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Zwei Menschen, die sich an einem Rasthof begegnen und die ähnliche Schicksale haben. Zum einen wäre da Harley, ein Transgender, der auf der Flucht vor seiner Vergangenheit ist. Er trifft auf Jean, einen jungen Mann, der zu sich selbst finden möchte. Gemeinsam haben sie vor eine Rundreise um den Gardasee zu machen. Ihr Trip ist oftmals begleitet von schmerzlichen Erinnerungen und dennoch kommen sie ihrem Ziel, inneren Frieden mit sich selbst zu schließen, langsam näher. Wird Harley Jean in sein Geheimnis einweihen?
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Seitenzahl: 376
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11: Jean
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17: Jean
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22: Jean
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26: Jean
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29: Jean
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32: Jean
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35: Jean
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38: Jean
Kapitel 39
Kapitel 40: Jean
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43: Jean
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46: Jean
Kapitel 47
Kapitel 48: Jean
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Nachwort
Ich lauschte den Klängen des Liedes, welches ich damals oft mit meinem Vater in seinem Auto gehört hatte. Es hieß passenderweise Fast Car. Ja, ich erinnerte mich noch gut daran, wie wir zu diesem Song über die Straßen fuhren. Ich vermisste meinen Dad. Und dennoch musste ich einfach weg. Ich wollte nicht ewig in Kassel versauern, dem Kaff durch das zufälligerweise eine Straßenbahn fuhr. Gründe von dort weg zu gehen, hatte ich genug. Eine Fliege landete auf meinem Tisch. Ich ließ sie über diesen wandern, denn ich war ohnehin mit dem Essen fertig. Wie in Trance summte ich das Lied mit. „Hey“, eine ruhige, sowie sanfte Stimme holte mich aus meinem mentalen Zustand. Ein schlanker, großer Mann stand vor mir. Er hatte schwarze Haare, die ihm bis zum Kinn reichten und ein wenig zerzaust waren. „Er wirkt wie ein Professor“, ich musste glucksen, bei diesem Gedanken. Seine Augen waren grün und zogen mich förmlich in ihren Bann. Im Kontrast dazu trug er ein gelbes Basketballtrikot und verwaschene Jeans. Was er wohl von mir wollte?
„Entschuldige“, er hustete. „Ich habe dich von meinem Platz aus beobachtet und gesehen, dass du dieses Lied wohl echt gern hast.“ „Das ist noch untertrieben“, gab ich lachend zurück. „Ich liebe diesen Titel!“ „Oh“, er verschränkte verlegen die Arme. „Na ja, mir geht es ähnlich. D-darf ich …?“ „Dich zu mir setzen? Klar.“ Mir gefiel sofort, dass er mich ohne Weiteres duzte.
Wir bestellten noch einen Kaffee und vertieften uns in ein Gespräch über Musik sowie unsere restlichen Hobbys. Er mochte genau wie ich Comics, Anime und Manga. „So ein Zufall“, ich sah ihn an. „Du ähnelst sogar einem meiner Lieblingscharaktere.“ „Sagt man mir öfter“, er kicherte. „Übrigens, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt … ich bin Jean und du?“ Wow, der Name gefiel mir außerordentlich. „Harley“, antwortete ich. „Echt ungewöhnlich.“ „Ach, na ja“, ich schielte zur Decke, zu der die Fliege gerade flog. „Lange Geschichte.“ Das sagte ich stets, wenn es um meinen Vornamen ging. Er war wie ein geschlossenes Buch, was ich immer bei mir trug und niemals eine andere Person öffnen ließ. „Okay“, meinte Jean. „Ich bohre da nicht weiter nach.“ Ich war ihm ziemlich dankbar dafür. „Was macht eigentlich eine so sympathische Person an einem Ort wie diesem?“ „Ich bin auf der Flucht.“
Bei dieser Aussage von mir, zog er eine Augenbraue empor. „Keine Panik“, fügte ich rasch an. „Ich war nicht im Gefängnis. Es geht eher nun ... sagen wir um Vergangenheitsbewältigung.“ „Ach so“, erleichtert atmete Jean auf. „Und bei dir?“, ich nickte ihm zu. „Etwas Ähnliches in der Art.“ „Warte ...“, ich stützte meinen Kopf ab und sah in seine grünen Augen. „Heißt dass du bist, ebenso wie ich, völlig ohne Ziel?“ „Der Weg ist das Ziel“, Jean zwinkerte. „Hmm … da ist was dran“, ich seufzte. „Ganz ohne eins bin ich jedoch tatsächlich nicht“, offenbarte er mir. „Ich habe vor von hieraus zum Gardasee zu reisen und dort eine Tour um den See zu machen. Praktisch alle Orte aufzusuchen, die am Ufer liegen. Ich weiß, das klingt verrückt, aber es war schon immer mein Traum.“
Meine Handflächen knallten auf den Tisch, während mein Mund sich ungewollt öffnete. „Alles klar bei dir?“ Ich brauchte eine Weile, bis ich die Sprache wieder fand. Was für ein Zufall! Oder war es Schicksal? „Ich habe beinahe das Gleiche vor“, gestand ich. „Mein Hauptziel ist eigentlich Lazise. Dort habe ich die schönsten Tage meiner Kindheit verbracht, deshalb will ich diesen Ort aufsuchen. Auch um Abschied von jener Zeit zu nehmen und von meinem alten Ich.“ „Dann haben wir wohl etwas, was uns eint“, stellte er fest. „Hmm, vielleicht hat man uns ja sogar zusammen geführt.“ Jean lachte. „Bist du ganz allein mit dem Auto unterwegs?“ „Du wirst mich jetzt bestimmt für verrückt erklären ...“, dann weihte ich ihn ein. Zurzeit befanden wir uns auf einen Autorasthof in Bayern. Ich war allerdings nicht mit einem Wagen hier. Um die Wahrheit zu sagen, verfügte ich nicht mal über einen. Stattdessen war ich einige Stationen mit dem Zug gefahren, den Rest dann getrampt. „Machst du öfter solche Aktion?“, seine Pupillen wurden größer. Ich schüttelte den Kopf.
„Normalerweise bin ich recht vorsichtig. Bis ich mich für diese Art der Reise entschieden habe. Jahrelang sparte ich darauf an, bis es schließlich soweit war. Ich wollte den unkonventionellen Weg einschlagen. In meinem Reisegepäck befindet sich auch eine Zeltausrüstung. Falls ich mal keine Unterkunft bekomme, schlafe ich einfach im Freien.“ Ich schien ihn geschockt zu haben, denn einige Zeit saß Jean einfach regungslos da. „Du bist echt einmalig“, resümierte er schließlich. „Das heißt?“ „Das ich bisher niemanden, wie dir begegnet bin und das meine ich durchaus positiv.“ Wir lächelten einander an.
