erst einmal hier und schau einfach, was passiert“, nahm ich ihr Angebot an.

„Sehr gut. Leider liegt unser derzeitiges Clubhaus noch auf dem Gelände der Guns. Mein Dad will mich noch nicht gehen lassen, obwohl ich schon ein Gelände mit passendem Haus habe“, schnaubte sie verächtlich.

Ich konnte nicht anders und musste grinsen. Die Kleine war einfach der Hammer. Auch wenn ich nicht beschreiben konnte, warum, mochte ich sie schon jetzt und hatte das Gefühl, dass ich hier wirklich bleiben konnte.

Naima eilte nach einem letzten Grinsen zurück zu ihrer Vize und schien ihr alles zu erzählen. Daraufhin warf auch sie mir ein Grinsen zu. Beide setzten sich auf ihre Bikes und fuhren los. Ich folgte ihnen und war gespannt, was mich erwartete.

 

Es dauerte nicht lange, bis wir durch ein Tor fuhren. Es führte auf ein großes Gelände mit einem Clubhaus und etwas abseits befand sich noch ein kleineres Gebäude, auf das die beiden zusteuerten.

Als wir am Clubhaus der Guns vorbeifuhren, stand ihr Pres mit den beiden anderen Kerlen vor der Tür und schauten mich fragend an. Ich kümmerte mich nicht um die drei, da ich davon ausging, dass Naima ihnen alles erzählen würde.

Vor dem kleinen Haus parkten Naima und Star ihre Bikes und warteten auf mich. Ich tat es ihnen gleich und stieg ab. Ohne ein Wort zu sagen, gingen die beiden hinein und ich folgte ihnen. Drinnen war es gemütlich eingerichtet. Nicht so wie es sonst in einem Clubhaus aussah, aber es war ja nur eine vorübergehende Lösung, laut Naima.

Im Wohnzimmer hatte sich die Pres in einem Sessel niedergelassen und deutete mir, ebenfalls Platz zu nehmen. Ich setzte mich auf die Couch, die ihr gegenüberstand.

„Wie gesagt, ich bin Naima Daniels, die Pres des Evil Angels MCs, mein Vater ist der Pres der Guns und mein Bruder War sein Vize. Star ist meine Vize, zudem lebt sie, seit sie elf ist, bei meiner Familie. Aber wie sie dazu gekommen ist, kann sie dir selbst erzählen, wenn sie es will. Da du ein Neuzugang bist, wirst du für ein halbes Jahr Prospect auf Probe sein. Je nachdem wie du dich anstellst, und wenn du es dann willst, bist du ein richtiges Mitglied und bekommst deine Kutte“, sagte Naima, sah mich abwartend an und nahm eine Dose Red Bull entgegen, die Star ihr hinhielt.

„Klingt vernünftig und ich nehme erst einmal an. Wir werden sehen, was die nächsten Monate bringen und nur so nebenbei, mein Name ist Lila“, antwortete ich ihr.

„Gut. Eine Frage hab ich allerdings noch. Heißt du wirklich Lila?“

„Nein, eigentlich heiße ich Liliana, aber seit ich denken kann, nennen mich alle nur Lila“, klärte ich sie auf.

Star war kurz aus dem Raum verschwunden und kam schließlich mit zwei Flaschen Bier zurück. Eine davon reichte sie mir und ich nahm sie dankend entgegen. „Willkommen bei den Angels“, rief Naima und hielt ihre Dose nach oben.

Star stimmte mit ein und hielt ihre Flasche nach oben und ich tat es ihr gleich. Ich hatte das Gefühl, als würde ich hier nicht mehr weggehen.

Später an diesem Abend, saß ich draußen vor dem Haus auf dem Gras und schaute nach oben. Keiner der Männer kam her und wollte wissen, wer ich war, was mir nur recht war, denn im Moment sah ich sie lieber von hinten als von vorn. Star war schon vor einer ganzen Weile ins Bett gegangen und Naima war bei ihrem Vater. So konnte ich meine Ruhe genießen.

Lautes Lachen drang vom großen Haus zu mir herüber und als ich meinen Blick dorthin wandern ließ, erstarrte ich für einen Moment. Einer der Kerle hatte Naima am Arm gepackt und zog sie an sich heran. Sie versuchte ihm zu entkommen und kurz bevor ich zu ihr eilen wollte, damit er sie in Ruhe ließ, fing sie laut an zu lachen. Der Kerl hatte sie zwar fest im Griff, zerzauste ihr aber lediglich ihre blonde Mähne.

