Familie mit Herz 33 - Heide Heim - E-Book

Familie mit Herz 33 E-Book

Heide Heim

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Weil Tim so einsam war - Ein kleiner Junge auf der Suche nach Liebe


Tims Mutter ist tot, seitdem lebt der fünfjährige Junge bei den Großeltern. Sein Vater ist als Journalist fast ständig unterwegs zu den Brennpunkten dieser Welt. Missstände will Frank mit seinen Berichten aufdecken, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, die Menschen aufrütteln für die Not in fernen Ländern.

Ja, Franks Reportagen gehen zu Herzen. Doch das Naheliegendste erkennt der Mann nicht: die Einsamkeit seines Kindes, Tims Schmerz über den Verlust der Mutter, seine Verzweiflung über die Abwesenheit des Vaters. Tim kann ja gar nichts anderes glauben, als dass sein Papi nichts von ihm wissen will ...

***

Familie ist da, wo man lebt, liebt und lacht. Familie ist da, wo man Trost und Wärme findet. Und eben jene Geschichten, wie sie nur das Leben schreibt, mit all seinen Höhen und Tiefen.
Hier erwarten sie Glück und Geborgenheit, Ängste und Sorgen, hier wird es mal lustig, mal dramatisch, es wird getanzt und gelacht, gestritten und verziehen - hier werden Erinnerungen geschaffen, die unvergesslich bleiben.

Alle 14 erscheint eine neue Folge von Familie mit Herz.
Jede Folge ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Weil Tim so einsam war

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: tatyana_tomsickova / iStockphoto

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-7149-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Weil Tim so einsam war

Ein kleiner Junge auf der Suche nach Liebe

Von Heide Heim

Tims Mutter ist tot, seitdem lebt der fünfjährige Junge bei den Großeltern. Sein Vater ist als Journalist fast ständig unterwegs zu den Brennpunkten dieser Welt. Missstände will Frank mit seinen Berichten aufdecken, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, die Menschen aufrütteln für die Not in fernen Ländern.

Ja, Franks Reportagen gehen zu Herzen. Doch das Naheliegendste erkennt der Mann nicht: die Einsamkeit seines Kindes, Tims Schmerz über den Verlust der Mutter, seine Verzweiflung über die Abwesenheit des Vaters. Tim kann ja gar nichts anderes glauben, als dass sein Papi nichts von ihm wissen will …

»Tim, Schatz, warum schlingst du denn so? Das tut man doch nicht.«

Hanna Seifert liebte ihren Enkel abgöttisch, aber deshalb durfte sie ihm doch nicht alles durchgehen lassen.

Tim stopfte die letzte Kartoffel in den Mund; kaute, schluckte. Hilfe suchend blickte er zu seinem Großvater, denn der schimpfte nie mit ihm. Im Gegenteil, sein Opa war sein großer Freund, er half ihm immer. Ja, auf ihn war Verlass!

Jetzt endlich hatte Tim den Mund frei.

»Weil ich es eilig habe, Oma. Darum esse ich so schnell. Kann ich jetzt aufstehen?«

Die ältere Frau schüttelte entrüstet den Kopf, dass die weißen Löckchen auf ihrem Kopf tanzten.

»Du hast ja deinen Nachtisch noch nicht gegessen. Nein, du bleibst sitzen, bis ich die Serviette zusammenlege.«

»Och Oma, du bist doch sonst nicht so gemein. Ich muss doch zu Laura. Weißt du, sie zeichnet ein Plakat von einem Hund, und ich muss Bosso festhalten.«

Tim bemerkte aus den Augenwinkeln, dass sein Großvater sich mühsam das Lachen verkniff. Und er erkannte auch die gewohnte Zärtlichkeit in Omas Augen.

»Meinst du nicht, Tim, dass du Laura allmählich auf die Nerven gehst? Du bist doch beinahe ständig bei ihr. Ich möchte wirklich manchmal wissen, was Lauras Verlobter, dieser Herr Krüger, dazu sagt.«

Tim krauste seine runde Kinderstirn.

