Ferdi an Poldi - Annegret Stössel - E-Book

Ferdi an Poldi E-Book

Annegret Stössel

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Beschreibung

Der kleine, aufgeweckte Kreuzberger Kater Ferdi wohnt mit seinem Frauchen in einem Haus mit Garten. Für viel Aufregung in Ferdis Leben sorgen nicht nur seine Dosenöffnerin und zahlreiche andere Geschöpfe, sondern auch ein Smartphone mit Nachrichten aus Kreuzberg und dem Rest der Welt. Zum Glück hat Ferdi einen Email – Freund, den bayrischen Löwen Poldi. Seinem Löwenkumpel kann er von allen seinen Abenteuern, Entdeckungen und Sorgen erzählen. Doch um als Kreuzberger Undercat dem stolzen König der Tiere zu imponieren, schlüpft Ferdi in die Rolle des draufgängerischen, alles wissenden Weltverstehers. Dabei kommt es zu so manchem Fehlschluss, sehr zum Amüsement des Löwenkumpels. Und vielleicht auch zu Deinem Vergnügen liebe Leserin, lieber Leser.

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Seitenzahl: 85

Veröffentlichungsjahr: 2016

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In memoriam

Harald

Die Autorin

Jahrgang 1958, ist mit Begeisterung in diversen Jobs der Dienstleistungsbranche tätig: Dosenöffnerin, Servierkraft, Reinemachefrauchen, Toilettenfrauchen, Portierfrauchen, Tierkörperbeseitigerin, Beschäftigungstherapeutin, Streichelfrauchen und zu guter Letzt Ghostwriterin Ferdi.

Das Kennenlernen

Jung gebliebener bayrischer Löwe, Naturbursche, Abenteurer, vielseitig interessiert, sucht aufrichtige Brief- oder E-Mail-Freundschaft mit anderem Pelztier. Keinerlei Futterneid.

(Chiffre PTO-BLP)

Von:FerdiAn:PoldiBetreff:Chiffre PTO-BLP

Lieber Löwe,

ich schreibe Dir auf Deine Chiffre-Anzeige bei Pelztiere-online. Ich heiße Ferdi, bin ein kleiner Kater und lebe zusammen mit meinem zweibeinigen Frauchen in Berlin-Kreuzberg.

Mein Frauchen ist ganz liebreizend, aber ab und zu gibt es mit ihr Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf mein Katerleben. Das betrifft zum Beispiel meine Futterauswahl, meine Jagdausflüge und -trophäen sowie meine Liege- und Nutzungsrechte in dem von ihr mitbenutzten Zuhause. Ich sehne mich deshalb in letzter Zeit sehr oft nach einem gleich gesinnten und solidarischen Pelztier, insbesondere seit mein Katerfreund Alois kürzlich im hohen Alter verstorben ist.

Die Freundschaft mit einem Löwen, überdies aus Bayern, wäre eine große Bereicherung meines Katerlebens. Denn als Kreuzberger Pelztier bin ich offen und tolerant für alles Neue und Fremde. Ein Kreuzberger Kater befreundet mit einem bayrischen Löwen, das wäre so richtig multikulti, wie wir hier sagen.

Und mein Frauchen könnte ich sicherlich auch mit der Freundschaft zu einem coolen Löwen beeindrucken.

Deshalb würde ich mich sehr freuen, liebes bayrisches Pelztier, von Dir zu hören.

Dein Kreuzberger Pelztier

Ferdi

PS Ich bin ein hervorragender Jäger (Vögel, Mäuse, Ratten, Eichhörnchen), sodass es auch bei mir keinerlei Futterneid gibt.

Von:PoldiAn:FerdiBetreff:re. Chiffre PTO-BLP

Lieber Berliner Haustiger,

vielen Dank für Deine E-Mail. Ich heiße Poldi und es freut mich enorm, dass Du mit mir befreundet sein möchtest und dass Du bei Deinem liebreizenden Frauchen Eindruck schinden willst mit der Liaison zu einem coolen bayrischen Löwen. Ich fühle mich auch sehr geehrt, dass Du mich cool findest. Wie Du, bin auch ich offen und tolerant für alles Neue und Fremdartige.

Ich bin sowieso der Ansicht, dass sich unsere Charaktere in vielerlei Hinsicht ähneln und wir zahlreiche mentale Gemeinsamkeiten aufweisen. Auch ich leide zum Beispiel an Murophobie, dem Ekel vor Mäusen und Ratten. Ich finde diese Viecher, die man ja häufig in Zusammenhang mit Müll, Unrat und Krankheiten bringt, einfach eklig und ich kann Deine Anwandlungen für Jagdausflüge auf diese Biester gut nachvollziehen. Mir sind sie als Jagdtrophäen jedoch zu winzig und unter meiner Würde.

Es soll ja in Deinem Revier ein echtes Rattenproblem geben. Die Tatsache, dass rein statistisch gesehen auf jeden Berliner sechs Ratten treffen, finde ich schon beachtlich. Da hast Du viel zu tun. Oder Du solltest vielleicht mal um Abhilfe beim Rattenfänger von Hameln anfragen.