„Mann, Cross, muss das sein? Ich bin doch keine fünf mehr“, rief sie lachend.

Wow, diese Männer waren wirklich anders. In dem MC, in dem ich aufgewachsen war, wurden Frauen nur wie Fickfleisch behandelt. Nur von mir hatte man sich ferngehalten, weil ich die Tochter des Pres war.

Immer noch lachend kam Naima zu mir und ließ sich neben mir ins Gras fallen. „Kannst du nicht schlafen?“, wollte sie wissen.

„Nicht wirklich. Mein Hirn hört einfach nicht auf zu arbeiten“, erwiderte ich.

„Ich weiß, wir kennen uns nicht, aber wenn du reden willst, ich kann gut zuhören. Du bist auch in einem MC groß geworden und ich weiß, dass die meisten nicht so sind, wie der meines Vaters.“

Ich sah sie einen Moment an, bevor ich wieder in den Himmel schaute. „Der MC, vor dem ich abgehauen bin, besteht nur aus Bastarden. Frauen haben bei ihnen keinen Wert und werden, wie Dreck behandelt. Mein Dad war der Meinung, dass man durch Schläge hart wird, daher hat er mich, seit ich denken kann, gegen seine Männer kämpfen lassen. Als er mich schließlich dem Pres eines anderem Chapters schenkte, bin ich abgehauen. Hätte ich schon viel früher machen sollen“, redete ich mir alles von der Seele.

„Ich danke dir, dass du mir das erzählt hast und für dein Vertrauen. Wir sind jetzt deine Familie und niemand legt sich mit den meinen an.“

Jetzt musste ich sie wieder anschauen. Auch wenn Naima einige Jahre jünger als ich war, so glaubte ich ihr jedes Wort. Sie würde ihre Familie beschützen und das allein und nicht durch ihren Dad oder Bruder. Sie drückte einmal kurz meine Hand, lächelte mir zu und verschwand dann nach drinnen.

Lächelnd legte ich mich zurück, verschränkte die Arme unter meinem Kopf und schaute zu den Sternen. Ich war frei. Das erste Mal in meinem Leben konnte ich selber entscheiden, was und wohin ich wollte und es war ein fantastisches Gefühl.

 

1

Lila

 

 

 

Heute …

 

Seit zwei Tagen saß ich schon in diesem verdammten Motel und überlegte, wie ich jetzt weiter vorging. Vor zwei Tagen war mein Leben aus den Fugen geraten und ich hatte meine Familie ohne ein Wort verlassen. Außer Naima wusste keiner, warum ich gehen musste, noch nicht einmal Dan. Aber ich hoffte, er würde es verstehen.

Dabei war der Tag so toll gewesen, mit einer Hochzeit und einer perfekten Party danach. Bis ich diese verfickte Nachricht erhalten hatte.

Immer wieder schaute ich auf mein Handy und las die paar Worte, wobei mir jedes Mal ein Schauer über den Rücken lief.

 

Killer:

Ich weiß, wo du bist.

Du gehörst mir und ich

werde mir holen, was mein ist …

 

Natürlich hatte ich ihm nicht geantwortet, sondern meine Sachen gepackt und war verschwunden. Ich kannte Killer nicht, aber sein Ruf als sadistischer Bastard eilte ihm vor raus. Mein Dad hatte ihm vor sechs Jahren ein Geschenk gemacht, um die Bande zwischen beiden MCs zu stärken. Das Geschenk war ich!

Nur, dass ich mich nicht behandeln ließ wie irgendeine beschissene Sache. Ich war kein Besitz und entschied selbst, was ich tat. So kam ich schließlich zu meiner Familie. Es war eine Illusion zu denken, dass er mich niemals finden würde.

Gerade als ich mein Handy aufs Bett geschmissen hatte, ging eine neue Nachricht ein. Als ich sah, von wem sie war, atmete ich erleichtert aus.

 

Pres:

Ich weiß, dass du das alleine klären

willst und ich bin die Letzte, die dich

davon abhalten wird. Aber denk immer

daran, deine Familie steht hinter dir

und nur ein Wort genügt und wir

kommen. Außerdem solltest du Dan

zumindest eine Nachricht schreiben!

Ich:

Ich weiß und dafür danke ich dir.

Falls ich es nicht alleine in den Griff

bekomme, melde ich mich.

Pres:

Gut. Meld dich hin und wieder, damit

ich weiß, dass es dir gut geht!

Ich:

Mach ich.

