1,99 €
Kinder haben oftmals den besseren Instinkt - das beweist zumindest Mara, als sie nach einem Unfall im Swimmingpool spontan entscheidet, dass ihr Lebensretter auch ihr neuer Papi werden soll. Philipp Wagner scheint auch gar nicht abgeneigt, freut sich das kleine Mädchen. Wie er ihre Mami anhimmelt! Richtig verliebt!
Doch weiter kommt er trotz aller Bemühungen nicht: Silja ist an einem Urlaubsflirt nicht interessiert. Aber so leicht geben weder Philipp noch Mara ihre Wünsche auf. Sie verbünden sich und schmieden einen Plan.
Ob der allerdings gelingt? Mal abwarten ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Zum Glück gehört auch Kinderlachen
Vorschau
Impressum
Zum Glück gehört auch Kinderlachen
Eine süße kleine »Lady«, eine neue Liebe – und ein Glück in Gefahr
Von Susanna Jonius
Kinder haben oftmals den besseren Instinkt – das beweist zumindest Mara, als sie nach einem Unfall im Swimmingpool spontan entscheidet, dass ihr Lebensretter auch ihr neuer Papi werden soll. Philipp Wagner scheint auch gar nicht abgeneigt, freut sich das kleine Mädchen. Wie er ihre Mami anhimmelt! Richtig verliebt!
Doch weiter kommt er trotz aller Bemühungen nicht: Silja ist an einem Urlaubsflirt nicht interessiert. Aber so leicht geben weder Philipp noch Mara ihre Wünsche auf. Sie verbünden sich und schmieden einen Plan.
Ob der allerdings gelingt? Mal abwarten ...
Silja Görgen beobachtete versonnen ihr Töchterchen, das quietschvergnügt vor ihr im Sand spielte. Mara baute Burgen und backte Kuchen, die sie mit winzigen Muscheln verzierte. Dabei sang sie vor sich hin. So gelöst war das Kind schon lange nicht mehr gewesen. Im Grunde erinnerte sich Silja gar nicht daran, ob Mara jemals in ihrem kurzen Leben so glücklich gewesen war wie in diesem Augenblick.
Wenn Mara nur mit den anderen Kindern spielen würde!, dachte Silja.
Doch daran war vorerst nicht zu denken.
»Machst du ein Bild von meinem Kuchen, Mami?«, bettelte die Fünfjährige.
»Sofort, mein Schatz«, erwiderte Silja und nahm ihr Handy aus dem Korb, der mit einem Handtuch abgedeckt unter dem Sonnenschirm stand. »Und dann gehen wir schwimmen. Guck mal, wie schön blau das Meer ist!«
Sie fotografierte den Sandkuchen und Mara, die selig in die Kamera strahlte. Anschließend liefen sie Hand in Hand ins Wasser, das so unglaublich klar war, dass man jedes Sandkorn einzeln erkennen konnte.
Mara wirkte in diesem Moment wie jedes andere Kind. Niemand hätte vermutet, dass ihrer Seele einmal Schaden zugefügt worden war. Und doch war es so. Seitdem hatte das kleine Mädchen Angst vor anderen Menschen und ließ keinen an sich heran. Selbst Kinder nicht, auch wenn sie kleiner und jünger waren als Mara.
Warum das so war, wusste Silja leider nur zu genau, und sie gab sich einen Teil der Schuld. Mara war als völlig gesundes und kräftiges Baby zur Welt gekommen. Erst als ihr Vater seine Trunksucht nicht mehr zu zügeln vermochte, war die Welt für Mutter und Tochter düster geworden. Schon als Zweijährige hatte Mara miterleben müssen, wie der Vater die Mutter schlug. Und es war Silja nur mit Mühe und Not gelungen, die Kleine vor der alles zerstörenden Wut des Vaters zu bewahren.
Seit zwei Jahren war Silja Görgen nun geschieden und lebte mit Mara allein. Von ihrem Ex-Mann hörte sie zum Glück nichts mehr. Dennoch blieb Mara verstört; die Kleine schrie und verkroch sich angstvoll, wenn ein Fremder auf sie zutrat.
