Familie Schweizer - Denise Tanner-Plüss - E-Book

Familie Schweizer E-Book

Denise Tanner-Plüss

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Beschreibung

Zwanzig Kurzgeschichten über die Familie Schweizer, die total normal ist … Jessica Schweizer, Vierfach-Mutter, Kolumnistin bei einer Frauenzeitschrift und Psychologiestudentin, erzählt mit Selbstironie, Sarkasmus und einem Augenzwinkern von ihrem Alltag und den Erlebnissen mit ihrem Herzblatt Paul und ihren vier Kids. Mit Teenager Sue, dem zwölfjährigen Jamie und den Kindergarten-Zwillingen Lotta und Luca hat sie alle Hände und Füße voll zu tun und findet ihre Grenzen; während ihre Kinder (und manchmal auch ihr Mann) diese suchen … Wer behauptet, dass das Leben mit Kindern, der Organisation mit Arbeit und Haushalt, Hausaufgaben, Partnerleben und einer Prise Hedonismus einfach ist: der lügt! Jessica Schweizer erzählt die gnadenlose Wahrheit über die Hochs und Tiefs des "Family Life".

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Auf diese Geschichten treffen Sie:

Liebe Eltern (und die, die es noch werden…)!Unsere total normale FamilieNun möchte ich Ihnen meine total normale Familie vorstellen:StrandtagDie GeburtstagspartyBastlerfreuden und -leidenKatzenjammerHerbstmesseLeise rieselt der Schnee …In der ApothekeWeihnachtsmarktNeues Jahr, neues GlückHappy New Year – oder Happy ricardo.chSkifoarn!Die StrichlisteLebensmüdeApril, AprilMünchen – Eltern-Ego-Trip, Teil 1München – Eltern-Ego-Trip, Teil 2ZoobesuchDie WasserpistoleIch – die Mutter, die HeldinFerien! Oder?Zum Schluss noch dies:Über die Autorin

(Alle Zeichnungen sind von meiner Tochter Aliza, Jahrgang 2005.)

Ehe man eigene Kinder hat, hat man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmaß die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann.

Peter Gallagher

Für meine Lieben

Liebe Eltern (und die, die es noch werden…)!

Als Eltern (und ich denke, dass mir viele andere Mütter und Väter zustimmen werden!) kann es hin und wieder vorkommen, dass die Nerven blank liegen – und ich meine damit wirklich

BLANK BLANK!

Wenn unsere Schimpftirade, die in den meisten Fällen berechtigt ist, in einem Geschrei und Geheul untergeht und die gesamte Lego- und Playmobilsammlung noch nach drei Stunden herumliegt. Wenn die Kids, die bei allen anderen die liebsten Wesen sein können, bei den Worten

«So, jetzt wird aufgeräumt!»

plötzlich unglaubliche Bauchschmerzen bekommen, müde sind oder sich auf die Toilette verkrümeln. Wenn wir das Wasser im Badezimmer gleich kübelweise abschöpfen können, die Corn Flakes bis in die hintersten Ritzen dringen, die Apfelschorle sich über den Boden ergiesst, das Joghurt an den Stühlen runterläuft, der Sand vom Sandkasten das Wohnzimmer in die Sahelzone verwandelt und das Genörgel wegen nichts und wieder nichts kein Ende nehmen will (und solche Tage gibt es!) – ja, dann kann es vorkommen, dass auch die gelassenste Mutter nicht mehr so gelassen ist, wie sie es gerne wäre – oder sein sollte – nach dem Ratschlag von pädagogischen Ratgebern.

HA HA HA!

In der Theorie ist immer alles viel einfacher als in der realen Praxis.

Wir Mütter und Väter sind Pädagogen, Psychologen, Krankenschwester, Seelentröster, Köchin, Putzfrau, natürlich Chauffeur und sogar Klempner (wenn ungeliebte Zahnbürsten kurzerhand in den Abfluss gestopft werden, die wir dann angegraut und mit Algen bewachsen herausfischen müssen) in einem – und manchmal möchten auch wir einfach nur FRAU, MANN oder EHEPAAR sein!