Auch er war anders als jene Menschen, mit denen ich bisher zu tun hatte. Ich fühlte eine gewisse Art von Vertrautheit. Konnte man das so nennen? Jedenfalls schaffte es Jean, dass ich nicht mehr an die Dinge dachte, die in Kassel vorgefallen waren und vor denen ich nun gewissermaßen floh. Zudem schien er mich nicht zu verurteilen. Einige Menschen hier, hatten ihre Augen auf mich gerichtet gehabt und getuschelt. Ich war das ja an sich schon gewohnt. Umso mehr überraschte es mich, dass er mich so einfach ansprach. „Sag mal ...“, setzte Jean vorsichtig an. „Ja?“, ich blinzelte. „Du wirst mich bestimmt für verrückt erklären, wenn ich dich das gleich frage. Ich meine, ich bin ein völlig Fremder und wir wissen nichts über den jeweils anderen. Aber könntest du dir vorstellen mit mir zusammen zu reisen? Wir haben immerhin dasselbe Ziel, nicht wahr?“ Ich lehnte mich zurück und ließ mir sein Angebot durch den Kopf gehen. Ohnehin war ich aufs Trampen oder den Zug angewiesen. Also wieso nicht? Er sah jedenfalls nicht so aus als würde er im Laufe unserer Reise zum psychopathischen Mörder mutieren. Gut, so was konnte natürlich auch täuschen. Dennoch versprach diese Bekanntschaft interessant zu werden. Mein Dad hätte mir wohl in diesem Moment den Vogel gezeigt. „Ja“, lautete mein Entschluss und ich schmunzelte dabei.
Nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatten, gingen wir zu Jeans Wagen. Es war ein metallic-blauer Hyundai i10. Mir gefiel er. Galant öffnete Jean die Beifahrertür. „Nach dir“, sprach er. Ich stieg ein. Nun gab es kein Zurück mehr. Er startete das Auto. Allmählich wurde der Rasthof kleiner. Eine Weile sah ich ihm nach, warum auch immer. „Du bist so ruhig“, merkte er an. „Nun. Wer weiß, was du jetzt mit mir vor hast?“, ich zwinkerte. In jenem Augenblick wurde Jean tiefrot. Er schien wohl schüchtern zu sein. Etwas, was mich letztendlich in meiner Annahme bekräftigte, dass er niemanden Schaden zufügen konnte. „Schon gut“, ich machte eine rasche Handbewegung. „Das war nur ein Witz.“ „Okay“, erwiderte er erleichtert. „Magst du Musik hören?“ „Gern doch“, nahm ich das Angebot an. Jean zeigte mir ein paar seiner Lieblingssongs. In dieser Hinsicht ähnelten wir uns ungemein. „Du scheinst ja förmlich eine Kopie von mir selbst zu sein“, äußerte ich. „Hm?“
„Bis jetzt haben wir genau den gleichen Geschmack“, fügte ich hinzu. „Wie lange warst du denn eigentlich schon auf dem Rasthof?“, wollte Jean wissen. „Ach, ungefähr eine Stunde. Ich hatte vor, einen Teil der Strecke zu trampen und dann eventuell auf den Zug umzusteigen bis ich Lazise erreiche. Jedenfalls bevor ich dich traf. Mal was anderes. Hast du Urlaub oder wie ist das? Ich meine so eine Rundfahrt um den Gardasee, nimmt einiges an Zeit in Anspruch.“ „Wie soll ich sagen ...“, begann er.
Jean war entlassen worden, denn die Firma, für die er gearbeitet hatte, setzte Sparmaßnahmen an. Da er der Letzte war, der gekommen war, musste er gehen. „Außerdem habe ich keine Kinder. Da brauchten die Firmenchefs keinerlei Rücksicht zu nehmen.“ „Hmm, das tut mir echt leid.“ „Schwamm drüber. Ich konnte einiges beiseitelegen und daher habe ich mir diese Auszeit hier genommen. Und bei dir?“ „Ich habe gerade mein Studium beendet. Nebenbei konnte ich immer mal wieder jobben. Da ich recht sparsam lebte, kam einiges zusammen.“ „Verstehe.“ „Ein richtiger Roadtrip, oder?“, fasste ich den Beginn unserer Reise in Worte. „Könnte fast aus einem, dieser unzähligen Hollywoodfilme stammen.“ „Du sagst es.“ Entspannt lehnte ich mich zurück und begutachtete die Landschaft. Mindestens musste ich nun nicht mehr alleine den restlichen Weg reisen. Manche meiner Fahrer, waren ziemlich seltsam gewesen. Ein Wunder, dass ich es bisher überhaupt unbeschadet bis hierher geschafft hatte.
Ich konnte meine Eltern förmlich aufschreien hören. „Kind, wieso machst du solche Aktionen? Weißt du gar nicht, was dir alles widerfahren kann?“ Ja, ja so waren sie nun einmal. Berge zogen an uns vorbei. Ich verspürte Müdigkeit, daher sanken mir die Augen zu. Als ich wieder aufwachte, befanden wir uns mitten im Stau. „Na toll“, stöhnte Jean. Ich gähnte geräuschvoll. „Stehen wir schon lange?“ „Ein paar Minuten. Du warst wohl ziemlich k.o., was?“ „Oh ja“, ich rollte mit den Augen. „Ich bekam seit längerem keinen richtigen Schlaf mehr.“ „Nur zu“, er grinste. „Wenn du dich noch ein wenig aufs Ohr legen magst, kannst du das jederzeit tun.“ „Danke dir“, ich streckte mich. „Aber jetzt geht es zum Glück. Ich kann dich schließlich nicht gänzlich alleine lassen.“ Neben uns stand ein Auto, in welchem sich eine vierköpfige Familie befand. Die Kinder quengelten wohl gerade, während der Vater, das Gesicht in tiefe Falten zog. Oh je, ob ich damals genauso war?
Ich versank in Gedanken. Schon damals war ich ein Kind gewesen, was frei von Rollenklischees lebte. In der Kindheit war man frei. Man wurde einfach als Mensch angesehen, was im Erwachsenenalter plötzlich gänzlich anders aussieht. Zum ersten Mal, bemerkte ich es mit fünf Jahren, dass ich mich von meinem Freundeskreis unterschied. Ich hatte damals einen Kumpel, mit dem ich täglich abhing. Öfter bauten wir beide ziemlichen Mist, ganz zum Ärger unserer Eltern. Haargenau erinnerte ich mich beispielsweise an jenen Tag, an dem wir in einen Silo hinein geklettert waren und nicht mehr heraus kamen. Zum Glück fand uns sein Vater. Die Moralpredigt hatte ich heute noch im Kopf. Wie gesagt, wir zwei waren eben zwei ziemliche Chaoten. Worauf wollte ich hinaus? Ach ja, woran ich merkte, dass ich nicht der Norm angehörte. Hin und wieder beobachtete ich meinen Freund. Neid kam in mir empor. Ich konnte es zu dieser Zeit nicht zuordnen, denn ich war nun mal ein Kind.
