FABELhafte Denkanstöße - Elisabeth Alge-Koranda - E-Book

FABELhafte Denkanstöße E-Book

Elisabeth Alge-Koranda

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Beschreibung

Dieses Buch ist Nahrung für Herz und Hirn. Es ist voller zauberhafter Kurzgeschichten und Gedichte, die berühren und bewegen, in denen ganz viel drinnen steckt und die zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Die vielen phantasievollen Geschichten der Autorin über Menschen, Tiere und sonstige Gesellen und die anregenden Gedichte transportieren auf einfache Weise Wissen, Erkenntnisse und ganz viel Lebensweisheit - besser als jeder Ratgeber. Der ideale Impulsgeber für Menschen, die wenig Zeit haben, aber trotzdem gerne abseits vom Alltag über sich selbst und das Leben nachdenken wollen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2017

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„Werde, der du bist.“

(Pindar, altgriechischer Lyriker, um 518 - 442 v. Chr.)

Autorin

Elisabeth Alge-Korandaarbeitete nach dem Abschluss ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften viele Jahre im Konsumgüter-Marketing. Heute ist sie unter anderem als Business Coach mit den Schwerpunkten Kommunikation und Stressmanagement tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien.Mit dem Schreiben von Geschichten und Gedichten hat sie vor einigen Jahren begonnen, um ihre Kreativität ausleben zu können, weil es ihr sehr viel Freude bereitet, und weil alle Eindrücke auch ausgedrückt werden wollen.

Zu diesem Buch

„Aus meiner Erfahrung als Coach weiß ich, dass ein kleiner Impuls manchmal große Wirkung haben kann. Eine gute Frage, ein schönes Gedankenbild, oder auch eine berührende Geschichte bringt dann Menschen weiter – auf ihrem Weg.Die phantasievollen Geschichten und die anregenden Gedichte sollen Impulsgeber sein für Menschen, die wenig Zeit haben, aber trotzdem gerne abseits vom Alltag über sich und das Leben nachdenken wollen.“(Ich freue mich über Rückmeldungen zum Buch an: [email protected])

Elisabeth Alge-Koranda

FABELhafte Denkanstöße

Kurzgeschichten und Gedichte zum Nachdenken, Schmunzeln und Mehr.

© 2016 Elisabeth Alge-Koranda

Alle Rechte vorbehalten.

Erstauflage

Autorin: Elisabeth Alge-Koranda

Umschlagbild: Sabine Haidner

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN 978-3-7439-0567-2 (Paperback)

ISBN 978-3-7439-0568-9 (Hardcover)

ISBN 978-3-7439-0569-6 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Grenzen sind verrückbar

Ich bin einzigartig

Kurzurlaub – mit allen Sinnen

Neue Wege entstehen

Nur ein Papagei

Allein am Dachboden

Das unvergessliche Lob

Momentaufnahmen - Gedicht

Strahlend lächelnde Augen

Nur ein Blick

Coaching mit dem grünen Dings

Wettstreit

Kündigung ins Leben

Langsam auf der Überholspur

Der See der Worte

Über das Zuhören – Gedicht

Einstellungen sind veränderbar

Max, der aufmerksame Beobachter

Ganz viele Luftballons

Missverständnisse leicht gemacht

Alles klar?!

Die brutale Entsorgung

Die etwas andere Schöpfungsgeschichte

Ein steiniges Problem

Immer das gleiche Programm

Wann komme ich zu Wort?

Der leere Topf - Burnout

Das Hamsterrad

Der Antreiber-Rap - Gedicht

Was braucht ein Kind? – Gedicht

Brüderlein & Schwesterlein

Was ist Wirklichkeit?