»Gar nix! Aber ich sag ihm ja auch nicht, wenn er mir auf die Nerven geht. Und das ist ziemlich oft der Fall, weil er fast ständig bei Laura auftaucht. Weißt du, dieser Christian Krüger muss nämlich lange nicht so viel arbeiten, wie Papa. Und verreisen braucht der auch nie. Laura hat sogar schon mal gesagt, dass er viel zu viel Zeit hat.«

Der Großvater tarnte sein Lachen hinter einem Husten, doch die Oma bemerkte: »Dein Vater ist Journalist, und Christian Krüger ist der Sohn des großen Modehauses.«

»Ist mir ganz egal, was der ist«, konterte Tim aufsässig. »Ich mag ihn jedenfalls nicht sonderlich.« Er schob den Teller zurück und sprang vom Stuhl. »Kann ich jetzt zu Laura gehen? Omi, wir können doch den Pudding heute Abend essen. Du hast selbst gesagt, dass du aufpassen musst, damit du nicht zu dick wirst. Und Pudding hat ganz viele Kalorien.«

Hanna Seifert wusste einen Moment wirklich nicht, ob sie sich ärgern oder lachen sollte.

»Also gut, dann verschwinde«, seufzte sie und schüttelte über sich selbst den Kopf. Bei ihrer Tochter war sie nie so nachsichtig gewesen. »Ich muss dir nur noch etwas sagen, Tim. Dein Vater hat heute Morgen aus Rom angerufen. Er nimmt die Abendmaschine und wird dich gleich morgen früh abholen.«

Tim nickte nur. Früher war er jedes Mal in Jubelstürme ausgebrochen, wenn sein Vater von einer Reise zurückgekehrt war. Doch seit es diese Frau in seinem Leben gab …

»Oma, meinst du, dass Papa allein ist? Oder bringt er wieder die Lachmuth mit? Wie kann man nur Lachmuth heißen!« In den Kinderaugen blitzte es trotzig auf. »Wenn die blöde Kuh dabei ist, dann bleibe ich lieber bei euch!«

Albert Seifert winkte seinen Enkel heran und hob den kleinen Kerl auf seinen Schoß.

»Aber, Tim, du bist doch gern bei deinem Vater. Er hat sowieso viel zu wenig Zeit für dich, da ist er doch froh, wenn ihr zusammen sein könnt.« Der alte Herr spürte selbst, wie wenig überzeugend seine Worte klangen.

»Papa mag ich ja, ehrlich! Aber die Simone Lachmuth gefällt mir gar nicht. Richtig blöd ist die! Alles versucht sie, um mir Papi wegzunehmen und seine Frau zu werden. Aber ich hab ihr schon gesagt, dass Papi und ich auch alleine klarkommen. Wenn Papi unterwegs ist, hab ich ja euch und Laura. Aber meinst du, Opa, sie hat das kapiert? Nur gelacht hat sie. Und ihre Augen haben dabei ganz komisch gefunkelt, als ob sie sauer wäre.«

Schweigend und betroffen hatten die Großeltern Tim zugehört. Der Junge war ihr ein und alles. Nach dem Tod der Tochter, als ihr Schwiegersohn Tim zu ihnen brachte, hatte sich ihre ganze Liebe auf den kleinen Kerl konzentriert. Allerdings fühlten sie doch manchmal, dass sie zu alt für die Erziehung eines temperamentvollen Fünfjährigen waren.

»Geh zu Laura, mein Junge«, seufzte Hanna Seifert. »Aber vergiss nicht, dir die Hände zu waschen.«

Tim verdrehte die Augen. »Jaja, ich wasche mir die Hände. Wenn ich auch wirklich nicht einsehe, warum. Ich hab mich doch überhaupt nicht dreckig gemacht. Ich hab mit der Gabel gegessen und nicht mit den Fingern. Wir brauchen überhaupt viel zu viel Wasser. Du musst mal daran denken, Oma, dass es Länder gibt, wo Wasser kostbar ist. Das hat Papa mir erzählt.«

Die Antwort seiner Großmutter wartete der Knirps allerdings nicht mehr ab. Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, gestattete sich Albert Seifert ein amüsiertes Lachen.