 

Ich legte mein Handy wieder weg und ließ mich zurück aufs Bett fallen. Ich wusste, dass das Letzte ein Befehl von Naima war und musste grinsen. Die kleine Löwin, die die ihren immer beschützte. Nur dieses Mal konnte sie das nicht. Diese Sache musste ich alleine klären.

Naima hatte recht, ich musste Dan eine Nachricht schreiben. Das Problem war nur, ich wusste nicht, was ich ihm schreiben sollte. Er war genauso wie meine Freundin und würde sofort los eilen, um mich zu beschützen. Aber es konnte ihn und auch den anderen das Leben kosten und das wollte ich nicht. Daher war es jetzt an der Zeit, mir meine nächsten Schritte gut zu überlegen. Eins war mir klar, einfach war es nicht, aber ich hatte nicht wirklich eine Wahl, wenn ich nicht den Rest meines Lebens auf der Flucht sein wollte.

Ich überlegte lange, wie ich als erstes an meinen Vater ran kommen konnte. Mein Cousin Snake wäre eine Option. Immerhin hasste er meinen Dad genauso sehr wie ich, weil er meinen Onkel abgeknallt hatte und das nur, weil er einer Frau helfen wollte.

Einer seiner Männer hatte sie sich geschnappt und vor den Augen aller vergewaltigt. Sie war neu bei uns im Club und kannte die Regeln noch nicht. Niemand außer meinem Onkel wollte ihr helfen und er bezahlte mit seinem Leben dafür. Damals war ich fünfzehn und Snake siebzehn. Er hatte das meinem Vater nie verziehen und war nur wegen mir im Club geblieben. Aber wahrscheinlich auch, weil er die Konsequenzen kannte. Mein Vater hätte ihn gejagt und sich dann viel Zeit dafür genommen, ihn zu töten.

Zwar hatte ich damals meine Handynummer gewechselt, mir aber alle von den Members der Holly Bastards eingespeichert. Jetzt war ich froh darüber und hoffte, dass Snake noch dieselbe wie früher hatte.

 

Ich:

Hey Snake, hoffe, du hast diese

Nummer noch. Ich könnte deine

Hilfe gebrauchen.

Lila

 

Jetzt hieß es warten und hoffen, dass ihm diese Nummer noch gehörte und mit etwas Glück, hasste Snake meinen Vater immer noch so wie früher.

 

Als ich zwei Stunden später die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, meldete sich mein Handy mit einem Piepen. Ich hatte eine Nachricht bekommen und hoffte, dass sie von Snake war. Wenn das Glück nicht auf meiner Seite war, dann kam sie von Dan. Ich wusste, dass ich ihm eine Erklärung schuldete, aber noch wusste ich nicht, was ich ihm sagen sollte. Aber meine Hoffnungen wurden erhört und sie war von meinem Cousin.

 

Snake:

Ich hätte nicht gedacht, jemals

wieder etwas von dir zu hören!

Ich:

Sorry, ich weiß, ich hab mich wie

ein Miststück benommen, als

ich einfach abgehauen bin.

Snake:

Mach dir darüber keinen Kopf, es

war das Beste, was du machen konntest.

Ich:

Besteht die Möglichkeit, dass

wir uns sehen?

Snake:

Klar, sag mir, wann und wo

 

Nachdem ich ihm die Adresse des Motels geschickt hatte, legte ich das Handy weg und bereitete alles für ungebetenen Besuch vor. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihm immer noch vertrauen konnte. Für den Fall, dass er nicht alleine kam, wollte ich vorbereitete sein.

Jetzt hieß es warten, bis Snake hier auftauchte. Mit meiner Waffe in der Hand saß ich auf dem Bett und ließ die Tür nicht eine Sekunde aus den Augen. Die Badezimmertür hatte ich geschlossen. Immerhin war ein Fenster dort drin, durch das man ebenfalls in das Zimmer gelangen konnte. Ich betete darum, dass ich keinen Riesenfehler gemacht hatte.

Einige Stunde später hörte ich das Geräusch eines näher kommenden Bikes. Daher stand ich auf und schob den Vorhang etwas zur Seite, damit ich hinausschauen konnte. Tatsächlich war Snake alleine gekommen. Vielleicht wollte er mich aber auch nur in Sicherheit wiegen und andere würden in wenigen Minuten ebenfalls hier auftauchen.

Ich trat vom Fenster weg und stellte mich neben die Tür. Als es klopfte, öffnete ich sie einen Spalt und hielt meinem Cousin meine Waffe unter die Nase.

„Was soll das? Glaubst du wirklich, ich würde dich hereinlegen?“, wollte er wissen.