Grenzenlos - Gedicht

Das etwas andere Coaching-Gespräch

Ich bin Viele

Im Fluss

Spiel des Lebens – Gedicht

Der Sorgenrucksack

Lutz kann nicht folgen

Aussagen & Antworten im Quadrat

Sätze aus der Kindheit

Die Söhne des Gärtners

So eine Unverschämtheit

Die zeitlose Uhr

Jetzt ist die Zeit - Gedicht

Liebesgedichte

Grenzen sind verrückbar

Vor langer, langer Zeit – so sagt man - hat sich Folgendes zugetragen. Eine süße, kleine und etwas dickliche Hummel kam auf die Welt. Sie wusste nicht so genau wo sie sich befand, wer sie überhaupt war, was sie tun sollte und schaute sich daher neugierig um. Sie betrachtete den strahlend blauen Himmel über sich, die weißen Wolken - die langsam dahinzogen - und die vielen Grashalme, Blüten und Pflanzen. Sie staunte über all die Pracht, die sie umgab. Sie krabbelte am Boden dahin und nahm alles ganz genau wahr. Die kleine Hummel war zufrieden und genoss die Wärme der Sonnenstrahlen auf ihrem pelzigen Rücken. Sie begegnete verschiedenen Tieren. Ameisen, Käfern und Spinnen, die – so wie sie – munter am Boden dahinkrabbelten. Sie grüßte alle freundlich - mit einem entzückenden Lächeln. Sie beobachtete auch Schmetterlinge und Bienen, die über ihren Kopf hinwegflogen. Sie bewunderte diese Tiere, die so leicht, mühelos und schnell vorankamen.

Sie fragte: „Wer seid ihr und was macht ihr?“

Die Bienen schauten auf die Hummel herunter und antworteten: „Wir sind Bienen und wir fliegen. Wollen wir Freunde sein?“

„Ja, gerne!“, rief die Hummel und schon waren die Bienen weitergeflogen und verschwunden. Nach einiger Zeit bemerkte sie ein Hungergefühl. Als sie an einem blühenden Baum vorbeikam, dachte sie: „Ach, wäre es fein, so fliegen zu können wie die Bienen.“ Die Hummel krabbelte rund um den Baum und entdeckte plötzlich ein riesengroßes Lebewesen. Unerschrocken – wie sie war – lief sie auf den Menschen zu und rief:

„Wer bist denn du?“

„Ich bin ein Mensch, das gescheiteste und klügste Lebewesen auf diesem Planeten“, sagte das Riesenwesen.

Die Hummel rief entzückt: „Das trifft sich gut. Wenn du so gescheit bist, kannst du mir sicherlich sagen, ob ich auch auf den Baum rauffliegen kann – so wie die Bienen. Ich bin nämlich hungrig.“

Der Mensch schaute sich daraufhin die Hummel ganz genau an, nahm ihre Maße, wog sie, rechnete vor sich hin und sagte dann lachend: „Du süßes, kleines Wesen. Du bist viel zu schwer und dick, du kannst keinesfalls fliegen. Wir Menschen sind sehr klug musst du wissen und wir kennen uns aus mit Physik, mit Aerodynamik und Auftriebskräften. Und nach allem was wir wissen, kannst du deinen fetten Körper niemals in die Lüfte schwingen.“

Die Hummel war kurz traurig über diese Worte, krabbelte dann aber guter Dinge weiter und traf nach einiger Zeit die weise alte Eule, die auf der anderen Seite des Baumes auf einem Ast saß und schlief.

Die Hummel – neugierig wie sie war – schrie ganz laut: „Hallo, du da! Wer bist denn du?!“

Die Eule blinzelte mit einem Auge auf die Hummel herunter und antwortete noch etwas verschlafen: „Ich bin die weise alte Eule und zu mir kommen die Tiere, wenn sie etwas wissen wollen.“

„Oh super, das trifft sich gut!“, rief die kleine Hummel. „Dann kannst du mir sicherlich sagen, wie ich am besten auf diesen Baum raufkomme.“

Die Eule wiegte ihren Kopf nach rechts und nach links. Sie bat die Hummel, sich kurz hinzusetzen und sich Zeit für ein paar Fragen zu nehmen.

Eule: „Was würde ein Freund an deiner Stelle machen?“

Hummel: „Tja – ein Freund. Aber ja, die Bienen. Die würden einfach rauffliegen.“

Eule: „Aha, die würden also rauffliegen. Und was würden sie dir raten?“

Hummel: „Ja, die würden sicherlich sagen: Flieg doch einfach rauf.“

Eule: „Und was brauchst du dazu – zum Fliegen?“

Hummel: „Na ja, ich brauche dazu Flügel – nehme ich mal an. Ja, Flügel und… Flügel habe ich doch!“