Schon immer fand ich männliche konnotierte Körper schöner als weibliche. Und daher hasste ich die Veränderungen, die sich an meinem eigenen zeigten. In jenem Alter spürte ich zum ersten Mal diese Diskrepanz. Hinzu kam, dass meine Mutter mich ständig in Mädchenkleidung stecken wollte. Natürlich wehrte ich mich mit Händen und Füßen dagegen. Falls man es bisher nicht merkte, ja ich erhielt bei meiner Geburt die Zuweisung als Frau. Aufgrund meiner Erläuterungen, ließe sich schließen, dass ich ein trans Mann war, aber so einfach war es leider nicht. Im gewissen Sinne vereinte ich beides in mir: Sowohl eine männliche, als auch eine weibliche Seite. Ganz bewusst verzichtete ich auf Begriffe wie im falschen Körper geboren, denn für mich war die Biologie eher ein Spektrum. Zum Normativen, wie es die Gesellschaft bezeichnete, zählte ich allerdings nie.
Bekannte fragten immer wieder, ob ich nicht einfach eine burschikose Frau wäre. Auch das traf es nie! Besonders da ich mich mehr mit meinem männlichen Part identifizieren konnte. Dennoch wollte ich zunächst keine komplette, geschlechtsangleichende Operation. Aber gewisse Schritte vollzog auch ich. Ganz zum Entsetzen meiner Eltern. Am Schrecklichsten war das wohl für meine Mutter, denn nach meinem letzten Eingriff, konnte ich nun keine Kinder mehr bekommen. Ich war mir dessen jedoch im Klaren gewesen. Ohnehin stand dies immer in Fragezeichen. Durch eine genetische Hormonstörung war ich selten in der Lage zu menstruieren. Andere körperliche Eigenschaften, die mich zu meinen weiblichen Freunden abgrenzten, waren eine Folge dieser.
„Harley?“, Jean stieß mich an und ich fuhr herum. War ich eben so sehr in Gedanken versunken? „Du wirkst ein wenig betrübt. Oder täusche ich mich da?“ „Ach was“, winkte ich ab. Wir waren immer noch kein Stück voran gekommen. Jean fragte mich, ob ich etwas trinken wolle, was ich dankbar annahm. Er reichte mir eine Dose Cola, die er auf dem Rücksitz deponiert hatte. „Tut das gut“, seufzte ich glücklich, nachdem ich einen großen Schluck nahm. Er musste lachen. „Hä?“, fragte ich blinzelnd. „Nun, dass sieht so aus als hättest du seit Ewigkeiten nichts mehr getrunken.“
Ich errötete. „Sorry“, erwähnte ich und hustete. „Kein Problem“, tat Jean ab. Ich wollte mehr über diesen Menschen wissen, der völlig vorurteilsfrei und zuvorkommend war. „Erzähl mir mehr von dir“, bat ich. Jean stieß einen tiefen Seufzer aus. „Was möchtest du denn alles wissen?“ „Alles was deinen bisherigen Lebenslauf angeht“, ich zwinkerte. „Also ...“, er überlegte. „Ich habe zwei Schwestern. Eine ist älter und die andere jünger als ich. Diesbezüglich bin ich also ein Sandwichkind. Was gibt es da noch, was interessant wäre? Wir hatten mal einen Hund. Allgemein liebe ich Tiere, konnte mir aber später nie ein Haustier anschaffen, da ich beruflich so eingespannt war. Bis eben jene Sache passierte. Ich bin 1,82 groß und wie du siehst, leider nicht sonderlich muskulös. Obwohl ich oft versucht habe Muskeln aufzubauen. Sachen, die ich mag, kennst du ja bereits. Dinge, die ich weniger leiden kann sind arrogante, selbstverliebte Menschen, Tierquäler, Rassisten, Vorurteile im Allgemeinen … ach und Zwiebeln. Ich hasse sie regelrecht. Also falls wir je gemeinsam kochen sollten … ist das eine Zutat auf die ich gut und gerne verzichten kann.“
Ich schmunzelte. „So du verspürst eine Abneigung gegen Zwiebeln? Da haben wir wieder was gemeinsam. Wie sieht es mit deinen dunklen Seiten aus?“ „Meinst du jetzt irgendwelche Fetische oder ob ich jemals was Verbotenes angestellt habe?“ „Ersteres ist zwar durchaus interessant“, erwiderte ich amüsiert. „Aber Letzteres interessiert mich erst mal mehr.“ „Da muss ich dich wohl enttäuschen“, er gab mir einen leichten Klaps auf die Schulter. „Freunde meinten sogar immer, ich sei ein wenig zu brav.“ „Wieso enttäuschen? Du bist wahrscheinlich der Erste, den ich kennenlerne, der mal keine Leichen irgendwo versteckt hat.“ „Oha, so schlimm bei dir?“ Ich nickte betrübt. Er sah mich an. Die grünen Augen schienen förmlich in meine Seele zu blicken. „Oh“, kam es plötzlich von Jean. „Es geht endlich weiter.“ Die Autos setzten sich wieder in Bewegung. Auch die Familie, die neben uns fuhr, schien erleichtert zu sein. Wir fuhren durch bis wir die Schweiz erreichten. Dort machten wir eine Pause. Schweiß rann Jean von der Stirn. „Oh man, so eine Fahrt kann echt anstrengend sein.“ „Glaube ich“, bestärkte ich ihn. Die Aussicht vom Platz hier war wirklich überwältigend. Genauso wie ich es in Erinnerung hatte von den Reisen mit meinen Eltern. Wir suchten das Café auf. Zum Glück gab es eins, denn Jean und ich waren beide regelrechte Kaffeejunkies. Er bezahlte mir meinen, obwohl ich protestierte. „Allerdings revanchiere ich mich dann auch mal bei dir“, sprach ich rasch als mir Jean meinen Kaffee brachte. „Ui“, er grinste. Ich gab ihm einen Stoß in die Seite. „Nicht so wie du denkst!“ Mein Gesicht begann zu glühen.
Jean hatte eben etwas, was mich nervös machte. Jedoch auf eine positive Art und Weise. Draußen setzte bereits die Abendröte ein. Wir wurden in ein sanftes Licht gehüllt. Ich fragte mich, was für Menschen Jean wohl kannte und wie seine bisherigen Beziehungen verlaufen waren. „Schon seltsam, mit einer völlig fremden Person zu reisen“, sprach ich innerlich zu mir selbst. „Also ich denke, dass wir uns erst mal eine Unterkunft suchen sollten“, meinte er. „Du siehst auch ziemlich müde aus. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich total schlapp. Ich könnte jetzt wirklich ein kuscheliges Bett gebrauchen.“ „Klar“, äußerte ich. „Du bist immerhin der Fahrer, daher richte ich mich ganz nach dir.“ „Glücklicherweise war ein Kumpel schon mal in dieser Gegend und hat mir ein kostengünstiges Motel genannt.“ Ein wenig Schlaf wäre wirklich was Feines. Ich stimmte innerlich vollkommen zu. In einem Rutsch tranken wir unsere Becher aus und gingen zum Auto zurück.
