Federleichtigkeit - Manfred Draga - E-Book

Federleichtigkeit E-Book

Manfred Draga

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Beschreibung

Das Leben kann voller Magie und Wunder sein, wenn wir uns darauf einlassen. Wer würde nicht gerne einmal seinen persönlichen Schutzengel treffen, einen fantasievollen Blick in den Schäfchenwolkenhimmel riskieren oder über sich hinauswachsen, um anderen etwas Gutes zu tun? In seinem dritten Buch erzählt Manfred Draga von zauberhaften Erlebnissen, magischen Momenten und von Glaube, Hoffnung und Zuversicht. Es ist sein bislang ehrlichstes, persönlichstes und zugleich auch mutigstes Werk. Wer bereits Gefühlsachterbahnfahrt und Schiffschaukelmomente gelesen hat, wird Federleichtigkeit lieben. Kurzgeschichten mit viel Herz, feinem Humor und purem Lebensgefühl, genau das, was wir in stürmischen Zeiten brauchen.

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2024

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ICH WIDME DIESES DRITTE BUCH MEINEM SCHÖPFER, HERRN UND VATER DER MICH ZURÜCK ZUM GLAUBEN GEHOLT HAT.

DIES IST FÜR DICH, GOTT!

Inhaltsverzeichnis

Federleichtigkeit

Begegnungen

Eine Frage des Vertrauens

Die magische Ritterburg

Freie Fahrt mit Gott

Herz über Amrum

Was wäre, wenn

Salvatore

Boarding completed

Feierabendwalzer

Die Wolkenflüsterin

Zu guter Letzt

Zeit für ein Dankeschön

Federleichtigkeit

Der Glaube kann Berge versetzen – so steht es zumindest in der Bibel geschrieben.

Nun, bisher konnte ich mit diesem bildhaften Vergleich nicht allzu viel anfangen. Mein Leben war stets geprägt vom routinierten Alltag, dem harmonischen Zusammensein mit meiner lieben Familie, dem Engagement im Beruf und dem herrlichen Entschleunigen durch Wochenenden und Urlaub.

Diese Zeiten, wo die Seele federleicht baumelt und ich einfach mal ICH sein kann. Herrlich, so eine kostbare Auszeit! So ein sorgenfreies Nichtstun!

Glaube – das war in all den Jahren nicht wirklich ein relevantes Thema für mich.

Gott – spielte nur ganz selten mal eine Rolle in meinem täglichen Sein.

Beten – das hatte ich als Kind gerne vor dem Einschlafen gemacht und alles Gute für meine Familie und mich gewünscht. Auch, dass ich das ersehnte Spielzeug zum Geburtstag bekomme (was tatsächlich auch so manches Mal half).

Aber damit endet auch schon alles, was meine Religion und mein Leben als Katholik betrifft.

Okay, zugegeben – ich bin Christ, wurde vor siebenundfünfzig Jahren getauft und habe die erste heilige Kommunion Anno 1976 empfangen. So steht es auch auf dem kleinen bronzenen Kreuz, welches mir Pastor Prinz damals zur Erstkommunion schenkte und welches ich immer sorgsam in der Nachttischschublade aufbewahre. Doch seit dieser Zeit besuchte ich die Kirche eher unregelmäßig und nur zu gewissen Anlässen wie etwa Hochzeiten, Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder Beerdigungen.

Na ja, viele von euch werden sich bei diesen Zeilen ertappt fühlen und zustimmend nicken. Ein Kirchenbesuch wurde mehr und mehr zur Pflichtübung. Habe ich recht? Kommt, seid ehrlich.

Doch dann kam Gott in mein Leben!

Es war an einem Mittwoch im März 2024. Zu dieser Zeit war ich furchtbar krank, hatte zahlreiche Therapien hinter mir und bekam Halluzinationen und Panikattacken von all den Medikamenten. Eine Zecke hatte mir fiese Katzenviren namens Bartonella in den Körper gejagt, die sich nun in allen Zellen austobten und mein Leben zur Hölle machten.

Die Gelenke schmerzten extrem, die Sinne waren verwirrt und eine unendliche Müdigkeit begleitete mich den ganzen Tag.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man neben sich steht und keinerlei Kontrolle mehr hat? So ging es mir. Ich war nicht mehr ich.

