falsch gedenkt - alex brunner - E-Book

falsch gedenkt E-Book

alex brunner

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Beschreibung

Familienleben ist oft voller Abgründe - egal, ob es sich in der Kneipe oder in einer Villa abspielt. Schon in der Steinzeit hat sich Intelligenz nicht immer durchgesetzt. Sogar ein Zürcher Bürgermeister ist überfordert von den Weisheiten der Außerirdischen. Ein erfolgloser Schauspieler kann immer noch einen guten Chinesen abgeben. Übermäßiger Alkoholgenuss kann zu Schwangerschaften führen, aber auch zu einer neuen Schmuckkollektion. Ein attraktiver Bademeister sorgt für Glanz und Arroganz. Und manchmal wird selbst aus einem Punk ein Vegetarier. Geschichten, die das Leben schreibt - über clevere Fischer und Polizisten, trickreiche Kunstmaler und die Banalitäten von nebenan. Eine Sammlung von Sprüchen, Gedichten und verrückten Gedankenwelten. Provokativ und satirisch!

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Impressum 3

Markus 4

Der lustvolle Sieg des Bösen über das Blöde 4

Mannpunkt 1 40

Männliche Schicksale 40

Gottes Bauchspeicheldrüse 43

Gott, die Schöpfung und wir 43

Mannpunkt 2 56

Männliche Schicksale 56

Vom Jugendstil 59

zum Quadrat 59

Mannpunkt 3 79

Männliche Schicksale 79

Letzte Worte 82

Mit welchen Worten sterben wir? 82

Mannpunkt 4 98

Männliche Schicksale 98

Kohn 101

Einfluss eines Namensauf die Sprache und die Zürcher Geografie 101

Mannpunkt 5 115

Männliche Schicksale 115

Unser tägliches Lügen 118

Ohne Lügen geht gar nichts 118

Mannpunkt 6 143

Männliche Schicksale 143

Euserein 146

Ansichten eines Arschloches 146

Mannpunkt 7 162

Männliche Schicksale 162

Fachwissen für Anfänger 165

Wissen macht Macht 165

Mannpunkt 8 191

Männliche Schicksale 191

Schreckliche Lieder 194

Satirische Gesänge der böseren Art 194

Bildquellennachweis 223

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe:978-3-99107-458-8

ISBN e-book: 978-3-99107-459-5

Lektorat:Birgit Himmüller

Umschlagfoto:Bernhard Aebersold; Nirutdt | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen:siehe Bildquellennachweis

www.novumverlag.com

Markus

Der lustvolle Sieg des Bösen über das Blöde

Die Personen

Markus

Weltmeister der Verlierer mit einem Ohrfeigen-Gesicht. Er besitzt zwei linke Hände, ist unsicher, ungeschickt, naiv und beinahe strafbar dumm. Um die 45, gross, schlaksig und sehr, sehr lieb. Er ist arbeitslos. Gelegentlich hilft er als Hauswart-Gehilfe in der Züspa-Halle aus. Markus ist in kindischer Liebe verlobt mit Lenchen.

Oskar

Der ältere Bruder von Markus ist das pure Gegenteil. 50-jährig, Zuhältertyp, falsch und verschlagen, aber mit Charme. Ein schlauer, rücksichtsloser Egoist und durch und durch kriminell. Er führt dasRigoletto, eine schmuddelige Halbweltler-Bar mit Stunden-hotel, nähe Langstrasse. Ein bisschen Milieu, Schieben, Dielen, illegale Glücksspiele und ein geheimnisvoller Extra-Keller. Und wenn Sie mal eine unregistrierte Waffe brauchen – Rigoletto.

Oskar leidet unter seinen zwei starken Frauen: Die Mutter und seine Ehefrau Nora. Das naive, unterwürfige Lenchen seines Bruders würde ihm da schon besser gefallen.

Lenchen

Die Verlobte von Markus. An die 40. Sie passt perfekt zu Markus. Klein, pummelig, einfältig, naiv, lieb, fleissig und immer positiv. Auch sie ist nicht die Hellste, aber masslos bereit, andere zu bewundern.