Jean hielt vor einem urig wirkenden Haus. Das Alter des Gebäudes konnte ich nicht schätzen. Aber mir war eigentlich jeder Schlafplatz recht. „Hallo“, grüßte mein Begleiter die Frau am Empfang freundlich. „Wir hätten gerne für die Nacht ein Zimmer.“ Er blickte zu mir, als wolle er mich fragen, ob das Ganze für mich okay sei. Ich machte eine leichte Kopfbewegung. Ein wenig war mir zwar unbehaglich, erst recht wegen meiner Körperlichkeiten, aber wir waren nun zusammen unterwegs, daher war es okay. Ich vertraute ihm bereits jetzt. Er entfachte einfach die Basis Grundvertrauen, die kaum einer bei mir geschaffen hatte. Die Dame, sie war etwa mittleren Alters und zwei Köpfe kleiner als Jean, mit leicht grau melierten Haaren, reichte ihm den Schlüssel. Eine Zeit lang starrte sie mich an. Ich kannte dies schon. Viele, die nichts mit mir zu tun hatten, schenkten mir genau jenen Blick. Und ich wusste genau, was er bedeutete: Ist dies ein männliches oder weibliches Wesen?
„Gehen wir?“, wollte Jean wissen. „Ähm, ja natürlich“, lautete meine Antwort und ich folgte ihm. Das Haus war recht altmodisch mit Holzdielen, Teppichen, die höchst wahrscheinlich aus den 50ern stammten, diversen Küchengegenständen, die als Deko verwendet wurden und Hirschschädeln an der Wand. Ich schluckte. Man könnte echt denken, diese Pension wäre die Location für einen neuen Horrorstreifen. „Sehr einladend“, zischte ich Jean zu. „Na ja, mindestens stimmt der Preis.“ „Für eine Nacht geht es auf jeden Fall. So lange kein Michael Myers hierher kommt.“ Er brach in Gelächter aus. „Quatsch. Jedenfalls habe ich nie solche Meldungen mit bekommen und falls du Angst haben solltest, bin ich ja da.“
Unser Zimmer war einladender wie der gesamte Rest des Hauses. Das Bad war am anderen Ende des Flures. „Ich werde gleich mal duschen gehen“, meinte ich. „Tu dir keinen Zwang an.“ Jean ließ sich auf dem Bett nieder und streckte alle Viere von sich. Ich stellte meinen Rucksack ab, kramte nach meiner Wechselwäsche und schnappte mir ein Handtuch, welches uns die Rezeptionsdame mit gegeben hatte. Danach stiefelte ich zum Bad. Ich musste unwillkürlich an Jean denken und schüttelte den Kopf. „Du kennst ihn gerade mal einen Tag“, tadelte ich mich selbst. Ich schloss die Tür ab und hockte mich auf die Kante der Wanne. „Oh je“, lachte ich in mich hinein. Langsam zog ich meine Sachen aus. Meine Augen streifen den Spiegel, der über dem Waschbecken angebracht war. Die Narben unter der Brust würde ihm sofort auffallen. Ich verzog das Gesicht.
Es gab Tage, da war mir mein eigener Anblick fremd. Dann wiederum fand ich ihn nicht gänzlich schlecht. Schon seltsam. Ich weiß noch wie ein Therapeut mir unterstellen wollte, dass ich unter Entscheidungsschwierigkeiten litt. Nur weil ich die letzte Operation nicht in Erwägung zog. Sie hatten eben alle keine Ahnung, denn es war mein Körper, meine Seele, meine Entscheidung sowie mein Leben. Seufzend kroch ich aus meiner Jeans heraus. Da ich schon einige Jahre trainierte, war mein Bauch flach. Ich hatte sämtliche Kurven von einst einfach ausradiert. Meine Finger strichen über die Muskeln, die sich deutlich abzeichneten. Ich konnte mit Recht sagen, stolz auf dieses Ergebnis zu sein. Galant schlüpfte ich aus dem Slip. Ehrlich gesagt, was sich unterhalb meiner Gürtellinie befand, war mir schon immer egal gewesen. Dadurch definierte ich nicht mein Selbst. Im Gegenteil. Menschen die dies taten, bemitleidete ich eher. Wenn ich mich auf eine Person körperlich einließ, war es stets mehr als bloßer Sex. Ich fühlte denjenigen voll und ganz. Außerdem musste ein gewisser Grad an Charisma vorhanden sein, damit ich mich einem Menschen nah fühlen konnte. Wahrscheinlich unterschied mich auch das von dem Rest.
Das Wasser floss über meinen Körper und ich atmete befreit auf. Ich schloss die Augen, einfach um diesen Moment der Stille und Ruhe zu genießen. Schon damals war ich eher ein introvertierter Mensch gewesen. Gespräche fielen mir nie leicht. Smalltalk? Keine Chance. Ich ging dem eher aus dem Weg, außer es musste unbedingt sein. Langsam öffnete ich die Lider und griff nach dem Duschgel. Allmählich fühlte ich mich wieder erfrischt. Wahrscheinlich hatte ich die Dusche echt gebraucht. Der Raum füllte sich, mit dem mir vertrauten Nebel. Ich trat aus der Wanne und wischte mit der Handfläche über den Spiegel. Dort sah ich ein androgynes Wesen mit hellblonden Haaren und grau-blauen Augen. Jene mochte ich am liebsten an mir. Sie waren schier riesig. In der Schulzeit wurde ich daher oft gefragt, ob ich nicht aus einem Anime stammte. Schön wäre es. „Jean möchte bestimmt auch duschen“, kam mir plötzlich in den Sinn. Hastig kleidete ich mich an. Ich eilte förmlich über den Flur, zurück in unser Gästezimmer. „Du bist ja fertig“, Jean grinste. „Dann gehe ich auch mal ins Bad.“ „Verlauf dich nicht“, ich streckte ihm die Zunge raus. Er nahm es gelassen hin. „Bis später“, gab er gut gelaunt zurück. Dann verschwand er. Nervös ließ ich mich auf das Bett nieder. Jetzt stand es also fest … wir schliefen in einem Zimmer. Ob das gut ging?
Jean
„Harley“, flüsterte Jean. Er wusste nichts über ihn, außer das, was sie sich während ihrer Zeit im Auto und im Café erzählt hatten. Allerdings hatte er ihn eine Weile beobachtet. Harley hatte mit dem Kopf zur Musik mit gewippt und leise gesummt, was er als sehr sympathisch empfand. Da musste Jean ihn einfach ansprechen! Sie verstanden sich auf Anhieb gut. Er und der Fremde, mit den eindringlichen grau-blauen Augen und dem leicht melancholischen Blick. Am liebsten hätte er ihn in den Arm genommen. Harley kam so rüber, als wäre er von einer Traurigkeit erfüllt, aus der er nicht so leicht alleine herauskommen konnte. Auch nachdem er den Wasserhahn angestellt hatte, verharrten seine Gedanken bei ihm. Ja, Jean fand Harley ziemlich attraktiv. Zumal seine Androgynie etwas Zerbrechliches ausstrahlte, was es zu beschützen galt. „Vielleicht finde ich noch mehr über ihn heraus“, sagte er leise. Jean fuhr hinunter und schüttelte dann den Kopf. Er würde es in keinster Weise ausnutzen. Harley vertraute ihm. Was im Übrigen auf Gegenseitigkeit basierte, das spürte er.