Tatsächlich suchte ich in dieser dunklen Zeit eine Schamanin und Heilerin auf, die mir in einer dreistündigen Sitzung einen Dämon austreiben wollte, der meinen Körper mutmaßlich besetzt hatte. Ohne Erfolg – aber für viele leicht verdiente Euronen.

Ich nahm Kontakt zu einem anerkannten Parapsychologen in Freiburg auf, weil ich dachte, eine fremde, dunkle Seele habe sich in meinem Körper eingenistet. Doch auch er meinte, dass ich einfach nur aufgrund der Virenlast derartige Visionen hätte, und empfahl mir eine geeignete schulmedizinische Therapie und innige Gespräche mit Gott.

»Bitte beten Sie keine Schutzengel an, sondern sprechen Sie sofort und unmittelbar mit Gott. In Ihrem konkreten Fall, Herr Draga, kann nur der Chef persönlich helfen«, sagte er am Telefon zu mir. Dies tat ich dann auch. Doch die Angst, die Halluzinationen und die Panikattacken blieben zunächst.

Tagsüber sah ich furchteinflößende Schatten und räucherte mehrmals in der Woche das ganze Haus mit weißem Salbei aus. Alle Zimmer vom Keller bis zum Dach stanken furchtbar und ich musste anschließend stundenlang lüften.

Nachts konnte ich vor lauter Angst nicht einschlafen, betete das Vaterunser und hielt mein bronzenes Kreuz der Erstkommunion schützend vor die Brust. Die Albträume kamen dennoch und waren so heftig, dass ich dann lieber den Rest der Nacht ohne Schlaf verbrachte und stundenlang sitzend die Wand oder Decke anstarrte.

Ohne Schlaf, vollgepumpt mit Medikamenten und in Begleitung meiner Dämonen hangelte ich mich mehr schlecht als recht durch mein Leben. Alles in mir war dunkel und angsterfüllt und so unendlich leer.

An diesem besagten Mittwoch im März war ich dann vollends fertig mit der Welt, lag auf der Couch im Wohnzimmer und weinte hemmungslos.

Wie sollte mein Leben weitergehen mit all diesen Schmerzen, den Visionen, den Geistern und dieser permanenten Angst?

Wie konnte ich so weitermachen in der Gewissheit, dass ich nicht mehr das eigene Leben im Griff hatte und wie ein fremdgesteuerter Zombie den Tag durchlebte?

So lag ich angsterfüllt auf der Couch im Wohnzimmer, weinte und betete.

Ja, tatsächlich betete ich voller Furcht und voller Verzweiflung zum lieben Gott, der so lange Zeit keinerlei Platz in meinem Leben gehabt hatte. Nun sollte er bitte umgehend helfen und mich von diesem Dilemma erlösen. Ich sprach zu ihm, legte meine Hände auf mein Herz, spürte dieses intensive Pochen meines Motors und schloss die Augen.

Und Gott antwortete mir!

Grelle, warme Strahlen schossen mir in das Gesicht und selbst mit geschlossenen Augen spürte ich, wie intensiv dieses Licht war. Ein schöner weißer Schein umgab mich und ich spürte zum ersten Mal seit Wochen wieder so etwas wie Zuversicht und Hoffnung. Die Sonne selbst konnte es nicht sein, weil der Himmel voller Wolken und um diese Uhrzeit die helle, gelbe Scheibe weit weg vom Wohnzimmerfenster zu finden war.

Es war definitiv keine Sonne!

Aus dem weißen Strahl wurde ein orangefarbener Schein, der so wunderbar klar von der Farbe und der Wärme war, dass mir erneut die Tränen in die Augen schossen und sich eine Gänsehaut über meinen ganzen Körper ausbreitete. Ich begriff, dass hier in diesem Moment etwas ganz Wunderbares mit mir geschah, und so kniete ich vor dem Wohnzimmerfenster und sagte ganz laut:

»Lieber Gott, ich danke Dir. Vater – dein Wille geschehe!«

Gott kam, berührte meine Seele und blieb!