Bei mitunter unterhaltsamen Gesprächen mit Mütter-Freundinnen haben sich mittlerweile viele Anekdoten im Elternsein angesammelt, und auch ich konnte natürlich die eine oder andere Geschichte von «Jöh, herzig» bis „haarsträubend nervenherausfordernd“ beisteuern. Die nachfolgenden Geschichten habe ich aus den vielen Erfahrungen von Eltern zusammengestellt und dafür die Familie Schweizer als Repräsentant für uns Schweizer Eltern erfunden.

Was die Protagonistin Jessica Schweizer und mich persönlich verbindet? Wir lieben das Spiel mit der Mode, studieren Psychologie, arbeiten Teilzeit und unter «beliebter handwerklicher Tätigkeit» verstehen wir weder bügeln noch nähen, sondern die Unterschrift unter den Beleg in einem Schuh- oder Kleidergeschäft zu setzen … (na ja, zumindest hin und wieder …) :)

Ich hoffe, dass Ihnen die Geschichten gefallen und die Mütter und Väter unter den LeserInnen getrost wissen, dass es nicht nur bei ihnen mitunter drunter und drüber geht und der Haushalt in einem Ghetto par excellence zu ertrinken droht. Wer zudem meint, immer perfekt sein zu müssen, sollte diese Ambition, um weitere Krisen zu vermeiden, schnellstmöglich ablegen…

Unsere total normale Familie

Guten Tag, liebe Leserinnen und liebe Leser! Vielleicht sind Sie, wie mein Mann Paul und ich, Eltern. Vielleicht aber auch nicht. Wenn Sie zur Kategorie 1 der (zwangsläufig) Selbstlosen gehören, die um sechs Uhr in der Früh aufstehen, um mit so viel Liebe, wie Sie um diese Zeit aufbringen können, Honigbrötchen zu streichen und Haferflocken einzuweichen, die dann von einer Horde morgenmuffeliger Kinder mit vernichtendem oder angeekeltem Blick doch verschmäht werden, dann werden Sie bei meinen Erzählungen vermutlich öfters seufzend und verständnisvoll mit dem Kopf nicken.

Gehören Sie jedoch zur Kategorie2, den DINKs (double income, no kids), die am Morgen in ihrer schicken und mit Designermöbeln ausgestatteten Wohnung in Ruhe Kaffee trinken und die Zeitung lesen können, mit dem Zwei-Platz-Auto zur Arbeit düsen, ohne dann festzustellen, dass sich wieder einmal Nutella an der neuen Lederjacke festgeklammert hat, das sündhaft teure Kleid von Calvin Klein Fingerfarben abbekommen hat oder man vor lauter Eile vergessen hat, die Puschel-Finken gegen die neuen Prada-Stiefel auszutauschen: dann kommt jetzt eine Warnung, und ich meine damit

WARNUNG!!!

Lesen Sie nur weiter, wenn Sie zu zweihundert Prozent irgendwann einmal Kinder wollen. Beide. Ansonsten könnte das eine oder andere Detail abschreckend auf Sie wirken. Aber zur Beruhigung: Auch wenn das Leben mit Kindern mitunter

nicht planbar,chaotisch,bedrohlichund nervenzusammenbruchfördernd

verlaufen mag, ein Lächeln, eine Umarmung, ein liebevoller Kuss, die Worte «Mami, du bist wuuuunderschööön!» machen den schlimmsten (unabsichtlich) gelegten Brand, das (absichtlich) wasserüberflutete Badezimmer und die pinkfarbene Zahnpasta im weissen Berberteppich wieder wett –

GARANTIERT!

Die nachfolgenden Geschichten erstrecken sich über ein Schuljahr, in welchem

die Zeit rasend schnell vergeht,wir hin und wieder schneller altern, als uns lieb ist,wir uns wünschen, dass die Schulzeit schnell vorüber ist,wir uns wünschen, dass alles nicht zu schnell vorüber ist,wir uns dann doch wünschen, dass es schnell vorüber ist … (siehe 2.)

Strandtag Ende Juli

Outfit:

Azurblauer Bikini von VIX, Sonnenbrille von Gucci, Sonnencreme von Lancaster

Outfit, das ich hätte tragen sollen:

Azurblauer Bikini von VIX, Sonnenbrille von Gucci, Sonnencreme von Lancaster

Noch eine Woche Sommerferien, bevor das neue Schuljahr sowie die Arbeit wieder beginnen und meine Psychologie-Semesterprüfungen näher rücken.