»Jetzt setzt er das Badezimmer unter Wasser. Mach nicht ein so bekümmertes Gesicht, Hanna. Der Junge ist schon in Ordnung.« Er stellte sorgfältig das Geschirr zusammen und half seiner Frau, den Tisch abzuräumen.

»Wir verwöhnen ihn zu sehr. Wir lassen ihm einfach zu viel durchgehen, Albert. Der Junge wickelt uns ja um den Finger.«

»Das ist nicht wirklich das, was dir Kummer macht«, behauptete ihr Mann vorsichtig. »Dein Gesicht verändert sich total, wenn du von Frank sprichst. Der Gedanke, dass unser Schwiegersohn Simone heiraten könnte, bringt dich noch mehr gegen ihn auf.«

Hanna bewegte unruhig die Hände. In ihrem Gesicht, in das das Leben seine Spuren gegraben hatte, spiegelten sich die widersprüchlichsten Gefühle.

»Du hast recht. Ich weiß, wie unchristlich diese Haltung von mir ist. Aber ich kann nicht anders. Bei dir darf ich die Gedanken aussprechen, Albert. Warum! Warum musste unsere Christine ausgerechnet Frank heiraten? Ausgerechnet ihn! Sie hatte so viel Chancen! Sie hätte eine ganz andere Partie machen können. Aber nein, sie hat sich diesen Mann in den Kopf gesetzt und ihn geheiratet.« Ein trockenes Schluchzen folgte ihren Worten.

»Hanna, Hanna«, mahnte Albert sie behutsam und zog sie in die Arme.

»Frank hat ihren Tod auf dem Gewissen, nur er! Er hat uns unsere einzige Tochter genommen, und wenn er nun diese andere Frau heiratet, wird er uns auch Tim fortnehmen. Albert, ich weiß nicht, wie ich das ertragen soll.«

»Still, Hanna. Und ich möchte diese dummen Worte nicht noch einmal hören. Unsere Tochter starb bei der Geburt ihres zweiten Kindes.«

»Genau«, rief sie temperamentvoll und stemmte die Hände gegen seine Brust. »Er wusste, dass es für Christine gefährlich war, noch ein Kind zu bekommen. Er wusste es ganz genau. Aber nein, er wollte ein zweites Kind und setzte seinen Willen durch.«

Albert schüttelte unwillig den Kopf.

»Für gewöhnlich gehören zwei dazu, und unsere Christine wollte viele Kinder, wenn du dich erinnerst. Nein, du kannst Frank nicht die Schuld geben. Du hast ihn nie gemocht, er war dir für Christine nicht gut genug. Du hast es nicht wahrhaben wollen, dass sie ihn liebte. Ich war damals oft sehr traurig über deine Haltung.« Er hob die Hand. »Nein, bitte, lass mich ausreden. – Damals war Frank noch Student, als sie sich kennenlernten, und ein armer Schlucker außerdem. Aber unsere Tochter hat ihn sich ausgesucht. Heute ist Frank ein bekannter Journalist, der seinen Weg gemacht hat. Beruflich hat er die höchste Sprosse der Leiter erreicht. Uns hat er seinen Sohn anvertraut, und dafür waren wir dankbar. Er hätte auch eine Nanny einstellen können, er hätte ihn auch seiner Schwester anvertrauen können. Aber er brachte ihn zu uns, obwohl er deine Gefühle für ihn genau kennt. Ich werde sein Gesicht nie vergessen, als wir Christine beerdigen mussten.«

Albert wandte sich ab, Hanna brauchte seine Tränen nicht zu sehen.