Sie ist hübsch, unvorteilhaft gekleidet und auf eine katholische Art sexy. Sie arbeitet in einer Spetterinnen-Kolonne, gelegentlich auch in der Züspa-Halle, wo sie Markus kennengelernt hatte. Sie vergöttert ihren Markus, und beide freuen sich rührend auf ihre Hochzeit. Ein Traum von Harmonie und Kitsch in schlichter Armut und Dummheit.

Die Mutter

Über den Brüdern herrscht die starke und reiche Mutter. Eine Respekt gewohnte Autorität, um die 80, graue Eminenz. Sie lebt mit ihrem Dienstmädchen Maria in einer Jugendstil-Villa bei Herrliberg. Ihr Sohn Markus ist ihr Sorgenkind.

Oskar hingegen mag sie nicht besonders, die Schwiegertochter Nora schon gar nicht. Das beruht auf Gegenseitigkeit.

Nora

Die Ehefrau von Oskar. Drahtig, attraktiv, sie ist der Boss. Sie macht ihn für die Zweitklassigkeit ihres Lebens verantwortlich. Entsprechend macht sie ihm das Leben zur Hölle.

Sie führen das Rigoletto gemeinsam: Oskar die Bar, das illegale Spielzimmer und den Extra-Keller. Nora führt die Mädchen und die Finanzen. Zur Mutter steht sie in Rivalität um den Einfluss auf Oskar.

Der stumme Gallier

Oskars rechte Hand fürs Grobe. Türsteher und Rausschmeisser im Rigoletto. An die 60, ehemaliger Fremdenlegionär, brutal und auch sehr kriminell. Ihn umgibt etwas Unheimliches. Nicht nur, dass er nie spricht, aber er führt den Extra-Keller. Die Gäste starren ihn heimlich an, voller Respekt, Abscheu, Ekel und Furcht.

Maria

Das graue Dienstmädchen der Mutter. 60, hässlich, dumm. Eine vertrocknete, flachbusige Jungfer mit dicker Brille. Die Mutter behandelt sie wie Dreck und lässt sie immer spüren, dass sie nur ein Verding-Kind ist. Maria ist eine zwanghafte Schlüsselloch-Voyeurin.

Ansonsten führt sie ein ereignisloses, einsames Leben.

Eine leere Seite bevor es los geht

zur Steigerung der Spannung

Und noch eine leere Seite.

Die Spannung ist kaum mehr auszuhalten.

1. Einzimmerwohnung von Markus

Die Einzimmerwohnung von Markus ist hässlich, geschmacklos, dafür aber billigst eingerichtet. So hässlich, dass man mit dieser Beschreibung keine Geschichte beginnen darf, also lassen wir das.

Markus steht in der Mitte des Zimmers vor dem IKEA-Schrank-spiegel. In der Hand hält er eine leere WC-Rolle, die er als Mikrofon benutzt. Er probt ein selbstgedichtetes Hochzeits-Lied für Lenchen, seine Verlobte. Dazu übt er eine Choreografie ein, die er sicher nicht bei Michael Jackson, auch nicht bei DJ Bobo abgeschaut hat, was mit seinem langen, schlaksigen Körper auch nicht ansatzweise möglich wäre. Aber das ist unwichtig. Denn obwohl Markus hauptsächlich blöd ist, ist er glücklich. Über alle Massen glücklich, denn er ist verliebt.

Er geht zum Bett, holt unter dem Kopfkissen seinen Text-Zettel hervor, liest ihn durch, konzentriert sich und beginnt zu singen.

Oh Lenchen

Ich liebe Dich wie verruckt

Dass es in meinem Herz zuckt

Und wenn ich Dich anschau

Dann seh ich ganz genau

Du bist die schönste Frau

Auf der gaaanzen Welt

Oh Lenchen

Du huu-huu-huu, Lenchen

Die Melodie und sein Gesang sind mindestens so schlecht wie der Text. Aber das ist egal, denn es kommt aus dem Herzen, in echter, tiefer Liebe.

Er probiert verschiedene Posen, die wahrscheinlich nicht einmal Karl Valentin hingekriegt hätte, und singt wie ein räudiger Kater auf dem Dach, voller Inbrunst, falsch und laut.

Mitten in die Probe schnarrt die Türglocke.

Markus bricht sofort ab und gerät in Stress, was man daran erkennt, dass seine Backen rot anlaufen. Schnell versteckt er sein WC-Rollen-Mikrofon unter dem Bett. Er eilt zur Türe und öffnet sie. Vor der Türe steht Lenchen. Sie strahlen sich an und umarmen sich innig tief und unendlich lang.