Die Kinderpsychologin hatte das Mädchen bis heute nicht dazu bewegen können, im Kindergarten mit anderen zu spielen. Silja war jedoch schon froh, dass Mara sich überhaupt dazu überreden ließ, sich für ein paar Stunden von der heiß geliebten Mama zu trennen.
»Fahren Sie mit Mara in Urlaub«, hatte die Ärztin der jungen Frau zuletzt geraten. »Vielleicht hilft eine Ortsveränderung. Neue Eindrücke haben schon in vielen Fällen regelrecht Wunder gewirkt.«
Auch Dr. Knipp, Siljas Chef und väterlicher Freund, und seine Frau hatten ihr zu dieser Reise zugeredet.
»Du bist schon lange urlaubsreif, Silja«, hatte er festgestellt. »Macht euch ein paar schöne Tage unter südlicher Sonne. Du wirst sehen, ihr kommt als ganz neue Menschen zurück.«
Eine der Erzieherinnen im Kindergarten, Giovanna Matarese, stammte aus Apulien. Sie hatte Silja das Hotel Luna d'Argento empfohlen. Silja hatte nicht lange überlegt und Giovanna gebeten, ihr bei der Reservierung behilflich zu sein. Denn dieses Hotel frequentierten kaum Touristen, man verständigte sich dort nur in der Landessprache. Es war ein Geheimtipp unter der einheimischen Bevölkerung. Silja selbst sprach zwar auch ein wenig Italienisch, doch hatte sie sich bei dem Gedanken an eine Reservierung per E-Mail oder gar Telefon überfordert gefühlt. Es war immerhin mindestens zehn Jahre her, dass sie ihre geringen Sprachkenntnisse benötigt hatte.
Nun waren sie hier an diesem herrlichen Strand, und Silja beobachtete, wie Mara auflebte und Sand und Meer genoss. Auch im Hotel klappte alles recht gut, solange keiner das Mädchen ansprach. Dennoch wollte Silja die Hoffnung auf Besserung nicht aufgeben. Sie glaubte fest daran, dass ihre Tochter eines Tages völlig selbstverständlich und ohne Angst mit anderen Menschen umgehen würde. Irgendwann ...
»Ist das nicht ein herrlicher Tag, Signora?«, rief eine junge Frau zu Silja herüber.
Sofort beendete Mara ihre Planscherei und umklammerte das Bein ihrer Mutter.
»Ja«, begann Silja auf Italienisch. »Er ist traumhaft. Dieser Ort ist mir in den wenigen Tagen schon richtig ans Herz gewachsen«, fügte sie in gebrochenem Italienisch hinzu.
»Also werden Sie wiederkommen?«, wollte die andere wissen.
»Vielleicht schon im nächsten Jahr. Aber bis dahin will ich mehr Italienisch lernen«, verkündete Silja fröhlich. »Es gefällt mir einfach zu gut hier!«
Die Italienerin nickte freundlich.
»Dann werden wir uns nicht aus den Augen verlieren. Ich wohne in Taranto. Mein Name ist Anna Galleni. Meine Familie bewohnt zurzeit ebenfalls ein Appartement im ›Luna d'Argento‹.«
»Ich heiße Silja, und das ist meine Tochter Mara.«
Anna lachte. »Silja!« Sie sprach das S scharf und nicht singend, wie man es in Deutschland tat. »Lernen Sie fleißig! Dann wird Sie niemand mehr für eine Deutsche halten.«
Sie warf einen bewundernden Blick auf Siljas volles dunkles Haar, das in der Sonne rötlich schimmerte. Nur die blauen Augen würden verraten, dass sie keine gebürtige Süditalienerin war. »Vielleicht sehen wir uns heute Abend auf der Hotelterrasse. Ich komme mit meiner Familie zum Essen. Viel Vergnügen Ihnen beiden bis dahin!«
Anna warf sich in eine etwas höhere Welle und schwamm davon. Prompt ließ Mara das Bein ihrer Mutter los, und es dauerte keine Minute, bis das Kind wieder ebenso unbeschwert planschte wie vorher.
Silja unterdrückte einen Seufzer.
Wohin soll das noch führen?, dachte sie sorgenvoll.