Normalerweise sprach er nicht einfach fremde Männer an. Bei seinem unfreiwilligen Comingout hatte er die Hölle auf Erden erlebt, was sich immer noch tief in Jeans Bewusstsein eingebrannt hatte. Dabei war es schon ein Jahrzehnt her und zwar als sich sein Abschluss, Jean absolvierte damals das Abitur, dem Ende entgegen neigte. Eigentlich wollte er ungeoutet das letzte Jahr überstehen. Doch leider kam alles raus. Ein Mitschüler, dem Jean ohnehin ein Dorn im Auge war, hatte es heraus gefunden. Dann ging es ganz schnell…mit ein paar Leuten, lauerten sie ihm auf. Die Schläge waren noch das Harmloseste. Doch das war eine andere Geschichte. Gerade wollte er einfach diesen Moment vergessen. Ob Harley bereits schlief? Er musste sich ein Lachen verkneifen. Sein Gesicht war recht schockiert gewesen, beim Anblick der Herberge. „Ich werde den Kleinen schon beschützen“, sprach Jean aus und nickte seinem eigenen Spiegelbild zu. Danach zog er sich an. Vorsichtig öffnete er die Tür. Harley lag rücklings auf dem Bett. Er setzte sich zu ihm.
„Du bist ja noch wach“, stellte Jean fest. „Ja“, Harley gähnte geräuschvoll. „Habe noch auf dich gewartet. Aber so langsam fallen mir echt die Augen zu.“ „Dann schlafe“, er lächelte seinen Begleiter an. Diesem sanken dankbar die Lider zu. Innerhalb kürzester Zeit war Harley in tiefen Schlaf gesunken. Jean breitete fürsorglich die Decke über ihn aus. „Süße Träume“, flüsterte er. Danach lehnte er sich zurück und sah auf sein Handy. Seine älteste Schwester hatte ihm geschrieben. Er war nun schon länger fort und sie vermisste ihn. So stand es in der Nachricht. Natürlich meinte sie es nur gut. Seine gesamte Familie. Auch seine jüngere Schwester sowie seine Mutter hatten ihm Nachrichten geschickt. Jean gab einen leisen Atemzug von sich.
Entschlossen, dass er ihnen morgen schreiben würde, legte er das Handy auf den Nachtspind. Er schlüpfte aus der Jeans und kroch nun ebenfalls unter die Bettdecke. Eine Weile beobachtete er Harley, der schon längst im Land der Träume war. „Was wenn er es erfährt?“, dachte Jean. Immer wieder plagte ihn diese Angst, wenn er eine sympathische Person kennenlernte. Nicht nur die Sache an seiner Schule, sondern die stetig währende Diskriminierung bezüglich seiner Sexualität machten ihm zu schaffen. Jeans Mutter nahm es ziemlich gelassen hin. Seine Schwestern waren ohnehin auf Jeans Seite. Doch sein Vater? Nach seinem Outing war dieser plötzlich recht gefühlskalt zu Jean gewesen. Zuvor führten die beiden eine harmonische Vater-Sohn-Beziehung. Oftmals gingen sie zusammen kicken im Park oder machten andere Sachen. Jean betrachtete seinen Vater als Vertrauten. Wenn er mal an einem Schulfach scheiterte, so hatte er es als erstes seinem Vater gebeichtet. Selbst die ewig währenden Streitereien seiner Eltern, hatten daran nichts zerrüttet.
Und nun? Jean hielt sich die Hände vor das Gesicht. Er kämpfte gegen die Gefühle an, die in ihm aufstiegen. Zum Glück bekam Harley davon nichts mit. Wenn es etwas gab, was er hasste, dann war es, zu weinen während andere Menschen in der Nähe waren, für die er Interesse entwickelt hatte. „Ich sollte es ihm gleich tun“, sprach Jean zu sich selbst. Heute Nacht konnte er sowieso kaum etwas machen. Alles was er wollte, war seinen Traum zu verwirklichen. Eventuell konnten sie sich so endlich einander nähren.
Ich erwachte in aller Frühe. Die Sonne schien in unser Zimmer. Vorsichtig drehte ich mich auf die Seite und sah direkt in das Gesicht des schlafenden Jean. Ich musste kichern. Er sah schon niedlich aus, wie er so da lag mit leicht geöffnetem Mund. Langsam stieg ich aus dem Bett. Ich ging zum Fenster und schob die Gardine ein wenig zur Seite, so dass ich die Aussicht genießen konnte. Letztendlich war es hier doch schön, trotz meiner anfänglichen Bedenken. Wir konnten immerhin direkt auf die Berge sehen. Ein paar Vögel flogen an mir vorbei und es kam mir für einen Moment vor, als würde ich schweben. „Hmm, vielleicht sollte ich runter gehen und Jean Frühstück holen?“, überlegte ich. Meine Augen suchten den Boden nach meinen Sneakers ab. Als ich sie fand, zog ich sie an und schlich zur Tür. Ich wollte Jean schließlich nicht wecken. Wir hatten noch eine ziemliche Strecke vor uns. Er sollte diese ausgeruht angehen.
„Ähm … entschuldigen Sie“, krächzte ich, nachdem ich die Rezeptionsdame am Schalter sah. „Kann man hier irgendwo etwas zu essen kaufen?“ Sie brach in Gelächter aus. Hatte ich was Falsches gesagt? „Hier ist Frühstück mit inbegriffen“, erklärte sie. Dann dämmerte es mir. Gestern, beim einchecken, hatte sie genau das bereits Jean erzählt. Ich Dummerchen. Vor lauter Nervosität war ich mit den Gedanken völlig woanders gewesen. „Aber wenn sie auf dem Zimmer essen möchten, können sie es gerne mit nehmen.“ Sie wies mir den Weg in den Frühstückssaal. Dort schnappte ich mir ein Tablett und belud es mit Brötchen, Marmelade und zwei Tassen Kaffee für uns. „Geht das?“, fragte mich ein anderer Gast. „Ja“, ich nickte. „Trotzdem danke.“ Dennoch hielt er mir die Tür auf. Manchmal verwirrte es mich, wenn Menschen dermaßen zuvorkommend zu mir waren. Die meisten sahen eher abwertend auf mich herab.
Na ja, als ich noch wie eine Frau aussah jedoch nicht. Diesen Teil meiner Vergangenheit wollte ich vergessen. Selbst wenn mich viele für das hassten, was ich war. Für mich war es immer noch weitaus besser als ein Leben lang eine Lüge zu leben und sich verstecken zu müssen. Davon hatte ich mittlerweile nämlich genug. Nie mehr wollte ich verstecken, was und wer ich war. Galant öffnete ich die Tür zu unserem Zimmer, unter Einsatz meines Ellbogens.