Eule: „Was brauchst du noch?“

Hummel: „Ich brauche wahrscheinlich eine gute Abflugstelle, von der ich gut starten kann und schnell mit den Flügeln flattern, das muss ich wohl auch können.“

Eule: „Wie würde sich das dann anfühlen, wie wäre es, wenn du es könntest?“

Hummel: „Es wäre super, ich würde mich ganz leicht fühlen. Ich würde bis zum höchsten Ast fliegen und mir den allerbesten Nektar aus all den schönen Blüten holen.“

Eule: „Du brauchst also eine Abflugstelle und du musst mit deinen Flügeln ganz schnell schlagen können. Aha. Und was würde schlimmstenfalls passieren?“

Hummel: „Na ja, ich könnte nicht vom Fleck kommen, oder ich könnte eine Bauchlandung hinlegen. Aber das wäre nicht so schlimm.“

Eule: „Und was hindert dich dann daran, einfach loszufliegen?“

Die Hummel lachte und antwortete: „Gar nichts, ich probiere es jetzt einfach mal aus. Vielen Dank liebe Eule!“

Gesagt – getan. Die Hummel krabbelte auf ein großes grünes Blatt und begann, ihre Flügel zu bewegen. Langsam, schnell, schneller und immer schneller. Es machte ihr richtig Spaß so zu flattern und plötzlich – die Hummel konnte es nicht glauben – hob sie ab. Sie flog und flog. Anfangs noch etwas holprig und unsicher, aber es ging immer besser und besser und sie flog ganz weit nach oben. Bis zur Spitze des Baumes und zu den schönsten Blüten. Sie holte sich den allerbesten Nektar und war einfach nur glücklich und zufrieden. Sie hatte es geschafft. Sie konnte fliegen.

Als sie bei der Eule vorbeikam, rief sie ihr zu: „Hallo Eule, schau mal wie toll ich fliegen kann! Es ist so schön, ich liebe es und es fühlt sich richtig gut an. 1000mal besser, als ich es mir je vorgestellt habe.“

„Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten.“ (Francois G. de Lévis)

"Man kann einem Menschen nichts beibringen, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken." (Galileo Galilei)

Ich bin einzigartig

Darf ich vorstellen. Das ist Fridolin. Nein, nicht Fridolin der Drache. Fridolin der Baum. Er ist schon sehr alt und müde, aber auch glücklich, weil er auf ein langes und schönes Leben zurückblicken kann. Ein Leben, das zu Beginn alles andere als lebenswert war. Lassen Sie uns doch zurückblicken – wir gemeinsam – zum Start in ein einzigartiges Leben. Gehen wir zurück ins Jahr 1960, das Jahr von Fridolins Geburt.

Ein kleines Samenkorn, vom Wind mitgenommen und ein Stück davongetragen, fiel auf den Boden. Genau neben eine Steinmauer. Der Boden war ein guter Boden – voller Nährstoffe und er gab alles her, was so ein kleines, zartes Korn zum Wachsen brauchte. Der Boden war immer leicht feucht und schon bald begann das Korn auszutreiben. Eine Wurzel nach der anderen drang tiefer und tiefer in die Erde ein und auch ein kleiner Trieb suchte schon bald den Weg nach oben. Fridolin war geboren. Er war neugierig auf das Leben und wuchs und wuchs.

Nach einigen Wochen passierte etwas, womit Fridolin nie gerechnet hatte. Er wurde abgeschnitten. Eine Sense sauste über ihn hinweg und „Schwupps“, sein Trieb war weg. „Ich will leben!“, rief Fridolin in sich hinein. Er war verzweifelt, dachte aber nicht ans Aufgeben. Wieder und wieder wuchs ein neuer Trieb und wieder und wieder wurde er abgemäht.

Aber irgendwann – Fridolin dachte schon, den Kampf verloren zu haben – konnte er weiterwachsen. Er wuchs heran zu einem kleinen Pflänzchen, wurde immer größer und kräftiger und dachte: „Jetzt ist es geschafft.“

Doch was war das? Etwas Hartes und Undurchdringliches. Es gab kein Weiterkommen. Der Weg war versperrt. Eine dicke Mauer. Wenig Licht. Kein Platz. Kein Weiterwachsen war möglich! Fridolin kämpfte, unermüdlich. Er wuchs zur Seite, dann wieder nach oben. Er suchte immer neue Möglichkeiten, im Licht zu bleiben. Er wollte weiterwachsen, er wollte leben! Und tatsächlich, Fridolin wuchs zu einem großen Baum heran. Groß, schief und krumm. Wie eine Schlange schlängelte sich sein Stamm mal nach rechts, mal nach links und mal nach oben.