Lenchen: Oh Markus.

Markus: Oh Lenchen.

Lenchen: Bin ich zu früh?

Markus: Du kannst doch nie zu früh sein.

Lenchen: Was tust Du gerade?

Markus: Das kann ich Dir nicht sagen, ist ein Geheimnis.

Lenchen: Was für ein Geheimnis?

Markus: Das kann ich Dir nicht sagen, sonst wäre es ja kein Geheimnis mehr.

Lenchen: Das stimmt. Oh Markus, wie klug Du bist.

Markus: Komm doch erst einmal herein. Bitte.

Markus führt Lenchen zu einem alten, versifften Sessel. Sie setzt sich, und Markus holt sich aus der Kochecke einen Hocker und setzt sich ihr gegenüber.

Lenchen: Wann müssen wir bei Deiner Mutter sein?

Markus: Um eins. Da haben wir ja noch etwas Zeit. Ich will mir noch ein frisches Hemd anziehen.

Lenchen: Soll ich Dir schnell eines waschen und bügeln?

Markus: Danke, nicht nötig, ich habe noch ein frisches.

Lenchen: Oh Markus, Du denkst einfach an alles.

2. Im Speise-Salon der Mutter

Die Mutter lebt mit ihrer Angora-Katze und ihrem Dienstmädchen Maria in einer Villa, respektive in einem umgebauten Schloss, oberhalb von Herrliberg.

Sie ist eine Respektsperson. Fit, aufrecht und streng. Eine reiche, starke Frau mit einer bewegten Vergangenheit. Drei Ehemänner hat sie überlebt und beerbt. Ihre zwei Söhne Oskar und Markus hatten für sie kaum existiert, sie hatte damals Anderes zu tun, weshalb Oskar und Markus kurz nach ihrer Geburt in ein Heim kamen.

Doch jetzt, da sie älter wird, und ihre Söhne wohl einen Pflichtteil ihres Vermögens erben, hat sie den Kontakt wieder aufgenommen, respektive zugelassen, obwohl sie die beiden tief verachtet.

Ihr Dienstmädchen Maria, eine alte, vertrocknete Jungfer, die wohl schon vertrocknet zur Welt kam. Dürr, flach, mit hervorquellenden Augen hinter einer dicken Brille, neugierig und schwatzhaft, mit einer grellen, schnatterhaften Stimme.

Natürlich hauert sie auch heute beim Familientreffen hinter der zugezogenen Speisesalon-Türe am Schlüsselloch.

Die Mutter, Oskar und seine Frau Nora sitzen am Esstisch. Leinen, poliertes Silber und alles sehr steif und teuer.

Oskar: Wie lange müssen wir noch warten? Ich habe Hunger.

Mutter: Wir warten. Markus wird uns heute seine Braut …

Nora: Seine fast Braut.

Die Mutter wird gefährlich ruhig, freundlich und leise.

Mutter: Liebe Nora, Du fällst mir nie wieder ins Wort. Verstanden?

Die Mutter fixiert Nora freundlich, vorwurfsvoll und streng.

Mutter: „Nie wieder. Hast Du mich verstanden?“

Nora schaut zu Oskar. Oskar schaut aus dem Fenster.

Oskar: Da, sie kommen.

Alle schauen aus dem Fenster.

Über den langen Kiesweg des Vorgartens fahren Markus und Lenchen Richtung Villa. Markus auf seinem Mofa und Lenchen auf dem Gepäckträger, eng an Markus geschmiegt.

Mutter: (Durch die Salon-Türe) Maria, führ sie herein! Und von Euch erwarte ich, dass Ihr Euch benehmt.

Nora: Markus ist ein Trottel.

Mutter: Liebe Nora, Du kannst gerne auch alleine in der Küche essen. Musst es nur sagen.

Und Du, Oskar: Du betreibst doch diese Bar in Zürich, einigermassen erfolgreich, wie man hört. Da gibt es doch sicher eine geeignete Arbeit für Deinen Bruder. Jetzt, wo er bald heiratet, braucht er doch eine geregelte Arbeit.

Oskar: Markus ist für nichts zu gebrauchen. Wenn ich könnte, würde ich ihm eine Behinderten-Rente bezahlen.