Jean war bereits wach und saß aufrecht im Bett. „Wow, du warst wohl schon fleißig?“, bemerkte er. Ich grinste ein wenig verlegen und stellte das Tablett auf den Tisch. „Möchtest du Kaffee?“, bot ich ihm an. Natürlich sagte er da nicht nein. Auch ich nahm meinen Becher und setzte mich auf das Bett.
Wirkte Jean nervös? Oder bildete ich mir das nur ein? Eine Woge des Schweigens lag über uns. „Uhm ...“, begann er. „H-hattest du denn zumindest eine angenehme Nacht?“ „Jep“, ich bestätigte meine Aussage mit einem Nicken. „Hätte ich kaum für möglich gehalten, aber heute Morgen strahlte die Herberge eine beruhigende Atmosphäre aus, anders als zum Zeitpunkt unserer Ankunft.
Wie war es bei dir?“ „Ach, kann nicht klagen“, er nahm einen Schluck seines Getränkes. „Du hättest mich ruhig wecken können, dann hättest du das Tablett nicht alleine hierauf schleppen müssen.“ „Quatsch“, sprach ich. „Ich habe mal eine Zeit lang in einem Café gearbeitet. Daher bin ich in solchen Sachen geübt. Mach dir da keine Gedanken.“ „Hmm“, er senkte die Lider. „Trotzdem.“ Jean war wirklich ein höflicher Mensch. Jemanden wie ihn hatte ich selten kennen gelernt. Es schien, um ehrlich zu sein, schon Lichtjahre her zu sein. Ich schielte erneut zum Fenster.
„Die Aussicht scheint es dir wohl angetan zu haben?“, unmerklich strich mir Jean eine Haarsträhne zur Seite. „Am liebsten würde ich eine Weile hier bleiben“, seufzte ich. Unmerklich bekam ich eine Gänsehaut. „Idiot“, schimpfte mich meine innere Stimme aus. „Es war nur eine einfache Berührung.“ Aber dennoch. In dieser lag so viel mehr. Zumal ich in der Vergangenheit selten zärtlich behandelt worden war, daher versuchte ich dieses Gefühl in mir zu verdrängen. Also redeten wir über unsere weitere Reise. In einer Stunde wollte Jean aufbrechen. Wir nahmen uns ein paar Brötchen für die Fahrt mit. Jean half mir beim Zusammenpacken. Er bezahlte ebenso unsere Unterkunft. In mir kamen Gewissensbisse auf. „Jetzt bleib locker“, äußerte er und zwickte mir leicht in die Seite.
„Früher habe ich sehr vielen Menschen, auch solchen die es eigentlich nicht verdient haben, geholfen. Ich stellte andere stets über mich selbst. Tja, bis ich erkannte, dass ich mich selbst damit zerstöre. Du jedoch bist anders. Bei dir spüre ich, dass etwas zurück kommt und du nicht undankbar bist. Das merke ich mittlerweile ziemlich schnell.“ Ich errötete. Jean hatte eine hohe Meinung von mir. Im Endeffekt behielt er Recht. Sobald sich die Gelegenheit ergab, würde ich mich bei ihm revanchieren. Wir verabschiedeten uns von der Rezeptionsdame, die uns eine gute Reise wünschte.
Als wir im Auto waren, stellte Jean das Radio an. Er startete den Motor und wir fuhren los. Allmählich wurde das Gebäude kleiner. Meine Lippen formten wortlos die Wörter „lebe wohl“.
Ein bekannter Song aus den 90ern lief und Jean sang ihn lauthals mit. Seine Stimme war wahrlich schrill. Irgendwie steckte er mich mit dieser Art an und ich grölte zu dem Beat mit. Wir mussten gerade ein schräges Bild abgeben. Nachdem die letzten Klänge ertönten, verstummten wir mit einem Mal. „Ich glaube, das letzte Mal, wo ich laut mit gesungen habe, war in meiner Kindheit gewesen“, offenbarte ich Jean. „Echt?“, er blinzelte. „Ich mache das oft. Gut, ich weiß selbst, dass meine Stimme gewöhnungsbedürftig ist. Aber was soll's? Nobody is perfect, wie man so schön sagt.“ Insgeheim bewunderte ich ihn. Er war erwachsen, hatte sich dennoch das innere Kind bewahrt. Wahrscheinlich fühlte ich mich deshalb so wohl bei ihm. Ich versank erneut in Gedanken.
Manchmal sah ich die Vergangenheit wie einen Film vor mir. Ich konnte ihn beginnen und anhalten wo auch immer ich mochte. Je älter ich wurde, desto düsterer wurde er. Anfangs war er friedlich und voller Lebensfreude. Ich hatte eine tolle Kindheit gehabt. Täglich erlebte ich Abenteuer gemeinsam mit meinem besten Kumpel. Uns erschien es, als konnten wir hin gehen, wo immer wir wollten. Der Sommer war unendlich und selbst der Winter bot mehr als heutzutage. Ich vermisste des Öfteren diese Unbeschwertheit jener vergangenen Tage. Mir kamen Gespräche zwischen meinem Großvater und mir in den Sinn. Die Ferien hatte ich nämlich meistens bei meinen Großeltern verbracht. Auf dem Bauernhof nebenan wohnte mein damaliger bester Freund.
Mein Opa hatte mich immer wie seinesgleichen, wie einen Sohn, behandelt. Er brachte mir viele nützliche Dinge bei. Wenn es mal Arbeit im Haus gab, spannte er mich, auf meinen eigenen Wunsch, mit ein. Wie man sehen konnte: Er nahm mich ernst und genau das war es, was unsere Beziehung besonders machte.
Ich liebte ihn von ganzem Herzen, ebenso wie meine Oma. Sie machten mich zum glücklichsten Kind der Welt. Bei ihnen war ich ganz einfach der Mensch, den sie liebten und kein Geschlecht. Ich spürte eine sanfte Berührung an meinem Armen. „Hm?“ „Du schienst wieder völlig versunken in deinen Gedanken zu sein“, sagte Jean. Ihm war es wohl bereits aufgefallen. Ich war nun einmal ein Tagträumer. Als Kind erschuf ich mir beispielsweise meine eigene Welt. Da ich ein Anime Fan der ersten Stunde war, erschuf ich mir imaginäre Freunde, ganz im Stil meiner Lieblingsanimehelden.
So war ich nie allein. Und hinzu kam, dass ich alles sein konnte, was ich mir erträumte. Ich steuerte riesige Mechas, fungierte als Ritter und verfügte über erstaunliche Kräfte. Es gab keine Grenzen! Mit fünfzehn allerdings schwand meine Fantasiewelt mehr und mehr. Die Realität holte mich ein. Meine Mitschüler ignorierten mich immer größtenteils, doch plötzlich mutierte ich zum völligen Außenseiter. Die Mädchen begannen sich nun extrem weiblich zu stylen und hatten ihre ersten Freunde. Tja und die Jungs wurden zu regelrechten Draufgängern. Ich blieb da auf der Strecke: Zu feminin um ein echter Kerl zu sein und zu burschikos um mich als Mädchen zu bezeichnen. Für die anderen war ich ein Freak. Jemand, den sie nicht verstanden. Selbst meine damalige beste Freundin wand sich langsam von mir ab. Ich verbrachte die Pausen alleine. Oftmals musste ich mir dumme Kommentare anhören. Daher hasste ich diese Zeit. Erst mit knapp siebzehn Jahren änderte sich dieser Zustand wieder. Der Rest der Klasse integrierte mich, besonders da ich, im Gegensatz zu den anderen Mädchen, nie herum zickte. Jene Zeit war somit eine der bedeutungsvollsten meines Lebens.