OOOMMM

Jetzt aber liege ich noch am Strand. Mein Körper wird von einem azurblauen Bikini nur an den entscheidenden Stellen knapp bedeckt, meine Sonnenbrille im Jackie-O-Style und mein Raffaello-Strand-weisser Schlapphut lassen mich graziös und promimässig aussehen.

Ich räkle mich unter der Sonne Frankreichs an der Côte d’Azur, die heissblütigen und immer flirtbereiten Franzosen umgarnen mich, wie sie es einst bei Grace Kelly taten, ich nippe an einem exotischen, mehrfarbigen Longdrink in Rot- und Gelbtönen mit dem betörenden Namen «L’amour pour toi», und die berieselnde Melodie eines französischen Chansons schwebt schwerelos durch die Luft wie ein Papillon…

PENG!!!

«Sorry Schatz! Mein Wurfarm ist doch noch nicht eingerostet! Hahaha! Kannst du mal den Ball rüber werfen?»

H-A-L-L-O?

Wütend reibe ich meinen schmerzenden Kopf. Paul tobt mit Jamie, Luca und Lotta den Strand entlang. Nicht an der Côte d’Azur, sondern in Lanzarote am Playa Blanca. Ohne Sue, denn die malträtiert neben mir die Tastatur ihres Smartphones, und ihr iPod läuft von morgens bis abends. Paul und Co. werfen Bälle. Den tattrigen Alten da drüben hätte es fast einen Kilometer nach hinten geschleudert, wenn sich seine Frau, die fünfzig Jahre jünger sein muss, nicht mit einem filmreifen Hechtsprung vor ihn geworfen hätte. Vermutlich steht sie auf die männlichen Traummasse:

80-20-42

80 Jahre alt

20 Millionen auf dem Konto

42 Grad Fieber

Vermutlich heiraten sie erst nächste Woche – bis dahin muss sie darauf achten, dass ihr Alter noch nicht ins Gras beisst, weil sonst seine Ex, die vermutlich nur vierzig Jahre jünger ist, den ganzen Zaster erbt…

Sorry, ich bin abgeschweift und werde schon wieder zynisch – vielleicht liebt sie ihn ja wirklich – oder so ähnlich…

EGAL

Ich könnte Paul killen, dass der mich aus meinem süssen Traum geweckt hat. Da hat mich gerade ein Schmacht-schmacht-Typ mit Kokoscreme von unten bis oben einmassiert und …

VERDAMMT

Soll ich schnell ins Hotelzimmer verschwinden? Natürlich ohne Schmacht-schmacht-Typen – selbst ist die Frau. Muss sie auch sein. Spätestens wenn sie verheiratet ist und Kinder hat.

«HAAAAALLLOOO! Der BAAAAAALLLL!!!»

RHABRHABBRHAB

Ich versuche, den Ball möglichst heftig zu werfen. Dummerweise wird er von einem Windstoss erfasst und knallt einem Typen, der lässig an der Strandbar lehnt, an den Hinterkopf. Der erschrickt so, dass er sein volles Glas Bier ausleert – über einen bärtigen Kerl, der aussieht wie Bud Spencer und der sich jetzt erhebt und auf Spanisch anfängt auszurufen.

SCHEISSE

Warum passiert immer mir so was und nicht anderen?

Der Typ, den ich getroffen habe, ist völlig perplex und guckt sich, den Hinterkopf reibend, um.

AAAALSOOO,

im Prinzip hätte ich ja jetzt einfach gegen den Himmel und sicher in die andere Richtung geschaut – aber da steht der Typ mit der Kokosmassagencreme. Na ja, in meinem Traum hab ich sein Gesicht nicht so genau gesehen (eigentlich gar nicht) – aber so hätte er aussehen können.

Sehr attraktiv! Liebe deinen Nächsten – und wenn er attraktiv und charmant ist, wird dir das noch leichter fallen. Hab ich mal gelesen. Von Mae West glaub ich. Gibt dümmere Aussagen.

HA HA HA

Ich zeige also Zivilcourage. Nennt man das auch so, wenn man selber an einem Schlamassel schuld ist? Na egal, ich stehe auf jeden Fall auf und zupfe meinen Bikini – der wirklich azurblau und sehr hübsch ist – zurecht. Als Stylistin kommt man manchmal an wirklich schöne Teile. Als der Bikini (hoffentlich) perfekt sitzt, werfe ich mich todesmutig