Es wäre interessant zu wissen, wie viele es in meiner bayrischen Metropole sind. Es scheinen ebenfalls nicht wenige zu sein, denn Ausdrücke wie Bachratz für eine asoziale und ungepflegte Person und ratzfatz und ratzeputz sind geläufige Wörter in unserem Idiom. Schüler bezeichnen den Radiergummi in Bayern oft auch als Ratzefummel und unser bayrischer Oberhirte, alias Benedikt XVI, heißt mit Familienname Ratzinger. Nicht teilen mit Dir, mein Kreuzberger Pelztier kann ich die Jagd auf Eichhörnchen oder Oachkatzl, wie wir in Bayern sagen. Diese mit buschigem Schwanz versehenen Nager sind meine besonderen Freunde, weil ich ihre Kletterkünste, ihre Vorliebe für Nüsse und ihren Sammlertrieb bewundere. Zum Glück sind sie wegen ihrer Agilität nur schwer zu erwischen und die Jagd auf sie ist mit einem gehörigen Risikofaktor verbunden.

Wie ich in der Zeitung las, hat sich ein Hund namens Jigger bei der Jagd nach einem Eichhörnchen schwer verletzt. Er ist bei der Verfolgung des Tierchens eine Böschung hinaufgerast, die so steil war, dass er einen Salto rückwärts machte, aufjaulte und bewusstlos liegen blieb. Der Tierarzt diagnostizierte eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule. Das Eichhörnchen kam unverletzt davon. Lass Dir das Schicksal von Jigger eine Warnung sein.

Lieber Ferdi, ich hoffe, von Dir zu hören.

Auch ich wünsche mir, dass unsere Multikultibeziehung eine große Bereicherung in meinem Raubtierleben sein wird.

Dein bayrisches Wappentier

Poldi

Von:FerdiAn:PoldiBetreff:Der Vorname

Mein lieber Löwenkumpel,

damit wir uns besser kennenlernen, möchte ich Dir heute alles zu meinem Vornamen Ferdi erzählen. Das ist nämlich eine längere Geschichte.

Wie mir mein alter Kumpel Alois, der Katergott habe ihn selig, berichtete, hat das Frauchen bei der Suche nach meinem Namen ihre schlauen Katerratgeber gewälzt. Darin steht, dass kurze zweisilbige Namen, die mindestens einen hellen Vokal und das am besten am Namensende enthalten, erzieherisch für mich als Kater am effektivsten sind.

Zuerst dachte das Frauchen an den zweibeinigen Sänger Freddy. Nein, nicht Freddy Quinn; der Junge kommt so bald nicht wieder. Sie hatte den Freddy Queen im Kopf. Der hat nämlich immer gesungen „Wir wollen euch steinigen!“ Da siehst Du gleich, auf was sie so steht, die Zweibeinerin aus Kreuzberg.

Alles klar? Hast Du die Melodie im Kopf? „We will ....“ Ich wiederhole es nicht noch einmal. Es ist ohnehin schon schlimm genug. So ein Experte von Zweibeiner wäre um ein Haar mein Namenspatron geworden. Da wäre ich von klein auf gebrandmarkt gewesen für alle meine sieben Katerleben.

Zum Glück hat das Frauchen es sich anders überlegt. Denn ich bin ein Edel-Kater, für den nur ein standesgemäßer Name, wie zum Beispiel Ferdinand, Abkürzung Ferdi, infrage kommt. Den vollen Namen meiner edlen Herkunft kann ich Dir natürlich wegen des Datenschutzes nicht nennen. Aber etwas umschreiben kann ich es: Es gab da mal vor langer, langer Zeit so einen zweibeinigen Politiker, den sie auch den Eisernen nannten. Alles klar?

Doch in Crossmountain kann ich nur als Undercat leben, hier steht man nicht auf Edel. So ruft das Frauchen mich nun Ferdi, der Name ist korrekt, zwei Silben, heller Vokal am Ende.

Und wenn es einmal Servicemängel gibt, dann genügen ein oder auch mehrere Miaus von meiner Seite, zwei Silben, lange Betonung auf dem hellen Vokal, um die Serviceengpässe zu beheben.

Ich kann Dir versichern, dass mein Name Ferdi und meine Miaukenntnisse einen hervorragenden erzieherischen Effekt für mich als Kater haben.

FvB

Geheim!!! Das bleibt unter uns, Kumpel!

Von:PoldiAn:FerdiBetreff:re. Der Vorname

Mein lieber Crossmountain Stubentiger,

bezüglich meines Vornamens habe ich auch ein kleines Geheimnis. Aber da Du mein bester Kumpel bist und wir uns jetzt etwas besser kennenlernen sollten, wie Du richtig feststellst, will ich Dich in das Geheimnis meines Vornamens einweihen.

Wie mir mein ehemaliger ehrwürdiger Lehrmeister Simba, Gott habe ihn selig, einst in vertraulichem Gespräch mitteilte, waren meine Eltern echte bayrische Patrioten und glühende Verehrer vom Prinzregenten Luitpold, dessen Regentenjahre zu einem goldenen Zeitalter Bayerns verklärt wurden. Dieser volkstümliche Herrscher, der für Natur, Wald und Berge schwärmte und der häufig seinem leidenschaftlichem Hobby, der Jagd, frönte, hatte es meinen Eltern angetan.