Eines Tages kam ein Bauer vorbei, schaute Fridolin an und sagte: „Was bist denn du für ein hässlicher, unförmiger Brennholzlieferant geworden?“ Fridolin schaute das erste Mal an sich herunter und wurde traurig. Wie anders er war, anders als alle anderen Bäume. „Der Bauer hat Recht. Ich bin einfach nur krumm und hässlich.“

Ein paar Tage später kamen einige Kinder vorbei. Fröhlich lachend blieben sie vor Fridolin stehen. „Ja, ja, ich weiß. Ich bin hässlich, schief und krumm“, dachte sich Fridolin. „Schaut mal, der Baum!“, rief ein Junge mit leuchtend roten Haaren und Sommersprossen. „Los, wer zuerst oben ist!“ Eins, zwei, drei, auf die Mauer rauf, auf den nächsten Ast und schon saßen die Kinder oben. „Ein super Kletterbaum, was?!“, rief der Junge mit den leuchtend roten Haaren.

Von diesem Tag an kamen die Kinder jeden Tag nach der Schule zu ihrem Lieblingskletterbaum. Fridolin genoss diese Stunden. „Ich bin etwas Besonderes. Ich bin einzigartig und die Kinder lieben mich.“

Und so wuchs er weiter und weiter und wurde zu dem, was er ist: Ein einzigartiger, wunderbarer Kletterbaum.

„Alles ist im Keim enthalten, alles Wachstum ein Entfalten.“ (Friedrich Rückert)

Kurzurlaub – mit allen Sinnen

Ruhe. Absolute Ruhe. Kaum zu glauben, wie ruhig es hier ist. Kein Autolärm, kein Stimmengewirr, kein Hupen, kein Kindergeschrei, kein Baustellenlärm, kein Hundegebell, kein Handy-Klingeltonkonzert. Einfach nur Ruhe. Wie lange ist es her, dass ich diese absolute Ruhe hören konnte? Mir kommt es ewig vor, aber wie auch immer. Jetzt bin ich da und meineOhrenjubeln über diese wunderbare und absolute Stille.

Ruhe. Absolute Ruhe. Nichts rundherum ist in Bewegung. Nichts rührt sich. Keine vorbeirasenden Autos, kein Fußgängerstrom, keine einfahrende U-Bahn, kein vorbeilaufendes Kind, keine sich balgenden Hunde, kein hektisches Getue. Einfach keine Bewegung. Alles steht still. Ein einzigartiges Bild umgibt mich. Ich stehe auf dem Hügel im saftig grünen Gras, in einem wunderschönen Blütenmeer. Neben mir hohe Bäume – stark, kräftig, die bis in das unendliche Blau des Himmels ragen. Wie lange ist es her, dass ich diese absolute Ruhe sehen konnte? Egal, jetzt bin ich da und meineAugenstrahlen und jubeln über diese wunderbare, absolute Stille.

Ruhe. Absolute Ruhe. Nur ein herrlicher Duft steigt mir in die Nase. Der Duft von feuchter Erde, der Duft nach frischem Grün, nach Kräutern, Gräsern und Blüten. Nichts sonst. Kein Gemisch aus Autoabgasen, schwitzenden Menschen, feuchtem Hundefell und undefinierbaren Gerüchen. Ein einzigartiger Duft umgibt mich. Ich atme tief und fest und mein Atem fließt wie von selbst ganz tief in mich hinein. Wie lange ist es her, dass ich diese tiefe und bewusste Atmung erleben, diesen einzigartigen Duft riechen konnte? Wie auch immer. Jetzt bin ich da und meineNasejubelt. Ganz tief und fest einatmen und langsam aus. Und ein und aus.