Seit diesem Tag ist alles anders. Alles ist besser und heller und klarer. Die dunklen Dämonen sind wie mit einem himmlischen Besen weggefegt worden aus meiner Seele. Aus Angst und Sorge ist klare Hoffnung und reine Zuversicht geworden. Ich schlafe wieder ein und tief durch – ohne Albträume und ohne das schützende Kreuz auf der Brust (okay, ein kleines Licht lasse ich noch an, weil ich das totale Dunkel noch nicht mag).

Ich bin nicht mehr der alte Manfred, sondern eher so eine optimierte Version »Manfred 2.0«, der mehr begreift und mehr versteht, was um ihn herum geschieht. Ich habe eine neue, feinere Wahrnehmung gewonnen und sehe mehr als nur Wolken, Bäume und Erde, wo andere nur Wolken, Bäume und Erde sehen.

Gott ist ein Teil meines Lebens geworden – ein ganz bedeutender Teil. Ich rede täglich mit ihm wie mit einem guten Freund und erzähle ihm, was ich gerade so denke und was meine aktuellen Sorgen und Nöte sind. Es ist meine eigene Art des Gebets – ohne zusammengefaltete Hände, ohne Bibel und ohne geschlossene Augen.

Denn Gott ist immer da. Gott ist immer nah. Gott hört dich, ganz gleich, wie du zu ihm sprichst.

Zur Sonntagsmesse gehe ich nach wie vor nicht. Aber ich bin mehrmals in der Woche in einer der vielen Kirchen im Umfeld, stelle immer wieder eine Kerze auf und bete für andere liebe Mitmenschen und auch für mich selbst. Ich sitze dort in einer der Bänke, verweile für wenige Minuten und spreche mit Gott und bedanke mich, dass er mich zu einem besseren Manfred gemacht hat.

Dieser Manfred 2.0 gefällt mir außerordentlich gut!

Zudem erlebe ich seit diesem Mittwoch im März immer wieder Wunder. Kleinere und auch größere. Eigentlich geschieht fast jeden Tag etwas, was mich berührt oder begeistert. Etwas, was viele als »Zufall« abtun oder als »kann passieren« definieren.

Ich rede über all diese Erlebnisse mit jedem, der es hören will, und auch mit vielen, die schnell abwinken. Weil es ihnen entweder »zu viel Input« ist oder aufgrund der fehlenden Beweisführung dicke Fragezeichen hinterlässt. Was für mich voll okay ist.

Wie wäre es mir ergangen, wenn mir jemand vor diesem Mittwoch im März von Wundern erzählt hätte?

Ich spüre, dass dies eben nicht ein Alltags-Dingsbums ist oder eine Täuschung meiner Sinne. Dafür ist dies einfach zu mächtig und zu kraftvoll. Dies alles bewirkt etwas in mir und bringt meine Seele zum Klingen.

Dieses Buch ist daher mein wohl bisher persönlichstes und mein mutigstes. Ich erzähle von himmlischen Wundern, von schönen Begebenheiten und auch von Gott. Ich traue mich zu dieser Offenheit und bin mir durchaus bewusst, dass einige, die mich kennen, verständnislos den Kopf schütteln werden angesichts meiner Zeilen. Aber ich habe mich so dazu entschieden.

Dies ist mein Weg!

Welche dieser Ereignisse mir tatsächlich widerfahren und welche reine Fiktion sind – nun, das ist nicht in jeder Geschichte erkennbar. Das überlasse ich dann gerne Eurer Fantasie und Bewertung.

Nun wünsche ich euch viel Freude beim Lesen dieser Kurzgeschichten und Gottes Segen. Ich bedanke mich, dass ihr euch auf diese ganz spezielle Reise mit mir einlasst, und vielleicht findet ihr euch in der ein oder anderen Geschichte wieder.

Lieben Gruß und Moin von Manfred 2.0

Begegnungen

Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein.

Steh in jeder Not mir bei, halte mich von Sünden frei.

Führe mich an deiner Hand, in das himmlische Vaterland.

In dieser Nacht ich bitte dich, beschütze und bewache mich.

Amen.«

So oder so ähnlich betete ich immer als Kind kurz vor dem Einschlafen im Bett und hoffte und wünschte, dass mir mein Schutzengel in diesem Moment zuhörte und über mich und meinen Schlaf wachte. Es folgte ein Kreuzzeichen, ich nahm meinen Teddy oder das Steiff Äffchen in den Arm und schlief meist friedlich ein mit vorwiegend guten Träumen.