Trotzdem fügte er noch hinzu: »Wir sollten dankbar sein und uns für Frank freuen, dass er wieder einen Menschen gefunden hat, den er gernhat. Es ist für Tim ganz bestimmt besser, wenn er von seinem Vater und einer jungen Frau erzogen wird. Uns beide wickelt er um den Finger. Und dass Tim sich zu jungen Menschen hingezogen fühlt, zeigt ja die Tatsache, dass er beinahe mehr bei Laura ist als bei uns.«

»Laura Winter ist auch ein besonders liebenswertes Mädchen. Sie sieht nicht nur sehr gut aus, sie hat auch ein goldenes Herz. Ich weiß nicht, ob sie als Werbegrafikerin viel Geld verdient, aber das ist auch nicht wichtig. Wenn sie ihren Christian heiratet, ist sie alle Geldsorgen los. Als Frau Krüger gehört sie zu den Familien! Die Krügers gehören zur ersten Gesellschaft.«

Albert mochte es nicht, wenn Hanna so sprach.

»Dass dir diese Dinge noch immer so wichtig sind, Hanna. Diesen Standpunkt werde ich nie verstehen. Wichtig ist, dass ein Mensch anständig und ehrenhaft ist.«

»Natürlich. Das ist selbstverständlich. Aber zu allem gehört auch das nötige Kleingeld dazu. Jedenfalls wird Frank uns Tim morgen wegnehmen. Ich hoffe nur, dass er bald wieder in irgendein Land geschickt wird, und wir den Jungen wiederbekommen. Meinst du, ich sollte Laura Winter einmal zu uns einladen? Ich bin mir sicher, sie vermisst Tim genauso. Nein, nicht so sehr wie wir. Aber sie vermisst ihn auch. Er ist aber auch ein besonders lieber, aufgeweckter Junge.«

»Da bin ich deiner Meinung.« Albert lächelte ihr zu. »Versuch doch, dich mit Frank und seinen Plänen abzufinden, Liebes. Er wird uns seine zukünftige Frau bestimmt bald vorstellen. Er weiß ja, wie viel Wert du auf Förmlichkeiten legst. Aber zeig dem Jungen nicht, was du denkst. Es verunsichert ihn nur noch mehr.«

Hanna wollte gern die Beleidigte spielen, wie sie es hervorragend verstand, aber dazu war sie im Augenblick viel zu aufgewühlt.

»Du brauchst mir wirklich nicht sagen, wie ich mich benehmen muss«, entgegnete sie, und unglücklich setzte sie hinzu: »Wir werden uns ohne Tim sehr einsam fühlen, Albert. Wie kann Frank nur schon jetzt an eine neue Verbindung denken? Dieser Mann hat Christine nie wirklich lieb gehabt, jedenfalls nicht in der Stärke wie Christine ihn. Sonst könnte er nicht schon wieder heiraten wollen.«

Albert schwieg dazu. Alle weiteren Diskussionen führten ja doch zu nichts.

Kurz darauf läutete es ungeduldig an der Tür. Das war wieder mal typisch Tim! Einmal klingeln reichte nicht.

Kaum hatte Albert die Tür geöffnet, stürmte Tim herein und auf seine Großmutter zu.

Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus: »Oma, Oma, ich komme heute nicht zum Abendessen. Du musst Ja sagen! Wirklich, du musst einfach! Laura braucht mich. Sie muss heute Nachmittag die Entwürfe abliefern, und da will sie, dass ich auf Bosse aufpasse. Oma, glaubst du, dass Hunde eine Seele haben? Laura behauptet, natürlich haben sie eine. Du sagst doch Ja? Ich darf doch mitgehen? Wenn sie nämlich die Entwürfe abgegeben hat, dann geht sie anschließend mit mir essen.«

»Junge«, Hanna Seifert seufzte, »da kann ich ja gar nicht Nein sagen. Aber wenn du mit Laura essen gehst, was ich sehr lieb von ihr finde, dann benimm dich gut, hörst du?«

»Tu ich doch sowieso immer! – Tschüß!«

Die Tür knallte so heftig zu, dass Albert Seifert zusammenzuckte. Aber er musste schmunzeln. Hatte Tim also wieder mal sein Köpfchen durchgesetzt, der Schlawiner!

***

Tim hüpfte an Lauras Hand, ein Fuß war im Rinnstein, der andere balancierte auf der Bordsteinkante. Dazu sang er ein Liedchen, das er selbst erfunden hatte. Das machte Tim häufig, wenn er besonders glücklich war.