Ruhe. Absolute Ruhe. Ich stehe auf diesem Hügel und ein ganz leichter Wind, nur ein Hauch von frischer Luft, streicht durch mein Haar, weht sie sanft nach hinten und berührt meine Haut. Wie wunderbar fühlt sich das an. Mein ganzer Körper empfindet diese Berührungen durch die Luft und es fühlt sich so richtig gut an. Kein Gerempel beim Einkaufen, kein Geboxe beim Einsteigen in die U-Bahn, kein Engegefühl im überfüllten Bus, kein Gefühl des Verschwitztseins, kein Herzrasen, kein Stressgefühl, kein Ärger über einen anstrengenden Kollegen. Nichts davon. Einfach ein gutesGefühlfrisch, frei, leicht. Einfach nur da sein. Wie wunderbar. Wie lange ist es her, dass ich mich so richtig gut spüren konnte? Egal, jetzt bin ich da und kann es in vollen Zügen genießen.

Bewusst wahrnehmen und diese bewegende Ruhe genießen, dankbar sein können, für diesen einzigartigen Anblick. MeinHerzschlägt ruhig und fest, regelmäßig und glücklich.

Ich stehe da. MeinKopffühlt sich immer leichter und freier an, keine belastenden Gedanken mehr, kein Grübeln, kein Nachdenken über dies und das. Einfach nur eine Leere, die keine Leere ist. Eine Leere, die ganz viel in sich trägt. Alles ist auf einmal so klar. Wie leicht kann Leben sein!

„Oft sind es gut genutzte Mußestunden, in welchen der Mensch das Tor zu einer neuen Welt findet."(George M. Adams)

„Ruhe ist nicht bewegungsfremd, sondern nur ein Sonderfall der Bewegung." (Oswald Spengler)

Neue Wege entstehen

Mein Name ist Charly und ich bin einer von vielen. Ich führte früher ein ganz normales Leben. Wie alle anderen auch. Morgens hieß es früh aufstehen und raus zur Arbeit. Den ganzen Tag lief ich eine kleine Straße rauf und runter. Sie führte von unserem Ameisenhaufen am Waldesrand über die Wiese bis zur anderen Seite. Hin und her und her und hin. Ich war damit recht zufrieden, denn den Weg kannte ich schon ewig. All meine Kumpel liefen denselben Weg entlang und dadurch war er schon recht ausgetreten, breit wie eine Autobahn. Ich hatte ein angenehmes Leben, mit wenig Neuem, wenig wirklichen Anstrengungen und es ging mir gut damit.

Doch aus dem bisher Gesagten, haben Sie sicherlich schon vermutet, dass es dann irgendwann anders wurde. Und so war es auch. Wir haben nämlich einen neuen Chef bekommen. Ein totaler Wichtigtuer und Besserwisser. Er meinte bei einer unserer Versammlungen, dass wir besseres Futter auf der rechten Seite der Wiese finden könnten und daher ab dem nächsten Tag eine neue Straße zu bauen sei. Meine Gedanken überschlugen sich. „Ja, was stellt sich denn dieser Schlaumeier vor!? Das geht doch nicht so einfach und schnell. Wir brauchen doch Wochen dazu und wer weiß, was uns dort rechts dann erwartet? Woher will er denn wissen, dass dort besseres und mehr Futter ist?“ Auch meine Kumpel waren alles andere als erfreut über diese Arbeitsanweisung, aber wir mussten da durch. Was hätten wir denn tun sollen? Fortgehen, einen Aufstand anzetteln? Wäre sicherlich auch mit viel Aufwand verbunden gewesen und der Erfolg war ungewiss. Es gab nämlich auch Kollegen und Kolleginnen, die meinten, sie freuen sich schon auf das Abenteuer, die Herausforderung und die neue Futterstelle. Endlich mal was Neues, meinten sie nach der Versammlung. „Na sind die noch ganz dicht?!“, war mein erster Gedanke dazu. Aber was blieb mir übrig: Augen zu und durch. Am nächsten Morgen ging es los!