Dann kam der Abschluss. Ich schrieb mich für das Fachabitur Richtung Gesundheit ein, gemeinsam mit einer Freundin. Wir verloren uns aus den Augen. Jeder entwickelte andere Interessen und das trotz unseres gemeinsamen Freundeskreises. Außerdem überforderte mich mein Leben. Wo wollte ich überhaupt hin? Was war mein Ziel? Ich bewarb mich für eine Ausbildung und wurde angenommen. Entgegen aller Erwartungen absolvierte ich diese sogar recht erfolgreich. Eine Weile arbeitete ich weiter in diesem Bereich, wobei die Stellen stets zeitbegrenzt waren. Nach dem letzten Vertrag entschloss ich mich dann doch, das Fachabi anzustreben, an einem Kolleg, welches extra auf Erwachsene ausgerichtet war. Ich hatte wirkliche Angst, was mich erwartete aber meine Klasse und die meisten Lehrer waren top. Am besten verstand ich mich mit meinen männlichen Mitschülern, die mich als festen Bestandteil ihrer Gruppe ansahen.
Zu dieser zählte eine weitere Freundin, die ebenso recht maskulin rüber kam. Eines Tages nahm sie mich beiseite. „Ich muss mit dir reden.“ Nie werde ich ihren Blick vergessen, der ansonsten einer wahren Frohnatur glich, nun jedoch ernst und durchdringlich wirkte. Mit einem Seufzen erläuterte sie mir alles. Sie war ein trans Mann und nur ihr Freund, ich und ein paar Familienmitglieder wussten davon. Ihr, beziehungsweise ihm, fiel es mit jedem fortgeschrittenen Tag schwerer, die Rolle als Frau aufrecht zu erhalten. Ich konnte das so gut verstehen. Und dies war der Startpunkt. Es fiel mir mit einem Mal ganz leicht es auszusprechen, es beim Namen zu nennen.
„Ich bin auch keine Frau“, schoss es damals aus mir heraus. Sie/er hatte eine Augenbraue hoch gezogen. „So?“ „Ja“, ich nickte und erklärte meinen Gefühlszustand. Dass ich mich bereits mein ganzes Leben, jedenfalls ab dem Zeitpunkt, an dem ich mich zurück erinnern konnte, zwischen den Geschlechtern stand, meine maskuline Seite sogar überwog. Erst bekam ich Panik nicht ernst genommen zu werden, doch weit gefehlt. Es war das erste Mal, dass man mich verstand. Mein Empfinden und meine Wahrnehmung waren somit real und nicht erfunden.
Ab jenen Tag begriff ich mich selbst immer mehr. Ich stand zu mir und dem was ich war. Selbst die stichelnden Kommentare von meinem Ex-Freund nahm ich gelassen hin. Öfter versuchte er mich zu demütigen, alleine schon um seine eigene Psyche aufzuwerten. Mit jenem Tag schaffte er es nicht mehr. Ich trennte mich von ihm und eine weitere Last fiel von meinen Schultern. Ob ich das ohne meine Zeit am Kolleg geschafft hätte? Noch heute grübelte ich darüber. Vielleicht, aber dann hätte es mit Sicherheit nochmals mehrere Jahre gedauert und wer wusste schon wo ich gelandet wäre?
Ich schüttelte den Kopf, um mich aus meinem Flashback zu holen. „Entschuldige Jean“, warf ich ein. „Schon okay“, er schmunzelte. Eine Hand legte sich auf meine Stirn und fuhr durch mein Haar. Erneut bekam ich eine Gänsehaut. „Ob du es glaubst oder nicht. Ich habe so etwas auch oft. Manchmal braucht man seine Tagträume eben.“ Ich betrachtete ihn eindringlich. Ja, ich konnte mir gut vorstellen, dass Jean ein melancholischer Mensch war. Das war eine weitere Gemeinsamkeit.
„Hast du Hunger? Ich könnte mir ein wenig die Beine vertreten und ein Imbiss geht schließlich immer oder?“ Da sagte ich nicht nein. Wir waren schon eine Weile gefahren. Jean steuerte einen Rasthof an. Mittlerweile hatten wir Italien erreicht. Die ersten Palmen, die mir ins Auge stachen, erheiterten sofort mein Gemüt. „Ist dir nicht warm?“, Jean deutete auf meinen Pullover. Seit Bayern hatte ich nur lange Shirts getragen. Verlegen lachte ich auf. „Geh schon mal vor, dann wechsele ich schnell das Oberteil“, riet ich ihm. Er gab mir die Autoschlüssel. „Bis gleich. Ich suche uns schon mal einen Platz.“ Er verschwand. Mein Körper entspannte sich allmählich. Ich war aufgeregt, da ich Jean ungern meinen nackten Oberkörper zeigen wollte. Sicher würde dieser Moment ohnehin kommen, aber es sollte keineswegs zu schnell sein. Ich wusste auf die Fragen, die er mit Sicherheit bezüglich meiner Narben stellen würde, noch keine vernünftige Antwort. „Versuche es mit der Wahrheit“, verhöhnte mich meine innere Stimme.
Ja, sicher. Und dann würde er sich abwenden. Es war immer dieselbe Leier. Obwohl mir mein Gefühl sagte, dass Jean anders war. Ich griff mir ein T-Shirt und zog den Pulli aus. Nachdem ich an mir hinunter gesehen hatte und das Ganze als okay empfand, schloss ich das Auto ab. Der Parkplatz war beinahe leer, was ungewöhnlich war, immerhin kam die Hauptsaison näher. Mein Blick suchte nach Jean,s als ich das Restaurant betrat. Ich fand ihn in der hintersten Reihe des Bistros.
Grinsend kam ich auf ihn zu. „Obszön“, gab ich von mir. Jean blinzelte verwirrt. Seelenruhig setzte ich mich und faltete die Hände. „Denselben Platz hätte ich unter Garantie auch gewählt.“ „Echt?“ „Was denkst du?“, ich zwinkerte. „Ich bin halt ein Außenseiter, da macht man das so.“ Eigentlich wollte ich ihn mit diesem Satz erheitern, jedoch sah er mich mitleidig an. „Ich kenne das“, flüsterte er. Seine Pupillen richteten sich gen Tisch. Hatte ich etwa unangenehme Erinnerungen in Jean aufkeimen lassen? Meine Hand fasste nach seiner, die sich weich und geschmeidig anfühlte.