Da ich keine weiteren Motorräder hören konnte, ließ ich ihn in mein Zimmer. Nachdem er eingetreten war, schloss ich die Tür, stellte mich mit dem Rücken davor und richtete die Waffe immer noch auf Snake. Er machte keine Anstalten, seine eigene zu ziehen. Dabei wusste ich, dass er ebenfalls eine Waffe bei sich trug. „Was ist? Glaubst du mir jetzt, dass ich dir nichts tu?“

Langsam ließ ich meine Knarre sinken und steckte sie schließlich gesichert in meinen Hosenbund. Danach wurde ich auch schon in eine feste Umarmung gezogen. Ich erwiderte seine Geste und mir wurde bewusst, wie sehr er mir gefehlt hatte.

 

2

Dan

 

 

Wieder und wieder versuchte ich Lila anzurufen, aber sie ging einfach nicht dran. Vor zwei Tagen, am Tag der Hochzeit meines Bruders mit Naima, war sie einfach verschwunden. Seitdem hatte niemand etwas von ihr gehört oder gesehen. Na ja, ich war mir sicher, dass eine Person ganz sicher etwas von ihr gehört hatte, und zwar meine kleine Schwägerin. Es wurde Zeit, dass ich mich einmal etwas mit ihr unterhielt. Ob sie wollte oder nicht.

Eigentlich wollten mein Bruder und seine Frau nach der Hochzeit direkt in die Flitterwochen fahren, aber aus irgendeinem Grund hatte Naima das erst mal verschoben und ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass es etwas mit Lilas Verschwinden zu tun hatte.

Als ich das Clubhaus betrat, herrschte eine gedrückte Stimmung, alle machten sich Sorgen. Naima saß zusammen mit Star an der Bar und hielt eine Flasche Wasser zwischen ihren Händen. „Wo ist sie?“, brachte ich es direkt auf den Punkt, nachdem ich vor ihr stehen geblieben war.

„Ich weiß es nicht“, log sie mir ins Gesicht.

Wenn ich sie nicht wie eine Schwester lieben und sie nicht die Frau meines Bruders wäre, dann würde ich sie jetzt schütteln.

„Wir wissen beide, dass du lügst, also lass mich meine Frage nicht wiederholen müssen“, herrschte ich sie an.

Star stand von ihrem Hocker auf und baute sich neben uns auf. Jederzeit bereit, zwischen Naima und mich zu gehen. Aber ein Blick von ihrer Pres reichte und sie setzte sich wieder hin. Dennoch ließ sie mich nicht aus den Augen.

Ich lieferte mir mit meiner Schwägerin ein Blickduell. Nach einer Weile seufzte sie resigniert. „Ich weiß wirklich nicht, wo sie ist, aber es geht ihr gut, das weiß ich.“

„Aber du kennst den Grund, warum sie abgehauen ist“, stellte ich fest.

„Ja das tue ich, aber es ist nicht meine Aufgabe, dir das zu sagen.“

„Verdammt Naima, jetzt sag schon, was Sache ist“, schnauzte ich sie an.

„Nein, wenn Lila so weit ist, dann wird sie sich bei dir melden“, zischte sie zurück, stand auf, drängte sich an mir vorbei und verließ das Clubhaus.

Ich folgte ihr nach draußen und erwischte sie am Arm, bevor sie auf ihre Maschine steigen konnte. „Du lässt mich nicht einfach so stehen, sondern sagst mir jetzt, was du weißt.“

Ich packte fester zu, wohl wissend, dass ich damit blaue Flecke auf ihrem Arm hinterlassen würde. Aber das war mir im Moment scheißegal, hier ging es immerhin um die Frau, die ich liebte.

„Fuck you Dan, ich werde dir gar nichts sagen“, knurrte sie mich an und verpasste mir mit dem freien Arm einen Stoß.

Ich war davon so überrascht, dass ich sie losließ. Natürlich eilte sie sofort zu ihrem Bike, stieg auf und fuhr davon. Naima ließ es sich aber nicht nehmen, mir vorher noch den Mittelfinger zu zeigen.

 

Da ich nicht weiterwusste, entschied ich, zu den Guns zu fahren. Vielleicht wusste dort jemand etwas. Auch wenn meine Hoffnung dahingehend sehr gering war. Natürlich hatte ich versucht, Lilas Handy zu orten, leider erfolglos.

Ich glaubte Naima, dass es ihr gut ging, dennoch kam mir das alles sehr komisch vor. Was könnte sie dazu bewegen, einfach abzuhauen und niemandem zu sagen, wohin sie fuhr. Irgendetwas stimmte hier absolut nicht und ich würde nicht locker lassen, bis ich wusste, was es war.

