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Mein Ich stammt nicht von hier. Aber ich habe nunmehr fast ein ganzes Leben auf dieser Welt verbracht und genug gesehen, um die Ursachen benennen zu können, die euren schönen Planeten an den Rand des Abgrunds treiben. Es ist der Strudel aus Geld, Religionen und Krieg, der euch in diese Situation gebracht hat. Als Außenstehender war es mir möglich, herauszufinden, wie dieser Teufelskreis entstanden ist und auch, wie ihr ihn beenden könntet. Noch gibt es einen Ausweg, der allerdings sehr schnell und mit vereinten Kräften verwirklicht werden muss, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich wenig Hoffnung …
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Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2020
Michael Zühlsdorff
Fazit eines Besuchers
Copyright: © 2020 Michael Zühlsdorff
Lektorat: Erik Kinting – www.buchlektorat.net
Umschlag & Satz: Erik Kinting
Titelbild unter Verwendung von: Open Arms, NASA/ESA
Hubble Space Telescope
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
978-3-347-03744-1 (Paperback)
978-3-347-03745-8 (Hardcover)
978-3-347-03746-5 (e-Book)
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhalt
Vorab
Nur zu Besuch
So begann es
Kein Gefühl für Logik
Schöpfung oder Evolution?
Körper und Geist
Seele und Fötus
Naturkunde
Sternenwanderer
Verkehrte Welt
Was tun?
Die Cheopspyramide
Die Alien-Blockade
Konstruktionsmerkmale
Die Induskultur
China
Chaos
Nachzügler
Lichtwolken
Prognose
Vorab
Oft träume ich von einem Ort, an dem ich Geborgenheit empfinde, an dem alle Nachbarn freundlich sind und mit lächelnden Gesichtern grüßen, wenn wir uns treffen. Dieser Ort fühlt sich an wie meine Heimat, denn hier bin ich frei und glücklich, ohne dieses Unbehagen, das mich im Wachzustand ständig begleitet.
In meiner Traumwelt sind die Menschen ganz anders als auf der Erde. Alle respektieren sich gegenseitig und niemand versucht, den anderen auszutricksen. Im Gegenteil, dort ist jeder bemüht, sich optimal in die Gemeinschaft einzubringen. Der Lohn für den Einsatz ist das Erfolgserlebnis, wenn es gut funktioniert, und meistens ist das auch so. Wenn mal etwas schiefgeht, wird nach Lösungen gesucht, wie man es künftig besser machen kann, und niemand fragt nach dem Schuldigen, denn es halten alle zusammen. Die unangenehmen Arbeiten werden gemeinsam angepackt, ohne dass sich jemand drückt. Und wenn eine dieser Aufgaben erledigt ist, wird das abends noch zusammen gefeiert.
Auch die Rechte der Tiere werden geachtet, denn in jedem dieser anmutigen Körper steckt, genau wie bei uns, eine Seele, die lebt, um etwas zu erleben. Niemand würde in meiner Traumwelt auf die Idee kommen, diese Tiere zur Milch- oder Eierproduktion zu missbrauchen, und schon gar nicht, ihr Fleisch zu essen. Dort leben alle vegan, was ohnehin viel gesünder ist. Es wäre undenkbar, irgendein Tier als sogenanntes Nutztier sein Leben lang einzusperren, ohne die Chance, neue Erfahrungen zu machen und sich somit irgendwie geistig weiterzuentwickeln.
Statt Eigentum hat dort jeder seine Privatsphäre, die ausnahmslos von allen akzeptiert wird, weshalb die Eingangstüren nicht einmal abschließbar sind. Schlüssel gibt es nicht und auch andere Vorsichtsmaßnahmen sind unnötig, weshalb hier niemand Passwörter braucht und alle Computer mit einem einfachen Betriebssystem ohne ständige Sicherheitsupdates funktionieren.
Das Leben ist dort sehr unbekümmert und angenehm, ich würde am liebsten da bleiben, doch immer, wenn ich in meinem Traum an diesem Punkt ankomme, werde ich wach, denn ich weiß, dass es diesen unbeschwerten Ort auf der Erde nicht gibt. Dann frage ich mich zum wiederholten Male, warum ich auf diesem stressigen Planeten lebe und nicht dort, wo es sich so heimelig anfühlt.