Jeder von uns hat doch sicherlich so seine Vorstellung, wie der persönliche Schutzengel aussehen mag. Nun, mein Engel war stets jung, weiblich (natürlich weiblich, haha), mit langen blonden Haaren in einem schönen weißen Kleid. Am Rücken schmückten ihn zwei riesengroße stolze Flügel, die er nach Bedarf auf- oder zuklappen konnte wie eine Ziehharmonika. Im Gesicht war stets ein gütiges, freundliches Lächeln zu sehen mit wachsamen blauen Augen.

So in etwa sah mein Schutzengel in meinen Gedanken aus und ich denke, damit lag ich nicht verkehrt. Oder …?

+++

Gerhard war einfach nur reif für das Wochenende. Die ersten beiden Tage der Woche hatten es bereits in sich gehabt mit wichtigen Terminen, die seine ganze Aufmerksamkeit forderten. Doch der heutige Mittwoch hatte ihm alles abverlangt.

Eine neue Kooperation mit einem wichtigen Handelsunternehmen stand kurz vor dem Abschluss und sein Chef hatte ihn gebeten, diese alles entscheidende Präsentation vorzubereiten, die gut und gerne zwei Stunden beanspruchen sollte.

Was für eine enorme Herausforderung und was für eine immense Chance für Gerhard!

Natürlich war er nach gut achtzehn Jahren in der Firma ein absoluter Profi und ein geschätzter Mitarbeiter, der immer wieder seine Kompetenz unter Beweis stellen konnte. Doch mit seiner Karriere ging es eher im Schneckentempo voran, während andere, bedeutend jüngere Kolleginnen und Kollegen schon in Führungspositionen eingesetzt wurden. Die waren einfach energischer und dominanter im Auftritt gewesen. Gerhard hingegen war zwar stets kompetent, über alle Maßen freundlich, aber dennoch immer zaghaft und zurückhaltend.

Dies sollte sich mit der heutigen Runde ändern.

Alle Teilnehmer saßen bereits gespannt im Konferenzraum, auf dem Tisch waren Unterlagen ausgebreitet. Laptops, Heiß- und Kaltgetränke sowie ein wenig Fingerfood standen bereit. Sein Chef winkte ihn sichtlich nervös an seine rechte Seite und flüsterte ihm zu:

»Guten Morgen, Herr Zollmann, schön dass Sie da sind. Ich werde zunächst einige Worte an alle richten. Danach folgt eine kleine Vorstellrunde und anschließend leite ich über zu Ihrem Vortrag. Ich habe das Memo gestern Nachmittag erhalten und keinerlei Änderungsbedarfe gefunden. Alles prima. Daher wünsche ich Ihnen und uns viel Erfolg für die heutige Runde. Sie machen das schon. Davon bin ich überzeugt. Bleiben Sie einfach Sie selbst und holen Sie uns bitte diesen wichtigen Auftrag. Dies ist Ihre große Chance.«

Drei Stunden später war der Deal perfekt, zahlreiche Papiere wurden unterzeichnet und die Kooperationspartner verabschiedeten sich sichtlich zufrieden mit einem Handschlag.

Geschafft! Hammer! Beförderung?

Gerhard ging in sein Büro, zog die Tür zu und setzte sich müde, aber auch glücklich an seinen Schreibtisch. Drei intensive Wochen hatte er an dieser Unterlage gesessen, alle Argumente für eine Zusammenarbeit auf die einzelnen Seiten gebannt und den Business Case mehrmals geändert, bis alle Zahlen passten. Nun saß er in seinem Stuhl, legte das Gesicht in seine Hände und betete für sich.

»Danke, lieber Gott. Ich hatte so einen Schiss vor dem heutigen Tag und dann lief alles wie am Schnürchen. Danke, dass du mir meinen Schutzengel zur Seite gestellt hast. Ich habe tatsächlich gespürt, dass ich dort im Konferenzraum nicht allein war. Alles ging so leicht und ich fühlte mich zu jeder Zeit behütet. Wie gerne würde ich meinen persönlichen Engel einmal treffen, um mich selbst für seine Hilfe zu bedanken.«

Gerhard bearbeitete an diesem Tag weitere Korrespondenz, ging mit seinem absolut zufriedenen Vorgesetzten zum Mittagessen und immer wieder spürte er diese Stärke, Zuversicht und Kraft in sich.