Und heute stehe ich da, ich - Charly, der Arbeiter und schaue zurück auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben. Was soll ich Ihnen sagen, es war furchtbar viel Arbeit, jeder Schritt war mühsam und anstrengend, ich schuftete von morgens bis abends. Grashalme mussten entfernt werden, Erdklumpen auf die Seite geschleppt, Blätter zerteilt und vieles mehr. Es war anstrengend und hat mich wirklich viel Kraft und Energie gekostet. Meine schlechte Laune bei der Arbeit und mein Ärger über dieses neue Projekt kosteten mich wahrscheinlich nochmals so viel Kraft und Energie (und die hätte ich mir echt sparen können). Und jetzt. Jetzt sind schon Monate vergangen. Wir haben nicht nur eine neue Straße, sondern eine Vielzahl neuer Wege gebaut. Die Wege sind jetzt alle schön breit und ausgetreten. Es läuft sich ganz leicht und schnell und ich weiß gar nicht mehr, welches unsere erste Straße war. Umso öfter wir darüber gelaufen sind, umso einfacher ging es. Wie von selbst.

Und ja, bevor ich es vergesse. Wir haben mit jeder Straße auch neue Futterquellen erschlossen und ich muss zugeben, das hat schon was. Lecker diese Vielfalt. Die vielen Möglichkeiten, die wir jetzt haben. Und falls mal eine Straße blockiert werden sollte, haben wir noch all die anderen. Wir können jeden Tag auswählen und das ist wunderbar.

“Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.”(Franz Kafka)

„Es gibt nichts Dauerhaftes außer der Veränderung.“(Heraklit)

Nur ein Papagei

Frau Zoffi ist unendlich traurig. Gestern ist ihr Hund Struppi gestorben. Er ist einfach vom Nachmittagsschläfchen nicht mehr aufgewacht. Struppi ist schon alt gewesen und in den letzten Monaten hat sich Frau Zoffi fast rund um die Uhr um ihn kümmern müssen. Er hat kaum noch gehen können und die meiste Zeit haben sie daher gemeinsam zu Hause verbracht. Frau Zoffi hat ihren - über alles geliebten - Struppi gepflegt und gehegt, so gut es ging. Sie ist nur noch kurz einkaufen gegangen, hat nur das Notwendigste erledigt und wollte sonst die Zeit mit Struppi verbringen, solange das noch möglich war. Was ist ihr denn sonst noch geblieben - von ihrem früheren Leben? Ihr Mann ist schon lange tot, ihr Sohn lebt in Amerika und sie sehen sich ganz selten.

Jetzt ist es vorbei. Struppi ist tot und Frau Zoffi fragt sich, wozu sie überhaupt noch am Leben ist. Sie ist traurig, weint viel, fühlt sich allein und ist total unglücklich.

So vergehen einige Tage und der Zustand von Frau Zoffi bleibt unverändert hoffnungslos.

Doch dann, eines Morgens, geht sie kurz auf ihren Balkon, um die Pflanzen zu gießen, die auch schon ganz traurig aussehen und lässt das Wasser in die Töpfe fließen. Sie sieht zu, wie die Pflanzen das Wasser gierig aufsaugen und hängt so ihren Gedanken nach, als sie plötzlich ein Geräusch hinter sich wahrnimmt. Was ist das? Sie dreht sich um und schaut vollkommen sprachlos auf das, was sie dort am Balkongeländer sitzen sieht. Ein bunter Papagei!

„Ja schau mal einer an, wie kommst du denn da her?“ fragt Frau Zoffi ganz erstaunt. Noch viel mehr erstaunt ist sie, als der Papagei leise krächzt:„Und was ist das Gute daran?“„Du kannst ja sogar sprechen!“, ruft Frau Zoffi entzückt und sie fängt an, dem Papagei ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Als sie zum Tod von Struppi – ihrem über alles geliebten Hund – kommt und ihr die Tränen in die Augen schießen, krächzt der Papagei wieder:„Und was ist das Gute daran?“Frau Zoffi wird zornig. „Gar nichts ist daran gut, du blödes Tier. Wie kannst du nur so herzlos daherreden. Pfui, schäm´ dich!“ Der Papagei schaut sie neugierig und voller Erwartung an. Frau Zoffi denkt kurz über das Gesagte nach. „Na ja, das einzig Gute daran ist, dass ich dich jetzt mit in meine Wohnung nehmen kann. Denn wenn Struppi noch wäre, dann hätte der dich gleich wieder rausgejagt oder gefressen.“ Frau Zoffi muss innerlich schmunzeln, streckt ihre Hand aus und siehe da, der Papagei setzt sich gleich darauf und lässt sich anstandslos mit ins Wohnzimmer nehmen.