Anfangs habe ich das alles nur für einen verrückten Traum gehalten, und es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass ich wohl tatsächlich nicht auf die Erde gehöre, doch inzwischen bin ich 70 Jahre alt und habe mich damit abgefunden, dass ich wohl bis zum Ende dieser Inkarnation hierbleiben muss, auch wenn das bei mir wohl noch etliche Jahre dauern wird, da ich sehr wahrscheinlich aufgrund meiner Herkunft viel älter werde als ein Erdenbürger.
Nur zu Besuch
Solange ich zurückdenken kann, sehe ich mich als Außenseiter, denn ich hatte immer Angst vor größeren Gruppen, weil ich nicht wusste, wie ich mich richtig verhalten muss, um weder positiv noch negativ aufzufallen. Ich war ein Duckmäuser und habe mir irgendjemanden in meiner jeweiligen Umgebung ausgesucht, der sich offensichtlich selbst nicht so richtig in der Gemeinschaft integrieren konnte. Mit dem habe ich mich dann angefreundet. Und auch später reichten meist die Finger einer Hand, um die Anzahl meiner Freunde anzuzeigen.
Außerdem bezeichne ich mich gern als heimatlos, weil ich mich nirgends wirklich zu Hause fühle und trotz meiner vielen Umzüge niemals Heimweh hatte, auch meine Verwandtschaft ist mir bis auf den engsten Familienkreis ziemlich egal.
Vielleicht ist genau das nur ein weiteres Indiz für meine sicherlich ziemlich verrückt klingende, aber kaum noch von der Hand zu weisende Vermutung, die sich seit einigen Jahren in mir immer mehr zu einer Gewissheit verdichtet: dass ich gar nicht auf die Erde gehöre, sondern nur hier bin, um die Situation zu analysieren und herauszufinden, was mit diesem Planeten und seinen Bewohnern nicht stimmt. Möglicherweise hatte ich mir sogar vorgenommen zu helfen, falls das irgendwie zu bewerkstelligen sei – sofern man mich überhaupt helfen lässt.
Ich muss allerdings anmerken, dass mein Körper hier auf der Erde geboren ist, daran besteht kein Zweifel, aber ich denke in ganz anderen Bahnen als alle anderen hier und habe auch Zugriff auf Informationen, die auf der Erde noch völlig unbekannt und längst nicht erforscht sind. Das Problem dabei ist: Solange mir niemand glaubt, dass ich etwas mehr über einige eigentlich sehr wichtige existenzielle Dinge weiß, wird auch niemand meine Gedanken aufgreifen, um das irdische Wissen damit zu bereichern. Ganz im Gegenteil, die meisten werden an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln, weil sie diesen Gedanken nicht folgen können oder vielleicht sogar nicht folgen wollen.
Aber zunächst einmal zu den weiteren Verdachtsmomenten, die mich zu dieser etwas abwegig klingenden Theorie verleitet haben, und da gibt es einiges …
So begann es
Angefangen hatte es schon in meiner frühesten Kindheit. Sicher ist auch das ungewöhnlich: Ich kann mich relativ gut an mein viertes Lebensjahr zurückerinnern, aber das könnte auch an den widrigen Umständen liegen, die dieses unglückselige Jahr für mich bereithielt. Ich bin 1949 in Berlin geboren und wohnte Anfang 1953 in Niederschönhausen, als mein Vater an Lungen-Tbc erkrankte. Leider steckte er mich an, als meine Mutter mich leichtsinnigerweise zum Besuch mit ins Krankenhaus nahm, und ich bekam Hilusdrüsen-Tbc. Darüber kann ich ihr trotzdem nicht böse sein, denn ich liebte meinen Vater und freute mich darauf, ihn zu sehen.
Aufgrund dieser Ansteckung brachte mich meine Oma ins Hufeland-Krankenhaus in Berlin-Buch.
An meinen dortigen Aufenthalt erinnere ich mich sogar sehr detailliert, obwohl ich wie gesagt erst drei Jahre alt war: Zuerst gingen wir zur Patientenaufnahme, wo meine Oma mich im Krankenhaus anmeldete. Als die Formalitäten erledigt waren, brachte mich Oma zur Kinderstation und dort in den Bereich für Tbc-Erkrankungen.