Als ich bei den Guns eintraf, stand mein Bruder zusammen mit War, Gun und Cross vor der Tür. Wobei mir Sam einen bösen Blick zuwarf. Ich ging stark davon aus, dass er bereits mit Naima gesprochen hatte. Daher machte ich mich auf einen Anschiss von ihm gefasst und der ließ auch nicht lange auf sich warten.

„Was soll die Scheiße? Warum machst du meine Frau blöd an?“, schrie er mich an, kaum dass ich vor ihm stand.

Auch die anderen drei schauten mich wütend an. Das hätte mir ebenfalls klar sein sollen, denn obwohl sie eine erwachsene Frau mit eigenem MC war, würden diese Männer immer ihr Leben, für das von Naima geben.

„Sie weiß etwas wegen Lila und will es mir nicht sagen“, fuhr ich ihn an.

„Alter, du kennst meine Schwester und weißt, was ihr ihre Mädels bedeuten. Sie wird ihre Gründe dafür haben, dass sie dir nichts sagt und das weißt du auch. Daher war dein Verhalten völlig unpassend“, knurrte mich War an und sah ziemlich angepisst aus.

Ja, ich wusste, dass Naima nichts ohne guten Grund tat. Aber verfickte Scheiße noch mal, hier ging es um meine Freundin und wenn sie in Schwierigkeiten steckte, wollte ich das eben wissen.

„Junge, was würdest du tun, wenn du wüsstest, was los ist und wo sie steckt?“, wollte Gun von mir wissen.

„Ich würde mich sofort auf den Weg machen“, antwortete ich ehrlich.

„Eben, du würdest losstürmen, ohne alles genau zu wissen. Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass genau das der Grund sein könnte, warum Lila sich noch nicht bei dir gemeldet hat?“, gab jetzt auch noch Cross seinen Senf dazu.

Aber so ganz unrecht hatten sie nicht. Mir wäre alles egal und ich würde nicht fragen, sondern erst handeln. Genauso würde ich es auch machen, wenn es um Sam oder Naima ging. Ich beschützte meine Familie.

„Ich kenne die Mädels der Angels sehr lange und sehr gut und keine von ihnen macht irgendetwas ohne Grund. Vor allem macht keine etwas, ohne dass Naima etwas weiß und ich bin sicher, dass wenn Lila alleine nicht mehr weiter weiß, sie sich bei ihrer Pres meldet. Meine Tochter hat nicht einfach so ihre Flitterwochen verschoben. Wahrscheinlich bereitet sie sich und ihren MC gerade auf einen kleinen Krieg vor. So wie Lila sich meldet, werden sie losfahren und ihrem Member helfen. Auch wir werden dann bereit sein, denn ich habe ein ganz komisches Gefühl bei der Sache“, sagte Gun und legte mir eine Hand auf die Schulter.

„Also wollt ihr, dass ich im Moment einfach nichts tu?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort kannte.

Statt etwas zu sagen, nickten mir alle vier Männer bestätigend zu. Gemeinsam gingen wir dann ins Clubhaus und mir wurde eine Flasche Bier vor die Nase gestellt.

„Du kennst die Mädels doch, sie alle haben ihren eigenen Kopf und sind so stur, dass sie erst einmal alles alleine klären wollen, wenn sie in Schwierigkeiten stecken. Erst wenn das nicht funktioniert, holen sie die anderen zur Hilfe und wenn auch das nicht reicht, dann sagen sie uns Bescheid“, sagte Sam und setzte sich neben mich.

Er hatte mit dem, was er sagte so recht und trotzdem kotzte es mich gewaltig an. Lila war meine Frau und sie fand es nicht für nötig, mir zu erklären, was los war. Stattdessen haute sie lieber alleine ab.

Diese Frauen waren nicht stur, sondern dumm.

 

3

Lila

 

 

 

 

„Es tut so gut, dich zu sehen, Cousinchen. Du hast mir gefehlt“, sagte Snake und ließ von mir ab.

„Du hast mir auch gefehlt und jetzt brauch ich deine Hilfe“, erwiderte ich.

„Lass mich raten, dein Dad oder Killer haben dich gefunden“, mutmaßte er.

„Killer. Ich weiß nicht wie, aber er hatte meine Nummer und schrieb mir eine Nachricht, an dem Tag, als meine Pres heiratete. Also packte ich meine Sachen und verschwand.“

„Naima Daniels, ich habe viel von ihr gehört. Nur über ihre Member konnte ich nichts in Erfahrung bringen.“

„Wenn du von ihr gehört hast, dann dürfte dich das nicht wundern.“

„Tut es auch nicht, es heißt, sie beschützt ihre Familie wie eine Löwin und würde für jede davon sterben. Warum bist du dann also abgehauen?“, wollte Snake wissen.