Doch dann verbot sie sich jeden weiteren traurigen Gedanken und tobte mit Mara durch die Wellen, bis das Mädchen vor Müdigkeit beinahe umfiel.
An diesem Abend gab Silja endlich ihren heimlichen Wünschen nach Gesellschaft nach und ging, als ihre Tochter schlief, auf die Hotelterrasse. Zum ersten Mal ließ sie ihr Kind für eine Weile allein und fand es wunderbar, sich mit den anderen Hotelgästen unterhalten zu können, auch wenn sie dabei etwas unruhig war.
Als sie später in ihr Appartement zurückkehrte und sah, dass Mara nichts von ihrer Abwesenheit gemerkt hatte, fühlte sie sich auf einmal frei. Ihr war, als hätte gerade in diesem Augenblick der Urlaub begonnen, und sie freute sich auf den nächsten Tag. Sie hatte sich mit Anna Galleni und ein paar anderen Frauen am Strand verabredet. Die meisten von ihnen hatten Kinder, von denen einige in Maras Alter waren.
Vielleicht ...!, dachte Silja hoffnungsvoll. Und selbst wenn Mara nicht gleich morgen mit den Kindern spielt, dann vielleicht übermorgen oder in der nächsten Woche.
Sie setzte sich noch eine Weile auf den Balkon ihres Appartements und starrte in den sternenklaren Himmel. Das Leben konnte so schön sein ...
♥♥♥
Zum Erstaunen ihrer Mutter benötigte Mara keine Woche, um sich an die Anwesenheit von Annas Tochter zu gewöhnen.
Die quirlige Ilaria hatte sich von Maras Ablehnung keinen Moment abschrecken lassen. Und seit zwei Tagen verstanden sich die beiden etwa gleichaltrigen Mädchen so gut, dass Silja Görgen es nicht fassen konnte und am liebsten vor Freude geweint hätte.
Anna Galleni beobachtete ihre neue Bekannte voller Mitgefühl.
»Was ist los mit dir, Silja?«, fragte sie einmal vorsichtig. »Kann ich dir helfen?«
Silja hatte das Gefühl, davonlaufen zu müssen. Sie sehnte sich nach einem Versteck, in dem sie endlich sie selbst sein konnte und weinen durfte, ohne jemanden zu erschrecken oder irgendwem Rechenschaft über ihre Empfindungen ablegen zu müssen.
Die junge Italienerin ergriff die Hand der Deutschen und lächelte aufmunternd.
»Manchmal tut es gut, über alles zu reden. Bitte, lass mich deine Freundin sein. Wir sollten zusammenhalten, wir Frauen ...«
Silja gab das Lächeln zurück.
»Vielleicht hast du recht. Aber ich brauche noch ein wenig Zeit. Ich muss zuerst das Wunder verarbeiten, das heute geschehen ist. Zum ersten Mal spielt Mara mit einem anderen Kind, ohne gleich nach mir zu schreien.«
Anna erwiderte nichts. Seit der Ankunft der Deutschen hatte sie das seltsame Verhalten des Kindes beobachtet und sich ihren Reim darauf gemacht. Irgendjemand musste die Kleine auf grausame Weise erschreckt haben. Und nicht nur das Kind. Anna hatte längst das Leid in Siljas Augen erkannt.
Nun nickte sie leicht und griff nach ihrer Thermoskanne. Sie reichte der verlegen wirkenden Deutschen zwei Plastikbecher und schenkte ein.
»Das ist eisgekühlter Pfirsichtee«, sagte sie. »Besiegeln wir damit unsere Freundschaft!«
Silja errötete leicht. »Danke«, erwiderte sie warm. »Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass du mich verstehst. Eine Freundin hatte ich schon lange nicht mehr. Das hat sich einfach ergeben – nach meiner Heirat, weißt du ...«
»Oh, das kenne ich. Viele Frauen machen den Fehler und geben ihre Freunde für den Mann auf. Später ist es dann schwer, sich einen neuen Bekanntenkreis aufzubauen.«
»Ist es dir ähnlich ergangen?«
Silja horchte interessiert auf.
»Nein.« Anna schüttelte den Kopf. »Ich kenne meinen Gino schon von Kindesbeinen an. Das vereinfacht vieles. Aber ich habe einige Freundinnen verloren, weil sie sich zu sehr auf ihre Ehemänner fixiert haben.«
Siljas Miene wurde nachdenklich.