Nach ein paar kurzen Worten führte uns eine Krankenschwester in ein Zimmer mit vier weiteren Kindern in meinem Alter. Nachdem ich meine Sachen ausgezogen hatte, bekam ich ein Nachthemd angezogen und wurde zu meinem Bett gebracht. Die Betten standen alle nebeneinander rechts an der Wand, meins war das zweite von der Tür aus gesehen. Geradeaus gab es zwei hohe Fenster und an der linken Wand stand eine Badewanne unter einem großen Glasausschnitt, dahinter ein Tisch mit drei Stühlen. Durch die Glasscheibe konnte man ins Nachbarzimmer sehen.
Am Bett angekommen hob mich die Schwester, die ich sehr nett fand, über das Seitengitter. »Und hier drin bleibst du schön, damit du schnell wieder gesund wirst. Ihr dürft hier nicht barfuß rumlaufen, und wenn du mal musst, drückst du einfach hier auf den Knopf. Dann kommt eine Schwester und bringt dich zur Toilette«, sagte sie, wobei sie mir die Ruftaste an der Wand hinter dem Bett zeigte.
Die Regeln hatte ich verstanden und nahm mir vor, sie unbedingt unter allen Umständen einzuhalten, denn ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause. Dann verabschiedete sich Oma, was mir einen Stich in der Brust versetzte.
Als die Schwester kurz darauf ebenfalls gegangen war, stellte ich mich den anderen Kindern vor: »Ich heiße Michael, und wie heißt ihr?« Mein Nachbar im Bett an der Wand glotzte und sagte nichts. Es schien so, als hätte er mich nicht verstanden. Auf der anderen Seite im Mittelbett stand ein rothaariger Junge und im Bett dahinter einer, der genauso aussah. »Rolf«, brabbelte er. Die anderen antworteten mir jedoch nicht.
Später, als das Abendbrot kam, erfuhr ich dann auch den Namen meines schweigsamen Bettnachbarn. Die Schwester nannte ihn Schmidtchen, aber auch bei ihr sagte er kein Wort. Wahrscheinlich konnte er noch gar nicht sprechen.
Ein paar Tage vergingen, dann war es endlich Sonntag, der Tag, an dem ich das erste Mal Besuch bekommen würde. Ich konnte den Nachmittag kaum abwarten und ich war gespannt, wer kommen würde. Mama oder Oma? Papa war noch nicht wieder gesund, deshalb konnte er es nicht sein. Als dann die Tür aufging, waren es leider Schmidtchens Eltern. Sie brachten eine Windmühle mit bunten Federn für ihn mit, die ich ganz toll fand. Aber er nahm sie mit einem ausdruckslosen Gesicht entgegen und legte sie sofort beiseite. Als seine Mama ihn dann begrüßte, hörte ich ihn zum ersten Mal reden. Er war kaum zu verstehen; er konnte wirklich noch nicht sprechen. Und es kam mir so vor, als würde er seine Eltern auch nicht allzu sehr lieben.
Dann ging die Tür wieder auf, aber diesmal kam Besuch für die Zwillinge.
Kurz danach, endlich, kam Oma mit einem strahlenden Lächeln und einem wunderschönen Strauß Blumen. Sie hatte Löwenmäulchen mitgebracht und zeigte mir, wie sich die Blüten öffnen, wenn man sie vorsichtig seitlich drückt, und dazu sagte sie: »Ich habe Hunger, rrrrow.« Das fand ich unheimlich lustig. Sie erzählte, dass Papa bald wieder gesund sei und nach Hause kommen würde, dass es den Hühnern gut ginge und dass mein Onkel Horst im selben Krankenhaus sei wie ich, weil ihm jemand eine Gabel ins Auge gestochen habe.
Ich fragte: »Doch bestimmt aus Versehen?«
»Nein,«, antwortete Oma, »er hatte Streit mit einem Freund und dabei ist das passiert.«
Das konnte ich gar nicht glauben und fragte mich, wie jemand so etwas Schreckliches machen konnte – und dann noch bei einem Freund. Ich war sicher, dass der Gabelstecher irgendwie verrückt war.