Nora: He! Das ist unser Geld. Darüber entscheide immer noch ich!

Maria öffnet von aussen die Salontüre. Dahinter stehen Markus und Lenchen. Verunsichert, dafür Hand in Hand.

Lenchen: Entschuldigen Sie bitte. Sind wir zu spät?

Mutter: (Schaut auf die Uhr) Nein, es ist 6 vor.

Markus versucht, die Mutter zu begrüssen.

Markus: Mutter.

Er geht auf sie zu, will seine Arme um ihre Schultern legen. Die Mutter streckt ihm ihre Hand heftig entgegen, unterhalb der Rippen. So heftig, dass Markus mit Atemnot zurückweicht. Nach einigen Sekunden hat er verstanden und nimmt förmlich ihre Hand und küsst sie, wie es sich gehört. Allerdings ist sein Kuss schmatzend und triefend nass.

Markus: Guten Tag, liebe Mutter.

Die Mutter hat sich bereits Lenchen zugewandt.

Mutter: Und Sie sind also Lenchen.

Lenchen: Guten Tag Frau Blanc. Ich freue mich sehr, Sie kennen zu lernen zu dürfen.

Lenchen versucht, einen königlich-kaiserlichen Hofknicks aus den Sissi-Filmen vorzuführen. Das ist eher etwas peinlich.

Oskar ist völlig angetan von Lenchen. So eine unterwürfige Frau, bereit, einen Mann, selbst wenn es nur Markus ist, zu bewundern und zu verehren. Das wäre etwas für ihn, statt seiner herrischen, dominanten Frau Nora.

Oskar: Vielleicht finde ich ja einen Job für Euch. Lasst mich mal überlegen.

Nora: Stop stop mein Lieber. Mädchen haben wir genug. Wir brauchen kein Lenchen.

Oskar: Aber vielleicht für Markus.

Nora: Den Trottel können wir auch nicht brauchen.

Mutter: Liebe Nora: Wenn Oskar für Markus einen Job sucht, ist das eine reine Familien-Angelegenheit. Also halt Du Dich da heraus. Und das sage ich nicht zweimal.

Nora: Das ist auch mein Geld.

Mutter: Liebe Nora, euer Geld ist letztlich mein Geld.

Nora: Aber ich …

Mutter: Du sollst schweigen! Was ist daran so schwer zu verstehen?

Nora: Ich habe doch …

Mutter: Liebe Nora, Du bist jetzt still und zwar sofort. Oder soll ich meine Beteiligung am Rigoletto zurückziehen?

Nora: Du mit Deinem geerbten Geld …

Mutter: Besser als kein Geld. Und Du, Du hast jetzt Pause.

Also Oskar: Was kannst Du für Markus tun? Immerhin ist er Dein Bruder.

Oskar: Er und Lenchen können sich morgen bei mir im Rigoletto melden. Ich hab da vielleicht eine Idee.

Nora: Lenchen kannst Du gleich vergessen, mein Lieber. Klar?

Oskar: Ja, Liebling.

3. Im Rigoletto

Schummerige, schmutzige Bar in der Nähe der Langstrasse. In einem Hinterzimmer kann gepokert werden, im 1. Stock ist ein kleines Bordell, und es gibt einen geheimnisvollen Extra-Keller.

An der Bar sitzen zwei ältere Nutten vor ihren Cüplis. Es ist zu früh, noch läuft nichts.

An einem Tischchen sitzen Oskar und Markus. Oskar prahlt von seiner Geheim-Organisation im Auftrag des Schweizerischen Geheimdienstes. Aber pssst, streng geheim.

Oskar zieht in Erwägung, Markus in seine Organisation einzuführen. Markus ist hell begeistert, ein richtiger Geheim-Agent zu werden. Aaaber: Markus darf mit niemandem darüber reden, auch nicht mit Lenchen. Das übernimmt dann Oskar, denn Markus wird oft nächtelang im Einsatz für die Staats-Sicherheit sein.

Als erstes müssen Oskars Agenten Markus kennen lernen, aber ohne dass Markus sie schon sehen darf. Dazu muss Markus mehrere Nächte an speziellen Tram- und Bus-Stationen, sowie an Strassenkreuzungen stehen, damit ihn die Agenten im Vorbeifahren anschauen können. Aber pssst, streng geheim.