Mein Vater, ebenfalls ein passionierter Jäger, verehrte ihn, weil Luitpold an seinem Geburtstag jedem bayrischen Kind nicht nur einen schulfreien Tag spendete, sondern auch eine Semmel mit Wurst und Kindern ab dem dritten Schuljahr sogar einen Schoppen Bier.

Meine Mutter war ebenfalls in den beliebten Regenten vernarrt, weil er 1903 das Frauenstudium in Bayern eingeführt hat.

Ein Theater und eine Straße in München sind nach ihm benannt worden, ebenso wie die Lieblingsspeise meiner Mutter, die Prinzregententorte. Du kennst doch sicherlich dieses köstliche Backwerk aus der Konditorei, das für München eine ähnliche Bedeutung hat wie die Sachertorte für Wien?

So waren sich meine Erzeuger sehr bald einig, dass ein männlicher Nachkomme den Namen Luitpold erhalten sollte. Als sie dann noch im Ratgeber für Löwennamen lasen, dass Luitpold die Bedeutung der Kühne oder Mutige aus dem Volk hatte, war der Kuchen gegessen.

Der Einwand meiner Tante Leopoldine, dass Leopold die schönere Form sei, führte zu einem schweren Familienstreit mit heftigen Tatzenschlägen und Kratzwunden. Nach einem Waffenstillstand kam es zu dem Agreement, dass man mich mit der Kurzform Poldi bezeichnen würde, womit beiden Parteien gedient wurde.

Ja, liebes Berliner Pelztier, so kam ich zu meinem Namen und bin damit ein waschechter Bavarian lion. Leider muss ich meinen standesgemäßen Namen edler Herkunft heute mit so seltsamen Wesen wie dem zweibeinigen Schienbeinkicker Podolski teilen. Aber dann gibt es auch wieder einen zweibeinigen Prinzen von Bayern, der seinen Namen mit mir teilt.

Ich bin wirklich stolz auf die Namensgebung meiner Eltern, denn auch mein Name besteht wie Deiner aus zwei Silben mit einem hellen Vokal am Ende.

PvB

Topsecret!!! Bleibt ebenfalls unter uns, buddy!

Von:FerdiAn:PoldiBetreff:Der Testesser

Hallo mein bayrischer Kumpel,

ich höre gar nichts mehr von Dir. Bist Du im Schnee stecken geblieben?

Heute möchte ich Dir eine Geschichte von meinem Frauchen erzählen, da wirst Du nur staunen.

Über meinen Dosenmampf will ich mich insgesamt nicht beschweren, der ist schon ganz okay. Doch in den letzten beiden Wochen war er eine Zumutung und das hat folgenden Hintergrund:

Mein alter Kumpel Alois, der Katergott habe ihn selig, hat mir erzählt, dass mein Frauchen viele Ratgeber gelesen hat, als er und seine früh verstorbene Schwester Lucy, die Katzengöttin habe sie selig, in den Haushalt kamen.

So hat mein Frauchen in den schlauen Büchern gelesen, man solle uns immer Dosenmampf der unterschiedlichsten Marken zu Fressen geben, damit wir keine Futtersorten-Präferenzen entwickeln.

Was für ein Blödsinn!

Das kann sich nur ein Zweibeiner ausdenken. Futtersorten-Präferenzen in Dosenform?

Ein kleiner Vogel- oder Mäusesnack, das sind meine Präferenzen.

Aber die Geschichte geht noch weiter. Kürzlich hat das Frauchen gelesen, dass eine Stiftung Dosentest herausgefunden habe, die Dosen der Eigenmarke … (keine Schleichwerbung!) seien überhaupt das Beste und Gesündeste für mich.

Sogar die zweibeinigen Freundinnen des Frauchens haben ihr von diesem Test berichtet.

Stell Dir das vor, sogenannte zweibeinige Lebensmittelheinis geben vor, meine Geschmacksnerven zu kennen. Aber vielleicht bekommen diese Zweibeiner als Belohnung für das Testergebnis nun lebenslang die Dosen für ihre Stubentiger umsonst. Diese Kumpels tun mir leid.

Als Ergebnis dieses Tests wird mir nun von Zeit zu Zeit im Rahmen des Anti-Futtersorten-Präferenz-Programms diese Pappe vorgesetzt.

Aber Du kannst mir glauben, ich bin jedes Mal hart geblieben. Keinen Bissen habe ich angerührt. Und wenn das Frauchen zuhause ist, maunze ich stundenlang, bis sie mir dann schließlich entnervt etwas anderes hinstellt.

Mein eiserner Wille hat sich aber gelohnt. Heute Abend hat sie mir endlich versprochen, die Dosen nicht mehr zu kaufen. Es sei ja nicht wirtschaftlich, wenn sie zu guter Letzt das Futter immer wegwerfen müsse.