Bald gingen Schmidtchens Eltern, und Oma musste auch wieder los, weil die Besuchszeit zu Ende war. Es dauerte keine zehn Minuten, dann hatte Schmidtchen seine schöne Windmühle zerpflückt. Ich fand ihn unheimlich doof; es tat mir in der Seele weh, wie gedankenlos er mit dem Geschenk seiner Eltern umging. Anscheinend hatte er sie wirklich nicht lieb. Meine Löwenmäulchen würde ich so lange behalten wie möglich, weil sie mich an den Besuch von Oma erinnerten.
Ein paar Tage später kletterte Schmidtchen aus dem Bett. Ich sagte zu ihm: »Das dürfen wir nicht. Wenn du das machst, bekommst du kalte Füße, und dann wirst du nicht gesund.«
Aber Schmidtchen tat so, als würde er mich nicht hören – oder verstand er wirklich nicht, was ich sagte? Jedenfalls ging er schnurstracks zur Badewanne, kletterte hinein und drehte den Wasserhahn auf. Dann steckte er den Stöpsel in den Abfluss und patschte eine Weile in dem Wasser herum, das nun in der Wanne anstieg.
Jetzt kletterte Rolf ebenfalls aus dem Bett. »Das dürfen wir nicht!«, sagte ich zu ihm. Doch auch er hörte nicht auf mich, ging zur Tür, öffnete sie und spähte in den Gang, ob eine Schwester kam.
Schmidtchen kletterte aus der Wanne, ohne den Hahn wieder zu schließen. Das Wasser stieg und stieg. Ich überlegte, ob ich hingehen sollte und den Hahn zudrehen, aber die Schwester hatte gesagt, wir sollten im Bett bleiben. Außerdem wollte ich doch schnell wieder gesund werden.
Als die Wanne überlief, begann Schmidtchen, in der entstehenden Pfütze im Zimmer rumzupatschen. Nun kletterten auch Rolfs Bruder und der Junge am Fenster aus dem Bett und schlossen sich Schmidtchen an, um mit fröhlichen Gesichtern spritzenderweise hintereinander durchs Zimmer zu marschieren.
Plötzlich rief Rolf: »Sie kommt!«, und alle hüpften in ihre Betten.
Die Schwester betrat unser Zimmer und machte ein wütendes Gesicht. Sie riss den Stöpsel aus dem Abfluss und drehte den Hahn zu. Dann schrie sie: »Wer war das?«
Ich sah zu Schmidtchen rüber, der mich grinsend ansah und dann zu den anderen schaute. Ich drehte mich um und traute meinen Augen nicht: Alle Finger meiner Bettnachbarn zeigten auf mich und auch Schmidtchen tat das jetzt! Wie konnten sie nur so böse sein? Ich fühlte mich völlig überrumpelt von der Hinterlist und Gemeinheit meiner Zimmergenossen, dass sie mir die gedankenlose zerstörerische Tat unterschoben, obwohl ich es doch nur gut mit ihnen gemeint hatte. Aber ich konnte ja beweisen, dass ich nicht mitgemacht hatte. Ich sagte: »Ich war die ganze Zeit im Bett und ich habe auch trockene Füße.«
Doch die Schwester glaubte mir nicht und versohlte mich mit der Haarbürste, die auf der Badewannenablage gelegen hatte. Ich war fassungslos, weil eine Erwachsene auf die offensichtliche Absprache hereingefallen war.
Ein zweiter ähnlich gelagerter Vorfall, bei dem die Schwester wieder so dreist angelogen wurde, veranlasste sie dazu, mich aus dem Bett zu holen, um mich sehr lange barfuß und im Nachthemd auf der Toilette einzusperren. Ich hatte große Panik, jetzt noch kranker zu werden, und leider war es auch so.
Nach diesem Vorfall brachte man mich in ein Einzelzimmer, und drei Nächte später hatte ich mich in der Nacht zum ersten Mal im Schlaf übergeben.
Damals konnte ich überhaupt nicht begreifen, warum meine Zimmergenossen mir das angetan hatten. Heute weiß ich, dass sie mich einfach nur loswerden wollten, weil ich in ihren Augen eine Spaßbremse war. Und heute weiß ich auch, dass man mit Spaß schneller gesund wird und ich nur aufgrund der seelischen Belastung kranker geworden war – nicht wegen der Kälte auf dem Klo, aber das wussten nicht einmal die Ärzte und Schwestern zu jener Zeit.