„Weil das allein meine Angelegenheit ist, die ich hätte vor sechs Jahren schon klären sollen. Aber Naima ist jederzeit bereit, mir zu helfen, wenn ich ihr Bescheid sage“, entgegnete ich.

„Gut, denn wir beide zusammen werden nicht viel ausrichten können. Unser MC ist größer als je zuvor. Zwar bin ich der Vize, aber die meisten haben zu viel Angst, als dass sie gegen deinen Vater was unternehmen würde. Einige sind auf meiner Seite, aber es sind bei Weitem nicht genug. Und Killer hat circa hundert Männer hinter sich. Daher sag deiner Pres Bescheid, dass sie herkommen soll.“

So eine verfickte Scheiße, das hatte ich nicht bedacht. Snake hatte recht, wir brauchten dringend Hilfe. Daher zog ich mit einem Seufzen mein Handy aus der Tasche und schrieb Naima eine Nachricht.

 

Ich:

Hey, ich brauche Hilfe. Kannst

du herkommen? Allein …

Pres:

Bin auf dem Weg ...

 

Gerade als ich mein Handy wieder weglegen wollte, fiel mir ein, dass ich ihr die Adresse nicht genannt hatte, aber dennoch machte sie sich auf den Weg. Lächelnd und kopfschüttelnd schrieb ich ihr erneut.

 

Ich:

Will ich wissen, woher du weißt,

wo ich bin?

Pres:

Nope

Ich:

Weiß er auch, wo ich bin?

Pres:

Für wen hältst du mich?

 

„Sie ist auf dem Weg. Bis sie hier ist, sollten wir was essen gehen oder uns zumindest was besorgen“, meinte ich.

„Wir holen uns was und essen hier. Je weniger Leute uns zusammen sehen, desto besser“, erwiderte er.

„Vielleicht sollte dann nur einer von uns rausgehen und was holen“, überlegte ich laut.

„Ich gehe und du wartest hier.“

Bevor ich noch etwas sagen konnte, war Snake auch schon zur Tür hinaus. Ich hoffte nur, dass ich keinen riesengroßen Fehler damit beging, ihm zu vertrauen. Immerhin lieferte ich ihm auch noch meine Pres aus. Gott … Sam, Gun und War würden mich abknallen, wenn Naima meinetwegen was passierte. Nur, weil ich den falschen Leuten mein Vertrauen schenkte.

Dann fiel mir ein, dass wir hier nichts zu trinken hatten, denn wie ich meine Pres kannte, wollte sie bestimmt was nach der Fahrt haben. Daher schrieb ich Snake und hoffte, er war noch nicht wieder auf dem Weg ins Zimmer.

 

Ich:

Bring bitte noch ein paar Dosen

Red Bull mit.

 

Fünfzehn Minuten später kam mein Cousin mit zwei Tüten wieder. In der einen waren Burger und Pommes und in der anderen wahrscheinlich etwas zum Runterspülen. „Seit wann stehst du auf Red Bull?“, wollte Snake wissen und stellte die Taschen ab.

„Ist nicht für mich, sondern für meine Pres. Ich glaube, das Zeug läuft schon durch ihre Adern“, kicherte ich.

„Ich freu mich schon darauf, die kleine Lady kennenzulernen“, lachte er.

Oh, wenn er sie so nannte und sie das hörte, würde sie ihm ganz sicher zeigen, wie sie das fand. Das würde auf jeden Fall lustig werden, daher unterließ ich es, Snake zu warnen. Wo blieb denn sonst mein Spaß?

 

Als es schon weit nach Mitternacht war, hörten ich das Geräusch eines näherkommenden Wagens. Kurz nachdem der Motor erstarb, wurde eine Tür geöffnet und wieder zugeschlagen. Naima war da. Zum Glück hatte ich ihr noch die Zimmernummer geschrieben, so musste sie jetzt nicht erst noch danach fragen.

Kurze Zeit später klopfte es und ich öffnete eilig die Tür. Naima schlüpfte hinein und zog sofort ihre Waffe und hielt sie meinem Cousin unter die Nase. Typisch meine Pres!

„Hey, ganz langsam kleine Lady, ich bin hier der Gute“, sagte Snake und hielt die Hände nach oben.