„Mach dir keine Gedanken“, sprach ich. „Was auch immer in deiner Vergangenheit vorfiel, ist nun vorbei. Du solltest nach vorne schauen. Ich werde es ebenso versuchen.“ „Hmmm“, ertönte es von Jeans Seite. „Manchmal ist das eben schwer.“ Ich fragte ihn nicht weiter aus. Wenn, dann sollte Jean es mir selbst sagen. Er alleine entschied, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen war. Aber ich spürte, tief in mir drin, dass er es mir offenbaren würde. Die Bedienung kam und fragte etwas auf Italienisch. „Sorry“, Jean lächelte genau jenes Lächeln, was mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hatte. „We can´t speak italian.“ Dann bestellte er uns zwei Tassen Kaffee auf Englisch. Ich nahm noch einen Hawaii Toast dazu und Jean Spagetti Bolognese. „Ich bin froh, wenn das Essen kommt“, keuchte er. Ich musste kichern.
„Ich weiß, was du denkst“, Jean schnippte mit den Fingern. „Im Grunde sehe ich aus, als würde ich hungern und wenn ich was esse, wohl nur Salat und Rohkost.“ „Ähm … .“ „Erwischt“, es schien ihn nicht zu stören. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass Jean ein lockerer Mensch war. Viele Personen aus meinem früheren Leben, waren nachtragend gewesen und legten sämtliche Wörter auf die Goldwaage. Er stellte eine angenehme Ausnahme dar. Und obwohl Jean von sehr schlanker Statur war, strahlte er dennoch etwas Begehrenswertes aus. Hastig nahm ich einen Schluck Kaffee, als dieser ankam. Fast verschluckte ich mich daran. „Mach langsam“, legte er mir nahe. „Sonst verbrennst du dir noch die Zunge.“ „Ich glaube, das ist fast zu spät“, hechelte ich. „Trottel“, beschimpfte ich mich innerlich selbst. „Warum kannst du nicht versuchen, ruhig zu bleiben.“ Jean machte es mir schwer. Ich wollte noch mehr über ihn wissen, ihn ergründen und begreifen lernen.
Dieses Gefühl hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr. Sexuelle Anziehung, ja. Obwohl selbst das gering war. Faszination und Interesse, dies waren ganz andere Faktoren. Außerdem verfügte Jean über Charisma. Ich achtete nicht wirklich auf einen durchtrainierten Körper. Wichtiger war die Ausstrahlung eines Menschen. Er musste mich in seinen Bann ziehen können. So einfach war das.
Endlich brachte uns die Bedienung das Essen. Vorsichtig nahm ich den ersten Bissen. Meine Zunge schmerzte. Allerdings war ich selbst daran schuld. Jean hatte eine Reisekarte neben sich ausgebreitet und ging die Route geistig durch. „Wenn wir in dem Tempo weiter fahren, sind wir bald in Torbole“, ließ er mich wissen.
Mein Herz machte einen Sprung. Torbole, die Surferstadt schlechthin. Alleine schon ihr Anblick ließ mich innerlich strahlen. Endlich waren wir angekommen.
„Du wirkst so ungläubig“, stellte Jean fest. „Ich?“, mit dem Finger deutete ich auf mich und zuckte ungewollt mit den Lippen. „Wer denn sonst? Außer uns sitzt keiner mehr im Auto. Du bist echt lustig, Harley“, er kicherte. „Quatsch“, schüttelte ich ab. „Ich bin einfach nur glücklich hier zu sein. Das ist alles.“ Wir steuerten auf das Ortsende zu. Dort stoppte Jean den Wagen. Das Motel, welches er ausgesucht hatte, machte einen recht sympathischen Eindruck. Die meisten Biker hielten hier. Damit hatte ich keine Probleme. „Dieses Mal, steuere ich aber etwas mit dazu“, erinnerte ich Jean. Er zuckte lässig mit den Schultern. „Wenn du unbedingt magst“, raunte er mir zu. Er ging zur Rezeption und vertiefte sich in ein Gespräch mit einem Mitarbeiter. Danach gab dieser Jean die Schlüssel zu unserem Zimmer. Dankbar schleppten wir unser Gepäck ins erste Obergeschoss. Eine Weile wollten wir in Torbole bleiben, darauf hatten Jean und ich uns bereits während der Fahrt geeinigt. Das Motel verfügte über einen Pool. Bitter dachte ich daran, dass ich diesen wohl vorerst nicht nützen würde. Noch wollte ich Jean in mein Geheimnis nicht einweihen.
Jean
Ihm fiel auf, dass Harley einen recht angespannten Eindruck machte, nachdem sie sich im Motel etwas umgesehen hatten. Besonders der Pool schien ihn, wunderlicher weise eher abzuschrecken. Jean jedenfalls liebte es, sich im Wasser aufzuhalten. Eine Zeit lang war er sogar dem Schwimmteam seiner ehemaligen Schule beigetreten. „Soll ich uns eine Kleinigkeit zum Essen holen?“, fragte er nach. „Ja, ein wenig Hunger habe ich schon“, sagte Harley und hielt sich den Magen. Jean nahm das als Zeichen und machte sich auf den Weg. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass Harley momentan ein wenig Ruhe vertragen konnte. „Er sollte sich erst mal entspannen“, dachte Jean. Er schlenderte durch den Ort. Lange war es her. Trotzdem hatte sich kaum etwas verändert. Sicher die Stadt war nun wesentlich belebter, versprühte dennoch den alten Charme, den er so sehr liebte. An einem kleineren Lebensmittelladen hielt Jean. „Hmm, was könnte er mögen?“, sprach er laut aus und sah sich die Vielfalt der italienischen Spezialitäten an.
Schließlich entschied er sich für zwei Pizzastücke, eine kleinere Tiramisutorte und zwei Lemon Sodas. Anfangs hatte Harley erwähnt, dass er ihn dieses Getränk bereits als Kind begeistert hatte. „Grazie“, bedankte er sich bei dem Verkäufer und nahm den gefüllten Beutel entgegen. Immerhin waren ihm ein paar Brocken italienisch noch vertraut. Vielleicht konnte er Harley ein wenig die Angst nehmen. Auch wenn Jean sich fragte, wovor sich sein Begleiter eigentlich genau fürchtete.
Ohne klares Ziel bummelte er durch die Stadt. Der Abendwind wehte durch sein Haar. Auf dem Gardasee waren einige Surfer unterwegs. Jean beobachtete diese und in ihm kam erneut der Wunsch auf, irgendwann selbst surfen zu lernen. Eventuell sogar mit Harley? Allerdings war so ein Surfkurs auch eine Frage des Budgets und momentan stand es um dieses nicht günstig. „Ich sollte zurück gehen“, entschied Jean laut und schüttelte den Gedanken vorerst ab. Freudig ging er zu ihrem Zimmer, dort erwartete ihn sein Begleiter schlafend. „Oh je“, grinste Jean verschmitzt. Harley lag seitlich und hatte die Augen fest geschlossen. Aus seinem Mund kamen leise Atemzüge. „Dann lasse ich dich besser schlafen“, lautete