»Wenn sie wenigstens glücklich geworden sind ...«
»Das weiß ich nicht«, gab Anna bedauernd zurück. Sie tat so, als bemerkte sie die Trauer ihrer neuen Freundin nicht. »Leider haben wir nichts mehr voneinander gehört. Der Kontakt ist abgerissen. Ich hoffe jedoch, dass Pasqualina, Rinalda und Sandrina wissen, wie sehr ich sie mag und dass ich immer noch für sie da bin, wenn sie mich brauchen. Könnte es sein, dass bei dir daheim auch jemand auf ein Lebenszeichen von dir wartet?«
»Vielleicht.« Silja hob die Schultern. »Ich muss darüber nachdenken.«
Die Italienerin hob lächelnd den Finger.
»Vergiss nie, Silja: Was wir nicht geben, das können wir auch nicht bekommen! – So, und nun müssen wir unsere Töchter eincremen, sonst bekommen sie einen Sonnenbrand!«
Sie beschäftigten sich eine Weile mit den beiden Mädchen, die sich bestens zu verstehen schienen, obwohl eines die Sprache des anderen nicht kannte. Gesten reichten ihnen völlig aus.
»Mami, können wir nicht für immer hierbleiben?«, fragte die Kleine, als sie sich am Abend wohlig in ihr Bett kuschelte. »Dann könnte ich immer bei Ila spielen.«
»Ila?«, erwiderte Silja fragend.
»I-la-ri-a«, erklärte das Kind und betonte dabei jede einzelne Silbe. »Och, Mami, tu nicht so! Du kennst sie doch. Und auch ihre Mami!«
»Ja, mein Schatz, ich kenne sie, und ich freue mich, dass du dich hier so wohlfühlst.« Sie gab ihrer Tochter einen zärtlichen Kuss. »Aber dennoch können wir nicht immer hierbleiben. Irgendwann sind auch die schönsten Urlaubswochen zu Ende, und dann müssen wir zurückfahren. Auf dich wartet der Kindergarten und auf mich meine Arbeit.«
Maras Augen füllten sich mit Tränen.
»Ich will nicht in den doofen Kindergarten! Hier ist es viel schöner!«
»Ach, Liebling!« Silja seufzte leise und suchte nach tröstenden Worten. Es gelang ihr nur schwer, das Mädchen von seinem Kummer abzulenken. »Schlaf erst einmal, Mara«, sagte sie endlich. »Und morgen gehen wir wieder an den Strand. Wolltest du nicht mit Ilaria Muscheln suchen? Conchiglie heißen die Muscheln auf Italienisch. Am besten sagst du das Wort immer wieder vor dich hin, bis du eingeschlafen bist.«
Die Kleine wischte sich die letzten Tränen aus den Augen.
»Mach ich«, versprach sie. »Und du gehst zu Ilas Mami, oder?«
Silja erschrak. Würde Mara jetzt erneut in Panik geraten?
»Weißt du ...«, begann sie unsicher.
Doch ihre Tochter unterbrach sie begeistert: »Das ist super. Dann kannst du ihr beibringen, wie man richtig Muscheln sagt. Ich werd auch ganz lieb schlafen, das verspreche ich dir.«
Silja beugte sich noch einmal zu Mara herab und strich ihr liebevoll eine goldbraune Strähne aus der Stirn.
»Du bist ein Engel, Kleines. Ich habe dich ganz schrecklich lieb. Und nun schlaf schön, und träum von Mond und Sternen.«
Sie wartete noch ein paar Minuten, ehe sie das Appartement verließ. Mara schlief bereits, was Silja beruhigte und sie auf eine besondere Weise glücklich machte.
♥♥♥
Am Swimmingpool, der von romantischen Lichtern beleuchtet wurde, hatte Anna Galleni einen Tisch reserviert. Gianni, der junge Kellner, hatte bereits eine Karaffe Wein und eine Flasche Mineralwasser gebracht.
»Das soll alles für uns sein?«, fragte Silja in gespielter Verzweiflung. »Wo, um Himmels willen, ist dein Mann?«