„Naima, das ist mein Cousin Snake. Er ist hier, um mir zu helfen“, ging ich dazwischen.

Nur sehr langsam senkte meine Pres die Waffe. Sie funkelte Snake wütend an, steckte sie aber ganz weg. Danach schob sie mich aus dem Weg und baute sich vor meinem Cousin auf. „Nenn mich noch einmal kleine Lady und es ist das Letzte, was du tust“, knurrte sie.

Auch wenn sie gegen ihn ein Zwerg war, so sollte man sie dennoch nicht unterschätzen und das war Snake klar. Er nickte und Naima entspannte sich etwas. „So, wer erzählt mir jetzt, was hier für ne verfickte Scheiße abgeht?“ wollte sie wissen.

„Als wir uns kennenlernten, hab ich dir ja von meinem Vater erzählt und dass er mich einem anderen Pres geschenkt hat. Killer, so heißt der Wichser, hat mich irgendwie gefunden und dazu noch meine Nummer rausbekommen“, klärte ich sie auf.

„Am Tag meiner Hochzeit. Darum bist du abgehauen“, schlussfolgerte meine Pres.

„Richtig, aber abgehauen bin ich ja nicht wirklich. Immerhin hab ich dir gesagt, dass ich eine Weile verschwinden muss“, konterte ich.

„Dippelschisser, nenn es, wie du willst. Aber du bist abgehauen, obwohl du weißt, dass wir geschlossen hinter dir stehen“, brummte sie.

„Ich mag die Kleine“, grinste mein Cousin.

Schneller als einer von uns beiden reagieren konnte, machte Naima einen Satz und verpasste ihm einen rechten Haken. „Das nächste Mal benutz ich meine Knarre“, knurrte sie ihn an.

Meine Pres hatte ihn gewarnt, aber wie immer nahm Snake das nicht ernst. Ich hoffte für ihn, dass er es jetzt tat.

„Bevor wir hier weiter reden und anfangen, Pläne zu schmieden, solltest du dich bei Dan melden. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte ihm die Scheiße aus dem Leib geprügelt. Aber vielleicht haben das auch mein Vater oder War erledigt“, holte Naima mich aus meinen Gedanken.

O je, das konnte nur bedeuten, dass Dan meine Freundin angepisst hatte, um zu erfahren, wo ich war oder warum ich abgehauen war. „Ja, ich werde ihm schreiben“, seufzte ich.

Als ich mein Handy in der Hand hatte, brauchte ich mehrere Anläufe, um der Liebe meines Lebens eine Nachricht zu schreiben.

 

Ich:

Mir geht es gut, suche mich bitte

nicht. Wenn ich bereit dazu bin,

melde ich mich bei dir und hör auf,

meine Mädels anzupissen.

 

Ich schaltete mein Handy wieder aus und warf es auf mein Bett. Jetzt gab es erst einmal Wichtigeres zu besprechen. Mit Dan würde ich mich auseinandersetzen, wenn mir diese verdammte Scheiße nicht mehr um die Ohren flog.

 

4

Dan

 

 

Alter, war das ihr Ernst? Meinte Lila echt, diese lächerliche Nachricht würde mir reichen? Aber anscheinend hatte sie sich bei Naima gemeldet, ansonsten hätte sie nicht wissen können, dass ich mich mit ihr anlegen wollte.

 

Ich hatte die Nacht im Clubhaus der Guns verbracht, da ich zu viel getrunken hatte, um nach Hause zu fahren. So eine Nachricht am Morgen zu lesen, sorgte nicht gerade dafür, dass sich meine Laune besserte.

Nach einer schnellen Dusche machte ich mich auf den Weg nach unten in die Küche. Ich brauchte dringend einen Kaffee.

Unten erwartete mich ein miesgelaunter Sam. Auch Gun, War und Cross sahen nicht gerade glücklich aus. „Was ist passiert?“, wollte ich sofort wissen.

„Naima ist gestern Abend weggefahren, ohne ihre Kutte und mit dem Pick-up“, brummte Sam.

Wenn meine Schwägerin ohne Kutte und Bike verschwand, dann wollte sie nicht sofort als Member eines MCs erkannt werden. Das konnte nur bedeuten, dass sie sich auf feindliches Gebiet wagte oder sich mit Lila traf.

„Wir gehen davon aus, dass sie bei Lila ist“, unterbrach Gun meine Gedanken.

„Ganz ehrlich, sie sind alle verrückt und wenn ich meine Frau wieder habe, leg ich sie definitiv übers Knie“, knurrte ich.

„Ja, dafür bin ich auch“, stimmte mein Bruder mir zu.