Stunden später …

Wie immer um diese Uhrzeit stand Gerhard leicht genervt im Stau. Feierabendverkehr in der Kölner Großstadt! Er war megaerleichtert über diesen erfolgreichen Arbeitstag und doch auch hundemüde und reif für das Wochenende.

Eigentlich wollte er noch kurz in die Kirche seines Ortes gehen, um eine Kerze aufzustellen und für den genialen Tag zu danken. Doch das konnte er getrost vergessen. Da wurde pünktlich um 17:00 Uhr das Eingangstor geschlossen, um die wertvollen Inhalte rund um den Altar vor Dieben zu schützen.

»Wie verrückt, dass man nicht einmal mehr vor solchen christlichen Dingen Halt macht. Früher wäre es undenkbar gewesen, dass man eine Kirche tagsüber geschlossen vorfindet. Na ja, die Zeiten werden wohl härter«, sagte sich Gerhard und war erfreut, dass sich der Stau nun endlich auflöste.

Schnell nach Hause.

Er genoss die Fahrt über die Severinsbrücke, blickte auf Vater Rhein und sah ganz weit hinten seinen geliebten Dom und die Kölner Altstadt. Kurz vor der Auffahrt auf die Stadtautobahn musste er das Tempo drosseln, denn dort vorne wartete die allzeit bereite Radaranlage auf Kundschaft, die sich für viel Geld ein Foto machen lassen konnte. Solche Schwarzweiß-Fotos hatte er auch schon mal in der Vergangenheit erhalten und fand, dass die Stadt Köln für diese miese Qualität viel zu viel Geld verlangte.

Zehn Minuten später kam er endlich in seinem Heimatort an und fuhr Richtung Kirche. Vielleicht hatte er doch heute irgendwie Glück. Er parkte den Wagen vor dem Eingang und ging Richtung Tor, als er dort eine ältere Dame antraf, die an der verschlossenen Pforte rüttelte.

»Oh, da haben wir wohl beide Pech gehabt. Ich wohne hier im Ort und weiß, dass hier pünktlich um 17:00 Uhr dicht ist. Aber ich dachte, dass ich heute noch eine Chance hätte«, sagte Gerhard zu der fremden Frau und lächelte sie an.

»Ja, das ist in der Tat sehr ärgerlich, junger Mann. Gerade heute war mir nach einem Gebet und ein paar stillen Momenten. Nun denn, dann werde ich es wohl auf den morgigen Tag verschieben müssen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Feierabend«, antwortete sie, nickte ihm kurz zu und machte sich auf den Weg zurück.

Gerhard ging zurück zum Wagen, startete den Motor und fuhr los. Doch dann hielt er augenblicklich aus einem Impuls heraus an, stieg aus und eilte zu der Dame, die er eine Straße weiter antraf, und sprach sie an:

»Nun, wenn Sie wirklich noch in eine Kirche möchten, ich weiß, wo um diese Uhrzeit noch geöffnet ist. Das wäre im Nachbarort Ranzel und mit dem Wagen wären wir in gut fünf bis zehn Minuten dort. Gerne fahre ich Sie dorthin, sofern Sie mir vertrauen.«

Die ältere Frau lachte Gerhard freundlich an, sah ihm tief in die Augen und antwortete:

»Oh, vielen Dank. Ich habe keinerlei Angst, denn Sie haben in der Tat gütige, freundliche Augen und eine vertrauenswürdige Art und Weise. Zudem habe ich nur zwei Euro für Kerzen in meiner Tasche. Da würde es sich eh nicht lohnen, sofern Sie Unsinn im Sinn hätten, junger Mann.«

Nun lachten beide und Gerhard bot ihr seinen rechten Arm an, damit der Rückweg zu seinem Wagen unbeschwerlicher war. Dankbar hakte sie sich ein und gemeinsam ging es zurück Richtung Kirche und zum dort geparkten Mercedes. Er half ihr in den Beifahrersitz, schnallte sie an und stieg dann auf der Fahrerseite ein.