4. Nachts im Regen

Markus steht tapfer an einer unüberdachten Bus-Haltestelle. Er fühlt sich wie James Bond. Manchmal glaubt er, einen vorbeifahrenden Agenten zu erkennen und zwinkert ihm vertraulich zu, mit unterschiedlichem Erfolg. Dann kommt der nächste Standort, noch einer und noch einer.

Markus ist durch und durch nass, und er friert, doch er nimmt seinen Auftrag ernst. Endlich ist er Jemand. Geheimagent für den Schweizerischen Geheimdienst. Aber pssst, streng geheim.

5. Oskar bei Lenchen

Oskar besucht unterdessen Lenchen mit einer Flasche Prosecco. Er erklärt ihr, dass Markus jetzt in sein Imperium eingearbeitet werde, aber die Sache sei noch pssst, streng geheim.

Auf Lenchen komme jetzt eine schwere Zeit zu, da Markus nun oft abwesend sein werde. Aber er, Oskar, sei immer für sie da. Darauf trinken wir. Er versucht sich ihr körperlich zu nähern. Da klingelt es. Nora steht in der Türe, respektive bereits im Zimmer. Sie holt Oskar mit einem bösen Blick zum Arbeiten im Rigoletto ab.

6. Nachts im Rigoletto

Oskar räumt die Tische auf, Nora kontrolliert die Abrechnungen der Nutten. Sie giftet Oskar wegen Lenchen an. Oskar träumt von Noras Beerdigung. Ein schöner Traum: Alle Trauergäste trauern. Oskar pinkelt ins Grab und spuckt hinterher. Dann wirft er noch eine Tüte voller Würmer zum Sarg hinunter. Er ist glücklich. „Oskar!“ Die kräftige Stimme von Nora weckt Oskar brutal aus seinem süssen Traum. Der übliche Bar-Betrieb hat angefangen. Der stumme Gallier hat seine Position vor der Kellertüre eingenommen. Die Gäste betrachten ihn mit Abscheu und Ekel. Einige kaufen bei Oskar einen Coupon für 100 Franken und stellen sich beim stummen Gallier an. Der öffnet langsam die Keller-Türe. Ein Raunen geht durch die Bar. Er kontrolliert die Coupons und lässt die Gäste an sich vorbei, hinab in den Keller.

Markus kommt tropfnass ins Rigoletto und erstattet Oskar pflichtbewusst seinen Bericht. Oskar nickt anerkennend und schickt ihn an die Usterstrasse 106 in Dübendorf. Nach zwei Stunden darf er nach Hause gehen und schlafen. Das Agenten-Leben ist schwer. Bevor Markus sich auf den Weg macht, sieht er, wie die Gäste aus dem Extra-Keller an die Bar zurückkehren, bleich und verstört. Sie bestellen doppelte Drinks und noch einen und noch einen.

7. Brautkleid an der Löwenstrasse

Die Mutter hat sich entschlossen, für Lenchen ein passendes Brautkleid zu kaufen. Unterstützt von Maria, die dann die Taschen schleppen darf. Dazu hat sie auch Markus, Oskar und Nora aufgeboten. Sie treffen sich am Löwen-Platz. Die Mutter bestimmt, dass Oskar und Nora dem Markus ein bisschen das schöne Zürich zeigen sollen, da er sich ja überhaupt nicht auskennt. Unterdessen geht sie mit Lenchen und Maria das Brautkleid kaufen.

Mutter: Danach treffen wir uns bei mir auf eine schöne Tasse Tee, und das ist keine Bitte, liebe Nora.

8. Züri-Tour

Die lieblose Stadtführung von Oskar und Nora. Während sie sich streiten, schleppen sie Markus durch Zürich’s Sehenswürdigkeiten. (Grossmünster, Zwingli-Denkmal, UBS, Opernhaus, Sechseläuten-Platz, Landesmuseum usw.)

Auf dem St.-Peters-Platz steht eine Gruppe chinesischer Touristen mit Mundmasken. Sie bewundern und fotografieren das grösste Ziffernblatt Europas und geniessen das Freilicht-Stück des „Theater Team Zürich“ über Gottfried Keller, von dem sie allerdings kein Wort verstehen.