Das brachte uns beiden böse Blicke von den anderen ein. „Was ist? Als würdet ihr nicht das gleiche tun“, sagte ich, holte mir eine Tasse und setzte mich damit neben meinen Bruder.

Ohne etwas zu sagen, goss War mir Kaffee ein. „Stimmt, ich würde Star auch übers Knie legen, wenn sie dasselbe wie die anderen beiden abziehen würde“, stimmte er mir zu.

„Hat Naima irgendetwas gesagt, bevor sie weg ist?“, wollte ich von Sam wissen.

Er rieb sich übers Gesicht, dabei fiel mir auf, wie müde er aussah. Wahrscheinlich hatte er nicht wirklich viel Schlaf bekommen, genauso wie ich.

„Sie sagte nur, dass sie etwas erledigen müsste und war auch schon zur Tür raus, bevor ich etwas dazu sagen konnte. Immerhin hat sie ihre Waffe mitgenommen.“ Sein ironischer Unterton entging keinem von uns.

Ja, mit diesen Frauen hatte Mann es nicht leicht. Sie waren stur und eigensinnig, und erst wenn es schon beinahe zu spät war, baten sie um Hilfe. Auch Lila würde mir erst etwas sagen, wenn sie nicht mehr weiterwusste. Was, da Naima jetzt bei ihr war, noch etwas dauern könnte. Meine Schwägerin war die Königin der Eigensinnigkeit. Sie hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, meinen Bruder und uns anderen das Leben schwer zu machen. Dabei standen ihr ihre Freundinnen in nichts nach.

„Das heißt dann wohl, dass wir warten müssen, bis sich eine von beiden bei uns meldet. Gott, wie ich das hasse“, brummte ich.

Die anderen gaben nur ein zustimmendes Brummen von sich. Gemeinsam saßen wir da und jeder schien darauf zu warten, dass irgendein Handy anfing zu klingeln, aber natürlich passierte rein gar nichts.

Wenn Lila wieder bei mir war, würde ich sie ans Bett ketten und ihr erst einmal ihren Arsch versohlen. Danach würde ich mir überlegen, ob ich sie jemals wieder aus dem Zimmer lassen würde. Im Moment standen die Chancen dafür nicht wirklich gut. Sie machte mich einfach wahnsinnig.

 

Später an diesem Tag fuhr ich doch nach Hause. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil ich musste, wenn ich frische Klamotten wollte. Schlafen würde ich dort aber nicht, ohne Lila kam mir mein Zuhause nicht mehr wie mein Zuhause vor.

Erst jetzt merkte ich, wie viel sie mir bedeutete. Ich wollte mit Lila das, was mein Bruder mit Naima hatte. Und wenn ich nicht mehr sauer auf sie war, würde ich ihr einen Ring an den Finger stecken.

 

Nachdem ich einige Sachen in eine Tasche gesteckt hatte, fuhr ich zurück zum Clubhaus der Guns. Hier war die Stimmung noch genauso wie vorher. Der einzige Unterschied war, dass Maddy hier war und sich mit Gun unterhielt. Eilig gesellte ich mich zu den beiden. Vielleicht gab es ja Neuigkeiten von Lila und Naima.

„Ich habe wirklich nichts von ihnen gehört, Gun. Weder meine Pres noch Lila haben uns irgendetwas gesagt. Ich glaube, nicht einmal Star weiß, worum es geht und wo sie sind“, beteuerte Maddy.

„Warum bist du dann hier?“, wollte Sam wissen.

„Ich habe einfach gehofft, dass ihr vielleicht mehr wisst als wir. Star ist mies drauf, weil sie sich Sorgen macht und wahrscheinlich auch etwas angepisst ist, dass die beiden ihr nichts erzählt haben. Alles, was meine Pres gesagt hat war, dass Lila es euch selbst erzählen muss“, antwortete Maddy.

„Ich bin dann mal weg“, rief War und verschwand durch die Tür.

Wahrscheinlich fuhr er zu Star, um sie etwas auf andere Gedanken zu bringen. Allerdings war es bei diesen Frauen recht schwer, ihre Gedanken auf etwas anderes zu lenken, wenn eine von ihnen in Gefahr war. Und dass Lila sich in Gefahr befand, war klar, ansonsten wäre sie nicht einfach so verschwunden.

Ach, verdammt noch mal, dieses Rumsitzen und Warten machte mich wahnsinnig. Ich war es nicht gewohnt, nichts zu tun, aber genau dazu war ich im Moment verdonnert worden.

---ENDE DER LESEPROBE---